Category: Hannover

Frauenräumlichkeiten in der Al-Huda-Moschee, Hannover

authorOmar | 24. November 2009

Die arabischsprachige Al-Huda-Moschee in der hannoverschen Nordstadt ist durch eine turbulente Zeit gegangen, nachdem in den letzten Jahren etwa die Hälfte der Mitglieder mehr oder minder gezwungenermaßen und nach Streitereien ausgeschieden sind und dem Verein den Rücken gekehrt hatten – und das nur Monate, nachdem das noch neu erworbene Gebäude vollständig abbezahlt war. Mehr als die Hälfte der heutigen Mitglieder sind Neumitglieder, die erst nach den Streitereien in 2007 in den Verein kamen. Die Streitereien zwischen den durchweg männlichen Mitgliedern des Vereins1 haben zu einem spürbaren Rückgang der Besucherzahlen geführt. War vor zwei Jahren noch die Zahl der Betenden im Freitagsgebet höher als 300 – mit Gebets-, Neben- und Eingangsräumen vollständig und eng belegt – so bleiben heute bei lockerer Aufreihung der Betenden mehrere Zeilen im Hauptgebetsraum leer und ihrem Zweck entraubt. Ähnlich ergeht es den mehr und mehr monotonen und monologischen Aktivitäten des Vereins, die nunmehr hierarchisch und rigide geführt werden.

Der aktuelle Streit in der Al-Huda-Moschee hat allerdings wenig mehr mit den männlichen Gemeindemitgliedern zu tun. Vielmehr geht es um die Nutzungsrechte der Frauenräumlichkeiten der Moschee. Wie in den meisten Moscheen Deutschlands haben Frauen einen gesonderten Raum, in dem sie beten, Unterricht halten und sich treffen können. Zwar gibt es im Verein kein weibliches Mitglied und Frauen haben im Verein keine eigene Stimme, aber bislang durften sie zumindest über ihren eigenen Raum verfügen. In den Frauenräumlichkeiten fand zeitweise Arabischunterricht und islamische Unterweisung für Kinder statt, die ehrenamtlich geführt wurden. In mehreren wöchentlichen Sitzungen haben Frauen ihre religiöse Weiterbildung selbst in die Hand genommen, von einander gelernt und sich ausgetauscht. Eine unabhängige Mädchengruppe hat den Raum genutzt, um ihre Aktivitäten und Zusammenkünfte zu organisieren und jeden Monat fand ein “Frauenfrühstück” statt. Ein Frauenverein hatte einen Teil der Räumlichkeiten unter großen materiellen und menschlichen Anstrengungen in einen Raum für Kindergruppen umgewandelt und mindestens einmal wöchentlich Betreuung für eine solche Gruppe angeboten. Und natürlich waren die Frauenräumlichkeiten ein Ort, an dem sich muslimische Frauen zu Gebetszeiten und außerhalb treffen konnten.

Vorgeschichte

Zunächst wurde vor einem Jahr die Küche im oberen Geschoss abgeschlossen, die die Frauen für die Zubereitung von Tee und die Aufbewahrung von Keksen genutzt hatten. Als Grund wurde eine angebliche Verschmutzung des neuen Teppichs genannt2. Das Flehen der Frauen um Öffnung der Küche brachte nichts – Wasser könne man ja auch aus dem Waschbecken des Badezimmers trinken!

Vor etwa einem Monat wurde dann ein Aushang in den Frauenräumen angebracht, auf dem zu lesen war, dass es verboten wäre, religiösen Unterricht zu erteilen. Dies sei allein dem “Imam” oder dessen Stellvertretung vorbehalten. Einen bezahlten und ausgebildeten Imam hatte die Gemeinde jedoch nie gehabt3. Ein früherer Aushang wurde von einer verärgerten Frau abgerissen. In der Woche darauf sind während einer Versammlung drei Vorstandsmitglieder in die Frauenräumlichkeiten gekommen, um den Inhalt des Aushangs mündlich zu kommunizieren, woraufhin die Frauen – trotz der Einschüchterung – erwiderten, dass sie es vorzögen, ihren Unterricht selbst zu gestalten und von einer Frau zu erhalten. Darauf wurde ihnen bereits mit dem Rausschmiss gedroht. Parallel haben die anderen Frauengruppen ähnliche Ankündigungen bekommen. Die einzige Gruppe, die noch Nutzungsbefugnisse hat, ist die Kindergruppe, die allerdings ihren Schlüssel abgeben mussten und im Gegenzug die selbst eingerichteten Räume durche ein Vereinsmitglied einmal in der Woche aufgeschlossen bekommt. Danach ist der vormals angesprochene Aushang ausgehangen worden.

Ein Vereinsmitglied bestätigt, dass die “Frauenproblematik” in der Vollversammlung (vor zwei Wochen) angesprochen wurde. Dabei soll der Vorstand berichtet haben, dass die Frauen sich unhöflich gegenüber dem “Imam” geäußert hätten, als ihnen der Beschluss des Vorstands mitgeteilt wurde. Vorige Woche dann wurden die Drohungen in die Tat umgesetzt. Nach dem Freitagsgebet und noch vor dem Abendgebet wurde der Eingang zu den Frauenräumlichkeiten zugesperrt. Die Diskussions- und Unterrichtsrunde, die vormals nachmittags stattfand, durfte nicht mehr stattfinden. Daraufhin haben die Frauen ihre Männer gebeten, mit dem männlichen Vorstand zu sprechen. Das wurde am besagten letzten Freitag getan.

Letzten Freitag

Fünf Männer hatten am späten Nachmittag eine Unterredung in den Büros des Vereins mit fünf Vertretern des Vereins – vor allem dem Vorsitzenden und einem aus dem Ausland angereisten ehemaligen Vorstandsmitglied des Vereins. Man ging nach einer Weile mit dem Versprechen hinaus, dass der Vorstand in drei Wochen noch einmal über den Umgang mit den Frauen beraten wird. Auf dem Weg hinaus wurde den Männern noch aufgetragen, den Frauen zu sagen, dass sie aus der Moschee gehen sollen. Die Frauen wollten aber zumindest noch das Abendgebet verrichten, das nur eine halbe Stunde später war.

Mit dieser Bitte wurde einer der Männer ins Büro zurückgeschickt. Die Bitte wurde abgewiesen und der Vorsitzende kam herunter, um die Frauenräumlichkeiten abzuschließen. Es folgte ein heftiger Streit, in dem Beschimpfungen und Vorwürfe vom Vorsitzenden auch an die anwesenden Frauen gerichtet wurden4. Auf die nochmalige Bitte einer der Anwesenden doch bitte noch das Gebet verrichten zu können, wurde ihr entgegengeworfen, sie würde nicht so weit entfernt wohnen und könne deshalb auch nach hause gehen, um dort zu beten. Inmitten dieses Streits schlug einer mit einem Buch auf den Hinterkopf des Vorsitzenden5. Er wurde sofort von den anderen Männern weggezerrt, trotzdem eilte der Vorsitzende ins Gebäude zurück und rief scheinbar sofort die Polizei an. An seiner Stelle kam das aus dem Ausland angereiste Mitglied herunter und beschimpfte sowohl die Männer als auch – und vor allem – die Frauen laut.

