Category: Islam

Muslimischer Imamrat spricht sich für eigene Rechtsprechung aus

authorOmar | 15. März 2010

*** EILMELDUNG ***

Nachdem im Laufe der Woche muslimische Verbände Kritik an der Zusammensetzung der nächsten Islamkonferenz des Innenministeriums geäußert und mit dem Ausstieg gedroht hatten, meldet sich nun der deutsch-muslimische Imamrat (DEMIR) zu Wort und fordert Konsequenzen. Das Scheitern der Islamkonferenz sei als Zeichen zu deuten, dass Muslime ihre eigene Rechtsprechung bräuchten. “Vor allem auch zur Verfolgung diverser ‘Auffälligkeiten’ könnte eine solche Rechtsprechung äußerst sinnvoll sein”, sagte der Ratsvorsitzende Sheikh Semir Ilgar.

Fälle von Zwangsheiraten und Ehrenmorden ebenso wie Prügelstrafen in Koranschulen und Aufruf zum Mord an Ungläubigen würden zu den Hauptfällen gehören, die sich der Imamrat besonders genau anschauen möchte. Sheikh Semir Ilgar betonte, dass der Imamrat selbst die höchste Instanz der Beurteilung von Fehlverhalten sein wird und zugleich in allen ihm vorgetragenen Fällen sehr eng und intensiv mit den Strafverfolgungsbehörden arbeiten wird, wo es angemessen und richtig ist.

Sheikh Semir Ilgar: “Wenn Opfer und Täter sich bei uns melden, muss zusammen mit den Opfern und Tätern entschieden werden, wie die Staatsanwaltschaft mit ins Spiel kommt. Wir raten dringend den Opfern, dass sie die Staatsanwaltschaft hinzuziehen, verpflichten auch die Täter, aber das geht alles nicht automatisch. Das muss klug und je nach den Umständen sorgfältig erwogen werden.”

Muslime brauchen eine eigene Ordnung, die sich vor allem auf die Moscheen erstreckt und eine Rechtsordnung vor allem im Falle von Auseinandersetzungen zwischen den Gemeindemitgliedern beinhält.

Kritiker behaupten, dass ein solcher Schritt die Rechte der Opfer stark untergraben würde. Der Frankfurter Psychologieprofessor Hans-Ulrich Feidsche sagte dazu laut der Muslimischen Nachrichtenagentur (MNA):

“Es ist zu erwarten, dass eine eigene Rechtsordnung dazu führen wird, dass Missbrauchsfälle im Sinne der Umma – also der Gemeinschaft der Muslime – vertuscht werden, da sie ein negatives Licht auf diese werfen. Schaden wird das vor allem den Opfern, die keine Gerechtigkeit erfahren und – wegen mangelnder Erwartung von Gerechtigkeit – früher oder später die Straffälle nicht mehr berichten würden.”

Der Vorstand des deutsch-muslimischen Imamrats ist da ganz anderer Meinung. Auf die Kritik angesprochen antwortete Sheikh Semir Ilgar:

“Wir sind alle Menschen. Ich kann nicht garantieren, dass das nicht stattfinden wird. Aber wir als deutsch-muslimischer Imamrat haben seit geraumer Zeit den Posten der Vertrauensperson eingerichtet, an den sich jedes Missbrauchsopfer wenden kann. Die Dinge werden untersucht, geklärt, dann gehen wir an die Staatsanwaltschaft und so weiter und so fort. Also wir müssen diese Ordnung einhalten, die verpflichtend für alle Moscheen besteht.”

Quelle: Deutschland Radio

Ein mörderischer Freitagmorgen in Kabul

authorOmar | 26. Februar 2010

Dieser Bericht ging heute morgen von Belal El-Mogaddedi aus Kabul, Afghanistan ein.

Wie weit können sich einige Menschen von der grossartigen Botschaft des Islam entfernen und dennoch behaupten für seine Botschaft einzutreten?

Heute morgen bin ich gegen 06 Uhr 30 durch eine gewaltige Explosion, deren Druckwelle die Fensterscheiben meines Schlafzimmers in Tausend Stücke zerbrechen liess, aus dem Schlaf gerissen worden. Wie sich kurze Zeit später bestätigt, handelt es sich bei der Explosion nicht, wie zunächst von mir vermutet, um eine Boden-Boden Rakete, sondern um eine Autobombe, die 200 Meter von meinem Aufenthaltsort im Kabuler Stadtteil Schar-i-Nau gezündet worden ist. Anschlagsziel ist das beliebte Kabuler Einkaufszentrum “Safi Landmark” gewesen, in dem sich neben zahlreichen Boutiquen und Restaurants, im obersten Stockwerk ein, auch von Ausländern gern aufgesuchtes Hotel befindet, das dem Besucher eine wundervolle Aussicht auf die Hauptstadt Afghanistans bietet.

Die grüne Glasfassade des Gebäudes ist massiv beschädigt, und die vielen kleinen Läden im näheren Umkreis sind in starke Mitleidenschaft gezogen worden.

Nach ersten Informationen sind heute morgen zwei Fahrzeuge in die Kreuzung vor dem “Safi Landmark” eingefahren. Die Insassen der Fahrzeuge tragen Polizeiuniformen und geben vor, auf Patrouille zu sein. Aus diesem Grund lassen die an jeder großen Kabuler Kreuzung positionierten Beamte, sie bis vor den Haupteingang des Gebäudes vorfahren. Dort steigen mehrere Personen aus und erschiessen die vor dem Gebäudeeingang stehenden, vollkommen überraschten, privaten Wachmänner. Während die Polizei an der Kreuzung das Feuer auf die Angreifer eröffnet, wird das zweite Fahrzeug vor einem weiteren Eingang des Gebäudes zur Explosion gebracht. Die wuchtige Explosion lenkt die Aufmerksamkeit der Sicherheitskraefte für wenige Momente von den Angreifern ab, so dass die Bewaffneten in das Gebäudeinnere eindringen könenn, und ihr mörderisches Treiben fortsetzen. Nach ersten Angaben hat es mindestens zehn Tote gegeben, aber es ist anzunehmen, dass dieser Angriff mehr Menschen das Leben gekostet hat. Der ersten Explosion folgen mehrere kleine Explosionen und heftige Feuergefechte mit schweren und leichten Feuerwaffen in den Seitenstraßen, Auseinandersetzungen, die sich zum Teil direkt vor meiner Haustür abspielen.

Gegen 08 Uhr 30 ereignet sich noch einmal eine schwere Explosion, ob es sich dabei um eine weitere Autobombe handelt, ist immer noch nicht bekannt. Seit 10 Uhr 00 herrscht Ruhe, die Schüsse sind verstummt, wie auch die Sirenen der Rettungswagen; jetzt, nach über zwei Stunden können keine Menschen mehr gerettet werden, die Zeit der Leichenwagen is gekommen. Kabul ist still, totenstill.

Der Stadtbezirk ist abgeriegelt, fuer den privaten Verkehr blockiert, die afghanischen und internationalen Fernsehsender zeigen die ersten Bilder vom Anschlagsort. Menschen stehen auf den Strassen vor dem Anschlagsort, ihre Verzweiflung steht ihnen ins Gesicht geschrieben, einige weinen. An Gewalt, Mord und Tod kann sich niemand gewöhnen, will sich niemand gewöhnen.

Ich höre wie in den umliegenden Gebäuden die Glassplitter zusammengekehrt werden, und wie sie klirrend in Metalleimer fallen; die ersten Aufräumarbeiten haben begonnen. Die Sachschäden können behoben warden, aber heute werden aus vielen afghanischen Haushalten Klagegesänge ertönen, tränenerstickte Stimmen zu hören sein, Kinder um ihre Väter, Frauen um ihre Ehemänner, Eltern um ihre Söhne trauern, und Angehörige in den kärglich ausgestatteten Krankenhäusern am Krankenbett um das Leben ihrer Lieben bangen.

Heute ist der Geburtstag des Propheten des Islam, Mohammad. In einigen Ländern der muslimischen Welt wird dieser Tag, der keinem religiösen Ritus entspricht, aber sich als eine Tradition in die Lokalkultur eingebürgert hat, mit Rezitationen aus dem Quran und besonderen Armenspeisungen gefeiert. Gestern hat die private afghanische Fernsehstation “Ariana” den bekannten Film “The Message” gezeigt, in dem in wunderbarer Weise der Beginn und die befreiende Entfaltung des Islam nachgezeichnet wird, ein filmisches Kunstwerk, ein Plädoyer für den Islam, produziert in den 1970iger Jahren von Moustapha Akkad, der vor wenigen Jahren selbst bei einem Terroranschlag in Jordanien gestorben ist. Dieser Film bewegt mich immer wieder, auch wenn ich ihn schon unzählige Male gesehen habe, zeigt er doch die vom Propheten gelebte beispielhafte Praxis des Islam auf, geprägt von Barmherzigkeit, Vergebung, Edelmut, Tugendhaftigkeit, Aufrichtigkeit und vor allem Gerechtigkeit. Die Nachrichtensender lassen verlauten, dass der Sprecher der Taliban Zabiullah Mujahid die Verantwortung für den morgendlichen mörderischen Anschlag übernommen hat. Wie weit können sich einige Menschen von der grossartigen Botschaft des Islam entfernen und dennoch behaupten für seine Botschaft einzutreten?

Durch mein glasloses Fenster überhöre ich ein kurzes Gespräch zwischen zwei Sicherheitsbeamten, die gemeinsam die Scherben der Fensterscheiben ihres kleinen Zimmers, unweit von meiner Wohnung gelegen, aufsammeln:” Gott sei es gedankt, dass wir zum Morgengebet wach geworden sind und nicht im Zimmer waren, als die Scheiben zerbarsten, sonst wären wir wohl nicht heil davon gekommen. Alhamdulillah!” Die Menschen halten unbeirrbar an ihrer Religion fest; sie wissen, dass Terrorismus von den Lehren des Islam nicht abgeleitet werden kann. Ihre Religion hat nichts mit der Überzeugung einiger weniger Verblendeter zu tun; dies gibt Hoffnung auf ein bessere Zukunft, wie auch der Ruf des Muezzin in der Moschee nebenan, der die gläubigen Muslime gerade zur Teilnahme am Freitagsgebet aufruft. Viele werden auch heute dem Ruf folgen, trotz der nassen Kälte, trotz der aufgweichten Zufahrtswege, trotz eines mördersichen Fanatismus, der heute morgen wieder einmal seine hässliche Fratze gezeigt hat. Die Menschen dieser Stadt, dieses seit 30 Jahren von Invasion, Krieg und Besatzung geschundenen Landes geben ihre Hoffung auf eine bessere Zukunft nicht auf.

P.S.: Ich gehe in den Garten meines Hauses und entdecke in einem Blumenbeet ein fast künstlerisch anmutendes Stück Metall. Bei näherer Betrachtung stelle ich fest, dass es sich um ein Stück des Autos handelt, das heute Morgen unweit von meiner Wohnung explodiert ist. Ausdruck der Kunst des sinnlosen Töten!

Vor zwei Tagen sind 29 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder bei einem Angriff durch Natoflugzeuge in der Provinz Uruzgan ermordet worden, von diesem Anschlagsort habe ich keine Bilder gesehen. Dort hat die hochmoderne Technik feige gewütet. Sinnlos ist auch diese Kriegskunst gewesen, wie so vieles in diesem schmutzigen und unehrlichen Krieg am Hindukusch.

M.Belal El-Mogaddedi, Kabul-Afghanistan

Alexander Schuller verbreitet Lüge vom Weihnachten-verbietenden Muslim

authorOmar | 26. Januar 2010

Professor Alexander Schuller hat einen sehr wirren Kommentar im DeutschlandRadio abgegeben. Den Schlußsatz könnte man gar als ein Plädoyer für einen ‘Gottesstaat’ (oder zumindest für eine Theokratie) verstehen, würde er sich damit nicht hinter einem Zitat verstecken:

Der Soziologe Eric Voegelin meinte, uns fehle die Einheit von Glaube, Gedächtnis und Politik. Man darf diesen verlorenen Schatz ruhig Transzendenz nennen.

Aber das eigentliche Problem ist die Weiterverbreitung der Mär vom Intolleranten Muslim. Anbei eine Email, die ich der Dradio-Redaktion geschickt habe:


Sehr geehrte Dradio-Redaktion,

gerade las ich den Kommentar von Alexander Schuller und ich bin enttäuscht über ein so niedriges Niveau der Recherche – auch wenn es nur für einen Radiokommentar sein soll!

Hauptsächlich stört mich, dass die Lüge vom Weihnachten-verbietenden Muslimen immer weitergesponnen wird! Qaradawi – mag man ihn noch so sehr für andere Dinge kritisieren – hat nie Weihnachten verboten oder in dieser Hinsicht für die Einengung der Religionsfreiheit von Christen plädiert. Diese Nachricht hatte der Spiegel in Anlehnung an eine tendenziöse Übersetzung und falsche Überschrift des sehr einseitigen “Instituts” Memri transportiert. Der Spiegel hat sich leider nie dafür entschuldigt! Mehrere – vor allem deutsche – Medien haben es ihm nachgemacht. Der österreichische “Der Standard” hat die Nachricht ebenfalls übernommen, später sich aber dafür entschuldigt und die Falschmeldung entfernt. Eine Richtigstellung hatten verschiedene Kommentatoren – u.a. Tarafa Baghajati und Mohamed Ibrahim – geliefert1.

Es ist eine Schande, dass eine solche Lüge immer weiter verbreitet wird und dazu beiträgt, dass der Eindruck vom intoleranten Muslim verstärkt wird. Dass man einem solchen Kommentar ohne weitere Überprüfung oder Qualifizierung auch noch eine Bühne gibt, das ist schon problematisch.

Unabhängig davon habe ich ein Problem mit der Logik in diesem Beitrag. Zunächst stellt der Kommentator richtig fest, dass Erzbischof Reinhard Marx den Weihnachtsmann als heidnisch und kommerziell verschrien hat. Dann aber deduziert Herr Schuller, dass der Erzbischoff mit dieser Aussage die Religionsfreiheit verteidige. Wie bitte? Der Mann hat lediglich – seiner Meinung nach – ein Fehlverhalten unter Christen bemängelt. Mit anderen Religionen kann es ja nur insofern zu tun haben, als er offensichtlich die Überzeugung von Millionen “Heiden” für nicht relevant hält – also gewissermaßen ihre Religionsfreiheit nicht so hoch ansieht.

Genauso, wie er die Aussagen des Erzbischoffs als Kampf für die Religionsfreiheit umdeutet, so deutet er die Falschaussagen von Qaradawi – und spricht gar von Terror!

Der Erzbischof kämpft für die Religionsfreiheit, für die Freiheit des guten Imam Jussuf also, das Christentum zu beseitigen. Wer für die Freiheit eintritt – die Religionsfreiheit in diesem Fall – dem kann es also passieren, dass er gegen die Freiheit und für den Terror eintritt.

Die beiden Zitierten haben tatsächlich eine Sache gemeinsam: Sowohl Al-Qaradawi als auch Erzbischof Marx haben den Kommerzdrang kritisiert und dass Menschen für den Kommerz alles tun würden! Mit Religionsfreiheit hat das natürlich nichts zu tun und hört sich sogar gar nicht mal so unsinnig an wie ein Verbot eines religiösen Festes – aber wo würde dann die These vom Kampf der Kulturen bleiben, wenn nicht deutsche Kommentatoren tagein-tagaus sie heraufbeschwören würden?

Ich habe einen Vorschlag: Wie wäre es, wenn Sie einen Gegenkommentar erlauben würden? Ich hätte ein paar Vorschläge, wen Sie dafür gewinnen könnten.

