Category: medien

Muslimischer Imamrat spricht sich für eigene Rechtsprechung aus

authorOmar | 15. März 2010

*** EILMELDUNG ***

Nachdem im Laufe der Woche muslimische Verbände Kritik an der Zusammensetzung der nächsten Islamkonferenz des Innenministeriums geäußert und mit dem Ausstieg gedroht hatten, meldet sich nun der deutsch-muslimische Imamrat (DEMIR) zu Wort und fordert Konsequenzen. Das Scheitern der Islamkonferenz sei als Zeichen zu deuten, dass Muslime ihre eigene Rechtsprechung bräuchten. “Vor allem auch zur Verfolgung diverser ‘Auffälligkeiten’ könnte eine solche Rechtsprechung äußerst sinnvoll sein”, sagte der Ratsvorsitzende Sheikh Semir Ilgar.

Fälle von Zwangsheiraten und Ehrenmorden ebenso wie Prügelstrafen in Koranschulen und Aufruf zum Mord an Ungläubigen würden zu den Hauptfällen gehören, die sich der Imamrat besonders genau anschauen möchte. Sheikh Semir Ilgar betonte, dass der Imamrat selbst die höchste Instanz der Beurteilung von Fehlverhalten sein wird und zugleich in allen ihm vorgetragenen Fällen sehr eng und intensiv mit den Strafverfolgungsbehörden arbeiten wird, wo es angemessen und richtig ist.

Sheikh Semir Ilgar: “Wenn Opfer und Täter sich bei uns melden, muss zusammen mit den Opfern und Tätern entschieden werden, wie die Staatsanwaltschaft mit ins Spiel kommt. Wir raten dringend den Opfern, dass sie die Staatsanwaltschaft hinzuziehen, verpflichten auch die Täter, aber das geht alles nicht automatisch. Das muss klug und je nach den Umständen sorgfältig erwogen werden.”

Muslime brauchen eine eigene Ordnung, die sich vor allem auf die Moscheen erstreckt und eine Rechtsordnung vor allem im Falle von Auseinandersetzungen zwischen den Gemeindemitgliedern beinhält.

Kritiker behaupten, dass ein solcher Schritt die Rechte der Opfer stark untergraben würde. Der Frankfurter Psychologieprofessor Hans-Ulrich Feidsche sagte dazu laut der Muslimischen Nachrichtenagentur (MNA):

“Es ist zu erwarten, dass eine eigene Rechtsordnung dazu führen wird, dass Missbrauchsfälle im Sinne der Umma – also der Gemeinschaft der Muslime – vertuscht werden, da sie ein negatives Licht auf diese werfen. Schaden wird das vor allem den Opfern, die keine Gerechtigkeit erfahren und – wegen mangelnder Erwartung von Gerechtigkeit – früher oder später die Straffälle nicht mehr berichten würden.”

Der Vorstand des deutsch-muslimischen Imamrats ist da ganz anderer Meinung. Auf die Kritik angesprochen antwortete Sheikh Semir Ilgar:

“Wir sind alle Menschen. Ich kann nicht garantieren, dass das nicht stattfinden wird. Aber wir als deutsch-muslimischer Imamrat haben seit geraumer Zeit den Posten der Vertrauensperson eingerichtet, an den sich jedes Missbrauchsopfer wenden kann. Die Dinge werden untersucht, geklärt, dann gehen wir an die Staatsanwaltschaft und so weiter und so fort. Also wir müssen diese Ordnung einhalten, die verpflichtend für alle Moscheen besteht.”

Quelle: Deutschland Radio

Die heute-show zu früh ausgezeichnet

authorOmar | 11. März 2010

Die Satiresendung “heute-show” im zdf wurde mit dem Grimme-Preis im Bereich Unterhaltung ausgezeichnet. Das ist meines Erachtens viel zu früh. Die Sendung gibt es erst seit anfang des Jahres im wöchentlichen Rythmus (davor monatlich mit einigen Internet-Specials), der aber von zdf zumindest wegen der Karnevalsübertragung abgesetzt wurde und obwohl ich die Sendung genieße, fehlt ihr noch die Durchgängigkeit und die Seriosität der Satire. Was ich damit meine, erkennt man auch im von der Grimme-Jury gezogenen Vergleich mit der amerikanischen “the daily show” mit dem exzelenten Moderator und früheren MTVler Jon Steward: Seine Kritik ist zwar ab und an nicht von billigen Clownwitzen zu unterscheiden, aber recht häufig sind die Stücke von Jon Steward und seiner “besten News-Crew” sehr pointiert und inhaltsschwanger. Das fehlt der heute-show noch. Dafür ist sie noch zu sehr vom üblichen deutschen Comedy-Gehabe geprägt und versucht sich scheinbar von Flachwitzlern wie Stefan Raab, Harald Schmidt und Pocher zu messen.

Dabei sollte die Messlatte eher an Volker Pispers, “Neues aus der Anstalt” und inhaltlich am Bild-Blog angelegt werden. Letzteres würde auch dabei helfen, die noch stark unterrepräsentierte Medienkritik in den Vordergrund zu stellen. Manche mögen glauben, dass Medienkritik in den USA aufgrund von FOX und NBC stärker gebraucht wird, aber ehrlich gesagt, ist es in Deutschland sowohl im Print- aber vor allem im Fernsehbereich sehr wohl dringend notwendig, starke Kritik zu äußern und vielleicht – vielleicht – dabei zu helfen, diversen Medien einen Spiegel vorzuhalten. “The daily show” macht das fast jedes Mal. Etwa so:

Trotzdem. Ich wünsche dem heute-show-Team viel Erfolg und vielleicht sind sie ja in einem Jahr soweit, dass sie Kabarettisten die Möglichkeit geben, aktuelle Nachrichten zu kommentieren (Volker Pispers oder Marc-Uwe Kling könnte ich mir da sehr gut vorstellen) – und dann kann es ja sein, dass das zdf erkennt, dass eine tägliche Sendung Sinn machen würde..

The Question about the Mossad agents…

authorOmar | 10. März 2010

The “Muslim Observer” Bendib asks one very important question about the assassination of the Palestinian Hamas official in Duba: How many Mossad agents does it take to assassinate ONE unarmed Palestinian?

Of course we could also ask, why the agents have to be flown in from all those countrys and with all those different passports and so on.. but when an affair stinks, it just stinks. You don’t really know, where the smell is coming from, but actually it doesn’t really matter. There is a rotten fish hidden somewhere and you won’t get the stink out unless you turned the whole location upside down.

Another thought: What would happen if Palestinians targeted an Israeli official in the same way? Say the Israeli education minister was staying at a hotel in a random country and because nobody really knows him internationally and nobody really cares for him, his guards aren’t on their heighest alert. A Palestinian group is able to get to him and kills him. What would that be called? What would not only international media but also all political faction be crying?

Terrorism

And that’s what i call an assassination. And this goes – there’s no question about it – for Germans, Americans and others murdering people in Afghanistan. Assassination has nothing to do with a justifiable war and it’s not even able to stop a war effectively. It’s mostly good to throw the opponent back in their strategy, but eventually more radical and bitter people would take the place of the assassinated one and the violence would continue. And we can’t shut our eyes to the justifiability of their radicality and their bitterness. They would have learnt, that their enemy is ruthless and knows no boundaries to achieving his political means. No more has to be said to this assassination.

Media circus

Oh one thing yet: The comment by Bendib is nicely placed. It reads: “Cowardice is our number one strength! We don’t do well in a fair fight: remember Lebanon?”. Beside the point of cowardice, i think it’s important to remember that the Israeli army and Israel as a country has suffered significantly in public relation carma due to their more-or-less loss in the Lebanon war 2006. Also the methods used by the Israeli army – bombing civilians and blaiming the opponents, invading without real grounds, etc.. – and the civilian victims due to those methods hasn’t reflected well on Israel and their army as a whole. Maybe the successfull (i use this word of course not meaning that the loss of a life could in any way described as ’success’) assassination is a way for Israel to reestablish its credibility as killing machine??

Griechen – die Menschen, über die man lachen darf!?

authorOmar | 8. März 2010

Wie weit manche Medien sich weit weniger dem Berichten und Informieren und weit mehr der Öffentlichmachung neid- und missgunstgeprägter Einstellungen widmen, sieht man derzeit an diversen Artikeln über die wirtschaftliche Misere Griechenlands. Da erfreut es umso mehr, den Artikel des Journalisten und “Halbgriechen” Michalis Pantelouris zu lesen, der diese Art der Stimmungsmache anprangert und bloßstellt. Leseempfehlung!

So geht es weiter mit jedem Fakt, der da in die Welt geblasen wird, als neu oder sensationell verkauft, als Grund für die Misere. Es wird das Bild gemalt von einer Nation, die in fauler Gier anstatt zu arbeiten lieber die EU ausgenommen hat und jetzt überversorgt und fett am Strand liegt, während in Deutschland hart gearbeitet wird, um ihnen das Geld hinterher zu werfen. Natürlich braucht man keinen Nobelpreis, um zu erkennen, dass es so nicht stimmt. Man braucht gerade mal ein Gehirn.

Wenn Medien Nachrichten ’schaffen’; BILD und Margot Käßmann

authorOmar | 1. März 2010

Im Bildblog findet sich ein sehr interessanter Artikel, der aufzeigt, wie ein BILD-’Journalist’ aktiv Agenda-setting betreibt.

Auf unsere Anfrage berichtet Kelber, er sei von einem “Bild”-Mitarbeiter (bzw. einem Mann, der sich als “Bild”-Mitarbeiter ausgegeben hatte) angerufen worden, der ihn fragte, “ob ich nicht etwas zu der Forderung erzählen wolle, Frau Käßmann in die Politik, in die SPD zu holen.” Als Kelber den Anrufer gefragt habe, wer diese Forderung denn erhoben habe, habe er zur Antwort erhalten: “Bisher noch niemand.” Nachdem Kelber abgelehnt hatte, diese Forderung zu erheben, habe er sie kurz darauf wortgleich als Vorschlag der Grünen in “Bild” gelesen.

Die gesuchte ‘Forderung’ hat der BILD-Mitarbeiter in einer Aussage der Grünen-Abgeordnetin Agnes Krumwiede hineininterpretiert. Laut Bildblog hat die Abgeordnete daraufhin eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie die Aussage von sich weist. (Leider lässt sich die verlinkte Pressemitteilung nicht mehr auf den Seiten von Frau Krumwiede finden)

Dass ich Frau Käßmann zu “den Grünen holen will” ist eine reine Erfindung der BILD-Zeitung.
Ebenso die Behauptung, dass Frau Käßmann von “den Grünen umworben wird”.

Ein wenig erinnert mich das an das Agenda-setting, das u.a. Jon Steward in den USA dem Sender Fox News im Zusammenhang mit den Tea Parties nachgewiesen hatte. Ich finde derzeit das Video nicht, aber hier eine Seite, die mediamatters zitiert und ein ähnlich gelagerter Fall von Fälschung um der Agenda-setting willen.

