Category: Wissenschaft

Thilo Sarrazin: Völkisches Denken uncut

authorOmar | 10. Oktober 2009

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden Stephan Kramer hat die Aussagen von Thilo Sarrazin ins richtige Licht gerückt, auch wenn das nur mit plakativen Vergleichen gemacht werden konnte. Er wird mit den folgenden Worten zitiert:

Ich habe den Eindruck, dass Herr Sarrazin mit seinen Äußerungen, mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler wirklich eine große Ehre macht, so wie er es formuliert … Er steht in geistiger Reihe mit den Herren.

Damit hat sich allerdings der Zentralrat selbst in eine gefährliche Situation gebracht, ist es nun selbst in der Kritik. Interessanterweise sind es genau diejenigen, die Meinungsfreiheit für Sarrazin fordern und gleichzeitig Herrn Kramer vorschreiben möchten, dass der “Hitlervergleich” nicht angebracht wäre. So ist das nunmal: zum Ausdruck der eigenen Meinung kann gerne auch mal hart geurteilt und sich Rassismen bedient werden. Wenn andere ebenso hart und zur Verdeutlichung mit Vergleichen agieren, dann ist plötzlich Einhalt geboten?!

Inzwischen habe ich auf Anraten eines Twitter-Teilnehmers das gesamte Interview mit Sarrazin gelesen in der Erwartung, dass etwa die zitierten Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen sind und nunmehr inhaltlich entstellt wären. Das ist aber nicht der Fall. Vielmehr macht das Interview in der Gänze einen noch schrecklicheren Eindruck. Dabei ist mein Hauptproblem mit den Aussagen nicht unbedingt, dass herablassend von Menschen gesprochen wird – etwa die “Kopftuchmädchen”, die “produziert” würden oder die “Araber” und “Türken”, die “außer für den Obst- und Gemüsehandel” “keine produktive Funktion” hätten und deren Anzahl durch “falsche Politik zugenommen” hätte. Ich habe mich über die Normalität des völkischen Denkens von Herrn Sarrazin gewundert.

Die “Vietnamesen” wären in der ersten Generation überhaupt nicht integriert, “verkaufen Zigaretten oder haben einen Kiosk”. Die zweite Generation wäre aber schulisch erfolgreich und hätte “durchweg bessere Schulnoten” als “die Deutschen”. Ebenso die Osteuropäer. Herr Sarrazin behauptet auch, dass diese Gruppen “integrationswillig” sind und “überdurchschnittliche akademische Erfolge” vorzuweisen hätten. Und dann schlägt sein rassistisches Menschenbild voll durch:

Die Deutschrussen haben große Probleme in der ersten, teilweise auch der zweiten Generation, danach läuft es wie am Schnürchen, weil sie noch eine altdeutsche Arbeitsauffassung haben. Sobald die Sprachhindernisse weg sind, haben sie höhere Abiturienten- und Studentenanteile usw. als andere. Bei den Ostasiaten, Chinesen und Indern ist es dasselbe. Bei den Kerngruppen der Jugoslawen sieht man dann schon eher ‚türkische’ Probleme; absolut abfallend sind die türkische Gruppe und die Araber.

Dazu muss erwähnt werden, dass Herr Sarrazin der Ansicht ist, dass “menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich.” Das ist in meinen Augen der zentrale Punkt in seinen Aussagen! Wenn man nämlich dieser Auffassung ist und in einem pseudowissenschaftlichen Ansatz daraus Politik zu machen versucht, dann ist man nicht sehr weit vom rassistischen Menschenbild völkischer Gruppen entfernt. Da hilft es auch nicht, wenn man bestimmten ‘Ethnien’ genetisch veranlagt positive kollektive Eigenschaften zuschreibt, wie vier alte aber sehr empfehlenswerte Manuskripte vom Südwestrundfunk mit dem Titel “Rassismus in der Weltliteratur” beweisen1. Ich empfehle in diesem Zusammenhang auch “Thilo Sarrazin und der Neuaufguss des Sozialdarwinismus”:

Sozialdarwinisten sehen im menschlichen Zusammenleben eine statisch missverstandene Natur am Werk. Das ist aus rein naturwissenschaftlicher Sicht völlig absurd. Die soziale Stellung ist zum überwiegenden Teil Resultat von Verfasstheit und aktueller Situation der Gesellschaft, der Familie, Gruppe, in die man hineingeboren wird.
Das persönliche Schicksal, die soziale Stellung hat ganz überwiegend mit Zufall, Glück und Pech zu tun und nur zu einem verschwindend geringen Teil mit Erbgut oder Genen.

Thilo Sarrazin wieder:

Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt. So kann man keine nachhaltige Gesellschaft bauen, das geht für ein, zwei, drei Generationen gut, dann nicht mehr. Das klingt sehr stammtischnah, aber man kann das empirisch sehr sorgfältig nachzeichnen.

Das ist nicht nur stammtischnah, sondern das ist gefährlicher Unfug, der in seinen möglichen Konsequenzen an das Nazi-Projekt Lebensborn erinnert. Deshalb hat auch Herr Kramer recht, wenn er das Gedankengut Sarrazins in die Nähe der von Hitler und Goebbels rückt. Das sieht auch Solon vom Blog “Schieflage” so:

Und das ist genau der Punkt, an dem der implizite Rassismus der Vorstellungen von Sarrazin und Giordano sichtbar wird. Dementsprechend bieten Sarrazin und Giordano auch nur biologische Lösungen des Problems an: Die Zahl dieser Menschen muss veringert werden oder zumindest konstant gehalten werden. Die Existenz dieser Menschen selbst wird also letztlich zur Disposition gestellt.

Thilo Sarrazins Aussagen haben im Kern wenig mit Ausländern oder Integration zu tun. Er bedient sich existierender Stereotype und fremdenfeindlicher Einstellungen, um seine völkische Sicht an den Mann zu bringen. In der Konsequenz werden auch einige Deutsche betroffen sein, von denen er glaubt, dass sie “unproduktiv” wären. Wie er die “produktive Funktion” von behinderten Menschen einschätzt, das hat er uns noch vorenthalten.

Die Kontroverse zeigt allerdings in alarmierender Weise, wie viele Menschen in Deutschland für völkisches Denken empfänglich sind! Während die meisten rechtsextremen Parteien ihr biologistisches Weltbild in der Öffentlichkeit abgelegt haben und nunmehr kulturalistisch argumentieren, scheinen die Befürworter Sarrazins genau diesem Weltbild erlegen zu sein.. Die logische Konsquenz aus dieser ethnisch zentrierten Wahrnehmung, wie sie etwa Sarrazin an den Tag legt, ist, dass man glaubt, Türken ‘wären halt so’, Vietnamesen eben anders und Osteuropäer nochmals anders – alles aufbauend auf den kollektiven Genen der uns unähnlichen Menschen – man könnte auch “Rassen” sagen.

  1. jeweils mit positiven und negativen “Eigenschaften” von Kollektiven, “Faul und lustvoll – der ‘Neger’”, “Intelligent und hinterhältig – ‘Der Jude’”, “Sinnlich und fanatisch – Der ‘Muselmann’” und “Frei und diebisch – der ‘Zigeuner’”. Ich habe die Manuskripte alle, wenn jemand Interesse hat.[]

William Kamkwamba – The boy who harnessed the wind

authorOmar | 8. Oktober 2009

Ein interessantes Interview auf dailyshow mit William Kamkwamba, der mit 14 Jahren während eines Dürrejahres in Malawi und lediglich auf der Grundlage einiger Bilder in einem Buch eine funktionierende Windenergieanlage gebaut hat. Die Passage über google ist recht ansprechend.

“Military Studies” in Hannover – hier ist gefälschte Broschüre

authorOmar | 12. Juni 2009

Leser Benjamin hat mir freundlicherweise einen Scan der Broschüre geschickt, die die Universität Hannover kürzlich dementiert hat. Weiter unten finden sich die Bilder dazu. Aus dem Inhalt:

  • das Institut für Grundlagen der Elektrotechnik und Messtechnik der Leibniz Universität Hannover arbeitet in enger Kooperation mit dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung unter anderem an einer Abschirmung gegen und der Entwicklung von nicht-letalen Waffensystemen
  • in Kooperation mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr forscht die Medizinische Hochschule Hannover an der möglichst mobilen und auch in Auslandseinsätzen vor Ort anwendbaren Rekonstruktiven Wiederherstellung verletzter Soldaten
  • die Tierärztliche Hochschule Hannover forscht in Zusammenarbeit mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr an Methoden der veterinärmedizinischen Lebensmittelüberwachung
  • im LaserAnwendungsZentrum der Technischen Universität Clausthal-Zellerfeld wird in Kooperation mit Munitionsherstellern an laserbasierten Geräten zur Aufspürung von Sprengstoff und Landminen gearbeitet

[..]

Drittstaatenangehörige bewerben sich mit einem handschriftlich verfassten Lebenslauf, einer schriftlichen Begründung und einem polizeilichen Führungszeugnis und leisten einen Verfassungseid.

[..]

Pflichtkurse:

  • Wehrtechnische Grundlagen
  • Wehrmedizinische Grundlagen
  • Kampfstoffkunde I: Ballistische Waffen
  • Kampfstoffkunde II: ABC-Waffen
  • Kampfstoffkunde III: nicht-letale Waffen

[..]
Persönliche Voraussetzungen

[..] Innereuropäische Fremdsprachenkenntnisse sind wünschenswert. Die Beherrschung regionaler Stammessprachen ist gerade für Auslandseinsätzen [sic] besonders hilfreich.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass in die Erstellung der Broschüre sehr viel Fleiß eingeflossen zu sein scheint. Anbei vier Bilder von der Broschüre zur Einsicht.

Kein Studiengang “Military Studies” in Hannover

authorOmar | 10. Juni 2009

Die Broschüre habe ich zwar nicht aufgefangen, allerdings das Dementi:

Unbekannte haben einen Flyer gedruckt und in Umlauf gebracht, der über einen angeblichen Masterstudiengang “Military Studies” an der Leibniz Universität Hannover informiert. Die Broschüre ist in Aufbau und Layout ähnlich wie die Studiengangs-Info-Flyer der Universität gestaltet und offenbar weit über Hannover hinaus verteilt worden. Den Studiengang “Military Studies” gibt es an der Leibniz Universität Hannover nicht. Die Leibniz Universität stellt Strafanzeige gegen Unbekannt und Antrag auf Strafverfolgung.

Hintergrund der Aktion ist vermutlich der studentische Protest gegen ein Forschungsprojekt am Institut für Grundlagen der Elektrotechnik und Messtechnik. Das Projekt, das inzwischen abgeschlossen ist, war der Frage nachgegangen, wie sicherheitskritische Anlagen wie Computer, Telefonzentralen oder elektromagnetische Militärgeräte gesichert werden können. Studierende hatten das Projekt als “Rüstungsauftrag” kritisiert und unter anderem während des Neujahrsempfangs der Universität dagegen protestiert.

Wenn jedes Forschungsprojekt, das dem Militär förderlich sein soll zum Protest führen würde, würden wir wahrscheinlich nicht mehr forschen können.

Artikel für den 23. Februar 2009

authorOmar | 24. Februar 2009

Leider bin ich derzeit zu beschäftigt, um komplette Artikel selbst zu schreiben. Trotzdem möchte ich einige Artikelempfehlungen loswerden.

Inland:

Sich als Exotin in den jungengeprägten Klassen des Binger Stefan George Gymnasiums zu behaupten, das würde kein Zuckerschlecken. Das wusste die Familie. Doch das katholische Mädchengymnasium nebenan nahm das Mädchen mit Kopftuch und Spitzennoten nicht auf. “Inzwischen hat sich aber die zweite Wahl als Glücksgriff erwiesen.” Mit stänkernden Jungs hat Nada keine Probleme.

Irak:

Mit Erschrecken und Entsetzen lese ich in letzter Zeit Artikel über den Zustand im Irak. Sie beschreiben fast alle eine zerrüttete Gesellschaft, die vor allem von Rechtlosigkeit regiert wird. Der neuste Artikel behandelt das Thema Witwen. Dass die irakische Regierung innerhalb der “grünen Zone” als Antwort auf die Verbreitung des Bettel-Phänomens nur die Inhaftierung der Bettelnden hat, ist mehr als nur tragisch. Dass daneben die USA nicht zu stattlichen Reparationszahlungen zu zwingen ist, ist ein weiteres Unrecht, das man den Witwen antut.. Wer zählt schon..

Among Iraqi women aged 15 to 80, 1 in 11 are estimated to be widows, though officials admit that figure is hardly more than a guess, given the continuing violence and the displacement of millions of people. A United Nations report estimated that during the height of sectarian violence here in 2006, 90 to 100 women were widowed each day.

In large cities like Baghdad, the presence of war widows is difficult to ignore. Cloaked in black abayas, they wade through columns of cars idling at security checkpoints, asking for money or food. They wait in line outside mosques for free blankets, or sift through mounds of garbage piled along the street. Some live with their children in public parks or inside gas station restrooms.

Officials at social service agencies tell of widows coerced into “temporary marriages” — relationships sanctioned by Shiite tradition, often based on sex, which can last from an hour to years — to get financial help from government, religious or tribal leaders.

Israel – Palästina:

Der Krieg im Gaza-Streifen geht weiter. Eine Zusammenfassung der Ereignisse hält der wöchentliche Bericht vom Palestinian Centre for Human Rights bereit. Wenn man schon dort ist, sollte man sich auch den zusammenfassenden Bericht für den Gaza-Krieg.

Ansonsten sind die Verhandlungen bislang ergebnislos.. Die Regierung im Gaza-Streifen bietet dagegen einen langfristigen (1,5 Jahre) Waffenstillstand gegen die Aufhebung der Belagerung. Die Freilassung des Soldaten Gilad Shalit stellen sie gegen die Freilassung einiger palästinensischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen in Aussicht. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Haltung des israelischen Unterhändlers in Ägypten, der nun deswegen auch abgesetzt wurde:

Israel kritisiert nun Amnesty International, da dieses die Dinge beim Namen nennt:

In a report released today, Amnesty International listed the weapons used and called for an immediate arms embargo on Israel and all Palestinian armed groups. It called on the US president, Barack Obama, to suspend military aid to Israel.

