Category: Sprache

Demagogische Entwicklung von Migranten

authorOmar | 23. Oktober 2009

Bester Überfremdungsangst-Kommentar seit Langem, aufgeschnappt in einem Grünen-Forum, in dem die Aussagen von Thilo Sarrazin besprochen werden. Der Kommentator möchte scheinbar beweisen, dass er (zwangsweise) Migranten kennt:

Ich bin in einer Stadt aufgewachsen, deren gesamter Migranten Anteil bei weit über 30 % der Gesamtbewohner beträgt.
Inzwischen dürfte er vermutlich aufgrund der demagogischen Entwicklung noch höher sein.

Ja, diese demagogische Entwicklung ist ja bei “Migranten” besonders rapide… Da kann die Demagogie eines Herrn Sarrazin kaum mithalten.

Aber die mussen doh’ ma’ orentlich deusch schpreschen lähnen, die Ausländä!

Weil das leider zu befürchten ist: Wer den Witz nicht versteht, sollte den nächsten türkischen Gemüseverkäufer aufsuchen und sich das von ihm erklären lassen. Oder gleich seinen Hauptschulabschluss nachholen.

In jungen Jahren programmieren…

authorOmar | 6. Februar 2009

Ich plädiere ja eh’ dafür, dass schon in jüngsten Jahren neben den menschlichen Fremdsprachen auch Programmiersprachen beigebracht werden. Dass es machbar ist, beweist ein 9-jähriger singaporischer Schüler, der in der vierten Klasse bereits sechs Programmiersprachen versteht und bereits 20 Programmierprojekte hinter sich hat. Vornehmlich scheint er für den IPhone zu programmieren:

Lim, who is in fourth grade, writes applications for Apple’s popular iPhone. His latest, a painting program called Doodle Kids, has been downloaded over 4,000 times from Apple’s iTunes store in two weeks, the New Paper reported on Thursday.

The program lets iPhone users draw with their fingers by touching the iPhone’s touch screen and then clear the screen by shaking the phone.

“I wrote the program for my younger sisters, who like to draw,” Lim said. His sisters are aged 3 and 5.

Nocheinmal: Deutsche Sprache ins Grundgesetz?

authorOmar | 3. Dezember 2008

Seit dem 1. August 2002 ist der Schutz der Tiere an prominenter Stelle im Grundgesetz festgehalten. In Art. 20a steht nun:

Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.

Meines Wissens war die Eintragung relativ ruhig und ohne große Diskussion verlaufen. Aber vor allem gab es danach nur wenig öffentliche Diskussion zu Tierrechten1. Vor allem muss man sich fragen, inwieweit diese Eintragung ins Grundgesetz Tieren wie Bruno dem Bär geholfen haben. Als es darum ging die Vormachtstellung des Menschen zu schützen hat sich keiner mehr Gedanken gemacht, ob Tiere annähernd ähnliche Rechte genießen sollten wie Menschen.

Nun ist die deutsche Sprache als solche nicht unnütz und hat so einigen Menschen dazu verholfen, sich auszudrücken. Das trifft bei weitem nicht auf jeden Einzelnen, der Deutsch spricht, aber als Kommunikationsmittel (und als nichts anderes stellt es zunächst einmal dar) taugt es offensichtlich doch schon einiges. Ich persönlich möchte diese Sprache nicht missen. In diesem Sinne halte ich die Förderung des Umgangs mit der Sprache für sinnvoll.

Allerdings ist anhand des Beispiels der Tierrechte leicht zu erkennen, dass die Eintragung ins Grundgesetz kein vernünftiges Mittel ist, um dieses Ziel zu erreichen. Leider scheinen Befürworter einer solchen Eintragung – wie der Verein Deutsche Sprache – keinen darüber hinaus gehenden Plan zu haben, um der deutschen Sprache der Bevölkerung auf die Sprünge zu helfen.

Ich behaupte, dass diese Menschen das Problem nicht erfasst haben. Die Korrelation zwischen schlechter deutscher Sprache und allgemein schlechtem Bildungsstand darf meines Erachtens nicht unberücksichtigt bleiben. Man erweist der deutschen Sprache einen Bärendienst, wenn man sie aus kulturellen Gründen zu schützen versucht. Das Argument zieht auch nicht mal, denn zu unserer Kultur gehört tatsächlich nicht das Hochdeutsch, das sich die Verfechter so ideell vorstellen, sondern eben die Mischung aus grammatikalisch neu zu definierendem Deutsch der Straßen und inhaltlich verfälschten Fremdwörtern. Ist das wert, geschützt zu werden, und wenn nicht, warum nicht?

Warum können die Gründe zur besonderen Nennung eines Sachverhalts im Grundgesetz nicht wasserfester sein?

Ernsthaft gefährlich wird es, wenn quasi von einem Zwang zur Nutzung der deutschen Sprache die Rede ist. Ob das auf Schulhöfen der Fall ist oder – wie hier angeschnitten – in geschäftlicher Kommunikation spielt dabei keine Rolle. Eine Sprache beibringen funktioniert nicht unbedingt besser, indem man sie einem Menschen aufzwingt. Im geschäftlichen Bereich ist ein solcher Zwang zudem eine zusätzliche bürokratische Belastung, die es möglichst zu vermeiden gilt, damit sich Unternehmen (und Universitäten erst) nicht noch mehr in Verwaltungsangelegenheiten verlieren und dabei die tatsächliche Wert schöpfende Arbeit auf der Strecke bleibt.

Zum Ende noch zwei Filme zum Deutschunterricht. Das Original:

Deutsch für Nazis [via]:

  1. mal abgesehen von dem Schächtverbot[]

Deutsche Sprache – ab ins Grundgesetz

authorOmar | 2. Dezember 2008

Welches reiche Sammelsurium hat der “Verein Deutsche Sprache” (VDS) auf Lager, um der deutschen Sprache auf die Sprünge zu helfen? Lesen wir die Antwort des Geschäftsführers des besagten Vereins dazu an. Der Hintergrund des Interviews durch “Welt Online” ist das Vorhaben die Anregung in der CDU, eine sprachliche Bindung ans Deutsch ins Grundgesetz aufzunehmen:

Holger Klatte: Über unsere gemeinsame Sprache haben wir eine Möglichkeit, uns zu verständigen. Jeder der in Deutschland lebt, solle diese Sprache auch beherrschen und wir müssen zeigen, dass die Sprache uns wichtig ist, angefangen mit dem Schulunterricht, über die Sprache der Wirtschaft bis zur Wissenschaft.

WELT ONLINE: Und eine durchs Grundgesetz geschützte Sprache kann hier helfen?

Holger Klatte: Die deutsche Sprache bekommt so die Bedeutung, die sie verdient. Wir hoffen, dass Deutsch im Schulunterricht wieder mehr gefördert wird. Andere Länder wie Frankreich oder Polen haben schon entsprechende Gesetze. Unser Hauptziel ist aber nicht nur die Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz. Unser Ziel ist die generelle Förderung der deutschen Sprache.

WELT ONLINE: Wie wollen Sie Ihr Ziel erreichen?

Holger Klatte: Wir sammeln seit dem Sommer Unterschriften. An die 10.000 haben sich bereits für den Grundgesetzeintrag ausgesprochen, doch die Aktion ist noch lange nicht beendet.

Also, sie haben weit mehr Ziele vor Augen, die sie allerdings allesamt scheinbar durch einen Eintrag der deutschen Sprache ins Grundgesetz erreichen wollen!

Zum offenen Streit zwischen dem Koordinationsrat der Muslime und Professor Kalisch

authorOmar | 16. September 2008

Ein Streit ist nun offen zwischen dem Koordinationsrat der Muslime in Deutschland und dem Professor für “Religion des Islam” Muhammad Kalisch entbrannt. Der Koordinationsrat verkündete am Freitag, dass sie die Zusammenarbeit mit dem “Centrum für religiöse Studien” nicht fortführen werden und zog seine Empfehlung zum Lehramtsstudium am “Lehrstuhl für Religion des Islams” zurück. Die Begründung fiel zunächst knapp aus: Der Grund liege in der “erheblichen Diskrepanz zwischen den Grundsätzen der islamischen Lehre und veröffentlichten Positionen des Leiters des CRS in Münster”.

Hintergrund

Professor Muhammad Sven Kalisch bekam in 2004 den Ruf von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. In der Ankündigung zu seiner Professur spiegelt sich der Zweck der neugeschaffenen Stelle:

Mit der Ernennung von Privatdozent Dr. Muhammad Sven Kalisch aus Hamburg zum Professor für das Fach “Religion des Islam” an der Westfälischen Wilhelms-Universität ist nun der Weg frei: Die Universität Münster ist die erste deutsche Hochschule, die Lehrerinnen und Lehrer für Islamunterricht ausbilden wird. [...] “Münster bietet damit bundesweit als erste Hochschule ein wissenschaftliches Hochschulstudium im Bereich Lehrerausbildung Islamunterricht an”, betonte Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft am Donnerstag in Düsseldorf anlässlich der Ernennung von Prof. Kalisch.

Die Ausbildung von Lehrern für den damals in einigen Ländern angedachten und teils probeweise eingeführten Islamunterricht1 war auch in der medialen Aufbereitung die ausschlaggebende Arbeit des Instituts. Seine Befähigung zu diesem Posten war unklar, denn bis dahin hatte er Jura studiert und in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften promoviert. Zwar galt seine Doktorarbeit der “Vernunft und Flexibilität in der islamischen Rechtsmethodik”, allerdings schien er nicht mehr in diese Richtung getan zu haben. Seine Habilitationsschrift, die er zu “Fiqh und Usul al-fiqh in der Zaidiya – Die historische Entwicklung der Zaidiya als Rechtsschule” schrieb, scheint bis heute nicht veröffentlicht worden zu sein. Zum Vergleich schaue man sich einfach mal den Lebenslauf vom neuen Professor für islamische Religionspädagogik Bülent Ucar in Osnabrück an.