Mit freundlichen Grüßen,

  1. der zmd kommentierte die Falschmeldung[]

Dr. Aydin Findikçi antwortet auf meine Kritik — nicht

authorOmar | 7. Januar 2010

Vor zwei Tagen hatte ich Herrn Dr. Aydin Findikçi eine Email als Antwort auf seinen in der “Welt Online” veröffentlichten Gastbeitrag “Veraltete Koran-Auslegung bremst die Integration”. Gestern (6.1.2010) hatte er mir eine nette Antwortemail geschickt, die allerdings wenig mit meiner Kritik zu tun hatte. Hier ist sie unzensiert:

vielen herzlichen dank für ihre mühe bezüglich meines voh ihnen studierten beitrages. es ist schön zu erfahren, dass sie kein islamist sind. denn die islamisten gefärden den dialog, den weltfrieden und die integration der islamagehörigen in die pluralistischen gesellschaften. daher finde ich es gut dass sie sich von islamisten unh ihren scheria distanzieren. übgigens bin ich ursprünglich nicht aus einem arabischen land, und das ist auch gut so. die türkei ist das einzige land unter “islamischen gesellschaften”, in dem die islamangehörigen dank mustafa kemal atatürks revolotionen einigermassen ihre galuaben trotz islamisten praktizieren können. deutschland ist die gewolte heimat von Ismanangehörigen, in der sie ihre religion ausüben dürfen, und ich wehre mich nur gegen die islamisten, die unser grundgesetz für sich instrumentalisieren um den koran zu misbrauchen. dagegen werde ich weiterhin nicht schweigen. und ich finde es gut, dass ich in diesem kampf nicht alleine bin.immer mehr islamangehörigen distanzieren sich von islamisten. diese entwicklung macht mir mut, mich gegen die islamistischen gefahr zu stellen. es freut mich, dass sie mitdabei sind.

ich wünsche ihnen alles gute und allah möge ihnen bei ihren bemühungen helfen, um den richtigen weg zu finden.

beste grüße
aydin findikci

Ich wundere mich über einen solchen Umgang mit Kritik. Entweder er hat sie nicht verstanden oder er macht sich darüber lustig?? Jedenfalls antworte ich ihm:

Herr Findikci,

entweder Sie haben meine Email nicht gelesen oder nicht verstanden – oder aber ich verstehe eine gewisse Ironie nicht, die Sie mit Ihrer Antwort auszudrücken versuchten! In jedem Fall frage ich mich, wie ernst Sie Ihre Leser und sich selbst nehmen, wenn Sie so auf Kritik reagieren.

In Ihrer Antwort gehen Sie auf meine Kritikpunkte allesamt nicht ein.

Ich bitte Sie also noch einmal, meine Email zu lesen und mir möglichst zu antworten. Schließlich soll Ihr Gastbeitrag ja ernst gemeint sein und dementsprechend sollten Sie auch für eine Diskussion über die von mir angesprochenen Fehler doch zur Verfügung stehen. Im Sinne der Öffentlichkeit würde ich dann unsere Diskussion – vor Allem Ihre Antworten auf meine Einwände – gleichberechtigt auf meiner Internetseite veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ich habe natürlich viel an seiner Antwort auszusetzen. Nicht zuletzt auch die Formulierung “übgigens bin ich ursprünglich nicht aus einem arabischen land, und das ist auch gut so.” Dass er den authoritären und zuweilen diktatorischen Atatürk anscheinend verehrt, sagt das Übrige und steht im Widerspruch zu seiner Forderung an hinsichtlich der “Verinnerlichung der Demokratie”.

Dr. Aydin Findikçi: Gegen jede Wissenschaft. Gefährliche Islamisten unter uns!

authorOmar | 5. Januar 2010

Dr. Aydin Findikçi hat einen Gastbeitrag mit dem Titel “Veraltete Koran-Auslegung bremst die Integration” bei der “Welt Online” geschrieben, den diese mit “mit einem falschen Islamverständnis in Deutschland aufräumen” bewirbt. Der Kommentarbereich unter dem Artikel ist inzwischen – wie so oft bei Welt-Artikeln, die auch nur entfernt etwas mit Islam zu tun zu haben vorgeben – “aufgrund ständiger Verstöße gegen die Netiquette” gesperrt. Ich habe die Emailadresse des Herrn Findikçi gefunden und habe einen längeren Brief verfasst, den ich als Email verschickt habe und hier veröffentlichen möchte.

Natürlich werde ich seiner Antwort genauso den Raum bieten – falls er überhaupt antwortet! Dass er antworten wird, kann bezweifelt werden, aber da lasse ich mich gerne überraschen! Es kann ja sogar sein, dass er eine inhaltlich orientierte Antwort auf meine Kritik findet. Oder er entschuldigt sich für die offensichtlichsten seiner Fehler! Naja, man darf ja mal träumen..


Lieber Herr Dr. Findikçi,

ich hoffe, dass Sie derjenige Dr. Aydin Findikçi sind, dessen Artikel als Gastbeitrag bei “Welt Online” kürzlich erschienen ist. Ich habe diesen Artikel gerade gelesen und möchte Ihnen meine Kritik gerne direkt zukommen lassen, damit Sie ein „Feedback“ haben. Ihre Argumentation weist diverse Fehler und Irrtümer auf, die dem Niveau der “Welt Online” zwar angemessen sind, aber der Wahrheitssuche nicht dienen.

  1. Sie sprechen von jährlich 30.000 Zwangsverheiratungen in Deutschland, aber den Beleg für diese Zahl bleiben Sie dem Leser schuldig. Warum nennen Sie keine nachvollziehbare Quelle? Liegt es daran, dass diese Zahl der Imagination entsprungen ist und inzwischen zum penetranten Volksglauben geworden ist? Tatsächlich ist diese Zahl vor Allem unter Abgrenzung zu einvernehmlich arrangierten Ehen ziemlich unwahrscheinlich, wenn man sich vor Augen hält, dass es in Deutschland jährlich nur etwa 350.000 Eheschließungen überhaupt gibt. Bei einem “Muslimenanteil” von 4% an der Gesamtbevölkerung (3,2 Millionen, wie viele davon ihre Religion praktizieren soll hier nicht thematisiert werden) ergäbe das nur 14.000 muslimische Eheschließungen im Jahr. Muslime müssten mehr als doppelt so häufig heiraten wie der Rest der Gesellschaft, damit man überhaupt auf die Zahl von 30.000 muslimischen Eheschließungen kommt – und selbst dann hieße das, dass alle Muslime (!!) ohne Einwilligung der beiden Partner heiraten würden. Bitte nennen Sie mir eine belastbare Zahl aus einer seriösen (!) Quelle für Ihre These! (vgl.)
  2. Sie sprechen von “islamistischen” Zwangsverheiratugen, so als wüssten Sie persönlich ganz genau, aus welchen Motiven Eltern Zwangsheiraten durchführten. Nicht nur meine persönliche Erfahrung sagt mir, dass Zwang in der Ehepartnerwahl vor allem traditionellen Ursprungs ist und Eltern diesen unislamischen Zwang fast immer mit ihrem Interesse am Wohl ihrer Kinder zu rechtfertigen suchen.
  3. Im dritten Absatz Ihres Artikels begeben Sie sich auf noch dünneres Eis und versuchen den Beweis zu führen, dass ein Minarett nicht unbedingt zu einer Moschee gehöre. Ihre Logik erschließt sich mir hier nicht. Was hat der Name “Masjid” (Moscheen werden ja auch “Jamii”, also Versammlungsorte genannt, zu deren Besuch man logischerweise auch einmal aufmerksam machen darf) mit der von Ihnen in Frage gestellten Notwendigkeit von Minaretten zu tun? Sie argumentieren für ein Minarettverbot und bemühen den Vergleich mit der Moschee zu Zeiten des Propheten Mohammeds. Aber zu jener Zeit hatte die Moschee weder eine Gebetsnische (nur ein Stein, der die Richtung nach Makkah anzeigt), noch eine Waschgelegenheit, nicht einmal ein durchgehendes Dach war vorhanden! Dennoch wurde zu seiner Zeit vom Halbdach der Moschee zu den Pflichtgebeten gerufen, also von einer emporragenden Position! Offensichtlich ist Ihnen entgangen, dass Ihre Bemühung eines angeblichen Beleges aus der Frühgeschichte des Islams gegen ein Minarett entwicklungsgeschichtlich das genaue Gegenteil belegt. Dass heute eine Moschee mit Teppich ausgelegt wird, eine Kanzel und Waschgelegenheiten sowie Ornamente aufweist, ist doch nichts, was man verbieten müsste, nur weil dafür keine angebliche Notwendigkeit besteht!
  4. Minarette wurden nicht gebaut, um die “Größe und Macht des Erbauers” zu demonstrieren, sie hatten vor allem funktionalen Charakter. Die Funktion ist – analog zum Dach für den Schutz des Innenraums vor Wetterumschwüngen – um den Gebetsruf, wie auch die weite Erkennbarkeit des Gebetshauses in den stetig wachsenden muslimischen Gemeinschaften, eine akustische aber auch optische Tragweite zu verleihen. Ebenso wie das Dach, das heute nicht selten etwa in Form einer Kuppel architektonisch dekoriert wird, wird auch das Minarett verschönert und trägt teils auch zur Pracht einer Moschee bei. Zu sagen, dass der Sinn zunächst in der Demonstration der “Größe und Macht des Erbauers” lag, ist einfach falsch!

Aber diese ersten vier Kritikpunkte sind letztlich nur ein Nebenkriegsschauplatz. In Ihrem Artikel geht es Ihnen ersichtlich darum, zu definieren, wer Ihrer Meinung nach die Islamisten in Deutschland sind. Das ist für Sie der “organisierte Glaube”, bzw. die muslimischen Organisationen (Sie nennen explizit Milli Görüs, Süleymanci-Bewegung und Nurcu -Fetullah, aber ich nehme an, dass Sie auch den ZMD, die Ditib und den neuen schiitischen Dachverband dazu zählen?! – denn auch alle diese Organisationen fallen in die Kategorie “organisierter Glaube”). Ihre Definition des “Islamisten” beinhaltet, dass diesem die Integration in eine “westliche Gesellschaft” genauso wenig möglich ist, wie die “Verinnerlichung” der Demokratie oder der “rechtstaatlichen Regelungen und die Herrschaft des Volkes”. (Erklären Sie mir doch bitte einmal was der Unterschied zwischen der “Verinnerlichung der Demokratie” und dem Akzeptieren der “Herrschaft des Volkes” ist??)

Wenn man sich aber die vom BMI in Auftrag gegebene Studie “Muslime in Deutschland – Integration, Integrationsbarrieren, Religion sowie Einstellungen zu Demokratie, Rechtsstaat und politisch-religiös motivierter Gewalt” anschaut, dann stellt man schnell fest , dass die Mehrheit der befragten Muslime sich als fundamental, traditionell konservativ oder orthodox religiös einordnet, während eine vorhandene aber geringe Minderheit “gering religiös” ist. Gleichzeitig besagt die Studie, dass gerade einmal 14% der befragten Muslime eine “problematische Distanz zur Demokratie” aufweisen, wobei noch zu klären bleibt, wie diese „problematische Distanz“ zu verstehen ist! Es ist also mitnichten so, dass Menschen, die den Koran als Wort Gottes verstehen automatisch oder auch nur tendenziell demokratiefeindlich wären bzw. der Islam mit Demokratie unvereinbar sei!

Eine noch abenteuerlichere Behauptung stellen Sie im folgenden Absatz auf: Muslimische Organisationen betrachten den Koran als Gottes Wort. Dann: Islamisten bestrafen (!) diejenigen, die daran Zweifel hegen. Deshalb fühlten sich “aufgeklärte und säkulare” Muslime von “Islamisten und ihren Moscheen” bedroht und werden sogar von Islamisten umgebracht!

Wie bitte?? Was für einen hanebüchenen Unsinn verzapfen Sie hier eigentlich! Welcher Moscheeverein in Deutschland bedroht denn bitte schön Menschen, die den Koran nicht als Gottes Wort bezeichnen?? Wer wurde deswegen ermordet? Sie bauen doch hier ein arglistiges Horrorszenario auf, das nur in einer Wahnvorstellung existiert und verbinden das mit dem “organisierten Glauben”! Und dann fabeln Sie auch noch, dass diese Organisationen “eine Regierung und Staatsführung nach eigener Interpretation des Korans” beibehalten [sic!] wollten! Woher entnehmen Sie denn bitte schön diese Weisheit? Welche sachlich nachvollziehbaren Belege können Sie dafür beibringen?

Sie glauben, die Mehrheiten auch ohne Befragung zu kennen (und für sie zu sprechen?)! Ihnen zufolge stimmt die Mehrheit der Muslime dem Minarettverbot zu und über 90% (!!!) würden sich mit den Moscheen noch nicht einmal identifizieren! Mit welcher Impertinenz können Sie eigentlich eine derart unwissenschaftliche Aussage tätigen? Vor allem als Soziologe müssten Sie ja zumindest mit dem Grundwerkzeug seriöser Datenerhebung vertraut sein und ein Interesse daran haben, sich selbst nicht fachlich völlig zu diskreditieren.

Wie es scheint haben Sie nicht verstanden, worum es bei der Kritik am Minarettverbot geht. Das Minarettverbot stellt selbstverständlich eine Ablehnung der Muslime dar – darüber, dass es sich hier um eine Stellvertreterdiskussion handelt, gibt es zahlreiche Publikationen (übrigens auch in der “WELT Online”) -, und es ist ein Signal, dass eine mobilisierte (noch!) Minderheit das Grundrecht auf staatliche Gleichbehandlung in Bezug auf Muslime qualifizieren bzw. komplett aushebeln will. Dies ist ein grundsätzlicher Eingriff in die Gleichwertigkeit, die „Egalité“ der Menschen! Denn ein Christ darf ein Minarett bauen (nennt sich dann Kirchturm), während einem Muslim dieses Recht staatlicherseits nicht zugestanden werden soll.

Für das Gebet ist das Minarett nicht zwingend notwendig, aber viele Muslime befürchten zu Recht dass dieses Verbot zu weiteren Extrapolationen führt. Bereits jetzt werden Gesetze erarbeitet, die Muslimen Bekleidungsverbote auferlegen; der groteske Streit um die Burka ist nur ein Vorgeplänkel eines sich durchsetzenden laizistischen Fundamentalismus, der auf Muslime zielt. Weibliche Kopfbedeckungen wurden bereits in autoritären Staaten (siehe Tunesien, und mit Einschränkung die Türkei) verboten – sie in Demokratien zu verbieten, wird schwieriger, aber nicht unmöglich sein. Nach den Kopftüchern könnten die Bärte (wohlgemerkt nur muslimische Bärte) und die Gewänder, die einige Muslime manchmal tragen, an der Reihe sein. Dann ist natürlich jederzeit ein Fastenverbot möglich, selbstverständlich aus rein gesundheitlichen Gründen, und so setzt sich die Reihe der möglichen Eingriffe in die persönlichen und religiösen Rechte von Muslimen fort. Darum geht es hier. Das Verbot von Minaretten ist ein Fanal, aber das werden Sie erst dann einsehen, wenn es zu spät ist! Jeder sollte sich fragen, welche Gruppe die nächste ist, die mit Einschränkungen zu rechnen hat…

Mein dringender Rat: kehren Sie auf den Boden des Grundgesetzes zurück und hören Sie auf, repressive Gesellschaftsstrukturen, wie Sie sie aus Ihrer Heimat kennen, auch hier verbreiten zu wollen.

Um das ganze Ausmaß der Religionsfreiheit – die sowohl Ihnen als auch anderen – in diesem Land gewährt wird, zu ermessen, rate ich Ihnen dringend zur Lektüre des Artikels „Du musst nicht verfassungstreu sein“ von Professor Dr. Ralf Poscher. „Verhalten, nicht Glauben“ sind das Maß, an dem in diesem Lande der Bürger gemessen wird und inschah allah wird sich das auch nicht wieder so schnell ändern. Ansonsten wird sich die Warnung des amerikanischen Philosophen Santayana noch zahllose Male bewahrheiten: “Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.”