Als die Polizei anrückte, nahmen sie einige Zeugenaussagen auf. Es wird angenommen, dass der Vorstand ein Hausverbot erwirken möchte – fragt sich nur gegen welche und wieviele Personen!

Worum geht es dem Vorstand?

Es ist derzeit nicht ganz klar, was der Vorstand des Moscheevereins ultimativ erreichen möchte. Mit seiner derzeitigen Politik treibt er immer mehr Gemeindemitglieder weg. Lebt aber nicht gerade ein Moscheeverein von der Gemeinde? Zumindest finanziell geht es diesem Verein wohl recht gut, nachdem er vor zwei Jahren weit in den schwarzen Zahlen war. Das Gebäude kostet derweil nicht sehr viel und große Umbauten – abgesehen von einem neuen (möglicherweise gespendeten) Teppich – haben nicht stattgefunden. Man kann nur vermuten, dass es dem derzeitigen Vorstand wichtiger ist, eine vollständige Kontrolle über die Moschee als eine funktionierende Gemeinde zu haben. Einige vermuten, dass auch ein persönliches Problem des Vorsitzenden dahintersteckt, der sich offensichtlich gerne in Führungsposition und entsprechender Aufmachung sieht.

Die Kontrollexzesse könnten allerdings mit einer verstärkten Angst vor sicherheitsrelevanten Fragen zu tun haben, d.h. mit der Frage von Sicherheitsorganen an den Verein, welche Inhalte unterrichtet würden. Unzweifelhaft ist, dass ein jeder Verein Verantwortung für die Aktivitäten in seinen Gebäuden zu tragen hat und insofern ein begrenztes Kontrollrecht besitzt. Begrenzt deshalb, da es nicht dahin^gehend ausarten darf, dass eine freie Diskussion und Entfaltung der einzelnen Gemeindemitglieder nicht mehr stattfinden kann. Unabhängig davon ist nicht klar, aus welchen Gründen der Vorstand überhaupt Zweifel an den in den Frauenräumen vorgetragenen Inhalten haben könnte.

Die Kontroverse offenbart zudem ein Grunddilemma der Struktur des Moscheevereins und dessen Nichteinbindung von Frauen. Zwar ist das Problem, wie bereits oben angedeutet, kein frauenspezifisches Problem – Männeraktivitäten außerhalb des Einflusses des Vorstands dürfen ebenso wenig stattfinden – allerdings sind Frauen in besonderem Maße betroffen, da nicht nur die organisierten Treffen verboten werden, sondern selbst das normale Gebet zu Abend- oder Nachtzeiten! Da vermischen sich die Kontrollwut und eine Abwertung der weiblichen Gemeindemitglieder, die ja auch “zuhause beten” könnten.

Diese Benachteiligung der Frauen zeigt sich nicht zuletzt auch im Vorwurf des “Dreckigseins”. Zwar war in der Vergangenheit aufgefallen, dass die Frauenräumlichkeiten ab und zu nicht sauber gemacht wurden, allerdings muss man beachten, dass die frühere Lösung der Frauen – eine Frau fürs Aufräumen zu bezahlen – nicht ohne Komplikationen durch den Verein und schon lange nicht mit Finanzierungshilfen einherging. Wenn schon die Finanzen angesprochen werden, dann sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Räume der Frauen seit mehreren Jahren einer gründlichen Renovierung bedurft hätten – angefangen bei den gefährlichen, da reparaturbedürftigen Stromdosen, über das Badezimmer, dessen Toilette wohl leckt, bis hin zu den Wänden, die teils zu schimmeln angefangen haben und keine Gardinenstangen zu halten im Stande sind. Die einzige wirkliche Renovierung fand vor vielen Jahren im Kinderbereich statt, was – wie gesagt – von Förderern und Eltern der Kindergruppe finanziert und bewerkstelligt wurde, also nicht vom Moscheeverein selbst. Im Gegenzug sind Frauen immer diejenigen, die bei früheren Veranstaltungen eine gründliche Reinigung auch der “Männerräumlichkeiten” vorgenommen haben und für Essen und Trinken gesorgt haben, während der männliche Vorstand – und nicht zuletzt der jetzige Vorsitzende – sich in schöne Kleidung gehüllt hatte, um vor allem die ranghohen Gäste zu empfangen6. Jetzt Frauen Unordnung und Dreckigsein vorzuwerfen, ist nicht nur sehr perfide, sondern auch zutiefst beleidigend.

Interessant ist auch, dass diese Praxis im Umgang mit Frauen sehr weit von den Zielen entfernt ist, von denen mir der jetzige Vorsitzende vor vielen Monaten persönlich ‘gepredigt’ hatte. Er wollte gar einer offiziellen Mitgliedschaft von Frauen die Tore öffnen, damit sie auch in Belangen, die die gesamte Moschee angehen, mitentscheiden können.

Where do we go from here?

Eine Moschee besteht nicht nur aus den Gemeindemitgliedern, sie gehört ihnen auch. Das ist zwar rechtlich nicht der Fall – das Gebäude und das Grundstück gehören natürlich dem Verein – aber moralisch schon! Nicht der Verein hat dieses Gebäude gekauft, sondern die Gemeindemitglieder, die das Geld gespendet haben, die ihre Arbeit darin investiert und zu früheren Aktivitäten beigetragen haben. Es ist ein frustrierendes Dilemma, dass damit kein automatischer rechtlicher Anspruch auf Mitbestimmung verbunden ist. Aber aus der moralischen Wirklichkeit entsteht eine Handlungspflicht. Es kann nicht so weiter gehen, wie es bislang lief!

Aber was kann man tun, wenn man keine rechtliche Handhabe hat? Eine Lösung haben bereits mehrere Gemeindemitglieder vorgeschlagen und andere ihnen bereits vorgemacht: sich zurückziehen, andere Moscheen besuchen oder vielleicht mal eine neue Moscheegemeinde gründen. Nicht nur ist dieser Lösungsansatz nicht gründlich durchdacht – warum noch eine Moschee gründen, wenn man doch Schweiß und Geld in eine andere gesteckt hat? – er dient anderen Moscheevereinen als schlechtes Vorbild, die sich eines unlieb gewordenen Teils ihrer Gemeinde entledigen wollen.

Ich würde gerne eine Diskussion über Handlungsmöglichkeiten sehen, die der Gemeinde zur Verfügung stehen. Ich selbst bin der Meinung, dass derzeit nur öffentlicher Druck ein Einlenken des Vorstands zustande bringen könnte. Öffentlicher Druck besteht zunächst einmal in der Informierung der anderen Gemeindemitglieder, die von den Problemen nichts mitbekommen. Im erweiterten Sinne sind natürlich auch die anderen Moscheevereine – nicht zuletzt auch die Kooperationspartner – und staatliche bzw. politische Stellen zu informieren. Der Druck, der durch die Bekanntmachung und die daraus resultierende peinliche Situation entstehen würde, kann vielleicht dazu beitragen, dass der Verein zum Handeln gezwungen wird.