Alexander Schuller verbreitet Lüge vom Weihnachten-verbietenden Muslim

authorOmar | 26. Januar 2010

Professor Alexander Schuller hat einen sehr wirren Kommentar im DeutschlandRadio abgegeben. Den Schlußsatz könnte man gar als ein Plädoyer für einen ‘Gottesstaat’ (oder zumindest für eine Theokratie) verstehen, würde er sich damit nicht hinter einem Zitat verstecken:

Der Soziologe Eric Voegelin meinte, uns fehle die Einheit von Glaube, Gedächtnis und Politik. Man darf diesen verlorenen Schatz ruhig Transzendenz nennen.

Aber das eigentliche Problem ist die Weiterverbreitung der Mär vom Intolleranten Muslim. Anbei eine Email, die ich der Dradio-Redaktion geschickt habe:


Sehr geehrte Dradio-Redaktion,

gerade las ich den Kommentar von Alexander Schuller und ich bin enttäuscht über ein so niedriges Niveau der Recherche – auch wenn es nur für einen Radiokommentar sein soll!

Hauptsächlich stört mich, dass die Lüge vom Weihnachten-verbietenden Muslimen immer weitergesponnen wird! Qaradawi – mag man ihn noch so sehr für andere Dinge kritisieren – hat nie Weihnachten verboten oder in dieser Hinsicht für die Einengung der Religionsfreiheit von Christen plädiert. Diese Nachricht hatte der Spiegel in Anlehnung an eine tendenziöse Übersetzung und falsche Überschrift des sehr einseitigen “Instituts” Memri transportiert. Der Spiegel hat sich leider nie dafür entschuldigt! Mehrere – vor allem deutsche – Medien haben es ihm nachgemacht. Der österreichische “Der Standard” hat die Nachricht ebenfalls übernommen, später sich aber dafür entschuldigt und die Falschmeldung entfernt. Eine Richtigstellung hatten verschiedene Kommentatoren – u.a. Tarafa Baghajati und Mohamed Ibrahim – geliefert1.

Es ist eine Schande, dass eine solche Lüge immer weiter verbreitet wird und dazu beiträgt, dass der Eindruck vom intoleranten Muslim verstärkt wird. Dass man einem solchen Kommentar ohne weitere Überprüfung oder Qualifizierung auch noch eine Bühne gibt, das ist schon problematisch.

Unabhängig davon habe ich ein Problem mit der Logik in diesem Beitrag. Zunächst stellt der Kommentator richtig fest, dass Erzbischof Reinhard Marx den Weihnachtsmann als heidnisch und kommerziell verschrien hat. Dann aber deduziert Herr Schuller, dass der Erzbischoff mit dieser Aussage die Religionsfreiheit verteidige. Wie bitte? Der Mann hat lediglich – seiner Meinung nach – ein Fehlverhalten unter Christen bemängelt. Mit anderen Religionen kann es ja nur insofern zu tun haben, als er offensichtlich die Überzeugung von Millionen “Heiden” für nicht relevant hält – also gewissermaßen ihre Religionsfreiheit nicht so hoch ansieht.

Genauso, wie er die Aussagen des Erzbischoffs als Kampf für die Religionsfreiheit umdeutet, so deutet er die Falschaussagen von Qaradawi – und spricht gar von Terror!

Der Erzbischof kämpft für die Religionsfreiheit, für die Freiheit des guten Imam Jussuf also, das Christentum zu beseitigen. Wer für die Freiheit eintritt – die Religionsfreiheit in diesem Fall – dem kann es also passieren, dass er gegen die Freiheit und für den Terror eintritt.

Die beiden Zitierten haben tatsächlich eine Sache gemeinsam: Sowohl Al-Qaradawi als auch Erzbischof Marx haben den Kommerzdrang kritisiert und dass Menschen für den Kommerz alles tun würden! Mit Religionsfreiheit hat das natürlich nichts zu tun und hört sich sogar gar nicht mal so unsinnig an wie ein Verbot eines religiösen Festes – aber wo würde dann die These vom Kampf der Kulturen bleiben, wenn nicht deutsche Kommentatoren tagein-tagaus sie heraufbeschwören würden?

Ich habe einen Vorschlag: Wie wäre es, wenn Sie einen Gegenkommentar erlauben würden? Ich hätte ein paar Vorschläge, wen Sie dafür gewinnen könnten.

Mit freundlichen Grüßen,

  1. der zmd kommentierte die Falschmeldung[]

Dr. Aydin Findikçi antwortet auf meine Kritik — nicht

authorOmar | 7. Januar 2010

Vor zwei Tagen hatte ich Herrn Dr. Aydin Findikçi eine Email als Antwort auf seinen in der “Welt Online” veröffentlichten Gastbeitrag “Veraltete Koran-Auslegung bremst die Integration”. Gestern (6.1.2010) hatte er mir eine nette Antwortemail geschickt, die allerdings wenig mit meiner Kritik zu tun hatte. Hier ist sie unzensiert:

vielen herzlichen dank für ihre mühe bezüglich meines voh ihnen studierten beitrages. es ist schön zu erfahren, dass sie kein islamist sind. denn die islamisten gefärden den dialog, den weltfrieden und die integration der islamagehörigen in die pluralistischen gesellschaften. daher finde ich es gut dass sie sich von islamisten unh ihren scheria distanzieren. übgigens bin ich ursprünglich nicht aus einem arabischen land, und das ist auch gut so. die türkei ist das einzige land unter “islamischen gesellschaften”, in dem die islamangehörigen dank mustafa kemal atatürks revolotionen einigermassen ihre galuaben trotz islamisten praktizieren können. deutschland ist die gewolte heimat von Ismanangehörigen, in der sie ihre religion ausüben dürfen, und ich wehre mich nur gegen die islamisten, die unser grundgesetz für sich instrumentalisieren um den koran zu misbrauchen. dagegen werde ich weiterhin nicht schweigen. und ich finde es gut, dass ich in diesem kampf nicht alleine bin.immer mehr islamangehörigen distanzieren sich von islamisten. diese entwicklung macht mir mut, mich gegen die islamistischen gefahr zu stellen. es freut mich, dass sie mitdabei sind.

ich wünsche ihnen alles gute und allah möge ihnen bei ihren bemühungen helfen, um den richtigen weg zu finden.

beste grüße
aydin findikci

Ich wundere mich über einen solchen Umgang mit Kritik. Entweder er hat sie nicht verstanden oder er macht sich darüber lustig?? Jedenfalls antworte ich ihm:

Herr Findikci,

entweder Sie haben meine Email nicht gelesen oder nicht verstanden – oder aber ich verstehe eine gewisse Ironie nicht, die Sie mit Ihrer Antwort auszudrücken versuchten! In jedem Fall frage ich mich, wie ernst Sie Ihre Leser und sich selbst nehmen, wenn Sie so auf Kritik reagieren.

In Ihrer Antwort gehen Sie auf meine Kritikpunkte allesamt nicht ein.

Ich bitte Sie also noch einmal, meine Email zu lesen und mir möglichst zu antworten. Schließlich soll Ihr Gastbeitrag ja ernst gemeint sein und dementsprechend sollten Sie auch für eine Diskussion über die von mir angesprochenen Fehler doch zur Verfügung stehen. Im Sinne der Öffentlichkeit würde ich dann unsere Diskussion – vor Allem Ihre Antworten auf meine Einwände – gleichberechtigt auf meiner Internetseite veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ich habe natürlich viel an seiner Antwort auszusetzen. Nicht zuletzt auch die Formulierung “übgigens bin ich ursprünglich nicht aus einem arabischen land, und das ist auch gut so.” Dass er den authoritären und zuweilen diktatorischen Atatürk anscheinend verehrt, sagt das Übrige und steht im Widerspruch zu seiner Forderung an hinsichtlich der “Verinnerlichung der Demokratie”.

Dr. Aydin Findikçi: Gegen jede Wissenschaft. Gefährliche Islamisten unter uns!

authorOmar | 5. Januar 2010

Dr. Aydin Findikçi hat einen Gastbeitrag mit dem Titel “Veraltete Koran-Auslegung bremst die Integration” bei der “Welt Online” geschrieben, den diese mit “mit einem falschen Islamverständnis in Deutschland aufräumen” bewirbt. Der Kommentarbereich unter dem Artikel ist inzwischen – wie so oft bei Welt-Artikeln, die auch nur entfernt etwas mit Islam zu tun zu haben vorgeben – “aufgrund ständiger Verstöße gegen die Netiquette” gesperrt. Ich habe die Emailadresse des Herrn Findikçi gefunden und habe einen längeren Brief verfasst, den ich als Email verschickt habe und hier veröffentlichen möchte.

Natürlich werde ich seiner Antwort genauso den Raum bieten – falls er überhaupt antwortet! Dass er antworten wird, kann bezweifelt werden, aber da lasse ich mich gerne überraschen! Es kann ja sogar sein, dass er eine inhaltlich orientierte Antwort auf meine Kritik findet. Oder er entschuldigt sich für die offensichtlichsten seiner Fehler! Naja, man darf ja mal träumen..


Lieber Herr Dr. Findikçi,

ich hoffe, dass Sie derjenige Dr. Aydin Findikçi sind, dessen Artikel als Gastbeitrag bei “Welt Online” kürzlich erschienen ist. Ich habe diesen Artikel gerade gelesen und möchte Ihnen meine Kritik gerne direkt zukommen lassen, damit Sie ein „Feedback“ haben. Ihre Argumentation weist diverse Fehler und Irrtümer auf, die dem Niveau der “Welt Online” zwar angemessen sind, aber der Wahrheitssuche nicht dienen.

