Category: Persönlich

Hala

authorOmar | 8. Dezember 2009

Und es geschah am dreihundertachtunddreißigsten Tage des tausendzweihundertachtunddreißigsten Jahres nach dem Tode von Karl dem Großen, in einer stürmischen und dunklen Nacht, da öffnete sie ihre Augen und verkündete an die Sterne gerichtet: “mmmäeh”. Sie fügte hinzu: “mhjäe” und dann “amhjäh”. Und man nannte sie fortan “Hala” – und sie hatte einen Plan.

Hala

Hala

Eid Mubarak

authorOmar | 27. November 2009

Allen Besuchern wünsche ich ein gesegnetes Adha-Fest und alles Gute für die nächsten Tage.

Warten auf die Justiz: Flitterwocheneinsatz – zwei Jahre später

authorOmar | 25. Oktober 2009

Heute jährt sich der Terrorfahnder-Einsatz in Hamwiede zum zweiten Mal, mit dem die Kriminalpolizei Walsrode unsere Flitterwoche am 25.10.2007 unterbrochen hatte. Nachlesen lässt sich das ganze im Detail bei Kathrin. Vor etwa einem Jahr hatte ich alles Neuere soweit zusammengefasst. Im letzten Jahr ging es den Gerichten – und der Polizeidirektion – darum, uns mit dem Hinweis auf fehlende oder falsche Zuständigkeiten von einem Gericht zum nächsten zu reichen. Zumindest hatten wir beim Amtsgericht unsere Beschwerde eingereicht, das nach mehrmaliger Aufforderung erst – und ohne uns wirklich anzuhören – beschloss, dass es nicht zuständig sei. Beim Landsgericht angekommen wurde uns dann aber wieder mitgeteilt, dass das Amtsgericht sehr wohl zuständig sei. Der Fall wurde zurückverwiesen. Das war der Stand im Oktober letzten Jahres, der sich unter der Zusammenfassung sehr gut nachlesen lässt.

Dieses Jahr wird scheinbar weiter mit der Zeit gespielt. Am 5. Januar erinnerte unser Anwalt das Amtsgericht Walsrode daran, dass durch Beschluss des Landgerichts Verden der Fall an sie zurückverwiesen wurde und bat darum, “nunmehr alsbald in der Sache zu entscheiden.”

Noch zwei Monate später hatte sich die Richterin am Amtsgericht zu keinem Urteil durchringen können, woraufhin unser Anwalt persönlich anrief und wiederholt darum bat, dass endlich eine Entscheidung getroffen wird. Dazu muss gesagt werden, dass uns die Richterin keine Fragen gestellt hat. Wenn Sie sich über den Sachverhalt nicht im Klaren war, dann hätte Sie ja Aussagen von den Betroffenen einholen können, um sich Klarheit zu verschaffen. Das geschah allerdings zu keinem Zeitpunkt. Am 19. März 2009 wurde endlich der Beschluss des Amtsgericht gefasst. Die Richterin übernahm dabei die Aussagen der Kriminalpolizei zur Gänze und hat sie noch nicht einmal gegen unsere Aussagen abgewogen.

Dabei spielte es eine große Rolle, dass die Polizei angegeben hatte, dass sie eine Person ins Obergeschoss laufen sahen. Wir hatten allerdings schon zu Anfang der Verhandlung klar gemacht, dass die Polizei eine ins Obergeschoss laufende Person auf keinen Fall hätte von der Wohnungstür sehen können. Das ist aber auch unwichtig, denn wir beide waren im Erdgeschoss und haben die Polizisten auch dort empfangen. Als einige Polizisten die Treppe hinauf gingen, baten sie uns auf das Sofa Platz zu nehmen. An einigen Stellen gibt die Polizei an, dass sie eine Person im Obergeschoss angetroffen hätten. In anderen wird dieser angebliche Umstand unter den Tisch gekehrt. Die Version der Polizei ist also noch nicht einmal schlüssig und ich hätte schon von einem Gericht erwartet, dass es dies nachzuvollziehen versucht. Um zu beweisen, dass die Durchsuchung keine Durchsuchung war, führt das Gericht folgenden interessanten Absatz an:

Bei Herantreten an das Objekt bestand nicht die Absicht oder der Plan, eine Durchsuchung durchzuführen. Die Tatsache, dass das Objekt ohne Einwilligung des Inhabers betreten wurde, ist darauf zurückzuführen, dass, obwohl als Polizeibeamte erkennbar, den Beamten ein sofortiges Betreten nicht gestattet wurde und eine Person ins Obergeschoss lief.

Nimmt man einmal die Lüge von der hochlaufenden Person aus der Gleichung, bleibt die Aussage stehen, dass die Polizisten die Wohnung ohne Erlaubnis betreten mussten, weil ihnen die Erlaubnis nicht gegeben wurde! Das ist doch mal deutsche Jura-Logik!

Zumindest hatten wir mehr als ein Jahr nach der Durchsuchung inzwischen einen Beschluss – einen ziemlich schlechten, aber immerhin einen Beschluss!

Aber: Dieser Beschluss war wohl tatsächlich von der falschen Richterin gefasst: Nachdem unser Anwalt den Fall wieder an das Landgericht Verden weiterleiete, antwortete dieses mit dem Hinweis, dass die Richterin, die unseren Fall am Amtsgericht entschieden hatte, eigentlich nicht zuständig war, weil sie offenbar die Ermittlungsrichterin ist und es müsste aber “der nach dem Geschäftsverteilungsplan für die Bearbeitung von FGG-Sachen zuständige Richter” zuständig sein. Wie dem auch sei, das Landgericht ersparte uns einen erneuten Gang zum Amtsgericht (was wahrscheinlich wieder ein Jahr gedauert hätte) und – nach einer längeren Erklärung, warum der Beschluss auch von der nichtzuständigen Richterin seine Gültigkeit behält – sagte zu, dass der Fall an die zuständige Kammer des Landgerichts Verden zugeleitet werden kann.

Die Kammer hat daher davon abzusehen, den angefochtenen Beschluss des Amtsgerichts Walsrode – Ermittlungsrichterin – vom 19. März 2009 aufzuheben und die Sache zur erneuten Entscheidung durch den zuständigen Richter an das Amtsgericht Walsrode zurückzuverweisen. Statt dessen sind die Akten über das Amtsgericht Walsrode der für Beschwerden in FGG-Sachen zuständigen Kammer des Landgerichts Verden zur Entscheidung zuzuleiten.

Super, dachte ich mir. Endlich ist jemand proaktiv und will sich des Falls annehmen. Vielleicht wird ja auch mal ernsthaft in der Sache entschieden.

Das war am 27. Mai 2009. Seither sind etwa fünf Monate vergangen und wir haben vom Landgericht nichts Neues gehört. Unser Anwalt hat noch am 14. Oktober 2009 folgenden Brief abgeschickt:

In dem Verfahren [...] hat das Landgericht Verden unter dem o.g. Aktenzeichen mit Datum vom 27.5.2009 verfügt, dass die Sache über das Amtsgericht Walsrode der [...] zuständigen Kammer des Landgerichts Verden zur Entscheidung zuzuleiten sind.

Mittlerweile sind seither fast 5 Monate vergangen, ohne dass hier irgendein Fortgang des Verfahrens festgestellt werden konnte.

Ich rufe in Erinnerung, dass der dem Verfahren zugrundeliegende Grundrechtseingriff sich bereits am 25.10.2007 ereignet hat.

Ein effektiver Rechtsschutz sieht anders aus.

Allerdings! Und so warten wir schon zum zweiten Jahr in Folge auf einen Richter, der sich unseres Falls ernsthaft annimmt und uns mal anhört. Bis zum nächsten Jahr – oder wenn sich etwas tut.

Hanna H., in Köln ermordet. Eine Artikelsammlung

authorOmar | 16. Oktober 2009

Beileid ist meist nutzlos. Es kommt zu spät und stellt nichts wieder her, was bereits verändert wurde. Aber zumindest drückt es Empathie aus. Ich möchte deshalb der Familie von Hanna H. mein Beileid ausdrücken – ganz besonders ihren drei Kindern. Inzwischen wurde ihr tatverdächtiger Ehemann gefasst, der sich scheinbar über den Brüsseler Flughafen ins Ausland absetzen wollte.