Aber das ist nur ein Ansatz. Es wäre schön, wenn sich eine Diskussion – online wie offline – anschließen könnte, damit die Gemeinde gemeinsam agieren kann.

  1. mehr zu den bisherigen Streitereien findet sich in den Artikeln “Demokratische Moscheen“, “Verantwortlichkeit in Moscheen“, “Streitschlichtung? Doch nicht so…” und “Al-Huda bedeutet “die Rechtleitung”“[]
  2. in den Frauenräumlichkeiten wurden die Reste des Teppichs verlegt, die vom Verlegen in den Haupträumen, den Männerräumen, übrig blieben[]
  3. aktuell vermeldet der Verein, dass ein Imam unterhalten wird[]
  4. u.a. sie seien unhöflich[]
  5. eine ernsthafte Verletzung ist wohl nicht entstanden. Gleichwohl ist der tätliche Übergriff keineswegs gerechtfertigt, natürlich![]
  6. das ist keineswegs die Praxis in anderen Moscheen Hannovers[]

NDR: Moscheekontrollen in Niedersachsen (Audio)

authorOmar | 15. Oktober 2009

NDR Info hat einen neuen Beitrag zu Moscheekontrollen in Niedersachsen ausgestrahlt. Am besten kommt heraus, wie Innenminister Schünemann mit seinen Beschwichtigungsversuchen lügt, dass sich die Balken biegen (Migazin hat die Geschichte intensiv mitverfolgt). Hier der Beitrag zum Nachhören:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Mehr zu den verdachtsunabhängigen Moscheekontrollen in Niedersachsen:

Geht wählen! #btw09

authorOmar | 27. September 2009

Ich muss mich gleich auf den Weg machen, um meine Schicht als Wahlhelfer anzutreten. Vorher werde ich noch meinen Stimmzettel schnell ausfüllen und abgeben. Ich bin schon gespannt auf die Wahlbeteiligung und vor allem auf die NPD-Ausbeute heute abend (wenn ich mir die vielen Wahlplakate in Döhren anschaue). Aber natürlich auch auf die Piraten. Ich wünsche ihnen (den Piraten natürlich) auf jeden Fall viel Erfolg! Was die Wahlbeteiligung angeht, so glaube ich, dass sie höher als erwartet sein wird, auch wenn alle von einem “lahmen” Wahlkampf sprechen.

Schünemann: Man müsse auf den Mord in München reagieren

authorOmar | 24. September 2009

Unser Innenminister Schünemann ist nicht mehr normal. Da wird also ein Mensch ermordet, in München in der S-Bahn, und er startet extra dafür eine Kampagne. Die Kampagne ist in zwei Teile geteilt: in der ersten Hälfte geht es erwartungsgemäß um eine Ausweitung und finanzielle Stütze der Videoüberwachung rund um öffentliche Verkehrsmittel (eine halbe Million schießt die Landesregierung dafür raus). Die zweite Hälfte beschäftigt sich damit, Zivilcourage zu unterstützen. Dafür lässt sich der Schünemann auch gerne in der U-Bahn-Haltestelle Kröpcke ablichten.

Entstanden ist die Idee für diese Zivilicourage-Kampagne offensichtlich aus der Not, so auszusehen, als täte man etwas Sinnvolles, um einen möglichen zukünftigen Mord zu verhindern. Anfangs hatte Schünemann noch gefordert, dass doch bitte Notrufsäulen die Funktion einer automatisierten Videoüberwachung auslösen sollten, bis er bemerken musste, dass das in Hannover längst Stand der Dinge ist. Nun ist nicht klar, wozu die 500.000 € sein sollen, aber wahrscheinlich sind sie auch nur dazu da, den Eindruck von Aktivität zu hinterlassen. Wie heißt es so schön aus dem Innenministerium:

Aus dem Ministerium heißt es, man müsse auf den Mord in einem S-Bahnhof in München reagieren.

Warum sagen sie nicht gleich, “man müsse den Mord in einem S-Bahnhof in München ausschlachten”?

Nebenbei: Weitreichende Konsequenzen müssen offenbar weder aus dem Mord an Marwa El-Sherbini in Dresden, noch aus der fremdenfeindlichen Verfolgung und Bedrohung zweier Dunkelhäutiger in Hannover noch aus dem rechtsradikalen Angriff auf zwei Iraner in Berlin gezogen werden. Warum gerade der Mord in München eine so sehr im Vordergrund steht, verstehe ich nicht.

Und noch etwas: Zivilcourage und Einsatz ist durchaus gefragt. Und zwar vor allem angesichts eines langsam aber sicher durchdrehenden Innenministers, der immer weniger Achtung vor der Verfassung und den persönlichen Freiheiten der Menschen hat.

Palästinenser und Juden erzählen sich ihre Lebensgeschichten

authorOmar | 10. September 2009

Sehr gute Idee! In Hannover haben sich Juden und Palästinenser getroffen und haben exemplarisch Geschichten der jeweils anderen sich angehört. Die Palästinensische Gemeinde und die Jüdische Gemeinde1 haben das gemeinsam organisiert und scheinbar hat es auch ganz gut geklappt. Die HAZ hat darüber berichtet und ich hoffe, es findet öfters statt.

Zwar sind Palästinenser und Juden in Deutschland nicht wirklich für den Nahostkonflikt relevant (man hofft zumindest auch, dass die Menschen beider Gruppen das genauso sehen) – dies drückt der Vorsitzende der palästinensischen Gemeinde Yazid Shammout so aus: „Wir werden ihn [den Nahostkonflikt] von Hannover aus nicht lösen – aber wir können zeigen, dass es möglich ist, miteinander zu reden.“ Das stimmt. Das Nahostproblem ist vor allem ein staatliches Problem mit realen Strategien und Interessengruppen, das sogar weitgehend unabhängig von menschlichen Empfindungen und Kommunikationen der Menschen vor Ort ist – geschweige denn von Menschen im Ausland. Es ist trotzdem mehr damit möglich: Empathie oder zumindest Verständnis für die möglicherweise als gegnerische Gruppe wahrgenommenen Menschen kann dabei helfen, Gesprächsbereitschaft auch dann aufrecht zu erhalten, wenn man an der ein oder anderen Stelle erkennen muss, dass die Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit zu sehr divergieren. Schließlich besteht ein großes Problem mit festgewachsenen Konflikten darin, dass jeder einzelne Konfliktpartner zu sehr im eigenen Trauma feststeckt und die traumatischen Erlebnisse des Gegenübers nicht anerkennen kann.

Ich kann nur sagen: Weiter so! Das nächste Mal bin ich gerne dabei.