Aus muslimischer Seite war seine religiöse Zuordnung durchaus ein Problem. Von Anfang an war klar, dass er sich gerne einer Minderheitengruppe zuschrieb, den Zaiditen, auch wenn sich das über die Jahre geändert hatte. Diese sind eine Untergruppe der Schiiten, die Bestand hatte, da sie um die Jahrtausendwende Staatsreligion eines Königreichs im Jemen wurde. Sich selbst sehen die Zaiditen als Bindeglied/Mischung zwischen Schiiten und Sunniten. Dazu trägt bei, dass sie anders als die meisten Schiiten, das Imamat2 nicht als verbindlich ansehen. Von sunnitischen Gelehrten wie etwa Abu-Hanifa und Al-Ghazali übernahmen die Zaiditen das Kriterium “Aql”3 zur Koranexegese.

Unabhängig davon haben die muslimischen Verbände nach der Rückversicherung von Kalisch, einen ergebnisoffenen Diskurs zu führen und seinen eigenen Glauben aus seinem Unterricht herauszuhalten, die Mitarbeit angestrebt. Schließlich ging es um den Religionsunterricht und um ein Modellprojekt.

Im Zuge des Karikaturenstreits hatte Prof. Kalisch dann eine Stellungnahme abgegeben, die vor allem mit der Meinungsfreiheit und religiösen Gefühlen zu tun hatte. Daneben ließ Herr Kalisch folgendes anklingen:

Wenn die islamische Theologie nicht in einer Liga mit evangelikalen Erweckungspredigern spielen, sondern ernsthaft wissenschaftliche Theologie betreiben möchte, dann muss sie sich den Herausforderungen stellen, die die moderne wissenschaftliche Forschung zur Religionsgeschichte aufwirft. Alttestamentler und Archäologen wie Thomas Thompson, Philip Davies, Niels Peter Lemche
oder Israel Finkelstein haben uns in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass wir Abraham, Moses und manche anderen biblischen und koranischen Gestalten aus der Liste der real existierenden historischen Personen streichen können. Solche Erkenntnisse fordern eine Weiterentwicklung der Hermeneutik des Koran, eine neue Beschäftigung mit dem Offenbarungsbegriff und neue Ansätze einer islamischen Theologie der Religionen. Hier kann man insbesondere auf Ansätzen der muslimischen Philosophen und
Mystiker aufbauen.

Ich weiß noch, dass ich mir an den Kopf gefasst hatte: Hat er gerade gesagt, dass es Moses seiner Meinung nach nicht gegeben hat?? Hmm.. nach nochmaligem Lesen schien mir eher, dass er den ergebnisoffenen Diskurs tatsächlich offen zu halten versucht.

Naturwissenschaft vs. Religion?

Im Laufe der Jahre haben sich aber die Aussagen seinerseits gehäuft, in denen es schien, er hätte mit seinem eigenen Glauben große Schwierigkeiten. Exemplarisch hierfür ist der Aufsatz “Perspektiven islamischen Denkens in Europa” aus dem Jahr 2006. Darin schreibt Kalisch unter der vielsagenden Kapitelüberschrift “Islamische Theologie/Philosophie” ziemlich viel, was aber auf folgendes heruntergebrochen werden kann:

Der Glaube an eine Offenbarung durch einen Gott ist unmodern. Außerdem ist er wissenschaftlich nicht aufrecht erhaltbar, da Wissenschaft eine Gesetzmäßigkeit voraussetzt. Der Ansatz der Gesetzmäßigkeit schließe qua der fehlenden Beobachtungen aus, dass es “Wunder” gegeben habe:

Wenn Theologie aber eine Wissenschaft sein möchte, dann muss sie unterstellen, dass menschliches Handeln in der Geschichte allgemein gleichen Naturgesetzmäßigkeiten unterliegt. Wunder kann es nicht geben und wenn es sie gäbe wären sie nicht beweisbar und würden historische Forschung unmöglich machen. Historische Forschung nämlich ist nur dann möglich, wenn man unterstellt, dass zu allen Zeiten an allen Orten für alle Menschen die gleichen Naturgesetzmäßigkeiten gelten.

Nun haben muslimische Denker schon früher den Ansatz verfolgt, Wunder als innerhalb der “Sunnatullah”4 für “nicht möglich” zu erachten. Sie haben aber mehrheitlich nicht den Übermut besessen, diese Gesetzmäßigkeit in der Natur erkennen zu glauben. Gesetzmäßigkeit ist ohnehin abhängig von der Ebene, in der man sich befindet und die Gesetze, die der Mensch aus einer gegebenen Gesetzmäßigkeit ableitet sind stets eine Abbildung dessen, was der einzelne Mensch von dieser Gesetzmäßigkeit beobachten konnte. Wenn also ein Mensch Jahre lang eine funktionierende Uhr beobachtet, geht er laut der zugrunde gelegten Informationen davon aus, dass Uhrzeiger sich im Allgemeinen im gleichen Tempo weiterdrehen. Das Ableben der Batterie kommt in dem Falle einem Wunder gleich, denn es unterbricht die Gesetzmäßigkeit. Der naturwissenschaftlich denkende Mensch wird seine Beobachtung deshalb stets um die neuste Beobachtung erweitern müssen und wird also automatisch immer davon ausgehen, dass seine Erwartung stets vorläufig ist und von der Beobachtung erst noch bestätigt werden muss. Bei einem Bruch mit der Gesetzmäßigkeit folgt idealerweise der Versuch dies zu erklären, indem man weiter forscht und eine “größere”, grundsätzlichere Gesetzmäßigkeit findet (z.B., dass Uhren nur mit Energieversorgung funktionieren).

Es ist ein Dogma, dem viele Menschen außerhalb der Naturwissenschaften unterliegen, dass Naturgesetze, wie wir sie heute kennen ein Absolutmaß für die Wahrheit darstellen. Letztlich begeht Herr Kalisch denselben Fehler, den “unwissenschaftliche Muslime” begehen: Eine durchaus wissenschaftlich erarbeitete Wahrheit als absolut zu betrachten und darauf ihren Glauben/ihre Religion zu basieren.

Religion und Überlieferung muss sich nicht zwangsläufig an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen messen. Es ist geradezu simplistisch, wie Herr Kalisch die Erkenntnisse von muslimischen Gelehrten über so viele Jahre über Bord wirft. Sowieso scheint er seine Erkenntnisse einzig auf den Diskursen innerhalb des Christentums aufzubauen.

Kaum konkrete Aussagen

Im Allgemeinen wird Herr Kalisch allerdings nur selten konkret. In der heutigen Süddeutschen wird er wie folgt zitiert:

Ja, das sei so eine Sache mit dem Propheten, sagt Professor Muhammad Sven Kalisch aus Münster, “es kann nicht widerlegt werden, dass er gelebt hat, aber auch nicht bewiesen”. Er allerdings neige “zunehmend dazu, anzunehmen, dass er nicht gelebt hat, jedenfalls nicht so, wie ihn der Koran und die Hadithe, die Überlieferungen, beschreiben”.

Die Frage, die sich stellt wäre: wie denn? Was – glaubt er – sind die gesicherten Fakten über Muhammad? An keiner mir bekannten Stelle macht Herr Kalisch deutlich, was er genau an den Überlieferungen bemängelt. Herr Kalisch bemängelt zwar die angebliche Unwissenschaftlichkeit der Muslime, allerdings bringt er auch nicht wirklich viel auf den Punkt.

Die Aussage “es kann weder belegt noch widerlegt werden”, konkretisiert er an keiner Stelle. Der Beleg für die Existenz Muhammad ist zunächst einmal der, dass viele Menschen und viele Artefakte über Generationen seine Existenz bezeugen. Die Überprüfung der Überlieferungsketten ist ein weit reichendes Feld, dessen sich muslimische Gelehrte schon sehr früh angenommen haben. Die Arbeit ist mit Sicherheit nicht abgeschlossen und dementsprechend könnte auch ein Herr Kalisch seine guten Zweifel an der einen oder anderen Quelle oder Überlieferung anbringen. Nur müsste er das zunächst einmal tun, statt immer nur augenscheinlich “historisch-kritisch” alles grob in Frage stellen oder gar zu verleugnen.

Mit derselben Resistenz könnte ich nämlich auch in Deutschland behaupten, Australien gäbe es nicht. Alles, was ich davon mitbekomme sind Menschen, die davon berichten und Gegenstände, die angeblich von dort kommen. Weiterhin habe ich aus Australien – weil zeitaktuell – Bilder und Videos, die allerdings alle genauso wie die Gegenstände gefälscht werden können. Die Erfahrbarkeit aus erster Hand kann ich nur sehr schwer auf alles anwenden, was ich als existent erachte – und selbst dann ist Raum für Manipulation gegeben. Deshalb bleibt mir zur Überprüfung immer nur die Quellenanalyse, die mir über die Glaubwürdigkeit der einzelnen Überlieferer und den Vergleich der verschiedenen Überlieferungen Auskunft darüber geben kann, was die Wahrheit sein müsste.

Ist das eigene Bekenntnis für die Ausbildung von Islamlehrern wichtig?

Herr Kalisch verteidigt seine Position heute mit der Freiheit der Forschung. Diese Freiheit greifen die muslimischen Verbände nicht an. Es geht auch weniger darum, wer was erforschen darf, denn diese Forschung wird an islamwissenschaftlichen Instituten durchaus betrieben – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Den muslimischen Verbänden genauso wie den meisten Muslimen geht es darum, Islamlehrer ausbilden zu lassen. Auch der Politik geht es darum.