Amnesty said Israel’s armed forces carried out “direct attacks on civilians and civilian objects in Gaza, and attacks which were disproportionate or indiscriminate”.

Israel scheint den demographischen Kampf nicht nur durch – teils grausame – Tötung, sondern auch durch vermehrte “richtige” Geburten gewinnen zu wollen. Tut mir leid für den Link auf eine nationalistische Seite..

Good news for Jewish demographics in Israel: the latest statistics released by the Central Bureau of Statistics shows a rising birth rate in the Jewish sector. However, Jewish family sizes are still smaller than those in the Arab population.

Guantanamo:

Hier ist besonders der neu entlassene Guantanamo-Häftling zu erwähnen, der nach eigenen Aussagen auch in Marokko gefoltert wurde. Es wird interessant sein zu erfahren, welche Versprechen er unterschreiben musste, um aus dem Gefängnis freizukommen.

Scharia ist NICHT “islamisches Recht”

authorOmar | 21. November 2008

Langsam muss man an der Auffassungsgabe einer breiten Mehrheit der deutschen Medienschaffenden zweifeln.

Dr. Mustafa Cerić ist der Mufti Bosnien-Herzegovinas und das inzwischen in der zweiten siebenjährigen (Wahl-?)Periode. Er ist Unterzeichner der “Amman Message” “A Common Word Between Us and You” – ein signalgebendes Dokument an den Papst von einer Vielzahl muslimischer Gelehrter. Für seine Bemühung im interreligiösen Dialog soll Herr Cerić mit dem Eugen-Biser-Preis geehrt werden. In den letzten Tagen ist allerdings eine alte Diskussion losgetreten worden, die eine wissenschaftliche Veröffentlichung von ihm in der CDU-nahen Zeitschrift “European View” betrifft. Wer diese Diskussion wieder losgetreten hat ist unklar.

Zitierübungen

Aus der Veröffentlichung, die online über den Springer-Verlag erhältlich ist1, wird gemeinhin der folgende Satz zitiert:

There are three basic theological foundations of Muslim authority: the ‘aqı¯dah, the sharı¯’ah and the ima¯mah.

Der Kölner Stadtanzeiger besteht sogar darauf, dass Herr Cerić folgendes geschrieben hätte:

Die Verpflichtung auf die Scharia, darin gipfeln seine Ausführungen, sei „immerwährend, nicht verhandelbar und unbefristet“.

und weiter

Aber dann outete sich Ceric in dem Aufsatz als jemand, der die Scharia als ewiges Prinzip preist, „auf dessen Basis jede Generation von Muslimen das Recht und die Pflicht hat, über gut und schlecht, richtig oder falsch zu urteilen“.

Erst einmal lesen!

Gott sei Dank gibt es einige Medien, die seinen Text tatsächlich gelesen haben und sich nicht unbedingt auf Internetnutzer nicht näher benannter “einschlägiger islamkritischer Foren” (Zitat Kölner Stadtanzeiger!!) beziehen müssen, um Informationen ausfindig zu machen. Die Deutsche Welle schreibt etwas wahrheitsgemäß:

Tatsächlich spricht Ceric in seinen Ausführungen in der “European View” von einer “immerwährenden, nicht verhandelbaren und unbefristeten” Verpflichtung gläubiger Muslime auf die “Scharia”. Und unter “Scharia” verstehen Cerics Kritiker ein drakonisches islamisches Recht mit Strafen wie “Auspeitschen, Verstümmelung und Steinigung”; der Großmufti wolle also letztlich die westliche Rechtsordnung, Gewaltenteilung, Religionsfreiheit und Gleichberechtigung abschaffen.

Ceric hingegen erläutert “Scharia” in seinem Aufsatz ausführlich als eine übergeordnete Weltanschauung, als ein moralisches Leitbild und als Verpflichtung gegenüber Gott. Er grenzt “Scharia” in diesem Sinne ausdrücklich ab gegen angewandtes Recht, zum Beispiel das “angewandte islamische Recht”, das mit “Fiqh” bezeichnet wird. Dieses sei, so schreibt er, ganz im Gegenteil eben “nicht immerwährend, sondern verhandelbar und befristet”.

Dazu aus der Veröffentlichung Herrn Cerićs:

The second theological foundation of Muslim authority is the sharı¯’ah. Literally, the sharı¯’ah means ‘water hole’, ‘drinking place’ or ‘approach to a water hole’. ‘The word sharı¯’ah is common to Arabic-speaking people of the Middle East and designates a prophetic religion in its totality, as is evident in such phrases as sharı¯’ah Mu¯sa¯, sharı¯’ah al-Ması¯h (the law/religion of Moses or the Messiah) [20, p. 321]. Thus, the sharı¯’ah is more than a personal commitment and more than the continuity of memory as personal identity. The sharı¯’ah is the communal commitment and the community identity that is the continuation of the collective memory. It is the continuity of memory of ‘the Noahide covenant, which is God’s perpetual relationship with mankind after its near destruction in the Flood’ [13, p. 34]3 and the Sinaitic covenant, which is God’s Ten Commandments revealed to Moses at Mount Sinai.

In the sharı¯’’ah as their Weltanschauung, Muslims have their covenant with God, a covenant that is the same in content if not in form as the previous covenant contained in the Old Testament of Moses and the New Testament of Jesus. [...]

Hence, this Islamic covenant, the sharı¯’ah, is perpetual, it is not negotiable and it is not terminable. It is perpetual because it is God’s infinite (azalı¯) word in the past; it is not negotiable because it has a power to enforce obedience; and it is not terminable because it is infinite (abad) into the future.

The fiqh (Islamic applied law) is not the sharı¯’ah. Rather, it is a particular understanding of the sharı¯’ah. Thus, the fiqh (understanding) of the shari’ah of a particular person or group is not perpetual, it is negotiable and it is terminable. The sharı¯’ah is the perpetual principle on the basis of which each and every generation of Muslims has the right and the duty to make judgments about good and evil, right and wrong, in the context of its time and space in accordance with its own experience. Hence, the sharı¯’ah is the Muslim’s authority in morals,6 coupled with the authority in faith, the shaha¯dah.

Wiederspruch?

Nun vermelden unterschiedliche Onlinezeitungen mehr oder weniger einheitlich: Großmufti bekennt sich zum Grundgesetz”2. Darin wird ein scheinbarer Widerspruch aufgebaut zwischen Scharia und Grundgesetz, um dann zu sagen, dass der Großmufti sagt, das Grundgesetz stehe über der Scharia. Schaut man sich das Interview im Kölner Stadtanzeiger an, auf das sich dieser Artikel bezieht, dann erkennt man dass der Mufti mehrfach versucht hat darzustellen, dass eben gerade die Vermischung von Scharia und “islamisches Recht” fehlerhaft ist. An der Überschrift des Interviews – “Landesrecht steht über Scharia” – sieht man, dass der Kölner Stadtanzeiger die Botschaft überhaupt nicht verstanden hat:

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Ceric, warum ist die Scharia so fundamental für die Lebensführung von Muslimen?

MUSTAFA CERIC: Sie ist die Grundlage des Glaubens. Die Scharia hat für Muslime die gleiche Bedeutung wie die Zehn Gebote für Christen.

Verlangen Sie, dass die Scharia in das Strafrecht der Bundesrepublik oder anderer europäischer Länder implementiert wird?

Er sagt natürlich auch

Landesrecht ist das oberste Gesetz. Das steht über allem. Dem hat sich auch islamisches Recht zu unterwerfen.

Aber da nimmt er Bezug auf “islamisches Recht” und eben gerade nicht auf Scharia!

Lost in Dumbness

Die Aufregung um die Aussagen des Muftis Cerić haben vor allem damit zu tun, dass sich im deutschen Sprachgebrauch durchgesetzt hat, dass “Scharia” ein Synonym zu “islamischem Recht” darstellt. Dass dies nicht der Wahrheit entspricht, wird auch nach eingängiger sprachlicher, islamwissenschaftlicher und sonstiger Erklärung beharrlich ignoriert. Es wäre genau so, als würde man Aufklärung mit einer Art des kapitalistischen Wirtschaftens in Verbindung bringen wollen. Beides hat durchaus entfernt miteinander zu tun (sie traten historisch nacheinander auf), allerdings würde dadurch keiner auf die Idee kommen, bei der Benutzung des Wortes “Aufklärung” “Kapitalismus” zu verstehen.

Im Falle von Scharia kommt noch die panische Reaktion auf das Wort aus einer tief verwurzelten Islamophobie, die von Muslimen ausgehend grundsätzlich eine Gefahr sieht.

  1. wie Kathrin bereits vor einigen Monaten festgehalten hatte[]
  2. einheitlich bei der Zeit Online und dem Tagesspiegel[]

Beiträge zum Thema “Professur Kalisch”

authorOmar | 28. Oktober 2008

Ich hatte bereits zu Anfang der Auseinandersetzung um die Professur von Prof. Kalisch einen Beitrag verfasst, der meine Meinung gut wiedergibt. Um es kurz zu fassen: ich sehe Herrn Kalisch nur blubbern. Er rezipiert eine bestimmte religionskritische Richtung und gibt sie unreflektiert wieder, ohne ihr eigene Gedankengänge, geschweige denn eigens erarbeitete Materialien beizusteuern. Ich hatte mich nicht so sehr um die Inhalte seines Glaubens gekümmert, weil mich diese reichlich wenig interessiert1. Zwei Punkte interessieren mich persönlich am meisten:

  1. Wie kommt er darauf, Islamlehrer ausbilden zu wollen, wenn weder diese noch die Eltern der Kinder ihn wollen?
  2. Was ist die Forschung, die er tatsächlich betrieben hat, um zu diesen Schlußfolgerungen zu kommen?

Ein Institut der Intrigen

Nachdem ich anfing, mich damit zu befassen, habe ich Kontakt zu einigen Studenten bekommen, die bei Kalisch studieren. Je mehr ich mir dann anhören musste, was am Institut passiert, desto gruseliger wurde mir. Der Druck, dem die Studenten von Seiten der Institutsleitung ausgesetzt sind, ist mir von keiner anderen Institutstätigkeit bekannt. Es mag sein, dass es in den Geisteswissenschaften gängiger ist, am Institut “freiwillige Helfer” einzustellen und sich von studentischen Hilfskräften verteidigen zu lassen und von ihnen Verleumdungen gegenüber Mitarbeitern einzuholen, aber von den Ingenieurwissenschaften ist es mir nicht bekannt. Ich vermute, diese Umtriebe sind nur am Centrum für religiöse Studien gängige Praxis. Ich bin froh darüber, dass zwei Studenten nun in einem Interview mit der Münsterschen Zeitung auspacken und – so kurz der Artikel auch ist – die Lage versuchen zu beschreiben:

Studierende der Islamkunde am Centrum für Religiöse Studien fühlen sich ausgenutzt und manipuliert: Prof. Muhammad Sven Kalisch nutze seinen Lehrstuhl, um internationales Aufsehen zu erregen. „Von einem vernünftigen Studium kann da nicht mehr die Rede sein.“

Der Großteil der 26 Islamkunde-Studenten kritisierte die „Publicity“, die über ihre Köpfe hinweg veranstaltet werde. „Was wir fühlen, danach fragt keiner, Hauptsache Prof. Kalisch steht im Rampenlicht“, sagen zwei Mitglieder der Studierendenschaft, die Namen sind der Redaktion bekannt. Ihr Studium sei katastrophal, „eine echte psychische Belastung“.

Richtig finde ich deswegen auch, dass der Rat der muslimischen Studenten in einem Positionspapier klarmacht, dass die Rechte der Studenten gewahrt werden müssen:

Wir fordern die Universitätsleitung Münster und das zuständige Ministerium auf, die Interessen der betroffenen Studenten zu wahren und sie vor Druck und Bevormundung durch die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen des Lehrstuhls – die bislang leider an der Tagesordnung sind – zu schützen.

Forschungsergebnisse oder Ergebnisforschung?

Im Positionspapier wird weiterhin die angebliche Forschung von Herrn Kalisch kritisiert:

Wir als muslimische Studenten, Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftler unterstützen in diesem Sinne historisch-kritische Forschung, auch und gerade in Bezug auf die Quellen islamischer Geschichtsschreibung und religiöser Auslegung. Ein Ansatz zu dieser muss selbstverständlich, wie vielerorts gefordert, ergebnisoffen angelegt sein.

Wir sehen eine solche Forschung allerdings durchaus in Gefahr, wenn, wie im Fall von Professor Muhammad Kalisch, das Ergebnis schon feststeht, bevor die dafür erforderliche Forschung auch nur ansatzweise erfolgt ist. In mehreren Veröffentlichungen schildert Muhammad Kalisch seinen Standpunkt in Bezug auf die Nichtexistenz von Propheten1. Jedoch weisen die Veröffentlichungen keinerlei zu erwartende Quellenforschung auf, die ein solches Resultat wie die Tendenz zur Nichtexistenz des Propheten Muhammads zum Ergebnis haben könnte. Dies wären z.B. Arbeiten wie die Sammlung und Auswertung unterschiedlicher früher Niederschriften des Qur’ans, der kritische Quellenvergleich der Entwicklung des frühen islamischen Rechts, oder auch die historische Untersuchung der Authentifizierungsmethoden zu Berichten aus der frühen muslimischen Geschichte. Diese Forschung wird durchaus in der Moderne betrieben2, von daher verwundert es stark, dass sie von Muhammad Sven Kalisch noch nicht einmal rezipiert werden, während er nur auf solche eingeht, die seine Theorie unterstützen und die zudem auch noch am Rande oder sogar außerhalb der Wissenschaftlichkeit selbst argumentieren, wie dies bei den revisionistischen Thesen von Cook und Crone der Fall ist.

Seine angebliche Forschung wird auch teils in einer Radio-Diskussion zwischen ihm und Prof. Gudrun Krämer und Aiman Mazyek thematisiert. Dieses möchte ich pauschal zum Anhören empfehlen.