Hanna H. und ihr Ehemann lebten bis Juni diesen Jahres in der gemeinsamen Wohnung in Köln Bilderstöckchen. Er soll gewalttätig gewesen sein und wurde deshalb von der Polizei für 10 Tage aus der Wohnung verbannt. Anschließend hat Hanna H eine einstweilige Verfügung erwirkt, die ihm verbietet sich ihr weniger als 200 Meter zu nähern. Vor einem Monat (im September 2009) soll zum ersten Mal dagegen verstoßen haben und seine Ehefrau angegriffen haben. Das berichten auch Nachbarn des Opfers. Ob dies der Polizei gemeldet wurde, ist nicht ersichtlich. Am 13.10.2009 soll er sie zum zweiten Mal zwischen Wohnung und angrenzendem Spielplatz angegriffen haben. Dabei hat er sie mit einem Messer so erheblich verletzt, dass sie im Krankenhaus ihren Blutungen erlag.

Zahlreiche Nachbarn hatten anfangs gemeldet, dass sie den Angriff aus einiger Entfernung gesehen hatten. Hanna H. soll (um Hilfe?) geschrien haben. Keiner ist eingeschritten und keiner hatte den Mann erkannt. Eine Schülerin soll ausgesagt haben, dass sie dachte, es wäre Spaß.

„Wir haben diesen Mann hier noch nie gesehen. Normalerweise kennt man sich hier untereinander“, sagt ein Jugendlicher. ksta.de, 29-jährige Frau erstochen, 13.10.09 18:54h

Nachdem die Kinder der Ermordeten erst an eine Jugendeinrichtung, dann an die Großeltern übergeben wurden, hatte sich der Anfangsverdacht gegen den Ehemann erhärtet und es wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen, woraufhin er in Brüssel festgenommen wurde. Nun hat man seine Auslieferung beantragt in der Hoffnung, dass noch dieses Jahr mit dem Prozess angefangen werden kann.

Anbei einige Verweise auf Nachrichten zum Fall:

Geht wählen! #btw09

authorOmar | 27. September 2009

Ich muss mich gleich auf den Weg machen, um meine Schicht als Wahlhelfer anzutreten. Vorher werde ich noch meinen Stimmzettel schnell ausfüllen und abgeben. Ich bin schon gespannt auf die Wahlbeteiligung und vor allem auf die NPD-Ausbeute heute abend (wenn ich mir die vielen Wahlplakate in Döhren anschaue). Aber natürlich auch auf die Piraten. Ich wünsche ihnen (den Piraten natürlich) auf jeden Fall viel Erfolg! Was die Wahlbeteiligung angeht, so glaube ich, dass sie höher als erwartet sein wird, auch wenn alle von einem “lahmen” Wahlkampf sprechen.

Ramadan-Wochenblogs: Bedeutung des Ramadans

authorOmar | 29. August 2009

Die erste Ramadanwoche ist bereits vorbei – man mag es kaum glauben, dass es so schnell ging. Und so hat Kübra gestern bereits die Zusammenfassung des ersten Themas unserer Ramadan-Wochenblogs online gestellt. Es haben zwar nur vier Blogger teilgenommen – Meryem, Bilal, Taner und Tekays – aber die Beiträge sind dafür umso schöner.

Ich habe es selbst offensichtlich nicht geschafft, einen Beitrag einzureichen – dafür war die erste Woche leider zu voll. Ich gelobe Besserung und versuche isa zur nächsten Woche mal den Tagesablauf zu skizzieren. Hoffe auch, dass wieder mehr mitmachen. Bis dann.

Heldenhaft

authorOmar | 17. Juli 2009

Ich tue mich schwer mit dem Begriff “Held”. Darf ein Held etwa Fehler haben? Oder ist er in jeder Hinsicht nicht heldenhaft, sondern auch vorbildlich? Einen solchen zu finden wird schwer. Meist läuft das sowieso so ab, dass man seinen eigenen Helden romantisiert und in jeder Situation heldenhaft karikiert. Damit wird zwar die historische Person, die mal existierte, gelöscht, gelöscht. Aber man erschafft sich ein Vorbild nach eigenen Maßstäben und kann diesem nacheifern. Ist das was Schlechtes? Das weiß ich nicht. Ich persönlich habe ein Problem damit, da mir der Bezug zu sehr verloren geht.

Und trotzdem glaube ich historische und gegenwärtige Personen aus unterschiedlichen Zusammenhängen zu kennen, an denen ich Vorbildliches, Nacheifernswertes und eben auch Heldenhaftes festzumachen bereit bin. Eine solche Person ist mein Namensopa Omar Ibn al-Khattab, ein Gefährte und enger Bekannter des Propheten Muhammad. Ich werde aus Gründen der Länge nur einige konkrete Begebenheiten wiedergeben. Den Rest kann man ja selbst nachlesen, wenn man Interesse hat..

Omar war ein jähzorniger, leicht zu Gewalt neigender und recht absolutistischer Mensch. Den Erzählungen zufolge scheint er mir auch ein stark nach Dominanz strebender Mensch gewesen zu sein. So trat er innerhalb von Diskussionen meist gewaltig in den Mittelpunkt – vor Allem, wenn ihm etwas nicht passte. Nicht selten wird davon berichtet, dass er übereilt sein Schwert zog oder jemanden verprügelte, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen oder einem von ihm empfundenen oder tatsächlichen Unrecht entgegen zu treten. Sein Sinn für Gerechtigkeit – etwas, was ihm den Beinamen Farooq einhandelte, der Trennende – führte ihn auch mindestens in zwei Fällen dazu, die Privatsphäre von Menschen zu verletzen.

Er vertrat eine komische Ansicht von Ehe und Geschlechterverhältnis und teilweise ein fehlerhaftes Verhältnis zur Realität und seinen Möglichkeiten, daran etwas zu ändern. Möglicherweise entstammt das auch seiner Vorstellung von sich selbst.

Ich habe nun all die Eigenschaften Omars in ein schlechtes Licht gerückt. Ich finde es aber auch interessant, dass einige dieser Eigenschaften zu sehr positiven Aktionen derselben Person geführt haben.

Omar hat sich aber über die Jahre geändert. Dies ist in weiten Teilen der Erziehung durch den Propheten zu verdanken, der ihn stets zurückgehalten und zurechtgewiesen hatte und seinen Übermut gebändigt hat, was aber auch nicht vollständig gelang. Nach dem Ableben des Propheten war es Omar Ibn al-Khattab, der die Realität nicht einsehen wollte und stur darauf bestand, dass es nicht sein könne, dass der Prophet verstorben war bis der dann zum ersten ‘Kalifen’ gewählte Abu-Bakr As-Siddiq laut verkündete, dass der Prophet – ein normaler Mensch – verstorben war und dass es keinen Sinn machte, den Propheten anzubeten, sondern vielmehr der Gott dieses Propheten auch weiterhin existierte und anbetungswürdig war.

Omar Ibn Al-Khattab folgte auf Empfehlung Abu-Bakrs diesem als Khalif. Zunächst einmal wurde aus seinem Dominanzbestreben zu diesem Zeitpunkt eine vollkommene Ablehnung der Übernahme dieser Verantwortung. Er war aufgrund seiner Strenge teilweise nicht sehr beliebt und die Empfehlung Abu-Bakrs wurde aus diesen Gründen kritisiert. In seiner Rede zur Übernahme des Khalifats befahl er dann, dass jeder seine (also Omars) Fehler berichtigen solle.

Wenn ich dem richtigen Pfad folge, dann folgt mir und wenn ich davon abweiche, dann korrigiert mich, sodass wir nicht auf Abwegen wandeln.

Er ging aber auch auf die Ängste der Bevölkerung ein, indem er Besserung gelobte und Strenge nur den Tyrannen versprach.