Es ist folgerichtig, dass die Verbände sich aus dem Centrum für religiöse Studien zurückziehen, wenn sie das Gefühl haben, dass das angestrebte Ziel – die Ausbildung von Lehrern, die Religionsinhalte vermitteln sollen – nicht erreichbar ist. Nein, es ist sogar ihre Verpflichtung dies zu tun, denn die muslimischen Eltern – die Kundschaft und Abnehmer von Herrn Kalisch, wenn man so will – vertraut durch die Zusicherung der muslimischen Verbände darauf, dass im Islamunterricht der dort ausgebildeten Lehrer auch das drin ist, was außen dransteht. Mir scheint, Herr Kalisch versteht diese Aufgabe nur als Aufhänger dafür, dass er sich persönlich mit seinem eigenen Glauben auseinandersetzen kann. Sonst wäre es bis jetzt an der Zeit gewesen Lehrplanvorschläge, Handreichungen für Lehrer und andere nützliche Dinge aus Münster zu sehen. Nichts davon ist aber bis jetzt passiert.

Im Artikel auf islam.de wird die grundsätzliche Debatte ganz gut wiedergegeben:

Selbstverständlich kann jeder in Deutschland lehren, was er für richtig hält – es gibt ja schließlich die Freiheit der Lehre und Forschung. Aber wer mit dem Anspruch auftritt, Lehrerinnen und Lehrer für einen zukünftigen Bekenntnis-orientierten islamischen Religionsunterricht in der Schule nach Paragraph 7,3 heranzubilden, der muss schon mit dieser Messlatte rechnen.

Berichterstattung

Es grenzt an Frechheit, mit welcher Ignoranz Herr Kalisch als rational und liberal dargestellt wird, um den Streit zu beschreiben. Domradio schreibt zum Beispiel in der ersten Meldung zum Streit:

Kalisch vertritt ein liberales Islamverständnis und hat in Vorträgen und Interviews häufig zum rationalen Umgang mit dem Koran aufgerufen.

Das angeblich “liberale” Verständnis des Islams ist aber nicht Streitgegenstand. Woran überhaupt die Liberalität festgemacht werden kann, ist sowieso unklar.

Man muss sich letztlich fragen, warum eigentlich bei so wenigen Lehrstühlen (derzeit drei), die sich mit der Ausbildung um islamische Religionslehrer befassen, ein Exot mit wenig Qualifikation ausgewählt wurde, statt einen soliden und erfahrenen Wissenschaftler heranzuziehen. Herr Kalisch scheint einen Wolkenkratzer der (islamischen) Theologie bauen zu wollen, ohne ein Fundament zu haben, auf dem dieser Wolkenkratzer stehen müsste.

Ich unterstütze deshalb auch den praktischen Vorschlag von Prof. Krämer, die die elegante Lösung darin sieht, “Kalisch als Hochschullehrer in Münster zu behalten und eine andere Person mit der Ausbildung der islamischen Religionslehrer zu beauftragen”. Dabei würde ich aber gerne den Auswahlprozess einer für den Religionsunterricht ausgelegten Professur stärker an die betroffene Religionsgemeinschaft binden.

Das Interview mit Prof. Gudrun Krämer aus Berlin kann man sich hier anhören:

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Hier noch einige Artikel zum Thema:

  1. unterschiedliche Nennung möglich[]
  2. Nachfolge des Propheten. Diese sind für viele Schiiten ein Glaubensbestandteil[]
  3. Aql wird meist mit “Vernunft” übersetzt, allerdings wird ein Schuh draus, wenn man annimmt, dass diejenigen, die die Quelle über die Vernunft stellen unvernünftig handeln würden..[]
  4. quasi die Gesetzmäßigkeit, die Gott im Universum erschuf[]

Nachrichtenarchiv bei google: Mehr vom Alten

authorOmar | 9. September 2008

Google hat ein neues Feld gefunden, um seiner1 Datensammelwut nach zu gehen: Nachrichtenarchive! Unter news.google.com/archivesearch kann man nun in den Archiven der Zeitungen suchen. Ganz interessant sind die Zeitungsartikeln aus der Kriegszeit, wie etwa diese Berichte, die ich unter dem Stichwort Hannover finden konnte:

Manchmal ist es erschreckend, wie “normal” die Nachrichten sind. So findet man dann inmitten der Meldungen über regionale Kriminalität und Umbauplänen die folgende Nachricht in der St. Petersburg Times vom 10. September 1941:

Hannover Jews Ousted From Homes, Herded to Mortuary

HANNOVER, Germany — (JP) — German authorities herded Hannover’s Jews into the martuary hall of the Jewish cemetery here yesterday, following the mayor’s order evicting them from their homes on 24 hours’ notice.

Scores of men, women and children were conducted to this fast-crowding provisional abode. The eviction orders also provided for the sale of their property, the proceeds to be turned over to them “at a given time”.

The orders cited, as one reason for the ousters, a book written by “the Jew Kaufmann in New York” (presumably “Germany Must Periah!” by Theodore N. Kaufmann) demanding “sterilization of all Germans and employment of German soldiers as coolies2 in foreign lands.”

(In Newark, N. J., Theodore Kaufmann called the reference to his book “a flimsy pretext for another of innate cruelties of the German people.”

(“They (the Germans) employed every possible German cruelty against the Jews long before my book was published,” Kaufmann said).

In Hannover mayor’s eviction order said:

“To Jew —:
“Eviction order:
“Jew dwelling:—
“The present war has been forced upon Germany by the Jewry of other countries.

The enemy air force attacks open towns and unloads explosive and incendiary bombs indiscrimnately on the civil population. (Hannover has been bombed by the RAF.)

“The Jew Kaufmann in New York demands the sterilization of all Germans and the employment of German soldiers as coolies in foreign lands.

“In order to relieve the distressed situation3 caused by the war, I see myself compelled immediately to norrow down the space available to Jews in this city. I therefore demand that you quit your present abode immediately.

“You must leave your housekeys with your police precinct headquarters.”

Auch ganz interessant: Ein recht emotionsloser Bricht über die Verbrennung eines “Negros” in Arkansas, USA vor “Tausend Menschen”, weil ihm unterstellt wurde, eine weiße “respektable” Dame – Mrs. Jewell – belästigt zu haben4.

Einige interessante Artikel5 findet man zum Islam. Viele davon beschäftigen sich damit, ob der Islam nun schneller expandiert als das Christentum (und was man dagegen tun könne). Andere geben eine interessante Perspektive auf fehlerhafte Wiedergaben islamischer Geschichte wieder, wie dieser Leserbrief aus dem Jahre 1892, der tatsächlich wie folgt anfängt:

That command which Mohammed seemed to himself to hear in the depths of his serious and brooding soul, “Cry, cry, in the name of Allah!”6 and which he interpreted as the voice of angel Gabriel, introduced us to a veritable dreamland of history…

Dann gibt es aber auch Überraschungen in der Archivsuche, wie dieser Kommentar in der New York Times vom 22. Dezember 1912, der einem Muslim zugeschrieben wird. Unter dem Kapitel “Islam, on the eve of christmas, sends a message to christianity” schreibt “Hajim, Son of Ibrahim” eine Anklageschrift gegen den Westen, die es in sich hat. Er prangert einen heuchlerischen Umgang der Europäer mit den Werte, die sie als ihre eigenen ‘verkaufen’ und verlangt, dass Europa den Haager Gerichtshof auch selbst ernst nimmt und nicht nur als Instrument ihrer Politik einsetzt7.

Ich bin mir sicher, dass das Vorhaben von google auf viele begeisterte Verbraucher stoßen wird. Die Anwendungsmöglichkeiten – vor allem zur Erleichterung von Recherchearbeiten – sind enorm. Bleibt abzuwarten, ob die Inhalte auch langfristig zur Verfügung stehen und ob sich mehr Archive dazu bewegen lassen, ihre Inhalte kostenlos zur Verfügung zu stellen. Derzeit sind je nach Suchanfrage sehr viele Einträge nur gegen Bezahlung einzusehen.

Noch steht auch noch sehr viel Arbeit an. Aus Deutschland scheint nur “Die Zeit” im Archiv aufgenommen zu sein. Da google anscheinend bestrebt ist, die Inhalte nicht nur als Bilder abzulegen, sondern auch einzelne Begriffe und vor allem Überschrift durchsuchbar zu machen, wird man erst mittelfristig ernsthafte Forschung damit betreiben können. Dabei muss man stets beachten, dass eine Manipulation durch google in Form von Auslassen bestimmter Quellen nicht ausgeschlossen ist, sondern vermutet werden muss. Jeder ernsthafte Forscher muss das unbedingt berücksichtigen..

via

  1. /ihrer??[]
  2. weiß jemand, was das sein soll?[]
  3. Neusprech lässt grüßen[]
  4. es wird im Artikel nicht gesagt, ob er sie sexuell vergewaltigt haben soll, lediglich, dass er sie angesprungen hat und für einige Zeit festnahm[]
  5. vor allem interessant für diejenigen, die sich damit beschäftigen, aus welchen Motivationen die europäische Islamwissenschaft arbeitet[]
  6. tatsächlich heißt es “Lies! Lies, im Namen deines Herrn, der erschaffen hat.”, wie man da auf “schrei” kommt, ist unverständlich[]
  7. Aktualität?[]

Die Selbstfesselung – oder: Die Mischung machts!

authorOmar | 16. April 2008

Paul-Hermann Gruner – Künstler und gelernter Politikwissenschaftler – bemängelt im Deutschland Radio Feuilleton die politische Korrektheit1, die in der deutschen Politik grassieren soll. Dabei vermischt er Äpfel mit Fleischklössen (c) und glaubt am Ende noch, einen moralischen Standpunkt zu verteidigen.

So prangert er einmal das kleinliche und teils penetrante Hinzufügen eines weiblichen “In” nach jedem als ansonsten die Frauen dieser Welt diskriminierenden Wort. Was dem Autor der Streitschrift “Frauen und Kinder zuerst. Denkblockade Feminismus.” daran problematisch erscheint und warum er jemand anderem vorschreiben möchte, wie er Körperöffnungen2 zu nennen hat, das erklärt er nicht.