Die islamische Zeitung hat sich das Thema vorgenommen und gleich zwei Kommentare von Muslimen hierzu veröffentlicht: Der erste kommt von Lydia-Ayscha Einenkel2 und behandelt weitab von Kalisch die Anwendbarkeit einer historisch-kritischen Methode auf islamische Texte und Quellen.

Doch nicht in der islamischen Theologie. Wieso nicht? Weil gerade wegen Kalisch‘s Thesen die historisch-kritische Methode mit Kritik im Sinne von Anfechtung und Ablehnung assoziiert wird. Dies ist aber nicht gemeint, betrachtet man die Methodik genauer, kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass diese sehr gut mit dem Islam harmoniert, dass sie sogar Grundlage in den klassischen islamischen Wissenschaften ist und wir diese nicht erst von den westlichen Orientalisten oder christlichen Theologen des 20. Jahrhunderts übernehmen müssen, weil uns eine Aufklärung fehle, wie Kalisch in einem Interview sagte.

Wissenschaftlich-exegetische Methoden verfügen über eine lange Tradition im Islam. Zur Bildung von Dogmen ohne Text- und Kontextbezug ist es in diesem Sinne nie gekommen. Schon grundsätzliche Ansätze über die Konsens besteht kann man, will man die Terminologie benutzen, als historisch-kritische Methode bezeichnen. Hier sollen nur einige Grundlagen exemplarisch genannt werden.

Dieser Punkt ist mir selbst aufgefallen, als ich mir – quasi als Laie – die wikipedia-Definition von “historisch-kritisch” angeschaut habe. Einen Großteil der Arbeit haben Hadith- und Koran-Gelehrte seit jeher getan: Die Authentizität der Überlieferung prüfen und dies vor allem über die Überliefererketten. Die Kriterien für die Stimmigkeit der Überlieferung haben sich von Wissenschaftler zu Wissenschaftler unterschieden und dementsprechend gibt es immer wieder Unstimmigkeiten, wenn es um die Authentifizierung verschiedener Überlieferungen geht. Interessant finde ich, dass Herr Kalisch diese Forschungsarbeit vollkommen ignoriert und davon losgelöst und ohne sie fachlich zu kritisieren ernsthafte Forschung veranstalten möchte..

Eine weitere Wissenschaftlerin, die nicht ungenannt bleiben soll, ist Frau Angelika Neuwirth, die in Berlin Arabistik lehrt. Sie gab der KNA ein Interview, das bei der “Islamischen Zeitung” abgedruckt wurde.

Bedauerlicherweise hat Herr Kalisch seine persönlichen Zweifel an der Historizität Mohammeds öffentlich gemacht. Solche Zweifel hätten sich durch gründliche Lektüre zur Forschungslage leicht zerstreuen lassen. Zu dieser Lektüre wäre Herr Kalisch wie jeder Lehrstuhlinhaber, gleichgültig in welchem Fach er tätig ist, sich und seinen Fachkollegen gegenüber verpflichtet gewesen, um seine eigene Sicht auf die Auseinandersetzung mit der bisherigen Forschung gründen zu können. Seine Veröffentlichung der Zweifel ohne differenzierte Begründung und ohne eine überzeugende Gegenhypothese kann nur als Provokation verstanden werden. Hier ist eine möglichst ebenfalls öffentliche Diskussion gefordert, nicht einfach Berufung auf die akademische Freiheit. An diese Freiheit würde in Disziplinen mit stärkerem Kritikpotenzial kaum appelliert werden können. Islamische Studien sollten da keine Sonderstellung beanspruchen.

Ob sich Herr Kalisch auf eine solche öffentliche – aber nicht minder wissenschaftliche – Debatte einlassen würde, bleibt fraglich. Am Centrum für religiöse Studien führt er derzeit eine Veranstaltungsreihe mit mehreren ausgewählten Leuten, unter anderem mit Karl-Heinz Ohlig. Die Veranstaltungsreihe wird von ihm folgendermaßen charakterisiert:

Die Wintersemester-Ringvorlesung „Geschichte oder Mythos?“ des Centrums für Religiöse Studien der Universität Münster möchte den Vertretern dieser alternativen Theorien ein Forum bieten, ihre Ansätze in der Öffentlichkeit vorzustellen und in einen Dialog mit Vertretern der Mehrheitsmeinung zu treten.

Der Dialog mit der Mehrheitsmeinung sieht dann so aus, dass nach dem Vortrag von Kalisch selbst am 15.1.20093 zwei weiteren Zweiflern an der Historizität Muhammads4 an der Reihe sind, gefolgt von einem Symposium an dem Karl-Heinz Ohlig über “Christliche Zeugnisse aus den ersten beiden islamischen Jahrhunderten zum Islam” und Volker Popp über “Wann verschwand das Kreuz aus der frühislamischen Ikonographie?” referieren. Und – aufgepasst! – hier kommt die Mehrheitsmeinung: Es diskutieren Michael Marx (Corpus Coranicum) und Prof. Stephan Wild (Bonn)!

Naja, für mich setzt Kalisch damit seine Art fort, nur ausgesuchte Meinungen an seine Ohren und seinen Verstand heranzulassen, statt tatsächlich ergebnisoffen und quellen- und beweisorientiert zu diskutieren.

Diese Vermutung wird durch die Beschreibung von Akif Sahin gestützt, der seine Auseinandersetzung mit Kalisch in seinem Blog wiedergibt:

Da ich persönlich in Hamburg in diversen Unterrichtseinheiten schon damals Kritik an Kalischs vorgehen geäußert habe, kann ich auch davon berichten wie Kalisch vorgeht. Für ihn ist das Ziel wichtig. Wenn er ein Ziel vor Augen hat, dann lässt er alles andere, was gegen dieses Ziel sprechen könnte, völlig unbeachtet und versucht seine Meinung mit nicht haltbaren Argumenten zu stützen.

Islamlehrer

Dies alles berührt das Thema der Ausbildung von Lehrern für den Religionsunterricht in keinster Weise. Kalisch hat ein Problem mit der Logik, wenn er fordert, dass die Ausbildung der Religionslehrer unabhängig von den Religionsgemeinschaften geschehen soll. Dies ginge, wenn man einen einheitlichen Ethikunterricht5 einführen würde, was die Humanisten unter uns sehr freuen würde. Solange aber ein bekenntnisgebundener Unterricht angeboten werden soll, muss die Religionsgemeinschaft (in Maßen) darüber entscheiden, welche Inhalte von welchen Lehrern an die Kinder vermittelt werden sollen. Wir können ja gerne über die Abschaffung dieses Unterrichts reden6, allerdings fragt man sich dann, wofür Herr Kalisch die Professorenstelle angenommen hat, die zu Anfang vor allem zur Ausbildung von Islamlehrern gedacht war..

  1. dies hat sich mit meinem letzten Kommentar durchaus geändert, dies aber vor allem, da Herr Kalisch selbst seinen persönlichen Glauben in die Öffentlichkeit trägt[]
  2. mir nicht weiter bekannt[]
  3. “Die Mutter ihres Vaters – Fatima, die frühislamische Gnosis und die Frage nach dem historischen Muhammad”[]
  4. deren Thesen teils bereits mehrfach widerlegt wurden[]
  5. eine Art Staatsreligion ;-) []
  6. in meinen Augen kann die Religionsgemeinschaft das auch gut in den eigenen Räumlichkeiten (Moschee/Synagoge/Kirche/Tempel..) erledigen[]

Zum offenen Streit zwischen dem Koordinationsrat der Muslime und Professor Kalisch

authorOmar | 16. September 2008

Ein Streit ist nun offen zwischen dem Koordinationsrat der Muslime in Deutschland und dem Professor für “Religion des Islam” Muhammad Kalisch entbrannt. Der Koordinationsrat verkündete am Freitag, dass sie die Zusammenarbeit mit dem “Centrum für religiöse Studien” nicht fortführen werden und zog seine Empfehlung zum Lehramtsstudium am “Lehrstuhl für Religion des Islams” zurück. Die Begründung fiel zunächst knapp aus: Der Grund liege in der “erheblichen Diskrepanz zwischen den Grundsätzen der islamischen Lehre und veröffentlichten Positionen des Leiters des CRS in Münster”.

Hintergrund

Professor Muhammad Sven Kalisch bekam in 2004 den Ruf von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. In der Ankündigung zu seiner Professur spiegelt sich der Zweck der neugeschaffenen Stelle:

Mit der Ernennung von Privatdozent Dr. Muhammad Sven Kalisch aus Hamburg zum Professor für das Fach “Religion des Islam” an der Westfälischen Wilhelms-Universität ist nun der Weg frei: Die Universität Münster ist die erste deutsche Hochschule, die Lehrerinnen und Lehrer für Islamunterricht ausbilden wird. [...] “Münster bietet damit bundesweit als erste Hochschule ein wissenschaftliches Hochschulstudium im Bereich Lehrerausbildung Islamunterricht an”, betonte Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft am Donnerstag in Düsseldorf anlässlich der Ernennung von Prof. Kalisch.

Die Ausbildung von Lehrern für den damals in einigen Ländern angedachten und teils probeweise eingeführten Islamunterricht1 war auch in der medialen Aufbereitung die ausschlaggebende Arbeit des Instituts. Seine Befähigung zu diesem Posten war unklar, denn bis dahin hatte er Jura studiert und in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften promoviert. Zwar galt seine Doktorarbeit der “Vernunft und Flexibilität in der islamischen Rechtsmethodik”, allerdings schien er nicht mehr in diese Richtung getan zu haben. Seine Habilitationsschrift, die er zu “Fiqh und Usul al-fiqh in der Zaidiya – Die historische Entwicklung der Zaidiya als Rechtsschule” schrieb, scheint bis heute nicht veröffentlicht worden zu sein. Zum Vergleich schaue man sich einfach mal den Lebenslauf vom neuen Professor für islamische Religionspädagogik Bülent Ucar in Osnabrück an.

Aus muslimischer Seite war seine religiöse Zuordnung durchaus ein Problem. Von Anfang an war klar, dass er sich gerne einer Minderheitengruppe zuschrieb, den Zaiditen, auch wenn sich das über die Jahre geändert hatte. Diese sind eine Untergruppe der Schiiten, die Bestand hatte, da sie um die Jahrtausendwende Staatsreligion eines Königreichs im Jemen wurde. Sich selbst sehen die Zaiditen als Bindeglied/Mischung zwischen Schiiten und Sunniten. Dazu trägt bei, dass sie anders als die meisten Schiiten, das Imamat2 nicht als verbindlich ansehen. Von sunnitischen Gelehrten wie etwa Abu-Hanifa und Al-Ghazali übernahmen die Zaiditen das Kriterium “Aql”3 zur Koranexegese.

Unabhängig davon haben die muslimischen Verbände nach der Rückversicherung von Kalisch, einen ergebnisoffenen Diskurs zu führen und seinen eigenen Glauben aus seinem Unterricht herauszuhalten, die Mitarbeit angestrebt. Schließlich ging es um den Religionsunterricht und um ein Modellprojekt.

Im Zuge des Karikaturenstreits hatte Prof. Kalisch dann eine Stellungnahme abgegeben, die vor allem mit der Meinungsfreiheit und religiösen Gefühlen zu tun hatte. Daneben ließ Herr Kalisch folgendes anklingen:

Wenn die islamische Theologie nicht in einer Liga mit evangelikalen Erweckungspredigern spielen, sondern ernsthaft wissenschaftliche Theologie betreiben möchte, dann muss sie sich den Herausforderungen stellen, die die moderne wissenschaftliche Forschung zur Religionsgeschichte aufwirft. Alttestamentler und Archäologen wie Thomas Thompson, Philip Davies, Niels Peter Lemche
oder Israel Finkelstein haben uns in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass wir Abraham, Moses und manche anderen biblischen und koranischen Gestalten aus der Liste der real existierenden historischen Personen streichen können. Solche Erkenntnisse fordern eine Weiterentwicklung der Hermeneutik des Koran, eine neue Beschäftigung mit dem Offenbarungsbegriff und neue Ansätze einer islamischen Theologie der Religionen. Hier kann man insbesondere auf Ansätzen der muslimischen Philosophen und
Mystiker aufbauen.

Ich weiß noch, dass ich mir an den Kopf gefasst hatte: Hat er gerade gesagt, dass es Moses seiner Meinung nach nicht gegeben hat?? Hmm.. nach nochmaligem Lesen schien mir eher, dass er den ergebnisoffenen Diskurs tatsächlich offen zu halten versucht.

Naturwissenschaft vs. Religion?

Im Laufe der Jahre haben sich aber die Aussagen seinerseits gehäuft, in denen es schien, er hätte mit seinem eigenen Glauben große Schwierigkeiten. Exemplarisch hierfür ist der Aufsatz “Perspektiven islamischen Denkens in Europa” aus dem Jahr 2006. Darin schreibt Kalisch unter der vielsagenden Kapitelüberschrift “Islamische Theologie/Philosophie” ziemlich viel, was aber auf folgendes heruntergebrochen werden kann:

Der Glaube an eine Offenbarung durch einen Gott ist unmodern. Außerdem ist er wissenschaftlich nicht aufrecht erhaltbar, da Wissenschaft eine Gesetzmäßigkeit voraussetzt. Der Ansatz der Gesetzmäßigkeit schließe qua der fehlenden Beobachtungen aus, dass es “Wunder” gegeben habe:

Wenn Theologie aber eine Wissenschaft sein möchte, dann muss sie unterstellen, dass menschliches Handeln in der Geschichte allgemein gleichen Naturgesetzmäßigkeiten unterliegt. Wunder kann es nicht geben und wenn es sie gäbe wären sie nicht beweisbar und würden historische Forschung unmöglich machen. Historische Forschung nämlich ist nur dann möglich, wenn man unterstellt, dass zu allen Zeiten an allen Orten für alle Menschen die gleichen Naturgesetzmäßigkeiten gelten.