In diesem Sinne, wünsche ich Ihnen einen guten, selbstbestimmten und aufklärerischen Start ins neue Jahr.


Update 7.1.2010

Die Diskussion mit Dr. Findikçi geht weiter.

Gastbeitrag: Statt Scharfmacherei sind Neutralität, Sachlichkeit und Objektivität gefragt!

authorOmar | 25. Dezember 2009

Der folgende Gastbeitrag vom Wolfsburger Imam Mohamed Ibrahim befasst sich mit dem Gerücht, das vor allem von Spiegel Online verbreitet wurde, dass ein muslimischer Gelehrter das Feiern von Weihnachten in mehrheitlich muslimischen Ländern verbieten lassen möchte. Ich hoffe, einen eigenen Beitrag noch zum Thema zu schreiben und würde mir schon wünschen, dass der Spiegel, eine Entschuldigung für den Lügen-Artikel verfasst.

Von: Imam Mohamed Ibrahim, Wolfsburg

(Wolfsburg, 24.12.2009) In einigen Medien und auf einigen Internetseiten ist gestern und heute die Rede davon, dass Scheich Yussuf Al-Qaradawi Weihnachten verbieten will. In der Berichterstattung benutzte man Wörter wie „Heiligabend-Attacke“ (Spiegel.de) oder „Angriff auf Heiligabend“ (Bild.de).

Diese Wortwahl ist an sich mehr „scharfmachend“ als verantwortlich.

Diese Berichterstattung, die ein „Weihnachtsverbot“ für Christen in islamischen Ländern suggerieren will, ist irreführend und entspricht nicht der Wahrheit. Bei den Worten des Gelehrten Al-Qaradawi handelt es sich um seine Freitagspredigt vom 11.12.2009, die ich mir in arabischer Sprache angehört habe. Korrigierend und klarstellend
möchte ich hier folgendes sagen:

Der Gelehrte hat weder gegen die Christen gehetzt noch wollte er ein „Weihnachtsverbot“ erreichen, und vor allem nicht „den Christen“ das Feiern verbieten. Seine Worte waren an die Muslime gerichtet, dass sie ihre Identität wahren und Weihnachten und Neujahr nicht feiern, da diese ja christliche und keine islamische Feste seien. Er äußerte sich gewundert über das Straßenbild der Stadt Doha, in der er lebt, anlässlich der „christlichen“ Feste, obwohl es dort kaum Christen gibt. Es war kein Spott des Gelehrten (weder in der Wortwahl noch im Ton!), als er die „Tatsache“ nannte, dass die Christen zu zwei unterschiedlichen Daten die Geburt Jesu Christi feiern.

Am wichtigsten ist hier klar zu stellen, dass der Gelehrte Al-Qaradawi die Aussage „Kirchen dürfen keine Kreuze mehr tragen. Kirchenglocken dürfen auch nicht mehr läuten.“ nicht (und
nie!) getätigt hat.

Ich rufe die Medien dazu auf, von der „Scharfmacherei“ abzulassen und sachlich und objektiv zu berichten. Christen und Muslime sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden und
gemeinsam für eine bessere, gerechtere und friedlichere Welt eintreten! Allen Christen wünsche ich trotz der „Hetze“ mancher Medien ein friedvolles und besinnliches Weihnachtsfest.

Sichtermann und Schünemann: Muslime sind rückständig und selbst schuld, wenn sie verprügelt werden

authorOmar | 17. Dezember 2009

Die zwei Grünen-Abgeordneten im Niedersächsischen Landtag Helge Limburg und Filiz Polat haben bezüglich der in Göttingen angegriffenen muslimischen Frau eine kleine parlamentarische Anfrage gestellt, die Innenminister Schünemann beantwortete. Hier zunächst die Anfrage:

Am 14. November 2009 wurde in Göttingen eine Muslimin angegriffen. Vier vermutlich aus der rechtsradikalen Szene stammende Männer bepöbelten die 24-jährige Medizinstudentin, rissen sie zu Boden und traten auf sie ein. Offensichtlich gab das Kopftuch, welches das Opfer trug, den Anlass für die Gewaltaktion. So hetzten die Täter beispielsweise mit der Forderung, sie solle “endlich deutsch werden” (vgl. taz, 20. November 2009). Diese Tat sowie der Mord an Marwa El-Sherbini am 1. Juli 2009 in Dresden und andere Taten legen den Schluss nahe, dass eine wachsende Islamfeindlichkeit in der Bevölkerung existiert.

Grund zur Sorge, dass solche Straftaten keinesfalls zu vernachlässigende Einzelfälle bilden und sie in Zukunft womöglich zunehmen werden, liefert zudem die Tatsache, dass die verächtlichen Anschuldigungen Thilo Sarrazins gegenüber den türkischen und arabischen Migrantengruppen in Berlin eine bundesweite Zustimmung von 51 % innerhalb der Bevölkerung erreichten (vgl. BMP, 15. Oktober 2009). Darüber hinaus hat der überraschende Ausgang der Volksabstimmung in der Schweiz gegen den Bau von Minaretten auch zu einer Diskussion in Deutschland und Niedersachsen geführt. Nach dem Votum der Schweizer gegen Minarette fürchten deutsche Muslime, dass eine islamfeindliche Welle über Europa schwappt.

Wir fragen die Landesregierung:

Welche Maßnahmen ergreift die Landesregierung, um dem Problem der Islamfeindlichkeit adäquat entgegenzuwirken? Wird das spezifische Motiv der Islamfeindlichkeit bei der polizeilichen Erfassung von Straftaten berücksichtigt? Wenn nein, warum nicht? Welche näheren Erkenntnisse hat die Landesregierung über den Vorfall in Göttingen, insbesondere darüber, ob die vier Gewalttäter der rechtsradikalen Szene angehören?

Die Antwort des Innenministers deutet darauf hin, dass er den Tätern mit der Forderung, dass das Opfer “endlich deutsch werden” solle, zustimmen würde. Wie sonst sollte man es verstehen, wenn er in der Beantwortung mehrmals darauf aufmerksam macht, dass er sich dafür einsetzt, dass Muslime integriert werden?

Die Niedersächsische Landesregierung tritt für Toleranz und Achtung der Menschenwürde ein. Insbesondere in der Bildungspolitik zählt es zu ihren wesentlichen Zielen, die Werte einer freiheitlichen und offenen Demokratie zu vermitteln. Dazu gehört auch das Eintreten für Religionsfreiheit. Darüber hinaus wendet sich die Landesregierung mit allem Nachdruck gegen fremdenfeindliche Aktivitäten.

Die Landesregierung fördert in vielfältigen Bereichen die Integration von Muslimen. Sie steht mit den islamischen Verbänden in einem konstruktiven Dialog und tritt entschlossen möglichen islamfeindlichen Einstellungen in der Gesellschaft entgegen.

Nein, Schünemann steht fast als einziger niedersächsischer Minister mit den islamischen Verbänden in keinem konstruktiven Dialog. Das zeigt nicht zuletzt an seiner Einsetzung eines “Beraterkreises zur Integration von Muslimen”, der keinen einzigen niedersächsischen Muslim enthält, sowie an der Antwort des Landesverbands der Muslime in Niedersachsen darauf. Es zeigt sich zudem an der Auseinandersetzung um die sog. Moscheekontrollen, wo Schünemann lügen musste, um den Anschein zu erwecken, dass er mit muslimischen Vertretern in Kontakt stünde.

Zurück zum Thema: Die Landesregierung fördert die Integration von Muslimen – als Antwort auf islamfeindliche Angriffe. Er stellt aber auch klar:

Integration stellt sich dabei als ein zweiseitiger Prozess dar, der nicht nur die Zugewanderten sondern auch die Mehrheitsgesellschaft ohne Migrationshintergrund fordert. Einzelne Maßnahmen zur Integration richten sich daher sowohl an die Muslime selbst als auch an die Vertreter der Mehrheitsgesellschaft.

Wie schön: Es gibt Maßnahmen an “Vertreter” der Mehrheitsgesellschaft. Man würde sich ja fast wünschen, es gäbe auch eine Integrationsmaßnahme für Schünemann selbst. Es wird interessant sein zu sehen, welche Maßnahmen an die “Mehrheitsgesellschaft” Herr Schünemann auflistet..

Zu 1: Die Landesregierung hat unter dem Gesichtspunkt der Integration u. a. die folgenden Maßnahmen ergriffen:

Um der steigenden Nachfrage nach Informationen und Beratungswünschen in allen Extremismusbereichen Rechnung tragen zu können, wurde beim Niedersächsischen Verfassungsschutz vor Kurzem die Niedersächsische Extremismus-Informations-Stelle (NEIS) eingerichtet, die alle Präventionsangebote des Verfassungsschutzes bündelt und steuert.

So werden im Rahmen der seit November 2007 mit beachtlicher Resonanz gezeigten und bereits weit in das nächste Jahr ausgebuchten Wanderausstellung “Muslime in Niedersachsen – Probleme und Perspektiven der Integration” einerseits Probleme aufgezeigt, aber auch positive Beispiele gelungener Integration von Muslimen dargestellt und besondere Vorbilder gewürdigt. Die Ausstellung stellt damit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion um die Integration von Muslimen dar.

Und das ist eine Maßnahme gegen fremdenfeindliche Übergriffe?? Die Diskussion über die Integration von Muslimen geht doch am Thema vorbei: Man müsste über die Integrierbarkeit fremdenfeindlicher Menschen diskutieren und aufzeigen, wohin fremdenfeindliche Parolen und Politik führen. Stattdessen diskutiert man die Opfer. Ich kenne zudem die Ausstellung seit ihren Anfängen. Nicht nur war damals die Definition des Islams darin total falsch1, ein nicht geringer Anteil der Ausstellungswände befasste sich mit Extremismus und vor allem mit von Muslimen begangenen terroristischen Anschlägen. Damals waren nicht weniger als ein Drittel der Stellwände mit ausländischem Terror gefüllt, während tatsächlich in Niedersachsen oder zumindest Deutschland lebende Muslime einen sehr geringen Teil ausmachten. Da gewinnt die nächste Aussage des Innenministers an Sarkasmus:

Im Rahmen seines Informations- und Vortragsangebotes an niedersächsischen Schulen und Bildungseinrichtungen stellt der Niedersächsische Verfassungsschutz deutlich die Unterschiede zwischen der Religion des Islam und der extremistischen Ideologie des Islamismus dar. In diesem und in anderen geeigneten Zusammenhängen wird immer wieder darauf verwiesen, dass die Anhänger der Ideologie des Islamismus unter den etwa 4 Millionen Muslimen in Deutschland nur eine sehr kleine Minderheit darstellen.

Ja, und dass es eine kleine Minderheit ist spürt die Mehrheit ganz deutlich, wenn freitags mal wieder die Muslime an der Straßenecke darauf warten, dass die sie kontrollierende Polizei ihnen ihre Pässe und Ausweise zurückgibt! Ich wüsste ja gerne, wie diese Informations- und Vortragsangebote aussehen und wer sie hält. Habe bislang noch nichts davon gehört – und ich unterhalte mich regelmäßig mit mehreren Schulkindern.

Fremdenfeindliche Straftaten haben ihre Ursache häufig in rechtsextremistischen Motivationen. Insofern entfalten die vielfältigen Maßnahmen, die die Landesregierung zur Bekämpfung des Rechtextremismus ergriffen hat, auch in diesem Zusammenhang ihre Wirkung.

Welche Maßnahmen wären das hier speziell, Herr Innenminister?

Vier kommunale Leitstellen für Integration organisieren zum Beispiel Informations- und Dialogveranstaltungen für Imame sowie für Vertreterinnen und Vertreter aus Moscheegemeinden, die in der Regel direkt in integrationsrelevanten Institutionen stattfinden. Bei diesen Veranstaltungen gewinnen Muslime Einblick in gesellschaftliche Strukturen und werden über spezifische Aufgaben ausgewählter Institutionen informiert. Gleichzeitig bieten diese Veranstaltungen den Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Institutionen die Gelegenheit zum Gespräch und zum gegenseitigen Austausch über insbesondere auch von muslimischer Seite eingebrachte Fragestellungen.

Ah, also wieder eine Maßnahme, die an die Muslime gerichtet ist und ihre “Integration” befördern soll. Aber Herr Schünemann, damit erreichen Sie doch nicht die Täter! Indem Sie aber die möglichen Opfer unterrichten, werden keine fremdenfeindlichen Angriffe bekämpft!

Niedersachsen beteiligt sich mit ca. 100 Schulen an dem bundesweiten Netzwerk “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” (SOR-SMC). Im Rahmen des Netzwerkes werden unterschiedliche Formen der “gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit” thematisiert. In dem im Jahr 2008 durch die Bundeskoordination SOR-SMC herausgegebenen Themenheft “Jugendkulturen zwischen Islam und Islamismus” werden sehr differenziert die unterschiedlichen Strömungen des Islam für Schülerinnen und Schüler verständlich dargestellt.

Und wieder: es geht schon wieder um die Muslime und ihre Unterteilung in “gute” und “böse” Strömungen. Die Autoren – vor Allem Jochen Müller und Götz Nordbruch – profilieren sich seit einiger Zeit im Bereich muslimischer Jugend, kommen aber ursprünglich aus der Dämonisierungsecke memri, in der arabische Nachrichten selektiv übersetzt werden, um teilweise im israelisch-palästinensischen Konflikt einen latenten Antisemitismus vieler Araber herzuleiten. Ich kenne die Broschüre zwar nicht, allerdings kann ich mir den Tenor durchaus vorstellen2.

Dadurch, dass Herr Schünemann die Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit mit der Unterweisung der “Fremden” verbindet, sagt er im Prinzip, dass er sie für mitschuldig hält. Wären sie “deutscher”, würden sie nicht verprügelt werden.

Das Verprügeln der armen Frau rückt damit von einer fremdenfeindlichen – ja, rassistischen – Tat weg zu einer Bestrafung für Undeutschsein. Und genau hier springt die Berliner Autorin Barbara Sichtermann ein. Sie würde wahrscheinlich sagen, dass die Tat weniger von Hass auf den Islam, sondern von einer “diffusen Abneigung” gegenüber der “eklatanten Rückständigkeit” geprägt ist, “die mit Einwanderern oder Arbeitsemigranten aus Südostanatolien oder dem arabischen Raum so oft zusammen ins Land dringt”. Und sie meint es im politischen Feuilleton des Deutschland Radios ernst:

Ein Burka-Verbot zum Beispiel erhält plötzlich Sinn, wenn man es als Versuch der Europäer begreift, ihr Straßenbild, das Teil der Öffentlichkeit ist, gegen ein Symbol zu verteidigen, das nichts anderes bedeutet als die äußerst rückständige Überzeugung, dass Frauen in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hätten.3

Es liegt also an den Verprügelten, Sanktionierten, Diskriminierten und Rassistisch behandelten dieses Landes! Ihre Rückständigkeit muss ihnen notfalls mit einem Verbot ihrer Kleidung rausgeekelt werden. Laut der sehr fortschrittlichen Frau Sichtermann ist aber nicht nur die Bekleidung – Burka, Bart oder andere persönliche Auffälligkeiten4 – ein klares Indiz auf eine Rückständigkeit. Auch eine zu tiefe Religiosität bedeutet eine Rückständigkeit, da sie bedeute, dass “der Griff des Klerus auf die Seelen der Gläubigen noch fest ist”. Und das ist selbst dann auf den Islam anwendbar, wenn es im Islam keinen Klerus gibt!