  1. Sie sprechen von jährlich 30.000 Zwangsverheiratungen in Deutschland, aber den Beleg für diese Zahl bleiben Sie dem Leser schuldig. Warum nennen Sie keine nachvollziehbare Quelle? Liegt es daran, dass diese Zahl der Imagination entsprungen ist und inzwischen zum penetranten Volksglauben geworden ist? Tatsächlich ist diese Zahl vor Allem unter Abgrenzung zu einvernehmlich arrangierten Ehen ziemlich unwahrscheinlich, wenn man sich vor Augen hält, dass es in Deutschland jährlich nur etwa 350.000 Eheschließungen überhaupt gibt. Bei einem “Muslimenanteil” von 4% an der Gesamtbevölkerung (3,2 Millionen, wie viele davon ihre Religion praktizieren soll hier nicht thematisiert werden) ergäbe das nur 14.000 muslimische Eheschließungen im Jahr. Muslime müssten mehr als doppelt so häufig heiraten wie der Rest der Gesellschaft, damit man überhaupt auf die Zahl von 30.000 muslimischen Eheschließungen kommt – und selbst dann hieße das, dass alle Muslime (!!) ohne Einwilligung der beiden Partner heiraten würden. Bitte nennen Sie mir eine belastbare Zahl aus einer seriösen (!) Quelle für Ihre These! (vgl.)
  2. Sie sprechen von “islamistischen” Zwangsverheiratugen, so als wüssten Sie persönlich ganz genau, aus welchen Motiven Eltern Zwangsheiraten durchführten. Nicht nur meine persönliche Erfahrung sagt mir, dass Zwang in der Ehepartnerwahl vor allem traditionellen Ursprungs ist und Eltern diesen unislamischen Zwang fast immer mit ihrem Interesse am Wohl ihrer Kinder zu rechtfertigen suchen.
  3. Im dritten Absatz Ihres Artikels begeben Sie sich auf noch dünneres Eis und versuchen den Beweis zu führen, dass ein Minarett nicht unbedingt zu einer Moschee gehöre. Ihre Logik erschließt sich mir hier nicht. Was hat der Name “Masjid” (Moscheen werden ja auch “Jamii”, also Versammlungsorte genannt, zu deren Besuch man logischerweise auch einmal aufmerksam machen darf) mit der von Ihnen in Frage gestellten Notwendigkeit von Minaretten zu tun? Sie argumentieren für ein Minarettverbot und bemühen den Vergleich mit der Moschee zu Zeiten des Propheten Mohammeds. Aber zu jener Zeit hatte die Moschee weder eine Gebetsnische (nur ein Stein, der die Richtung nach Makkah anzeigt), noch eine Waschgelegenheit, nicht einmal ein durchgehendes Dach war vorhanden! Dennoch wurde zu seiner Zeit vom Halbdach der Moschee zu den Pflichtgebeten gerufen, also von einer emporragenden Position! Offensichtlich ist Ihnen entgangen, dass Ihre Bemühung eines angeblichen Beleges aus der Frühgeschichte des Islams gegen ein Minarett entwicklungsgeschichtlich das genaue Gegenteil belegt. Dass heute eine Moschee mit Teppich ausgelegt wird, eine Kanzel und Waschgelegenheiten sowie Ornamente aufweist, ist doch nichts, was man verbieten müsste, nur weil dafür keine angebliche Notwendigkeit besteht!
  4. Minarette wurden nicht gebaut, um die “Größe und Macht des Erbauers” zu demonstrieren, sie hatten vor allem funktionalen Charakter. Die Funktion ist – analog zum Dach für den Schutz des Innenraums vor Wetterumschwüngen – um den Gebetsruf, wie auch die weite Erkennbarkeit des Gebetshauses in den stetig wachsenden muslimischen Gemeinschaften, eine akustische aber auch optische Tragweite zu verleihen. Ebenso wie das Dach, das heute nicht selten etwa in Form einer Kuppel architektonisch dekoriert wird, wird auch das Minarett verschönert und trägt teils auch zur Pracht einer Moschee bei. Zu sagen, dass der Sinn zunächst in der Demonstration der “Größe und Macht des Erbauers” lag, ist einfach falsch!

Aber diese ersten vier Kritikpunkte sind letztlich nur ein Nebenkriegsschauplatz. In Ihrem Artikel geht es Ihnen ersichtlich darum, zu definieren, wer Ihrer Meinung nach die Islamisten in Deutschland sind. Das ist für Sie der “organisierte Glaube”, bzw. die muslimischen Organisationen (Sie nennen explizit Milli Görüs, Süleymanci-Bewegung und Nurcu -Fetullah, aber ich nehme an, dass Sie auch den ZMD, die Ditib und den neuen schiitischen Dachverband dazu zählen?! – denn auch alle diese Organisationen fallen in die Kategorie “organisierter Glaube”). Ihre Definition des “Islamisten” beinhaltet, dass diesem die Integration in eine “westliche Gesellschaft” genauso wenig möglich ist, wie die “Verinnerlichung” der Demokratie oder der “rechtstaatlichen Regelungen und die Herrschaft des Volkes”. (Erklären Sie mir doch bitte einmal was der Unterschied zwischen der “Verinnerlichung der Demokratie” und dem Akzeptieren der “Herrschaft des Volkes” ist??)

Wenn man sich aber die vom BMI in Auftrag gegebene Studie “Muslime in Deutschland – Integration, Integrationsbarrieren, Religion sowie Einstellungen zu Demokratie, Rechtsstaat und politisch-religiös motivierter Gewalt” anschaut, dann stellt man schnell fest , dass die Mehrheit der befragten Muslime sich als fundamental, traditionell konservativ oder orthodox religiös einordnet, während eine vorhandene aber geringe Minderheit “gering religiös” ist. Gleichzeitig besagt die Studie, dass gerade einmal 14% der befragten Muslime eine “problematische Distanz zur Demokratie” aufweisen, wobei noch zu klären bleibt, wie diese „problematische Distanz“ zu verstehen ist! Es ist also mitnichten so, dass Menschen, die den Koran als Wort Gottes verstehen automatisch oder auch nur tendenziell demokratiefeindlich wären bzw. der Islam mit Demokratie unvereinbar sei!

Eine noch abenteuerlichere Behauptung stellen Sie im folgenden Absatz auf: Muslimische Organisationen betrachten den Koran als Gottes Wort. Dann: Islamisten bestrafen (!) diejenigen, die daran Zweifel hegen. Deshalb fühlten sich “aufgeklärte und säkulare” Muslime von “Islamisten und ihren Moscheen” bedroht und werden sogar von Islamisten umgebracht!

Wie bitte?? Was für einen hanebüchenen Unsinn verzapfen Sie hier eigentlich! Welcher Moscheeverein in Deutschland bedroht denn bitte schön Menschen, die den Koran nicht als Gottes Wort bezeichnen?? Wer wurde deswegen ermordet? Sie bauen doch hier ein arglistiges Horrorszenario auf, das nur in einer Wahnvorstellung existiert und verbinden das mit dem “organisierten Glauben”! Und dann fabeln Sie auch noch, dass diese Organisationen “eine Regierung und Staatsführung nach eigener Interpretation des Korans” beibehalten [sic!] wollten! Woher entnehmen Sie denn bitte schön diese Weisheit? Welche sachlich nachvollziehbaren Belege können Sie dafür beibringen?

Sie glauben, die Mehrheiten auch ohne Befragung zu kennen (und für sie zu sprechen?)! Ihnen zufolge stimmt die Mehrheit der Muslime dem Minarettverbot zu und über 90% (!!!) würden sich mit den Moscheen noch nicht einmal identifizieren! Mit welcher Impertinenz können Sie eigentlich eine derart unwissenschaftliche Aussage tätigen? Vor allem als Soziologe müssten Sie ja zumindest mit dem Grundwerkzeug seriöser Datenerhebung vertraut sein und ein Interesse daran haben, sich selbst nicht fachlich völlig zu diskreditieren.

Wie es scheint haben Sie nicht verstanden, worum es bei der Kritik am Minarettverbot geht. Das Minarettverbot stellt selbstverständlich eine Ablehnung der Muslime dar – darüber, dass es sich hier um eine Stellvertreterdiskussion handelt, gibt es zahlreiche Publikationen (übrigens auch in der “WELT Online”) -, und es ist ein Signal, dass eine mobilisierte (noch!) Minderheit das Grundrecht auf staatliche Gleichbehandlung in Bezug auf Muslime qualifizieren bzw. komplett aushebeln will. Dies ist ein grundsätzlicher Eingriff in die Gleichwertigkeit, die „Egalité“ der Menschen! Denn ein Christ darf ein Minarett bauen (nennt sich dann Kirchturm), während einem Muslim dieses Recht staatlicherseits nicht zugestanden werden soll.

Für das Gebet ist das Minarett nicht zwingend notwendig, aber viele Muslime befürchten zu Recht dass dieses Verbot zu weiteren Extrapolationen führt. Bereits jetzt werden Gesetze erarbeitet, die Muslimen Bekleidungsverbote auferlegen; der groteske Streit um die Burka ist nur ein Vorgeplänkel eines sich durchsetzenden laizistischen Fundamentalismus, der auf Muslime zielt. Weibliche Kopfbedeckungen wurden bereits in autoritären Staaten (siehe Tunesien, und mit Einschränkung die Türkei) verboten – sie in Demokratien zu verbieten, wird schwieriger, aber nicht unmöglich sein. Nach den Kopftüchern könnten die Bärte (wohlgemerkt nur muslimische Bärte) und die Gewänder, die einige Muslime manchmal tragen, an der Reihe sein. Dann ist natürlich jederzeit ein Fastenverbot möglich, selbstverständlich aus rein gesundheitlichen Gründen, und so setzt sich die Reihe der möglichen Eingriffe in die persönlichen und religiösen Rechte von Muslimen fort. Darum geht es hier. Das Verbot von Minaretten ist ein Fanal, aber das werden Sie erst dann einsehen, wenn es zu spät ist! Jeder sollte sich fragen, welche Gruppe die nächste ist, die mit Einschränkungen zu rechnen hat…

Mein dringender Rat: kehren Sie auf den Boden des Grundgesetzes zurück und hören Sie auf, repressive Gesellschaftsstrukturen, wie Sie sie aus Ihrer Heimat kennen, auch hier verbreiten zu wollen.

Um das ganze Ausmaß der Religionsfreiheit – die sowohl Ihnen als auch anderen – in diesem Land gewährt wird, zu ermessen, rate ich Ihnen dringend zur Lektüre des Artikels „Du musst nicht verfassungstreu sein“ von Professor Dr. Ralf Poscher. „Verhalten, nicht Glauben“ sind das Maß, an dem in diesem Lande der Bürger gemessen wird und inschah allah wird sich das auch nicht wieder so schnell ändern. Ansonsten wird sich die Warnung des amerikanischen Philosophen Santayana noch zahllose Male bewahrheiten: “Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.”

In diesem Sinne, wünsche ich Ihnen einen guten, selbstbestimmten und aufklärerischen Start ins neue Jahr.


Update 7.1.2010

Die Diskussion mit Dr. Findikçi geht weiter.

Wären das iranische Oppositionelle…

authorOmar | 1. Januar 2010

Videos von gestrigen Demonstrationen in Ägypten. Die Demonstranten wollen lediglich, dass ihre Einreise in den Gaza-Streifen erlaubt wird. Die Polizisten sind ob der vorhandenen Kameras bewusst “vorsichtig”, trotzdem zeigt sich hier und da die Brutalität, mit der sie gegen die Demonstranten vorgehen. Diese Bilder wird man natürlich im deutschen Fernsehen nicht sehen.

Und zu einem Leitspruch der Kampagne wird in Analogie zu Moses: ‘Oh Pharao, let my people go!’

Kennen Sie den ‘Gaza Freiheitsmarsch’? Wahrscheinlich nicht.

authorOmar | 30. Dezember 2009

Stephen M. Walt ist US-Professor für internationale Beziehungen an der Harvard University. Diesen Text veröffentlichte er im Englischen auf seinem Blog bei foreignpolicy.com.

Wußten Sie, dass der Gaza-Freiheitsmarsch — eine Gruppe von mehr als 1300 Friedensaktivisten aus 43 Staaten — derzeit, zum Jahrestag des brutalen israelischen Angriffs, der vor einem Jahr mehr als 1000 Menschen umbrachte, gegen die fortgesetzte Blockade des Gaza-Streifens protestieren? (Es gibt ein unabhängiges Bestreben, Hilfslieferungen unter der Schirmherrschaft der Gruppe Viva Palestina nach Gaza zu bekommen)

Wußten Sie, dass der Freiheitsmarsch derzeit in Kairo feststeckt, da ihm die ägyptische Regierung die Erlaubnis zur Einreise nach Gaza verweigert? Das Mubarak-Regime hat seine eigenen Probleme mit der Hamas und es ist außerdem von ökonomischer und militärischer Hilfeleistung aus den USA abhängig. Israel und die Vereinigten Staaten möchten die negative öffentliche Aufmerksamkeit nicht haben, die der Freiheitsmarsch mit sich bringen könnte und sind völlig zufrieden damit, die Gaza-Bewohner leiden zu lassen. Es ist also unnötig zu erwähnen, dass Washington keinen Druck auf Ägypten ausübt, um den Konvoi durchzulassen.