Nun haben muslimische Denker schon früher den Ansatz verfolgt, Wunder als innerhalb der “Sunnatullah”4 für “nicht möglich” zu erachten. Sie haben aber mehrheitlich nicht den Übermut besessen, diese Gesetzmäßigkeit in der Natur erkennen zu glauben. Gesetzmäßigkeit ist ohnehin abhängig von der Ebene, in der man sich befindet und die Gesetze, die der Mensch aus einer gegebenen Gesetzmäßigkeit ableitet sind stets eine Abbildung dessen, was der einzelne Mensch von dieser Gesetzmäßigkeit beobachten konnte. Wenn also ein Mensch Jahre lang eine funktionierende Uhr beobachtet, geht er laut der zugrunde gelegten Informationen davon aus, dass Uhrzeiger sich im Allgemeinen im gleichen Tempo weiterdrehen. Das Ableben der Batterie kommt in dem Falle einem Wunder gleich, denn es unterbricht die Gesetzmäßigkeit. Der naturwissenschaftlich denkende Mensch wird seine Beobachtung deshalb stets um die neuste Beobachtung erweitern müssen und wird also automatisch immer davon ausgehen, dass seine Erwartung stets vorläufig ist und von der Beobachtung erst noch bestätigt werden muss. Bei einem Bruch mit der Gesetzmäßigkeit folgt idealerweise der Versuch dies zu erklären, indem man weiter forscht und eine “größere”, grundsätzlichere Gesetzmäßigkeit findet (z.B., dass Uhren nur mit Energieversorgung funktionieren).

Es ist ein Dogma, dem viele Menschen außerhalb der Naturwissenschaften unterliegen, dass Naturgesetze, wie wir sie heute kennen ein Absolutmaß für die Wahrheit darstellen. Letztlich begeht Herr Kalisch denselben Fehler, den “unwissenschaftliche Muslime” begehen: Eine durchaus wissenschaftlich erarbeitete Wahrheit als absolut zu betrachten und darauf ihren Glauben/ihre Religion zu basieren.

Religion und Überlieferung muss sich nicht zwangsläufig an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen messen. Es ist geradezu simplistisch, wie Herr Kalisch die Erkenntnisse von muslimischen Gelehrten über so viele Jahre über Bord wirft. Sowieso scheint er seine Erkenntnisse einzig auf den Diskursen innerhalb des Christentums aufzubauen.

Kaum konkrete Aussagen

Im Allgemeinen wird Herr Kalisch allerdings nur selten konkret. In der heutigen Süddeutschen wird er wie folgt zitiert:

Ja, das sei so eine Sache mit dem Propheten, sagt Professor Muhammad Sven Kalisch aus Münster, “es kann nicht widerlegt werden, dass er gelebt hat, aber auch nicht bewiesen”. Er allerdings neige “zunehmend dazu, anzunehmen, dass er nicht gelebt hat, jedenfalls nicht so, wie ihn der Koran und die Hadithe, die Überlieferungen, beschreiben”.

Die Frage, die sich stellt wäre: wie denn? Was – glaubt er – sind die gesicherten Fakten über Muhammad? An keiner mir bekannten Stelle macht Herr Kalisch deutlich, was er genau an den Überlieferungen bemängelt. Herr Kalisch bemängelt zwar die angebliche Unwissenschaftlichkeit der Muslime, allerdings bringt er auch nicht wirklich viel auf den Punkt.

Die Aussage “es kann weder belegt noch widerlegt werden”, konkretisiert er an keiner Stelle. Der Beleg für die Existenz Muhammad ist zunächst einmal der, dass viele Menschen und viele Artefakte über Generationen seine Existenz bezeugen. Die Überprüfung der Überlieferungsketten ist ein weit reichendes Feld, dessen sich muslimische Gelehrte schon sehr früh angenommen haben. Die Arbeit ist mit Sicherheit nicht abgeschlossen und dementsprechend könnte auch ein Herr Kalisch seine guten Zweifel an der einen oder anderen Quelle oder Überlieferung anbringen. Nur müsste er das zunächst einmal tun, statt immer nur augenscheinlich “historisch-kritisch” alles grob in Frage stellen oder gar zu verleugnen.

Mit derselben Resistenz könnte ich nämlich auch in Deutschland behaupten, Australien gäbe es nicht. Alles, was ich davon mitbekomme sind Menschen, die davon berichten und Gegenstände, die angeblich von dort kommen. Weiterhin habe ich aus Australien – weil zeitaktuell – Bilder und Videos, die allerdings alle genauso wie die Gegenstände gefälscht werden können. Die Erfahrbarkeit aus erster Hand kann ich nur sehr schwer auf alles anwenden, was ich als existent erachte – und selbst dann ist Raum für Manipulation gegeben. Deshalb bleibt mir zur Überprüfung immer nur die Quellenanalyse, die mir über die Glaubwürdigkeit der einzelnen Überlieferer und den Vergleich der verschiedenen Überlieferungen Auskunft darüber geben kann, was die Wahrheit sein müsste.

Ist das eigene Bekenntnis für die Ausbildung von Islamlehrern wichtig?

Herr Kalisch verteidigt seine Position heute mit der Freiheit der Forschung. Diese Freiheit greifen die muslimischen Verbände nicht an. Es geht auch weniger darum, wer was erforschen darf, denn diese Forschung wird an islamwissenschaftlichen Instituten durchaus betrieben – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Den muslimischen Verbänden genauso wie den meisten Muslimen geht es darum, Islamlehrer ausbilden zu lassen. Auch der Politik geht es darum.

Es ist folgerichtig, dass die Verbände sich aus dem Centrum für religiöse Studien zurückziehen, wenn sie das Gefühl haben, dass das angestrebte Ziel – die Ausbildung von Lehrern, die Religionsinhalte vermitteln sollen – nicht erreichbar ist. Nein, es ist sogar ihre Verpflichtung dies zu tun, denn die muslimischen Eltern – die Kundschaft und Abnehmer von Herrn Kalisch, wenn man so will – vertraut durch die Zusicherung der muslimischen Verbände darauf, dass im Islamunterricht der dort ausgebildeten Lehrer auch das drin ist, was außen dransteht. Mir scheint, Herr Kalisch versteht diese Aufgabe nur als Aufhänger dafür, dass er sich persönlich mit seinem eigenen Glauben auseinandersetzen kann. Sonst wäre es bis jetzt an der Zeit gewesen Lehrplanvorschläge, Handreichungen für Lehrer und andere nützliche Dinge aus Münster zu sehen. Nichts davon ist aber bis jetzt passiert.

Im Artikel auf islam.de wird die grundsätzliche Debatte ganz gut wiedergegeben:

Selbstverständlich kann jeder in Deutschland lehren, was er für richtig hält – es gibt ja schließlich die Freiheit der Lehre und Forschung. Aber wer mit dem Anspruch auftritt, Lehrerinnen und Lehrer für einen zukünftigen Bekenntnis-orientierten islamischen Religionsunterricht in der Schule nach Paragraph 7,3 heranzubilden, der muss schon mit dieser Messlatte rechnen.

Berichterstattung

Es grenzt an Frechheit, mit welcher Ignoranz Herr Kalisch als rational und liberal dargestellt wird, um den Streit zu beschreiben. Domradio schreibt zum Beispiel in der ersten Meldung zum Streit:

Kalisch vertritt ein liberales Islamverständnis und hat in Vorträgen und Interviews häufig zum rationalen Umgang mit dem Koran aufgerufen.

Das angeblich “liberale” Verständnis des Islams ist aber nicht Streitgegenstand. Woran überhaupt die Liberalität festgemacht werden kann, ist sowieso unklar.

Man muss sich letztlich fragen, warum eigentlich bei so wenigen Lehrstühlen (derzeit drei), die sich mit der Ausbildung um islamische Religionslehrer befassen, ein Exot mit wenig Qualifikation ausgewählt wurde, statt einen soliden und erfahrenen Wissenschaftler heranzuziehen. Herr Kalisch scheint einen Wolkenkratzer der (islamischen) Theologie bauen zu wollen, ohne ein Fundament zu haben, auf dem dieser Wolkenkratzer stehen müsste.

Ich unterstütze deshalb auch den praktischen Vorschlag von Prof. Krämer, die die elegante Lösung darin sieht, “Kalisch als Hochschullehrer in Münster zu behalten und eine andere Person mit der Ausbildung der islamischen Religionslehrer zu beauftragen”. Dabei würde ich aber gerne den Auswahlprozess einer für den Religionsunterricht ausgelegten Professur stärker an die betroffene Religionsgemeinschaft binden.

Das Interview mit Prof. Gudrun Krämer aus Berlin kann man sich hier anhören:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Hier noch einige Artikel zum Thema:

  1. unterschiedliche Nennung möglich[]
  2. Nachfolge des Propheten. Diese sind für viele Schiiten ein Glaubensbestandteil[]
  3. Aql wird meist mit “Vernunft” übersetzt, allerdings wird ein Schuh draus, wenn man annimmt, dass diejenigen, die die Quelle über die Vernunft stellen unvernünftig handeln würden..[]
  4. quasi die Gesetzmäßigkeit, die Gott im Universum erschuf[]

Warum Mathematiker Selbstmord begehen..

authorOmar | 13. August 2008

Wir haben uns alle schon gefragt, warum Mathematiker Selbstmord begehen. Aber wie sollten sie das nicht tun, wenn sie mit derartigen Grausamkeiten konfrontiert werden?

Juraprofessor Stephan M. als Dekan zurückgetreten (Update)

authorOmar | 2. Juli 2008

Ok, der Juraprofessor aus Hannover soll also gegen Geld Promotionen zugelassen haben – oder so – aber muss er dann so abgeführt werden?

Update

Ahhh.. So sieht es also aus, wenn ein Professor abgeführt wird:

BMW being flexible

authorOmar | 15. Juni 2008

These have to be fun and interesting times for working at BMW in Munich. Just a few days ago, BMW presented the GINA concept model, which kinda looks like a z4 crossed with a M6. The point about it is that it is covered by a flexible material like a skin. This way functions in the design can be achieved and changed dynamically and “on-line”. You’d have to have a look at this video to understand, what I’m talking about:

The main focus of this technology could be hiding functions that aren’t needed at the moment (like windshield wipers or lights, perhaps even mirrors??) and introducing adaptive aerodynamic behavior. The last point could be especially interesting, because right now aerodynamic tests are solely done using static models. If the geometry was controlled by an intelligent feedback controller, maybe better behavior (and thereby less energy consumption) could be achieved..

Now, how about this: Make the skin translucent and let LEDs behind it change its color based on the driver’s choice or current speed etc.. NICE! I’m amazed.

Mekka in Saudi-Arabien als Zentrum der Erde

authorOmar | 20. Mai 2008

“Mecca, the Centre of the Earth, Theory and Practice”, das war der Titel einer Konferenz in Qatar, die sich Medienmeldungen zufolge vor allem mit der Frage auseinander gesetzt hat, ob die Stadt Mekka als Zentrum der Erde angesehen werden kann und ob nicht u.a. deshalb dort der Nullmeridian gelegt werden sollte – also Mekka als zeitliche Referenz für die Welt gelten sollte. Mit ähnlichen Fragestellungen hatte ich mich bereits hier auseinandergesetzt und hatte versucht einige Menschen anzuschreiben, die die Behauptung in die Welt setzen, Mekka wäre Zentrum der Erde1. Leider scheint das nichts gebracht zu haben, denn einer der Hauptredner an der Veranstaltung in Qatar war Zaghlul Annajjar, der weiterhin ohne weitere Belege die selben alten Behauptungen von sich gibt.

Behauptungen

Laut BBC-Artikel wurden auf der Konferenz vor allem drei Punkte angesprochen:

  1. Unlike other longitudes, Mecca’s longitude was in perfect alignment to magnetic north.2
  2. Mekka ist das Zentrum der Erde3
  3. Eine spezielle Uhr, die im Gegenuhrzeigersinn dreht4 soll Muslimen helfen, die Gebetsrichtung auszumachen5. Die Drehrichtung der Zeiger soll sich aus der Drehrichtung von Pilgern beim Umrunden der Kaaba6 ergeben oder zumindest damit in Verbindung stehen.

Da der Artikel auf BBC nicht sehr ausführlich ist, habe ich mir die Mühe gemacht und nach Unterlagen zur Konferenz gesucht. Leider scheint die Konferenz keine per google auffindbare Webseite zu haben und dementsprechend ist die beste Quelle, die ich finden konnte, ein Artikel in arabischer Sprache der Zeitung al-sharq (الشرق):

استضافته الدوحة بمشاركة علماء الجيولوجيا …مؤتمر مكة يثبت أن الكعبة مركز للأرض
Doha hosted conference with participation of geologists proves that the Kaaba of Mecca is the centre of the Earth

Darin werden die Vorträge von Youssef al-Qaradawy sowie von Zaghlul Annajjar näher beleuchtet. Der Hauptredner indes ist ein Dr. Yahya Al-Waziry (يحيى الوزيري). Er hat die Aufgabe, den wissenschaftlichen Aspekt darzustellen, der sich mit der Zentralität Mekkas beschäftigt. Zum Schluss referriert Yasin A-shouk (ياسين الشوك) über die von ihm erfundene (kommerzielle) Uhr “Saat Makka”.

Mecca’s longitude is in perfect alignment to magnetic north

Die gängige Aussage ist die, dass Mekkas Längengrad mit dem des magnetischen Nordpols übereinstimmt, während das für Greenwich (offensichtlich) nicht stimmt.

Viele wissen, dass der magnetische Nordpol vom geographischen Nordpol abweicht. Um die Definitionen präzise zu halten, hier eine Wiederholung: Der geographische Nordpol bezeichnet den Punkt, an dem die Drehachse der Erde ihre Oberfläche in Richtung des magnetischen Südpols7 schneidet.

Die magnetischen Pole der Erde entstehen – so die derzeitige Annahme – durch Zirkulation von ferretischen Metallen im Erdkern. Dadurch entsteht eine Art Elektromagnet mit dem Nordpol in der Nähe der Antarktis und dem Südpol in der Nähe Kanadas. Kurios ist zunächst einmal, dass die Pole dieses Magnets nicht stabil sind und sich nicht nur jährlich, sondern sogar täglich und manchmal sporadisch bewegen. Eine kanadische Behörde beobachtet die Bewegungen des Pols in ihrer Nähe. Zuletzt wurde im 2001 die Lage des Pols an der ungefähren Position 81.3° Nord, 110.8° West8 gemessen. Man schätzt, dass der Pol jedes Jahr etwa 40km weiterwandert – derzeit von der Küste Kanadas weg. Im Jahr 2005 wurde die Position des Pols auf 82.7° Nord und 114.4° West geschätzt. Hinzu kommt, dass seine Position innerhalb eines Tages in einem Radius von etwa 85km schwankt.

