Nachdem Kathrin nun das Buch durchgelesen hat und eine Rezension soweit abgearbeitet hat, darf ich mir das Buch “Warum tötest du, Zaid” von Jürgen Todenhöfer schnappen und habe die ersten paar Seiten gelesen. Noch bin ich mitten in der Geschichte vom jungen Iraker Zaid und wie ihn Herr Todenhöfer im Irak trifft und zum Interviewtwerden bewegt.
Der junge Zaid ist Widerstandskämpfer im Irak – und nicht Terrorist! Diese Unterscheidung ist eigentlich trivial, denn bei einer Besatzung wird es immer Freiheitskämpfer geben und daneben gibt es heutzutage politisch gesondert motivierte Terroristen, die im Falle des Iraks sogar zum größten Teil aus dem Ausland kommen. Es ist trotzdem beruhigend, dass der Author auch diesen Aspekt nicht unerwähnt lässt, da sich bei einigen Zeitgenossen der Eindruck erhärtet hat, dass alle Gegner der US-Politik per se Terroristen sind.
Selbstverständlich
Auch in den 10 Thesen, die Jürgen Todenhöfer aufstellt und die online nachzulesen sind, sind vor allem trivial nachvollziehbare Tatsachen aufgelistet. Er trägt sie trotzdem so nüchtern wie möglich vor und erklärt und belegt sie einzeln.
Angesichts der Kriegspolitik des Westens ist es nicht wirklich erstaunlich, dass muslimische Extremisten immer mehr Zulauf bekommen.
Volker Pispers sagt dazu immer:
Sie wundern sich, dass sie Bomben untern Arsch gelegt kriegen. Wann fangen sie an sich zu wundern, warum sie so wenig Bomben unter den Arsch gelegt kriegen?
Es ist beeindruckend, wie weit Jürgen Todenhöfer gegangen ist, um dieses Buch zu verfassen und seine Quellen nachzurecherchieren. Das Buch ist aber trotz der Unlängen an Quellenzitaten keine reine Dokumentation der Zeitgeschichte, sondern vor allem vermittelt es dem Leser die Stimmungslage der einzelnen Betroffenen.
Den viel modernen Gasofen, der daneben, können sie nicht mehr benutzen. Der Inhalt einer etwa 60 Zentimeter hohen Gasflasche, der zu Zeiten Saddam Husseins 12 Cent gekostet hat, schlägt jetzt mit 20 Dollar zu Buche. Das kann sich Abu Saeed, wie die meisten Einwohner Ramadis, nicht leisten. Ein Land, das auf Öl schwimmt, kann seine eigene Bevölkerung nicht mehr mit Energie versorgen.
Den selbst gebauten Lehmofen nennen die Frauen sarkastisch »Bush-Ofen«. “Danke, Mister Bush”, sagt eine der Frauend lachend, “wir wollten schon immer einmal wissen, wie man im Mittelalter gekocht hat.”
Reaktionen – bisher
Das Buch hat bislang schon recht viele Reaktionen ausgelöst. Jürgen Todenhöfer hat dazu nicht zuletzt neben der Webseite auch drei Seiten in drei zentralen Zeitungen – der New York Times, der Frankfurter Allgemeinen und der Al-Quds Al-Arabia – geschaltet. Im Internet finden sich verschiedene Blog- und Massenmedienreaktionen, von denen einige auf der offiziellen Seiten zum Buch verlinkt sind. Hier einige weitere:
- Claudia Troßmann:
Ich empfehle die zehn Thesen Todenhöfers, um nachvollziehen zu können, was nicht erst seit gestern Tod und Elend über Abermillionen Menschen bringt.
- Horst Schulte:
Mich würde interessieren, welche Antwort die Kämpfer gegen den Untergang des Abendlandes haben, wenn sie sich das ansehen, anhören oder durchlesen, was Dr. Jürgen Todenhöfer zum Stand des Terrorismus in unserer Welt zu sagen hat.
- Totengräber der US-Kriegspropaganda:
Wer will schon die Wahrheit wissen?