Diese Maxime spiegelt sich in einem Vorfall wieder, in dem ihn eine Frau während einer Rede (möglicherweise die Freitagspredigt) dafür kritisiert, dass er offenbar aus einer Verteilung von Stoffen unter den Bewohnern der Stadt einen größeren Anteil bekommen hatte und dementsprechend sein Kleid länger ausfiel. Statt diese persönliche Kritik und öffentliche Verleumdung gepaart mit der unverschämten Unterbrechung zu verurteilen, erklärt Omar, dass ihm der zusätzliche Stoff von seinem Sohn Abdullah Ibn Omar geschenkt wurde – vom früheren Jähzorn nichts zu spüren. So trivial das klingen mag, die wenigsten Verantwortungsträger würden auf die Nachfrage auf in Anspruch genommene Leistungen ruhig reagieren und nicht das Recht auf Nachfrage selbst in Frage stellen.

Sein Sinn für Gerechtigkeit drückte sich auch darin aus, dass ihm das Rechtfertigungsprinzip von Menschen in der Verantwortung zugerechnet wird. “Wo hast du das her?” war die Standardfrage, die er Verantwortlichen stellte, um festzustellen, ob sie ihr Amt missbraucht hatten. Er verbat dem ersten Khalifen Abu-Bakr die Fortführung seiner Handelsgeschäfte, zum Einen um Korruption zu verhindern und zum Anderen auch um zu garantieren, dass die ungeteilte Aufmerksamkeit Abu-Bakrs seinen Amtsgeschäften galt. Dazu sorgte er dafür, dass es für den Khalifen ein Gehalt gab.

Als er das Amt übernahm, war es ihm besonders wichtig, mindestens demselben Anspruch gerecht zu werden. Er führte den Posten des Kadi (Qadi), also des Richters ein, der die Befugnis bekam, dass man bei ihm den jeweiligen Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen konnte. Er führte Versorgungsstellen für Durchreisende ein und sorgte durch eine gezielte Anwendung seiner Strenge für einen Ausgleich zwischen Reich und Arm.

Stets hatte Omar Ibn-Alkhattab Angst, dass er seiner Verantwortung nicht gerecht werden würde. Er entledigte sich seiner “Luxusgüter”. Fortan hatte er zwei Kleider – eines für den Sommer und das andere für den Winter. Eine Überlieferung besagt, dass ein Gesandter Persiens nach dem Khalif fragte. In der Erwartung einer Entsprechung seiner Auswirkungen auf regionaler Ebene, hatte der Gesandte eine Art Schloss gesucht. Als er nicht fündig wurde, fragte er Menschen. Diese verweisten ihn an einen Baumstamm unter dem er Omar schlafend vorfand. Seine Folgerung:

Du (also Omar) hast regiert und dabei gerecht gehandelt, also konntest du dir deiner selbst sicher sein und (einfach so) schlafen (ohne dir Sorgen zu machen).1

Sowieso soll sich Omar in seiner Amtsphase teilweise mit zwei Stunden am Tag begnügt haben. Den Rest der Zeit verbrachte er auf den Straßen der Stadt, um die “Lage der Nation” zu erkunden – auch nachts.

Zu Omar Ibn-Alkhattab gäbe es sehr viel mehr zu sagen. Ich hoffe allerdings, mein grobes Bild von ihm hier differenziert skizziert zu haben. Der Beitrag ist im Rahmen des 6. Blogkarnevals deutschsprachiger Muslime entstanden. Mit Dank an Kübra Yücel, die die Zusammenfassung machen wird.

  1. im Arabischen ist der Ausspruch sehr viel kürzer und ist von der Form ein wenig mit dem veni, vidi vici vergleichbar – aber nicht im Inhalt[]

Muslim Blogkarneval – ein Neubeginn?

authorOmar | 15. Juni 2009

Inzwischen ist es deutlich länger als ein Jahr her, dass es den letzten Blogkarneval deutschsprachiger Muslime gab. Seitdem ist viel passiert. Vor allem sind in den letzten Monaten so einige neue deutschsprachige Muslime der Blogosphäre ‘beigetreten’. Deshalb und weil mich inzwischen einige der Blogger deswegen angesprochen haben, schlage ich vor, einen neuen Blogkarneval zu starten.

Wem nicht bekannt sein sollte, was ein Blogkarneval ist, der kann diese Erklärungsseite durchlesen: Info. In Kürze: Jeder Teilnehmer schreibt einen Artikel zum Thema des Blogkarnevals und reicht ihn nach Veröffentlichung auf dem eigenen Blog ein.

Nervige Telefonmarketeers

authorOmar | 8. Juni 2009

Er ruft mich an und fragt nach, ob ich der für den Einkauf zuständige Angestellte bin, was ich bejahe. Er führt aus, dass ihre Produkte toll sind und unnachahmbar. Er bietet Garantien, Service und Unverzüglichkeit. Ich frage nach einem bestimmten Produkt. Er wühlt, wühlt und kommt mit einer halben Antwort und dem Versprechen, das nachzurecherchieren. Ich antworte, dass das für mich in Ordnung sei. Er fragt, wann er mich wieder anrufen könnte. Ich antworte, dass er mir das auch gerne per Email schicken kann – dann hätte ich das auch in einer Form, die ich meinem Chef vorlegen könnte, falls das Angebot interessant klingt. Er winselt und erklärt, dass ihnen verboten wäre, schriftliche Unterlagen herauszuschicken. Sie nähmen ihr Produkt ernst und böten aber eine Testphase an. Aber schriftlich darf er mir nichts schicken.

Ich lehne ab und sage noch, das mir das leid täte, aber ich bei einem mündlichen Angebot nicht das Gefühlt hätte, mit einem seriösen Unternehmen zu arbeiten. Tschüß.

Die nächste fremdenfeindliche Pleite beim Anti-Islamisierungskongress

authorOmar | 9. Mai 2009

Es war schon eine schöne Veranstaltung, die hier in Hannover durchgeführt wurde. Am Freitag, den 1. Mai haben sich zwischen 15.000 und 20.000 Menschen auf dem Klagesmarkt versammelt, um neben den alljährlichen Demonstrationen und Kundgebungen gegen wirtschaftliche Ausbeutung und für stärkere Arbeitnehmerrechte auch gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu kämpfen. Verschiedenste Organisationen von den Gewerkschaften, über Migrantenorganisationen, Kirchen, Stadtverwaltung, Stadtteilvertretungen, politischen Parteien, Hochschulen, (teils spontanen) Künstlervereinigungen usw. usf. nahmen am “Fest der Demokratie” teil.

Es war sehr gut, dass man nicht nur auf das Verbot oder die Einengung der Demonstration hingearbeitet hat, sondern sich inhaltlich damit auseinandergesetzt hat und durch das demonstrative Zusammensein gezeigt hat, wer “das Volk” ist und wer sich in der Minderheit befindet – ein Eigenschaft, die sich der rechte Rand – durch eine verständliche Selbst-Ghettoisierung1 – oftmals zuschreibt. Dass sich dabei beispielsweise lokale pro-palästinensische und pro-israelische Organisationen auf einen gemeinsamen Aufruf einigen konnten stößt Radikalen – Namen werden aus Angst vor Klagen nicht genannt – durchaus negativ auf, ist aber im Zentrum des Anliegens: Der Aufruf gegen Rassismus besitzt eine breite Konsensfähigkeit – und das ist gut so.

Vom Projekt “offene Moscheen” hatten wir die Teilnahme von verschiedensten Muslimen am Fest unter dem Banner “Muslime gegen Rassismus” initiiert – und viele Hannoveraner Moscheevereine für die Idee gewinnen können2. Zwei Zelte mit einer Moscheenausstellung, Plakaten und Informationsmaterial zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, sowie Tee und Gesprächen haben wir organisiert. Beliebt war dabei der Kalligraphietisch, an dem der jeweilige Vorname in schöner arabischer Schrift von einem Kalligraphen auf einen Button aufgezeichnet wurde. Für Kinder gab es einen Tisch mit Kinderschminke.