Dieser Tatsachen muss man sich im klaren sein, wenn man darüber sprechen möchte, welche Stadt auf demselben Längengrad wie der Pol liegt. Im Hinterkopf sollte man weiterhin behalten, dass magnetischer Nord- und Südpol sich nicht gleichsinnig bewegen9.

Nun zurück zur Propagation: Die Stadt Mekka liegt bei 21.4° Nord und 39.8° Ost. Da die Zählung der Längengrade sowohl nach Osten als auch nach Westen von Greenwich anfangen, müsste der Längengrad 39.8° Ost am geographischen Nordpol10 in den Längengrad 140.2° West übergehen11. Der Nordpol soll aber 114.4° West liegen! Das entspricht etwa dem Breitengraden 66° Ost und dort liegen etwa Samarqand (Usbekistan), Kandahar (Afghanistan) oder Karachi (Pakistan). Karachi ist bspw. von Mekka etwa 2700km entfernt!

Aber selbst wenn Mekka zufällig mit dem Nordpol auf einem Breitengrad läge – da sich dessen Position stetig und nicht linear ändert, kann die Aussage der Wissenschaftler nicht aufrechterhalten werden. Außerdem müsste man sich fragen, warum ausgerechnet der Nordpol eine solche Symbolkraft haben soll? Der antarktische magnetische Pol (in der Südhalbkugel) hat derzeit etwa den Breitengrad 135° West. Dieser verläuft durch den Nordwesten Kanadas. Auf der anderen Seite der Erde verläuft seine Fortsetzung (45° Ost) zwar u.A. durch Saudi-Arabien, aber da sehr weit von Mekka entfernt.

Zaghlul Annajjar führt zum Schluß seiner Rede aus:

وما هي دلالاتها على شرف المكان وعظمته وبركاته؟وللإجابة على ذلك أشار إلى توسط مكة المكرمة لليابسة‏ ‏وانتفاء الانحراف المغناطيسي عند خط طول مكة المكرمة‏…

Und was wären die Beweise für die Erhabenheit des Ortes [Mekka]? Um diese Frage zu beantworten hat er [Annajjar] auf die Mittigkeit Mekkas in Bezug auf das Festland12, auf den Wegfall der Diskrepanz zwischen magnetischem und geographischem Nordpol auf dem geographischen Breitengrad Mekkas…

Auch von Mekka aus gesehen gibt es einen Unterschied zwischen der Richtung zum magnetischen Nordpol und der zum geographischen. Die Aussage ist also schlichtweg falsch und durch ihre Platzierung sehr irreführend.

Mekka ist das Zentrum der Erde

Zunächst einmal muss ich klarstellen, dass diese Aussage keineswegs stimmen kann, denn der Mittelpunkt der Erde ist natürlich irgendwo im Kern der Erde, auf keinen Fall auf ihrer Oberfläche. Gemeint ist aber die Mittigkeit auf einer gedachten ausgebreiteten Karte, bzw. auf dem verbundenen Festland Europa-Asien-Afrika.

Herr Yahya Al-Waziry gibt zu Anfang seines Vortrags einen kurzen Überblick darüber, welche Wissenschaftler vormals und mit welchem Erfolg an der Ausarbeitung der Theorie der Mittigkeit Mekkas gearbeitet haben. Das erspar ich mir, aber es wäre interessant herauszusuchen, inwieweit ihnen widersprochen wurde und mit welchen Argumenten..

Er stellt dann – sehr löblich – seine Herangehensweise vor, um diese Fragestellung zu beantworten. Er macht den Anwesenden klar, dass Kartenwerke verzerrte Wiedergaben der Realität sind und deswegen sich nicht jede Karte zur Auswertung von Längenverhältnissen eignet. Sehr richtig! Er habe aus diesem Grund in seiner Forschungsarbeit auf drei Programme zurückgegriffen, die unter ‘Spezialisten’ und ‘Experten’ be- und anerkannt seien:

  1. Google Earth – ist wohl jedem bekannt, brauche ich nicht zu erklären.
  2. Qibla locator – diese Applikation gibt für einen beliebigen Ort auf der Erde die Richtung des kürzesten Luftwegs nach Mekka an.
  3. Geomidpoint calculator – berechnet die Entfernung zwischen zwei Punkten auf der Erdoberfläche

Mir ist derzeit nicht bekannt, wie genau Qibla locator arbeitet – vor allem, ob es die Erdkrümmung bei der Berechnung der kürzesten Strecke berücksichtigt oder ob es nach einer verzerrten Darstellung der Erde verfährt. Google Earth benutzt auf jeden Fall das Koordinatensystem WGS-8413, das eine Projektion auf einen Ellipsoiden verwendet. Diese Projektion ist zwar immer noch besser als die meisten anderen Projektionen (vor allem artähnliche Zylinderprojektionen), nichtsdestotrotz, ist eine genaue Wiedergabe einer ellipsoiden Oberfläche auf einer flachen immer mit einer gewissen Verzeichnung verbunden, die nicht nur aber wesentlich durch die Annäherung der Geometrie der Erdoberfläche an eine geometrische perfekte Form hervorgerufen wird.

Den größten Fehler macht Herr Al-Waziry aber bei der eigentlichen Messung – er wählt seine Abstandspunkte sehr willkürlich:

أولا: بالنسبة لتوسط مكة للعالم القديم (أفريقيا وآسيا وأوروبا) وجدت أن المسافة المتوسطة مابين أبعد حدود فى قارة أفريقيا وأوروبا (جزيرة أيسلندا) تساوى حوالي 6400 كم، مع وجود جزء من قارة آسيا لم يدخل فى حدود المسافة السابقة لاتساع لكبر مساحة هذه القارة.

Erstens: Was die Mittigkeit Mekkas im Bezug auf die ‘alte Welt’ (Afrika, Asien und Europa), so habe ich herausgefunden, dass die mittlere Entfernung zwischen den weitesten Grenzen Afrikas und Europas (Island) etwa 6400 km beträgt, während ein Teil Asiens wegen der großen Ausdehnung Asiens nicht in den Umkreis dieser Entfernung passte. [sic]

Zunächst einmal haben meine eigenen schnellen Messungen mittels Google Earth eine Entfernung von Mekka nach Capetown in Südafrika14 von etwa 6564,18 km ergeben. Die Entfernung zur äußersten Grenze Islands15 betrug demnach etwa 6681,00 km. Das sind mehr als 100km Unterschied! Das heißt konkret, dass selbst nach diesen amateurhaften Messungen die “Mitte” des Festlands irgendwo in einem Umkreis von 100 km um Mekka herum (vor allem nördlich und südlich) liegen könnte.

Schlimmer noch wiegt, dass Herr Al-Waziry zwar Island zur ‘alten Welt’ zählt, nicht aber Grönland (z.B.) und vor allem nicht Asien, das ihm einfach zu ausgedehnt zu sein scheint! Übrigens, das dürfte den Wissenschaftler interessieren: Die Entfernung von Mekka bis zu den östlichen Grenzen Asiens beträgt etwa 6500 km Meilen – das sind etwa 10.500 km16!

Das Spiel setzt sich dann bei der Mittigkeit im Bezug zur ‘neuen Welt’ fort. Dort ergibt sich für ihn der zusätzliche Freiheitsgrad, dass die Anordnung der Kontinente (vor allem der Amerikas) auf der planen Karte beliebig sein kann. Dort misst er die nahen, wie auch die fernen Grenzen dieser Kontinente, sowie die Entfernungen zu Mittelpunkten17 dieser , um zum Schluss zu kommen:

إن النتائج السابقة توضح أن توسط مكة لليابسة يظهر من خلال عدة مستويات وليس مستوى واحد فقط، حيث أنها تتوسط أبعد حدود لقارتي أفريقيا وأوروبا معا، كما أنها تتوسط الحدود القريبة لقارات العالم الجديد مع الجزء الباقي من قارة آسيا حيث يلتقي مع الحدود الشمالية لقارة أمريكا الشمالية، كما أنها تحقق التوسط بالنسبة لحدود قارات العالم الجديد البعيدة والتي تمثل حدود اليابسة من الخارج، وأخيرا فان مكة المكرمة تبتعد تقريبا بنفس المسافة عن النقاط التي تتوسط قارات العالم الجديد أي عن مراكزها الجغرافية.

Die vorangestellten Messungen verdeutlichen, dass sich die Mittigkeit Mekkas im Bezug zum Festland18 in mehreren Dimensionen zeigt und nicht nur in einer: Die Stadt [Mekka] liegt genau in der Mitte zwischen den äußersten Grenzen Afrikas und Europas, sowie zwischen den nahen Grenzen der neuen Welt und den fernsten Grenzen Asiens, wo es sich mit Nordamerika trifft, sowie zwischen den fernen Grenzen der ‘neuen Welt’, die die Grenzen des Festlands wiedergeben. Zudem hat Mekka den ungefähr gleichen Abstand zu den Mittelpunkten der Kontinente der ‘neuen Welt’ (a.k.a. ihre geographische Lagen [sic]).

Zum Schluss seines Vortrags fordert der Referent noch, Mekka’s Längengrad19 zum Nullmeridian zu erklären, da der Verlauf des derzeitigen Nullmeridians einer wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Dass seine Erklärungen kein Plus an Wissenschaftlichkeit liefern, wird ihm offensichtlich nicht klar!

Nicht unerwähnt lassen will ich die Tatsache, dass Herr Yahya Al-Waziry ein Laie ist! Er hat zwar promoviert, allerdings laut dieser Seite hat seine Profession nichts mit Astronomie, Geographie oder auch nur Mathematik zu tun: Er hat scheinbar Architektur studiert und sich auf Innenarchitektur und (archäologische) Kunst spezialisiert. Ein alter Mathematik-Professor sagte mir mal, dass Maschinenbauer in der Mathematik von Mathematikern, Informatikern und Eletrotechnikern geschlagen werden. Weit von den Maschinenbauern abgehängt kämen dann die Bauingenieure. Wie weit unten auf der Trittleiter des Mathematikverständnisses man nach den Architekten zu suchen hätte, hatte er nicht erwähnt..

Brauchen wir eine spezielle Uhr, um die Gebetsrichtung auszumachen?

Ich fasse mich kurz: Herr Yasin A-shouk (ياسين الشوك) hat eine analoge Uhr erfunden, die nicht nur nach Mekka geht, sondern das auch noch in der entgegengesetzten Richtung tut, wie das bekannte Uhren tun. Die Drehrichtung der Uhrzeiger richtet sich dabei nach der Drehrichtung der Umdrehung der Kaaba bei der Pilgerfahrt20. Die Konstruktion der Uhr soll auf fünf “wissenschaftlichen Theorien” beruhen:

  1. Mekka ist das Zentrum der Erde
  2. Die ganze Welt sollte sich nach der Uhr Mekkas richten (ist das überhaupt eine Theorie???)
  3. Mekka ist das Zentrum der magnetischen Anziehung der Erde21
  4. hier wird’s sogar interessant: Der Umfang der Erde soll nicht nur 360° sein, sondern ist 390°. Wie das gemeint ist, will mir bei bestem Willen nicht einfallen..
  5. Mekka, Al-Medina22 und Jerusalem liegen alle auf einer geographischen Linie

Linie zwischen Mekka, Medina und Jerusalem

Keiner der fünf Thesen zeigt so gut wie die letzte, wie unüberlegt und unterinformiert diese aufgestellt werden, wie ich anhand dieses Bildes zu verdeutlichen versuche. Tatsächlich liegen die drei Städte mitnichten auf einer geographischen Linie. Sie liegen maximal auf einer geographischen Kurve, die aber ansonsten keine erkennbare Bedeutung hat.

Weiter muss man feststellen, dass bereits mit einer einfachen analogen Uhr die Himmelsrichtungen ungefähr bestimmt werden können und dadurch die Gebetsrichtung festgestellte werden kann. Dazu geht man so vor, dass man den Uhrzeigersinn in Richtung Sonne hält. Die Winkelhalbierende zwischen Uhrzeigersinn und 12-Uhr ist der ungefähre Süden. Das wird sogar durch die Drehrichtung der Uhr erst ermöglicht23, da die Uhr in Sonnenrichtung dreht und somit die Winkelhalbierende stets in dieselbe Richtung zeigt.24 Wozu braucht man also noch eine “Extra-Uhr”?

Einen guten Kommentar bzgl. der gegen den Uhrzeigersinn drehenden Uhrzeiger dieser Uhr:

A French muslim has even developed a watch that is said to rotate anti-clockwise — that would explain the state of civil liberties in Saudi Arabia.

Ahhh!

Ich finde es teils beschämend, teils verrückt, wie sich einige muslimische Gelehrte wie Schamane verhalten und einen Wahrheitsgehalt unterhalb jeglicher vernünftig verantwortbaren Grenze und weitab ihres eigenen Wissenstands predigen. Dass die Konferenzteilnehmer auch noch planen, eine Nachfolgekonferenz zu organisieren, wo die “Theorie der Mittigkeit Mekkas” noch weiter gefördert werden soll, erinnert mich ein wenig an die evangelikalen Gruppierungen in den USA, die um alles die “Theorie des Kreationismus” durchzusetzen versuchen – notfalls mit einer Konferenz und einem Museum.

Die Welt hat meines Erachtens genügend Wichtigtuer und Nichtsnutze. Die Konferenzteilnehmer sollten sich schämen, dass sie solch einfach als Blödsinn zu enttarnenden Theorieblasen aufgesessen sind und nicht noch mehr Menschen in die Irre leiten.