Denn einiger Fakten kann man sich immer sicher sein in Deutschland:

  1. Der Islam ist ein Problem – Muslime sind dadurch mehrere Probleme, aber nicht alle, sondern eine Minderheit. Eine Minderheit, über die man aber immer reden muss.
  2. In Deutschland gibt es nur unter den NPD-Anhängern Rassisten. Alle, die dieselben Forderungen unter anderer Flagge stellen, sind ausdrücklich keine Rassisten.
  3. .. und jeder kann über den Islam reden und tut es auch, auch wenn er keine Ahnung hat.
  1. ich hatte mit einem Bekannten einen längeren Brief geschrieben, in dem wir offensichtliche Fehler erwähnt und korrigiert hatten[]
  2. hier eine Rezension[]
  3. Komisch: Eine ausschließlich in der Öffentlichkeit getragene Bekleidung soll symbolisieren, dass ihre Trägerin in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hätte?! Logik ist wohl auch eine dieser rückständigen Werte, die Frau Sichtermann abschaffen möchte![]
  4. sie gibt demnächst eine Liste dieser rückständigen Merkmale frei[]

Verdachtsunabhängige Kontrollen (a.k.a. “Moscheekontrollen”)

authorOmar | 1. Dezember 2009

Die Praxis der diskriminierenden Personenkontrollen vor Moscheen könnte möglicherweise bald der Vergangenheit angehören. Die Fraktion der Grünen im Niedersächsischen Landtag hat einen Antrag zur Änderung des Niedersächsischen Gesetzes eingereicht. § 12, Satz 6 des Nds. SOG soll darin abgeschafft werden. Am 2. Dezember findet eine Anhörung hierzu statt. Die Anhörung ist öffentlich und es stehen einige Besucherplätze frei. Ich denke, dass es schön wäre, wenn auch Muslime teilnehmen würden.

Es ist zu erwarten, dass die CDU geschlossen gegen die Gesetzesänderung stimmen wird. Die Grünen wie auch die Linke werden wohl geschlossen dafür stimmen. Bei der SPD und der FDP steht die Entscheidung noch aus. Liest man sich den stenographischen Bericht des Landtags vom 23. September 2009 durch (ab S. 5752 oder 72), in dem es auch um die geplante Gesetzesänderung ging, dann wird klar, dass jeweils die SPD und die FDP ein System der Ehren-Nichtdiskriminierung vor einem geregelten rechtlichen Einhalt der staatlichen Intervention bevorzugen.

Grüne

Die Gesetzesänderung hat Ralf Briese für die Grünen-Fraktion eingebracht mit einer – so ich sie einschätzen kann – sehr umfassenden Rede, die einzeln auch auf den Seiten der Grünen-Fraktion zu finden ist.

Natürlich soll uns der Staat vor Gefahren schützen und niemand leugnet die Gefahren, die von Terror und Kriminalität ausgehen. Aber die Instrumente, die der Staat zum Schutz seiner Bürger und Bürgerinnen anwendet, müssen zielführend sein! Sie müssen sich einer strengen Erfolgskontrolle unterziehen – und vor allen Dingen müssen sie auch verhältnismäßig sein. Was heißt verhältnismäßig: Keine ungezielten Schrotkugeln bzw. Massenkontrollen, sondern gezielte Maßnahmen, die keine Unschuldigen treffen.

Linke

Für die Fraktion der Linken hatte Pia-Beate Zimmermann das Wort ergriffen und weitestgehend den Grünen zugestimmt. Sie ging aber gezielt auf die Kontrollen in Braunschweig ein:

Diese Gruppe wird stigmatisiert und somit ausge-grenzt. Wenn sie dann auch noch, wie geschehen, nach der Kontrolle abgestempelt werden – meine Damen und Herren, nicht symbolisch, sondern wirklich mit einem Stempel auf die Haut -, dann fragt man sich, was das für eine Praxis ist. Da fragt man sich außerdem, ob der Einsatzleiter wirklich noch genau weiß, was er dort tut.

SPD

Die SPD, unter deren Regierung das Gesetz 1997 etabliert wurde, bevorzugt eine “untergesetzliche” Regelung, die sie aber nicht weiter erläutern. Herr Klaus-Peter Bachmann (SPD) stimmt zwar den Ausführungen von Ralf Briese zur Praxis zu, aber möchte trotzdem das Gesetz nicht gekippt sehen. Meines Erachtens ist es blanke Parteihörigkeit, um nicht zugeben zu müssen, dass man daran beteiligt war, ein sehr schwachsinniges Gesetz aufzusetzen. Der entscheidende Absatz:

Da es nie Erkenntnisse gegeben hat und auch nie Konsequenzen erforderlich wurden, wird deutlich, dass die Fortsetzung dieser Aktionen wirklich reine Willkür ist. Hier sagen die Kommentatoren Unger und Siefken, die Kontrollmaßnahmen dürfen nicht willkürlich sein. Deswegen sei hier noch einmal sehr deutlich aufgeführt, wofür sie eingeführt wurden – nichts davon erfasst das, was Herrn Schünemann unterschwellig veranlasst, diese Praxis beizubehalten -, nämlich Lagebilder über internationale Transportrouten für Rauschgift, Schleuser, aus Osteuropa einreisende Zuhälter- und Menschenhändlerbanden oder Versuche einer Rotlichtszene aus einer anderen Stadt, das Milieu in einer niedersächsischen Stadt an sich zu reißen. Herr Briese, diese Lagebilder sind im Kommentar zum Gesetz beschrieben. Das wendet Herr Schünemann für die Überwachung von religiösen Stätten an.

Wenigstens hebt Herr Bachmann hervor, dass Schünemann in der Beantwortung einer kleinen Anfrage in diesem Zusammenhang gelogen “die Unwahrheit gesagt” hatte, um die eigene Position politisch zu rechtfertigen. Er hatte dem Ditib-Vorsitzenden Ünlü in den Mund gelegt, dass dieser die Kontrollen verstehen würde1.

FDP

Die FDP liefert ein noch schlechteres Bild gemessen an ihrem eigenen angeblich liberalen und rechtsstaatlichen Selbstbild. Der Sprecher – Herr Jan-Christoph Oetjen (FDP) – sagt etwa:

Ich möchte hier für die FDP-Fraktion sehr deutlich sagen, dass die komplette Streichung des § 12 Abs. 6 in diesem Zusammenhang – egal wie man zum Thema Moscheekontrollen steht – vor dem Hintergrund der Sicherheitslage in Deutschland derzeit nicht zielführend ist und von der FDP-Fraktion nicht mitgetragen wird.

Wir haben die Terrordrohungen. Das ist allen hier bekannt. Das ging durch die Medien. Das brauche ich nicht zu wiederholen. Das ist einer der Gründe dafür, warum wir diesen § 12 Abs. 6 brauchen.

Wir haben die Terrordrohung, also sollten die Rechte zurückgenommen werden! Es geht das durch Medien noch weiter gesteigerte Bedrohtsein-Gefühl vor solch unwichtigen Rechten wie die freie Religionsausübung etwa. Weiter, Herr Oetjen:

Aus Sicht der FDP sollten wir Kontrollen auch im Bereich von Moscheen durchaus zulassen. Allerdings sind wir der Meinung, dass diese Maßnahmen sehr sensibel von der Polizei durchgeführt werden müssen, sicherlich sensibler, als das zu Beginn und in der Vergangenheit geschehen ist.

Also noch eine “untergesetzliche” Regelung: “sensibel” sollen die Kontrollen sein! Wenn also das nächste Mal Menschen zur Moschee oder aus der Moschee kommen und schnell zur Arbeit hasten, dann wird die sie kontrollierende Polizei mit einem “Bitte” darum bitten, dass die Papiere gezeigt werden und man sich der Verdächtigung der Nachbarn aussetzen lässt.

Es ist schon komisch: Im Rechtsstaat Deutschland wird das repressive Vorgehen der staatlichen Organe gesetzlich weitläufig gesichert, während die Rechte des Einzelnen “untergesetzlich” und sehr relativierbar – wenn überhaupt – Berücksichtigung finden.

CDU

Kommen wir dann noch zur Sprecherin der CDU-Fraktion und Palin-look-alike Editha Lorberg, die laut ihrer offiziellen Internetseite bekundet, dass sie glaubt, “dass Politik die Kirche braucht” und dass sie “als Christin die Kirche in [ihre] politische Arbeit [einbezieht]“. Ihr Beitrag ist in Gänze als “peinlich” zu bewerten und deshalb kann ich verstehen, dass sie Zwischenfragen (drei an der Zahl) nicht zugelassen hat und sie stattdessen anschließend von ihrem Parteifreund Hans-Christian Biallas beantworten ließ. So behauptete sie, dass es ein “Grundrecht auf Sicherheit” gäbe, was Biallas konkretisierte so, dass das in Artikel 2 des GG genannte Recht auf “Leben und körperliche Unversehrtheit” ein Grundrecht auf Sicherheit darstelle2.

Dann lässt Lorberg folgenden Kracher fallen:

Durch Ihre Darstellung der verdachtsunabhängigen Kontrollen vor Moscheen schüren die Grünen Verunsicherung bei den Besucherinnen und Besuchern von Moscheen. […] Sie möchten erstens den Eindruck vermitteln, als würden gläubige Moscheebesucher an ihrer Religionsausübung gehindert, als würden die Kontrollen in den Moscheen erfolgen.

Zweitens erwecken Sie den Eindruck, als würden die Kontrollen alle muslimischen Bürgerinnen und Bürger unter Generalverdacht stellen. Drittens halten Sie diesen Kontrollmaßnahmen entgegen, sie seien nicht verhältnismäßig. Viertens führen Sie aus, dass bisher bei den Kontrollen im Wesentlichen Ordnungswidrigkeiten, Festnahmen und Strafanzeigen aufgrund allgemeiner und organisierter Kriminalität erfolgt sind.

Also nicht die Kontrollen und die Erniedrigung oder die Diskriminierung führen zur Verunsicherung bei den Besuchern der Moscheen, sondern die Erwähnung dieser!! Auch scheint es schon ein großes Problem darzustellen, dass die Grünen den Unsinn dieses Gesetzes darstellen. Die gute Christin hat wohl keine Zeit, selbst mal mit einem Muslim in ihrem Land zu sprechen, um mal ein Lagebild zu bekommen, oder? Weiter, Frau Lorberg:

Meine Damen und Herren, ich frage Sie: Ist es in einer Zeit, in der Terrordrohungen in unserem Land große Besorgnis auslösen, angemessen, über eine Gesetzesänderung und die vier von mir eben genannten Punkte überhaupt zu diskutieren?

Nein, natürlich sollte man nicht über Gesetze diskutieren, wenn es Terrordrohungen gibt… Auch wenn sie nur abstrakt sind…

Ist es nicht vielmehr an der Zeit, die Menschen mitzunehmen und auch die Besucherinnen und Besucher von Moscheen und Gebetsräumen davon zu überzeugen, dass diese Kontrollen unser aller Sicherheit bedeuten?

Auch wenn das nicht der Fall ist?? Frau Lorberg möchte wohl ein Postulat, dass nämlich die Kontrollen mehr Sicherheit bedeuten – daran zweifeln ja nicht zuletzt die parlamentarischen Gegner dieses Gesetzes – öffentlichkeitswirksam lancieren, statt eine Diskussion darüber zu führen. Und so führt sie ihre Angstmacherei fort:

Meine Damen und Herren, wollen Sie angesichts von Madrid, New York und Kofferbombern hier in Deutschland wirklich so tun, als seien Kontrollmaßnahmen unverhältnismäßig? – Ich mag mir das Szenario nicht vorstellen, wenn der Terror hier in Deutschland seine Opfer findet.

Ohne erkennbaren Zusammenhang wirft sie einfach mal New York, Madrid und “Kofferbomber” in einen Hut, verwurstet sie mit den Kontrollen und stellt bereits die Gegner des Gesetzes in die Nähe einer Mitverantwortung für einen möglichen zukünftigen Anschlag. Und es hört nicht auf:

Ich bin davon überzeugt, dass die Kontrollen vor den Moscheen bewirken, dass unsere muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger die grundsätzliche Notwendigkeit der Bekämpfung des Terrors erkennen werden. Es geht nicht um einen Generalverdacht gegenüber den Besucherinnen und Besuchern, ganz im Gegenteil. Wir dürfen aber dem islamistischen Terror keine Chance geben, sich in unserem Land zu verbreiten und unschuldige Menschen zu verletzen oder gar zu töten.

Ja, so werden Muslime die “Notwendigkeit der Bekämpfung des Terrors” erkennen! Vielleicht sollten wir jeden Tag Kontrollen unterlegen sein, möglicherweise sind wir uns dann alle schneller der Terrorgefahr bewusst! Und nach der Rede von Editha Lorberg im Landtag dürfte auch der letzte Muslim davon überzeugt worden sein, dass die nur ihn betreffenden Kontrollen überhaupt nicht einem Generalverdacht geschuldet ist – schließlich werden sie ja verdachtsunabhängig geführt.

Der Schluß der Rede durch Frau Lorberg ist nicht weniger komisch:

Die Meldungen der letzten Tage rufen zur erhöhten Vorsicht und Wachsamkeit auf, meine Damen und Herren.

Übersetzung: Ahhhhhh! Ich habe Angst, ich habe Angst, ich bin sehr verängstigt. Sie nicht? Sollten Sie aber sein!

Lassen Sie uns gemeinsam …

… beten?? Das habe ich fast erwartet. Stattdessen:

… jede Möglichkeit ergreifen, gegen den menschenverachtenden Terror anzugehen! Ziehen Sie Ihren Gesetzentwurf zurück! Ich danke Ihnen.

Tja, das ist die Sensivität, wie sie die CDU etwa versteht: Blödsinn reden, Angst schüren und einen Generalverdacht bekräftigen und mit der höflichen Bitte um Rückzug der Gesetzesänderung schließen!

Anhörung

Wie bereits erwähnt findet morgen schon die Anhörung zur Gesetzesänderung statt3. Interessierte sollten sich ziemlich früh im Leibniz-Saal einfinden, um noch gute Plätze abzubekommen.

  1. Migazin hat dazu Genaueres[]
  2. Jens Nacke (CDU) hatte noch zuvor reingerufen, dass es Artikel 1 bereits enthält[]
  3. kurze Ankündigung findet sich in diesem Wochenübersicht, den genauen Zeitplan kann ich gerne per Email zuschicken.[]

Eid Mubarak

authorOmar | 27. November 2009

Allen Besuchern wünsche ich ein gesegnetes Adha-Fest und alles Gute für die nächsten Tage.

Frauenräumlichkeiten in der Al-Huda-Moschee, Hannover

authorOmar | 24. November 2009

Die arabischsprachige Al-Huda-Moschee in der hannoverschen Nordstadt ist durch eine turbulente Zeit gegangen, nachdem in den letzten Jahren etwa die Hälfte der Mitglieder mehr oder minder gezwungenermaßen und nach Streitereien ausgeschieden sind und dem Verein den Rücken gekehrt hatten – und das nur Monate, nachdem das noch neu erworbene Gebäude vollständig abbezahlt war. Mehr als die Hälfte der heutigen Mitglieder sind Neumitglieder, die erst nach den Streitereien in 2007 in den Verein kamen. Die Streitereien zwischen den durchweg männlichen Mitgliedern des Vereins1 haben zu einem spürbaren Rückgang der Besucherzahlen geführt. War vor zwei Jahren noch die Zahl der Betenden im Freitagsgebet höher als 300 – mit Gebets-, Neben- und Eingangsräumen vollständig und eng belegt – so bleiben heute bei lockerer Aufreihung der Betenden mehrere Zeilen im Hauptgebetsraum leer und ihrem Zweck entraubt. Ähnlich ergeht es den mehr und mehr monotonen und monologischen Aktivitäten des Vereins, die nunmehr hierarchisch und rigide geführt werden.