Wußten Sie, dass diese Ereignisse in der arabischen Welt extensiv behandelt werden und Probleme für Mubarak & Co. erzeugen könnten, da die Ägypter wieder einmal als bei der kollektiven Bestrafung, die Israel der Gaza-Bevölkerung zufügt, der Mitschuld überführt werden?

Wußten Sie, dass eine der Teilnehmerinnen des Konvois eine 85-jährige Holocaust-Überlebende (Hedy Epstein) ist und dass sie kürzlich einen Hungerstreik angefangen hat, um dagegen zu protestieren, dass dem Konvoi die Reise nach Gaza verwehrt wird?

Sie haben wahrscheinlich nichts von alledem gewußt, aber es ist auch nicht wirklich Ihr Fehler. Sie bekommen Ihre Nachrichten von Mainstream-Ketten wie der New York Times oder der Washington Post und keine dieser berühmten Zeitungen hat sich bemüht, diese Geschichte zu verfolgen. Was empfinden sie als wichtig? Also, im Falle der Times drückt sich ihre Wahrnehmung einer großen Nahost-Geschichte derzeit in der herzerwärmenden Saga eines kleinen Shawarma-Ladens in Amman.

Wenn Sie ein wenig mehr über diese würdige Bemühung, den Gaza-Bewohnern zu helfen, erfahren möchten, können Sie die Webseite der Gruppe besuchen. Oder sie können es bei Mondoweiss verfolgen oder gar in der Ha’aretz darüber lesen. Und dann könnten Sie eine Idee davon bekommen, warum die Mubarak-Regierung nicht sehr beliebt ist, warum sich Israel immer größer werdender Kritik für sein Benehmen ausgesetzt sieht, warum die Vereinigten Staaten weiterhin in einem Großteil der arabischen und islamischen Welt verschmäht wird und warum die Bloggosphäre so wichtig ist.


In Deutschland ist es noch schwieriger an Informationen zu kommen. Zwar hat das ZDF gestern abend einen kurzen Beitrag zum Thema gesendet, der Tagesschau-Korrespondent Oliver Mayer-Rüth hatte es einen Tag zuvor sogar geschafft, in einem Beitrag zur Lage im Gaza-Streifen ein Jahr nach dem blutigen Angriff durch Israel, die internationale Protestbewegung komplett zu ignorieren.

Gedruckte Informationen gibt es vor allem in der “Junge Welt”, der znet und ganz wenig bei der taz.

Gastbeitrag: Statt Scharfmacherei sind Neutralität, Sachlichkeit und Objektivität gefragt!

authorOmar | 25. Dezember 2009

Der folgende Gastbeitrag vom Wolfsburger Imam Mohamed Ibrahim befasst sich mit dem Gerücht, das vor allem von Spiegel Online verbreitet wurde, dass ein muslimischer Gelehrter das Feiern von Weihnachten in mehrheitlich muslimischen Ländern verbieten lassen möchte. Ich hoffe, einen eigenen Beitrag noch zum Thema zu schreiben und würde mir schon wünschen, dass der Spiegel, eine Entschuldigung für den Lügen-Artikel verfasst.

Von: Imam Mohamed Ibrahim, Wolfsburg

(Wolfsburg, 24.12.2009) In einigen Medien und auf einigen Internetseiten ist gestern und heute die Rede davon, dass Scheich Yussuf Al-Qaradawi Weihnachten verbieten will. In der Berichterstattung benutzte man Wörter wie „Heiligabend-Attacke“ (Spiegel.de) oder „Angriff auf Heiligabend“ (Bild.de).

Diese Wortwahl ist an sich mehr „scharfmachend“ als verantwortlich.

Diese Berichterstattung, die ein „Weihnachtsverbot“ für Christen in islamischen Ländern suggerieren will, ist irreführend und entspricht nicht der Wahrheit. Bei den Worten des Gelehrten Al-Qaradawi handelt es sich um seine Freitagspredigt vom 11.12.2009, die ich mir in arabischer Sprache angehört habe. Korrigierend und klarstellend
möchte ich hier folgendes sagen:

Der Gelehrte hat weder gegen die Christen gehetzt noch wollte er ein „Weihnachtsverbot“ erreichen, und vor allem nicht „den Christen“ das Feiern verbieten. Seine Worte waren an die Muslime gerichtet, dass sie ihre Identität wahren und Weihnachten und Neujahr nicht feiern, da diese ja christliche und keine islamische Feste seien. Er äußerte sich gewundert über das Straßenbild der Stadt Doha, in der er lebt, anlässlich der „christlichen“ Feste, obwohl es dort kaum Christen gibt. Es war kein Spott des Gelehrten (weder in der Wortwahl noch im Ton!), als er die „Tatsache“ nannte, dass die Christen zu zwei unterschiedlichen Daten die Geburt Jesu Christi feiern.

Am wichtigsten ist hier klar zu stellen, dass der Gelehrte Al-Qaradawi die Aussage „Kirchen dürfen keine Kreuze mehr tragen. Kirchenglocken dürfen auch nicht mehr läuten.“ nicht (und
nie!) getätigt hat.

Ich rufe die Medien dazu auf, von der „Scharfmacherei“ abzulassen und sachlich und objektiv zu berichten. Christen und Muslime sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden und
gemeinsam für eine bessere, gerechtere und friedlichere Welt eintreten! Allen Christen wünsche ich trotz der „Hetze“ mancher Medien ein friedvolles und besinnliches Weihnachtsfest.

Der Freiheitsmarsch auf Gaza beginnt

authorOmar | 23. Dezember 2009

Vor fast einem Jahr hat Israel den Gaza-Streifen angegriffen. Insgesamt wurden 1400 Palästinenser und 13 Israelis getötet. An die Asymmetrie der Opfer hat man sich bereits gewöhnt, nur mit der Brutalität und Schonungs- und Rücksichtslosigkeit des israelischen Militärs hat man nur wenig gerechnet. Heute sind israelische Offizielle natürlich willkommene Staatsgäste. Auch wenn ein britisches Gericht einen Haftbefehl gegen die frühere israelische Außenministerin Tzipi Livni ausgestellt hatte, die Politik des Landes hat schnell bekräftigt, dass es problemlos die Unabhängigkeit des Gerichts und der Rechtstaatlichkeit des eigenen Landes opfern würde, um Kriegsverbrecher zu schützen1. Medial spielen Palästinenser nur eine marginale Rolle Tatsächlich ist der Gaza-Streifen – und das Westjordanland – nur wenig interessant, solange Palästinenser in keinen allzu großen Zahlen sterben und sie sich nicht mittels Raketenangriffen zu “Wort” melden.

Die Lage im immer noch besetzten belagerten Gaza-Streifen ist allerdings weiterhin schlimm. Viele Menschen haben ihre Menschen haben neben ihren Verwandten auch ihre Häuser verloren und konnten bis heute nicht neue Häuser errichten. Ein großer Teil der Gazaer Infrastruktur müsste wieder neu aufgebaut werden, nachdem sie von dem israelischen Militär zerstört wurde. Dafür fehlen aber oftmals die Baumaterialien, die bislang nur tropfenweise hineingelassen werden. Die Versorgung mit Strom und Wasser ist nahezu kollabiert und so häufen sich immer mehr Krankheiten, die nicht auskuriert werden und für die es weiterhin nur wenige Medikamente und keine Instrumente zur Behandlung gibt.

Aus diesem Grund und als Gedenken an den Gazakrieg von vor etwa einem Jahr finden verschiedene Veranstaltungen unter dem Motto “Gaza Freedom March” auf der ganzen Welt statt. Damit wird auch dem tatsächlichen Freiheitsmarsch auf Gaza Solidarität bekundet. Dieser Marsch hat zum Ziel die Blockade um den Gaza-Streifen zu durchbrechen.

In Deutschland finden meines Wissens lediglich zwei Demonstrationen statt. Die eine ist in Hamburg und die andere in Düsseldorf und beide am 29. Dezember. Nähere Informationen habe ich leider nicht. Wenn aber wer eine weitere Veranstaltung in diesem Zusammenhang kennt, bitte kommentieren!

Noch eine Kleinigkeit: Im Deutschland Radio gab es heute morgen ein Interview mit dem Repräsentanten der Hilfsorganisation Medico-International Tsafrir Cohen, das sehr informativ ist2.

Gaza-Streifen schlittert ’sehenden Auges in die Katastrophe’
Gaza-Streifen schlittert ’sehenden Auges in die Katastrophe’

  1. das betrifft ja im Falle von Groß-Britannien bei weitem nicht nur israelische Offizielle[]
  2. auch wenn der Moderator Stefan Heinlein mit seiner städigen Frage, ob der Krieg Israels mit seinen 1400 Todesopfern als Erfolg gewertet werden könne, ziemlich naiv und nervig wirkt[]

Sichtermann und Schünemann: Muslime sind rückständig und selbst schuld, wenn sie verprügelt werden

authorOmar | 17. Dezember 2009

Die zwei Grünen-Abgeordneten im Niedersächsischen Landtag Helge Limburg und Filiz Polat haben bezüglich der in Göttingen angegriffenen muslimischen Frau eine kleine parlamentarische Anfrage gestellt, die Innenminister Schünemann beantwortete. Hier zunächst die Anfrage:

Am 14. November 2009 wurde in Göttingen eine Muslimin angegriffen. Vier vermutlich aus der rechtsradikalen Szene stammende Männer bepöbelten die 24-jährige Medizinstudentin, rissen sie zu Boden und traten auf sie ein. Offensichtlich gab das Kopftuch, welches das Opfer trug, den Anlass für die Gewaltaktion. So hetzten die Täter beispielsweise mit der Forderung, sie solle “endlich deutsch werden” (vgl. taz, 20. November 2009). Diese Tat sowie der Mord an Marwa El-Sherbini am 1. Juli 2009 in Dresden und andere Taten legen den Schluss nahe, dass eine wachsende Islamfeindlichkeit in der Bevölkerung existiert.

Grund zur Sorge, dass solche Straftaten keinesfalls zu vernachlässigende Einzelfälle bilden und sie in Zukunft womöglich zunehmen werden, liefert zudem die Tatsache, dass die verächtlichen Anschuldigungen Thilo Sarrazins gegenüber den türkischen und arabischen Migrantengruppen in Berlin eine bundesweite Zustimmung von 51 % innerhalb der Bevölkerung erreichten (vgl. BMP, 15. Oktober 2009). Darüber hinaus hat der überraschende Ausgang der Volksabstimmung in der Schweiz gegen den Bau von Minaretten auch zu einer Diskussion in Deutschland und Niedersachsen geführt. Nach dem Votum der Schweizer gegen Minarette fürchten deutsche Muslime, dass eine islamfeindliche Welle über Europa schwappt.

