Category: Bildung

Andrea Nahles – Fastenbrechen wie eine Orgie

authorOmar | 3. August 2009

Andrea Nahles wird im Deutschland Radio interviewt und es geht im ersten Drittel des Interviews um die Dienstwagendebatte um Ulla Schmidt herum1. Sie stößt in diesem Zusammenhang eine Neuregelung an, die von ‘elder statesmen’ ausgearbeitet werden soll. Die Moderatorin will dann zum Wahlkampf überleiten und fragt:

Sie jedenfalls sind im Kompetenzteam benannt worden für Bildung und Integration. Wie muss man sich das vorstellen? Werden Sie jetzt den Wahlkampf die nächsten paar Wochen bei den türkischstämmigen Opel-Facharbeitern z.B. in Kaiserslautern am Fließband auftauchen?

Und die Antwort Nahles:

Das wär’ nicht das Schlimmste. Aber ich bin zum Beispiel eingeladen zum Fastenbrechen nach dem Ramadan und ich bin das Fasten gewohnt. Ich mach das immer zwischen Aschermittwoch und Ostern als Katholikin. Und das ist jetzt mal was Anderes. Also Fastenbrechen nach dem Ramadan ist glaube ich noch ‘ne Riesensause – ne – so richtig (lacht) was [ich] mir orgienhaft vorstelle, aber vielleicht werde ich auch getäuscht und es ist was ganz Anderes. Also ich bin gespannt. [...]

Das ist doch mal süß. Sie sagt zwar, dass sie nach dem Ramadan eingeladen ist. Das bezweifle ich, denn das wäre zu nah am Wahlkampf2. Wenn es sich aber um ein Fastenbrechen nach einem langen Tag im Ramadan handeln sollte, wird sie ein wenig enttäuscht sein, da es dieses Jahr erst um 20:00 stattfinden müsste und die meisten Menschen das schnell hinter sich bringen wollen würden, um noch ein wenig Schlaf abzubekommen.

Hier noch das ganze Interview:

Nahles – Dienstwagennutzung muss besser geregelt werden

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

  1. die ich mal nebenbei vollkommen überzogen finde[]
  2. es wäre zumindest was Neues, wenn tatsächlich noch so kurz vor dem Wahltag bei Muslimen/Türken/Migranten Wahlkampf betrieben würde[]

“Military Studies” in Hannover – hier ist gefälschte Broschüre

authorOmar | 12. Juni 2009

Leser Benjamin hat mir freundlicherweise einen Scan der Broschüre geschickt, die die Universität Hannover kürzlich dementiert hat. Weiter unten finden sich die Bilder dazu. Aus dem Inhalt:

  • das Institut für Grundlagen der Elektrotechnik und Messtechnik der Leibniz Universität Hannover arbeitet in enger Kooperation mit dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung unter anderem an einer Abschirmung gegen und der Entwicklung von nicht-letalen Waffensystemen
  • in Kooperation mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr forscht die Medizinische Hochschule Hannover an der möglichst mobilen und auch in Auslandseinsätzen vor Ort anwendbaren Rekonstruktiven Wiederherstellung verletzter Soldaten
  • die Tierärztliche Hochschule Hannover forscht in Zusammenarbeit mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr an Methoden der veterinärmedizinischen Lebensmittelüberwachung
  • im LaserAnwendungsZentrum der Technischen Universität Clausthal-Zellerfeld wird in Kooperation mit Munitionsherstellern an laserbasierten Geräten zur Aufspürung von Sprengstoff und Landminen gearbeitet

[..]

Drittstaatenangehörige bewerben sich mit einem handschriftlich verfassten Lebenslauf, einer schriftlichen Begründung und einem polizeilichen Führungszeugnis und leisten einen Verfassungseid.

[..]

Pflichtkurse:

  • Wehrtechnische Grundlagen
  • Wehrmedizinische Grundlagen
  • Kampfstoffkunde I: Ballistische Waffen
  • Kampfstoffkunde II: ABC-Waffen
  • Kampfstoffkunde III: nicht-letale Waffen

[..]
Persönliche Voraussetzungen

[..] Innereuropäische Fremdsprachenkenntnisse sind wünschenswert. Die Beherrschung regionaler Stammessprachen ist gerade für Auslandseinsätzen [sic] besonders hilfreich.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass in die Erstellung der Broschüre sehr viel Fleiß eingeflossen zu sein scheint. Anbei vier Bilder von der Broschüre zur Einsicht.

Cebit: Blender-Stand

authorOmar | 4. März 2009

Nur eine kleine Notiz nebenbei: ich werde beim Blender-Stand auf der Cebit aushelfen. Blender ist eines von mehreren Open-Source-Projekten, die auf dem Open-Source-Stand in Halle 6 vertreten ist. Am Wochenende werde ich persönlich – mit meinen beschränkten Möglichkeiten – dort stehen und versuchen, Fragen zu beantworten und vielleicht junges Volk für dieses Programm zu interessieren.

Mit Kritik umgehen lernen!

authorOmar | 26. Februar 2009

Aly El Ghoubashy ist war Islamlehrer in Österreich. Er veröffentlichte am 24. Februar in der Offline-Variante der österreichischen Zeitung “der Standard” einen Artikel unter der Überschrift “Lernen für das Leben in der Isolation”, in dem er den islamischen Religionsunterricht in Österreich und die dafür verantwortliche Organisation – der “islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich” – kritisiert. Am selben Tag wird ihm von Letzterer der Lehrauftrag entzogen!

Liebe Glaubensgemeinschaft in Österreich, lieber Anas Shakfeh,

So geht man nicht mit Kritikern um. Ich weiß nicht, welche weiteren Auseinandersetzungen es mit Herrn El Ghoubashy gab, aber soweit es diesen Text betrifft, war er nicht – wie von euch behauptet – außerhalb der Grenzen “des Zumutbaren und Tolerierbaren”. Die Kritik ist sehr sachlich gehalten und fordert geradezu heraus, sich kritisch mit ihr auseinanderzusetzen. Die Reaktion, die Sie an den Tag gelegt haben, ist einfach nur beschämend und findet ganz und gar nicht mein Verständnis!

Ich hoffe, dass Sie ohne ein Gefühl des Gesichtverlustes den Lehrer wieder installieren und sich ernsthaft – gerne auch öffentlich – mit seiner Kritik auseinandersetzen. Öffentlich vor allem, um den von Ihnen vertretenen Muslimen in Österreich eine Diskussions- und Mitentscheidungsplattform zu bieten und damit andere Glaubensgemeinschaften (Wink an die hiesigen) davon lernen können.

Für mehr habe ich derzeit keine Zeit, aber soviel vorweg: Auch aus der Ferne sehe ich persönlich einige Fehler in der Argumentation von Herrn El Ghoubashy

Artikel für den 23. Februar 2009

authorOmar | 24. Februar 2009

Leider bin ich derzeit zu beschäftigt, um komplette Artikel selbst zu schreiben. Trotzdem möchte ich einige Artikelempfehlungen loswerden.

Inland:

Sich als Exotin in den jungengeprägten Klassen des Binger Stefan George Gymnasiums zu behaupten, das würde kein Zuckerschlecken. Das wusste die Familie. Doch das katholische Mädchengymnasium nebenan nahm das Mädchen mit Kopftuch und Spitzennoten nicht auf. “Inzwischen hat sich aber die zweite Wahl als Glücksgriff erwiesen.” Mit stänkernden Jungs hat Nada keine Probleme.

Irak:

Mit Erschrecken und Entsetzen lese ich in letzter Zeit Artikel über den Zustand im Irak. Sie beschreiben fast alle eine zerrüttete Gesellschaft, die vor allem von Rechtlosigkeit regiert wird. Der neuste Artikel behandelt das Thema Witwen. Dass die irakische Regierung innerhalb der “grünen Zone” als Antwort auf die Verbreitung des Bettel-Phänomens nur die Inhaftierung der Bettelnden hat, ist mehr als nur tragisch. Dass daneben die USA nicht zu stattlichen Reparationszahlungen zu zwingen ist, ist ein weiteres Unrecht, das man den Witwen antut.. Wer zählt schon..

Among Iraqi women aged 15 to 80, 1 in 11 are estimated to be widows, though officials admit that figure is hardly more than a guess, given the continuing violence and the displacement of millions of people. A United Nations report estimated that during the height of sectarian violence here in 2006, 90 to 100 women were widowed each day.

In large cities like Baghdad, the presence of war widows is difficult to ignore. Cloaked in black abayas, they wade through columns of cars idling at security checkpoints, asking for money or food. They wait in line outside mosques for free blankets, or sift through mounds of garbage piled along the street. Some live with their children in public parks or inside gas station restrooms.

Officials at social service agencies tell of widows coerced into “temporary marriages” — relationships sanctioned by Shiite tradition, often based on sex, which can last from an hour to years — to get financial help from government, religious or tribal leaders.

Israel – Palästina:

Der Krieg im Gaza-Streifen geht weiter. Eine Zusammenfassung der Ereignisse hält der wöchentliche Bericht vom Palestinian Centre for Human Rights bereit. Wenn man schon dort ist, sollte man sich auch den zusammenfassenden Bericht für den Gaza-Krieg.

Ansonsten sind die Verhandlungen bislang ergebnislos.. Die Regierung im Gaza-Streifen bietet dagegen einen langfristigen (1,5 Jahre) Waffenstillstand gegen die Aufhebung der Belagerung. Die Freilassung des Soldaten Gilad Shalit stellen sie gegen die Freilassung einiger palästinensischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen in Aussicht. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Haltung des israelischen Unterhändlers in Ägypten, der nun deswegen auch abgesetzt wurde:

Israel kritisiert nun Amnesty International, da dieses die Dinge beim Namen nennt:

In a report released today, Amnesty International listed the weapons used and called for an immediate arms embargo on Israel and all Palestinian armed groups. It called on the US president, Barack Obama, to suspend military aid to Israel.

Amnesty said Israel’s armed forces carried out “direct attacks on civilians and civilian objects in Gaza, and attacks which were disproportionate or indiscriminate”.

Israel scheint den demographischen Kampf nicht nur durch – teils grausame – Tötung, sondern auch durch vermehrte “richtige” Geburten gewinnen zu wollen. Tut mir leid für den Link auf eine nationalistische Seite..