Also ein weiteres Beispiel: Gruner scheint zu glauben, dass man als Europäer an der Kritik an China gehindert werde! Grund sei – das scheint außer Frage zu stehen – die politische Korrektheit! Dass nicht nur seit dem letzten Ausbruch der Gewalt in Tibet die Kritik und die Vorwürfe – teils unwissend – ohne Ende geäußert werden und diese nicht nur am Stammtisch, auf der Straße oder am Arbeitsplatz Platz finden, sondern auch in allen gängigen Medien, das alles lenkt ihn nicht vom Gefühl ab, dass es für den Europäer “wenig Raum für klare Haltungen” bzgl. der “Tibet-Politik” Chinas gebe.

Im Klartext: Das wehrlose Land wurde im Oktober 1950 militärisch vom kommunistisch gewordenen China überrannt und besetzt und ist seitdem okkupiert. Punkt. Nein das darf man so nicht sagen, man könnte ja sonst 25 Kilometer weniger Transrapid an Peking verkaufen.

Ich weiß ja nicht, wer dem armen Herrn Gruner diese Aussage verboten haben soll3, aber diese Aussage habe ich in der letzten Woche bereits mehrfach in ähnlichen Formulierungen gehört – jaund? Was Herr Gruner meines Erachtens verkennt, ist die Schwierigkeit einer “klaren Haltung” vor allem aufgrund der Relativität der Haltungen gegenüber anderen Verbrechen, die auf der Erde passieren.

Wie steht Herr Gruner beispielsweise zur Besetzung palästinensischer Gebiete, der Vertreibung der wehrlosen Bevölkerung aus dem heutigen Israel und der Bombardierung Libanons letztes Jahr durch Israel und den damaligen israelischen Terrorgruppen? Hat er dafür auch so klare Worte gefunden, wie er sie gerne öfter über China hören möchte? Oder greift hier eine politische Korrektheit bei ihm?

Dass der Eine politisch motiviert die Menschenrechtssituation in China (oder Tibet) hervorhebt und zum Boykott aufruft und der Andere gerne die Vergehen der US-amerikanischen, israelischen, ägyptischen oder sudanesischen Regierung anprangert, hat also weniger mit der Tragweite oder der Relevanz dieser Vergehen zu tun, als vielmehr mit einer subjektiven Sicht zu tun, die jeder nun mal hat. Falsch ist aber auf jeden Fall, dass irgendeine sprachliche oder politische Barriere die Kritik verbieten würde.

Auch an Kritik am russischen Quasi-Despoten Putin oder am neuerlich gewählten BesatzerBesitzer Italiens Berlusconi mangelt es nicht. Der politische Alltag sieht dann – aus den unterschiedlichsten Gründen – so aus, dass Hände geschüttelt, Küsse, Grüße, Lob und Hymnen ausgetauscht werden. Das ist für den Beobachter frustrierend (ja, auch im Falle Chinas, aber auch in allen anderen Fällen, nicht zuletzt im teilweise herzlichen Umgang mit dem derzeitigen US-Präsidenten George W. Bush), aber daran die “politische Korrektheit” schuld zu machen, ist einfach nur albern!

Herr Gruner spricht nicht nur von der Sprach-, sondern auch von der Denk- und Handlungspolizei. Diese arbeite inzwischen “mit Einschüchterung statt mit Vernunft”. Dies drücke sich in der Art aus, wie mit Ralph Giordano umgegangen sei, als er “Ablehnendes” über den Moscheebau in Köln äußert. Dass er sich dafür in verschiedenen Interviews rechtfertigen musste, ist dem Herrn Gruner nicht genehm.

Komisch eigentlich! Allein die Tatsache, dass Herr Giordano nicht nur diverse Mikrofone vor den Mund bekam und eine Podiumsdiskussion nach der anderen besuchen durfte, um seiner Meinung Luft zu machen, müsste den Gedanken einer angeblichen Denkpolizei erodieren. Ralph Giordano selbst hatte ja wieder und wieder wiederholt, er müsse seine Meinung auch mal sagen dürfen – auch wenn ihm diese keine verbieten wollte. Diese Hymne stimmt nun auch Herr Gruner an.

Nochmal zum Mitschreiben: Die Meinung und die Stimme des Herrn Giordano wurde im Streitfall des Moscheebaus in Köln breiter getragen und veröffentlicht als jede andere Meinung. Wie kann man dann behaupten, es gäbe eine Denkpolizei? Herr Giordano war und ist nicht fähig, seine uninformierte Meinung sachlich zu verteidigen, weshalb er sehr wohl weit weniger Beachtung erfahren sollte, aber beschweren dürfte er sich meines Erachtens nicht!

Weiter muss angemerkt werden, dass die meiste Kritik an Herrn Giordano wegen seiner abfälligen Äußerung über das Aussehen von muslimischen Frauen gerichtet war. Wer Menschen mit Tierbildern vergleicht, der hat Kritik zu erwarten! Das ist unterstes Niveau und verdient, dass man ihm das Wort entreißt und ihn trotz seines fortgeschrittenen Alters zurechtweist.

Ein typischer Fall [Giordano], denn das Thema des islamischen Glaubensauftritts in Deutschland ist ebenso interessant und diskursreif wie das Thema Jugendkriminalität und Migration, das gerade dann angemessen zu thematisieren ist, wenn man Integration leben will. Ohne Diagnose keine Therapie.

Falsch Herr Gruner. Das Thema “Islam in Deutschland” ist – wie man täglich präsentiert bekommt – aufgrund der oft fehlenden Informationen eben nicht diskursreif. Es wird trotzdem darüber gestritten und das versucht auch keiner zu verhindern. Die rote Karte darf allerdings gezogen werden, wenn beispielsweise ein Landesministerpräsident vor den Landtagswahlen diskriminiert und hetzt. Das hat nur wenig mit Sprachpolizei und vielmehr mit einer sachlichen Analyse und der Einsicht zu tun, dass Hetze gegen jedwede Bevölkerungsgruppe dem Zusammenleben schadet. Ohne Hirn und einem Grundschatz an Informationen über den Sachverhalt keine Diagnose! Oder glaubt Herr Gruner womöglich noch, dass Roland Koch ausspricht, “was ist”?

Genauso verhält es sich mit dem Beispiel Geert Wilders: Der Film von Herrn Wilders zeichnet kein “schneidig-sarkastisches Bild vom Islam”. Es entstellt den Islam und die Muslime. Es verteufelt und hetzt gegen Muslime, da es die Untaten einiger weniger Muslime als “großen Plan” der Gemeinheit der Muslime darstellt und unterstellt, der Islam würde seine Anhänger zu Brunnenvergiftern machen. Wer der Aussage von Herrn Wilders und anderen “Islamkritikern” glaubt, dass nämlich der beste Muslim ein Bin-Laden-Anhänger sei, der muss und wird zum Schluss kommen, diese offensichtlich gefährliche Gruppe eliminieren müssen.

Ich darf an die Kritik am muslimischen Prediger (Yakup Tasci) aus Berlin erinnern, der ausgewiesen wurde, weil er angeblich Deutsche für dreckig hielt und das in seinen Predigten geäußert haben soll. Ginge man nach der Logik der Nichttabuisierung des “politisch Inkorrekten”, dann müsste der Herr Prediger noch heute den Muslimen in seiner Gemeinde von den Nichtgewaschenen Deutschen erzählen. Aber es geht eben nicht nur um die freie Meinungsäußerung, sondern auch darum, dass man seine Meinung stichhaltig hinterfüttern können muss und nicht gegen Menschengruppen hetzen sollte.

Die Kritik an der “politischen Korrektheit” ist eine Farce. Jeder tabuisiert und enttabuisiert nach Belieben. Weiterhin darf in Deutschland theoretisch alles gesagt werden – wenn man das Rückgrat (und hoffentlich das nötige Wissen) dafür aufbringen kann. Das berechtigt allerdings keinen dazu zu hetzen und zu verunglimpfen. Merkwürdiger weise sind diejenigen am lautesten zu hören, die behaupten, man würde ihnen nicht erlauben zu sprechen. Und die anderen? Die hört man eben nicht.

  1. man ist heute niemand, wenn man nicht zumindest einmal gegen die ach-so-schreckliche politische Korrektheit gewettert hat[]
  2. das werde ich hier nicht zitieren[]
  3. offensichtlich nicht sehr erfolgreich, denn er äußert sie ja im Deutschland Radio![]

DNA-asiatische Kindstöterin noch nicht gefasst

authorOmar |

Anders deutsch kommentiert den taz-artikel “Tätersuche in sprachlosen Communitys“. Ein herrlicher Artikel, der die Wirren und Ungereimtheiten vieler Medienberichte herausstellt. Da ist die Rede von DNA-Asiatinnen, Kindstöterinnen und deren obligatorische professionelle Vertreter – sofern sie Migranten sind, da diese eher zu Sprachlosigkeit neigen – und von der Schnittmenge zwischen “Muslimen” – die sich per se einer strengen Hierarchie unterordnen – und Asiaten, deren Töchter keine Freiräume haben. Lesebefehl!! Am besten laut vorlesen..

“Vielleicht konnte die Mutter des toten Babys kein Deutsch und hatte nie von einer Babyklappe gehört?“ (taz)

Das kann schon sein, dass sei kein Deutsch konnte. Es kann auch sein, dass sie nichts von einer Babyklappe wusste. So wie viele andere Frauen in Deutschland. Wie kommt es zu genau dieser Vermutung? Warum werden gerade Sprachschwierigkeiten als Grund für den Tod des Kindes ins Spiel gebracht?