  1. ich gehe davon aus, dass es die orthodoxe jüdische Gemeinde ist[]

Rassistendebakel in Köln und Hannover

authorOmar | 17. August 2009

Claus Ludwig berichtet von einem weiteren misslungenen Versuch “Pro-Kölns”, eine populäre Demonstration gegen die Islamisierung Deutschlands, dem gutmenschlichen Miteinander, der Entweißefizierung der arischen Rasse oder irgend so etwas zu organisieren. Dieses ist ebenso wie die vorherigen zwei “Anti-Islam-Kongresse” ziemlich in die Hose gegangen. Knapp hundert bekannte Teilnehmer waren am Roncalliplatz in Köln anwesend und wurden durch diverse Aktivitäten der Gegendemonstranten gestört.

Die “Bürgerbewegung” hat nicht das Potenzial, die Bürger zu bewegen. Auf den Kundgebungen tummeln sich immer die gleichen 50 Anhänger von “Pro Köln”, manchmal ergänzt durch Leute von “Pro NRW” oder von den Verbündeten aus Belgien und Österreich. Dabei handelt es sich überwiegend um Rentner, dazu kommen einige jugendliche Möchtegern-Schlägertypen.

Trotzdem warnt er davor, die Gefahr, die von rassistischen ausgeht zu ignorieren.

In diesem Sinne: Am Samstag, den 12.9. haben Rechtsextreme in Hannover eine Demonstration angekündigt. Wie schon zum 1. Mai diesen Jahres bildet sich derzeit ein breites Bündnis zur Gegendemonstration. Die DGB kümmert sich in diesem Zusammenhang um die Vernetzung.

Muslime gegen Rassismus - Fest der Demokratie 1. Mai

Muslime gegen Rassismus - Fest der Demokratie 1. Mai

Am 1. Mai hatte noch die Gruppe “offene Moscheen” mit diversen Moscheevereinen und anderen muslimischen Gruppierungen für eine Repräsentation der Hannoverschen Muslime unter dem Motto “Muslime gegen Rassismus” gesorgt. Zwei Zelte mit Aktivitäten, Informationen und Gesprächspartnern wurden auf die Beine gestellt. Ob das dieses Mal möglich sein wird, kann bezweifelt werden, denn der 12.9. ist mitten im Ramadan und da der Fastenmonat dieses Jahr recht lang sein wird, wird es für viele Muslime schwierig sein, eine solche Aktivität mitzutragen. Trotzdem: ich würde dazu aufrufen, zumindest Gesicht zu zeigen und zumindest an der Kundgebung um 10.30 am Klagesmarkt teilzunehmen.

buntstattbraun-12.9.2009

buntstattbraun-12.9.2009

Interessanterweise hat sich das Design des Bündnisses “bunt statt braun” zu kreisförmigen Farbkleksen entwickelt, wie es auch von der muslimischen Gruppe verwendet wurde. ;-) Naja, anbei noch ein Plakat und Handzettel zum Ausdrucken und Verteilen.

Üstra: Anbindung des Produktionszentrums Hannover

authorOmar | 15. Juli 2009

Seit einigen Jahren sind mehrere Maschinenbauinstitute aus der Innenstadt in das neu gebaute Produktionszentrum Hannover (kurz: PZH) nach Garbsen gezogen. Dies hatte schon damals zu Unmut unter den Studenten geführt, da dies längere Anfahrtswege bedeutet. Für die Institute hatte es den Anschein, als würde es Vorteile bringen, da für diese mehr und organisierterer Platz vorhanden war. Gleichwohl erhielt nicht jedes Institut die Räumlichkeiten, die es hätte gebrauchen können – aus Kostengründen. Die Hauptsorge der Studenten war vor allem die Erreichbarkeit des Institutsverbunds. Anfangs wurde vor allem die Anbindung mit der U-Bahn-Strecke U4 empfohlen. Diese hielt allerdings etwa einen Kilometer vom Eingang entfernt. Dies war vor Allem im Winter ein Problem, da man die Brücke über die A2 passieren musste, auf der der Wind ziemlich eisig pfiff (siehe dazu diesen älteren Eintrag). Aber auch so bedeutete der Fußweg einen zusätzlichen Zeitaufwand von etwa 10 Minuten, die auf sie sowieso langen 20 Minuten U-Bahn-Fahrt vom Hauptgebäude der Universität aufgeschlagen werden mussten.

Damals ging das Gerücht um, dass die U-Bahn-Strecke “bald” verlegt wird, sodass man direkt an das PZH-Gebäude kommen würde. Irgendwann hatte sich aber eine geringfügig kürzere Fußstrecke herumgesprochen. Diese führte von einer Bushaltestelle an der B6 hinten an das PZH. Dazu musste man lediglich an der Haltestelle Marienwerder in einen Bus umsteigen – was teilweise schon mit einer geringfügigen Wartezeit verbunden war – der dann als nächste Haltestelle die Robert-Hesse-Straße anvisierte. Letzterer Weg ist zwar ein wenig einfacher – vor Allem im Winter – allerdings ist er bei Weitem nicht ideal, da es immer noch ein längerfristiges Unternehmen darstellt, das PZH ohne Auto zu besuchen.

Allerdings gab es das Versprechen, dass der Buspfad zu den Instituten verlegt werden sollte. Heute lese ich dann folgendes:

Die Region hält die gegenwärtige PZH-Anbindung mit der neuen Haltestelle an der Bundesstraße 6 vorerst für ausreichend. Die Stadt hat Verständnis für die Argumente gezeigt, zumal das PZH an einem eigenen Shuttle-Service arbeitet. Wenn der Umzug weiterer Uni-Institute kommen sollte, will sich die Stadt mit Nachdruck für eine Verbesserung einsetzen.

Dazu muss man wissen, dass Garbsen aktiv für den Umzug der weiteren Maschinenbauinstitute in ein neu zu bauendes Gebäude gegenüber vom PZH wirbt. Diese würden von der B6-Haltestelle noch weiter entfernt liegen. Aber wer verspricht, dass sich die Stadt noch mit Nachdruck darum kümmern wird, wenn das Gebäude erst einmal steht?? Und der Shuttle-Service? Das will ich erst einmal sehen..

Eine ganz allgemeine Anmerkung: Als Student bezahlt man automatisch einen Beitrag, der u.A. an das regionale Netz Üstra geht. Trotzdem – oder gerade deswegen? – wird man in mehrerer Hinsicht nicht wie ein erwünschter oder gar geachteter Kunde behandelt. Die sture Nichtbereitstellung geeigneter Anbindungen ist da nur ein Beispiel.

Vier Gründe, nicht für diese Moschee zu spenden..

authorOmar | 25. Juni 2009

Ein Youtube-Video ruft dazu auf, dass man für eine Moschee in Hannover spenden soll. Genauer gesagt soll ein Gebäude in der Kornstr. 25 in der Nordstadt aufgekauft werden, um es als Gebetsräumlichkeiten für Muslime zu nutzen. Das Gebäude wird derzeit auch schon als Moschee benutzt und das Video wurde in den Räumlichkeiten gedreht. Der Aufruf kommt von Pierre Vogel, der vor Kurzem wohl einen Vortrag in der Moschee gehalten hat. 60.000 € – das ist der Restbetrag, der eingesammelt wird – sollen innerhalb von 14 Tagen zusammen kommen. Den Gesamtbetrag nennt Pierre Vogel nicht, allerdings habe ich gehört, dass sich dieser auf etwa 300.000 € beläuft1.