Wir fragen die Landesregierung:

Welche Maßnahmen ergreift die Landesregierung, um dem Problem der Islamfeindlichkeit adäquat entgegenzuwirken? Wird das spezifische Motiv der Islamfeindlichkeit bei der polizeilichen Erfassung von Straftaten berücksichtigt? Wenn nein, warum nicht? Welche näheren Erkenntnisse hat die Landesregierung über den Vorfall in Göttingen, insbesondere darüber, ob die vier Gewalttäter der rechtsradikalen Szene angehören?

Die Antwort des Innenministers deutet darauf hin, dass er den Tätern mit der Forderung, dass das Opfer “endlich deutsch werden” solle, zustimmen würde. Wie sonst sollte man es verstehen, wenn er in der Beantwortung mehrmals darauf aufmerksam macht, dass er sich dafür einsetzt, dass Muslime integriert werden?

Die Niedersächsische Landesregierung tritt für Toleranz und Achtung der Menschenwürde ein. Insbesondere in der Bildungspolitik zählt es zu ihren wesentlichen Zielen, die Werte einer freiheitlichen und offenen Demokratie zu vermitteln. Dazu gehört auch das Eintreten für Religionsfreiheit. Darüber hinaus wendet sich die Landesregierung mit allem Nachdruck gegen fremdenfeindliche Aktivitäten.

Die Landesregierung fördert in vielfältigen Bereichen die Integration von Muslimen. Sie steht mit den islamischen Verbänden in einem konstruktiven Dialog und tritt entschlossen möglichen islamfeindlichen Einstellungen in der Gesellschaft entgegen.

Nein, Schünemann steht fast als einziger niedersächsischer Minister mit den islamischen Verbänden in keinem konstruktiven Dialog. Das zeigt nicht zuletzt an seiner Einsetzung eines “Beraterkreises zur Integration von Muslimen”, der keinen einzigen niedersächsischen Muslim enthält, sowie an der Antwort des Landesverbands der Muslime in Niedersachsen darauf. Es zeigt sich zudem an der Auseinandersetzung um die sog. Moscheekontrollen, wo Schünemann lügen musste, um den Anschein zu erwecken, dass er mit muslimischen Vertretern in Kontakt stünde.

Zurück zum Thema: Die Landesregierung fördert die Integration von Muslimen – als Antwort auf islamfeindliche Angriffe. Er stellt aber auch klar:

Integration stellt sich dabei als ein zweiseitiger Prozess dar, der nicht nur die Zugewanderten sondern auch die Mehrheitsgesellschaft ohne Migrationshintergrund fordert. Einzelne Maßnahmen zur Integration richten sich daher sowohl an die Muslime selbst als auch an die Vertreter der Mehrheitsgesellschaft.

Wie schön: Es gibt Maßnahmen an “Vertreter” der Mehrheitsgesellschaft. Man würde sich ja fast wünschen, es gäbe auch eine Integrationsmaßnahme für Schünemann selbst. Es wird interessant sein zu sehen, welche Maßnahmen an die “Mehrheitsgesellschaft” Herr Schünemann auflistet..

Zu 1: Die Landesregierung hat unter dem Gesichtspunkt der Integration u. a. die folgenden Maßnahmen ergriffen:

Um der steigenden Nachfrage nach Informationen und Beratungswünschen in allen Extremismusbereichen Rechnung tragen zu können, wurde beim Niedersächsischen Verfassungsschutz vor Kurzem die Niedersächsische Extremismus-Informations-Stelle (NEIS) eingerichtet, die alle Präventionsangebote des Verfassungsschutzes bündelt und steuert.

So werden im Rahmen der seit November 2007 mit beachtlicher Resonanz gezeigten und bereits weit in das nächste Jahr ausgebuchten Wanderausstellung “Muslime in Niedersachsen – Probleme und Perspektiven der Integration” einerseits Probleme aufgezeigt, aber auch positive Beispiele gelungener Integration von Muslimen dargestellt und besondere Vorbilder gewürdigt. Die Ausstellung stellt damit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion um die Integration von Muslimen dar.

Und das ist eine Maßnahme gegen fremdenfeindliche Übergriffe?? Die Diskussion über die Integration von Muslimen geht doch am Thema vorbei: Man müsste über die Integrierbarkeit fremdenfeindlicher Menschen diskutieren und aufzeigen, wohin fremdenfeindliche Parolen und Politik führen. Stattdessen diskutiert man die Opfer. Ich kenne zudem die Ausstellung seit ihren Anfängen. Nicht nur war damals die Definition des Islams darin total falsch1, ein nicht geringer Anteil der Ausstellungswände befasste sich mit Extremismus und vor allem mit von Muslimen begangenen terroristischen Anschlägen. Damals waren nicht weniger als ein Drittel der Stellwände mit ausländischem Terror gefüllt, während tatsächlich in Niedersachsen oder zumindest Deutschland lebende Muslime einen sehr geringen Teil ausmachten. Da gewinnt die nächste Aussage des Innenministers an Sarkasmus:

Im Rahmen seines Informations- und Vortragsangebotes an niedersächsischen Schulen und Bildungseinrichtungen stellt der Niedersächsische Verfassungsschutz deutlich die Unterschiede zwischen der Religion des Islam und der extremistischen Ideologie des Islamismus dar. In diesem und in anderen geeigneten Zusammenhängen wird immer wieder darauf verwiesen, dass die Anhänger der Ideologie des Islamismus unter den etwa 4 Millionen Muslimen in Deutschland nur eine sehr kleine Minderheit darstellen.

Ja, und dass es eine kleine Minderheit ist spürt die Mehrheit ganz deutlich, wenn freitags mal wieder die Muslime an der Straßenecke darauf warten, dass die sie kontrollierende Polizei ihnen ihre Pässe und Ausweise zurückgibt! Ich wüsste ja gerne, wie diese Informations- und Vortragsangebote aussehen und wer sie hält. Habe bislang noch nichts davon gehört – und ich unterhalte mich regelmäßig mit mehreren Schulkindern.

Fremdenfeindliche Straftaten haben ihre Ursache häufig in rechtsextremistischen Motivationen. Insofern entfalten die vielfältigen Maßnahmen, die die Landesregierung zur Bekämpfung des Rechtextremismus ergriffen hat, auch in diesem Zusammenhang ihre Wirkung.

Welche Maßnahmen wären das hier speziell, Herr Innenminister?

Vier kommunale Leitstellen für Integration organisieren zum Beispiel Informations- und Dialogveranstaltungen für Imame sowie für Vertreterinnen und Vertreter aus Moscheegemeinden, die in der Regel direkt in integrationsrelevanten Institutionen stattfinden. Bei diesen Veranstaltungen gewinnen Muslime Einblick in gesellschaftliche Strukturen und werden über spezifische Aufgaben ausgewählter Institutionen informiert. Gleichzeitig bieten diese Veranstaltungen den Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Institutionen die Gelegenheit zum Gespräch und zum gegenseitigen Austausch über insbesondere auch von muslimischer Seite eingebrachte Fragestellungen.

Ah, also wieder eine Maßnahme, die an die Muslime gerichtet ist und ihre “Integration” befördern soll. Aber Herr Schünemann, damit erreichen Sie doch nicht die Täter! Indem Sie aber die möglichen Opfer unterrichten, werden keine fremdenfeindlichen Angriffe bekämpft!

Niedersachsen beteiligt sich mit ca. 100 Schulen an dem bundesweiten Netzwerk “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” (SOR-SMC). Im Rahmen des Netzwerkes werden unterschiedliche Formen der “gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit” thematisiert. In dem im Jahr 2008 durch die Bundeskoordination SOR-SMC herausgegebenen Themenheft “Jugendkulturen zwischen Islam und Islamismus” werden sehr differenziert die unterschiedlichen Strömungen des Islam für Schülerinnen und Schüler verständlich dargestellt.

Und wieder: es geht schon wieder um die Muslime und ihre Unterteilung in “gute” und “böse” Strömungen. Die Autoren – vor Allem Jochen Müller und Götz Nordbruch – profilieren sich seit einiger Zeit im Bereich muslimischer Jugend, kommen aber ursprünglich aus der Dämonisierungsecke memri, in der arabische Nachrichten selektiv übersetzt werden, um teilweise im israelisch-palästinensischen Konflikt einen latenten Antisemitismus vieler Araber herzuleiten. Ich kenne die Broschüre zwar nicht, allerdings kann ich mir den Tenor durchaus vorstellen2.

Dadurch, dass Herr Schünemann die Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit mit der Unterweisung der “Fremden” verbindet, sagt er im Prinzip, dass er sie für mitschuldig hält. Wären sie “deutscher”, würden sie nicht verprügelt werden.

Das Verprügeln der armen Frau rückt damit von einer fremdenfeindlichen – ja, rassistischen – Tat weg zu einer Bestrafung für Undeutschsein. Und genau hier springt die Berliner Autorin Barbara Sichtermann ein. Sie würde wahrscheinlich sagen, dass die Tat weniger von Hass auf den Islam, sondern von einer “diffusen Abneigung” gegenüber der “eklatanten Rückständigkeit” geprägt ist, “die mit Einwanderern oder Arbeitsemigranten aus Südostanatolien oder dem arabischen Raum so oft zusammen ins Land dringt”. Und sie meint es im politischen Feuilleton des Deutschland Radios ernst:

Ein Burka-Verbot zum Beispiel erhält plötzlich Sinn, wenn man es als Versuch der Europäer begreift, ihr Straßenbild, das Teil der Öffentlichkeit ist, gegen ein Symbol zu verteidigen, das nichts anderes bedeutet als die äußerst rückständige Überzeugung, dass Frauen in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hätten.3

Es liegt also an den Verprügelten, Sanktionierten, Diskriminierten und Rassistisch behandelten dieses Landes! Ihre Rückständigkeit muss ihnen notfalls mit einem Verbot ihrer Kleidung rausgeekelt werden. Laut der sehr fortschrittlichen Frau Sichtermann ist aber nicht nur die Bekleidung – Burka, Bart oder andere persönliche Auffälligkeiten4 – ein klares Indiz auf eine Rückständigkeit. Auch eine zu tiefe Religiosität bedeutet eine Rückständigkeit, da sie bedeute, dass “der Griff des Klerus auf die Seelen der Gläubigen noch fest ist”. Und das ist selbst dann auf den Islam anwendbar, wenn es im Islam keinen Klerus gibt!

Denn einiger Fakten kann man sich immer sicher sein in Deutschland:

  1. Der Islam ist ein Problem – Muslime sind dadurch mehrere Probleme, aber nicht alle, sondern eine Minderheit. Eine Minderheit, über die man aber immer reden muss.
  2. In Deutschland gibt es nur unter den NPD-Anhängern Rassisten. Alle, die dieselben Forderungen unter anderer Flagge stellen, sind ausdrücklich keine Rassisten.
  3. .. und jeder kann über den Islam reden und tut es auch, auch wenn er keine Ahnung hat.
  1. ich hatte mit einem Bekannten einen längeren Brief geschrieben, in dem wir offensichtliche Fehler erwähnt und korrigiert hatten[]
  2. hier eine Rezension[]
  3. Komisch: Eine ausschließlich in der Öffentlichkeit getragene Bekleidung soll symbolisieren, dass ihre Trägerin in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hätte?! Logik ist wohl auch eine dieser rückständigen Werte, die Frau Sichtermann abschaffen möchte![]
  4. sie gibt demnächst eine Liste dieser rückständigen Merkmale frei[]

Entschuldigung: DAS ist der beste Beitrag zum Mauerfall

authorOmar | 13. November 2009

Wie sehr es in der Berichterstattung (in den USA mehr, in Deutschland noch nicht so sehr) um die Reporter und nicht um das Geschehen geht, stellt das “beste Nachrichtenteam” klar:

Daily Show behandelt Günter Wallraffs “black face”

authorOmar |

Jon Steward und der ’senior black correspondant’ Larry Wilmore bearbeiten das Thema “Black Face” und streift nebenbei Wallraffs neuerliche Maskierung als Schwarzen:

Jon Steward: What if it’s done with the best of intentions? For instance in Germany, a reporter recently painted himself up as a black man to investigate the plight of black-skinned people in Germany. Is that permissible?