Der aktuelle Streit in der Al-Huda-Moschee hat allerdings wenig mehr mit den männlichen Gemeindemitgliedern zu tun. Vielmehr geht es um die Nutzungsrechte der Frauenräumlichkeiten der Moschee. Wie in den meisten Moscheen Deutschlands haben Frauen einen gesonderten Raum, in dem sie beten, Unterricht halten und sich treffen können. Zwar gibt es im Verein kein weibliches Mitglied und Frauen haben im Verein keine eigene Stimme, aber bislang durften sie zumindest über ihren eigenen Raum verfügen. In den Frauenräumlichkeiten fand zeitweise Arabischunterricht und islamische Unterweisung für Kinder statt, die ehrenamtlich geführt wurden. In mehreren wöchentlichen Sitzungen haben Frauen ihre religiöse Weiterbildung selbst in die Hand genommen, von einander gelernt und sich ausgetauscht. Eine unabhängige Mädchengruppe hat den Raum genutzt, um ihre Aktivitäten und Zusammenkünfte zu organisieren und jeden Monat fand ein “Frauenfrühstück” statt. Ein Frauenverein hatte einen Teil der Räumlichkeiten unter großen materiellen und menschlichen Anstrengungen in einen Raum für Kindergruppen umgewandelt und mindestens einmal wöchentlich Betreuung für eine solche Gruppe angeboten. Und natürlich waren die Frauenräumlichkeiten ein Ort, an dem sich muslimische Frauen zu Gebetszeiten und außerhalb treffen konnten.

Vorgeschichte

Zunächst wurde vor einem Jahr die Küche im oberen Geschoss abgeschlossen, die die Frauen für die Zubereitung von Tee und die Aufbewahrung von Keksen genutzt hatten. Als Grund wurde eine angebliche Verschmutzung des neuen Teppichs genannt2. Das Flehen der Frauen um Öffnung der Küche brachte nichts – Wasser könne man ja auch aus dem Waschbecken des Badezimmers trinken!

Vor etwa einem Monat wurde dann ein Aushang in den Frauenräumen angebracht, auf dem zu lesen war, dass es verboten wäre, religiösen Unterricht zu erteilen. Dies sei allein dem “Imam” oder dessen Stellvertretung vorbehalten. Einen bezahlten und ausgebildeten Imam hatte die Gemeinde jedoch nie gehabt3. Ein früherer Aushang wurde von einer verärgerten Frau abgerissen. In der Woche darauf sind während einer Versammlung drei Vorstandsmitglieder in die Frauenräumlichkeiten gekommen, um den Inhalt des Aushangs mündlich zu kommunizieren, woraufhin die Frauen – trotz der Einschüchterung – erwiderten, dass sie es vorzögen, ihren Unterricht selbst zu gestalten und von einer Frau zu erhalten. Darauf wurde ihnen bereits mit dem Rausschmiss gedroht. Parallel haben die anderen Frauengruppen ähnliche Ankündigungen bekommen. Die einzige Gruppe, die noch Nutzungsbefugnisse hat, ist die Kindergruppe, die allerdings ihren Schlüssel abgeben mussten und im Gegenzug die selbst eingerichteten Räume durche ein Vereinsmitglied einmal in der Woche aufgeschlossen bekommt. Danach ist der vormals angesprochene Aushang ausgehangen worden.

Ein Vereinsmitglied bestätigt, dass die “Frauenproblematik” in der Vollversammlung (vor zwei Wochen) angesprochen wurde. Dabei soll der Vorstand berichtet haben, dass die Frauen sich unhöflich gegenüber dem “Imam” geäußert hätten, als ihnen der Beschluss des Vorstands mitgeteilt wurde. Vorige Woche dann wurden die Drohungen in die Tat umgesetzt. Nach dem Freitagsgebet und noch vor dem Abendgebet wurde der Eingang zu den Frauenräumlichkeiten zugesperrt. Die Diskussions- und Unterrichtsrunde, die vormals nachmittags stattfand, durfte nicht mehr stattfinden. Daraufhin haben die Frauen ihre Männer gebeten, mit dem männlichen Vorstand zu sprechen. Das wurde am besagten letzten Freitag getan.

Letzten Freitag

Fünf Männer hatten am späten Nachmittag eine Unterredung in den Büros des Vereins mit fünf Vertretern des Vereins – vor allem dem Vorsitzenden und einem aus dem Ausland angereisten ehemaligen Vorstandsmitglied des Vereins. Man ging nach einer Weile mit dem Versprechen hinaus, dass der Vorstand in drei Wochen noch einmal über den Umgang mit den Frauen beraten wird. Auf dem Weg hinaus wurde den Männern noch aufgetragen, den Frauen zu sagen, dass sie aus der Moschee gehen sollen. Die Frauen wollten aber zumindest noch das Abendgebet verrichten, das nur eine halbe Stunde später war.

Mit dieser Bitte wurde einer der Männer ins Büro zurückgeschickt. Die Bitte wurde abgewiesen und der Vorsitzende kam herunter, um die Frauenräumlichkeiten abzuschließen. Es folgte ein heftiger Streit, in dem Beschimpfungen und Vorwürfe vom Vorsitzenden auch an die anwesenden Frauen gerichtet wurden4. Auf die nochmalige Bitte einer der Anwesenden doch bitte noch das Gebet verrichten zu können, wurde ihr entgegengeworfen, sie würde nicht so weit entfernt wohnen und könne deshalb auch nach hause gehen, um dort zu beten. Inmitten dieses Streits schlug einer mit einem Buch auf den Hinterkopf des Vorsitzenden5. Er wurde sofort von den anderen Männern weggezerrt, trotzdem eilte der Vorsitzende ins Gebäude zurück und rief scheinbar sofort die Polizei an. An seiner Stelle kam das aus dem Ausland angereiste Mitglied herunter und beschimpfte sowohl die Männer als auch – und vor allem – die Frauen laut.

Als die Polizei anrückte, nahmen sie einige Zeugenaussagen auf. Es wird angenommen, dass der Vorstand ein Hausverbot erwirken möchte – fragt sich nur gegen welche und wieviele Personen!

Worum geht es dem Vorstand?

Es ist derzeit nicht ganz klar, was der Vorstand des Moscheevereins ultimativ erreichen möchte. Mit seiner derzeitigen Politik treibt er immer mehr Gemeindemitglieder weg. Lebt aber nicht gerade ein Moscheeverein von der Gemeinde? Zumindest finanziell geht es diesem Verein wohl recht gut, nachdem er vor zwei Jahren weit in den schwarzen Zahlen war. Das Gebäude kostet derweil nicht sehr viel und große Umbauten – abgesehen von einem neuen (möglicherweise gespendeten) Teppich – haben nicht stattgefunden. Man kann nur vermuten, dass es dem derzeitigen Vorstand wichtiger ist, eine vollständige Kontrolle über die Moschee als eine funktionierende Gemeinde zu haben. Einige vermuten, dass auch ein persönliches Problem des Vorsitzenden dahintersteckt, der sich offensichtlich gerne in Führungsposition und entsprechender Aufmachung sieht.

Die Kontrollexzesse könnten allerdings mit einer verstärkten Angst vor sicherheitsrelevanten Fragen zu tun haben, d.h. mit der Frage von Sicherheitsorganen an den Verein, welche Inhalte unterrichtet würden. Unzweifelhaft ist, dass ein jeder Verein Verantwortung für die Aktivitäten in seinen Gebäuden zu tragen hat und insofern ein begrenztes Kontrollrecht besitzt. Begrenzt deshalb, da es nicht dahin^gehend ausarten darf, dass eine freie Diskussion und Entfaltung der einzelnen Gemeindemitglieder nicht mehr stattfinden kann. Unabhängig davon ist nicht klar, aus welchen Gründen der Vorstand überhaupt Zweifel an den in den Frauenräumen vorgetragenen Inhalten haben könnte.

Die Kontroverse offenbart zudem ein Grunddilemma der Struktur des Moscheevereins und dessen Nichteinbindung von Frauen. Zwar ist das Problem, wie bereits oben angedeutet, kein frauenspezifisches Problem – Männeraktivitäten außerhalb des Einflusses des Vorstands dürfen ebenso wenig stattfinden – allerdings sind Frauen in besonderem Maße betroffen, da nicht nur die organisierten Treffen verboten werden, sondern selbst das normale Gebet zu Abend- oder Nachtzeiten! Da vermischen sich die Kontrollwut und eine Abwertung der weiblichen Gemeindemitglieder, die ja auch “zuhause beten” könnten.

Diese Benachteiligung der Frauen zeigt sich nicht zuletzt auch im Vorwurf des “Dreckigseins”. Zwar war in der Vergangenheit aufgefallen, dass die Frauenräumlichkeiten ab und zu nicht sauber gemacht wurden, allerdings muss man beachten, dass die frühere Lösung der Frauen – eine Frau fürs Aufräumen zu bezahlen – nicht ohne Komplikationen durch den Verein und schon lange nicht mit Finanzierungshilfen einherging. Wenn schon die Finanzen angesprochen werden, dann sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Räume der Frauen seit mehreren Jahren einer gründlichen Renovierung bedurft hätten – angefangen bei den gefährlichen, da reparaturbedürftigen Stromdosen, über das Badezimmer, dessen Toilette wohl leckt, bis hin zu den Wänden, die teils zu schimmeln angefangen haben und keine Gardinenstangen zu halten im Stande sind. Die einzige wirkliche Renovierung fand vor vielen Jahren im Kinderbereich statt, was – wie gesagt – von Förderern und Eltern der Kindergruppe finanziert und bewerkstelligt wurde, also nicht vom Moscheeverein selbst. Im Gegenzug sind Frauen immer diejenigen, die bei früheren Veranstaltungen eine gründliche Reinigung auch der “Männerräumlichkeiten” vorgenommen haben und für Essen und Trinken gesorgt haben, während der männliche Vorstand – und nicht zuletzt der jetzige Vorsitzende – sich in schöne Kleidung gehüllt hatte, um vor allem die ranghohen Gäste zu empfangen6. Jetzt Frauen Unordnung und Dreckigsein vorzuwerfen, ist nicht nur sehr perfide, sondern auch zutiefst beleidigend.

Interessant ist auch, dass diese Praxis im Umgang mit Frauen sehr weit von den Zielen entfernt ist, von denen mir der jetzige Vorsitzende vor vielen Monaten persönlich ‘gepredigt’ hatte. Er wollte gar einer offiziellen Mitgliedschaft von Frauen die Tore öffnen, damit sie auch in Belangen, die die gesamte Moschee angehen, mitentscheiden können.

Where do we go from here?

Eine Moschee besteht nicht nur aus den Gemeindemitgliedern, sie gehört ihnen auch. Das ist zwar rechtlich nicht der Fall – das Gebäude und das Grundstück gehören natürlich dem Verein – aber moralisch schon! Nicht der Verein hat dieses Gebäude gekauft, sondern die Gemeindemitglieder, die das Geld gespendet haben, die ihre Arbeit darin investiert und zu früheren Aktivitäten beigetragen haben. Es ist ein frustrierendes Dilemma, dass damit kein automatischer rechtlicher Anspruch auf Mitbestimmung verbunden ist. Aber aus der moralischen Wirklichkeit entsteht eine Handlungspflicht. Es kann nicht so weiter gehen, wie es bislang lief!

Aber was kann man tun, wenn man keine rechtliche Handhabe hat? Eine Lösung haben bereits mehrere Gemeindemitglieder vorgeschlagen und andere ihnen bereits vorgemacht: sich zurückziehen, andere Moscheen besuchen oder vielleicht mal eine neue Moscheegemeinde gründen. Nicht nur ist dieser Lösungsansatz nicht gründlich durchdacht – warum noch eine Moschee gründen, wenn man doch Schweiß und Geld in eine andere gesteckt hat? – er dient anderen Moscheevereinen als schlechtes Vorbild, die sich eines unlieb gewordenen Teils ihrer Gemeinde entledigen wollen.

Ich würde gerne eine Diskussion über Handlungsmöglichkeiten sehen, die der Gemeinde zur Verfügung stehen. Ich selbst bin der Meinung, dass derzeit nur öffentlicher Druck ein Einlenken des Vorstands zustande bringen könnte. Öffentlicher Druck besteht zunächst einmal in der Informierung der anderen Gemeindemitglieder, die von den Problemen nichts mitbekommen. Im erweiterten Sinne sind natürlich auch die anderen Moscheevereine – nicht zuletzt auch die Kooperationspartner – und staatliche bzw. politische Stellen zu informieren. Der Druck, der durch die Bekanntmachung und die daraus resultierende peinliche Situation entstehen würde, kann vielleicht dazu beitragen, dass der Verein zum Handeln gezwungen wird.

Aber das ist nur ein Ansatz. Es wäre schön, wenn sich eine Diskussion – online wie offline – anschließen könnte, damit die Gemeinde gemeinsam agieren kann.

  1. mehr zu den bisherigen Streitereien findet sich in den Artikeln “Demokratische Moscheen“, “Verantwortlichkeit in Moscheen“, “Streitschlichtung? Doch nicht so…” und “Al-Huda bedeutet “die Rechtleitung”“[]
  2. in den Frauenräumlichkeiten wurden die Reste des Teppichs verlegt, die vom Verlegen in den Haupträumen, den Männerräumen, übrig blieben[]
  3. aktuell vermeldet der Verein, dass ein Imam unterhalten wird[]
  4. u.a. sie seien unhöflich[]
  5. eine ernsthafte Verletzung ist wohl nicht entstanden. Gleichwohl ist der tätliche Übergriff keineswegs gerechtfertigt, natürlich![]
  6. das ist keineswegs die Praxis in anderen Moscheen Hannovers[]

Wieder Personenkontrolle vor Moschee in Hannover

authorOmar | 9. November 2009

Die HAZ vom Samstag und mehrere Bekannte berichten wieder, dass die Polizei am letzten Freitag im Rahmen der verdachtsunabhängigen Personenkontrollen in Hannover um die Salahuttin-Moschee alle ein- und ausgehenden Personen kontrolliert haben. In dem nicht online zu findenden Artikel der HAZ steht:

Insgesamt überprüften die Beamten 58 Personen und sechs Fahrzeuge. Seit 2003 kontrolliert die Polizei zum Freitagsgebet Moscheebesucher und lässt sich deren Pässe zeigen.

Nur einen Tag zuvor hatte die HAZ einen Artikel der epd abgedruckt, der sich mit der Tagung des Deutschen Islamforums beschäftigte. Das Forum, das am Donnerstag stattfand, beschäftigte sich u.A. mit dem Themenkomplex “Datenschutz und Muslime”. Referent war Rechtsprofessor und Datenschutzexperte Spiros Simitis, der einen sehr interessanten Vortrag über die Hinter- und Entstehungsgründe und -umstände der Datenschutzgesetze in Deutschland hielt. Er machte den Anwesenden klar, weshalb Datenschutz kein nebensächliches Thema, sondern essenziell ist. Weiterhin machte er auf die Pflichten der Datenschutzbeauftragten aufmerksam, die u.A. dafür da sind, die Löschung möglicher unrechtmäßig gespeicherter Daten zu veranlassen. Er ist der Ansprechpartner für alle Belange rund um den Datenschutz und muss deshalb aber auch aktiv angesprochen/angeschrieben werden.

Ich war als Koreferent eingeladen und habe einige besondere Berührungspunkte von Muslimen (und muslimischen Organisatioen) mit für Datenschutzfragen relevanten Praktiken aufgezeigt, um dann das meines Erachtens wichtige Problem der fehlenden Aufklärung unter Muslimen hinsichtlich ihrer Rechte (hier vor allem zur informationellen Selbstbestimmung) aufmerksam zu machen. Vor allem die aus eher authoritären Staaten migrierten Muslime sind m.E. nicht einfach dahin zu bringen, gegenüber dem Staat und seiner Exekutive konstruktive Kritik vorzubringen oder ihre Rechte zu erstreiten. Das ist auf persönlicher Ebene vor allem das Problem, für Vereine ist allerdings das Erstreiten der Rechte auch deshalb schwierig, weil sie sich um ihre Außenwahrnehmung und ihre politischen Beziehungen im Falle ständiger Beschwerden fürchten müssen.