Als Grund, warum nun ausgerechnet dieser Moschee das rare Geld für gute Zwecke2 zukommen soll, nennt Pierre Vogel im Video lediglich die Behauptung, dass ansonsten “evangelikale Christen” das Gebäude kaufen würden. Hier sind vier Gründe, warum man hoffen sollte, dass das Geld nicht zusammen kommen sollte und warum man selbst sein Geld nicht darin verschwenden sollte:

  1. Das in Frage kommende Gebäude ist in schlechtem Zustand. Der derzeitige Verein “Deutschsprachiger Muslimkreis e.V.” ist nicht der erste muslimische Verein in diesen Räumlichkeiten – ganz im Gegenteil, das Gebäude hat eine sporadisch unterbrochene Tradition als Gebetsstätte. Bislang war es immer vermietet und jeder mir bekannte dort hausende Verein bislang hatte den Willen, die Räumlichkeiten zu kaufen und hat sich dann angesichts der Nachteile des Gebäudes anders entschieden und diese an einen anderen muslimischen Verein “weitervererbt”3.

    Ich kenne noch Leute aus dem Vorstand des vorletzten Betreibervereins, die sich immer über horrende Nebenkosten beschwert hatten, da das Gebäude im Winter Wärme an die Umwelt strahlt, als würde es umliegende Obdachlose miterwärmen wollen4. Die Strominstallationen sind ebenfalls seit Jahren renovierungsbedürftig. Der Vermieter hatte wohl in der Laufzeit des Vormieters einiges renoviert, allerdings bezweifle ich stark, dass sich dadurch Grundlegendes geändert hat.

  2. Moscheen in der Hannoverschen Nordstadt

    Moscheen in der Hannoverschen Nordstadt

    Es gibt keinen zusätzlichen Bedarf an Moscheen. Nur knapp 100m neben dem Gebäude Kornstr. 25 gibt es auf derselben Straßenseite das Gebäude Kornstr. 35, das ebenfalls eine Moschee darstellen soll. Diese hat – bei allen Defiziten, die der derzeitige Vorstand der Moschee aufweist – genügend Räumlichkeiten, die sich auch sehr gut für das gemeinschaftliche Gebet eignen. Obwohl auch dieses Gebäude inzwischen renovierungsbedüftig ist, so hat es Potential zum Wachsen (eine zusätzliche Etage ist denkbar) und hat vor allem den Vorteil, dass es bereits als Eigentum – frei von jeglichen Schulden – von einem Verein verwaltet wird. Warum es einer zweiten Moschee in der selben Straße bedürfen sollte, ist nicht verständlich.

    Mithin ist die Nordstadt voll mit Moscheen – in einem Umkreis von einem Kilometer sind da etwa neun Moscheen zu finden5, während in anderen Stadtteilen – etwa Sahlkamp, Südstadt oder Döhren – keine einzige Moschee zu finden ist.

  3. Standbild aus dem Spendenaufruf

    Standbild aus dem Spendenaufruf

    Andere Religionsgemeinschaften dürfen ebenfalls Gebäude erwerben. Ob die Ansage bezüglich der Evangelikalen wahr ist oder nicht spielt fast keine Rolle. Tatsächlich hört sich die “Androhung” für mich unglaubwürdig an, dass Evangelikale das Gebäude kaufen möchten, vor allem da ich sie schon vor einer Weile mit derselben Dringlichkeit gehört hatte.

    Unabhängig davon halte ich nichts von der von Pierre Vogel bezogenen Position in Bezug auf die Gefahr durch den Kauf des Gebäudes durch Evangelikale. Natürlich sollte es auch Evangelikalen grundsätzlich erlaubt sein, Gebäude für eigene Zwecke zu erwerben und in diesem Rahmen für ihren Glauben zu werben, wenn es ihnen beliebt – nichts anderes macht er ja selbst!

    Außerdem muss auch Pierre Vogel und dem Vorstand der Moschee klar sein, dass eine evangelikale Gemeinde ein anderes Gebäude in der Umgebung suchen müsste, falls es dieses nicht bekommen sollte. Wird er dann auch das von den Evangelikalen angestrebte Gebäude zum Spendenbasierten Kauf bewerben? Oder verfällt er etwa ebenso wie die evangelische Bischöfin Margot Kässmannn in einen stumpfen Symbolismus, wenn es darum geht, das Gebäude der eigenen Religionsausübung an eine andere Religionsgemeinschaft zu verkaufen?

  4. Für ein Moscheegebäude sollte die Gemeinde vor Ort selbst aufkommen. Ich bin allgemein der Überzeugung, dass nur die Gemeinde selbst für die Kosten einer Moschee verantwortlich sein sollte. Wenn das nicht der Fall ist, dann hat man vielleicht Steine gekauft, aber das macht noch lange keine Moschee aus. Hier einige alte Gedanken dazu. Immer wieder ist zu beobachten, dass Moscheegemeinden, die klein anfingen und sich zusammen durch einen langwierigen Existenzkampf durchkämpfen mussten sehr viel aktiver und stabiler sind als Schnellschuß-Moscheen, die den eigenen “Erfolg” nicht verkraften können.

Ich hoffe, diese Worte helfen dem ein oder anderen, von einer Spende für diese Moschee abzusehen. Wer zu viel Geld hat, der kann dieses ja gerne in Hilfsorganisationen stecken, die bei Bedarf auch Moscheen bauen, aber vor allem Schulen, Krankenhäuser u.a. in Angriff nehmen.

  1. Diese “Information” ist in keinster Weise fundiert. Bitte nicht weiterzitieren.[]
  2. Man frage einfach mal bei den Hilfsorganisationen nach..[]
  3. Die Vererbung ist keineswegs als aktive Tat zu verstehen.[]
  4. Der Vollständigkeit halber: Es gibt in der Umgebung keine Obdachlosen[]
  5. die meisten als Eigentum der jeweiligen muslimischen Vereine[]

Pro Hannover: Tag der Freiheit

authorOmar | 16. Juni 2009

Die rechtsextreme Gruppierung “Pro Hannover” hatte schon letztes Jahr einen “Tag der Freiheit” organisiert. Gekommen war dann keiner. Jedenfall stand auf dem Internetauftritt der Gruppe, dass nur Gruppenmitglieder anwesend waren. Auch dieses Jahr sind sie wieder am Planen und Veranstalten. Ort der Versammlung ist geheim und wird nur nach emailtechnischer Rücksprache verraten. Vielleicht melde ich mich ja einfach mal an, um zu schauen, wie sie darau reagieren.. Ich würde dann natürlich einen urdeutschen Namen wählen.. Andererseits wäre es sogar noch einfacher jemanden hinzuschicken, den ich kenne, der weder seinen Namen noch sein Aussehen verändern muss, um bei einer solchen Veranstaltung anwesend sein zu dürfen..