Nerven als Beruf

authorOmar | 4. April 2008

Kennt das jemand: Das Bedürfnis durch zu viel Forschung einen dahingeschriebenen Kommentar eines Blödians dermaßen auseinandernehmen zu wollen, dass man damit die anwesenden Leser teils belustigt, teils annervt und teils das Bedürfnis induziert, einen umzubringen? Nein? Bin ich da alleine? Nein!

Trivia: superkalifragilistisch-expealigorisch

authorOmar | 6. Februar 2008

Mir schwirrt seit heute morgen ein Kinderlied durch den Kopf, an das ich mich nur partiell erinnern konnte. Darin wird ein ellenlanges Wort besungen:

Supercalifragilisticexpialidocious

Das Wort wurde offenbar durch den Film Mary Poppins bekannt gemacht und soll das längste Wort in der englischen Sprache sein. Die Lyrik des Lieds findet sich hier, aber diese Version stimmt nicht mit ‘meiner’ Version überein. Hier das Lied, wie ich das kenne:

Um diddle diddle diddle um diddle ay
Um diddle diddle diddle um diddle ay
Supercalifragilisticexpialidocious!
Even though the sound of it Is something quite atrocious
If you say it loud enough
You’ll always sound precocious
Supercalifragilisticexpialidocious!
Um diddle diddle diddle um diddle ay
Um diddle diddle diddle um diddle ay
Because I was afraid to speak
When I was just a lad My father gave me nose a tweak And told me I was bad
But then one day I learned a word That saved me aching nose
The biggest word I ever heard And this is how it goes:
Oh, supercalifragilisticexpialidocious!
Even though the sound of it
Is something quite atrocious
If you say it loud enough
You’ll always sound precocious
Supercalifragilisticexpialidocious!
Um diddle diddle diddle um diddle ay
Um diddle diddle diddle um diddle ay
So when the cat has got your tongue
There’s no need for dismay
Just summon up this word And then you’ve got a lot to say
But better use it carefully Or it may change your life
One night I said it to me girl
And now me girl’s my wife!
She’s supercalifragilisticexpialidocious!
Supercalifragilisticexpialidocious!
Supercalifragilisticexpialidocious!
Supercalifragilisticexpialidocious!

Ich bin offensichtlich nicht der einzige, der sich jemals in einem nostalgischen Moment an dieses Lied erinnert hat, wie man an den Kommentaren zu diesem Video sehen kann..

Und auf deutsch soll das Wort eben “superkalifragilistisch-expealigorisch” heißen. Und noch etwas:

So, bis zum nächsten Ausflug in die Tiefen meines Dingsdas, das sich selbstlobend Hirn nennt..

Bootcamps für Schwarzgeld?

authorOmar | 7. Januar 2008

Hans-Joachim Greifenstein – evangelischer Pfarrer und Kabarettist – hat folgenden Artikel bei der Frankfurter Rundschau veröffentlicht, in dem er Roland Kochs Forderung – “Warnschussarrest” für jugendliche Gewalttäter – im Prinzip zustimmt:

Jeder hat so seine Lieblingsvergehen, über die er sich am meisten aufregt. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) spricht gegenwärtig gern vom gebotenen “Warnschussarrest” für jugendliche Gewalttäter und von Abschiebung, wenn es sich um solche mit Migrationshintergrund handelt.

Ich dagegen lehne Schwarzgeldkassenbetreiber ab. Alkoholisierte Schläger sind oft armselige Typen. Bei Leuten, die Millionen in die Schweiz verschieben, handelt es sich meist um ein anderes Publikum. Wer so etwas tut, handelt nicht unkontrolliert, sondern hat sich in der Regel vorher genau überlegt, was er da macht. Zudem handelt es sich bei diesen Verbrechern in der Regel um Besserverdienende: Wo nichts ist, lässt sich bekanntlich auch nichts Nennenswertes verschieben.

Lesebefehl!

Transatlantischer Neusprech

authorOmar | 6. Januar 2008

Einen interessanten Artikel hat tagesschau.de herausgebracht, der sich mit der Verlogenheit der Begrifflichkeiten in den USA auseinandersetzt.

Das wohl aktuellste Beispiel für amerikanisches Neusprech: Wenn es die eigene Regierung tut, gilt Wasser-Folter offiziell nicht mehr als Folter, sondern als eine “Verhörmethode”. Zwar blamiert sich damit sogar der neue Justizminister, Michael Mukasey, doch wen stört das? “Ich kenne die Details nicht”, beschwichtigte Mukasey, “aber wenn es Folter wäre, wäre es nicht legal.”

Das haben doch auch deutsche Politiker fertig bekommen. Darunter fallen mindestens aber nicht ausschließlich Frank-Walter Steinmeier (SPD) oder Jörg Schönbohm (CDU):

Schönbohm: Ich kann nicht sagen, dass da gefoltert wird. Ich kann nur sagen, dass dort Gefangene festgehalten werden unter dem Verdacht des Terrorismus, aber dass sie gefoltert werden, kann ich nicht sagen.. […]

Maischberger: Haben Sie die Bilder gesehen, von Abu Ghraib? [Ja] Ist das nicht Folter?

Schönbohm: Ja, was sehen Sie als Folter? Ich wollte doch gerne auf einen anderen Gedanken eingehen…

Normon Solomon, der im Artikel zitiert wird, betreibt ein eigenes Blog hier: Norman Solomon – Author and media critic. Daneben gibt es in den USA die recht gute medienkritische Seite Media Matters und das sehr FOX News spezifische Blog Newshounds. Ähnliches scheint es in Deutschland nur in Form vom BildBlog zu geben – von einigen kleineren Initiativen abgesehen.. Benötigt werden diese Medien aber durchaus!

Return of the Yellow Spies..

authorOmar | 23. November 2007

Wenn an dieser Stelle alle Muslime und irgendwie muslimisch aussehenden Menschen auf der Stelle tot umfallen würden, würde es entsprechend eingestellten Medienschaffenden nicht weiter schwer fallen, eine neue Bedrohung durch eine durch ihr Aussehen zu unterscheidende Gruppe finden. Das hat kürzlich der Spiegel bewiesen. Der Spiegel titelte in der Ausgabe 35/20071

Gelbe Spione - Spiegel Titelseite

“Die Gelben Spione”

Wie China deutsche Technologie ausspäht

Tja, was soll man sagen, der Angriff der “Gelben” geht weiter! Sie wagen es, unserem Rechtsstaat auf der Nase rumzutanzen und nutzen aktiv alle Möglichkeiten, die ihnen der Rechtsstaat gibt, um die Meinungs- und Pressefreiheit des Spiegels einzuschränken:

Nun hat die Vereinigung Chinesischer Akademischer und Studentischer Gesellschaften in Deutschland e.V (CASD) (sowie Einzelpersonen) einen Gang höher Geschaltet und gestern Strafanzeige gegen die Autoren der Titelgeschichte erstattet: “wegen Begehung der Straftat der Beleidigung nach §185 StGB, der üblen Nachrede nach §186 StGB, der Verleumdung nach §187 StGB, der Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen nach §166 Abs.1 StGB, der Volksverhetzung nach §130 StGB und der Verletzung von Flaggen und Hoheitszeihen ausländischer Staaten nach §104 StGB.”

Nach Angaben des Vorsitzenden Xing He war dem eine Demonstration am 10. November vor dem Hamburger Spiegelgebäude vorangegangen, bei dem ein Protestbrief überreicht worden war. Hans-Ulrich Stoldt vom Spiegel bestätigt gegenüber Spiegelkritik, dass es auf diesen Protestbrief von Seiten des Spiegel bisher keine Antwort gab – er wurde der Rechtsabteilung gegeben.

Leider ist die Seite des Vereins in Chinesisch gehalten, allerdings findet sich der Protestbrief des Vereins:

Wir sind keine „gelben Spione“, sondern einfach Menschen aus China!

Mit aufreißerischem und verhetzendem Titelblatt „Die gelben Spione“ und dem mit vielen unwahren Behauptungen und suggestiven Methoden geschriebenen Artikel „Prinzip Sandkorn“ in ihrer Ausgabe vom 27.August 2007 hat die Wochenzeitschrift »Der Spiegel« alle chinesischen Studenten, Wissenschaftler, Angestellten und Unternehmer in Deutschland faktisch als Wirtschaftsspione unter Generalverdacht gestellt.

Um antichinesische Stimmung bei den Lesern zu erzeugen und ihre auf unfundierter Berichtserstattung und unschlüssigen Mutmaßungen aufgebaute These zu bestärken, haben die verantwortlichen Redakteure und Titelblattdesigner nicht nur einen sehr an rassistische und koloniale Zeitalter erinnernden Titel „die gelben Spione“ gewählt, sondern haben die Autoren auch in ihrem Artikel sogar mit einem frei erfundenen Spruch des chinesischen Philosophen Konfuzius und durch das Zitat einer beleidigenden Anspielung auf die chinesische Staatsbezeichnung die chinesische Kultur zu einer Kultur mit Tradition und „mentaler Prägung“ der Verletzung des geistigen Eigentums erklärt und damit die Chinesen von der kulturellen Wurzel ausgehend herabgewürdigt. Die chinesische Wirtschaftsentwicklung als Resultat der Wirtschaftsspionage darzustellen, ist eine Beleidigung des Fleißes und der Intelligenz der Chinesen. Die Milliarden Gewinne der deutschen Unternehmen aus China-Geschäften wurden von den Autoren verschwiegen, und China zu einem „Pfefferkuchenhaus“ der Hexe à la „Hänsel und Gretel“ entstellt. Eine derartige Herabwürdigung chinesischer Kultur ist kein Freiheitsrecht einer zivilisierten Gesellschaft…

Außerdem finden sich detaillierte Auseinandersetzungen mit dem Spiegel-Artikel:

Hat Tip: Citronengras

  1. kurze Frage: wie kann man eigentlich so viel Stuss schreiben??[]

Moderat? – Radikal? – einfach falsch!

authorOmar | 24. August 2007

Der Begriff des “moderaten Muslims” ist in letzter Zeit sehr stark in Mode gekommen. Er soll einen Gegensatz zum extremistischen/radikalen Muslim oder einfach nur dem Extremisten darstellen und dabei die Grenzen zwischen “gutem Muslim” und “bösem Muslim” aufzeigen. Problematisch ist, dass der Begriff eine Gefahr für das Verständnis sowohl des Islams an sich, als auch des Extremismus darstellt.