Larry Wilmore: Jon, it’s just stupid! Look, if you wanna learn about the black experience in Germany, ASK THE BLACK GUY SITTING NEXT TO YOU!

Reaktionen: Schäuble als Finanzminister – Merkel antwortet nicht

authorOmar | 3. November 2009

Rob Savelberg hat mir einige Links auf Artikel und Videos geschickt, die als Reaktion zu seiner Frage an die Bundeskanzlerin Angela Merkel erschienen sind. Inzwischen wurde das Video auf youtube mehr als 600.000 Mal aufgerufen, obwohl es daneben auch repliziert wurde. Diverse Videoantworten sind dort zu sehen, unter Anderem ein Radio-Interview bei M94.5:

Frontal 21 hat die Frage in einen größeren Zusammenhang gestellt und hat das Video “Toll! Diese Holländer” erstellt. Erst durch den Erfolg des Videos in youtube sind diverse Medien darauf gekommen, Herrn Savelberg zu interviewen. Das hat “Die Welt” getan, in der er ganz klar und unmissverständlich antwortet:

WELT ONLINE: Ist die Spendenaffäre nicht längst Geschichte?

Savelberg: Nein, das ist sie nicht. Der künftige Finanzminister ist für den Haushalt von 82 Millionen Deutschen verantwortlich. In der Spendenaffäre konnte er sich, dazu im deutschen Bundestag befragt, nicht direkt erinnern, von Karlheinz Schreiber eine Spende von 100.000 Mark erhalten zu haben. Er ist demnach nicht verlässlich. Schäuble ist keine saubere Person.

Spiegel Online begnügt sich damit, die Frage des Journalisten und die Nichtantwort Merkels wiederzugeben. Die taz stellt es unter “Video der Woche”:

Souverän war das nicht. Mit versteinerter Miene, wortkarg und strikt nach dem Sprechzettel hat sich Merkel aus der Affäre ziehen wollen – und damit erst zu einem unfreiwillig unterhaltsamen Video beigetragen. Auch dieses wurde auf Youtube bis Donnerstagmittag rund eine halbe Million mal angesehen und tausendfach bewertet.

Da fragt man sich natürlich schon, ob deutsche Journalisten wirklich den Sinn der Frage einzig im “unfreiwillig unterhaltsamen Video” der Woche sehen. Darf man denn nicht verlangen – ob dieses offensichtlich großen öffentlichen Interesses an einer ehrlichen Beantwortung der Frage von Rob Savelberg, dass auch deutsche Journalisten bei nachfolgenden Pressekonferenzen die Frage solange stellen, bis sich Merkel gezwungen sieht, sie zu beantworten?? Oder haben wir uns bereits daran gewöhnt, über die Dummheit der von uns gewählten Vertreter zu lachen und dann auf den nächsten Witz zu warten?

Zum Abschluss fasst die Netzzeitung einige Blogbeiträge zusammen und erinnert an ein Fiasko Helmut Kohls im niederländischen Fernsehen zu einer offensichtlich anderen Zeit:

Der Fernsehauftritt Helmut Kohls in den Niederlanden war ein beunruhigendes Politikum. Kohl ist einem Publikum begegnet, das ihn ungeniert mit Fragen traktierte, die in der Bundesrepublik tabuisiert sind: Berufsverbot, Nazi-Vergangenheit, atomarer Raketen-Ehrgeiz. Jedenfalls erkannten viele Zuschauer in dem Bild der Bundesrepublik, das aus diesen Fragen sprach, ihr Land nicht wieder. Kohl hat sich wacker geschlagen, aber er war dem Dialog nicht gewachsen. Doch zu Hause sahen viele in ihm den nationalen Märtyrer; nie hat der Oppositionsführer so viele Sympathiebriefe bekommen. Die Diskussion war ärgerlich, weil die Fragegruppe gewiß nicht repräsentativ für das politische Spektrum der Niederlande war. Linkslastigkeit mußte den Eindruck einer — den Holländern überlassenen — unfairen Regie erwecken, auch wenn man berücksichtigt, daß die kritische Distanz zur Bundesrepublik nirgendwo größer ist als in diesem Nachbarland.

Natürlich sollte man daran erinnern, dass es keineswegs um ein Wettbewerb “Niederländer gegen Deutsche” geht, sondern vielmehr um eine eigentlich als normal anzunehmende Disziplin von Journalisten, kritische und wichtige Fragen zu stellen. Diese sind nicht zur Unterhaltung da, auch wenn sie oder ihre Beantwortung belustigend wirken können. Sie sind dazu da, die Verantwortlichen in Bedrängnis zu bringen und eine sinnvolle Kontrolle auszuüben. Ich würde mir erhoffen, dass das wieder Normalität unter Journalisten wird.

WDR Zeitzeichen erinnert an den Kalifen Omar Ibn al-Khattab

authorOmar |

Gerade im WDR5 angehört: Ein interessanter Beitrag zum Leben und Wirken Omar Ibn al-Khattabs im Programm “Zeitzeichen” des WDR.

03. November 644: Todestag des Kalifen Umar I.

Umar war einer der ersten Muslime überhaupt und – obwohl mehr als 20 Jahre jünger – einer der Schwiegerväter des Propheten Muhammad. In die zehnjährige Amtszeit Umars als zweiter Nachfolger (Kalif) des Propheten fällt die Eroberung großer Gebiete, die heute islamisches Kernland sind: Palästina, Syrien, Irak, der Südwesten von Persien, Ägypten und das libysche Küstenland bis Tripolis. Die benachbarten antiken Großreiche der Byzantiner in Norden und der Perser im Osten hatten den motivierten muslimischen Kämpfern wenig entgegen zu setzen. Umar ibn al-Khattab war als Kalif an den meisten Eroberungszügen jedoch nicht persönlich beteiligt. Er wurde von einem persischen Sklaven ermordet. Autor: Tobias Mayer © 2009

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Wikipedia spricht vom 7. November als Todestag, aber wen interessiert diese kleine Differenz..

Pierre Vogel: Versammlung der Umma! Wirklich?

authorOmar |

Die üblichen Gruppierungen rund um Pierre Vogel verschicken wieder Emails, nachdem die Schamfrist nach ihrem Debakel um den Fall der fünffachen Mutter Natalie Bracht scheinbar abgelaufen ist1. Diesmal geht es um den Prozess des Mörders von Marwa El-Sherbini, der in der letzten Woche anlief und wohl bis Mitte diesen Monats zuende gebracht wird. Hier ein Auszug aus einer Email, die mich heute morgen erreichte:

Salamu alaikum, es geht um den Mord unserer Schwester in Dresden und eine Versammlung der Umma am [xx].11.2009.

Bitte unbedingt anhören!!! Bis zum Ende!!! Und weiterleiten!!! InschaALLAH kheir.

Mögen soviele Muslime als möglich erscheinen um ENDLICH auch zu zeigen, daß wir eine UMMA sind inschaALLAH !!!

Wirklich? Eine Versammlung der Umma? Und wofür? Wählen wir einen neuen Kalifen? Können wir Pierre Vogel endlich abwählen?

Die Umma, das bin ich

Warum glauben diese Leute2 eigentlich mit ihren knappen hundert Leuten, die zu den “Kundgebungen”3 zum Mordfall Marwa El-Sherbini dazugestossen sind4, “die Umma” zu respräsentieren? Sie beschweren sich ständig, dass die Umma schlafen würde, dabei sind alle wach, schauen auf sie und denken sich: “Mann, ihr Pappnasen, setzt euch hin, ihr habt noch nichts wirklich verstanden und führt euch auf wie diejenigen, die ihr kritisiert.”. Zumindest denke ich so und folge ihrem Beispiel im “Von-mir-auf-andere-Schließen”! ( ;-) ) und gehe weiter: “ihr seid Teil des Problems”. Wer weiß, ob sie – sektiererisch wie sie sonst vorgehen – Marwa zu Lebzeiten auch als gute Muslima bezeichnet hätten. Ich möchte es zwar nicht ausschließen5, glaube aber, dass sie sich selbst diese Frage stellen sollten, weil Marwa El-Sherbini aufgrund ihrer in der Presse kolportierten Lebensweise (trug Jeans, war berufstätig, schickte ihr Kind in die Kita) sicherlich für einige von ihnen überhaupt nicht dem Ideal einer muslimischen Frau entsprochen hätte und so einiges von denen zu hören bekommen hätte.

Aber zurück zum Thema: Eine Versammlung also in Dresden und vor dem Gerichtssaal. Eine Versammlung von Muslimen vor dem Gerichtssaal! Wozu eigentlich?

Ich kenne Pierre Vogel nur von Online-Videos seiner Vorträge, die recht lang und monologisch ablaufen. Auch in der besagten Email wird ein zweiteiliges, 20 Minuten langes Video verlinkt [1,2], in dem Abu-Alia, Pierre Abu-Hamza Vogel, Ebu-Enes und Abu-Adam in vielen Worten eine Versammlung vor dem Landgericht in Dresden ankündigen. Ich tue hier so, als ob ich mit Pierre Vogel diskutieren würde. Dazu habe ich die wichtigsten Teile des Videos in Zitate aufgeteilt6 und meine Kommentare und Fragen hinzugefügt.

Nachfragen an Pierre Vogel

Also: Wozu die Versammlung in Dresden?

Denn wir wollen jetzt, wenn die internationale Presse kommt am Wochenende, wollen wir da sein. [...] Die sollen sehen, hier, das interessiert uns. Wir lassen das nicht mit uns machen. Das Maß ist voll.

Und das geht wie??

Aber wisst ihr was? Wir werden an diesem Tag dort sein und ich sage zu jedem Muslim. [xx].11., kommt mit nach Dresden7. Damit die sehen, guck mal hier, die Muslime kommen an.

Ohja, das hat ja auch in der Vergangenheit so gut funktioniert. Ergo, sollten wir das wieder anwenden! “Die Mooslime kommen” sollten wir als Plakat mitbringen. Vielleicht mit einer karikaturistischen Darstellung eines aufgeregten Muslims? Das wird die internationale Presse sehr gerne mit ins Programm aufnehmen. Vielleicht reichen aber auch die dort stehenden Gestalten als stereotypisches Abbild des Vorurteils gegenüber Muslimen aus?

Und was ist das ultimative Ziel der Veranstaltung vor dem Gericht?