Nachdem die Demonstration der Rechtsextremen am 1. Mai gescheitert war, planen Rechtsextreme wieder eine Demonstration in Hannover und zwar am 12. September. Angemeldet hatte die Demonstraiton der Landesvorsitzende der NPD, Adolf Dammann, der mit etwa 300 Teilnehmern rechnet. Ein breites Bündnis in Hannover erwägt die Möglichkeit und Notwendigkeit einer Gegenveranstaltung.

Die nächste fremdenfeindliche Pleite beim Anti-Islamisierungskongress

authorOmar | 9. Mai 2009

Es war schon eine schöne Veranstaltung, die hier in Hannover durchgeführt wurde. Am Freitag, den 1. Mai haben sich zwischen 15.000 und 20.000 Menschen auf dem Klagesmarkt versammelt, um neben den alljährlichen Demonstrationen und Kundgebungen gegen wirtschaftliche Ausbeutung und für stärkere Arbeitnehmerrechte auch gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu kämpfen. Verschiedenste Organisationen von den Gewerkschaften, über Migrantenorganisationen, Kirchen, Stadtverwaltung, Stadtteilvertretungen, politischen Parteien, Hochschulen, (teils spontanen) Künstlervereinigungen usw. usf. nahmen am “Fest der Demokratie” teil.

Es war sehr gut, dass man nicht nur auf das Verbot oder die Einengung der Demonstration hingearbeitet hat, sondern sich inhaltlich damit auseinandergesetzt hat und durch das demonstrative Zusammensein gezeigt hat, wer “das Volk” ist und wer sich in der Minderheit befindet – ein Eigenschaft, die sich der rechte Rand – durch eine verständliche Selbst-Ghettoisierung1 – oftmals zuschreibt. Dass sich dabei beispielsweise lokale pro-palästinensische und pro-israelische Organisationen auf einen gemeinsamen Aufruf einigen konnten stößt Radikalen – Namen werden aus Angst vor Klagen nicht genannt – durchaus negativ auf, ist aber im Zentrum des Anliegens: Der Aufruf gegen Rassismus besitzt eine breite Konsensfähigkeit – und das ist gut so.

Vom Projekt “offene Moscheen” hatten wir die Teilnahme von verschiedensten Muslimen am Fest unter dem Banner “Muslime gegen Rassismus” initiiert – und viele Hannoveraner Moscheevereine für die Idee gewinnen können2. Zwei Zelte mit einer Moscheenausstellung, Plakaten und Informationsmaterial zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, sowie Tee und Gesprächen haben wir organisiert. Beliebt war dabei der Kalligraphietisch, an dem der jeweilige Vorname in schöner arabischer Schrift von einem Kalligraphen auf einen Button aufgezeichnet wurde. Für Kinder gab es einen Tisch mit Kinderschminke.

Die rechtsradikale Demonstration in Hannover war im Vorfeld bereits verboten worden, weshalb auch bis auf einige wenige Rechte kein Auftritt der Rassisten zu verzeichnen war.

Warum erzähle ich das? Heute sollte ja der vielbesungene “Anti-Islamisierungskongress”3 in Köln stattfinden. Rechtsradikale und ganz allgemein islamophobe Gruppierungen in ganz Europa hatten dazu aufgerufen, so auch “Deutschlands größter [sic] politischer Blog”. Wieviele sind dabei zusammengekommen?

Die Veranstaltung der Organisationen “Pro Köln” und “Pro NRW” mit Rednern europäischer Rechtsparteien begann am Mittag auf einem Platz im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz. Wie die Polizei WDR.de sagte, gab es etwa 150 Teilnehmer.

150! Zunächst einmal die Frage: 150 mit oder ohne den Veranstaltern und ihren Ordnungskräften, bezahlten Soundcheck-Menschen und Schlägertrupps? Und dann: 150? Aus ganz Europa? Dafür blähen sie sich aber im Internet ganz schön auf.. Alles unter multipler Persönlichkeit leidende Mitbürger?4

Dazu sage ich nur: an unserem Kalligraphiestand am 1. Mai sind wir mehr als 500 Buttons los geworden – und die Nachfrage war ja durchaus größer!

Nebenbei: Das ändert jetzt meine Todo-Liste für dieses Jahr:

  • Islamisierung – check!
  • Untergang des Abendlands organisieren – check and counting..

..ich hab ja sonst nichts zu tun…

  1. verständlich ist die Ghettoisierung vor allem rückwärts: rassistisches Gedankengut kann nur dann aufrecht erhalten werden, wenn man es wie eine Monokultur pflegt[]
  2. das war recht viel Arbeit, die sich allerdings gelohnt hat[]
  3. müsste es nicht “Antiislamisierungskongress” heißen, um im Sinne der Veranstalter zu sein??[]
  4. Dass die Rassisten selbst von 1000 Teilnehmer sprechen, ignorieren wir mal aufgrund der leeren Flächen, die eindeutig in den Videos zur Veranstaltung zu sehen sind..[]

Hannover attraktiv machen … mit Auslandsmessen?

authorOmar | 28. April 2009

125 Millionen Euro hat die Stadt der Messe AG in Hannover spendiert. Genauso viel bekommt die Messe AG vom Land Niedersachsen. Das wäre ja eigentlich für das von Aussteller- und Besucherrückläufen geplagte Unternehmen eine gute Sache. Oberbürgermeister Weil bekräftigte, dass an der Messe “15.000 Arbeitsplätze” hingen. Zur Rettung dieser Arbeitsplätze wäre es geradezu angebracht, diese Summen aufzubringen! Kein Problem..1 Vollkommen vernünftig.

Dann lese ich das hier:

Die Deutsche Messe AG in Hannover veranstaltet unter anderem die Computermesse CeBiT und die Industrieschau Hannover Messe, die am vergangenen Freitag zu Ende gegangen war. Künftig sollen auch neue Messen im Ausland hinzukommen.

Im Ausland? Warum soll das Geld im Ausland investiert werden? Macht es nicht mehr Sinn, den Messestandort tatsächlich zu fördern, indem etwa neue Angebote für Aussteller und Besucher gleichermaßen finanziert werden2? Wieviel bringt es Hannover tatsächlich, wenn das Unternehmen “Messe AG” im Ausland neue Messen eröffnet? Macht es gar Sinn, wenn sie an anderen Standorten konkurrierende Industrie- und IT-Messen startet? Für das Unternehmen ist es wahrscheinlich sehr sinnvoll. Und für Hannover?

Das Ganze geht einher mit dem Vorhaben der Messe AG ein Restaurierungsprogramm aufzulegen, das als “ehrgeiziges Zukunftsprogramm” verkauft wird:

Das vergangene Jahr schloss die Messe AG mit einem Verlust von 14 Millionen Euro ab. Die Gesellschaft will als Konsequenz aus dieser Situation nun Stellen einsparen und ein Restrukturierungsprogramm auflegen.