Folgende Email erreichte mich vor einigen Wochen:

ich habe letztens in einem Interview mit Frau Köhler (der Ehefrau des Chefs des Zentralrats der Muslime) gelesen, dass diese eine “moderate Form des Islam” vertritt.

Gibt es Literatur, in der eine “moderate” Form dargestellt wird? Ich schätze wohl eher nicht…

Dass Muslime (und dort vor allem Funktionäre) für sich beanspruchen, den “moderaten Islam” oder noch schlimmer die “moderate Form des Islams” zu vertreten oder zu predigen rührt meines Erachtens nur aus der Angst, als radikal oder extremistisch abgestempelt zu werden. Das ist zum einen verständlich, da die Diskussion über Islam und Islamismus zunehmend polarisiert geführt wird. Andererseits sind die Auswirkungen dieses Begriffskarussels verheerend.

Extrem

Das Verständnis von “extrem” und die Bekämpfung einer solchen Bewegung ist durchaus im Islam auffindbar, wenn auch anders als es heute verstanden wird. Der Prophet Muhammad (sas) hatte von drei Männern gehört, die sich in der Religiosität wetteifernd gegenseitig versprachen, nie zu heiraten, nie (Fleisch) zu essen bzw. nicht auf einer Matratze zu schlafen. Die drei meinten dies als Zeichen ihrer Frömmigkeit und Erhabenheit über das alltägliche Leben. Der Prophet allerdings sagte, er würde beten und schlafen1, er würde essen und fasten und heiraten. “Wer meiner Sunna2 nicht folgt, der gehört nicht zu mir.” fügte er noch hinzu3.

Ebenso findet man im Koran die Aufforderung zur Moderation, etwa in der Sure Al-Isra’ (17:29):

Und laß deine (Geber-)Hand nicht an deinen Hals gefesselt sein, aber öffne sie auch nicht so weit, daß du tadelns-würdig und verarmt dasitzt.

Selbst das Geben (Spenden) soll also in Massen sein, da man auch für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen hat. Der Mittelweg – der auch zumeist natürlich erscheint – ist damit der islamische Weg. Je weiter man sich davon wegbewegt, desto extremer ist man islamisch betrachtet. Dass darunter keine heutigen Extremisten fallen, sollte einleuchten..

Ungläubige töten?

Es ist eben nicht extrem oder radikal, wenn man fordert, dass “Ungläubige” zu töten sind, denn das hieße ja nur, dass eine Abmilderung dieser Forderung legitim oder “moderat” wäre4. Dem ist aber nicht so, die Aussage/Forderung ist illegitim, ungerechtfertigt und nicht zuletzt blödsinnig5. Dass einige Muslime und einige Nichtmuslime diese trotzdem behaupten6, qualifiziert die Behauptung noch nicht als legitime Ansicht innerhalb des Islams.

Es hilft aber auch nicht, das Problem einer solchen existenten Ansicht an Dritte weiterzureichen – das ist hiermit keineswegs gemeint! Wichtiger ist allerdings den Raum für Missverständnis der islamischen Grundlagen nicht durch solche Gruppenzuweisungen zu vergrößern. Und es bedeutet auch nicht, dass man Muslimen, die eine solche Meinung vertreten das Muslimsein abspricht. Es heißt lediglich, dass man begründet feststellt, dass die Meinung islamisch betrachtet falsch ist. Damit kann man sogar eher eine Diskussionsbereitschaft bei den Extremisten erreichen.

Moderat oder streng islamisch?

Asma Khalid geht im Artikel “Why I am not a moderate Muslim” darauf ein, warum es unsinnig und sogar destruktiv ist, den Begriff “moderat” anzuwenden:

“Moderate” implies that Muslims who are more orthodox are somehow backward and violent. And in our current cultural climate, progress and peace are restricted to “moderate” Muslims. To be a “moderate” Muslim is to be a “good,” malleable Muslim in the eyes of Western society.

I refuse to live as a “moderate” Muslim if its side effect is an unintentional admission that suicide bombing is a religious obligation for the orthodox faithful. True orthodoxy is simply the attempt to adhere piously to a religion’s tenets.

Asma Khalid argumentiert, dass wahre Orthodoxie im Islam per se moderat ist und deshalb eine “strenge” Religiosität eben kein Widerspruch zu Fortschritt und Friedfertigkeit ist.

Notwendigkeit der Diskussion

Aber wie kommt man als Muslim dazu, von sich zu behaupten, man würde die “moderate Form” des Islams vertreten? Sind wir so sehr im politischen Umfeld beheimatet, dass wir unkomplizierte und pauschale Zuordnungen den weit schwierigeren Klarstellungen zu Einzelthemen vorziehen?

Einerseits ist der Druck durch Fragen à la “wie stehst du dazu?” gegeben und die Lösung der grundsätzlichen Distanzierung bietet sich geradezu an. Dabei braucht man sich nicht in die Fragestellung selbst zu vertiefen, kann aber auch keine islamisch ausreichend begründete Antwort liefern. Das birgt die Gefahr, dass man von der eigenen Antwort nicht überzeugt ist, diese aber loswird, um sich schnell des Vorwurfs des Extremismus’ zu entledigen. Das kann für den Fragenden nicht selten nicht zufriedenstellend sein und weiterhin entsteht der Eindruck, dass man nur dadurch moderat und ungefährlich wird, dass man seinen eigenen Glauben nicht ernst nimmt. Die Folge ist die Steigerung der Glaubwürdigkeit der Extremisten!

Weiterhin hat die Gruppenzuordnung “Extremist – Moderat” den Nachteil, dass Gräben aufgetan werden, die nicht mehr überbrückbar erscheinen. Wenn “radikale Muslime” und “moderate Muslime” jeweils eigene Gelehrsamkeit hervorbringen, dann wird der Vergleich – und somit die Möglichkeit der Rückführung tatsächlich falsch liegender Muslime zur Moderation – umso schwieriger. Noch größer ist die Hürde natürlich, wenn die Diskussion zwischen den verschiedenen Lagern vollkommen versiegt, weil man sich nur noch eine Gruppenzugehörigkeit vorwirft.

In diesem Sinne wäre es sinnvoll, wenn in islamischen Organisationen periodische Seminare abgehalten werden würden, in denen Thematiken offen und fair besprochen werden, in denen extreme7 Meinungen sich bemerkbar machen. Die Kunst, dabei zwar nicht oberlehrerhaft aufzutreten, aber dafür argumentationsstark aufzutreten, muss vor allem Imamen und Vertretern gelingen, um fruchtbare Ergebnisse aus dem Seminar zu erhalten.

  1. also auch nachts beten, aber trotzdem seinem Körper sein Recht im Schlaf geben[]
  2. ~Lebensweise[]
  3. vgl. Sahih Muslim, 207[]
  4. also etwa “ein Ungläubiger muss geschlagen werden” oder so..[]
  5. weil man sich selbst an die Stelle Gottes (als Richter) stellt, was ja nicht Sinn der Sache sein kann![]
  6. die zweite Gruppe scheint mir größer zu sein..[]
  7. oder gänzlich falsche[]

Wenn sich die Welt öffnet..

authorOmar | 29. März 2007

Was würdest du tun, wenn sich die Welt für dich öffnet? Würdest du eintreten?

Würdest du Chancen begreifen,
wenn sie dich angreifen?
Würdest du sie als solche erkennen
oder sie als eigenen Verdienst benennen?

Wenn dann eine Chance fehlt
als Ungerechtigkeit gegen dich zählt?

Bin ich der einzige,
dem es so gut geht?
Bin ich der einzige,
um den es so gut steht?
Oder verkennen alle anderen ebenfalls
das, was geschenkt wird ihnen schlimmstenfalls?

Vielleicht geht es mir nur “normal”,
allen anderen Menschen schlechter – dreitausend Mal?
Die vielen Beschwerden
kann ich mir anders nicht erklären!

Müsste ich trotzdem dann,
zumindest so gut ich kann,
damit glücklich sein,
ein “normaler” Mensch zu sein?
Oder sollte ich nicht mehr vom Leben erwarten
und ab jetzt nicht mehr abwarten?

Der Gedanke ist gefährlich
wenn man ist ehrlich:

Wenn man sich auch dafür bedankt,
dass es einem besser geht als anderen,
und die gibt es, auch wenn man erkrankt
dann könnte sich keiner beschweren.

In Realität beschweren sich aber alle.

Mal ehrlich:
Geht es dir wirklich so schlecht?
Könnte es dir
nicht weit schlechter gehen? – Mal echt!

Schau dich um!

Wenn sich die Welt für dich öffnet, wirst du dem Türöffner danken?

Ich bin das verhätschelte Einzelkind dieser Welt.
Solange ich das nicht erkenne –
Wieviel Unglück von mir abpellt,
solange ich nicht anerkenne
das Gute, das mir zugeworfene,
solange werde ich und für immer sein
wie das Stiefkind, das täglich geschlagene
zumindest, das sähe ich ein.

Und alle anderen sähen aus,
als hätten sie was besseres ‘draus.

Nein, ich habe keine Million im Lotto gewonnen,
aber gleichzeitig bin ich nicht gezwungen
zu betteln bei Menschen mir schlecht gesonnen,
oder aus der Spardose zu entnehmen die Ablagerungen.

Wie viel ich von diesem Glück
durch eigenes Stück
tatsächlich verdient habe?
Nicht sehr viel – nicht mit meiner Auffassungsgabe.