Es geht uns nicht um Marwa … direkt. [...] Wenn so einer fragt, werden wir ihm sagen “ja klar, das überrascht uns nicht, dass sie umgebracht worden ist. Weil hier eine Hetze stattfindet unter Beobachtung der deutschen Regierung und die schämen sich noch nicht mal. Sie schämen sich noch nicht mal, zu sagen, wir haben einen Fehler gemacht, wir müssen die Sachen zumachen.

Hassseiten schließen?

Mit “die Sachen zumachen” ist sicherlich die von Ihnen forcierte Forderung nach Schließung von Seiten gemeint, die gegen Muslime hetzen. Da Sie das nicht nur in diesem Video wieder und wieder betonen, muss ich annehmen, dass Sie der Meinung sind, dass Frieden herrschen wird, wenn erst einmal die Hassseiten geschlossen sind8. Würden denn nicht auch Ihre Vorträge und befreundete Internetseiten unter das Hassseitenverbot fallen? Sie meinen doch Seiten, die

einfach die Propaganda, die damals die Juden umgebracht hat, wirken [lassen]

Die Juden, das sind die, von denen Sie sich nach eigener Aussage fragen,

warum sind sie so mächtig?

Nebenbei Herr Vogel: Wie bringen Sie in Verbindung, dass Juden angeblich so “mächtig” sind und dabei ständig antisemitischen Angriffen ausgesetzt sind? Müssen Sie nicht beantworten.

Größenwahn

Herr Vogel, Sie scheinen ja richtig gut vernetzt zu sein. Ihnen zufolge scheint die internationale Presse nur durch “einige Brüder” auf den Mordfall an Marwa El-Sherbini gekommen zu sein.

Wallahi Brüder, wir waren von der ersten Stunde dabei [Schnitt] hat uns ein Bruder angerufen, der den Bruder kennt, der im Amtsgericht getötet wurde. [Wie bitte??] Der hat gesagt, da ist eine Frau wegen Kopftuch im Amtsgericht getötet worden. Abends sind wir in die Internetseite gegangen, haben geguckt überall, was stand dort im Videotext, “Frau im Gerichtssaal erstochen”. Achso, Frau.. Da siehst du direkt, die wollen es verheimlichen. Am nächsten Tag, nix! Ja, Schaukelstreit!

Naja, ich zweifle daran, dass Presseagenturen eine solche geistige Bestimmtheit als Quelle nehmen. So schlecht sind sie doch nur ganz selten.

Herr Vogel, bei aller berechtigten Kritik: Die rechtslastige “Die Welt” schrieb noch am Nachmittag des 1. Julis, dass “die junge Frau, eine aus Ägypten stammende Muslimin” ein Kopftuch trug. Der Artikel ist noch vor dem Abend erschienen. Wie haben Sie den verpasst?

Zurück zu den Errungenschaften der “Brüder” um Sie herum:

Und wer mal genau aufpasst, der sieht, dass die Medien jetzt kleinlaut geworden sind, viel kleinlauter. Seit diesen Kundgebungen, die wir gemacht haben, haben wir positive Berichte teilweise in den Medien gesehen. Die trauen sich nicht mehr so’n Unsinn zu schreiben.

Wie jetzt? Aber zu den Kundgebungen sind doch – Gott sei Dank – gar keine Medien gekommen. Mal ehrlich: wären sie gekommen, hätten Sie sich nicht nur vor einer noch größeren Öffentlichkeit mit der “Natalie Bracht”-Geschichte blamiert, Sie hätten sogar tatsächlich immer weiter mit den peinlichen Kundgebungen gemacht, wie Sie das immer wieder betont hatten. Welche weiteren Erfolge können Sie denn vorweisen?

Theo [sic] Sarrazin ist total kritisiert worden – teilweise – in den Medien wegen seinen Aussagen. Das heißt aber, warum? Weil wir was getan haben, weil wir gesagt haben “hier, so darf man nicht über uns reden. So darf man nicht verallgemeinern”, aber dazu muss man was tun.

Wow! Die Kritik an Herrn Thilo Sarrazin kam aufgrund Ihrer Kundgebungen? Ich bin erstaunt über so viel Größenwahn! Und nebenbei: Es kam ja bei Weitem nicht nur Kritik an den Aussagen Sarrazins, sondern auch zu einem nicht unerheblichen Teil Zustimmung – im Prinzip so wie diese Quasidiskussionen auch vor ihren Kundgebungen stets gelaufen sind.

Medienauftritt und Quittungen

Einige Brüder, die haben so viel Emails verschickt an internationale Pressegesellschaften, ansonsten wäre die ganze Sache unter den Teppich gekehrt worden. Deswegen ist die Presse jetzt da. Die wollen uns verheimlichen.

Und jetzt sind wir da angekommen, worum es Ihnen genau geht, Herr Vogel: Der große Medienauftritt von den vier Musketieren – oder zumindest von Ihnen – bleibt derzeit aus. Und dafür sollen alle zahlen! Die Muslime, die Ihrem Aufruf folgen, sollen mit ihrer Anwesenheit und ihrer Instrumentalisierung zahlen. Womit müssen alle anderen rechnen?

Die Presse wird zu jedem einzelnen kommen und jemand hat ein Plakat dabei “stoppt die Hetze” usw. Und glaubt mir, da werden die Leute sich wundern, inshaallah wird das dann schööön ins Ausland gehen. Mit uns hat keiner geredet [wozu denn auch?], wollen sie ja nicht, die wollen uns schön in die Extremistenecke reinstecken, dann werden sie’s an dem Tag werden sie ihre Quittung bekommen.

Was steht denn so auf der Quittung?

Ja und wenn es dann zu einem Massenaufschrei in Pakistan, Iran oder Ägypten kommt vor der deutschen Konsulat, dann können wir dann auch nichts dafür. Die hätten zu uns kommen müssen, diese ganzen Verräter9. Ganz klarer Fall. Die wollen uns in die Ecke stellen, die wollen uns als Terroristen darstellen?!

Achso! Den Massenaufschrei hätten Sie nicht zu verantworten, auch wenn er als Konsequenz Ihres Handels entstehen würde10, ja? Aber wie war das denn mit der Verantwortlichkeit im Falle von Alex W.? Sie gehen doch davon aus, dass die antimuslimischen Hetzer eine Mitverantwortung am Handeln von Alex W. tragen. Sie, Pierre Vogel, hatten den Mord doch schon allein anhand der Anti-Islam-Propaganda prophezeit und bringen die Verantwortlichkeit mit folgendem Satz zum Ausdruck, wo Sie Alex W. beschreiben:

[über Alex W.] “Von jemand, der von den Zehspitzen bis zur Haarspitze mit Anti-Islam-Propaganda vollgepumpt war.”

Also, wie jetzt? Sind Hetzer für die Konsequenzen ihrer Hetze verantwortlich oder nicht? Ich würde ja dafür plädieren, dass das der Fall ist. Das ist immer dann der Fall, wenn jemand gegen eine Gruppe agitiert und sie verunglimpft und somit – wenn auch nur indirekt – Gewalt gegen diese Gruppe rechtfertigt. Das ist aber auch der Fall, wenn gegen einen Staat agitiert wird oder Lügen darüber verbreitet werden, wie Sie das etwa unlängst ohne maßgebliche Richtigstellung im Falle von Natalie Bracht taten. Oder zählt das nicht? Aber Sie sagten doch selbst,

Und ich weiß ganz genau, bei vielen Brüdern ist das Maß ganz gewaltig voll.

Ja, nämlich teilweise auch so voll, dass Ihr Anstacheln diese Brüder dazu bringen könnte, Gewalt anzuwenden. Sie gehen doch selbst davon aus, dass als Resultat ihrer Agitation Massenausschreitungen in “Pakistan, Iran oder Ägypten” stattfinden könnten. Da reicht es nicht, sich gegen Gewalt auszusprechen, wenn man die Konsequenzen seines eigenen Handels nicht abwägt oder diese sogar stillschweigend hinnimmt. Haben Sie mal darüber nachgedacht?

Also, lieber Pierre Vogel, nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um über das nachzudenken, was Sie tun. Ist es wirklich ein konstruktiver Beitrag zum Zusammenleben in Deutschland oder ist es nicht eher dämlicher Aktionismus, der kein klares Ziel hat und im Prinzip nur Medienhascherei ist? Als Maßstab mag gelten, ob sie auch ruhig über die Sache reden können – und zwar am Tisch, im Dialog, ohne schreien zu müssen, ohne Zuschauer, ohne Kamera und vor allem ohne internationale Presse. Wenn Sie das hinter sich haben, dann können Sie das vielleicht besser bewerten.

Unabhängig von dem Ergebnis dieser recht interessanten Untersuchung, wäre ich froh, wenn Sie in Zukunft nicht automatisch davon ausgehen würden, dass Sie die Umma vertreten oder dass alle anderen Muslime “schlafen” würden. Und bitte, geben Sie auch nicht vor, dass Sie die Zukunft sehen könnten, das ist doch arg unislamisch, wenn ich das mal so seicht ausdrücken darf.

  1. leider ist mein Artikel diesbezüglich immer noch nicht fertig[]
  2. konkret meine ich hier: Abu-Alia, Pierre Abu-Hamza Vogel, Ebu-Enes und Abu-Adam[]
  3. kund getan haben sie nur recht wenig Konkretes und die Forderungen – typischerweise “schließt die ‘Hassseiten’” – können unüberlegter nicht sein[]
  4. von denen die meisten selbst mitorganisiert und aufgerufen haben[]
  5. ich kannte sie letztlich ja auch nicht[]
  6. die Grammatikfehler und komischen Satzbauten sind nicht mir geschuldet! Die Zitate sind von mir neu geordnet.[]
  7. an anderer Stelle ruft Pierre Vogel sogar explizit “alle” Muslime auf und zählt extra Schiiten und Sufis auf. Von Mitspracherecht sagt er nichts. Dafür gibt es aber gerne ein Fürspracherecht..[]
  8. Nicht “Meinungen machen Seiten”, sondern “Seiten machen Meinung”. Natürlich stimmt beides, aber vor allem stimmt, dass die Meinungen nicht verschwinden werden, wenn man die Seiten verbietet[]
  9. ja, ich weiß. Es ist nicht klar, wen er eigentlich mit “Verräter” meint.[]
  10. was ich persönlich für ziemlich unwahrscheinlich halte[]

Schweigen in der Sache – Berichterstattung, die umhaut!

authorOmar | 1. November 2009

in der ZDF-Mediathek findet sich neuerdings ein Video aus der Sendung ZDF aspekte vom Freitag, den 30.10.2009. Unter dem Titel “Schändliches Schweigen” geht darin eine Frau Anna Bernard angeblich auf “den Fall” der ermordeten Marwa El-Sherbini ein. Wie sie das tut wäre sehr witzig, wenn es denn nicht so traurig gewesen wäre. Erst die Ansage:

Am 1. Juli wurde eine junge Ägypterin im Landgericht Dresden von einem Russlanddeutschen mit 16 Messerstichen ermordet. Danach wurde die Frage gestellt, ob es in Deutschland ein unterschwelliges rassistisches Klima gibt. Diese Frage stellte man sich natürlich auch in der islamischen Welt – vor Allem in Ägypten. Diese Woche hat nun der Prozess gegen den 28-jährigen Angeklagten begonnen – der tobt im Gerichtssaal, schweigt aber in der Sache.