Das neue Motto der Messe Hannover: “Wir subventionieren Arbeitsplatzstreichungen, um Arbeitsplätze zu sichern und wir investieren in ausländischen Messen, um Hannover als Messestandort attraktiver zu machen. Demnächst auch: Wir machen andere Städte sauber, damit Hannover schön wird..

  1. persönlich habe ich schon ein Problem damit, Gelder an Unternehmen zu geben, um “Arbeitsplätze zu retten”. Entweder die Arbeitsplätze rentieren sich oder aber sie rentieren sich nicht! Allerdings scheint der generelle Konsens der zu sein, dass diese Methodik der Arbeitserhaltung sinnvoll ist..[]
  2. bessere Infrastruktur statt überfüllter U-Bahnen, kostenloses Internet auf dem Messegelände, Fahrradverleih für Messegäste usw. usf..[]

Ivesa Lübben: Perspektiven palästinensischer Politik

authorOmar | 4. März 2009

Die Palästina-Initiative Hannover lädt zum 16. März ab 19:00 im Raschplatzpavillon wieder zum monatlichen Treffen ein. Diesmal wird Frau Ivesa Lübben über die Perspektiven palästinensischer Politik nach dem Gaza-Krieg referieren. Eine sehr gute Gelegenheit, an unabhängige Informationen zum Gaza-Krieg und seinen Hintergründen zu kommen!

Aus der Veranstaltungsankündigung:

Gaza-Krieg, Wahlen in Israel, Geberkonferenz, Gaza-Blockade, Friedensgespräche im Friedensprozess mit ausgesuchten Partnern – so wird eine weitere Runde in der unendlich scheinenden Kreisbewegung der Konfliktverwaltung eingeläutet, während weitere vollendete Tatsachen in Form von Siedlungen und Checkpoints geschaffen werden – bis zum nächsten Krieg? Eine Lösung scheint nicht in Sicht. Die Politologin Ivesa Lübben wird die Lage analysieren. Wir möchten auf Fragen eingehen wie: Wie kann die palästinensische Politik diesen Kreislauf politisch durchbrechen? Wie kann sie die einseitige mediale Spiegelung des Konflikts im Westen verändern? Welche zu setzenden Ziele und Wege können ihr neue Kraft verleihen? Wie kann eine Unterstützung aussehen?

Referentin: Ivesa Lübben (Bremen)
Termin: Montag, den 16. März 2009, um 19.00 Uhr im Pavillon am Raschplatz
In Zusammenarbeit mit der Ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen e.V. (LEB)

Ich hatte einen Artikel von Ivesa Lübben veröffentlicht. Außerdem kann man sie in einer Diskussionsrunde bei Deutsche Welle sehen, die allerdings leider informativ recht flach ist..

Demonstration gegen den Krieg am 17.1. in Hannover

authorOmar | 14. Januar 2009

Am Samstag, den 17.1. gibt es wie versprochen wieder eine Demonstration gegen den Krieg in Gaza. Treffpunkt ist um 14:30 wieder am Opernplatz. Hier der Ankündigungstext der Veranstalter:

Wir wollen keine Mittäter sein!

Seit mehr als zwei Wochen hält das Morden in Gaza an. Stündlich verlieren Menschen ihr Leben. Bis heute tötete Israel 264 Kinder unter 15 Jahren. 1456 Kinder wurden unheilbar verletzt. Der 9-jährige Mohamad verlor neben seinem Arm auch sein Augenlicht dank der von Israel eingesetzten und international geächteten Phosphor-Bomben.

Mehr als 4000 Verletzte – 950 getötete Mütter, Väter und Kinder, darunter auch Rettungssanitäter, Journalisten und Ärzte müssen wir bislang verzeichnen.

UNO-Einrichtungen und UNO-Konvois werden von Israel schamlos angegriffen.

Das alles reicht Israel nicht.

Israel sagt: „Nur wir bestimmen wenn es zu Ende geht.“

Uns reicht diese Arroganz schon lange!

Das Töten muss sofort enden!

Wir demonstrieren für einen sofortigen Waffenstillstand, für den sofortigen Rückzug der israelischen Besatzungsarmee aus Gaza, für sofortige humanitäre Hilfe für Gaza und dafür, dass auch Israel sich dem internationalen Recht fügen muss. Unsere Politiker hierzulande können viel mehr tun, um dies durchzusetzen. Wer internationales Recht vorsätzlich bricht, hat keinen Anspruch auf deutsche Hilfe!

Stoppt das Massaker in Gaza

Mahnwache in Hannover am Freitag

authorOmar | 8. Januar 2009

Die Friedenswoche Hannover und die Deutsche Friedensgesellschaft -VereinigteKriegsdienstgegnerInnen – Gruppe Hannover laden am Freitag, den 9. Januar von 16.00 bis 17.00 zu einer Mahnwache gegen den Krieg in Gaza und Südisrael am Kröpcke ein. Anbei der Text der Veranstalter:

Wir wollen: Nicht länger schweigen!

Wir bitten die Menschen Hannovers, nicht mehr länger zu schweigen! Schließen Sie sich unserem Protest an!

‘Eingreifen und Handeln’ kann aber nicht heißen: die Schuld in der Entwicklung in der Region “eindeutig und ausschließlich” der Hamas zuzuschreiben, wie dies Kanzlerin Merkel getan hat. Diese Behauptung ist mit Fakten zu widerlegen und stellt eine Unterstützung der kriegerischen Politik Israels dar:

Wir beziehen uns auf die Presserklärung der ‘Internationalen Liga für Menschenrechte’ v. 30. 12. 08:

Das gegenwärtige Blutbad ist u. a, die Folge der Nichtakzeptanz einer gewählten palästinensischen Regierung und einer verschärften Politik der Selbstjustiz und Gewalt im Gazastreifen. Die offen verkündeten Ziele der israelischen Regierung sind:

Härteste Kollektivstrafen gegen Mitglieder und Anhänger von Hamas sowie Sturz der von der Hamas gestellten Regierung. Das internationale Recht verbietet beides: Sowohl Kollektivstrafen als auch die Einflussnahme auf die politische Selbstbestimmung eines anderen Landes.”

Hamas hatte vor Ablauf der mit Israel vereinbarten Waffenruhe am 19. Dezember 2009 erklärt, eine Waffenruhe sei angesichts der Blockade des Gazastreifens nicht mehr möglich.

Dies führte zu keiner Reaktion Israels, der EU, der USA

Nach Tagen des Luftkrieges ist die israelische Armee jetzt auch mit Bodentruppen in den dicht besiedelten Gazastreifen eingedrungen. Eine humanitäre Katastrophe mit vielen Toten und Verletzten findet statt.

Die Weltöffentlichkeit wird Zuschauerin der brutalen Vergewaltigung einer ganzen Zivilbevölkerung von 1,5 Millionen Menschen, während der Waffengang die Sicherheit der Menschen im Nahen Osten und im Süden Israels und die gesamte Region des Nahen Ostens immer stärker gefährdet.