  1. vor allem mit Zaghlul Annajjar (زغلول النجار) []
  2. Anders als andere Längengrade geht der von Mekka genau durch den magnetischen Nordpol der Erde[]
  3. Youssef al-Qaradawy erwähnt zwar, dass dies wissenschaftlich belegt wäre, nennt aber weder Quelle, noch Beleg, noch einen Anhaltspunkt wie das Zentrum der Erde zu definieren sei[]
  4. also mathematisch korrekt[]
  5. auch hier wird nicht gesagt, wie das genau gehen soll[]
  6. Mehr Informationen hierzu hier[]
  7. Der magnetische Süden liegt korrekterweise im Norden, da die Nordpole unserer einfachen Magnete dort hin zeigen[]
  8. von Greenwich aus zunächst einmal..[]
  9. dies scheint mir vor allem mit den unterschiedlichen Gesteinsschichten zu tun zu haben, die die beiden magnetischen Stränge zu durchlaufen haben..[]
  10. da, wo die Längengrade enden[]
  11. 180°-39,8°[]
  12. gemeint ist das “zusammenhängende” Festland Asien, Afrika und Europa[]
  13. nebenbei: in diesem Koordinatensystem ist Greenwich nicht im Nullmeridian[]
  14. 43°23′06″S,19°04′36″O[]
  15. 65°30′51″N,24°29′50″W[]
  16. aber vielleicht reicht ihm ja auch die ungefähre Übereinstimmung der Beträge..[]
  17. er meint wohl die Flächenschwerpunkte, allerdings bezweifle ich, dass er diese sachgerecht berechnet hat[]
  18. komisch, hier kommt wieder Festland vor, wo er davor noch Island dazuzählte..[]
  19. eigentlich sogar einen gedachten Meridian, der sowohl durch Mekka, als auch durch Medina verläuft. Dieser Längengrad würde noch nicht einmal durch die Erdachse gehen![]
  20. actually geht es dabei darum, dass man mit der linken Schulter zur Kaaba kreist..[]
  21. Ahhhhhhhh! Was das heißen soll, wird im Artikel nicht weiter erklärt..[]
  22. bzw. die Moschee darin[]
  23. zumindest auf der Nordhalbebene[]
  24. Zur Anmerkung: Hierbei nimmt man vereinfachend an, dass um 12:00 die Sonne im Zenit, also im Süden steht. Das ist natürlich nicht wirklich der Fall, der Stand der Sonne zu Mittag variiert über das Jahr. Trotzdem ist das eine gute Methode, um schnell und unkompliziert die ungefähre Himmelsrichtung festzustellen![]

Neues Kilogramm-Maß

authorOmar | 11. April 2008

Das neue Kilogramm-Maß soll über das Gewicht eines Siliziumatoms bestimmt werden. Dieses wird derzeit mittels einer Silizium-Kugel bestimmt, die nur ein Isotop enthält. Die Kugel wird eine Oberflächenrauhigkeit von etwa 0,03μ haben, wenn ich den Sprecher von Deutschland Radio richtig verstanden habe:

Funkelnd wie eine Christbaumkugel liegt sie vor uns – die wohl rundeste Kugel der Welt, blank poliert, aus hochreinem Silizium und eine Million Euro wert. Wäre sie so groß wie die Erde – der höchste Berg auf ihr wäre gerade einmal zwei Meter hoch.

Wenn man von einem durchschnittlichen Radius der Erde von etwa 6300 km ausgeht1, dann ist ein zwei Meter Berg ähnlich einer Überhöhung der Größenordnung eines Hunderstels eines Mikrometers auf einer 10-Zentimeter Kugel. Das wird eine interessante Messaufgabe sein. Geplant scheint die Vermessung mittels einer Interferometrischen Messmethode.

Das Kilogramm ist die letzte SI-Einheit, die nicht auf einer natürlichen und reproduzierbaren Basis beruht. Zuletzt wurde berichtet, dass das Ur-Kilogramm, das in Paris steht an Gewicht abnimmt.

Spiegel Online berichtet über einen weiteren Versuch, das Kilo zu definieren: Ersetzt die Watt-Waage das Urkilogramm von 1889? [via, via]

Sendung vom Deutschland Radio Funk:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

  1. ~40.000 km Umkreis[]

Easter and Ramadan

authorOmar | 23. März 2008

It’s interesting to notice, that christians would have the same problems in finding easter. I just read an article about easter calculation and at some point i thought i know the whole problem of having to supply dates for events based on natural (mostly lunar) calendar in a world dominated by a rather artificial calendar.

The FAQ Site explains the date-choosing for easter like this:

The calculation of Easter is complicated because it is linked to (an inaccurate version of) the Hebrew calendar.

Jesus was crucified immediately before the Jewish Passover, which is a celebration of the Exodus from Egypt under Moses. Celebration of Passover started on the 15th day of the (spring) month of Nisan. Jewish months start when the moon is new, therefore the 15th day of the month must be immediately after a full moon.

It was therefore decided to make Easter Sunday the first Sunday after the first full moon after vernal equinox. Or more precisely: Easter Sunday is the first Sunday after the “official” full moon on or after the “official” vernal equinox.

The official vernal equinox is always 21 March.

The official full moon may differ from the real full moon by one or two days.

(Note, however, that historically, some countries have used the real (astronomical) full moon instead of the official one when calculating Easter. This was the case, for example, of the German Protestant states, which used the astronomical full moon in the years 1700-1776. A similar practice was used in Sweden in the years 1740-1844 and in Denmark in the 1700s.)

For muslims, the same applies when searching for a date for Ramadan beginning and end. Many muslims would never dream of calculating these dates based on an “official” full moon1. Others think it’s high time to adopt a practical solution that would enable one to plan his vacation times.. Some predominantly muslim countries already adopted the calculated calendar, while others are rather flexible in their official vacations.

via

  1. actually they would have to be based on the newmoon rather than the full moon..[]

Rowan Williams und Scharia – religiöse und säkulare Gerichte

authorOmar | 14. März 2008

Vor etwa einem Monat hat der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, laut Medienmeldungen gefordert, “die Scharia in bestimmten Fällen in Großbritannien anzuwenden”. Und genauso wie zu erwarten ist, dass sich so einige Muslime über Karikaturen aufregen würden, die vorgeben, den Propheten Muhammad (saws) darzustellen, war abzusehen, dass die Worte Rowan Williams Entrüstungswellen nach sich ziehen würden.1

Das Thema ist so groß, dass ich mehrere Artikel darüber schreiben werde, in der Hoffnung ein wenig mehr Licht in dieses Thema zu bringen. Die wenigsten Menschen scheinen die Rede des Erzbischofs gelesen zu haben und die meisten Medien scheinen sie misverstanden zu haben. Deshalb fange ich mit einer Bestandaufnahme dessen an, was in der Rede zum Thema gesagt wurde.

Was sagt der Erzbischof wirklich?

Die angeprangerte Rede des Erzbischofs Rowan Williams findet sich auf seiner eigenen Seite. Der Titel der Rede “Civil and Religious Law in England: a Religious Perspective” ist Programm, denn um Scharia ging es nur teilweise. In einer Richtigstellung wird das nochmals klar:

The Archbishop made no proposals for sharia in either the lecture or the interview, and certainly did not call for its introduction as some kind of parallel jurisdiction to the civil law.

Aber zurück zur Rede: Anlass ist eine Vortragsreihe des “2008 Temple Festival” mit dem Namen “Islam in English Law”. Williams sollte den ersten Beitrag leisten, die nächsten Vorträge zum Themenspektrum werden dann am 14. April 2008 von Robin Eames, Anthony Grayling, Mona Siddiqui und Anna Ford gehalten. Es werden insgesamt die Verhältnisse zwischen Recht und Religion, Recht und Wissenschaft (11. Februar) und an einem noch geplanten Vortragsabend (7. Juli) Recht und Politik untersucht.

Der Bischof fing seine Rede mit der Feststellung an, dass die Existenz gesellschaftlicher Gruppen, die – ohne weniger gesetzestreu zu sein – Bezug nehmen auf andere Texte zusätzlich zum britischen Gesetz, eine Herausforderung stellt. Diese Eigenheit beträfe aber keinesfalls nur Muslime.

The title of this series of lectures signals the existence of what is very widely felt to be a growing challenge in our society – that is, the presence of communities which, while no less ‘law-abiding’ than the rest of the population, relate to something other than the British legal system alone. But, as I hope to suggest, the issues that arise around what level of public or legal recognition, if any, might be allowed to the legal provisions of a religious group, are not peculiar to Islam: we might recall that, while the law of the Church of England is the law of the land, its daily operation is in the hands of authorities to whom considerable independence is granted.

Aus gutem Grund erklärt er, dass ihm bewusst sei, dass der Begriff “Scharia” eine negative Konnotation habe, die er im Laufe des Vortrags nicht auszuräumen gedenkt. In groben Zügen erklärt er dann, dass die “Scharia” kein kodifiziertes Recht sei, sondern als praktische Umsetzung des “Schar’” oder des offenbarten göttlichen Rechts zu sehen sei. Als solche unterliege sie der Interpretation von Menschen.

And when certain states impose what they refer to as sharia or when certain Muslim activists demand its recognition alongside secular jurisdictions, they are usually referring not to a universal and fixed code established once for all but to some particular concretisation of it at the hands of a tradition of jurists.

Auf der einen Seite beziehe die “Scharia” ihre Rechtfertigung nicht aus menschlichen Entscheidungen2, sondern aus der Überzeugung, dass sie die Vorgaben Gottes wiedergibt, auf der anderen Seite stellt sie sich als work-in-progress – also noch3 in Erstellung befindliches Werk – dar, was die konkrete ausführliche Ausformulierung angeht. Eben weil die Quelle der Scharia nicht zur Debatte stehen4, benötige die Unterordnung unter die “Scharia” die ausdrückliche und freiwillige Willenserklärung des Einzelnen.5

Rowan Williams deduziert hieraus eine duale Identität selbst bei Muslimen, die in mehrheitlich muslimischen Ländern leben:

Such societies6, while not compromising or weakening the possibility of unqualified belief in the authority and universality of sharia, or even the privileged status of Islam in a nation, recognise that there can be no guarantee that the state is religiously homogeneous and that the relationships in which the individual stands and which define him or her are not exclusively with other Muslims. There has therefore to be some concept of common good that is not prescribed solely in terms of revealed Law, however provisional or imperfect such a situation is thought to be. And this implies in turn that the Muslim, even in a predominantly Muslim state, has something of a dual identity, as citizen and as believer within the community of the faithful.

Nebenbei: Die Frage, inwiefern islamische Gebote sich überhaupt als Gesetze manifestieren sollten und an welchen Maßstäben und Richtlinien dieses festgemacht werden kann, ist in der Tat eine sehr interessante Frage, die viele Muslime nicht zu beantworten wüssten. Einige würden spontan die Umsetzung aller Gebote als Gesetze fordern und schnell übersehen, dass dieses – unabhängig von der fehlenden Begründung dieser Forderung – nicht praktikabel ist. Dazu müsste man nur bedenken, welcher Aufwand allein hinter der Kontrolle des fünfmaligen Gebets einer einzelnen Person steckt.. Kein praktisch umsetzbares Staatsverständnis könnte so weit in das Alltagsleben des Individuums Einblick haben – davon unabhängig, dass die Mehrheit der Menschen sich diesen Einblick nicht wünschen und nicht dulden würden. Schwieriger wird die Entscheidung allerdings bei der Umsetzung von zwischenmenschlichen Regelungen, sei es im Wirtschafts- oder im Familien- und Erbrecht.7

Wichtig für den Vortrag von Rowan Williams ist die Differenzierung der Identität jedes Menschen, der gleichzeitig zu einer Religionsgruppe und zu einer nationalen Gruppe gehören kann und deren Regeln er zu befolgen sucht. Dies sei an sich kein Problem. Problematisch wird es nur, wenn eine dieser Gruppen eine Exklusivität auf die Identität des Individuums einfordert:

The danger arises not only when there is an assumption on the religious side that membership of the community (belonging to the umma or the Church or whatever) is the only significant category, so that participation in other kinds of socio-political arrangement is a kind of betrayal. It also occurs when secular government assumes a monopoly in terms of defining public and political identity.

Eine Identitätstiftende Gruppenzugehörigkeit ist gleichzeitig eine normative – hier: regelnde oder gesetzgebende – Komponente im Leben des Einzelnen. Eine vollkommene Erosion der religiösen Identität – und damit der freiwilligen Unterordnung des Einzelnen unter eine religiöse Ordnung – dürfe nicht im Sinne der Gesamtgesellschaft sein, auch wenn genau dies der Konsens in der modernen staatsrechtlichen Debatte zu sein scheint. Vielmehr sollte aus realpolitischen Gründen eine Pluralität des Rechts bedacht werden, die den unterschiedlichen normativen Komponenten des Einzelnen Rechnung tragen. Das kann durch die Zulassung “religiöser Gerichte” erfolgen.

Der Erzbischof erkennt drei Probleme bei der Umsetzung von innerreligiösen “Gerichten”:

  1. Zuständigkeiten: Der Übergang von staatlichen Gerichten zu religiösen Richtern ist nur zu bewerkstelligen und die Aufgabenteilung nur dann erfolgreich, wenn auf der Seite der Gemeinden anerkannte und seriöse Ansprechpartner zu finden sind, die auch einen starken Rückhalt in der Gemeinde haben. Den staatlichen Gerichten stellt sich weiterhin die Aufgabe zu entscheiden, ob eine Aufgabe an die religiösen Gerichte weitergereicht wird, oder ob sie nicht auf staatlicher Ebene gelöst werden müsste. Vollkommen freie Hand sollte den einzelnen religiösen Gerichten nicht gegeben werden.
  2. Minimum an Rechten: Die Befolgung von religiösen Gerichten kann zur deutlichen Benachteiligung von bestimmten Parteien führen. Er führt dazu anfangs das Beispiel der Zwangsheirat an, das aber – so seine Erklärung – nicht eine von religiös argumentierenden Richtern ausgehende Gefahr darstellt, sondern bar jeder Religion kulturell begründet sei. Problematisch sei allerdings in seinen Augen etwa die unterschiedliche Vererbung an Frauen und Männern im Islam. Dadurch würden Rechte widerrufen werden, die die Beteiligten im staatlichen Recht genossen hätten.