Was die Personenkontrollen vor Moscheen angeht, so ist vor allem festzuhalten, dass sie ziemlich unsinnig und ohne wirkliche Ergebnisse sind. Übrigens genauso wie die Rasterfahndung, die inzwischen nicht mehr stattfindet, aber in der Vergangenheit (unmittelbar nach dem 11. September) kaum verwertbare Ergebnisse hervorgebracht hatte1. Das wurde inzwischen nach einem Beschluss des Verfassungsgerichts2 eingestellt, allerdings war damals schon die Rasterfahndung sowieso schon abgeschlossen! Die Justiz kann es eben nicht immer richten. Sie hinkt der Exekutiven einfach zu sehr hinterher.

Und die Personenkontrollen vor Moscheen? Muslimen wird geraten, gegen die Praxis zum Einen eine Petition einzulegen (das geschieht angeblich derzeit) und ansonsten dagegen zu klagen. Die Klage wird wohl langwierig und kostspielig sein. Es ist zu erwarten, dass über einen längeren Zeitraum Muslime medial mit diesem eher negativ besetzten Thema in Verbindung gebracht werden. Eine bessere Möglichkeit wäre m.E., politisch aktiv zu werden und sowohl über die (Massen-)Erfragung der gespeicherten Daten über den Datenschutzbeauftragten, als auch über die Kontaktierung derzeitiger Oppositionsparteien für Gegenwind für den übereifrigen Innenminister zu sorgen.

  1. ein Fall, der mit der Rasterfahndung nichts zu tun hatte und einer, der sich als schlichte Denunziation aufgrund eines Familienstreits herausgestellt hatte wurden 2003 vom Innenminister genannt[]
  2. bin mir gerade nicht ganz sicher[]

WDR Zeitzeichen erinnert an den Kalifen Omar Ibn al-Khattab

authorOmar | 3. November 2009

Gerade im WDR5 angehört: Ein interessanter Beitrag zum Leben und Wirken Omar Ibn al-Khattabs im Programm “Zeitzeichen” des WDR.

03. November 644: Todestag des Kalifen Umar I.

Umar war einer der ersten Muslime überhaupt und – obwohl mehr als 20 Jahre jünger – einer der Schwiegerväter des Propheten Muhammad. In die zehnjährige Amtszeit Umars als zweiter Nachfolger (Kalif) des Propheten fällt die Eroberung großer Gebiete, die heute islamisches Kernland sind: Palästina, Syrien, Irak, der Südwesten von Persien, Ägypten und das libysche Küstenland bis Tripolis. Die benachbarten antiken Großreiche der Byzantiner in Norden und der Perser im Osten hatten den motivierten muslimischen Kämpfern wenig entgegen zu setzen. Umar ibn al-Khattab war als Kalif an den meisten Eroberungszügen jedoch nicht persönlich beteiligt. Er wurde von einem persischen Sklaven ermordet. Autor: Tobias Mayer © 2009

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Wikipedia spricht vom 7. November als Todestag, aber wen interessiert diese kleine Differenz..

Pierre Vogel: Versammlung der Umma! Wirklich?

authorOmar |

Die üblichen Gruppierungen rund um Pierre Vogel verschicken wieder Emails, nachdem die Schamfrist nach ihrem Debakel um den Fall der fünffachen Mutter Natalie Bracht scheinbar abgelaufen ist1. Diesmal geht es um den Prozess des Mörders von Marwa El-Sherbini, der in der letzten Woche anlief und wohl bis Mitte diesen Monats zuende gebracht wird. Hier ein Auszug aus einer Email, die mich heute morgen erreichte:

Salamu alaikum, es geht um den Mord unserer Schwester in Dresden und eine Versammlung der Umma am [xx].11.2009.

Bitte unbedingt anhören!!! Bis zum Ende!!! Und weiterleiten!!! InschaALLAH kheir.

Mögen soviele Muslime als möglich erscheinen um ENDLICH auch zu zeigen, daß wir eine UMMA sind inschaALLAH !!!

Wirklich? Eine Versammlung der Umma? Und wofür? Wählen wir einen neuen Kalifen? Können wir Pierre Vogel endlich abwählen?

Die Umma, das bin ich

Warum glauben diese Leute2 eigentlich mit ihren knappen hundert Leuten, die zu den “Kundgebungen”3 zum Mordfall Marwa El-Sherbini dazugestossen sind4, “die Umma” zu respräsentieren? Sie beschweren sich ständig, dass die Umma schlafen würde, dabei sind alle wach, schauen auf sie und denken sich: “Mann, ihr Pappnasen, setzt euch hin, ihr habt noch nichts wirklich verstanden und führt euch auf wie diejenigen, die ihr kritisiert.”. Zumindest denke ich so und folge ihrem Beispiel im “Von-mir-auf-andere-Schließen”! ( ;-) ) und gehe weiter: “ihr seid Teil des Problems”. Wer weiß, ob sie – sektiererisch wie sie sonst vorgehen – Marwa zu Lebzeiten auch als gute Muslima bezeichnet hätten. Ich möchte es zwar nicht ausschließen5, glaube aber, dass sie sich selbst diese Frage stellen sollten, weil Marwa El-Sherbini aufgrund ihrer in der Presse kolportierten Lebensweise (trug Jeans, war berufstätig, schickte ihr Kind in die Kita) sicherlich für einige von ihnen überhaupt nicht dem Ideal einer muslimischen Frau entsprochen hätte und so einiges von denen zu hören bekommen hätte.

Aber zurück zum Thema: Eine Versammlung also in Dresden und vor dem Gerichtssaal. Eine Versammlung von Muslimen vor dem Gerichtssaal! Wozu eigentlich?

Ich kenne Pierre Vogel nur von Online-Videos seiner Vorträge, die recht lang und monologisch ablaufen. Auch in der besagten Email wird ein zweiteiliges, 20 Minuten langes Video verlinkt [1,2], in dem Abu-Alia, Pierre Abu-Hamza Vogel, Ebu-Enes und Abu-Adam in vielen Worten eine Versammlung vor dem Landgericht in Dresden ankündigen. Ich tue hier so, als ob ich mit Pierre Vogel diskutieren würde. Dazu habe ich die wichtigsten Teile des Videos in Zitate aufgeteilt6 und meine Kommentare und Fragen hinzugefügt.

Nachfragen an Pierre Vogel

Also: Wozu die Versammlung in Dresden?

Denn wir wollen jetzt, wenn die internationale Presse kommt am Wochenende, wollen wir da sein. [...] Die sollen sehen, hier, das interessiert uns. Wir lassen das nicht mit uns machen. Das Maß ist voll.

Und das geht wie??

Aber wisst ihr was? Wir werden an diesem Tag dort sein und ich sage zu jedem Muslim. [xx].11., kommt mit nach Dresden7. Damit die sehen, guck mal hier, die Muslime kommen an.

Ohja, das hat ja auch in der Vergangenheit so gut funktioniert. Ergo, sollten wir das wieder anwenden! “Die Mooslime kommen” sollten wir als Plakat mitbringen. Vielleicht mit einer karikaturistischen Darstellung eines aufgeregten Muslims? Das wird die internationale Presse sehr gerne mit ins Programm aufnehmen. Vielleicht reichen aber auch die dort stehenden Gestalten als stereotypisches Abbild des Vorurteils gegenüber Muslimen aus?

Und was ist das ultimative Ziel der Veranstaltung vor dem Gericht?

Es geht uns nicht um Marwa … direkt. [...] Wenn so einer fragt, werden wir ihm sagen “ja klar, das überrascht uns nicht, dass sie umgebracht worden ist. Weil hier eine Hetze stattfindet unter Beobachtung der deutschen Regierung und die schämen sich noch nicht mal. Sie schämen sich noch nicht mal, zu sagen, wir haben einen Fehler gemacht, wir müssen die Sachen zumachen.

Hassseiten schließen?

Mit “die Sachen zumachen” ist sicherlich die von Ihnen forcierte Forderung nach Schließung von Seiten gemeint, die gegen Muslime hetzen. Da Sie das nicht nur in diesem Video wieder und wieder betonen, muss ich annehmen, dass Sie der Meinung sind, dass Frieden herrschen wird, wenn erst einmal die Hassseiten geschlossen sind8. Würden denn nicht auch Ihre Vorträge und befreundete Internetseiten unter das Hassseitenverbot fallen? Sie meinen doch Seiten, die

einfach die Propaganda, die damals die Juden umgebracht hat, wirken [lassen]

Die Juden, das sind die, von denen Sie sich nach eigener Aussage fragen,

warum sind sie so mächtig?

Nebenbei Herr Vogel: Wie bringen Sie in Verbindung, dass Juden angeblich so “mächtig” sind und dabei ständig antisemitischen Angriffen ausgesetzt sind? Müssen Sie nicht beantworten.

Größenwahn

Herr Vogel, Sie scheinen ja richtig gut vernetzt zu sein. Ihnen zufolge scheint die internationale Presse nur durch “einige Brüder” auf den Mordfall an Marwa El-Sherbini gekommen zu sein.

Wallahi Brüder, wir waren von der ersten Stunde dabei [Schnitt] hat uns ein Bruder angerufen, der den Bruder kennt, der im Amtsgericht getötet wurde. [Wie bitte??] Der hat gesagt, da ist eine Frau wegen Kopftuch im Amtsgericht getötet worden. Abends sind wir in die Internetseite gegangen, haben geguckt überall, was stand dort im Videotext, “Frau im Gerichtssaal erstochen”. Achso, Frau.. Da siehst du direkt, die wollen es verheimlichen. Am nächsten Tag, nix! Ja, Schaukelstreit!

Naja, ich zweifle daran, dass Presseagenturen eine solche geistige Bestimmtheit als Quelle nehmen. So schlecht sind sie doch nur ganz selten.

Herr Vogel, bei aller berechtigten Kritik: Die rechtslastige “Die Welt” schrieb noch am Nachmittag des 1. Julis, dass “die junge Frau, eine aus Ägypten stammende Muslimin” ein Kopftuch trug. Der Artikel ist noch vor dem Abend erschienen. Wie haben Sie den verpasst?

Zurück zu den Errungenschaften der “Brüder” um Sie herum:

Und wer mal genau aufpasst, der sieht, dass die Medien jetzt kleinlaut geworden sind, viel kleinlauter. Seit diesen Kundgebungen, die wir gemacht haben, haben wir positive Berichte teilweise in den Medien gesehen. Die trauen sich nicht mehr so’n Unsinn zu schreiben.

Wie jetzt? Aber zu den Kundgebungen sind doch – Gott sei Dank – gar keine Medien gekommen. Mal ehrlich: wären sie gekommen, hätten Sie sich nicht nur vor einer noch größeren Öffentlichkeit mit der “Natalie Bracht”-Geschichte blamiert, Sie hätten sogar tatsächlich immer weiter mit den peinlichen Kundgebungen gemacht, wie Sie das immer wieder betont hatten. Welche weiteren Erfolge können Sie denn vorweisen?

Theo [sic] Sarrazin ist total kritisiert worden – teilweise – in den Medien wegen seinen Aussagen. Das heißt aber, warum? Weil wir was getan haben, weil wir gesagt haben “hier, so darf man nicht über uns reden. So darf man nicht verallgemeinern”, aber dazu muss man was tun.

Wow! Die Kritik an Herrn Thilo Sarrazin kam aufgrund Ihrer Kundgebungen? Ich bin erstaunt über so viel Größenwahn! Und nebenbei: Es kam ja bei Weitem nicht nur Kritik an den Aussagen Sarrazins, sondern auch zu einem nicht unerheblichen Teil Zustimmung – im Prinzip so wie diese Quasidiskussionen auch vor ihren Kundgebungen stets gelaufen sind.

Medienauftritt und Quittungen

Einige Brüder, die haben so viel Emails verschickt an internationale Pressegesellschaften, ansonsten wäre die ganze Sache unter den Teppich gekehrt worden. Deswegen ist die Presse jetzt da. Die wollen uns verheimlichen.

Und jetzt sind wir da angekommen, worum es Ihnen genau geht, Herr Vogel: Der große Medienauftritt von den vier Musketieren – oder zumindest von Ihnen – bleibt derzeit aus. Und dafür sollen alle zahlen! Die Muslime, die Ihrem Aufruf folgen, sollen mit ihrer Anwesenheit und ihrer Instrumentalisierung zahlen. Womit müssen alle anderen rechnen?

Die Presse wird zu jedem einzelnen kommen und jemand hat ein Plakat dabei “stoppt die Hetze” usw. Und glaubt mir, da werden die Leute sich wundern, inshaallah wird das dann schööön ins Ausland gehen. Mit uns hat keiner geredet [wozu denn auch?], wollen sie ja nicht, die wollen uns schön in die Extremistenecke reinstecken, dann werden sie’s an dem Tag werden sie ihre Quittung bekommen.

Was steht denn so auf der Quittung?

Ja und wenn es dann zu einem Massenaufschrei in Pakistan, Iran oder Ägypten kommt vor der deutschen Konsulat, dann können wir dann auch nichts dafür. Die hätten zu uns kommen müssen, diese ganzen Verräter9. Ganz klarer Fall. Die wollen uns in die Ecke stellen, die wollen uns als Terroristen darstellen?!

Achso! Den Massenaufschrei hätten Sie nicht zu verantworten, auch wenn er als Konsequenz Ihres Handels entstehen würde10, ja? Aber wie war das denn mit der Verantwortlichkeit im Falle von Alex W.? Sie gehen doch davon aus, dass die antimuslimischen Hetzer eine Mitverantwortung am Handeln von Alex W. tragen. Sie, Pierre Vogel, hatten den Mord doch schon allein anhand der Anti-Islam-Propaganda prophezeit und bringen die Verantwortlichkeit mit folgendem Satz zum Ausdruck, wo Sie Alex W. beschreiben:

[über Alex W.] “Von jemand, der von den Zehspitzen bis zur Haarspitze mit Anti-Islam-Propaganda vollgepumpt war.”

Also, wie jetzt? Sind Hetzer für die Konsequenzen ihrer Hetze verantwortlich oder nicht? Ich würde ja dafür plädieren, dass das der Fall ist. Das ist immer dann der Fall, wenn jemand gegen eine Gruppe agitiert und sie verunglimpft und somit – wenn auch nur indirekt – Gewalt gegen diese Gruppe rechtfertigt. Das ist aber auch der Fall, wenn gegen einen Staat agitiert wird oder Lügen darüber verbreitet werden, wie Sie das etwa unlängst ohne maßgebliche Richtigstellung im Falle von Natalie Bracht taten. Oder zählt das nicht? Aber Sie sagten doch selbst,

Und ich weiß ganz genau, bei vielen Brüdern ist das Maß ganz gewaltig voll.

Ja, nämlich teilweise auch so voll, dass Ihr Anstacheln diese Brüder dazu bringen könnte, Gewalt anzuwenden. Sie gehen doch selbst davon aus, dass als Resultat ihrer Agitation Massenausschreitungen in “Pakistan, Iran oder Ägypten” stattfinden könnten. Da reicht es nicht, sich gegen Gewalt auszusprechen, wenn man die Konsequenzen seines eigenen Handels nicht abwägt oder diese sogar stillschweigend hinnimmt. Haben Sie mal darüber nachgedacht?

Also, lieber Pierre Vogel, nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um über das nachzudenken, was Sie tun. Ist es wirklich ein konstruktiver Beitrag zum Zusammenleben in Deutschland oder ist es nicht eher dämlicher Aktionismus, der kein klares Ziel hat und im Prinzip nur Medienhascherei ist? Als Maßstab mag gelten, ob sie auch ruhig über die Sache reden können – und zwar am Tisch, im Dialog, ohne schreien zu müssen, ohne Zuschauer, ohne Kamera und vor allem ohne internationale Presse. Wenn Sie das hinter sich haben, dann können Sie das vielleicht besser bewerten.