Good news for Jewish demographics in Israel: the latest statistics released by the Central Bureau of Statistics shows a rising birth rate in the Jewish sector. However, Jewish family sizes are still smaller than those in the Arab population.

Guantanamo:

Hier ist besonders der neu entlassene Guantanamo-Häftling zu erwähnen, der nach eigenen Aussagen auch in Marokko gefoltert wurde. Es wird interessant sein zu erfahren, welche Versprechen er unterschreiben musste, um aus dem Gefängnis freizukommen.

Frauenbeauftragte: It’s not a real ministry, it’s just an office

authorOmar | 12. Februar 2009

Nawal Samarai war die erste (?) irakische Frauenbeauftragte – ein Job, der fast überall auf der Welt vor allem für den direkten Zweck der Anhebung der Frauenquote geschaffen wurde. In Irak ist man viel ehrlicher als in den meisten anderen Staaten und deswegen stieß Frau Samarai schnell an die Grenzen dessen, was sie mit diesem Amt tatsächlich anstellen konnte, wie ein Artikel in der LA Times beschreibt:

“I tried. I tried hard, but every time I asked for authority they’d tell me it’s not a real ministry, it’s just an office,” the former parliament member said Monday, four days after submitting her resignation as minister of state for women’s affairs.

Der Sinn des Amtes1 war ja nur das Vorzeigen einer Vorzeigefrau, die mit einigen Dollars angelockt werden konnte und ein Büro besetzt, während sie Däumchen dreht.

“It’s not a real ministry,” said Nada Ibrahim, a Sunni Arab member of parliament. “It’s one room with a woman, no budget, no staff. It’s a trick.”

Ganz nebenbei wird auch der Unsinn der Errichtung der Green-Zone oder International Zone erwähnt. Diese schützt zwar Internationale und die irakische Regierung, ist aber gleichzeitig eine eindeutige Entstellung der Verhältnisse im Land. Damit leben Regierungsangehörige2 in einem irakischen Paralleluniversum, wo ihre Entscheidungen nicht von der Realität auf der Straße getragen sind.3 Für die Arbeit der Frauenbeauftragten hieß dieser Einschluss in der International Zone zusammen mit dem Fehlen einer Mannschaft praktisch, dass sie denjenigen, denen sie helfen sollte, nicht helfen konnte. Da sie darüber hinaus keine Mittel gestellt bekam, blieb ihr nichts anderes übrig, als mit Nichtregierungsorganisationen zusammen zu arbeiten und sie um Gelder zu bitten – immerhin ein Zeichen dafür, dass sie versucht hat, ihre Arbeit gewissenhaft zu erledigen.

Samarai in September appealed for funds for programs to prevent destitute women from being recruited by insurgents. She also asked for money to open offices in provinces. Working without assistance from inside the International Zone, or IZ, kept her out of reach of most women, Samarai said Monday in an interview.

Her eyes glistened with tears as she described the frustration of confronting widows and not being able to offer them anything beyond promises that she would try to help. She found herself sitting in her small office appealing to nongovernmental organizations for money to launch the programs she had envisioned when she took the position in July.

“It’s shameful for me in Iraq, a rich country, to have to ask NGOs for money,” Samarai said.

Nun kehrt Frau Samarai zu ihrer Arztpraxis zurück, wo sie vor ihrer Berufung gearbeitet hatte. Wahrscheinlich kann sie dort mehr erreichen.

  1. entschuldigung, es ist ja nur ein “Büro”, kein Amt oder Ministerium[]
  2. und viele Reporter[]
  3. Im Prinzip kann Irak derzeit als eine Karikatur moderner Staaten gesehen werden[]

In jungen Jahren programmieren…

authorOmar | 6. Februar 2009

Ich plädiere ja eh’ dafür, dass schon in jüngsten Jahren neben den menschlichen Fremdsprachen auch Programmiersprachen beigebracht werden. Dass es machbar ist, beweist ein 9-jähriger singaporischer Schüler, der in der vierten Klasse bereits sechs Programmiersprachen versteht und bereits 20 Programmierprojekte hinter sich hat. Vornehmlich scheint er für den IPhone zu programmieren:

Lim, who is in fourth grade, writes applications for Apple’s popular iPhone. His latest, a painting program called Doodle Kids, has been downloaded over 4,000 times from Apple’s iTunes store in two weeks, the New Paper reported on Thursday.

The program lets iPhone users draw with their fingers by touching the iPhone’s touch screen and then clear the screen by shaking the phone.

“I wrote the program for my younger sisters, who like to draw,” Lim said. His sisters are aged 3 and 5.

Kinder kehren in Gaza zu ihren Schulen zurück

authorOmar | 5. Februar 2009

Noch ein kleiner Einblick in das Zurückfinden der Menschen in Gaza in den Alltag: UNICEF berichtet über die Rückkehr der Schulkinder zu “ihren” Schulen im Gazastreifen.

Schuhewerfen als arabisches Kulturgut?!

authorOmar | 16. Dezember 2008

Ja, auch ich habe das Video aus dem Irak gesehen, in dem George W. Bush mit einem Paar Schuhen des Reporters Muntadar al-Zaidi beworfen wird. Ich denke, dass es eine sehr effektive Art und Weise war, seiner Meinung Freiheit zu verschaffen und dem Propaganda-Geschwafel Bushs eine realistische Perspektive zu verleihen. Da Bush selbst stets darauf vertraut, dass erst die Geschichtsbücher über sein Handeln urteilen werden, hoffe ich nun, dass wenigstens dieses Ereignis in die Geschichtsbücher als inoffizielles Urteil einfließen wird – es sei denn es ergeht einmal ein richtiges Urteil über die Verbrechen Bushs.

Interessant an der Berichterstattung über den Vorfall finde ich persönlich die explizite Kennzeichnung der Tat als “arabisch”. Den Reigen fing – so glaube ich doch – die BBC an:

Showing the soles of shoes to someone is a sign of contempt in Arab culture.

Diesen Satz in ähnlicher Form findet man in fast jedem Bericht zum Ereignis. Z.B. bei der Tagesschau:

Jemandem die Schuhsohlen hinzuhalten, ist eine der schlimmsten Formen der Beleidigung in diesem Teil der Welt.

Die Huffington Post:

In Iraqi culture, throwing shoes at someone is a sign of contempt. Iraqis whacked a statue of Saddam Hussein with their shoes after U.S. marines toppled it to the ground after the 2003 invasion.

Süddeutsche:

Der Angreifer hatte die Tatwaffe bewusst gewählt. Denn es gibt in der arabischen Welt kaum ein anderes Kleidungsstück, mit dem sich so viel Verachtung ausdrücken und so viel Erniedrigung produzieren lässt. Die kulturelle Bedeutung der Schuh-Attacke war Bush wohl nicht bewusst, als er schlagfertig ins Mikrofon tönte, es handele sich um ein Produkt der Größe zehn (europäisch 43-44).

Auch die taz plappert den Tenor in der Berichterstattung nach:

Denn mit der Sohle eines Schuhs geschlagen oder getroffen zu werden, gilt in der arabischen Kultur als die ultimative Erniedrigung. Eine Geste, die nur für die ärgsten Gegner reserviert wird – eine Art arabisches Abwatschen in aller Öffentlichkeit.

Der Autor – Karim El-Gawhary – bedient sich auch eines Beispiels, um der Aussage Nachdruck zu verleihen:

In Kairo hatten in den 90er Jahren sogar mehrere Frauen einmal eine “Beleidigungsagentur” gegründet. Man konnte die Truppe von Umm Buqu, zu deutsch, “der Mutter mit der bösen Zunge” mieten, um seine Gegner auf offen Strasse anzugehen und zu beleidigen. Ihr Spezialität: Männer mit der Sohle ihrer Pantoffeln auf den Kopf zu schlagen.

Welt.de will es besser gewusst haben. Es ist nicht der Araber, es ist der Muslim, der den Schuh verachtet und als Verachtungsinstrument benutzt:

Im Islam gelten Schuhe als unrein, müssen beim Betreten einer Moschee ausgezogen werden. Das Zeigen der Schuhsohle gilt bereits als Beleidigung, der Wurf mit dem Schuh ist die schärfste Form der Verachtung.

Auch CNN bestätigt diese Differenzierung:

Hurling shoes at someone, or sitting so that the bottom of a shoe faces another person, is considered an insult among Muslims.

All diese Berichte suggerieren durch die explizite Kennzeichnung, dass das Werfen von Schuhen – in Ermangelung von Tomaten oder faulen Eiern – nur in der arabischen Welt zur Bekundung eines generellen Auspfeifens gilt. Auf der einen Seite versucht man damit dem anscheinend dummen Publikum (und vielleicht auch Bush und seinen Beratern) klar zu machen, dass der Schuhwerfer nicht etwa seine Zustimmung oder seinen Jubel mitteilen wollte. Insofern ist es gut, dass die Medien extra darauf eingehen, dass es – unabhängig von der eigenen Wahrnehmung einer solchen Handlung – hier in diesem Fall negativ zu sehen ist. Auf der anderen Seite verfestigt sich hiermit schon wieder eine “Wahrheit”, die eigentlich keine ist.

Man muss sich die Frage stellen, wie ein gezielter Schuhwurf innerhalb einer Pressekonferenz in Europa gedeutet werden muss. Ist es wirklich eine kulturelle Frage? Diese Frage hat sich angryarab gestellt und kommt zum folgenden Versuch:

Don’t you love it when Western reporters explain to their readers differences between their culture and Arab culture? I don’t know about you, but I really love it. Here is from the New York Times: “During the argument, heated words were exchanged and shoes were thrown, a severe insult in the Arab world.” So throwing a shoe at somebody is a “severe insult in the Arab world” but not anywhere else? How exotic. Tell me more, o culture experts of the New York Times. So today, I wanted to test this theory. So I got out of my house with a bag of shoes: I started throwing them, shoe by shoe, at my neighbor, aiming at the face. My neighbor laughed, and could only say nice things to me as a good neighbor. He then explained: you see, o Arab neighbor, in our American culture, throwing a shoe at somebody is not an insult at all. In fact, it is taken as a sign of affection. I returned back to my house, having learned about American culture, what I knew not before. Thanks to you, New York Times (and your intelligent and culturally informed reporters).