Die rechtsradikale Demonstration in Hannover war im Vorfeld bereits verboten worden, weshalb auch bis auf einige wenige Rechte kein Auftritt der Rassisten zu verzeichnen war.

Warum erzähle ich das? Heute sollte ja der vielbesungene “Anti-Islamisierungskongress”3 in Köln stattfinden. Rechtsradikale und ganz allgemein islamophobe Gruppierungen in ganz Europa hatten dazu aufgerufen, so auch “Deutschlands größter [sic] politischer Blog”. Wieviele sind dabei zusammengekommen?

Die Veranstaltung der Organisationen “Pro Köln” und “Pro NRW” mit Rednern europäischer Rechtsparteien begann am Mittag auf einem Platz im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz. Wie die Polizei WDR.de sagte, gab es etwa 150 Teilnehmer.

150! Zunächst einmal die Frage: 150 mit oder ohne den Veranstaltern und ihren Ordnungskräften, bezahlten Soundcheck-Menschen und Schlägertrupps? Und dann: 150? Aus ganz Europa? Dafür blähen sie sich aber im Internet ganz schön auf.. Alles unter multipler Persönlichkeit leidende Mitbürger?4

Dazu sage ich nur: an unserem Kalligraphiestand am 1. Mai sind wir mehr als 500 Buttons los geworden – und die Nachfrage war ja durchaus größer!

Nebenbei: Das ändert jetzt meine Todo-Liste für dieses Jahr:

  • Islamisierung – check!
  • Untergang des Abendlands organisieren – check and counting..

..ich hab ja sonst nichts zu tun…

  1. verständlich ist die Ghettoisierung vor allem rückwärts: rassistisches Gedankengut kann nur dann aufrecht erhalten werden, wenn man es wie eine Monokultur pflegt[]
  2. das war recht viel Arbeit, die sich allerdings gelohnt hat[]
  3. müsste es nicht “Antiislamisierungskongress” heißen, um im Sinne der Veranstalter zu sein??[]
  4. Dass die Rassisten selbst von 1000 Teilnehmer sprechen, ignorieren wir mal aufgrund der leeren Flächen, die eindeutig in den Videos zur Veranstaltung zu sehen sind..[]

Judenhass/Antisemitismus unter Muslimen

authorOmar | 25. Februar 2009

Man kann das sarkastische Lächeln erahnen, das Canan Topçu auf dem Gesicht hatte, als sie unter der Überschrift “Alles Einzelfälle” die folgenden Worte schrieb:

Selten sind sich die muslimischen Verbände so einig wie beim Thema Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen. Es könne sich nur um Einzelfälle handeln, erklären ihre Sprecher unisono. Judenfeindlichkeit sei mit dem Islam nicht vereinbar; ein gläubiger Moslem könne kein Antisemit sein. Einig ist man sich auch, dass Antisemitismus als “gesamtgesellschaftliches Phänomen” betrachtet werden müsse.

Dann zitiert sie vier muslimische Vertreter – Erol Pürlü, Ali Kizilkaya, Bekir Alboga und Oguz Üçüncü – , die1 die beschriebene Apologetik bestätigen. Statt mit Vorschlägen für die Verbesserung einer gemeinhin als schlecht bekannten Situation zu dienen, verlieren sich die Funktionäre in Sprachhülsen und Abschiebung der Verantwortung. Dabei wird lediglich gefordert, dass die Moscheeverbände eine Analyse zulassen, hinhören, wenn Probleme festgestellt werden und Verantwortung übernehmen bei der Lösungsfindung.

Glaubwürdigkeit?

Leider wird das Thema Antisemitismus2 in der Moschee wenn überhaupt dann nur mit Samthandschuhen angefasst. Meine Vermutung ist, dass meistens nur so verstandene Notwendigkeit zur Political Correctness die Moscheevorstände oder Imame dazu bewegt, einen Absatz zur “interreligiösen Toleranz” auch in Richtung Juden zu sagen. Es hört sich dann meist so an:

Der Islamrat und seine Gemeinden vermittelten bei jeder Gelegenheit die Botschaft, “dass Antisemitismus eine Form des Rassismus ist”.

Die Glaubwürdigkeit solcher Aussagen schwindet nicht nur in der öffentlichen Auseinandersetzung, sondern auch und vor allem in Augen der adressierten Gemeinde, da sie nicht mit klar formulierten Argumenten ausgestattet wird. Ich möchte auch behaupten, dass bei dem ein oder anderen Imam die innere Überzeugung für das fehlt, was er seiner Gemeinde in Hinblick auf Antisemitismus zu vermitteln versucht. Wie könnte jemand etwas vermitteln, von dem er selbst nicht überzeugt ist?3

Anti-Antisemitismus allgemein

Predigten sind natürlich bei weitem nicht der einzige Bereich, wo Aktivität zu fordern ist. Ergänzende Veranstaltungen wie in der Jugendarbeit müssten konzipiert werden, die das Thema “andere Religionen” und hier speziell Judentum behandeln. Dazu gehört zum Einen die Förderung der Allgemeinbildung, um Verschwörungsannahmen vorzubeugen, zum Anderen – wenn auch meist als “gutmenschlich” abgetan – das aktive Kennenlernen von andersreligiösen Jugendgruppen.

Die Bekämpfung von Antisemitismus und Rassismus im Allgemeinen darf aber auch nicht bei gezielten Veranstaltungen stehen bleiben. Vielmehr sollte auch im interaktiven Umgang mit Jugendlichen (und Älteren) darauf geachtet werden, dass Hass erfüllte Aussagen herausgefordert und hinterfragt werden – nicht besserwisserisch oder oberlehrerhaft, sondern vor allem mit dem Ziel, ihnen Argumente entgegen zu setzen.

Marginalisierungs-Gefühle

Frau Topçu hat eine Aussage eines muslimischen Jugendlichen – Youssef (18) – komplett abgedruckt. Vor allem der letzte Absatz ist interessant zu lesen:

Ich spüre keine Aggressionen oder so was gegen Juden. Ich denke aber, dass viele Deutsche denken: Der ist Moslem, der hat was gegen Juden. Es ärgert mich, dass man als Moslem mit Judenhass in Verbindung gebracht wird. Über Antisemitismus wird viel mehr diskutiert als aber über Islamophobie bei Jugendlichen. Die Juden werden viel mehr verteidigt und in Schutz genommen als Muslime. Die haben ganz andere Möglichkeiten, die werden bevorzugt. Wir Muslime stehen doch immer so schlecht da, besonders nach dem 11. September.

Wenn sich bei der Lufthansa für eine Stelle als Pilot ein Youssef und David bewerben, was glauben sie, wer den Job bekommt?
Ich glaube nicht, dass man mich ins Cockpit lassen würde.

Nicht unwichtig sollte bei der Behandlung von Antisemitismus bei Muslimen das Marginalisiertgefühl dieser sein. Deshalb finde ich den Vorschlag aus diesem Deutschland-Radio Beitrag recht gut:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

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Diesen Fragen widmet sich die Broschüre sehr sorgfältig. Neben den Argumentationshilfen bietet sie aber auch einen Überblick über Projekte, die mit jugendlichen aus Einwandererfamilien arbeiten. Projekte, die zum Beispiel versuchen, diesen Jugendlichen ein Forum zu geben, in dem sie ihre Geschichte, ihre persönliche – arabische, türkische oder kurdische – Geschichte erzählen können. Das sei nötig, um sich respektiert zu fühlen, meinte Elke Bresetzke vom Haus der Wannsee-Konferenz.

Ich glaube, dass wichtig ist, sich darüber im Klaren zu sein, dass viele Jugendliche nichtdeutscher Herkunft – muslimisch und auch nicht-muslimisch – eine Erinnerungs-Konkurrenz erleben, weil sie den Stellenwert der NS-Geschichte wahrnehmen und das Gefühl haben, dass ihre eigene Geschichte nicht wahrgenommen wird. Das heißt, ich glaube es ist wichtig, dass die Jugendlichen auch ihre Familiengeschichten in irgend einer Form abarbeiten können.