    The problem here is that recognising the authority of a communal religious court to decide finally and authoritatively about such a question would in effect not merely allow an additional layer of legal routes for resolving conflicts and ordering behaviour but would actually deprive members of the minority community of rights and liberties that they were entitled to enjoy as citizens; and while a legal system might properly admit structures or protocols that embody the diversity of moral reasoning in a plural society by allowing scope for a minority group to administer its affairs according to its own convictions, it can hardly admit or ‘license’ protocols that effectively take away the rights it acknowledges as generally valid.

    Auch hier fordert Williams, dass die religiösen Gerichte durch staatliches Recht gebunden werden. Freie Hand im Handeln und nur durch Berufung auf Religion darf nicht gewährt werden.

  3. Gleichheit vor dem Recht: Die generelle Annahme in Europa sei die, dass die Aufklärung die Gleichheit vor dem Gesetz mit sich gebracht hätte. Diese Gleichheit sei nicht gegeben, wenn verschiedene religiöse Gruppen nach verschiedenen “Gesetzen” (oder zumindest in unterschiedlich entscheidenden Gerichten) gerichtet würden. Rowan Williams stellt klar, dass die Gleichheit durch die Aufklärung gefordert wurde, um damaligen Authoritäten die Möglichkeit zu nehmen, frei nach Traditionen und ohne weitere Begründung zu richten, statt auf der Grundlage einer Vernunft basierten Debatte, die sich mit dem Allgemeinwohl auseinandersetzt.

    The great protest of the Enlightenment was against authority that appealed only to tradition and refused to justify itself by other criteria – by open reasoned argument or by standards of successful provision of goods and liberties for the greatest number. Its claim to override traditional forms of governance and custom by looking towards a universal tribunal was entirely intelligible against the background of despotism and uncritical inherited privilege which prevailed in so much of early modern Europe. The most positive aspect of this moment in our cultural history was its focus on equal levels of accountability for all and equal levels of access for all to legal process.

    In einer pluralen Gesellschaft sei allerdings keine autoritäre Besserstellung, sondern eine Differenzierung des Rechts gefordert. Dies widerspreche nicht den Zielen der Aufklärung

Insgesamt ruft der Erzbischof Rowan Williams dazu auf, über die Rolle von Gesetzen in einem modernen pluralistischen Staat nach zu denken. Der Staat erkenne auch in anderen Bereichen die Gewissensfreiheit des Einzelnen an – der Erzbischof führt das Beispiel eines Arztes, der die Durchführung einer Abtreibung verweigert, an – warum sollten dann nicht weitere Bereiche berücksichtigt werden?

Seine Grundidee skizziert er in den folgenden Sätzen:

Certainly, no-one is likely to suppose that a scheme allowing for supplementary jurisdiction will be simple, and the history of experiments in this direction amply illustrates the problems. But if one approaches it along the lines sketched by Shachar in the monograph quoted earlier, it might be possible to think in terms of what she calls ‘transformative accommodation’: a scheme in which individuals retain the liberty to choose the jurisdiction under which they will seek to resolve certain carefully specified matters, so that ‘power-holders are forced to compete for the loyalty of their shared constituents’ (122). This may include aspects of marital law, the regulation of financial transactions and authorised structures of mediation and conflict resolution – the main areas that have been in question where supplementary jurisdictions have been tried, with native American communities in Canada as well as with religious groups like Islamic minority communities in certain contexts.

Wenn den Kontrahenten in einem Streit zugestanden wird, sich die Rechtsprechung zur Beilegung ihres Streites selbst auszusuchen, dann hieße das für die verschiedenen “Anbieter” von ‘Rechtsprechungen’, dass sie sich stärker auf die Bedürfnisse ihrer möglichen Kunden einstellen müssten – ein quasi-freier Markt der Rechtsprechung also. Die Freiwilligkeit bei der Auswahl des Rechtsprechungsorgans muss laut Williams um jeden Preis gewahrt werden.

Unverständlich bleibt indessen, welche Methodik der Erzbischof vorschlägt, wenn sich die beiden Kontrahenten bei der Auswahl des Rechtsprechungsorgans nicht einig werden..

Nachfragen

Nach dem Vortrag gab es die Möglichkeit, dem Referenten Fragen zu stellen. Diese Fragenrunde ist auch deshalb interessant, weil der Bischof darin vielen der Medienmeldungen deutlich widerspricht. Zunächst einmal stellt er fest, dass er keine in sich geschlossene Forderung aufstellt, wie es einige Medien darzustellen versuchten. Vielmehr versucht er eine Debatte anzustossen, die sich mit dem Verhältnis zwischen dem Rechtsstaat und “Nebengesetzen” befasst. Auf keinen Fall hatte er ein “paralleles Recht” gefordert.

Eine weitere interessante Frage beschäftigte sich mit der nötigen Unterscheidung zwischen religiös begründeten Rechtsprechungen und denen, die allein kulturell begründet sind. Wie diese Unterscheidung zu machen ist, müssten die muslimischen Gemeinden selbst klären.

LP: Thank you. “How can the civil law distinguish between religious principles and cultural customs when Islam’s own religious leaders cannot agree on what constitutes faith and what constitutes culture?”

RW: A very salient question which I think would be much better answered by some within the Islamic community, but that there is a distinction seems to me clear. As I said in the body of the lecture, what we need is a high level of shared ownership of any means of distinguishing between culture and religious prescription, and a very well resourced body to advise on that nationally.

Im nächsten Teil geht es um die Medienaufnahme der Rede des Erzbischofs Rowan Williams.

  1. Vielleicht ein besserer Vergleich: Die Regensburger Rede des Oberhauptes der katholischen Kirche, die die wenigsten Muslime gelesen hatten, die sich lauthals darüber aufgeregt hatten – denn dies trifft auch für die meisten Kritiker Williams zu..[]
  2. weil sie auf geoffenbarten Texten beruht[]
  3. und vielleicht für immer??[]
  4. wie es Offenbarungen bis auf die Quellenforschung nun mal sind[]
  5. Rowan Williams: “But while such universal claims are not open for renegotiation, they also assume the voluntary consent or submission of the believer, the free decision to be and to continue a member of the umma. Sharia is not, in that sense, intrinsically to do with any demand for Muslim dominance over non-Muslims.”[]
  6. he’s talking about Pakistani, Joranian and/or Maroccan societies[]
  7. Es müsste rein faktisch geklärt werden, ob dazu nur die Rahmenbedingungen geschaffen werden müssten oder Menschen dazu angehalten werden sollten, diese Gebote einzuhalten (Familienrecht, Wirtschaftsrecht und vor allem Erbrecht..)? Oder sollte die Normalität in der Umsetzung solcher Gebote als Gesetze mit gleichzeitigem Erlauben zusätzlicher diese ändernder Regelungen zwischen den Individuen sein?[]

In eigener Sache: Tagesschaus Schlußlicht

authorOmar | 4. Februar 2008

Tagesschau.de hatte vor einigen Tagen die Veröffentlichung dreier Wissenschaftler – Justin G. Chen, Scott D. Kominers and Robert W. Sinnott – vorgestellt, in der diese behaupten, es wäre im Allgemeinen besser, auf den nächsten Bus zu warten, statt zur nächsten Bushaltestelle zu laufen. Sie benutzten dabei allerdings ein sehr vereinfachtes Modell der Wirklichkeit.

Vor drei Tagen habe ich einen Kommentar dazu auf Tech-Cookies verfasst, der nun wiederum von der Tagesschau-Redaktion aufgegriffen wurde:

Unser Leser Omar Abo-Namous weist nun darauf hin, dass die Grundannahmen der Autoren eindeutig zu kurz greifen. So gehen sie in ihrer Abhandlung davon aus, dass der Bus sich mit gleichbleibender Geschwindigkeit und ohne Stopps bewegt – eine Voraussetzung, die, wie jeder Benutzer des öffentlichen Personen-Nahverkehrs weiß, im höchsten Maß unrealistisch ist. Außerdem könnten Fußgänger Abkürzungen nehmen, die Bussen nicht zugänglich sind – von anderen Nebenbedingungen wie Fahrgastaufkommen, Ampeln, Baustellen etc. ganz zu schweigen. Deshalb sei die Schlussforderung, dass es grundsätzlich besser sei, auf den nächsten Bus zu warten, nicht haltbar.

Nun ist zu hoffen, dass die Mathematiker diese Anregungen aufnehmen und ihr Modell entsprechend verfeinern. Und bis dahin sollte man doch ruhig etwas für die Gesundheit tun, meint Omar Abo-Namous: “Ein Spaziergang könnte dem Einen oder Anderen helfen.”

Lazy and Impractical Mathematicians

authorOmar | 1. Februar 2008

Tagesschau.de ran a piece about a mathematical solution to the question if a person waiting for a bus should keep waiting or walk the distance to the next bus stop. The authors of the paper called “Walk versus Wait: The Lazy Mathematician Wins” came to the obvious conclusion that it is – in most cases – more practical to wait for the next bus, that is if one is not able to walk the whole distance up to the destination in a shorter time than would the bus need to arrive and then drive the whole distance.

The authors Justin G. Chen, Scott D. Kominers and Robert W. Sinnott argue that if you’re lucky and you reach the next bus stop before the next bus arrives, you would still not have saved any time, since the bus would’ve arrived at that time anyway, even if you boarded it at the first stop. Moreover if you didn’t arrive on time, you would miss the next bus! Either way, unless you wanted to walk the whole distance to your destination it’s much easier and cheaper (from an energetic point of view) to wait for the next bus.

The only problem with the paper is its very shallow analysis of the problem at hand. There are some things the authors should have better considered before coming to that rather rash conclusion:

Read more »

Mittagsschlaf für Beamte – Islamisierung durch Schlaf

authorOmar | 14. August 2007

In Peine hat der Bürgermeister (Michael Kessler) den Beamten vorgeschlagen, mittags und während der Arbeitszeit einen 10 minütigen Mittagsschlaf zu halten, um ihre Energien zu sammeln und danach frischer ihre Arbeit erledigen zu können. Er selbst soll seit 20 Jahren regelmäßig diese Praxis durchführen und sie habe ihm nur gut getan.

Die Beamten scheinen den Vorschlag abzulehnen, was sich Bürgermeister Kessler nur damit erklären kann, dass die Beamten das Stereotyp des faulen Beamten nicht bedienen wollen. Wenn das aber der Fall ist, dann sollten auch sämtlich Kaffeemaschinen aus Rathäusern und Ämtern verschwinden. In Hannover hat Oberbürgermeister Stephan Weil einen ähnlichen Vorschlag bereits kategorisch abgelehnt.

Allerdings wird dem kurzen Mittagsschlaf auch gerne von Medizinern eine auffrischende Wirkung nachgesagt.

Auch Wissenschaftler bestätigen die wohltuende Wirkung des Mittagsschlafs. „Mit Faulheit hat das nichts zu tun“, sagt der Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums des Universitäts- und Bezirksklinikums Regensburg, Professor Jürgen Zulley. „Der Mittagsschlaf gehört zu unserem biologischen Programm.“ Unabhängig vom Mittagsessen habe der Mensch am Mittag ein Tief in der Leistungsfähigkeit, erklärt der Schlafwissenschaftler. Die Folge seien Müdigkeit und mangelnde Konzentration. Ein kurzer Schlaf könne hier Wunder wirken.

Islamisierung

Die Initiative wird zwar von Medizinern bestätigt und von Unternehmen in den USA und in Japan praktiziert, wie diverse Zeitungen uns weismachen, aber ich bin sicher, hellhörige Islamkenner werden schnell darauf kommen, welcher Hase hier in welchem Pfeffer liegt: Der Prophet Muhammad (sas) soll empfohlen haben, mittags ein kürzes Schläfchen abzuhalten! Der Ober-”Dhimmi” Kessler scheint von Islamisten unterwandert worden zu sein – und das seit nun 20 Jahren – und wird offensichtlich Peine demnächst in Antalya umbenennen.

Deshalb schlage ich vor, dass die Beamten in Peine zwecks Unterstützungsanforderung in ihrem Kampf gegen die schleichende Islamisierung in ihrer Stadt und an ihrem Arbeitsplatz dem “Bundesverband der Bürgerbewegungen” zur Bewahrung von Demokratie, Heimat, Menschenrechten und dem Nachtschlaf e.V. beitreten.

Aus gegebenem Anlass: Smileys feiern 25-jähriges

authorOmar | 7. August 2007

Laut Spon feiern die Smileys inzwischen 25-jähriges Bestehen. 1982 soll der erste Smiley vom Informatiker Scott Fahlman “entwickelt” worden sein. In einer Email, die hier wiedergegeben wird, fürhrt er dazu aus:

I propose that the following character sequence for joke markers:

: – )

Read it sideways. Actually, it is probably more economical to mark things that are NOT jokes, given current trends. For this, use

: – (

Interessant sind übrigens auch die Ausführungen dazu, wie die Mitteilung aus den Archiven gefischt wurde:

Dave Livingston of facilities located a working 9- track tape drive and a machine to use it on. Kirk Berthold and Michael Riley in CS operations managed retrieving tapes from off-site archival storage. Grad student Dan Pelleg’s FreeBSD machine was used to read the 4.1BSD dump format tapes using a compatibility mode in the restore program. (Later in the effort a NetBSD machine was used to do the same thing.) Dale Moore looked for the post on Tops-20 backup tapes from CMU-20C. But by all accounts, Jeff Baird should get most of the credit for doing the hard work of locating and retrieving the data. He kept asking for more tapes, reading those that could still be read, narrowing the date range, and sticking with it until the post was found.

.. und spätestens bei der erwähnten wissenschaftlichen Arbeit zu unterschiedlichen Gefühlsausdrücken zwischen West und Ost muss jedem klar sein, dass das ganze wissenschaftlichen Charakter hat..

Muslime und “Unwissenschaft”

authorOmar | 5. Juni 2007

Es ist echt schade, dass gerade Muslime in letzter Zeit vermehrt Zeichen von unwissenschaftlichem Vorgehen zeigen. Der Koran ruft wiederholt dazu auf, dass man seine Augen, Ohren sowie seinen Verstand einsetzt.