Unabhängig von dem Ergebnis dieser recht interessanten Untersuchung, wäre ich froh, wenn Sie in Zukunft nicht automatisch davon ausgehen würden, dass Sie die Umma vertreten oder dass alle anderen Muslime “schlafen” würden. Und bitte, geben Sie auch nicht vor, dass Sie die Zukunft sehen könnten, das ist doch arg unislamisch, wenn ich das mal so seicht ausdrücken darf.

  1. leider ist mein Artikel diesbezüglich immer noch nicht fertig[]
  2. konkret meine ich hier: Abu-Alia, Pierre Abu-Hamza Vogel, Ebu-Enes und Abu-Adam[]
  3. kund getan haben sie nur recht wenig Konkretes und die Forderungen – typischerweise “schließt die ‘Hassseiten’” – können unüberlegter nicht sein[]
  4. von denen die meisten selbst mitorganisiert und aufgerufen haben[]
  5. ich kannte sie letztlich ja auch nicht[]
  6. die Grammatikfehler und komischen Satzbauten sind nicht mir geschuldet! Die Zitate sind von mir neu geordnet.[]
  7. an anderer Stelle ruft Pierre Vogel sogar explizit “alle” Muslime auf und zählt extra Schiiten und Sufis auf. Von Mitspracherecht sagt er nichts. Dafür gibt es aber gerne ein Fürspracherecht..[]
  8. Nicht “Meinungen machen Seiten”, sondern “Seiten machen Meinung”. Natürlich stimmt beides, aber vor allem stimmt, dass die Meinungen nicht verschwinden werden, wenn man die Seiten verbietet[]
  9. ja, ich weiß. Es ist nicht klar, wen er eigentlich mit “Verräter” meint.[]
  10. was ich persönlich für ziemlich unwahrscheinlich halte[]

Schweigen in der Sache – Berichterstattung, die umhaut!

authorOmar | 1. November 2009

in der ZDF-Mediathek findet sich neuerdings ein Video aus der Sendung ZDF aspekte vom Freitag, den 30.10.2009. Unter dem Titel “Schändliches Schweigen” geht darin eine Frau Anna Bernard angeblich auf “den Fall” der ermordeten Marwa El-Sherbini ein. Wie sie das tut wäre sehr witzig, wenn es denn nicht so traurig gewesen wäre. Erst die Ansage:

Am 1. Juli wurde eine junge Ägypterin im Landgericht Dresden von einem Russlanddeutschen mit 16 Messerstichen ermordet. Danach wurde die Frage gestellt, ob es in Deutschland ein unterschwelliges rassistisches Klima gibt. Diese Frage stellte man sich natürlich auch in der islamischen Welt – vor Allem in Ägypten. Diese Woche hat nun der Prozess gegen den 28-jährigen Angeklagten begonnen – der tobt im Gerichtssaal, schweigt aber in der Sache.

Das nehmen sich scheinbar die Macher dieses Programms zum Motto: Schweigen in der Sache! Aber eins nach dem Anderen. Mit welchen Mitteln des hohen Journalismus möchte die Reporterin nun an den Fall herantreten. Wie wird sie “den Fall Marwa El-Sherbini” behandeln?

Meine Kollegin Anna Bernard hat mit zwei Autoren über den Fall gesprochen, die beide Kulturkreise sehr genau kennen. Der eine ist der berühmteste ägyptische Schriftsteller, Alaa Al-Aswani, der andere der Wissenschaftler Hamed1 Abdel-Samad, der seit Jahren in Deutschland lebt. Und beide kommen zu bemerkenswerten bis sehr selten gehörten Erkenntnissen.

Man muss wissen, Hamed Abdel-Samad ist seit 1995 in Deutschland – das sind 14 Jahre – hat sich seine deutsche Staatsbürgerschaft mit einer Scheinehe erschlichen2, “litt an Amnesie, Bandscheibenvorfall und Magenblutungen, hörte Stimmen und hatte Halluzinationen” sodass er in die Psychatrie eingeliefert wurde, wo er angeblich Selbstmordversuche unternahm. Wie lange er dort verbrachte, fand ich nicht heraus. Er ist wohl derzeit dabei zu promovieren3. Seit 1995 hat er etwas mehr als ein Jahr in Japan verbracht, offenbar lange genug, um seine “wahre Liebe” zu finden. Damit müsste sich seine tatsächliche Verweildauer in Deutschland sogar auf unter 14 Jahre belaufen. Trotzdem soll er Deutschland “genau” kennen.. Da hätte ich noch ein paar andere ‘Deutschlandkenner’, die ein gänzlich anderes Meinungsbild wiedergeben würden – und vielleicht sogar etwas zum Fall zu erzählen hätten.

Der andere Interviewpartner ist Alaa Al-Aswani – bei weitem nicht der berühmteste Schriftsteller in Ägypten, dafür aber scheinbar der berühmteste ägyptische Schriftsteller im Westen, weil er anscheinend pornografische Filmelemente nutzt. Woher man die Annahme nimmt, dass dieser Mensch die Kultur Deutschlands “genau” kennt, erschließt sich mir nicht, da er selbst im Interview mit dem deutschen Fernsehkanal auf Französisch antwortet. Ist “Deutsch” nicht Teil der deutschen Kultur? Dann muss man sich wieder fragen, warum gerade er zum Interview herangezogen wird, wo es genügend Deutsch-Ägytische und ägyptische Kulturvereine in Deutschland gibt, die die Situation wahrscheinlich weit besser beurteilen können und auch noch die Fragen auf Deutsch beantworten können.

Nach einer kurzen Einleitung, in der dem Zuschauer kurz der Hergang des Mordes an Marwa El-Sherbini erklärt wird, kommt zunächst Alaa Al-Aswani4 dran, der zumindest seine Aussage präzise wiedergeben kann:

Erstens, hat es fast eine Woche gedauert, bis es von offizieller Seite eine erste Reaktion gab. Und zweitens, selbst in den deutschen Medien wurde dieses Verbrechen erst thematisiert, als es in Ägypten Proteste und Demonstrationen gab. Wir in Ägypten stellen uns ehrlich gesagt immer die Frage, wäre das Opfer aus Israel gewesen, hätte die deutsche Regierung auch so reagiert?

Dann ist Hamed Abdel-Samad an der Reihe und spricht in scheinbar gebrochenem Deutsch – zumindest was seine Aussprache angeht. Ihm wurde aber scheinbar keine Frage zum Mordfall gestellt, sondern vielmehr zur Reaktion in Ägypten. Hier vollzieht Frau Bernard schon die Wende weg vom eigentlichen Thema, hin zur Reaktionsqualifizierung. Eben: “Schweigen in der Sache”!

Das hat auch – wiederum – etwas mit dem Selbstbild der Muslime zu tun – mit dem Beleidigtsein der Muslime zu tun. Muslime spüren seit Generationen ein Gefühl der Demütigung und Ohnmacht gegenüber dem Westen. Ob es Muhammad-Karikaturen, ob es die Papst-Rede in Regensburg oder eine britische Lehrerin, die ihren Teddy-Bär Muhammad nennt – Muslime finden immer einen Anlass, gekränkt und gedemütigt zu werden.

Interessante Auflistung! Die Muhammad-Karikaturen, in denen ein Staat noch nicht einmal den Vorwurf der Volksverhetzung verfolgen wollte und der erst zum Thema wurde, als Muslime auf die Straße gingen, wird mit der Rede des Papstes in Regensburg verglichen, bei der gerade Muslime mit einem offenen Brief und einer offenen Einladung einer Pöbeldiskussion aus dem Weg gingen und das wiederum mit einer tatsächlichen Pöbeldiskussion mit “Happy Ending”, die nun von Islamophoben auf der ganzen Welt missbraucht wird5, wo sich aber vor allem auch Muslime eingesetzt hatten, um dieses Ende herbei zu erarbeiten. Hauptsache ist: Muslime sind doch immer beleidigt! Zur Bestätigung benutzt die Sprecherin die angebliche Beschwerde einiger Muslime gegen die Schalke-Hymne und den ‘hach so netten’ Vorschlag, Toilettenpapier mit dem Koran zu bedrucken6. All das wird zur Bestätigung der als Buchtitel veröffentlichten Aussage von Abdel-Samad “Ich bin Moslem, also bin ich beleidigt” herangezogen.

An dieser Stelle fragt man sich, was man zum Mordfall alles erfahren hat, nach mehr als der Hälfte des Films, genauer gesagt, nach 4 Minuten und 40 Sekunden von insgesamt 6 Minuten und 37 Sekunden. Das Resultat geht stark gegen Null. Aber dann wird es noch besser: Die restliche Zeit wird vor allem von einer Biographie von Hamed Abdel-Samad dominiert7, wo vor allem seine psychischen Probleme beschrieben werden und dann – das ist richtig interessant – auch von ihm auf die ganze muslimische?/arabische? Gesellschaft ausgeweitet wird. Abdel-Samad:

In der Psychatrie schreibt er sich seine Geschichte von der Seele – mit schonungsloser Offenheit.

Abdel-Samad: Ja, es war ein Kampf, erstmal zu verstehen, was ist in meinem Leben schief gelaufen ist und damit war die Frage verbunden, was ist in unser Kultur schief gelaufen. Warum gibt es so viel Gewalt? Warum gibt es so viel Doppelmoral? Warum sind wir nicht fähig, unverkrampft, über unsere Religion, über unsere Probleme zu sprechen?8

Meine Analyse: Da muss jemand dringend wieder in die Psychatrie. Er übt nämlich keine Selbstkritik, er kritisiert alle anderen um ihn herum und schiebt seine eigenen Probleme auf die “Kultur” und wirft allen anderen Muslimen/Arabern/Ägyptern(?) vor, sie lebten in Gewalt und Doppelmoral. Typisches Von-sich-auf-andere-Schließen, wie man ihn bereits von anderen Kronzeugen islamophober Mitbürger kennen. Die Sprecherin sieht das ein wenig anders:

Was er von seinen Landsleuten erwartet, hat er vorgemacht: Aufklärung durch Tabubruch!

Und jetzt will die Sprecherin den Kreis schließen. Denn eigentlich ging es doch nicht um die Araber/Muslime/Ägypter oder auch nur um Herrn Abdel-Samads Probleme, sondern vor allem um den Mordfall an Marwa El-Sherbini.

Fehlende Aufklärung führt zu Aggressionen. Auch bei uns. Der Mord von Dresden beweist es. Eine Tat – zu furchtbar, um sie zu relativieren9 oder zu instrumentalisieren. Marwa El-Sherbini sollte in diesem Gebäude Gerechtigkeit widerfahren. Stattdessen verlor sie ihr Leben. Tragischer hätte diese Geschichte nicht ausgehen können.

Und das sind tatsächlich die letzten Worte in diesem Bericht! Was diese Sätze mit den Interviews und der Kurzbiographie zu tun haben, wird wohl keinem wirklich klar. Ich denke mal, der Frau ist aufgefallen, dass sie im Bericht fast nichts zum Fall selbst sagt.10

Der Bericht ist ein einziger Witz und im Falle des öffentlichrechtlichen Fernsehens eine Art, öffentliche Gelder zu verschwenden. Aber ich bin natürlich der beleidigte Muslim. Ein Bild von mir (oder irgendeinem anderen “muslimischaussehenden” Menschen), wie ich ein groteskes Plakat mit Forderungen nach Mord und Totschlag des Westens hochhalte, müsste noch gesucht werden, um der Sache gerecht zu werden. Herr Abdel-Samad, übernehmen Sie.

An die Kommentatoren: Erst nachdenken, dann schreiben!

  1. sie spricht das eher wie “Hachmed” aus, aber das nur nebenbei[]
  2. wie er selbst zugibt[]
  3. und allein deshalb nicht “Wissenschaftler”, sondern angehender Wissenschaftler..[]
  4. lustig, wie Frau Bernard seinen Namen total falsch ausspricht ‘Ala A Al-Aswani’[]
  5. übrigens: darüber beschwert sich keiner; nur darüber, wenn Muslime einen Mord für eigene Forderungen nutzen..[]
  6. “gegen die Frau wird eine ‘Fatwa’ erlassen” sagt die Sprecherin, aber nicht, was der Inhalt der Fatwa ist.[]
  7. bis zur 6. Minute und 10 Sekunden[]
  8. grammatikalische Fehler nicht von mir![]
  9. ja, wer macht das wohl??[]
  10. im Übrigen: damit liegt folgende zeitliche Verteilung vor:

    • Einleitung: 48 Sekunden
    • Zusammenfassung: 24 Sekunden
    • Aussage Alaa Al-Aswani: 58 Sekunden
    • Biographie Alaa Al-Aswani: 10 Sekunden
    • Aussage Alaa Al-Aswani: 12 Sekunden
    • Aussage Hamed Abdel-Samad: 44 Sekunden
    • Beispiele zur Stützung von Abdel-Samads Aussagen: 44 Sekunden
    • Biographie Hamed Abdel-Samad: 125 Sekunden
    • Zusammenfassung: 27 Sekunden
    • Ausspann: 5 Sekunden

    In anderen Worten: Für den Mord an Marwa El-Sherbini ist die Biographie von Hamed Abdel-Samad ganz wichtig!! []

Karim El-Gawhary: Muslime sind immer die Täter

authorOmar | 26. Oktober 2009

In der taz bringt es Karim El-Gawhary auf den Punkt:

Bei der Berichterstattung rund um den Prozess, der am Montag in Dresden beginnt, könnte es darum gehen, wie eine antiislamische Stimmung in Deutschland, angeheizt von vielen Schreibtischtätern, dem Mörder Alex W. zugearbeitet hat. Stattdessen aber dreht sich alles um die Sicherheitsvorkehrungen im Prozess: die 200, das Gericht schützenden, Polizisten und das extra angebrachte Panzerglas, die den Prozess vor muslimischen Racheaktionen schützen soll.

Ich würde behaupten, dass in der Mehrheit der Berichterstattung zum Fall Marwa El-Sherbini nicht der Kern getroffen wurde, sondern stets die Auswirkungen betrachtet wurden. Es wurde also über die Demonstrationen in Ägypten berichtet, über Kommentare von Verbänden in Deutschland usw. usf.. Eien tatsächliche Diskussion über die Motive des Täters fand nur in wenigen Berichten statt. Und dann wurde die Schuld immer schön weit geschoben. Deutsche sind keine Täter! Alex W. war offensichtlich Täter. Also war Alex W. kein Deutscher. Ein Russland-Deutscher vielleicht, der eher Russe als Deutscher ist..

Das geht aber ein wenig weiter: Mein offener Brief an den neuen Kanzleramtskandidaten Ronald Pofalla liegt nun schon drei Jahre zurück. Damals hatte ihn die “Bild am Sonntag” mit folgenden Worten zitiert:

Das Problem religiös motivierter Gewalt ist heute fast ausschließlich ein Problem des Islam.

Ich hatte ihm dann einige Fälle von religiös motivierter Gewalt beispielhaft im Namen des Christentums aufgelistet. Das hat sein Mitarbeiter in der Antwort auf meinen offenen Brief ignoriert, was ich auch in weiteren Artikeln und Briefen kommentiert hatte.

Aber was lässt einen Menschen so etwas sagen? Meines Erachtens hängt es stark mit der Berichterstattung zusammen. Während durch Muslime begangene Morde automatisch dem Islam zugeschrieben werden – obwohl sie oftmals politische, persönliche oder soziale Hintergründe haben – werden offensichtlich christlich motivierte Anschläge nicht ebenfalls als christlich eingestuft. Ein Beispiel dafür ist die Berichterstattung über die christlichen Milizen der “Lord’s Resistance Army”, einer Gruppierungen, die vornehmlich in Uganda einen “Gottesstaat” errichten wollen. Ihre Methoden verdienen das Beiwort “grausam” und inzwischen greifen sie erstmals auf die sudanesische Region Darfur über, wie der britische “telegraph” berichtet:

The Lord’s Resistance Army, famous for abducting children and maiming its victims, raided a camp for displaced Darfuris in southern Sudan looking for supplies.