Danke ich dem Türöffner, der mir die Welt öffnet?


Tut mir leid für die abgehackten Reime. Das musste ich nur loswerden.

Mehr deutsche Muslime – Muslime mehr Deutsch

authorOmar | 14. Januar 2007

Inzwischen dürfte es jeder gehört haben: Immer mehr Deutsche entscheiden sich, den Islam als Lebensweg anzunehmen. Das Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland soll “demnächst”1 eine Studie veröffentlichen, in der gezeigt wird, dass in 2006 rund 5000 Deutsche zum Islam übergetreten sind und dass das Interesse am Islam im Allgemeinen zugenommen hat.

Während die Nachricht für einige Christen wie der Alptraum vom christlichen Untergang2 und für einige Muslime wie der Traum von der Deutschen Islamischen Republik3 aussieht4, gebührt der Studie eine nähere und vor allem ruhigere Betrachtung. Die Studie enthält traditionell mehr als nur die Zählung neuer Muslime, sondern auch die Befragung von Muslimen zu gesellschaftlich relevanten Themenschwerpunkten – nicht zuletzt auch die Frage, wen sie wählen würden5. Weiterhin wird in der vom Innenministerium in Auftrag gegebenen Studie die Organisationsstruktur der in Deutschland lebenden Muslime durchleuchtet und Veränderungen zum Vorjahr aufgezeigt.

Ein Schwerpunkt der Studie ist weiterhin die Integration von Muslimen. Anders als andere Studien durchleuchtet das Islam-Archiv die Innensicht in der muslimischen Community. Es wird interessant sein, diesen Punkt in der Studie nachzulesen und ich hoffe, ich komme dazu nach Erscheinen Selbiger.

Interessant?

Für wen ist eigentlich diese Studie am interessantesten? Politische Parteien können sich durch die Ergebnisse auf Diskussionen mit islamischen Wählern vorbereiten, sich ein Bild davon machen, was Muslimen wichtig ist – genauso wie sie es auch bei anderen Wählergruppen6 tun.

Die Regierung wird sich aus demselben Grund für die Studie interessieren, denn letztendlich sind Muslime für sie nicht nur Wähler, sondern auch Bürger, die sie vertreten müssen. Zudem ist ein generell positives Ergebnis für die Aussenpolitik der Regierung ein diplomatisch verkaufbares Gut – nicht nur mit vorwiegend muslimischen Ländern. Das Ansehen eines Landes wird eben sehr stark von der Lage seiner Minderheiten bestimmt.

In meinen Augen sollte die Studie aber Augenöffner für muslimische Vereine sein. Zur Erklärung möchte ich kurz aushohlen:

Vor etwa drei Jahren hat sich eine Gruppe von Muslimen in Hannover getroffen und versucht, zwei Dinge für hannoversche Moscheen zu erreichen:

  • Ein Moscheeverzeichnis, der Aufschluss über die verschiedensten Moscheen gibt und mit zusätzlichen Angaben wie “ordentliche Frauenräume” oder “Parkplätze” Soft-Skills von Moscheen angibt, die meist bei der Entscheidung für den Gang zu einer Moschee von Interesse sind.
  • Zeitgleich sollten Qualitätsmerkmale einer “idealen Moschee” aufgelistet werden. Interessant dabei war für mich, dass ind er Gruppe sehr oft gefordert wurde, dass Moscheen sowohl deutschsprachige Ausschilderungen, sowie deutschsprachige Predigten (oder zumindest Übersetzungen) anbieten sollten.

Während also das Ergebnis der Konvertierungszahlen für die deutsche Gesellschaft und Politik insgesamt heissen mag, dass sie sich auf mehr Muslime einzustellen hat, bedeutet das gleichzeitig für die Moscheen in Deutschland, dass sie sich “deutscher” verhalten und präsentieren müssen, als sie’s jetzt schon tun. Das drückt sich kurzfristig in flächendeckende deutschsprachige Ausschilderungen, sowie in der Übersetzung (oder kompletten Umstellung) der Freitagspredigt. Langfristig muss sich die Zunahme deutscher Muslime in den Vereinsvorständen und -Formalien niederschlagen.

Überregional scheint es bereits funktioniert zu haben, wenn man sich den Vorstand des Zentralrats der Muslime e.V. anschaut7. Regional ist meiner Erfahrung nach dieser Prozess noch nicht angelaufen.

Die Eindeutschung der Vereine könnte weiterhin eine Chance bieten, die Unterschiede in den Herkunftsländern aufzulösen. Auf der anderen Seite, sollte dieser Prozess nicht aktiv angegangen werden, dürfte sich keiner wundern, wenn es demnächst neben den schon längst überflüssigen “türkischen”, “bosnischen”, “arabischen”, “pakistanischen” und “afrikanischen” Moscheen auch noch “deutsche” Moscheen gibt – und zwar streng nach Herkunftsland getrennt.. Das wäre natürlich für die Erstgenannten eine integrationstechnische Katastrophe!

Die Frage ist also meines Erachtens nicht nach der “Islamisierung Deutschlands”, sondern vielmehr nach der “‘Verdeutschung’ der islamischen Gemeinschaft”!

  1. laut Islam-Archiv warten sie auf die Freigabe durch das Innenministerium[]
  2. Das betrifft leider nicht nur gewisse “politisch falsche unkorrekte” ehemalige Sportlehrer, sondern auch Redakteure in Massenmedien, die vom schnell mal vom militärisch angehauchten “Vormarsch” des Islams sprechen..[]
  3. Ja, es bleiben ja “nur” knappe 40 Millionen nichtmuslimische Deutsche[]
  4. was im Übrigen bei weitem nicht dasselbe ist!![]
  5. gewissermassen die “Freitagsfrage”, wenn man so will..[]
  6. wenn man Menschen überhaupt “gruppieren” kann[]
  7. mit Ayyub Köhler als Vorsitzenden und Maryam Brigitte Weiß als erste stellvertretende Vorsitzende[]

Smallville in Bonn?

authorOmar | 21. Oktober 2006

Für den Brand in einer Schrebergartenhütte wird derzeit ein Meteor verantwortlich gemacht.

Der Einschlag eines kleinen Meteoriten aus dem Weltall hat nach Überzeugung der Ermittler einen ungewöhnlichen Brand in einer Schrebergarten-Hütte in Troisdorf bei Bonn verursacht. Nach Beratungen mit Experten sei ein Hitze-Partikel aus dem All “die wahrscheinlichste Brandursache”, bestätigte die Polizei Siegburg am Freitag. Alle anderen Ursachen könnten nach umfassenden und mehrtägigen Ermittlungen ausgeschlossen werden.

Glaubwürdige Zeugen hätten auch “eine ungewöhnliche Leuchterscheinung am Himmel unmittelbar vor der Brandentstehung beobachtet, die sich als kleiner glühender Körper Richtung Boden bewegt hatte”. Der Partikel sei aber nicht gefunden worden.

Eine vorsätzliche Brandlegung habe ausgeschlossen werden können, teilte die Polizei mit. Auch technische Ursachen oder eine chemische Selbstentzündung kämen nicht in Frage. Die Zeugenangaben über die Lichterscheinung hätten die Ermittler veranlasst, mit der Sternwarte Bochum zu sprechen.

Fun facts: Bei einem Durchmesser ab 20cm können Meteore auf den Boden ankommen, ansonsten verbrennen sie im Normalfall komplett in der Atmosphäre (das wird sicherlich noch vom Einfallwinkel und -geschwindigkeit und Material des Gesteins abhängen..). Zur Benennung (via):

Zudem wird auch noch ein Luftschlauch entlang [der] Bahn [der Meteore] ionisiert (d.h. zum leuchten angeregt). diese Leuchterscheinung nennen wir einen Meteor, das Teilchen, das diese Leuchterscheinung verursacht, einen Meteoriden = ein Teilchen mit der Fähigkeit ein Meteor zu werden. Von der Erdoberfläche aus sehen wir im Normalfall einen solchen Meteor nur etwa 1/2 bis 1 Sekunde lang. War das Teilchen vor dem Eintritt in die Atmosphäre so groß wie ein Pflasterstein oder größer, dann kann ein Rest davon auf die Erdoberfläche als Meteorit niedergehen.

Gute Nacht..

Armut in Deutschland? Armes Deutschland!

authorOmar | 19. Oktober 2006

Ja, alle sind überrascht, in Deutschland gibt es tatsächlich arme Leute! Damit sind nicht unbedingt die Leute, die man auf der Straße trifft und die mit einem Hund neben sich liegend um 10 ct betteln. Es sind auch nicht die Kinder, die man vor den bekannten Supermarkts trifft, die ihr Spielzeug zu verkaufen versuchen. Es sind auch nicht die Menschen, die routiniert in jeden Mülleimer nachsehen, an dem sie vorbeigehen, ob sie nicht etwas brauchbares darin finden. Von diesem Menschen wussten wir schon immer, aber wir wissen auch, dass diese selbst schuld sind!

Armut in Deutschland!

FAZ – Die alte soziale Frage:

Die Statistik nennt immerhin 13,5 Prozent Arme unter der Gesamtbevölkerung und auf der anderen Seite beachtliche 1,6 Millionen Bürger die mehr als fünfhunderttausend Euro besitzen, eine halbe Million mehr, als 1998 gezählt wurden. Man kann dieses vage Gesamtbild, wie es der Sozialbericht tut, in viele Aspekte auffächern, als wichtigste Tatsache aber muß die Vergrößerung des Abstands zwischen Arm und Reich erscheinen. Man kann von Deutschland kaum mehr als von einer sozial homogenen Gesellschaft sprechen.

Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Namen “Gesellschaft im Reformprozess”, die im Dezember veröffentlicht werden soll, teilt die deutsche Gesellschaft in neun Gruppen und versucht über die Klassifizierung dieser Gruppen eine Verstärkung der Gruppe festzustellen, die Politiker (vor allem konservative) und Medien gemeinhin als die “Neue Unterschicht” bezeichnen.