Was gibt es noch zu sagen?

  1. Ich fand es erstaunlich, dass Bush einem Schuh so schnell ausweichen kann. Senil ist er nicht.
  2. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber der Journalist darf natürlich keine höhere Bestrafung als eine geringe Geldstrafe erhalten. Das wird man noch sehen. Erst einmal scheint Muntadar al-Zaidi verschwunden zu sein..
  3. Einen richtig guten Kommentar habe ich in der Tagesschau und von Carsten Kühntopp entdeckt:

    Übrigens: Auch manch ein Palästinenser würde gerne mal seine Schuhe nach Bush werfen oder nach Tony Blair oder Angela Merkel – alles Politiker, die das eine sagen, aber das andere tun, die von Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung reden, aber die jahrelange Abriegelung von anderthalb Millionen Menschen im Gaza-Streifen für normal halten.

    Der Schuhwurf von Bagdad mag wie die kindische Kurzschlusshandlung eines Hitzkopfs ausgesehen haben. Doch die Gefühle, mit denen der Werfer warf, speisten sich aus einer nüchternen Analyse der Dinge in diesem Teil der Welt. Man hat genug von der westlichen Einmischung, man will die westlichen Soldaten endlich von hinten sehen.

    Wahrscheinlich sind viele dieser Gedanken den westlichen Öffentlichkeiten fremd und wirken wie eine übertriebene und moralisierende Überhöhung des strafwürdigen Aktes eines Rabauken. Doch wer Symbole versteht, hat nach dem Schuhwurf von Bagdad begriffen: Der Westen wird erst dann wieder im Nahen Osten willkommen sein, wenn er anfängt, Worte und Taten miteinander in Einklang zu bringen.

    Schuhe gibt es in der arabischen Welt genug – jedenfalls genug für ein paar Schlüsselpolitiker, die sich stets Menschenrechte und Freiheit auf die Fahne schreiben, um dann eine vollkommen andere Politik zu fahren..

Zum Schluß noch einmal angryarab:

It is without exaggeration that I can say that the flying shoe speaks more for Arab public opinion than all the despots/puppets that Bush meets with during his travels in the Middle East.

Nocheinmal: Deutsche Sprache ins Grundgesetz?

authorOmar | 3. Dezember 2008

Seit dem 1. August 2002 ist der Schutz der Tiere an prominenter Stelle im Grundgesetz festgehalten. In Art. 20a steht nun:

Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.

Meines Wissens war die Eintragung relativ ruhig und ohne große Diskussion verlaufen. Aber vor allem gab es danach nur wenig öffentliche Diskussion zu Tierrechten1. Vor allem muss man sich fragen, inwieweit diese Eintragung ins Grundgesetz Tieren wie Bruno dem Bär geholfen haben. Als es darum ging die Vormachtstellung des Menschen zu schützen hat sich keiner mehr Gedanken gemacht, ob Tiere annähernd ähnliche Rechte genießen sollten wie Menschen.

Nun ist die deutsche Sprache als solche nicht unnütz und hat so einigen Menschen dazu verholfen, sich auszudrücken. Das trifft bei weitem nicht auf jeden Einzelnen, der Deutsch spricht, aber als Kommunikationsmittel (und als nichts anderes stellt es zunächst einmal dar) taugt es offensichtlich doch schon einiges. Ich persönlich möchte diese Sprache nicht missen. In diesem Sinne halte ich die Förderung des Umgangs mit der Sprache für sinnvoll.

Allerdings ist anhand des Beispiels der Tierrechte leicht zu erkennen, dass die Eintragung ins Grundgesetz kein vernünftiges Mittel ist, um dieses Ziel zu erreichen. Leider scheinen Befürworter einer solchen Eintragung – wie der Verein Deutsche Sprache – keinen darüber hinaus gehenden Plan zu haben, um der deutschen Sprache der Bevölkerung auf die Sprünge zu helfen.

Ich behaupte, dass diese Menschen das Problem nicht erfasst haben. Die Korrelation zwischen schlechter deutscher Sprache und allgemein schlechtem Bildungsstand darf meines Erachtens nicht unberücksichtigt bleiben. Man erweist der deutschen Sprache einen Bärendienst, wenn man sie aus kulturellen Gründen zu schützen versucht. Das Argument zieht auch nicht mal, denn zu unserer Kultur gehört tatsächlich nicht das Hochdeutsch, das sich die Verfechter so ideell vorstellen, sondern eben die Mischung aus grammatikalisch neu zu definierendem Deutsch der Straßen und inhaltlich verfälschten Fremdwörtern. Ist das wert, geschützt zu werden, und wenn nicht, warum nicht?

Warum können die Gründe zur besonderen Nennung eines Sachverhalts im Grundgesetz nicht wasserfester sein?

Ernsthaft gefährlich wird es, wenn quasi von einem Zwang zur Nutzung der deutschen Sprache die Rede ist. Ob das auf Schulhöfen der Fall ist oder – wie hier angeschnitten – in geschäftlicher Kommunikation spielt dabei keine Rolle. Eine Sprache beibringen funktioniert nicht unbedingt besser, indem man sie einem Menschen aufzwingt. Im geschäftlichen Bereich ist ein solcher Zwang zudem eine zusätzliche bürokratische Belastung, die es möglichst zu vermeiden gilt, damit sich Unternehmen (und Universitäten erst) nicht noch mehr in Verwaltungsangelegenheiten verlieren und dabei die tatsächliche Wert schöpfende Arbeit auf der Strecke bleibt.

Zum Ende noch zwei Filme zum Deutschunterricht. Das Original:

Deutsch für Nazis [via]:

  1. mal abgesehen von dem Schächtverbot[]

Deutsche Sprache – ab ins Grundgesetz

authorOmar | 2. Dezember 2008

Welches reiche Sammelsurium hat der “Verein Deutsche Sprache” (VDS) auf Lager, um der deutschen Sprache auf die Sprünge zu helfen? Lesen wir die Antwort des Geschäftsführers des besagten Vereins dazu an. Der Hintergrund des Interviews durch “Welt Online” ist das Vorhaben die Anregung in der CDU, eine sprachliche Bindung ans Deutsch ins Grundgesetz aufzunehmen:

Holger Klatte: Über unsere gemeinsame Sprache haben wir eine Möglichkeit, uns zu verständigen. Jeder der in Deutschland lebt, solle diese Sprache auch beherrschen und wir müssen zeigen, dass die Sprache uns wichtig ist, angefangen mit dem Schulunterricht, über die Sprache der Wirtschaft bis zur Wissenschaft.

WELT ONLINE: Und eine durchs Grundgesetz geschützte Sprache kann hier helfen?

Holger Klatte: Die deutsche Sprache bekommt so die Bedeutung, die sie verdient. Wir hoffen, dass Deutsch im Schulunterricht wieder mehr gefördert wird. Andere Länder wie Frankreich oder Polen haben schon entsprechende Gesetze. Unser Hauptziel ist aber nicht nur die Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz. Unser Ziel ist die generelle Förderung der deutschen Sprache.

WELT ONLINE: Wie wollen Sie Ihr Ziel erreichen?

Holger Klatte: Wir sammeln seit dem Sommer Unterschriften. An die 10.000 haben sich bereits für den Grundgesetzeintrag ausgesprochen, doch die Aktion ist noch lange nicht beendet.

Also, sie haben weit mehr Ziele vor Augen, die sie allerdings allesamt scheinbar durch einen Eintrag der deutschen Sprache ins Grundgesetz erreichen wollen!

Scharia ist NICHT “islamisches Recht”

authorOmar | 21. November 2008

Langsam muss man an der Auffassungsgabe einer breiten Mehrheit der deutschen Medienschaffenden zweifeln.

Dr. Mustafa Cerić ist der Mufti Bosnien-Herzegovinas und das inzwischen in der zweiten siebenjährigen (Wahl-?)Periode. Er ist Unterzeichner der “Amman Message” “A Common Word Between Us and You” – ein signalgebendes Dokument an den Papst von einer Vielzahl muslimischer Gelehrter. Für seine Bemühung im interreligiösen Dialog soll Herr Cerić mit dem Eugen-Biser-Preis geehrt werden. In den letzten Tagen ist allerdings eine alte Diskussion losgetreten worden, die eine wissenschaftliche Veröffentlichung von ihm in der CDU-nahen Zeitschrift “European View” betrifft. Wer diese Diskussion wieder losgetreten hat ist unklar.

Zitierübungen

Aus der Veröffentlichung, die online über den Springer-Verlag erhältlich ist1, wird gemeinhin der folgende Satz zitiert:

There are three basic theological foundations of Muslim authority: the ‘aqı¯dah, the sharı¯’ah and the ima¯mah.

Der Kölner Stadtanzeiger besteht sogar darauf, dass Herr Cerić folgendes geschrieben hätte:

Die Verpflichtung auf die Scharia, darin gipfeln seine Ausführungen, sei „immerwährend, nicht verhandelbar und unbefristet“.

und weiter

Aber dann outete sich Ceric in dem Aufsatz als jemand, der die Scharia als ewiges Prinzip preist, „auf dessen Basis jede Generation von Muslimen das Recht und die Pflicht hat, über gut und schlecht, richtig oder falsch zu urteilen“.

Erst einmal lesen!

Gott sei Dank gibt es einige Medien, die seinen Text tatsächlich gelesen haben und sich nicht unbedingt auf Internetnutzer nicht näher benannter “einschlägiger islamkritischer Foren” (Zitat Kölner Stadtanzeiger!!) beziehen müssen, um Informationen ausfindig zu machen. Die Deutsche Welle schreibt etwas wahrheitsgemäß:

Tatsächlich spricht Ceric in seinen Ausführungen in der “European View” von einer “immerwährenden, nicht verhandelbaren und unbefristeten” Verpflichtung gläubiger Muslime auf die “Scharia”. Und unter “Scharia” verstehen Cerics Kritiker ein drakonisches islamisches Recht mit Strafen wie “Auspeitschen, Verstümmelung und Steinigung”; der Großmufti wolle also letztlich die westliche Rechtsordnung, Gewaltenteilung, Religionsfreiheit und Gleichberechtigung abschaffen.