(Al-Nahl; 16:9-13) Allah weist den Weg. Es gibt solche, die (vom Weg) abweichen. Und hätte Er es gewollt, hätte Er euch allesamt den Weg gewiesen. Er ist es, Der Wasser aus den Wolken herniedersendet; davon habt ihr zu trinken, und davon wachsen die Gebüsche, an denen ihr (euer Vieh) weiden lasset. Damit läßt Er für euch Korn sprießen und den Ölbaum und die Dattelpalme und die Trauben und Früchte aller Art. Wahrlich, darin liegt ein Zeichen für nachdenkende Leute. Und Er hat für euch die Nacht und den Tag dienstbar gemacht und die Sonne und den Mond; und die Sterne sind auf Seinen Befehl hin dienstbar. Wahrlich, darin liegen Zeichen für die Leute, die Verstand haben. Und was Er auf der Erde für euch erschaffen hat, ist mannigfach an Farben. Wahrlich, darin liegt ein Zeichen für Leute, die sich mahnen lassen.

An diversen anderen Stellen wird im Koran gefragt, ob die Menschen denn nicht denken könnten oder nicht sehen/hören könnten. Dahinter steckt in meinen Augen die eindeutige Aufforderung zum wissenschaftlichen Vorgehen: Beobachten, Nachdenken und Schlussfolgerung ziehen, um das Beobachtete zu erklären. Dass die Schlussfolgerung, die man heute gezogen hat nicht der Weisheit letzter Schluss ist, weiß an sich jeder, deshalb ist es umso wichtiger auch weiterhin mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen und den Denkprozess zu keiner Zeit für beendet zu erklären.. Ob diese Einsicht auch so kommuniziert wird, hängt stark vom Ego des jeweiligen Wissenschaftlers ab.

Aristoteles wird folgender Spruch zugeschrieben:

Der Beginn aller Wissenschaften ist das Erstaunen, daß die Dinge sind, wie sie sind.

Heisenberg soll gesagt haben

Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch, doch auf dem Boden des Bechers wartet Gott.

Was damit demonstriert werden soll, ist simpel: Wissenschaftler wissen, dass hinter jeder Antwort eine Frage versteckt ist und Nichtwissen mit zunehmendem Wissen immer weiter wächst. Dass in dieser Formel bereits die Grenzen der eigentlich grenzenlosen Wissenserweiterungen steckt, das erkennen nur diejenigen, die nüchtern und demütig ihr Wissen mit ihrem Unwissen vergleichen.

Dr. Abd Al-Baset Sayyid

Zurück zum Thema. Der Anlass für diesen Artikel hat mir ein Video mit dem Titel “Mekka als Zentrum der Welt” gegeben, das letztens von einem Nutzer auf der muslimischen Medienplattform waymo.de eingebunden wurde. Ich hatte dort bereits kommentiert, dass der “Wissenschaftler” , der interviewt wird, offensichtlich keine Ahnung vom Thema hat, das er bespricht. Die Kommentare enthalten bereits meine Kritik an seinen Ausführungen, hier eine kurze Zusammenfassung:

  • “Die Erde ist eine dunkle aufgehängte Kugel”? Ich weiß nicht, ob es das Zitat von Neil Armstrong tatsächlich gibt, aber ich halte es für unwahrscheinlich, da die Erde im Kontrast zum dunklen Weltall sogar ziemlich hell aussieht. Aber das ist nur halb so schlimm..
  • Strahl aus Mekka. Laut Herrn Dr. Abd Al-Baset Sayyid1 hat Neil Armstrong einen Strahl beobachten können, der von Mekka ausgeht. Diese Information soll 21 Tage im Internet gestanden haben, worauf hin sie gelöscht wurde. Dies ist offensichtlich Quatsch, denn um diesen Strahl zu sehen, hätte sich der Mond direkt ‘über’ Mekka befinden müssen, während Herr Armstrong genau zum richtigen Augenblick in Richtung Erde geschaut hat.. Schlimmer ist die Internetveröffentlichung. Obwohl Herr Sayyid kein Datum für diese Veröffentlichung nennt2, gehe ich davon aus, dass es um die Mondlandung herum passiert sein müsste – nur dass es damals kein “Web” gab. Das WWW ist erst 1989 entstanden.. ähm, das ist natürlich vollkommen davon abgesehen, ob es 1969 – zur Mondlandung also – überhaupt die technischen Möglichkeiten gegeben hatte, den Ursprung dieses Strahls – laut Sayyid genau die Kaaba – vom Mond aus festzustellen.
  • Seine Ausführungen zum magnetischen Feld sind vollkommener Mumpitz. Die Übersetzung ist hier irreführend. Tatsächlich sagt er, dass in Mekka eine Kompassnadel nicht abgelenkt wird – also nicht dass sie sich nicht bewegen würde, wie Memri vorschlägt. Das Wort ist wichtig, denn obwohl seine Aussage dadurch nicht nachvollziehbarer wird, kann man daran erkennen woher er die Halbinformation hat, die er hier unterbreitet. Zaghloul Najjar – ein vielzitierter Geologe3 verwendet fast dieselbe Formulierung, um die Zentralität Mekkas zu ‘beweisen’. Seine Ausführungen sind auch nicht gerade koscher, aber darauf müsste ich ein andermal eingehen.. Jedenfalls lässt sich Dr. Abd Al-Baset Sayyid dazu hinreißen zu sagen, dass es in Mekka keine magnetischen Felder gibt.. Wahrscheinlich geht er davon aus, dass Mekka an einem magnetischen Pol liegt…
  • Seine restlichen Ausführungen entbehren jeglichen Beweises und spätestens ab der Aussage, dass Menschen in Mekka länger leben, habe ich abgeschaltet..

Aber eigentlich wollte ich seine konkreten Aussagen hier nicht zum Thema machen. Vielmehr geht es mir darum, wie die Ausführungen teilweise ohne Hinterfragen von einigen Muslimen übernommen werden – wohlgemerkt, ohne das kleinste Fünkchen eines Beweises!! Dies ist bei diesem Video nicht sofort ersichtlich, da nicht sehr viele dazu kommentieren, obwohl ich mich natürlich schon frage, warum nicht andere die Ausführungen kritisieren..

Mondspaltung in der Freitagspredigt

Um die Geschichte aber perfekt zu machen, hat der Prediger am letzten Freitag nebenbei eine Geschichte erwähnt, nach der der zum Islam konvertierte David Musa Pidcock4 in einem TV-Interview mit zwei NASA-Angestellten gehört hatte, dass der Mond Furchen aufweist, die dadurch entstanden sein könnten, dass der Mond eines Tages geteilt war. Dazu muss man wissen, dass sowohl im Koran als auch in den Überlieferungen im islamischen Kontext von der Spaltung des Monds die Rede ist.

Den Ausführungen des Predigers haben die Besucher meines Erachtens sehr vertieft gelauscht – mehr als normalerweise. Ein gelegentliches “Allahu Akbar” (Gott ist der grösste) oder “Subhanallah” (Gepriesen sei Gott) deuteten darauf hin, dass er mit der Geschichte beeindrucken konnte. Teilweise lag es daran, dass in dieser Geschichte Herr Pidcock selbst “Wissenschaftler” war; Laut der Islamic Party of Britain” scheint er recht wenig mit Astronomie oder Physik zu tun zu haben. Teilweise ist es aber das Staunen von Menschen, die überrascht reagieren, dass etwas wovon sie fest ausgegangen sind, tatsächlich wahr ist..

Langer Rede kurzer Sinn: Die Geschichte findet sich in dieser oder ähnlicher Form mehrmals kopiert überall im Internet. Die Betroffenen überliefern die Geschichte fast immer mittels Copy/Paste und überprüfen scheinbar nur in den seltensten Fällen den Wahrheitsgehalt (was nicht zuletzt daran erkennbar ist, dass der Name des Protagonisten falsch geschrieben wird). Aus einer solchen kopierten Quelle scheint auch unser Prediger die Geschichte zu haben, denn er erwähnte mehrere Details, die zwar belanglos erscheinen5, sich aber in allen Kopien wiederfinden.

Allein diese Kleinigkeiten machen stutzig und anfangs wollte ich dem Prediger nach dem Gebet eigentlich nur sagen, dass er doch bitte eine berühmte und sehr wichtige islamische Formel verwendet haben sollte, die lautet “Wallahu A’lam”, was soviel bedeutet wie “und Gott weiß es besser”. So, wie er die Geschichte erzählt hatte, bekam man den Eindruck, dass die sichtbaren Narben wissenschaftlich ‘unwiderlegbare’ Beweise6 dafür sind, dass der Mond gespalten war. Inzwischen gehe ich aber davon aus, dass ein Großteil der Geschichte unwahr ist. Aber eins nach dem anderes:

Quellen überprüft?

Natürlich gibt es auch andere muslimische Beispiele. In diesem Forum wurde dieselbe Geschichte hineinkopiert, woraufhin ein Forumsmitglied zumindest nach den Quellen gefragt hat. Es gab zwar keine Antwort, aber die Frage ehrt ihn in meinen Augen.

Ein wenig aufschlussreicher ist dieses Forum. Nachdem dort der erste Antworter fröhlich bekannt gibt, dass er die Geschichte mehreren Freunden zuschicken will, fragt ein Moderator nach der Quelle und ein anderer Benutzer gibt bekannt, dass ihm bisher noch keine Studie unter die Finger geraten ist, die zum Schluss kommt, dass der Mond gespalten war. Derselbe Nutzer veröffentlicht dann einen Emailaustausch, den er mit einem NASA-Mitarbeiter hatte, in dem dieser die Existenz einer solchen Theorie weit abweist:

Ibra,
I’m afraid I don’t know of any scientific evidence that indicates the moon was ever split into two halves.
Dave

Can you please explain if there has been scientific proofs made to show that the moon was split into two halves and any documentation you can provide will be appreciated. Thank you in advance

Your sincerely
Ibra

dwilliam@nssdc.gsfc.nasa.gov National Space Science Data Center

Dave Williams
NSSDC, Code 633
NASA Goddard SFC
Greenbelt, MD 20771
+1 (301) 286-1258

NSSDC Planetary Science Home Page: http://nssdc.gsfc.nasa.gov/planetary/

Das ist also schon mal sehr hilfreich. Natürlich heißt das nicht, dass es das Interview nicht gab. Dieses wird aber in einem anderen Forum in Frage gestellt:

Sadly this story is a too-often-repeated falsehood. Also known as an urban legend.

First off the “Daoud Moussa Peetcock head of the British Islamic Party” refered to in this story is actually David Musa Pidcock of the Islamic Party of Britain (http://www.islamicparty.com/)

I took some time last year (2004) to get in touch with David and he was kind enough to respond. When asked about the account, alleged to be from him of “a talk show between a British commentator and three American astronautics specialists” his response was:

“Oh, it’s up to three now?”

Apparently this story has been growing and morphing for some time!

Soviel also zu dieser Geschichte. Ich habe nun parallel angefangen, Herrn Pidcock zu kontaktieren, um diese Information bestätigt zu bekommen, aber auch um eine genauere Antwort zu erhalten, ob überhaupt etwas an der Geschichte wahr ist..

Wozu das führt..

Wozu Unwissenschaft oder Pseudowissenschaft führen kann, sieht man nicht zuletzt an einem Video, in dem der Unterschied zwischen Männern und Frauen mittels moderner Mittel demonstriert werden soll. Mich nervt am allermeisten, dass der Vortragende nicht einmal den Versuch startet, das Gesagte zu beweisen oder zu unterfüttern! Er sagt es, als wäre es ein Axiom, das es nicht weiter zu beweisen gilt (und beweist nebenbei das Gegenteil!). Ferramis hat sich auch schon darüber ausgelassen..

Frühe Muslime haben nicht nur die naturwissenschaftliche Methodik entscheidend weiterentwickelt, sie haben auch eine sehr strenge und damit effektive Methode der Bewertung übermittelter Texte aufgestellt, die vor allem zur Verifizierung übermittelter Lebensinhalte des Propheten (seiner Sunna) diente – die Hadithwissenschaft. Wir täten gut daran, beides wieder zu beherzigen und nicht nach Lust und Laune (wortwörtlich!) über Wahrheit und Lüge zu entscheiden.

Update

Ich habe nun Antwort von Herrn Pidcock erhalten, der mir ebenfalls bestätigt, dass ein Großteil der Geschichte erfunden ist. Eigentlich hat er sogar nur eine alte Antwort, die er scheinbar öfter herumreicht, wenn er gefragt wird, zukommen lassen:

I converted to Islam long before I had ever read the Qur’an, that was in 1975. The stories that have developed regarding the splitting of the moon are all apocryphal, in other words, pious concoctions (spin).

I was in Wales at a gathering in a mosque, which Dr Zagloul El Najjar was asked if any evidence existed to confirm the splitting of the moon, he said he was unaware of any, I said that I had seen a TV interview with James Burke in which two American Scientists, when asked why manned missions to the moon were necessary, they mentioned the “Thumper” experiments which placed 13 explosive charges on the moons surface, which would be difficult for robots to carry out. I think theses were done during the Apollo 13 or 14 mission. The seizemic result seemed to indicate that: “the moon was split at some point and joined together again”.All it did was confirm to me that the Qur’an was correct.

Wer die zwei Wissenschaftler waren, ist nicht klar. Jedenfalls scheinen aber – anhand der Aussagen aus der NASA-Email – die Ergebnisse überholt zu sein, wenn es sie tatsächlich jemals gab..

  1. ich habe keine Ahnung, ob das wirklich sein Name ist, schließlich stammt das Video vom vorurteil behafteten MEMRI TV[]
  2. ob er diese Information selbst gelesen haben wollte, das verrät er uns auch nicht[]
  3. glaube ich zumindest[]
  4. dessen Namen sowohl der Prediger falsch aussprach, als auch diverse islamische Foren falsch schreiben (man suche nach Daoud Moussa Peetcock) []
  5. bspw., dass es im TV-Interview um die Frage ging, ob das für Weltraumforschung ausgegebene Geld nicht besser in der Armenhilfe ausgegeben werden sollte[]
  6. wenn es so etwas überhaupt gibt[]