Allerdings kann die Kritik am israelischen Vorgehen kein Freispruch für die Politik der Hamas sein, die mit ihren Raketenangriffen die Bevölkerung Israels in ständige Angst versetzt. Damit trägt sie auch dazu bei, dass die israelische Bevölkerung dem militärischen Vorgehen ihrer Regierung in weitem Maße zustimmt.

Mit der ‚Deutschen Sektion der European Jews for a just Peace’ und der israelischen Friedensbewegung erklären wir: Probleme können nicht durch systematische Ermordung und Tötung der Gegner gelöst werden! Hass gebiert Hass, Gewalt erzeugt neue Gewalt und Wut!

Für einen sofortigen Waffenstillstand

Für einen sofortigen Stopp der Waffengewalt auf beiden Seiten!

Zurück an den Verhandlungstisch!

Für die Ermöglichung aller humanitären Hilfen für die Zivilbevölkerung in Gaza.

Mahnwache am 9. Januar von 16.00 bis 17.00 am Kröpcke

Friedenswoche Hannover & Deutsche Friedensgesellschaft-VereinigteKriegsdienstgegnerInnen – Gruppe Hannover

v.i.S.d.P.: Brunhil Müller-Reiß

Impressionen aus der Demo in Hannover

authorOmar | 5. Januar 2009

Mein genereller Eindruck von der Veranstaltung der Demonstrantion in Hannover am Samstag war sehr gut. Das ganze hat rechtzeitig angefangen, auch wenn am Anfang nicht alle Demonstranten dabei waren. Das hatte den Vorteil, dass man nicht zu lange im kalten Winter stehen musste. Trotzdem blieb genügend Zeit für einige Aufnahmen.

[Bilder folgen noch]

Es gibt keinen Weg zum Frieden .. Der Frieden ist der Weg.

Es gibt keinen Weg zum Frieden .. Der Frieden ist der Weg.

Ein Demo-Teilnehmer hat das rechts zu sehende Bild per Email verschickt, das ich auch für die Aussage angezeigt haben möchte.

Ein Youtube-Benutzer hat verschiedene Videos von der Demonstrantion am Samstag online gestellt. Ich stelle zwei kommentarlos zur Ansicht.

Bus verbrennt auf der A2, 20 Menschen tot

authorOmar | 5. November 2008

Heute ist westlich von der Anschlussstelle Herrenhausen auf der Autobahnauffahrt A2 ein Reisebus verbrannt. Von den 32 Insassen haben nur 12 Menschen es geschafft, aus dem Bus zu fliehen.

Beim Brand eines Reisebusses auf der Autobahn 2 bei Hannover sind am Dienstagabend 20 Menschen ums Leben gekommen. Drei der Fahrgäste aus Hannover wurden mit schweren Brandverletzungen in Kliniken gebracht, neun weitere verletzten sich leicht.
Feuerwehrleute berichteten von der schlimmsten Erfahrung ihres Lebens. Polizei und Feuerwehr waren mit mehr als 150 Helfern im Einsatz. Die Leichen der getöteten Fahrgäste seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, hieß es. Zur Klärung der Unglücksursache brachte die Polizei den Bus mit den Leichen auf einem Tieflader in die Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover.
haz.de – Bus brennt aus: 20 Tote auf der A2

Juraprofessor Stephan M. als Dekan zurückgetreten (Update)

authorOmar | 2. Juli 2008

Ok, der Juraprofessor aus Hannover soll also gegen Geld Promotionen zugelassen haben – oder so – aber muss er dann so abgeführt werden?

Update

Ahhh.. So sieht es also aus, wenn ein Professor abgeführt wird:

18:36 – Wahlergebnis durchgegeben

authorOmar | 27. Januar 2008

Das war aber auch eine sehr laue Wahl. Bei uns war es eine Wahlbeteiligung von gerade einmal 42%. Insgesamt gab es nur wenige ungültige Stimmen und dementsprechend war die Auszählung schnell gemacht. Zeitweise saßen wir sogar mehr als zehn Minuten ohne Besucher herum, obwohl wir der erste von drei Wahlräumen im selben Gang waren und somit oftmals Wähler herein spaziert kamen, die gar nicht bei uns wählen durften. Wenn später der Gewinner also behauptet, “demokratisch” legitimiert zu sein und ein Alleindurchsetzungsrecht zu haben, dann wissen wir alle, wie weit das stimmen kann..

Der Vorschlag des Tages: Um kurz vor 17:00 sollten die Wählerverzeichnisse eingesammelt werden, dann muss jemand mit einem Bus herumfahren und diejenigen, die noch nicht abgehakt sind (also noch nicht gewählt haben) aus den Betten reißen – einzeln!

08:12 – Wahl offiziell angefangen

authorOmar |

In unserem Wahlkreis hat um kurz nach 8.00 Uhr die Wahl offiziell angefangen. Die letzte Wahlhelferin ist um 8.00 angekommen. Kurz davor hatten wir festgestellt, dass wir 11 Leute statt neun sind. Aber nur für neun Helfer hatte ich Geld zum Auszahlen bekommen.. Heute abend muss ich also ein klein wenig auslegen. Ein Wahlhelfer hatte seine Einberufung nicht beantwortet, wurde also auch nicht in die Liste eingetragen und hat sich wegen der großen Anzahl der Helfer verabschiedet. Damit sind wir zwar immer noch einer zu viel, aber was solls.

Die Einteilung ging nun so, dass die erste Gruppe mit vier Leuten vier Stunden durchmacht, dann kommen zwei mal Dreiergruppen. Die meisten Wahlhelfer machen das zum ersten Mal und waren auch nicht bei der Schulung dabei – das kann ja heiter werden..

Landtagswahlen in Niedersachsen: Die Spitzenkandidaten

authorOmar | 27. Dezember 2007

Am 27. Januar 2008 finden die Landtagswahlen in Niedersachsen statt. Ich werde versuchen, Informationen hierzu nach und nach online zu stellen. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich mich selbst noch nicht festgelegt habe.. Die Haz hat heute die Spitzenkandidaten der fünf wichtigsten Parteien vorgestellt:

  • Christian Wulff, CDU
  • Wolfgang Jüttner, SPD
  • Philipp Rössler, FDP
  • Ursula Helmhold, Grüne
  • Kreszentia Flauger, Linke

Damit ändert sich die Auswahl vor allem bei den Verlierern der Landtagswahl 2003: Statt des alten Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel, der nun Bundesumweltminister ist, tritt Wolfgang Jüttner für die SPD an. Rebecca Harms von den Grünen ist ins europäische Parlament umgestiegen und hatte eigentlich Stefan Wenzel an ihrer Stelle hinterlassen. Dieser teilt sich die Spitzenkandidatur für die Grünen mit Ursula Helmhold. Die Linke treten meines Wissens zum ersten Mal in Niedersachsen an.

Die Haz hat in Zusammenarbeit mit abgeordnetenwatch.de einen Service auf die Beine bekommen, mit dem man seinem Direktkandidaten eine Frage stellen kann oder Antworten auf Fragen anderer Mitbürger lesen kann.