Nahost-Konflikt

Und damit komme ich zu dem für mich interessantesten Punkt: Zwar bestätigen viele Muslime, dass der Antisemitismus unter Muslimen vor allem durch den Nahost-Konflikt genährt wird, allerdings ist es genau dieser Konflikt, für den es offenbar in Moscheen keinen Platz gibt – zumindest nicht für eine sachliche Debatte darüber! Die Gründe rangieren zwischen einer dafür nicht gesehenen Notwendigkeit und der Angst, durch radikalere Stimmen innerhalb der Diskussion die Moschee in Verruf zu bringen – womöglich zum Gegenstand der Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu machen. Die Angst siegt und so wird zwar der Nahost-Konflikt durchaus noch heiß diskutiert, aber leider immer nur “inoffiziell” auf Stammtisch-Niveau4 und vor allem – aber nicht nur – unter Jugendlichen ohne wirkliche Informationsbasis.

Was spricht gegen Informationsvorträge, Diskussionsabende oder Podiumsdiskussionen in Moscheen? Diese böten die Gelegenheit auch Andersgläubige einzuladen und mit ihnen zu diskutieren. Vielleicht schafft man es dann einige Jugendliche dazu zu bringen, mit zu diskutieren. Der Lerneffekt bei einer kritischen Diskussion kann vor allem bei sich marginalisiert vorkommenden Jugendlichen enorm sein. Worte statt Fäuste und Fakten statt Beleidigung könnten einem auswuchernden Hass Einhalt gebieten.

Verantwortlichkeit von Moscheenvereine

Vertretungsansprüche von Moscheeverbänden ergeben sich nicht nur aus der Anzahl der Moscheebesucher, sondern auch aus der Fähigkeit dieser Vereine als Modiator zum eigenen Verein zu fungieren. Wenn die Vereine nicht in der Lage sind, ein solch wichtiges Thema ernsthaft anzugehen, dann rüttelt das an diesem Vertretungsanspruch.

Auf der anderen Seite sollte man sich nicht schämen zuzugeben, dass man einen wichtigen Teil – die bildungsfernen Nicht-Moscheebesuchenden “Kulturmuslime” – eben nicht erreichen kann. Dass diese oftmals wenig religiösen Jugendlichen den Großteil der antisemitisch eingestellten “Muslimischen” Jugendlichen ausmachen, davon gehe ich aus persönlicher Erfahrung aus.

  1. wenn die Zitate denn nicht aus einem größeren Zusammenhang gerissen sind[]
  2. ich möchte es allgemein als Rassismus bezeichnen[]
  3. Hier muss man hinzufügen, dass der Imam damit zu kämpfen hat, dass er Vokabular für ein relativ neues Thema einer Predigt finden muss. Dabei verliert er seine gewohnte Glaubwürdigkeit auch ein Stück weit in den Augen seiner Zuhörer.[]
  4. minus Alkohol[]

Idea mit einer Schockmeldung und vielen Fehlern

authorOmar | 22. Februar 2009

Die Paranoia, die manch christliche Organisation erfasst, ist teils verständlich, aber zum größten Teil einfach grotesk und belustigend. Woher die Gefahr kommt – ob von Muslimen, von Atheisten oder von anderen Christen – ist egal, ständig werden düstere Zukunftsprognosen erstellt, um das bevorstehende Armageddon zu prognostizieren. Als ich diese Meldung las, war ich aber doch schon erstaunt, wie hoch die Angst offensichtlich hängt. Da betitelt niemand geringeres als das evangelische Nachrichtenportal IDEA1:

Künftig mehr Muslime als Christen in Berlin?

Schon im Kurztext wird dem Leser die Relativität des Wortes “künftig” klar:

Schon jetzt kommen 43 Prozent der bis sechsjährigen Kinder in der Bundeshauptstadt aus Familien mit einem ausländischen Hintergrund.

Also, 43% der Kinder unter sechs Jahren in Berlin haben einen ausländischen Hintergrund! Auch wenn man damit rechnet, dass Muslime die Hälfte dieser ausmachen, dann sind es gerade einmal 22% der unter-sechs-jährigen! Bis also eine Generation mit einer muslimischen Mehrheit ein halbwegs relevantes Alter erreicht dürften noch einige Jahre durchs Land gehen. Immer vorausgesetzt natürlich, es ändert sich nichts an den Zahlen von heute..

Die neusten Horrormeldung über schwindende Christenzahlen kommen in diesem Artikel vom Generalsuperintendanten der Evangelischen Kirche Ralf Meister. Dieser fordert darauf aufbauend, dass eine stärkere Zusammenarbeit “mit dem Islam” stattfindet. Interessant ist in diesem Rahmen der Beweggrund des Generalsuperintendanten Meister:

Von den 3,4 Millionen Einwohnern gehören 676.000 zur evangelischen Landeskirche (19,9 Prozent) und 323.000 zur römisch-katholischen Kirche (9,5 Prozent); 216.000 sind Muslime (6,3 Prozent). Rund 60 Prozent der Berliner sind konfessionslos. Meister sprach sich dafür aus, einen „Rat der Religionen“ zu gründen, der Verantwortung für die Stadt wahrnehme.

Verstehe ich das richtig: Die “Religiösen” sind in der Minderheit, also sollten sie einen “Rat” gründen, um die Verantwortung für die Stadt wahrnimmt? Welcher Logik folgt diese Forderung eigentlich? Wahrscheinlich derselben, aus der ein konkreter Vorschlag Herrn Meisters erwächst:

So könne er sich ein gemeinsam formuliertes Gebet für die Stadt vorstellen, das sowohl in der Moschee als auch in der Synagoge und der Kirche gesprochen werde.

Was unter “Religion” fällt definieren die beiden jeweils einzig wahren Kirchen schon immer gleich: in der Kirche findet Religion statt. Eine Abkehr ist auch in diesem Artikel nicht zu verzeichnen. Die Vermischung von “Kirche” und “Religion” ist immanent.

Laut Meister ist Berlin eine entkirchlichte Stadt, in der Religion eine völlig untergeordnete Rolle spiele. Religiöse Erfahrungen würden zunehmend außerhalb der Kirche und des christlichen Glaubens gemacht.

Noch eine Kleinigkeit nebenbei. Im IDEA-Artikel steht wörtlich:

Christen sollten den Dialog und auch die Zusammenarbeit mit dem Islam suchen, etwa beim Kampf gegen die Armut.

Während ich Christen bestimmt nicht davon abraten möchte, einen Dialog mit “dem Islam” zu suchen, so glaube ich doch, dass hier der Dialog mit den weniger abstrakten Muslimen gemeint ist, oder?

Meine Meinung

Damit ich nicht falsch verstanden werde: ich glaube durchaus, dass man zusammenarbeiten sollte, um gesamtgesellschaftlichen Fortschritt zu schaffen. Das gilt für verschiedene Religionsgemeinschaften aber genauso wie für nichtreligiöse Menschen. Muslime sollten sich allerdings tunlichst davon fernhalten, als Geschütz in der Auseinandersetzung zwischen christlichen Interessenverbänden (ProReli oder ähnliche) und Atheisten missbraucht zu werden. Wenn es um die Besserung in der Gesamtgesellschaft geht, sollte jeder Mensch willkommen sein, der nicht offensichtlich Verschlechterung im Sinne hat..

Und das Gebet: der GSI hätte auch gleich zugeben können, dass er keinen sinnvollen Vorschlag für die Zusammenarbeit hat.