Ceric hingegen erläutert “Scharia” in seinem Aufsatz ausführlich als eine übergeordnete Weltanschauung, als ein moralisches Leitbild und als Verpflichtung gegenüber Gott. Er grenzt “Scharia” in diesem Sinne ausdrücklich ab gegen angewandtes Recht, zum Beispiel das “angewandte islamische Recht”, das mit “Fiqh” bezeichnet wird. Dieses sei, so schreibt er, ganz im Gegenteil eben “nicht immerwährend, sondern verhandelbar und befristet”.

Dazu aus der Veröffentlichung Herrn Cerićs:

The second theological foundation of Muslim authority is the sharı¯’ah. Literally, the sharı¯’ah means ‘water hole’, ‘drinking place’ or ‘approach to a water hole’. ‘The word sharı¯’ah is common to Arabic-speaking people of the Middle East and designates a prophetic religion in its totality, as is evident in such phrases as sharı¯’ah Mu¯sa¯, sharı¯’ah al-Ması¯h (the law/religion of Moses or the Messiah) [20, p. 321]. Thus, the sharı¯’ah is more than a personal commitment and more than the continuity of memory as personal identity. The sharı¯’ah is the communal commitment and the community identity that is the continuation of the collective memory. It is the continuity of memory of ‘the Noahide covenant, which is God’s perpetual relationship with mankind after its near destruction in the Flood’ [13, p. 34]3 and the Sinaitic covenant, which is God’s Ten Commandments revealed to Moses at Mount Sinai.

In the sharı¯’’ah as their Weltanschauung, Muslims have their covenant with God, a covenant that is the same in content if not in form as the previous covenant contained in the Old Testament of Moses and the New Testament of Jesus. [...]

Hence, this Islamic covenant, the sharı¯’ah, is perpetual, it is not negotiable and it is not terminable. It is perpetual because it is God’s infinite (azalı¯) word in the past; it is not negotiable because it has a power to enforce obedience; and it is not terminable because it is infinite (abad) into the future.

The fiqh (Islamic applied law) is not the sharı¯’ah. Rather, it is a particular understanding of the sharı¯’ah. Thus, the fiqh (understanding) of the shari’ah of a particular person or group is not perpetual, it is negotiable and it is terminable. The sharı¯’ah is the perpetual principle on the basis of which each and every generation of Muslims has the right and the duty to make judgments about good and evil, right and wrong, in the context of its time and space in accordance with its own experience. Hence, the sharı¯’ah is the Muslim’s authority in morals,6 coupled with the authority in faith, the shaha¯dah.

Wiederspruch?

Nun vermelden unterschiedliche Onlinezeitungen mehr oder weniger einheitlich: Großmufti bekennt sich zum Grundgesetz”2. Darin wird ein scheinbarer Widerspruch aufgebaut zwischen Scharia und Grundgesetz, um dann zu sagen, dass der Großmufti sagt, das Grundgesetz stehe über der Scharia. Schaut man sich das Interview im Kölner Stadtanzeiger an, auf das sich dieser Artikel bezieht, dann erkennt man dass der Mufti mehrfach versucht hat darzustellen, dass eben gerade die Vermischung von Scharia und “islamisches Recht” fehlerhaft ist. An der Überschrift des Interviews – “Landesrecht steht über Scharia” – sieht man, dass der Kölner Stadtanzeiger die Botschaft überhaupt nicht verstanden hat:

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Ceric, warum ist die Scharia so fundamental für die Lebensführung von Muslimen?

MUSTAFA CERIC: Sie ist die Grundlage des Glaubens. Die Scharia hat für Muslime die gleiche Bedeutung wie die Zehn Gebote für Christen.

Verlangen Sie, dass die Scharia in das Strafrecht der Bundesrepublik oder anderer europäischer Länder implementiert wird?

Er sagt natürlich auch

Landesrecht ist das oberste Gesetz. Das steht über allem. Dem hat sich auch islamisches Recht zu unterwerfen.

Aber da nimmt er Bezug auf “islamisches Recht” und eben gerade nicht auf Scharia!

Lost in Dumbness

Die Aufregung um die Aussagen des Muftis Cerić haben vor allem damit zu tun, dass sich im deutschen Sprachgebrauch durchgesetzt hat, dass “Scharia” ein Synonym zu “islamischem Recht” darstellt. Dass dies nicht der Wahrheit entspricht, wird auch nach eingängiger sprachlicher, islamwissenschaftlicher und sonstiger Erklärung beharrlich ignoriert. Es wäre genau so, als würde man Aufklärung mit einer Art des kapitalistischen Wirtschaftens in Verbindung bringen wollen. Beides hat durchaus entfernt miteinander zu tun (sie traten historisch nacheinander auf), allerdings würde dadurch keiner auf die Idee kommen, bei der Benutzung des Wortes “Aufklärung” “Kapitalismus” zu verstehen.

Im Falle von Scharia kommt noch die panische Reaktion auf das Wort aus einer tief verwurzelten Islamophobie, die von Muslimen ausgehend grundsätzlich eine Gefahr sieht.

  1. wie Kathrin bereits vor einigen Monaten festgehalten hatte[]
  2. einheitlich bei der Zeit Online und dem Tagesspiegel[]

Beiträge zum Thema “Professur Kalisch”

authorOmar | 28. Oktober 2008

Ich hatte bereits zu Anfang der Auseinandersetzung um die Professur von Prof. Kalisch einen Beitrag verfasst, der meine Meinung gut wiedergibt. Um es kurz zu fassen: ich sehe Herrn Kalisch nur blubbern. Er rezipiert eine bestimmte religionskritische Richtung und gibt sie unreflektiert wieder, ohne ihr eigene Gedankengänge, geschweige denn eigens erarbeitete Materialien beizusteuern. Ich hatte mich nicht so sehr um die Inhalte seines Glaubens gekümmert, weil mich diese reichlich wenig interessiert1. Zwei Punkte interessieren mich persönlich am meisten:

  1. Wie kommt er darauf, Islamlehrer ausbilden zu wollen, wenn weder diese noch die Eltern der Kinder ihn wollen?
  2. Was ist die Forschung, die er tatsächlich betrieben hat, um zu diesen Schlußfolgerungen zu kommen?

Ein Institut der Intrigen

Nachdem ich anfing, mich damit zu befassen, habe ich Kontakt zu einigen Studenten bekommen, die bei Kalisch studieren. Je mehr ich mir dann anhören musste, was am Institut passiert, desto gruseliger wurde mir. Der Druck, dem die Studenten von Seiten der Institutsleitung ausgesetzt sind, ist mir von keiner anderen Institutstätigkeit bekannt. Es mag sein, dass es in den Geisteswissenschaften gängiger ist, am Institut “freiwillige Helfer” einzustellen und sich von studentischen Hilfskräften verteidigen zu lassen und von ihnen Verleumdungen gegenüber Mitarbeitern einzuholen, aber von den Ingenieurwissenschaften ist es mir nicht bekannt. Ich vermute, diese Umtriebe sind nur am Centrum für religiöse Studien gängige Praxis. Ich bin froh darüber, dass zwei Studenten nun in einem Interview mit der Münsterschen Zeitung auspacken und – so kurz der Artikel auch ist – die Lage versuchen zu beschreiben:

Studierende der Islamkunde am Centrum für Religiöse Studien fühlen sich ausgenutzt und manipuliert: Prof. Muhammad Sven Kalisch nutze seinen Lehrstuhl, um internationales Aufsehen zu erregen. „Von einem vernünftigen Studium kann da nicht mehr die Rede sein.“

Der Großteil der 26 Islamkunde-Studenten kritisierte die „Publicity“, die über ihre Köpfe hinweg veranstaltet werde. „Was wir fühlen, danach fragt keiner, Hauptsache Prof. Kalisch steht im Rampenlicht“, sagen zwei Mitglieder der Studierendenschaft, die Namen sind der Redaktion bekannt. Ihr Studium sei katastrophal, „eine echte psychische Belastung“.

Richtig finde ich deswegen auch, dass der Rat der muslimischen Studenten in einem Positionspapier klarmacht, dass die Rechte der Studenten gewahrt werden müssen:

Wir fordern die Universitätsleitung Münster und das zuständige Ministerium auf, die Interessen der betroffenen Studenten zu wahren und sie vor Druck und Bevormundung durch die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen des Lehrstuhls – die bislang leider an der Tagesordnung sind – zu schützen.

Forschungsergebnisse oder Ergebnisforschung?

Im Positionspapier wird weiterhin die angebliche Forschung von Herrn Kalisch kritisiert:

Wir als muslimische Studenten, Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftler unterstützen in diesem Sinne historisch-kritische Forschung, auch und gerade in Bezug auf die Quellen islamischer Geschichtsschreibung und religiöser Auslegung. Ein Ansatz zu dieser muss selbstverständlich, wie vielerorts gefordert, ergebnisoffen angelegt sein.

Wir sehen eine solche Forschung allerdings durchaus in Gefahr, wenn, wie im Fall von Professor Muhammad Kalisch, das Ergebnis schon feststeht, bevor die dafür erforderliche Forschung auch nur ansatzweise erfolgt ist. In mehreren Veröffentlichungen schildert Muhammad Kalisch seinen Standpunkt in Bezug auf die Nichtexistenz von Propheten1. Jedoch weisen die Veröffentlichungen keinerlei zu erwartende Quellenforschung auf, die ein solches Resultat wie die Tendenz zur Nichtexistenz des Propheten Muhammads zum Ergebnis haben könnte. Dies wären z.B. Arbeiten wie die Sammlung und Auswertung unterschiedlicher früher Niederschriften des Qur’ans, der kritische Quellenvergleich der Entwicklung des frühen islamischen Rechts, oder auch die historische Untersuchung der Authentifizierungsmethoden zu Berichten aus der frühen muslimischen Geschichte. Diese Forschung wird durchaus in der Moderne betrieben2, von daher verwundert es stark, dass sie von Muhammad Sven Kalisch noch nicht einmal rezipiert werden, während er nur auf solche eingeht, die seine Theorie unterstützen und die zudem auch noch am Rande oder sogar außerhalb der Wissenschaftlichkeit selbst argumentieren, wie dies bei den revisionistischen Thesen von Cook und Crone der Fall ist.