The attack raised fears that the LRA now plans to move into the troubled Sudanese region, where the worst of six years of fighting appeared to have subsided recently.

Soweit, so schlecht, aber im gesamten Artikel ist nicht einmal die Rede von Christen oder davon, dass die Terroristen christlich motiviert sind. Auf der anderen Seite wird die Nachricht auch nicht wirklich weitergetragen. Oder hat jemand die Nachricht in deutschen Medien gesehen? Da ist es dann verstänlich, dass behauptet werden kann, dass es nur muslimische Terroristen gibt..

via fareus

Die Moooooslime kommen!

authorOmar | 17. Oktober 2009

Dieser Artikel ist im Original im Englischen auf huffingtonpost.com erschienen. Dean Obeidallah ist seit dem 11. September ein Comedian, der in den USA aufgewachsen ist.


Nicht nur sind Muslime auf dem Vormarsch, sie möchten sogar Amerika1 übernehmen! Zumindest ist es das, was vier republikanische Abgeordnete Kongressabgeordnete heute behauptet haben.

Die Abgeordneten John Shadegg (Ariz.), Paul Broun (Ga.), Trent Franks (Ariz.) and Sue Myrick (N.C.) sind darüber besorgt, da sie herausgefunden haben, dass Muslime auf den Kongress Einfluss zu nehmen. Könnt ihr das glauben? Muslimische Amerikaner wollen einen Beitrag zum politischen System in den USA haben! Gott sei Dank (a.k.a. Allah) dass wir diese vier Kongresswachhunde haben, die aus unseren Steuergeldern dafür bezahlt werden, um vor dem heimtückischen Plan der Muslime zur Einflussnahme auf die Legislative zu warnen.

Diese gewählten “Beamten” haben ihre Vorwürfe auf die Veröffentlichung des Buches “Muslimische Mafia: Berichte aus dem geheimen Untergrund, der sich darauf verschworen hat, Amerika zu islamisieren”, das von Dave Gaubatz geschrieben ist — ein Mann der letztes Jahr behauptete, dass eine Stimme für “Hussein Obama eine Stimme für Scharia-Gesetze” sei.

Nun, ich möchte kurz ausschweifen: “Muslimische Mafia” klingt irgendwie cool. Amerikaner lieben Mafiafilme. “Muslimische Mafia” könnte die erste Serie im US-Fernsehen anregen, die Muslime in der Hauptrolle vorsieht. Vielleicht mag ich den Begriff “Muslimische Mafia” so sehr, weil mein Vater Muslim und meine Frau aus Sizilien kommt. Mit dieser Abstammung bin ich prädestiniert für eine Schlüsselposition in der “Muslimischen Mafia”.

Zurück zum eigentlichen Thema: Versuchen Muslime tatsächlich die USA zu übernehmen? Die meisten Schätzungen gehen davon aus, dass es 3-4 Millionen Muslime in den Vereinigten Staaten gibt. Damit Muslime übernehmen können, müssen sie laut einfacher Mathematik 50 Prozent der 300 Millionen Amerikaner stellen. Bislang fehlt es den Muslimen noch an 147 Millionen Menschen.

Um die muslimische Übernahme Amerikas voranzutreiben — was auch wahrscheinlich irgendwie meine Karriere befördern würde, da ich dann noch öfter von muslimischen Gruppierungen gebucht würde — sind meine arabisch-amerikanischen Komödianten-Freunde Aron Kader und Maysoon Zayid mit mir auf die Straßen von New York City gegangen, um zu sehen, ob wir einige Amerikaner zum Islam “rekrutieren” könnten. (Wir haben das eine Weile her getan, als wir die Vorwürfe zum ersten Mal hörten.) Wir boten Menschen Preise, damit sie zum Islam konvertieren – wie Toaster, Mixer und sogar Sudoku. Hier ist ein Mitschnitt unserer Bemühungen zur Konvertierung von Amerikanern!


Seit einiger Zeit lese ich im Blog Loonwatch, das die Nachrichten über dämliche Islamophobe in Perspektive verpackt, mit Hintergrundinformationen würzt und humoristisch aufbereitet. Einer ihrer letzten Artikel befasst sich mit einem Fall von “Ehrenmord”, der nicht so bezeichnet würde, weil die Protagonisten keine Muslime sind2 und einem Todesurteil auf der Grundlage der Bibel. Alles unter der Frage “Was ist, wenn es Muslime wären?”.

antimuslimcomedy

Außerdem: noch einen Vorschlag für die schnellere “Konvertierung”3 von Menschen zum Islam liefert die katholische Kirche. Sie warnt christliche junge Frauen vor “Liebeskämpfern”4:

Neu Delhi – Vor einem “Liebes-Djihad” warnt die katholische Kirche im indischen Unionsstaat Kerala. Radikale islamische Gruppen setzten Männer auf christliche Mädchen an, um sie zur Hochzeit zu überreden und anschließend zum Religionsübertritt zu zwingen, melden indische Medien laut Kathpress am Mittwoch.

  1. lies: Deutschland, Frankreich, Europa …[]
  2. alles andere ist gleich[]
  3. hört sich immer wie das Konvertieren einer Partition von fat32 zu ntfs, oder so..[]
  4. müsste heißen “Liebes-Djihadisten”[]

Tag der offenen Moscheen in Hannover 2009

authorOmar | 3. Oktober 2009

Ich komme leider in letzter Zeit nicht dazu, das Blog zu befüllen. Aber das zumindest sollte ich noch machen: Morgen Heute ist neben dem Tag der deutschen Einheit auch traditionell der Tag der offenen Moscheen, ein Tag, an dem Moscheen Deutschlands ihre Tore für Besucher öffnen und zum Dialog einladen. Der KRM hat dieses Jahr zu diesem Anlass und zum Anlass des 60-jährigen Bestehens der Bundesrepublik einen neuen Flyer mit dem Titel “Moscheen – ein fester Teil der Gesellschaft” entworfen, der recht schön ist.

In Hannover hat sich bereits die Projektgruppe “offene Moscheen” etabliert, die jeden ersten Freitag im Monat eine Moscheeführung in einer der Hannoverschen Moscheen durchführt. Ausnahmsweise wurde die Moscheeführung des Oktobers auf Samstag, den 3. Oktober verschoben. Die Gruppe bietet Moscheeführungen, Vorträge und Diskussionen in drei Moscheen in der Stadtmitte an.

Es öffnen natürlich noch weitere Moscheen in Hannover ihre Pforten. Eine Auflistung ist wiederum auf offenemoscheen.de zu finden.

Marwa El-Sherbini: Prozess findet doch in Dresden statt

authorOmar | 19. September 2009

Vor zwei Wochen hatte der Anwalt von Alex W. im Mordfall an Marwa El-Sherbini die Verlegung des Prozesses in ein anderes Gericht gefordert. Begründung war:

Er sieht eine „besondere Situation“, weil die im Prozess auftretenden Zeugen den Richtern persönlich bekannt seien, sagte der Dresdner Rechtsanwalt Michael Sturm am Dienstag dem Tagesspiegel. Dies begründe Umstände „knapp unterhalb der Befangenheit“. Das Oberlandesgericht muss nun darüber entscheiden. Auch Sicherheitsgründe sprächen für eine Verlegung, etwa nach Leipzig.

Gestern hatte das Oberlandesgericht Dresden entschieden, dass eine Befangenheit nicht vorliege, da die Beziehung zwischen den Richtern am Schwurgericht und den am eigentlichen Prozess beteiligten Richtern “über ein kollegiales Verhältnis nicht hinausgeht”. Von einer Befangenheit könne deshalb nicht ausgegangen werden.

Tatsächlich könnte sich wahrscheinlich jeder Richter in die Situation der Richter in Dresden hineinversetzen, sodass überall eine ähnlich gelagerte Identifikation stattfinden könnte.

Peinlich: Protest gegen Festlichkeits-Briefmarken in den USA

authorOmar | 7. September 2009

Eid-greetings USA

Eid-greetings USA

Der Bürgermeister von Clarksville Johnny Piper hatte eine dieser hysterischen Emails weitergeleitet, in der zu einem Protest gegen die angeblich neu von Barack Obama eingeführten Briefmarken aufgerufen wurde. Die Briefmarken – die bereits seit 2001 mehrmals aufgelegt wurden – erinnern an die beiden muslimischen Feste. Auf den Postmarken ist in arabischer Kalligraphie “Eid Mubarak” aufgedruckt – der Wunsch eines “gesegneten Festes” also. Piper hatte angemerkt, dass er die Email als reine Information weitergeleitet hatte. Seine Rechtfertigung liest sich indes recht interessant:

“Ich sehe keinen Grund, warum es unpassend wäre [die Email weiterzuleiten]“, sagte Piper und fügte hinzu, dass er dachte, die Email wäre weder anti-muslimisch noch anti-islamisch.

“Ich war über eine Marke erstaunt, die entwickelt wird und dachte andere wären das auch” sagte er.

Piper sagte auch, dass er durch die Erinnerung an diverse terroristische Angriffe gegen Amerikaner schockiert war.

“Meiner Meinung nach bot [die Email] einen Massenmord an den Händen von Muslimen dar,” sagte er.

Er fügte später hinzu: “Für die Akten, ich glaube nicht, dass alle Muslime miteinander mit radikalen Muslimen zusammenhängen, die darauf aus sind, Amerikanern zu schaden.”

“Ich habe einige gute muslimische Freunde,” fügte er rasch hinzu.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Vorschlag der CAIR, dem Bürgermeister einen Koran zukommen zu lassen, ist zwar nicht schlecht, aber an der grundsätzlichen Nichteinsicht eines offensichtlich xenophoben Schreibens wird das nichts ändern – er hat ja schon einige “gute muslimische Freunde”!

Ramadanblogs: Tagesablauf im Ramadan

authorOmar | 6. September 2009

In der zweiten Woche des diesjährigen Ramadans gehts es in den Wochenblogs um den Tagesablauf im Ramadan.

Taner beschreibt sehr eindringlich und mit Liebe zum Detail seinen Tagesablauf vom morgendlichen Aufstehen zu den Rufen seiner Mutter bis zum abendlichen Abtauchen “in das Land der Träume”. Als Schüler wird sein Tag von der Schule dominiert, auf die er sich “während der Fastenzeit besser [im Unterricht] konzentrieren” kann. Entgegen der allgemeinen Auffassung zeigt sich an seinen Ausführungen, wie reich an Arbeit der Tag eines Fastenden sein kann. Schön finde ich, dass der Hunger ihm offensichtlich und an verschiedenen Stellen ‘aus der Feder quillt’ und die Zeilen füllt, er aber gleichzeitig eine “Moral der Geschichte” und seinen eigenen Lerneffekt während des Fastens beschreiben kann.

Tekays
Verschiebung des Arbeitsalltags,
Iftar in der Moschee.
genügend Nahrung,
genügend Schlaf.

Spartanisch beschreibt Tekays die verschiedenen Stationen ihres Alltags. Für einen typischen Überblick keine schlechte Form.

Eine ähnliche Verschiebung des Arbeitsalltags findet sich bei Bilal, wobei man aber bei der Lektüre bemerkt, dass dadurch der Alltag nicht weniger belebt wirkt, auch wenn dadurch die Freiheit des schnellen “Nachmittagsnickerchen” eher gegeben ist. Interessant ist die Wahrnehmung der Gebete innerhalb des Alltags als “Countdown”.

Canaan – die Gewinnerin des Muslimischen Blogwettbewerbs – beschreibt eine gesteigerte Konzentration im Ramadan. Um den Alltag zu bewältigen, schläft sie gerne nachmittags, “da einem eventuell die körperliche Kraft nach einem anstrengenden Schultag fehlt”. Alles in allem, versucht aber auch sie den normalen Alltag beizubehalten.

mein eigener Beitrag

Ich muss gestehen: Leider konnte ich bislang an den beiden Wochenblogs nicht ordnungsgemäß teilnehmen. Da es auch an meinem derzeitigen Tagesablauf liegt, möchte ich kurz ausführen. Mein Tag wird derzeit stark von der Arbeit dominiert, die – da derzeit mehrere Dinge parallel am Institut laufen – sehr anstrengend ist. Wenn ich dann gegen oder nach 18:00 nach hause komme, habe ich mir oft vorgenommen, noch mehrere Artikel zu schreiben, was sich aber meist ob der Müdigkeit verflüchtigt. Dazu hatte ich mir am Anfang des Ramadans vorgenommen, mich nachmittags nach der Arbeit für eine halbe Stunde schlafen zu legen, aber das habe ich bislang nicht in die Tat umgesetzt.

Ich muss sagen, sonderlich hungrig fühle ich mich nur selten, genauso wenig wie ich Durst verspüre, obwohl ich im normalen Alltag stets ein Glas Wasser am Arbeitstisch stehen habe und sie mehrmals am Tag nachfüllen muss1. Dabei nehme ich inzwischen nur noch abends eine Mahlzeit zu mir und bin zu müde, um ein “Frühfrühstück” (Suhur) einzunehmen – ganz bestimmt nicht das, was ich jedem empfehlen würde.. Aber wie sagt man so schön: Do as i say, not as i do!

Schüleralltag

Dazu noch eine Frage, die mir im Zusammenhang mit Ramadan gestellt wurde. Eine Lehrerin eines Gymnasiums rief mich neulich an und wollte ein “Überdenken” der Ramadanregeln anregen. Sie hatte nämlich Probleme mit ihren Schülern, die teilweise nach der vierten Schulstunde nicht mehr leistungsfähig sind und teilweise von Kopf- und Bauchschmerzen klagen. Sie hatte an heißen Tagen einigen Schülern vorgeschlagen, mindestens kurzzeitig ihr Fasten zu brechen, um ein wenig Wasser zu sich zu nehmen, was die Schüler verweigert hätten. Sie klagt ferner darüber, dass die muslimischen Schulkinder auf der einen Seite fasten, auf der anderen Seite in den Pausen mit ihren Mitschülern toben und somit noch mehr Energie verbrauchen, die sie für die nachfolgenden Schulklassen nicht mehr hätten.

Ich persönlich sehe zunächst einmal die Probleme ein. Auf der anderen Seite werden die Regeln des Ramadans nicht von Menschen gemacht und dementsprechend ist ein “Überdenken” nur schwer vorstellbar. Außerdem zeigen Beispiele wie die vorgenannten Schüler deutlich, dass man auch im Ramadan Leistungen erbringen kann. Dies setzt aber voraus, dass man sich im Ramadan vernünftig verhält – ein sinnvolles Frühstück einnimmt, einen harmonischen Tag anstrebt, Überreaktionen, laute Streitgespräche und Toben in den Pausen meidet – kurzum, die Energieeffizienz steigert.

Und da weiß ich nicht, ob wir Muslime nicht schon einiges verpasst haben, was wir hätten liefern müssen. Ich zumindest habe noch keine breit angelegten Workshops oder Vorträge gesehen, die auf den Ramadan – vor allem in den Sommermonaten – vorbereiten. Aber das wäre sinnvoll, denn der Umgang mit den langen Fastenzeiten ist nicht selbstverständlich! Weder für Eltern, Kinder, noch für Schulen.

Was meint ihr dazu? Was hättet ihr der Lehrerin geantwortet? Und an die Schüler vor allem gerichtet: Wie geht ihr mit Ramadan im Sommer um und glaubt ihr, dass [Moscheen/Vereine/Eltern/...] mehr zur Vorbereitung leisten müssten?

  1. dazu muss man sagen, dass ich die Theorie habe, dass das Wasser verdunstet, aber das nur nebenbei[]