  1. selbst bezeichnen sie sich als “das christliche Nachrichtenportal”[]

Diskriminierung an der Theke

authorOmar | 13. Februar 2009

Szenario: Der deutsche Muslim mit türkischem Migrationshintergrund Ali Özgürk geht zum örtlichen McDonalds und bestellt einen Hähnchen-Döner ohne Zwiebeln aber mit einem Schuss Zaziki und einer “ordentlichen” Menge scharfer Soße. Die Kassiererin schaut ihn dümmlich an und fragt dann – nach gefühlten zwei Stunden – höflich, ob er denn alle Tassen im Schrank hätte und sagt ihm, bei McDonalds hätten sie keinen Döner zu verkaufen. Er könne gerne zwischen “McBurger”, “McPommes”, “McBurger mit McPommes” und “McDoubleBurger avec Cheese and DobbleMcPommes” wählen. Alle Sorten kämen auch als Menü mit einer McCola oder McSprite und alle Preise endeten mit 99 Cent!

Ali Özgürk ist verdutzt und weiß nicht, wo er anfangen soll. Zunächst – so erklärt er – würde er zu seinem Döner immer nur einen türkischen Tee trinken wollen und kein Getränk, das ihn praktisch anzuspringen droht und selbst dann hätte er lieber das beschwörenswert “bessere” TurkaCola. Dann erklärt er, dass er Gerichte mit Vorsilben generell nicht über den Weg traut und fragt schließlich, was die Donaldianer denn gegen einen leckeren Döner hätten und warum er denn keinen bekommen könnte.

Darauf antwortet die Kassiererin, ihr Unverständnis für seine Fragen professionell verhüllend, dass McDonalds seine eigenen Produkte verkauft und dass Herr Özgürk ja gut und gerne in einen spezialisierten Dönerladen gehen könne, um einen Döner zu bestellen. Hier würden einfach keine Döner verkauft.

Herr Özgürk läuft hochrot an, wirft der “Sch***pe” am Tresen mehrere türkische und deutsche unschöne Worte an den Kopf und rempelt einen anderen Kunden an, während er sich wild und explizit fuchtelnd in Richtung Ausgang bewegt. Draußen angekommen ruft er gleich seinen Freund von der lokalen Presse an und berichtet ihm von der “diskriminierenden Erfahrung”, die er gerade durchlebt hatte, der diese gerne weiter trägt.

Zu weit hergeholt? Ist es denn eine Diskriminierung, wenn man als Kunde nicht das Gewünschte bekommt? Ich weiß, was folgen würde, würde dieses Szenario in Deutschland Realität werden. Es entstünde ein Skandal, der antimuslimische Kommentatoren auf den Plan riefe. Ein gewisser Herr H.M.B. wäre außer sich und würde ungewohnt direkt kommentieren: “Diese Muslime fühlen sich ja immer beleidigt.”1 Weitere totgeglaubte und aktenführende Muslimfeinde würden zu neuem Leben erwachen und würden ihr Bestes und viele Interviews geben, würden von Talk-Show zu Talk-Show herumgereicht und dabei schärferes Vorgehen gegen Muslime und die “Ideologie des Islams” fordern – auch im beschaulichen Hannover..

In Großbritannien bietet eine Pizzakette in einem Bezirk Birminghams laut dieser Meldung seit kurzem nur noch “Halal”-Fleisch an. Darüber sind mindestens zwei Kunden erregt, einer von ihnen – Chris Yates, 29 – hatte folgendes dazu zu sagen:

I’m all for racial and religious tolerance but if anything this is intolerant to my beliefs and discriminatory against me.

Ich bin sehr für die Tolerierung von Rassen und Religionen, aber dies ist wenn überhaupt eine Intoleranz in Bezug auf meinen Glauben und eine Diskriminierung gegen mich.

Peter Merholz, 38, beschreibt sein Problem ein wenig genauer:

I’d been coming here for ages but now I’ll go elsewhere because I can’t get a pepperoni pizza, which is what I always have.

Ich bin jahrelang hierher gekommen, aber nun werde ich woanders hingehen, da ich keine Pepperoni-Pizza mehr bekomme, die ich aber haben möchte.

[via]

  1. Er würde noch einen Witz anfügen, um seinem Image als Chef-Polemiker und Selbstinszenierer gerecht zu werden[]

Zeichen der Hoffnung

authorOmar | 21. Januar 2009

Nachdem das israelische Militär sich langsam wieder aus dem Gazastreifen zurückzieht, dabei aber nicht gerade verstanden zu haben scheint, was “Waffenstillstand” wirklich bedeutet, kehren die Menschen an die Plätze zurück, wo ihre Heime gestanden haben. Sehr viele Häuser (ich las die Zahl 5000) stehen nicht mehr oder sind zumindest nicht mehr bewohnbar.

Ich bin sehr erstaunt über die Standfestigkeit, mit der Palästinenser und Menschen im Gaza-Streifen am Weiterleben festhalten und damit der israelischen Militäraggression trotzen. Hier ist ein Bericht vom Tag direkt nach der Feuerpause. Zum Hintergrund: Die Frau, die das geschrieben hat, ist mit einer der freegaza-Boote in den Gaza-Streifen gekommen und hat sich seitdem dort als Hilfskraft und Reporterin beschäftigt. Während des Gaza-Kriegs hat sie im Al-Quds-Krankenhaus ausgeholfen. Am letzten Donnerstag abend brach ein Feuer in diesem Krankenhaus aus, sodass es evakuiert werden musste. Hier der zusammengesetzte aus ihren Erlebnissen beim ersten Betreten des Krankenhauses und dann zwei Tage später wieder.

Lasst mich mit der guten Nachricht beginnen. Ich fand es erstaunlich destabilisierend, das Krankenhaus evakuieren zu müssen. Seit Beginn der Angriffe habe ich mehr Nächte hier verbracht als woanders und es fühlte sich mehr und mehr wie ‘zuhause’ an jedes Mal, wenn ich zurückkam, besonders mit dem Willkommen, das ich stets bekam. Es gibt einen Gefühl von Ordnung, Sicherheit, Fürsorge und Mitgefühl in einem Krankenhaus. Als eine Handvoll von uns um etwa 3 Uhr nach der Evakuierung zurück kam, um das Krankenhaus zu besichtigen, während die Reste des Feuers den Feuerwehrmännern trotzte, fühlte es sich trostlos an. Betten waren im Weg verstreut, drin waren die Dinge durch die übereilte Evakuierung umgestürzt und zerbrochen, der Boden war mit Schlamm überdeckt. In den meisten Räumen waren Wasserfälle. Zwei von drei der Gebäude waren geschwärzt und schwelend.

Ich wanderte herum in dem Operationssaal, die Dinge aufräument, damit es nicht so traurig aussah. Wenn ich mich verdrängt vorkam, was war mit all dem medizinischen Personal hier, deren Heime in den letzten Wochen zerstört wurden, für die dieser Ort hier ihr einziger warmer, komfortabler, sicherer Platz war?

Aber gestern traf sich die “Rote Halbsichel”1 und entschied, dass es wieder von “Al-Quds” arbeiten möchte und besser noch, das Krankenhaus wird am Montag wieder offen sein. Ich vergass den Umstand zu berücksichtigen, dass sie keine Chance hatten. Heute traf ich in eine vollkommen wiederbelebte Atmosphäre im Erdgeschoss – Lichter funktionieren wieder, die meisten Dinge sind wieder an ihrem Platz, der Schlamm weg gewaschen und Notfallmannschaftsjungs gleiten auf Stoffen durch ihre Räume, um den Boden zu trocknen. Ich habe noch nicht die Teile des Krankenhauses besucht, die vorgestern noch gebrannt haben. Im Augenblick denke ich, werde ich das was ich sehe genießen. Einige der Ärzte machen uns ein Kartoffel-Chips (oder Pommes?) zu Essen. Übrigens, das Dreigespann2 sind nun am “Nasser” Kinderkrankenhaus.

Auch der Rest des Blogartikels und ihr Blog insgesamt ist lesenswert. Mich erfüllte nur die hoffnungsvolle Art, die Arbeit wieder aufzunehmen mit Mut und Zuversicht.