Seine angebliche Forschung wird auch teils in einer Radio-Diskussion zwischen ihm und Prof. Gudrun Krämer und Aiman Mazyek thematisiert. Dieses möchte ich pauschal zum Anhören empfehlen.

Die islamische Zeitung hat sich das Thema vorgenommen und gleich zwei Kommentare von Muslimen hierzu veröffentlicht: Der erste kommt von Lydia-Ayscha Einenkel2 und behandelt weitab von Kalisch die Anwendbarkeit einer historisch-kritischen Methode auf islamische Texte und Quellen.

Doch nicht in der islamischen Theologie. Wieso nicht? Weil gerade wegen Kalisch‘s Thesen die historisch-kritische Methode mit Kritik im Sinne von Anfechtung und Ablehnung assoziiert wird. Dies ist aber nicht gemeint, betrachtet man die Methodik genauer, kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass diese sehr gut mit dem Islam harmoniert, dass sie sogar Grundlage in den klassischen islamischen Wissenschaften ist und wir diese nicht erst von den westlichen Orientalisten oder christlichen Theologen des 20. Jahrhunderts übernehmen müssen, weil uns eine Aufklärung fehle, wie Kalisch in einem Interview sagte.

Wissenschaftlich-exegetische Methoden verfügen über eine lange Tradition im Islam. Zur Bildung von Dogmen ohne Text- und Kontextbezug ist es in diesem Sinne nie gekommen. Schon grundsätzliche Ansätze über die Konsens besteht kann man, will man die Terminologie benutzen, als historisch-kritische Methode bezeichnen. Hier sollen nur einige Grundlagen exemplarisch genannt werden.

Dieser Punkt ist mir selbst aufgefallen, als ich mir – quasi als Laie – die wikipedia-Definition von “historisch-kritisch” angeschaut habe. Einen Großteil der Arbeit haben Hadith- und Koran-Gelehrte seit jeher getan: Die Authentizität der Überlieferung prüfen und dies vor allem über die Überliefererketten. Die Kriterien für die Stimmigkeit der Überlieferung haben sich von Wissenschaftler zu Wissenschaftler unterschieden und dementsprechend gibt es immer wieder Unstimmigkeiten, wenn es um die Authentifizierung verschiedener Überlieferungen geht. Interessant finde ich, dass Herr Kalisch diese Forschungsarbeit vollkommen ignoriert und davon losgelöst und ohne sie fachlich zu kritisieren ernsthafte Forschung veranstalten möchte..

Eine weitere Wissenschaftlerin, die nicht ungenannt bleiben soll, ist Frau Angelika Neuwirth, die in Berlin Arabistik lehrt. Sie gab der KNA ein Interview, das bei der “Islamischen Zeitung” abgedruckt wurde.

Bedauerlicherweise hat Herr Kalisch seine persönlichen Zweifel an der Historizität Mohammeds öffentlich gemacht. Solche Zweifel hätten sich durch gründliche Lektüre zur Forschungslage leicht zerstreuen lassen. Zu dieser Lektüre wäre Herr Kalisch wie jeder Lehrstuhlinhaber, gleichgültig in welchem Fach er tätig ist, sich und seinen Fachkollegen gegenüber verpflichtet gewesen, um seine eigene Sicht auf die Auseinandersetzung mit der bisherigen Forschung gründen zu können. Seine Veröffentlichung der Zweifel ohne differenzierte Begründung und ohne eine überzeugende Gegenhypothese kann nur als Provokation verstanden werden. Hier ist eine möglichst ebenfalls öffentliche Diskussion gefordert, nicht einfach Berufung auf die akademische Freiheit. An diese Freiheit würde in Disziplinen mit stärkerem Kritikpotenzial kaum appelliert werden können. Islamische Studien sollten da keine Sonderstellung beanspruchen.

Ob sich Herr Kalisch auf eine solche öffentliche – aber nicht minder wissenschaftliche – Debatte einlassen würde, bleibt fraglich. Am Centrum für religiöse Studien führt er derzeit eine Veranstaltungsreihe mit mehreren ausgewählten Leuten, unter anderem mit Karl-Heinz Ohlig. Die Veranstaltungsreihe wird von ihm folgendermaßen charakterisiert:

Die Wintersemester-Ringvorlesung „Geschichte oder Mythos?“ des Centrums für Religiöse Studien der Universität Münster möchte den Vertretern dieser alternativen Theorien ein Forum bieten, ihre Ansätze in der Öffentlichkeit vorzustellen und in einen Dialog mit Vertretern der Mehrheitsmeinung zu treten.

Der Dialog mit der Mehrheitsmeinung sieht dann so aus, dass nach dem Vortrag von Kalisch selbst am 15.1.20093 zwei weiteren Zweiflern an der Historizität Muhammads4 an der Reihe sind, gefolgt von einem Symposium an dem Karl-Heinz Ohlig über “Christliche Zeugnisse aus den ersten beiden islamischen Jahrhunderten zum Islam” und Volker Popp über “Wann verschwand das Kreuz aus der frühislamischen Ikonographie?” referieren. Und – aufgepasst! – hier kommt die Mehrheitsmeinung: Es diskutieren Michael Marx (Corpus Coranicum) und Prof. Stephan Wild (Bonn)!

Naja, für mich setzt Kalisch damit seine Art fort, nur ausgesuchte Meinungen an seine Ohren und seinen Verstand heranzulassen, statt tatsächlich ergebnisoffen und quellen- und beweisorientiert zu diskutieren.

Diese Vermutung wird durch die Beschreibung von Akif Sahin gestützt, der seine Auseinandersetzung mit Kalisch in seinem Blog wiedergibt:

Da ich persönlich in Hamburg in diversen Unterrichtseinheiten schon damals Kritik an Kalischs vorgehen geäußert habe, kann ich auch davon berichten wie Kalisch vorgeht. Für ihn ist das Ziel wichtig. Wenn er ein Ziel vor Augen hat, dann lässt er alles andere, was gegen dieses Ziel sprechen könnte, völlig unbeachtet und versucht seine Meinung mit nicht haltbaren Argumenten zu stützen.

Islamlehrer

Dies alles berührt das Thema der Ausbildung von Lehrern für den Religionsunterricht in keinster Weise. Kalisch hat ein Problem mit der Logik, wenn er fordert, dass die Ausbildung der Religionslehrer unabhängig von den Religionsgemeinschaften geschehen soll. Dies ginge, wenn man einen einheitlichen Ethikunterricht5 einführen würde, was die Humanisten unter uns sehr freuen würde. Solange aber ein bekenntnisgebundener Unterricht angeboten werden soll, muss die Religionsgemeinschaft (in Maßen) darüber entscheiden, welche Inhalte von welchen Lehrern an die Kinder vermittelt werden sollen. Wir können ja gerne über die Abschaffung dieses Unterrichts reden6, allerdings fragt man sich dann, wofür Herr Kalisch die Professorenstelle angenommen hat, die zu Anfang vor allem zur Ausbildung von Islamlehrern gedacht war..

  1. dies hat sich mit meinem letzten Kommentar durchaus geändert, dies aber vor allem, da Herr Kalisch selbst seinen persönlichen Glauben in die Öffentlichkeit trägt[]
  2. mir nicht weiter bekannt[]
  3. “Die Mutter ihres Vaters – Fatima, die frühislamische Gnosis und die Frage nach dem historischen Muhammad”[]
  4. deren Thesen teils bereits mehrfach widerlegt wurden[]
  5. eine Art Staatsreligion ;-) []
  6. in meinen Augen kann die Religionsgemeinschaft das auch gut in den eigenen Räumlichkeiten (Moschee/Synagoge/Kirche/Tempel..) erledigen[]

Zum offenen Streit zwischen dem Koordinationsrat der Muslime und Professor Kalisch

authorOmar | 16. September 2008

Ein Streit ist nun offen zwischen dem Koordinationsrat der Muslime in Deutschland und dem Professor für “Religion des Islam” Muhammad Kalisch entbrannt. Der Koordinationsrat verkündete am Freitag, dass sie die Zusammenarbeit mit dem “Centrum für religiöse Studien” nicht fortführen werden und zog seine Empfehlung zum Lehramtsstudium am “Lehrstuhl für Religion des Islams” zurück. Die Begründung fiel zunächst knapp aus: Der Grund liege in der “erheblichen Diskrepanz zwischen den Grundsätzen der islamischen Lehre und veröffentlichten Positionen des Leiters des CRS in Münster”.

Hintergrund

Professor Muhammad Sven Kalisch bekam in 2004 den Ruf von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. In der Ankündigung zu seiner Professur spiegelt sich der Zweck der neugeschaffenen Stelle:

Mit der Ernennung von Privatdozent Dr. Muhammad Sven Kalisch aus Hamburg zum Professor für das Fach “Religion des Islam” an der Westfälischen Wilhelms-Universität ist nun der Weg frei: Die Universität Münster ist die erste deutsche Hochschule, die Lehrerinnen und Lehrer für Islamunterricht ausbilden wird. [...] “Münster bietet damit bundesweit als erste Hochschule ein wissenschaftliches Hochschulstudium im Bereich Lehrerausbildung Islamunterricht an”, betonte Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft am Donnerstag in Düsseldorf anlässlich der Ernennung von Prof. Kalisch.

Die Ausbildung von Lehrern für den damals in einigen Ländern angedachten und teils probeweise eingeführten Islamunterricht1 war auch in der medialen Aufbereitung die ausschlaggebende Arbeit des Instituts. Seine Befähigung zu diesem Posten war unklar, denn bis dahin hatte er Jura studiert und in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften promoviert. Zwar galt seine Doktorarbeit der “Vernunft und Flexibilität in der islamischen Rechtsmethodik”, allerdings schien er nicht mehr in diese Richtung getan zu haben. Seine Habilitationsschrift, die er zu “Fiqh und Usul al-fiqh in der Zaidiya – Die historische Entwicklung der Zaidiya als Rechtsschule” schrieb, scheint bis heute nicht veröffentlicht worden zu sein. Zum Vergleich schaue man sich einfach mal den Lebenslauf vom neuen Professor für islamische Religionspädagogik Bülent Ucar in Osnabrück an.