Begriffsverwirrung

Der Begriff “Neue Unterschicht” wird in der Studie nicht verwendet. Stattdessen benutzt die Studie einen Begriff, der noch ein wenig mehr Verwirrung stiften wird. Das Wort “Prekariat” ist keines, was der heutige Duden kennt (das mag sich demnächst ändern). Laut wikipedia ist es ein zusammengesetztes Wort, das Soziologen aus “prekär” und “Proletariat” erstellt haben (deshalb heisst es eben nicht Präkariat!). Wenn ich interpretieren darf1: Der wirtschaftlich (und gesellschaftlich?) schlechte Zustand, in den man hineinrutscht und nur sehr schwer herauskommen kann, kann als Prekariat bezeichnet werden.

Um das Wort soll es aber hoffentlich nicht gehen. Leider droht die derzeitige politische Diskussion zu einer Wortspielerei zu werden. Ob Deutschland eine “Unterschicht” oder ein “Prekariat” hat, ob überhaupt von Schichten die Rede sein darf oder ob es einfach nur Armut in einer fließenden Gesellschaft ist – können wir uns darauf einigen, dass es arme Menschen gibt, die Hilfe brauchen?

Gesellschaftliche Gruppen laut der FES

Um zu demonstrieren, zu welchem Ergebnis die Studie “Gesellschaft im Reformprozess” gekommen ist, habe ich eine Grafik aus der Präsentation der Studie (via) rekonstruiert und mit den ermittelten Anteilszahlen an der Gesamtbevölkerung erweitert. Es sollte angemerkt werden, dass in der Präsentation nicht von “gesellschaftlichen Gruppen”, sondern von “politischen Typen” die Rede ist..

Politische Typen nach der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Ich möchte nicht auf die Details der Studie eingehen (zumal sie ja noch nicht wirklich veröffentlicht wurde), aber eine politisch sehr interessante Korrelation muss angeführt werden: Bei jüngeren Menschen ist der gesellschaftliche Status fast direkt abhängig vom Bildungsniveau! Und während Bildungseliten, Engagiertes Bürgertum und Leistungsindividuen einer steilen Zukunftsentwicklung entgegenblicken können, geht der Trend der “Bedrohten Arbeitnehmermitte” in Richtung Abstieg! Die derzeitig am meisten diskutierte Gruppe – der “abgehängte Prekariat” – stellt auch das bildungstechnische Schlusslicht dar und ist vor allem in den jüngeren Semestern vorzufinden. Dieses Auseinanderklaffen wird uns noch einige Jahre beschäftigen und wenn wir ihn nicht wahrhaftig in Griff bekommen, sieht es für Deutschland schlecht aus..

Praktisch

In weniger als einer Woche geht der islamische Fastenmonat Ramadan zuende. Vor Verrichtung des am ersten Tag des darauffolgenden Festes (türkisch: Zuckerfest, Eid Al-Fitr richtig oder Fastenbrechenfest) stattfindenden Gebets muss jeder Muslim eine pauschale Abgabe verrichten, die ausschließlich an Arme gerichtet ist (Zakat-ul-Fitr). In der Vergangenheit wurde diese Abgabe von vielen Muslimen im Westen gesammelt und in ein Drittweltland geschickt, wo es an die Armen verteilt wird. Vielleicht wäre es angebracht, wenn Muslime offensiv auf Nachbarn (die nicht ganz so viel haben) oder direkt auf Menschen auf der Strasse zugehen würden und die Spenden direkt an den Mann/an die Frau bringen würden! Zumindest würden Aufrufe der Moscheen dazu dienen können, Armut in Deutschland auch unter Muslimen zu thematisieren..

Natürlich wird das Problem keineswegs nur damit gelöst – auch wenn ganz Deutschland dabei mitmachen würde. Es wäre wünschenswert, dass die Regierung den bisherigen Kurs (Engerschnallen des Gürtels der Armen, aber auch der Mittelschicht) aufgeben würde und eine sozial verträglichere Politik fahren würde.

Dazu zählt, dass die Hartz-Schritte wieder aufgearbeitet und notfalls bereinigt werden. Dazu zählt aber auch, dass die Belastung vom Bürger genommen wird und verstärkt Kapital in Anspruch genommen wird (die neue Regierung hatte den Vorschlag der Reichensteuer geflissentlich ignoriert). Dazu zählt aber vor allem, dass der bildungspolitisch eingeschlagene Weg abgebrochen wird und Bildung wieder zum Allgemeingut gehört! Es kann nicht angehen, dass wir sehen und einsehen, dass Bildung einen so starken Einfluss auf Zukunft der Gesellschaft hat und trotzdem glauben, daraus Luxusgut machen zu müssen!

  1. tun ja alle anderen auch..[]

Imbissdeutsch für Fortgeschrittene

authorOmar | 27. Juni 2006

Elias hat mich an eine alte Audiodatei erinnert. Hier also das Original (glaube ich zumindest..):

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Mehrsprachigkeit

authorOmar | 27. Mai 2006

Claudia Maria Riehl – Professorin für Sprachwissenschaft des Deutschen an der Uni Köln – argumentiert in einem Interview in der TAZ für eine mehrsprachige Ausbildung von Kindern bereits ab dem Kindergarten. Mehr noch, sie ist der Meinung, dass sich Türkisch als die erste Zweitsprache in Deutschland durchaus anbieten würde, da diese

  1. im Alltag angewandt werden kann
  2. sich von den indoeuropäischen Sprachen unterscheidet, wodurch dem Kind eine breitere Basis zur Erlernung weiterer Sprachen auf dem Weg gegeben würde

Frau Riehl führt aus, dass Mehrsprachigkeit den Kindern im Allgemeinen einen Entwicklungsvorsprung, sowie eine tolerantere Haltung gibt:

Was sind denn die Vorteile einer frühen Zweisprachigkeit?

Das frühe Erlernen einer zweiten Sprache bringt unter anderem gewisse kognitive Vorteile mit sich. So wurde in sprachwissenschaftlichen Studien herausgefunden, dass Mehrsprachige Aufgaben besser lösen können, bei denen man einen Sachverhalt blockieren und sich auf einen anderen konzentrieren muss. Dazu sind Mehrsprachige besser in der Lage, weil sie zuvor bereits gelernt haben, die eine Sprache auszublenden, wenn sie die andere sprechen. Außerdem haben sie ein höheres so genanntes metasprachliches Bewusstsein: Sie konzentrieren sich nicht nur auf den Inhalt von Sätzen, sondern auch auf die äußere Form.

Mehrsprachige Kinder können also besser denken?

Das zu behaupten, wäre übertrieben. Aber sie haben einen gewissen Entwicklungsvorsprung. Außerdem wirkt sich Zwei- oder Mehrsprachigkeit auch auf die Persönlichkeit aus: Mehrsprachige sind oft toleranter, weil sie gelernt haben, andere Sichtweisen einzunehmen. Wenn man eine fremde Sprache lernt, lernt man eben nicht nur eine Sprache, sondern auch andere Denkweisen kennen. Anders als in Mitteleuropa ist übrigens global gesehen Mehrsprachigkeit der Normal- und Einsprachigkeit der Ausnahmefall. In Afrika, in Asien, in Südamerika oder auch in Osteuropa sprechen fast alle Menschen mindestens zwei Sprachen.

Außerdem bestätigt sie die Aussagen von Dr. Schiffer in ihrem Aufsatz “Mehr Sprachen können ist ein Plus”.

Dann sollten sich am besten schon Eltern mit ihren Kindern in zwei Sprachen unterhalten?

Sie sollten in ihrer jeweiligen Muttersprache mit ihren Kindern sprechen. Denn es ist nicht gut für die sprachliche Entwicklung eines Kindes, dass man mit ihm in einer Sprache spricht, die man selbst nicht vollständig beherrscht. Auch wenn ich Eltern kennen gelernt habe, die selbst deutsche Muttersprachler sind und mit ihren Kindern Englisch sprechen: Das ist übertrieben und nicht sehr hilfreich.

Wer ist überfordert?

Wie immer wurde die Frage nach der Überbeanspruchung der Kinder mit Sprachen gestellt, was in der Realität kaum passieren kann – solange es eben Kinder sind. Frau Riehl schlägt aber ein Modell vor, das in Kanada bereits angewandt wird:

Würde das nicht eine Überfrachtung mit Sprachunterricht bedeuten, die auf Kosten anderer Fächer gehen muss?

Nein, muss es überhaupt nicht. Aus Kanada stammt das sehr zukunftsträchtige “Immersionsmodell”, nach dem das sehr gut funktionieren könnte. Ich will es Ihnen illustrieren: Ein Kind lernt ab dem Kindergarten beispielsweise Spanisch als erste Fremdsprache. Ab der dritten Klasse entfällt ein eigener Spanischunterricht, dafür wird Spanisch dann zur Unterrichtssprache im Fach Sachkunde. Dadurch wird Stundenkapazität frei, um zum Beispiel Englisch als Sprache zu unterrichten. Das System lässt sich dann auch mit einer dritten Fremdsprache fortsetzen.

Das gefällt mir. Das hat vor allem den Vorteil, dass nach Einführung in die Fremdsprache keine weiteren interpretatorischen Glanzleistungen erwartet werden, wie es etwa derzeit in der ersten und zweiten Fremdsprache erwartet wird. Meines Erachtens besteht eine Sprache aus Vokabular, Rechtschreibung, Grammatik und viel Übung! Nirgendwo sehe ich die Notwendigkeit, Stilmittel gesondert hervorzuheben oder Gedichte zu analysieren!

Tatsächlich werden aber eher die Politiker mit den Vorschlägen der Sprachwissenschaftler überfordert sein – aber nicht nur die..