Bodenwischen im Al-Quds-Krankenhaus in Gaza

Bodenwischen im Al-Quds-Krankenhaus in Gaza

  1. analog zum Roten Kreuz[]
  2. gehört zu einer anderen Geschichte[]

Leonard Goldmann – Faschismus auf Israelisch

authorOmar | 15. Januar 2009

Nachdem er die Hamas mit der NSDAP verglichen hatte, weil – erstaunliche Übereinstimmung ahead – diese auch demokratisch gewählt wurde, sagte er dann das hier:

Die Hamas ist demokratisch gewählt. Die Palis hatten 15 Jahre Zeit verschiedenste Road Maps mit zu gehen, ein zu halten. Sie hätten gemeinsam den Weg der zwei Staaten Lösung gehen können. Die zivile Bevölkerung war gewarnt, doch jetzt sind alle überrascht. Ich glaube fest daran das die israelische Heeresleitung exakt dass tun wird was seit 1945 aus der Mode gekommen ist. Man wird dem palästinensischen Terrorismus das Rück rat brechen! Derart extrem, das nichts mehr übrig bleibt mit dem man Widerstand leisten könnte. Am Ende wird man zwar nur palästinensische Zivilisten treffen, die nur durch hören, sagen von der HAMAS wissen, doch steht dann der Weg endlich frei für ein freies, demokratisches Palästina. Die Geschichte wird es Israel danken…
hxxp://www.leonard-goldmann.de/gesellschaft/warum-richtig-ist-was-israel-tut/comment-page-1/

Das ist kein Artikel auf PI oder sonstigen bekannten Spinnern, sondern bei einem Herrn Leonard Goldmann, der in seinem Blog über seine Abkehr aus Deutschland und seinem baldigen Aufbruch “mit Frau, Kind und Hund” nach Israel schreibt. Ich glaube nicht, dass er versteht, wie faschistisch und kriegslüstern seine Kommentare zum Gaza-Krieg sind.

Eines seiner aberwitzigsten Argumente gegen den Gebrauch des Wortes “Massaker” bei der Beschreibung der Lage im Israel ist das folgende:

400 Tote in einem Kampfgebiet mit 1,5Millionen Einwohnern ist kein Massaker!

!!!

Welche Grenze er da eher sehen würde, gibt er leider nicht an. Wahrscheinlich ist das auch sehr weise und vorausschauend von ihm, denn die Anzahl der Getöteten hat sich inzwischen ja verdoppelt.

In der “alles doch nur Terroristen”-Kolumne schreibt er beispielsweise:

laut UN Angaben gab es bisher 36 “vermeintlich” zivile Opfer. Das heißt die Opfer waren zwar zivil, können aber auch enge Mitarbeiter der Terrorführer gewesen sein. Die Grenzen sind bei denen ja fließend…

Palästinenser werden halt automatisch zu Terroristen, wenn sie von Israel getötet werden.. Eine Art post-mortem Umwandlung.

Und sein “Top-Argument” für die “Notwendigkeit” des Krieges:

die Hamas selbst war es, die den Waffenstillstand einseitig aufgekündigt hat (dann muss sie auch mit den Konsequenzen leben)

Hab’ ich’s also doch richtig getroffen mit meinen Recherchen.


In der Befürchtung, dass er meinen Kommentar nicht freischalten wird:

Deine Kriegslegitimation ist schwach:
“15 Jahre Verhandlungen haben ins nichts geführt” – vor allem für Palästinenser. Zuletzt hat der Waffenstillstand zwar Israel ein bestimmtes Maß an Sicherheit gegeben, aber die Palästinenser wurden weiter “ausgehungert”. Um dich nicht in deinen humanitären Gefühlen zu verletzen, kann ich das “aushungern” auch gerne weglassen, nur zumindest können wir uns darauf einigen, dass Palästinenser nicht die “normalen” Freiheiten geniessen konnten – selbst als sie sich an den Waffenstillstand hielten..

Auch dein “Topargument” zieht nicht: Israel hat den Waffenstillstand – nach eigenen leisen Angaben – bereits am 4. November gebrochen. Bis dahin hatten sich beide Parteien bis auf einige kleinere Scharmützel (von beiden Seiten!) daran gehalten. Um es deutlicher zu sagen: Während des gesamten Waffenstillstands ist kein einziger Israeli aufgrund einer Kassam-Rakete gestorben! Erst am 27. Dezember starben wieder die ersten Israelis.

Dazu hier mehr:
Kriegsbefürworter: der “ständige” Raketenbeschuss
und
Jimmy Carter, Ein unnötiger Krieg

Im zweiten Artikel stellt der frühere US-Präsident Carter u.a. fest, dass Hamas sehr wohl zu Kompromissen bereit war und ist. Beispielsweise wollte die Hamas den Waffenstillstand bereits im Juni auf das Westjordanland erweitern, was von der israelischen Seite partout abgelehnt wurde! Die Hamas hat eingelenkt. Grundsätzlich hat Hamas bereits mehrfach einen längerfristigen Waffenstillstand (10 – 20 Jahre) angeboten.

Deine Argumente gegen den Gebrauch des Worts “Massaker” sind aberwitzig. Die Menge der getöteten und verletzten Menschen wird nicht gegen die Anzahl der Bewohner gerechnet.

Deine Zahlenspiele ziehen auch nicht: Mehr als ein Viertel der von Israel Getöten sind Frauen und Kinder (BBC [1]). Die Restlichen sind bei weitem nicht alle Kämpfer! Genauso wie beim Libanonkrieg spricht sich Israel selbst die moralische Hoheit zu, versperrt ausländischen Reportern allerdings gleichzeitig den Zugang, um ja nicht diese Moral in Frage stellen zu lassen.

[1]: http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7828884.stm

We will not go down in Gaza tonight – Michael Heart

authorOmar | 10. Januar 2009

Heute mal, was emotionales. Der mir unbekannte Michael Heart hat ein schönes Lied zum Krieg in Gaza geschrieben.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

A blinding flash of white light
Lit up the sky over Gaza tonight
People running for cover
Not knowing whether they’re dead or alive

They came with their tanks and their planes
With ravaging fiery flames
And nothing remains
Just a voice rising up in the smoky haze

We will not go down
In the night, without a fight
You can burn up our mosques and our homes and our schools
But our spirit will never die
We will not go down
In Gaza tonight

Women and children alike
Murdered and massacred night after night
While the so-called leaders of countries afar
Debated on who’s wrong or right

But their powerless words were in vain
And the bombs fell down like acid rain
But through the tears and the blood and the pain
You can still hear that voice through the smoky haze

We will not go down
In the night, without a fight
You can burn up our mosques and our homes and our schools
But our spirit will never die
We will not go down
In Gaza tonight

We will not go down
In the night, without a fight
You can burn up our mosques and our homes and our schools
But our spirit will never die

We will not go down
In the night, without a fight

We will not go down
In Gaza tonight

via Ink for Gaza

Eine Tasse Blut gefällig, Frau Merkel?

authorOmar | 1. Januar 2009

Bundeskanzlerin Merkel,

ich schreibe Ihnen am Anfang dieses neuen Jahres und möchte Ihnen aus diesem Anlass etwas schenken, was Sie sicherlich nicht haben wollen, was Sie aber aufgrund Ihrer Aussagen in den letzten paar Tagen mit großer Sicherheit verdient haben.

Frau Merkel, für Ihr Engagement für die Fortsetzung des Krieges im Gaza-Streifen und dafür, dass Sie dem menschlichen Drang nach Gerechtigkeit und Erhalt des menschlichen Lebens zum wiederholten Male1 widerstanden haben, schenke ich Ihnen eine Tasse palästinensischen Bluts – mögen Sie sich dadurch Ihrer Schuld bewusster werden.

Tasse Blut für Merkel

Tasse Blut für Merkel

Ich werde jedenfalls Ihre kriegerische Haltung am 27. September diesen Jahres nicht vergessen haben und werde mein Übriges tun, damit die anderen Bürger dieses Landes Sie mit mir zusammen möglichst in den Ruhestand schicken.

Bis dann,

Omar Abo-Namous


weitere Tassen

  1. Libanonkrieg 2006, falls Sie sich nicht mehr erinnern können[]

Nervige Anrufe und Nerverlaubnisse

authorOmar | 16. Dezember 2008

“Guten Abend, ich bin von der Telekom. Keine Angst, ich möchte Ihnen nichts verkaufen. Das denkt man ja heute immer..”