Aus muslimischer Seite war seine religiöse Zuordnung durchaus ein Problem. Von Anfang an war klar, dass er sich gerne einer Minderheitengruppe zuschrieb, den Zaiditen, auch wenn sich das über die Jahre geändert hatte. Diese sind eine Untergruppe der Schiiten, die Bestand hatte, da sie um die Jahrtausendwende Staatsreligion eines Königreichs im Jemen wurde. Sich selbst sehen die Zaiditen als Bindeglied/Mischung zwischen Schiiten und Sunniten. Dazu trägt bei, dass sie anders als die meisten Schiiten, das Imamat2 nicht als verbindlich ansehen. Von sunnitischen Gelehrten wie etwa Abu-Hanifa und Al-Ghazali übernahmen die Zaiditen das Kriterium “Aql”3 zur Koranexegese.

Unabhängig davon haben die muslimischen Verbände nach der Rückversicherung von Kalisch, einen ergebnisoffenen Diskurs zu führen und seinen eigenen Glauben aus seinem Unterricht herauszuhalten, die Mitarbeit angestrebt. Schließlich ging es um den Religionsunterricht und um ein Modellprojekt.

Im Zuge des Karikaturenstreits hatte Prof. Kalisch dann eine Stellungnahme abgegeben, die vor allem mit der Meinungsfreiheit und religiösen Gefühlen zu tun hatte. Daneben ließ Herr Kalisch folgendes anklingen:

Wenn die islamische Theologie nicht in einer Liga mit evangelikalen Erweckungspredigern spielen, sondern ernsthaft wissenschaftliche Theologie betreiben möchte, dann muss sie sich den Herausforderungen stellen, die die moderne wissenschaftliche Forschung zur Religionsgeschichte aufwirft. Alttestamentler und Archäologen wie Thomas Thompson, Philip Davies, Niels Peter Lemche
oder Israel Finkelstein haben uns in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass wir Abraham, Moses und manche anderen biblischen und koranischen Gestalten aus der Liste der real existierenden historischen Personen streichen können. Solche Erkenntnisse fordern eine Weiterentwicklung der Hermeneutik des Koran, eine neue Beschäftigung mit dem Offenbarungsbegriff und neue Ansätze einer islamischen Theologie der Religionen. Hier kann man insbesondere auf Ansätzen der muslimischen Philosophen und
Mystiker aufbauen.

Ich weiß noch, dass ich mir an den Kopf gefasst hatte: Hat er gerade gesagt, dass es Moses seiner Meinung nach nicht gegeben hat?? Hmm.. nach nochmaligem Lesen schien mir eher, dass er den ergebnisoffenen Diskurs tatsächlich offen zu halten versucht.

Naturwissenschaft vs. Religion?

Im Laufe der Jahre haben sich aber die Aussagen seinerseits gehäuft, in denen es schien, er hätte mit seinem eigenen Glauben große Schwierigkeiten. Exemplarisch hierfür ist der Aufsatz “Perspektiven islamischen Denkens in Europa” aus dem Jahr 2006. Darin schreibt Kalisch unter der vielsagenden Kapitelüberschrift “Islamische Theologie/Philosophie” ziemlich viel, was aber auf folgendes heruntergebrochen werden kann:

Der Glaube an eine Offenbarung durch einen Gott ist unmodern. Außerdem ist er wissenschaftlich nicht aufrecht erhaltbar, da Wissenschaft eine Gesetzmäßigkeit voraussetzt. Der Ansatz der Gesetzmäßigkeit schließe qua der fehlenden Beobachtungen aus, dass es “Wunder” gegeben habe:

Wenn Theologie aber eine Wissenschaft sein möchte, dann muss sie unterstellen, dass menschliches Handeln in der Geschichte allgemein gleichen Naturgesetzmäßigkeiten unterliegt. Wunder kann es nicht geben und wenn es sie gäbe wären sie nicht beweisbar und würden historische Forschung unmöglich machen. Historische Forschung nämlich ist nur dann möglich, wenn man unterstellt, dass zu allen Zeiten an allen Orten für alle Menschen die gleichen Naturgesetzmäßigkeiten gelten.

Nun haben muslimische Denker schon früher den Ansatz verfolgt, Wunder als innerhalb der “Sunnatullah”4 für “nicht möglich” zu erachten. Sie haben aber mehrheitlich nicht den Übermut besessen, diese Gesetzmäßigkeit in der Natur erkennen zu glauben. Gesetzmäßigkeit ist ohnehin abhängig von der Ebene, in der man sich befindet und die Gesetze, die der Mensch aus einer gegebenen Gesetzmäßigkeit ableitet sind stets eine Abbildung dessen, was der einzelne Mensch von dieser Gesetzmäßigkeit beobachten konnte. Wenn also ein Mensch Jahre lang eine funktionierende Uhr beobachtet, geht er laut der zugrunde gelegten Informationen davon aus, dass Uhrzeiger sich im Allgemeinen im gleichen Tempo weiterdrehen. Das Ableben der Batterie kommt in dem Falle einem Wunder gleich, denn es unterbricht die Gesetzmäßigkeit. Der naturwissenschaftlich denkende Mensch wird seine Beobachtung deshalb stets um die neuste Beobachtung erweitern müssen und wird also automatisch immer davon ausgehen, dass seine Erwartung stets vorläufig ist und von der Beobachtung erst noch bestätigt werden muss. Bei einem Bruch mit der Gesetzmäßigkeit folgt idealerweise der Versuch dies zu erklären, indem man weiter forscht und eine “größere”, grundsätzlichere Gesetzmäßigkeit findet (z.B., dass Uhren nur mit Energieversorgung funktionieren).

Es ist ein Dogma, dem viele Menschen außerhalb der Naturwissenschaften unterliegen, dass Naturgesetze, wie wir sie heute kennen ein Absolutmaß für die Wahrheit darstellen. Letztlich begeht Herr Kalisch denselben Fehler, den “unwissenschaftliche Muslime” begehen: Eine durchaus wissenschaftlich erarbeitete Wahrheit als absolut zu betrachten und darauf ihren Glauben/ihre Religion zu basieren.

Religion und Überlieferung muss sich nicht zwangsläufig an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen messen. Es ist geradezu simplistisch, wie Herr Kalisch die Erkenntnisse von muslimischen Gelehrten über so viele Jahre über Bord wirft. Sowieso scheint er seine Erkenntnisse einzig auf den Diskursen innerhalb des Christentums aufzubauen.

Kaum konkrete Aussagen

Im Allgemeinen wird Herr Kalisch allerdings nur selten konkret. In der heutigen Süddeutschen wird er wie folgt zitiert:

Ja, das sei so eine Sache mit dem Propheten, sagt Professor Muhammad Sven Kalisch aus Münster, “es kann nicht widerlegt werden, dass er gelebt hat, aber auch nicht bewiesen”. Er allerdings neige “zunehmend dazu, anzunehmen, dass er nicht gelebt hat, jedenfalls nicht so, wie ihn der Koran und die Hadithe, die Überlieferungen, beschreiben”.

Die Frage, die sich stellt wäre: wie denn? Was – glaubt er – sind die gesicherten Fakten über Muhammad? An keiner mir bekannten Stelle macht Herr Kalisch deutlich, was er genau an den Überlieferungen bemängelt. Herr Kalisch bemängelt zwar die angebliche Unwissenschaftlichkeit der Muslime, allerdings bringt er auch nicht wirklich viel auf den Punkt.

Die Aussage “es kann weder belegt noch widerlegt werden”, konkretisiert er an keiner Stelle. Der Beleg für die Existenz Muhammad ist zunächst einmal der, dass viele Menschen und viele Artefakte über Generationen seine Existenz bezeugen. Die Überprüfung der Überlieferungsketten ist ein weit reichendes Feld, dessen sich muslimische Gelehrte schon sehr früh angenommen haben. Die Arbeit ist mit Sicherheit nicht abgeschlossen und dementsprechend könnte auch ein Herr Kalisch seine guten Zweifel an der einen oder anderen Quelle oder Überlieferung anbringen. Nur müsste er das zunächst einmal tun, statt immer nur augenscheinlich “historisch-kritisch” alles grob in Frage stellen oder gar zu verleugnen.

Mit derselben Resistenz könnte ich nämlich auch in Deutschland behaupten, Australien gäbe es nicht. Alles, was ich davon mitbekomme sind Menschen, die davon berichten und Gegenstände, die angeblich von dort kommen. Weiterhin habe ich aus Australien – weil zeitaktuell – Bilder und Videos, die allerdings alle genauso wie die Gegenstände gefälscht werden können. Die Erfahrbarkeit aus erster Hand kann ich nur sehr schwer auf alles anwenden, was ich als existent erachte – und selbst dann ist Raum für Manipulation gegeben. Deshalb bleibt mir zur Überprüfung immer nur die Quellenanalyse, die mir über die Glaubwürdigkeit der einzelnen Überlieferer und den Vergleich der verschiedenen Überlieferungen Auskunft darüber geben kann, was die Wahrheit sein müsste.

Ist das eigene Bekenntnis für die Ausbildung von Islamlehrern wichtig?

Herr Kalisch verteidigt seine Position heute mit der Freiheit der Forschung. Diese Freiheit greifen die muslimischen Verbände nicht an. Es geht auch weniger darum, wer was erforschen darf, denn diese Forschung wird an islamwissenschaftlichen Instituten durchaus betrieben – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Den muslimischen Verbänden genauso wie den meisten Muslimen geht es darum, Islamlehrer ausbilden zu lassen. Auch der Politik geht es darum.

Es ist folgerichtig, dass die Verbände sich aus dem Centrum für religiöse Studien zurückziehen, wenn sie das Gefühl haben, dass das angestrebte Ziel – die Ausbildung von Lehrern, die Religionsinhalte vermitteln sollen – nicht erreichbar ist. Nein, es ist sogar ihre Verpflichtung dies zu tun, denn die muslimischen Eltern – die Kundschaft und Abnehmer von Herrn Kalisch, wenn man so will – vertraut durch die Zusicherung der muslimischen Verbände darauf, dass im Islamunterricht der dort ausgebildeten Lehrer auch das drin ist, was außen dransteht. Mir scheint, Herr Kalisch versteht diese Aufgabe nur als Aufhänger dafür, dass er sich persönlich mit seinem eigenen Glauben auseinandersetzen kann. Sonst wäre es bis jetzt an der Zeit gewesen Lehrplanvorschläge, Handreichungen für Lehrer und andere nützliche Dinge aus Münster zu sehen. Nichts davon ist aber bis jetzt passiert.