Alle die ungern ihre Heileweltdenke durcheinander bringen wollen, sollten “Warum tötest du, Zaid?” nicht lesen und sollten auch nicht die WebSite zum Buch besuchen.
- Tivoli-Blog.
- Marco Feindler:
Warum eigentlich hat kein hochrangiger Politiker oder Kandidat diesen Mann als Berater verpflichtet? Repräsentiert Todenhöfer mit solchen Aussagen nicht die Ansicht eines beträchtlichen Teils der (deutschen) Bevölkerung?
sehr gute Frage!
Eine der überraschendsten Rezensionen über das Buch “Warum tötest du, Zaid?” ist im Blatt Frankfurter Allgemeine Zeitung von Nils Minkmar erschienen. Der Anfang des Artikels stellt bereits die wichtigsten Fragen:
Vorbereitung eines Angriffskrieges. Jeder Schüler kennt diesen Anklagepunkt des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals. Jeder Fernsehzuschauer weiß, dass der Krieg gegen den Irak ein Angriffskrieg war. Dennoch gibt es kein Tribunal, keine Angeklagten, kein Verfahren.
Die Würde des Menschen ist unantastbar, weiß jeder. Dennoch ist es schon in der Berichterstattung ein Unterschied, ob ein Deutscher, ein Europäer, ein Amerikaner ums Leben kommt oder ein Araber – im letzten Fall erfahren wir nicht mal den Namen des Opfers. Schließlich ist der Mehrheit längst klar, was von den Argumenten für den Irakkrieg zu halten ist, der erschütternde Film „Leading to War“, kostenlos einsehbar auf der gleichnamigen Website, kommt daher völlig ohne Kommentar aus. Der Krieg tobt ohne Berechtigung, aber nicht weniger heftig.
Wie in den Kommentaren so auch in Blogs sind einige ob dieses FAZ-untypischen Artikels bestürzt. Über die Anfangssätze des FAZ-Artikels schreibt “weissgarnix”:
Ich mußte diese Sätze ein paar mal lesen, um schliesslich glauben zu können, was da stand. Und um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: natürlich ist das so, und natürlich wissen wir das auch alle, mich eingeschlossen. Aber ich kann mich nicht erinnern, ähnliches in dieser prägnanten Form und Ausdrucksstärke auch nur ein einziges mal früher irgendwo gelesen zu haben. Ich bin zwar sicher, dass Blätter wie die taz in vergleichbarem ductus gegen den Irakkrieg geschrieben haben. Aber die großen, überregionalen Zeitungen? Da stand meist nur verklausulierte Kritik, mit einer Menge Fragezeichen nach jedem Satz, wie etwa “Hat dieser Krieg eine Berechtigung?” oder “ist er gar völkerrechtswidrig?” und dergleichen mehr.
Auch in den USA wird das Buch schon langsam besprochen, auch wenn es (noch) nicht übersetzt ist..
- Unter der Überschrift German Buys 3 Pages of NY Times to Explain War to Americans werden in den USA vor allem die Anzeigen in der New York Times besprochen.
- Hier ein Kommentar darauf: Yank in London:
German writer and media executive Jürgen Todenhöfer has taken out three full page ads in the New York Times, as well as in Allgemeine Zeitung and the Al-Quds Al-Arabi to teach Americans and the west about the impacts of their wars on the Muslim world in Ten Theses. I am certain that the reaction from the American right with be muted, thoughtful and vitriol free.
- Hier ist ein weiterer aus den USA, der sich in die Thesen von Todenhöfer vernarrt hat:
I have been reading these theses much of the evening. The theses are summarized at this link, with a breakout of each.
There is a distinctly foul odor in my nostrils just considering that in order to get this information before the US public, he has to purchase ad space in one of our national newspapers. Jürgen Todenhöfer is the kind of person whose message should be a part of balanced reporting.
- Great Thesis by Jurgen Todenhöfer
Ich wünsche mir, dass das Buch einigen Zeitgenossen den Verstand (und das Herz öffnet), auf dass sie sehen, welches Leid diese “anderen” Menschen erleiden.