So fing meine Gesprächspartnerin eben gerade an. “Ja, durchaus” antworte ich mit einem kurzen Schmunzeln. Dann kam sie zum Thema: “Ich möchte Ihnen mitteilen, dass die Telekom ihren Dienst verbessert hat und Sie ab jetzt nur noch dann anruft, wenn es für sie relevant ist.”

Ich dachte mir an dieser Stelle schon “Ok, ich hoffe nun wirklich, dass Sie Ihre Worte nicht Lügen strafen werden, indem Sie mir Unwichtiges erzählen..” Sie fuhr fort:

Der Dienst wird vollkommen kostenlos zur Verfügung gestellt. Es werden Ihnen dabei Informationen zu Preissenkungen zu Ihrem Tarif gegeben.

Aha.. Warum haben sie es so eilig, mir die frohen Botschaften zu überreichen? Und warum schicken sie mir nicht einfach eine Email oder eine SMS? Naja, egal ist ja für mich kostenlos, also weiter.

Möchten Sie also in Zukunft von uns [zu diesem Zweck] angerufen werden?

Nein!

Dieselbe Antwort gab ich vor zwei Monaten einer Anruferin im Namen der Sparkasse, die mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass sich die Gesetze zum Datenschutz geändert hätten und dass ich ein Dokument zu unterschreiben hätte, damit ich die neuen Gesetze bestätige. Ja, ich weiß, das klingt sehr absurd. Im Laufe des Gesprächs wird mir klar, sie möchte eigentlich, dass ich ihr unterschreibe, dass sie meine Daten an zwei Kreditunternehmen weiterleiten darf – das sei ja normal..

Als ich ihr dann sagte, dass ich nicht möchte, dass meine Daten weitergegeben würden, fragte sie, was denn wäre, wenn ich die Dienste dieser Unternehmen in Anspruch nehmen möchte und das nicht ginge, da die Daten von der Sparkasse nicht weitergegeben wurden, fragte ich zurück, ob – in diesem unwahrscheinlichen Fall – ich nicht auch dann eine solche Weitergabe genehmigen könnte. Sie meinte, das würde gehen, allerdings müsste ich vorher – und zwar bitte heute noch – ein anderes Dokument unterschreiben. Alles in allem sehr konfus und immer läuft es darauf hinaus, dass man doch bitte unterschreiben oder zumindest übers Telefon zusagen müsse. Irgendwann legte ich dann höflich auf, als es mir zu viel wurde.

Heute traf ich außerdem noch auf dem Nachhauseweg einen Mann an, der mir einen Katalog von bofrost andrehen wollte. Er fragte also nach, ob ich einen kostenlosen Katalog haben möchte. Ich überlegte kurz und antwortete bestätigend. Er gab mir ein Exemplar und holte gleich sein Notizheft hervor. Darin wollte er offensichtlich meinen Namen und meine Telefonnummer aufschreiben.

Als ich sagte, dass ich Bedenken gegen die Weitergabe dieser Daten auf diese Art hätte, sagte er, dass es nur dazu diene, dass ein Mitarbeiter nachfragt, ob uns die Angebote gefielen. Das war aber genau das, was ich eigentlich verhindern wollte. Wenn mir etwas gefällt, werde ich mir das schon zu kaufen versuchen. Ein Nachfragen kommt meines Erachtens einer Bevormundung gleich. Jedenfalls musste ich ihm den dünnen Katalog zurückgeben, was meine Verdächtigung erhöht, dass die Aktion wenig mit dem Verkauf der bofrost-Produkte zu tun hat, sondern vielmehr die Daten an andere Vermarkter verkauft werden sollen.

Frohes Eid ul Adha und Festerkenntnisse

authorOmar | 10. Dezember 2008

Zunächst möchte ich allen Lesern schöne Tage und – bei Interesse – ein gesegnetes und frohes Adha-Fest wünschen. Woran merkt man, dass es soweit ist? In manchen Fällen soll berichtet worden sein, dass Menschen die Pilgerfahrt per Fernsehen verfolgen und das Ende abwarten. Andere wiederum gehen den Weg der kalendarischen Verfolgung des Datums. Meine persönliche Methode hat sich über die Zeit geändert. Früher habe ich immer nach Ramadan abgewartet, bis der Imam wieder zu mehr Fasten aufgefordert hat und die “besten Tage” heraufbeschwor. Dies funktioniert weiterhin wie eine gut gestellte Uhr, allerdings habe ich in der Zwischenzeit eine weitaus effizientere Methode gefunden, die muslimischen Feste auszumachen: Technorati und Flickr.

Technorati

Nehmen wir zum Beispiel das Adha-Fest. Eine Zusammenstellung der Artikel, die von Technorati erfasst wurden und das Worte “Adha” erwähnen sieht in etwa wie folgt aus:

Adha-Nennungen bei Technorati.com

Adha-Nennungen bei Technorati.com

Das Maximum dieser Kurve findet sich am Sonntag, den 7.12., was zum Einen als Messfehler gedeutet werden kann, sich nach eingehender Prüfung allerdings als Indiz für die Begeisterungsstimmung erkannt werden kann. Unabhängig davon ist natürlich ein “Verfehlen” des Festtages um einen Tag nicht sonderlich schlimm, da doch das Adha-Fest traditionell vier Tage lang ist – das lässt Zeit für Spätzünder..

Im Vergleich hierzu sind hier die Kurven für den Monat Ramadan und dem anschließenden Fitr-Fest (im Türk-Deutschen auch Zuckerfest genannt):

Fitr-Nennungen

Fitr-Nennungen

[caption id="attachment_1767" align="alignleft" width="250" caption="Ramadan-Nennungen"]Ramadan-Nennungen[/caption]

Flickr

Bei Flickr kann man einen ähnlichen Effekt erleben, allerdings kenne ich noch keine Methode, um die gemessenen Werte in Kurven auszudrücken. Jedenfalls kann man wahlweise “Eid” oder “Adha” bzw. “Fitr” suchen und zum approximierten Zeitpunkt des Eintritts des Ereignisses die Suchseite mehrmals neu laden. Wenn sich im 5-Sekunden-Takt Bilder mit Blumen, betenden und fröhlichen Menschen erscheinen, dann hat man den Zeitpunkt erwischt. Praktisch an dieser Methode ist natürlich die Möglichkeit von den ersuchten Bildern spontan eines auszusuchen und als Massenmail an alle Bekannten und Verwandten zu schicken – das ist halbwegs originell, aber verbunden mit einer fehlenden Referenzierung des Authors ziemlich schambefreit.

Mondsichtung passé

Es wird viele Muslime freuen, dass die Sichtung des Mondes offensichtlich nicht mehr vonnöten ist. Der Blick in Flickr, Technorati oder auch blogs.google ist einfacher, im Winter wärmer und im Sommer weniger frustierend und in Europa weit weniger fruchtlos als der Nerven aufreibende und mit Streit verbundene Versuch der Sichtung einer himmelfarbenen Sichel im himmelfarbenen Himmel, wenn man nicht weiß, wohin man schauen muss, um den untergehenden Mond zu sehen. Und die obligatorische Einigung auf die Methodik der Sichtung entfällt somit komplett, es sei denn jemand besteht darauf, Flickr ohne technische Mittel zu sichten..

Wahlabende sind für mich wie…

authorOmar | 5. November 2008

..wie Fußballabende. Ich hatte mir mal vorgestellt, dass sie spannend sein könnten, aber wenn man einmal einen solchen verpasst hat, um sinnvoller weise früh schlafen zu gehen, dann weiß man wie sehr diese Abende tatsächlich überschätzt werden. Am Ende des Abends denkt man sich sowieso nur, “hab’s ich doch gesagt” oder “mann, das hätte ich ja nie gedacht”. Die diesjährige Wahl war im Rückblick vor allem ein voller Erfolg für die Wahlprognoseinstituteunternehmen und die unzähligen Analysten.