Im Artikel auf islam.de wird die grundsätzliche Debatte ganz gut wiedergegeben:

Selbstverständlich kann jeder in Deutschland lehren, was er für richtig hält – es gibt ja schließlich die Freiheit der Lehre und Forschung. Aber wer mit dem Anspruch auftritt, Lehrerinnen und Lehrer für einen zukünftigen Bekenntnis-orientierten islamischen Religionsunterricht in der Schule nach Paragraph 7,3 heranzubilden, der muss schon mit dieser Messlatte rechnen.

Berichterstattung

Es grenzt an Frechheit, mit welcher Ignoranz Herr Kalisch als rational und liberal dargestellt wird, um den Streit zu beschreiben. Domradio schreibt zum Beispiel in der ersten Meldung zum Streit:

Kalisch vertritt ein liberales Islamverständnis und hat in Vorträgen und Interviews häufig zum rationalen Umgang mit dem Koran aufgerufen.

Das angeblich “liberale” Verständnis des Islams ist aber nicht Streitgegenstand. Woran überhaupt die Liberalität festgemacht werden kann, ist sowieso unklar.

Man muss sich letztlich fragen, warum eigentlich bei so wenigen Lehrstühlen (derzeit drei), die sich mit der Ausbildung um islamische Religionslehrer befassen, ein Exot mit wenig Qualifikation ausgewählt wurde, statt einen soliden und erfahrenen Wissenschaftler heranzuziehen. Herr Kalisch scheint einen Wolkenkratzer der (islamischen) Theologie bauen zu wollen, ohne ein Fundament zu haben, auf dem dieser Wolkenkratzer stehen müsste.

Ich unterstütze deshalb auch den praktischen Vorschlag von Prof. Krämer, die die elegante Lösung darin sieht, “Kalisch als Hochschullehrer in Münster zu behalten und eine andere Person mit der Ausbildung der islamischen Religionslehrer zu beauftragen”. Dabei würde ich aber gerne den Auswahlprozess einer für den Religionsunterricht ausgelegten Professur stärker an die betroffene Religionsgemeinschaft binden.

Das Interview mit Prof. Gudrun Krämer aus Berlin kann man sich hier anhören:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Hier noch einige Artikel zum Thema:

  1. unterschiedliche Nennung möglich[]
  2. Nachfolge des Propheten. Diese sind für viele Schiiten ein Glaubensbestandteil[]
  3. Aql wird meist mit “Vernunft” übersetzt, allerdings wird ein Schuh draus, wenn man annimmt, dass diejenigen, die die Quelle über die Vernunft stellen unvernünftig handeln würden..[]
  4. quasi die Gesetzmäßigkeit, die Gott im Universum erschuf[]

Warum Mathematiker Selbstmord begehen..

authorOmar | 13. August 2008

Wir haben uns alle schon gefragt, warum Mathematiker Selbstmord begehen. Aber wie sollten sie das nicht tun, wenn sie mit derartigen Grausamkeiten konfrontiert werden?

Mekka in Saudi-Arabien als Zentrum der Erde

authorOmar | 20. Mai 2008

“Mecca, the Centre of the Earth, Theory and Practice”, das war der Titel einer Konferenz in Qatar, die sich Medienmeldungen zufolge vor allem mit der Frage auseinander gesetzt hat, ob die Stadt Mekka als Zentrum der Erde angesehen werden kann und ob nicht u.a. deshalb dort der Nullmeridian gelegt werden sollte – also Mekka als zeitliche Referenz für die Welt gelten sollte. Mit ähnlichen Fragestellungen hatte ich mich bereits hier auseinandergesetzt und hatte versucht einige Menschen anzuschreiben, die die Behauptung in die Welt setzen, Mekka wäre Zentrum der Erde1. Leider scheint das nichts gebracht zu haben, denn einer der Hauptredner an der Veranstaltung in Qatar war Zaghlul Annajjar, der weiterhin ohne weitere Belege die selben alten Behauptungen von sich gibt.

Behauptungen

Laut BBC-Artikel wurden auf der Konferenz vor allem drei Punkte angesprochen:

  1. Unlike other longitudes, Mecca’s longitude was in perfect alignment to magnetic north.2
  2. Mekka ist das Zentrum der Erde3
  3. Eine spezielle Uhr, die im Gegenuhrzeigersinn dreht4 soll Muslimen helfen, die Gebetsrichtung auszumachen5. Die Drehrichtung der Zeiger soll sich aus der Drehrichtung von Pilgern beim Umrunden der Kaaba6 ergeben oder zumindest damit in Verbindung stehen.

Da der Artikel auf BBC nicht sehr ausführlich ist, habe ich mir die Mühe gemacht und nach Unterlagen zur Konferenz gesucht. Leider scheint die Konferenz keine per google auffindbare Webseite zu haben und dementsprechend ist die beste Quelle, die ich finden konnte, ein Artikel in arabischer Sprache der Zeitung al-sharq (الشرق):

استضافته الدوحة بمشاركة علماء الجيولوجيا …مؤتمر مكة يثبت أن الكعبة مركز للأرض
Doha hosted conference with participation of geologists proves that the Kaaba of Mecca is the centre of the Earth

Darin werden die Vorträge von Youssef al-Qaradawy sowie von Zaghlul Annajjar näher beleuchtet. Der Hauptredner indes ist ein Dr. Yahya Al-Waziry (يحيى الوزيري). Er hat die Aufgabe, den wissenschaftlichen Aspekt darzustellen, der sich mit der Zentralität Mekkas beschäftigt. Zum Schluss referriert Yasin A-shouk (ياسين الشوك) über die von ihm erfundene (kommerzielle) Uhr “Saat Makka”.

Mecca’s longitude is in perfect alignment to magnetic north

Die gängige Aussage ist die, dass Mekkas Längengrad mit dem des magnetischen Nordpols übereinstimmt, während das für Greenwich (offensichtlich) nicht stimmt.

Viele wissen, dass der magnetische Nordpol vom geographischen Nordpol abweicht. Um die Definitionen präzise zu halten, hier eine Wiederholung: Der geographische Nordpol bezeichnet den Punkt, an dem die Drehachse der Erde ihre Oberfläche in Richtung des magnetischen Südpols7 schneidet.

Die magnetischen Pole der Erde entstehen – so die derzeitige Annahme – durch Zirkulation von ferretischen Metallen im Erdkern. Dadurch entsteht eine Art Elektromagnet mit dem Nordpol in der Nähe der Antarktis und dem Südpol in der Nähe Kanadas. Kurios ist zunächst einmal, dass die Pole dieses Magnets nicht stabil sind und sich nicht nur jährlich, sondern sogar täglich und manchmal sporadisch bewegen. Eine kanadische Behörde beobachtet die Bewegungen des Pols in ihrer Nähe. Zuletzt wurde im 2001 die Lage des Pols an der ungefähren Position 81.3° Nord, 110.8° West8 gemessen. Man schätzt, dass der Pol jedes Jahr etwa 40km weiterwandert – derzeit von der Küste Kanadas weg. Im Jahr 2005 wurde die Position des Pols auf 82.7° Nord und 114.4° West geschätzt. Hinzu kommt, dass seine Position innerhalb eines Tages in einem Radius von etwa 85km schwankt.

Dieser Tatsachen muss man sich im klaren sein, wenn man darüber sprechen möchte, welche Stadt auf demselben Längengrad wie der Pol liegt. Im Hinterkopf sollte man weiterhin behalten, dass magnetischer Nord- und Südpol sich nicht gleichsinnig bewegen9.

Nun zurück zur Propagation: Die Stadt Mekka liegt bei 21.4° Nord und 39.8° Ost. Da die Zählung der Längengrade sowohl nach Osten als auch nach Westen von Greenwich anfangen, müsste der Längengrad 39.8° Ost am geographischen Nordpol10 in den Längengrad 140.2° West übergehen11. Der Nordpol soll aber 114.4° West liegen! Das entspricht etwa dem Breitengraden 66° Ost und dort liegen etwa Samarqand (Usbekistan), Kandahar (Afghanistan) oder Karachi (Pakistan). Karachi ist bspw. von Mekka etwa 2700km entfernt!

Aber selbst wenn Mekka zufällig mit dem Nordpol auf einem Breitengrad läge – da sich dessen Position stetig und nicht linear ändert, kann die Aussage der Wissenschaftler nicht aufrechterhalten werden. Außerdem müsste man sich fragen, warum ausgerechnet der Nordpol eine solche Symbolkraft haben soll? Der antarktische magnetische Pol (in der Südhalbkugel) hat derzeit etwa den Breitengrad 135° West. Dieser verläuft durch den Nordwesten Kanadas. Auf der anderen Seite der Erde verläuft seine Fortsetzung (45° Ost) zwar u.A. durch Saudi-Arabien, aber da sehr weit von Mekka entfernt.

Zaghlul Annajjar führt zum Schluß seiner Rede aus:

وما هي دلالاتها على شرف المكان وعظمته وبركاته؟وللإجابة على ذلك أشار إلى توسط مكة المكرمة لليابسة‏ ‏وانتفاء الانحراف المغناطيسي عند خط طول مكة المكرمة‏…

Und was wären die Beweise für die Erhabenheit des Ortes [Mekka]? Um diese Frage zu beantworten hat er [Annajjar] auf die Mittigkeit Mekkas in Bezug auf das Festland12, auf den Wegfall der Diskrepanz zwischen magnetischem und geographischem Nordpol auf dem geographischen Breitengrad Mekkas…

Auch von Mekka aus gesehen gibt es einen Unterschied zwischen der Richtung zum magnetischen Nordpol und der zum geographischen. Die Aussage ist also schlichtweg falsch und durch ihre Platzierung sehr irreführend.