Das nehmen sich scheinbar die Macher dieses Programms zum Motto: Schweigen in der Sache! Aber eins nach dem Anderen. Mit welchen Mitteln des hohen Journalismus möchte die Reporterin nun an den Fall herantreten. Wie wird sie “den Fall Marwa El-Sherbini” behandeln?

Meine Kollegin Anna Bernard hat mit zwei Autoren über den Fall gesprochen, die beide Kulturkreise sehr genau kennen. Der eine ist der berühmteste ägyptische Schriftsteller, Alaa Al-Aswani, der andere der Wissenschaftler Hamed1 Abdel-Samad, der seit Jahren in Deutschland lebt. Und beide kommen zu bemerkenswerten bis sehr selten gehörten Erkenntnissen.

Man muss wissen, Hamed Abdel-Samad ist seit 1995 in Deutschland – das sind 14 Jahre – hat sich seine deutsche Staatsbürgerschaft mit einer Scheinehe erschlichen2, “litt an Amnesie, Bandscheibenvorfall und Magenblutungen, hörte Stimmen und hatte Halluzinationen” sodass er in die Psychatrie eingeliefert wurde, wo er angeblich Selbstmordversuche unternahm. Wie lange er dort verbrachte, fand ich nicht heraus. Er ist wohl derzeit dabei zu promovieren3. Seit 1995 hat er etwas mehr als ein Jahr in Japan verbracht, offenbar lange genug, um seine “wahre Liebe” zu finden. Damit müsste sich seine tatsächliche Verweildauer in Deutschland sogar auf unter 14 Jahre belaufen. Trotzdem soll er Deutschland “genau” kennen.. Da hätte ich noch ein paar andere ‘Deutschlandkenner’, die ein gänzlich anderes Meinungsbild wiedergeben würden – und vielleicht sogar etwas zum Fall zu erzählen hätten.

Der andere Interviewpartner ist Alaa Al-Aswani – bei weitem nicht der berühmteste Schriftsteller in Ägypten, dafür aber scheinbar der berühmteste ägyptische Schriftsteller im Westen, weil er anscheinend pornografische Filmelemente nutzt. Woher man die Annahme nimmt, dass dieser Mensch die Kultur Deutschlands “genau” kennt, erschließt sich mir nicht, da er selbst im Interview mit dem deutschen Fernsehkanal auf Französisch antwortet. Ist “Deutsch” nicht Teil der deutschen Kultur? Dann muss man sich wieder fragen, warum gerade er zum Interview herangezogen wird, wo es genügend Deutsch-Ägytische und ägyptische Kulturvereine in Deutschland gibt, die die Situation wahrscheinlich weit besser beurteilen können und auch noch die Fragen auf Deutsch beantworten können.

Nach einer kurzen Einleitung, in der dem Zuschauer kurz der Hergang des Mordes an Marwa El-Sherbini erklärt wird, kommt zunächst Alaa Al-Aswani4 dran, der zumindest seine Aussage präzise wiedergeben kann:

Erstens, hat es fast eine Woche gedauert, bis es von offizieller Seite eine erste Reaktion gab. Und zweitens, selbst in den deutschen Medien wurde dieses Verbrechen erst thematisiert, als es in Ägypten Proteste und Demonstrationen gab. Wir in Ägypten stellen uns ehrlich gesagt immer die Frage, wäre das Opfer aus Israel gewesen, hätte die deutsche Regierung auch so reagiert?

Dann ist Hamed Abdel-Samad an der Reihe und spricht in scheinbar gebrochenem Deutsch – zumindest was seine Aussprache angeht. Ihm wurde aber scheinbar keine Frage zum Mordfall gestellt, sondern vielmehr zur Reaktion in Ägypten. Hier vollzieht Frau Bernard schon die Wende weg vom eigentlichen Thema, hin zur Reaktionsqualifizierung. Eben: “Schweigen in der Sache”!

Das hat auch – wiederum – etwas mit dem Selbstbild der Muslime zu tun – mit dem Beleidigtsein der Muslime zu tun. Muslime spüren seit Generationen ein Gefühl der Demütigung und Ohnmacht gegenüber dem Westen. Ob es Muhammad-Karikaturen, ob es die Papst-Rede in Regensburg oder eine britische Lehrerin, die ihren Teddy-Bär Muhammad nennt – Muslime finden immer einen Anlass, gekränkt und gedemütigt zu werden.

Interessante Auflistung! Die Muhammad-Karikaturen, in denen ein Staat noch nicht einmal den Vorwurf der Volksverhetzung verfolgen wollte und der erst zum Thema wurde, als Muslime auf die Straße gingen, wird mit der Rede des Papstes in Regensburg verglichen, bei der gerade Muslime mit einem offenen Brief und einer offenen Einladung einer Pöbeldiskussion aus dem Weg gingen und das wiederum mit einer tatsächlichen Pöbeldiskussion mit “Happy Ending”, die nun von Islamophoben auf der ganzen Welt missbraucht wird5, wo sich aber vor allem auch Muslime eingesetzt hatten, um dieses Ende herbei zu erarbeiten. Hauptsache ist: Muslime sind doch immer beleidigt! Zur Bestätigung benutzt die Sprecherin die angebliche Beschwerde einiger Muslime gegen die Schalke-Hymne und den ‘hach so netten’ Vorschlag, Toilettenpapier mit dem Koran zu bedrucken6. All das wird zur Bestätigung der als Buchtitel veröffentlichten Aussage von Abdel-Samad “Ich bin Moslem, also bin ich beleidigt” herangezogen.

An dieser Stelle fragt man sich, was man zum Mordfall alles erfahren hat, nach mehr als der Hälfte des Films, genauer gesagt, nach 4 Minuten und 40 Sekunden von insgesamt 6 Minuten und 37 Sekunden. Das Resultat geht stark gegen Null. Aber dann wird es noch besser: Die restliche Zeit wird vor allem von einer Biographie von Hamed Abdel-Samad dominiert7, wo vor allem seine psychischen Probleme beschrieben werden und dann – das ist richtig interessant – auch von ihm auf die ganze muslimische?/arabische? Gesellschaft ausgeweitet wird. Abdel-Samad:

In der Psychatrie schreibt er sich seine Geschichte von der Seele – mit schonungsloser Offenheit.

Abdel-Samad: Ja, es war ein Kampf, erstmal zu verstehen, was ist in meinem Leben schief gelaufen ist und damit war die Frage verbunden, was ist in unser Kultur schief gelaufen. Warum gibt es so viel Gewalt? Warum gibt es so viel Doppelmoral? Warum sind wir nicht fähig, unverkrampft, über unsere Religion, über unsere Probleme zu sprechen?8

Meine Analyse: Da muss jemand dringend wieder in die Psychatrie. Er übt nämlich keine Selbstkritik, er kritisiert alle anderen um ihn herum und schiebt seine eigenen Probleme auf die “Kultur” und wirft allen anderen Muslimen/Arabern/Ägyptern(?) vor, sie lebten in Gewalt und Doppelmoral. Typisches Von-sich-auf-andere-Schließen, wie man ihn bereits von anderen Kronzeugen islamophober Mitbürger kennen. Die Sprecherin sieht das ein wenig anders:

Was er von seinen Landsleuten erwartet, hat er vorgemacht: Aufklärung durch Tabubruch!

Und jetzt will die Sprecherin den Kreis schließen. Denn eigentlich ging es doch nicht um die Araber/Muslime/Ägypter oder auch nur um Herrn Abdel-Samads Probleme, sondern vor allem um den Mordfall an Marwa El-Sherbini.

Fehlende Aufklärung führt zu Aggressionen. Auch bei uns. Der Mord von Dresden beweist es. Eine Tat – zu furchtbar, um sie zu relativieren9 oder zu instrumentalisieren. Marwa El-Sherbini sollte in diesem Gebäude Gerechtigkeit widerfahren. Stattdessen verlor sie ihr Leben. Tragischer hätte diese Geschichte nicht ausgehen können.

Und das sind tatsächlich die letzten Worte in diesem Bericht! Was diese Sätze mit den Interviews und der Kurzbiographie zu tun haben, wird wohl keinem wirklich klar. Ich denke mal, der Frau ist aufgefallen, dass sie im Bericht fast nichts zum Fall selbst sagt.10

Der Bericht ist ein einziger Witz und im Falle des öffentlichrechtlichen Fernsehens eine Art, öffentliche Gelder zu verschwenden. Aber ich bin natürlich der beleidigte Muslim. Ein Bild von mir (oder irgendeinem anderen “muslimischaussehenden” Menschen), wie ich ein groteskes Plakat mit Forderungen nach Mord und Totschlag des Westens hochhalte, müsste noch gesucht werden, um der Sache gerecht zu werden. Herr Abdel-Samad, übernehmen Sie.

An die Kommentatoren: Erst nachdenken, dann schreiben!

  1. sie spricht das eher wie “Hachmed” aus, aber das nur nebenbei[]
  2. wie er selbst zugibt[]
  3. und allein deshalb nicht “Wissenschaftler”, sondern angehender Wissenschaftler..[]
  4. lustig, wie Frau Bernard seinen Namen total falsch ausspricht ‘Ala A Al-Aswani’[]
  5. übrigens: darüber beschwert sich keiner; nur darüber, wenn Muslime einen Mord für eigene Forderungen nutzen..[]
  6. “gegen die Frau wird eine ‘Fatwa’ erlassen” sagt die Sprecherin, aber nicht, was der Inhalt der Fatwa ist.[]
  7. bis zur 6. Minute und 10 Sekunden[]
  8. grammatikalische Fehler nicht von mir![]
  9. ja, wer macht das wohl??[]
  10. im Übrigen: damit liegt folgende zeitliche Verteilung vor:

    • Einleitung: 48 Sekunden
    • Zusammenfassung: 24 Sekunden
    • Aussage Alaa Al-Aswani: 58 Sekunden
    • Biographie Alaa Al-Aswani: 10 Sekunden
    • Aussage Alaa Al-Aswani: 12 Sekunden
    • Aussage Hamed Abdel-Samad: 44 Sekunden
    • Beispiele zur Stützung von Abdel-Samads Aussagen: 44 Sekunden
    • Biographie Hamed Abdel-Samad: 125 Sekunden
    • Zusammenfassung: 27 Sekunden
    • Ausspann: 5 Sekunden

    In anderen Worten: Für den Mord an Marwa El-Sherbini ist die Biographie von Hamed Abdel-Samad ganz wichtig!! []

Toll! Diese Holländer

authorOmar | 30. Oktober 2009

Frontal 21 hat ein schönes Video zur Frage von Rob Savelberg zusammengestellt. Damit ist zumindest die für Merkel unangenehme Frage in den öffentlichrechtlichen Sender ZDF gekommen – auch wenn nur in Form von Satire. Auf der einen Seite kann man mit Satire und Ironie so Einiges ausdrücken, was man ohne nicht ausdrücken könnte. Auf der anderen Seite sagt das ja nur, dass eine ernsthafte Behandlung und Nachverfolgung des Themas nicht machbar ist – und das sollte uns zu denken geben!1

  1. Satire gegen die Regierung machen sich Menschen vor allem in authoritären Systemen zunutze![]