Mekka ist das Zentrum der Erde

Zunächst einmal muss ich klarstellen, dass diese Aussage keineswegs stimmen kann, denn der Mittelpunkt der Erde ist natürlich irgendwo im Kern der Erde, auf keinen Fall auf ihrer Oberfläche. Gemeint ist aber die Mittigkeit auf einer gedachten ausgebreiteten Karte, bzw. auf dem verbundenen Festland Europa-Asien-Afrika.

Herr Yahya Al-Waziry gibt zu Anfang seines Vortrags einen kurzen Überblick darüber, welche Wissenschaftler vormals und mit welchem Erfolg an der Ausarbeitung der Theorie der Mittigkeit Mekkas gearbeitet haben. Das erspar ich mir, aber es wäre interessant herauszusuchen, inwieweit ihnen widersprochen wurde und mit welchen Argumenten..

Er stellt dann – sehr löblich – seine Herangehensweise vor, um diese Fragestellung zu beantworten. Er macht den Anwesenden klar, dass Kartenwerke verzerrte Wiedergaben der Realität sind und deswegen sich nicht jede Karte zur Auswertung von Längenverhältnissen eignet. Sehr richtig! Er habe aus diesem Grund in seiner Forschungsarbeit auf drei Programme zurückgegriffen, die unter ‘Spezialisten’ und ‘Experten’ be- und anerkannt seien:

  1. Google Earth – ist wohl jedem bekannt, brauche ich nicht zu erklären.
  2. Qibla locator – diese Applikation gibt für einen beliebigen Ort auf der Erde die Richtung des kürzesten Luftwegs nach Mekka an.
  3. Geomidpoint calculator – berechnet die Entfernung zwischen zwei Punkten auf der Erdoberfläche

Mir ist derzeit nicht bekannt, wie genau Qibla locator arbeitet – vor allem, ob es die Erdkrümmung bei der Berechnung der kürzesten Strecke berücksichtigt oder ob es nach einer verzerrten Darstellung der Erde verfährt. Google Earth benutzt auf jeden Fall das Koordinatensystem WGS-8413, das eine Projektion auf einen Ellipsoiden verwendet. Diese Projektion ist zwar immer noch besser als die meisten anderen Projektionen (vor allem artähnliche Zylinderprojektionen), nichtsdestotrotz, ist eine genaue Wiedergabe einer ellipsoiden Oberfläche auf einer flachen immer mit einer gewissen Verzeichnung verbunden, die nicht nur aber wesentlich durch die Annäherung der Geometrie der Erdoberfläche an eine geometrische perfekte Form hervorgerufen wird.

Den größten Fehler macht Herr Al-Waziry aber bei der eigentlichen Messung – er wählt seine Abstandspunkte sehr willkürlich:

أولا: بالنسبة لتوسط مكة للعالم القديم (أفريقيا وآسيا وأوروبا) وجدت أن المسافة المتوسطة مابين أبعد حدود فى قارة أفريقيا وأوروبا (جزيرة أيسلندا) تساوى حوالي 6400 كم، مع وجود جزء من قارة آسيا لم يدخل فى حدود المسافة السابقة لاتساع لكبر مساحة هذه القارة.

Erstens: Was die Mittigkeit Mekkas im Bezug auf die ‘alte Welt’ (Afrika, Asien und Europa), so habe ich herausgefunden, dass die mittlere Entfernung zwischen den weitesten Grenzen Afrikas und Europas (Island) etwa 6400 km beträgt, während ein Teil Asiens wegen der großen Ausdehnung Asiens nicht in den Umkreis dieser Entfernung passte. [sic]

Zunächst einmal haben meine eigenen schnellen Messungen mittels Google Earth eine Entfernung von Mekka nach Capetown in Südafrika14 von etwa 6564,18 km ergeben. Die Entfernung zur äußersten Grenze Islands15 betrug demnach etwa 6681,00 km. Das sind mehr als 100km Unterschied! Das heißt konkret, dass selbst nach diesen amateurhaften Messungen die “Mitte” des Festlands irgendwo in einem Umkreis von 100 km um Mekka herum (vor allem nördlich und südlich) liegen könnte.

Schlimmer noch wiegt, dass Herr Al-Waziry zwar Island zur ‘alten Welt’ zählt, nicht aber Grönland (z.B.) und vor allem nicht Asien, das ihm einfach zu ausgedehnt zu sein scheint! Übrigens, das dürfte den Wissenschaftler interessieren: Die Entfernung von Mekka bis zu den östlichen Grenzen Asiens beträgt etwa 6500 km Meilen – das sind etwa 10.500 km16!

Das Spiel setzt sich dann bei der Mittigkeit im Bezug zur ‘neuen Welt’ fort. Dort ergibt sich für ihn der zusätzliche Freiheitsgrad, dass die Anordnung der Kontinente (vor allem der Amerikas) auf der planen Karte beliebig sein kann. Dort misst er die nahen, wie auch die fernen Grenzen dieser Kontinente, sowie die Entfernungen zu Mittelpunkten17 dieser , um zum Schluss zu kommen:

إن النتائج السابقة توضح أن توسط مكة لليابسة يظهر من خلال عدة مستويات وليس مستوى واحد فقط، حيث أنها تتوسط أبعد حدود لقارتي أفريقيا وأوروبا معا، كما أنها تتوسط الحدود القريبة لقارات العالم الجديد مع الجزء الباقي من قارة آسيا حيث يلتقي مع الحدود الشمالية لقارة أمريكا الشمالية، كما أنها تحقق التوسط بالنسبة لحدود قارات العالم الجديد البعيدة والتي تمثل حدود اليابسة من الخارج، وأخيرا فان مكة المكرمة تبتعد تقريبا بنفس المسافة عن النقاط التي تتوسط قارات العالم الجديد أي عن مراكزها الجغرافية.

Die vorangestellten Messungen verdeutlichen, dass sich die Mittigkeit Mekkas im Bezug zum Festland18 in mehreren Dimensionen zeigt und nicht nur in einer: Die Stadt [Mekka] liegt genau in der Mitte zwischen den äußersten Grenzen Afrikas und Europas, sowie zwischen den nahen Grenzen der neuen Welt und den fernsten Grenzen Asiens, wo es sich mit Nordamerika trifft, sowie zwischen den fernen Grenzen der ‘neuen Welt’, die die Grenzen des Festlands wiedergeben. Zudem hat Mekka den ungefähr gleichen Abstand zu den Mittelpunkten der Kontinente der ‘neuen Welt’ (a.k.a. ihre geographische Lagen [sic]).

Zum Schluss seines Vortrags fordert der Referent noch, Mekka’s Längengrad19 zum Nullmeridian zu erklären, da der Verlauf des derzeitigen Nullmeridians einer wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Dass seine Erklärungen kein Plus an Wissenschaftlichkeit liefern, wird ihm offensichtlich nicht klar!

Nicht unerwähnt lassen will ich die Tatsache, dass Herr Yahya Al-Waziry ein Laie ist! Er hat zwar promoviert, allerdings laut dieser Seite hat seine Profession nichts mit Astronomie, Geographie oder auch nur Mathematik zu tun: Er hat scheinbar Architektur studiert und sich auf Innenarchitektur und (archäologische) Kunst spezialisiert. Ein alter Mathematik-Professor sagte mir mal, dass Maschinenbauer in der Mathematik von Mathematikern, Informatikern und Eletrotechnikern geschlagen werden. Weit von den Maschinenbauern abgehängt kämen dann die Bauingenieure. Wie weit unten auf der Trittleiter des Mathematikverständnisses man nach den Architekten zu suchen hätte, hatte er nicht erwähnt..

Brauchen wir eine spezielle Uhr, um die Gebetsrichtung auszumachen?

Ich fasse mich kurz: Herr Yasin A-shouk (ياسين الشوك) hat eine analoge Uhr erfunden, die nicht nur nach Mekka geht, sondern das auch noch in der entgegengesetzten Richtung tut, wie das bekannte Uhren tun. Die Drehrichtung der Uhrzeiger richtet sich dabei nach der Drehrichtung der Umdrehung der Kaaba bei der Pilgerfahrt20. Die Konstruktion der Uhr soll auf fünf “wissenschaftlichen Theorien” beruhen:

  1. Mekka ist das Zentrum der Erde
  2. Die ganze Welt sollte sich nach der Uhr Mekkas richten (ist das überhaupt eine Theorie???)
  3. Mekka ist das Zentrum der magnetischen Anziehung der Erde21
  4. hier wird’s sogar interessant: Der Umfang der Erde soll nicht nur 360° sein, sondern ist 390°. Wie das gemeint ist, will mir bei bestem Willen nicht einfallen..
  5. Mekka, Al-Medina22 und Jerusalem liegen alle auf einer geographischen Linie

Linie zwischen Mekka, Medina und Jerusalem

Keiner der fünf Thesen zeigt so gut wie die letzte, wie unüberlegt und unterinformiert diese aufgestellt werden, wie ich anhand dieses Bildes zu verdeutlichen versuche. Tatsächlich liegen die drei Städte mitnichten auf einer geographischen Linie. Sie liegen maximal auf einer geographischen Kurve, die aber ansonsten keine erkennbare Bedeutung hat.

Weiter muss man feststellen, dass bereits mit einer einfachen analogen Uhr die Himmelsrichtungen ungefähr bestimmt werden können und dadurch die Gebetsrichtung festgestellte werden kann. Dazu geht man so vor, dass man den Uhrzeigersinn in Richtung Sonne hält. Die Winkelhalbierende zwischen Uhrzeigersinn und 12-Uhr ist der ungefähre Süden. Das wird sogar durch die Drehrichtung der Uhr erst ermöglicht23, da die Uhr in Sonnenrichtung dreht und somit die Winkelhalbierende stets in dieselbe Richtung zeigt.24 Wozu braucht man also noch eine “Extra-Uhr”?

Einen guten Kommentar bzgl. der gegen den Uhrzeigersinn drehenden Uhrzeiger dieser Uhr:

A French muslim has even developed a watch that is said to rotate anti-clockwise — that would explain the state of civil liberties in Saudi Arabia.

Ahhh!

Ich finde es teils beschämend, teils verrückt, wie sich einige muslimische Gelehrte wie Schamane verhalten und einen Wahrheitsgehalt unterhalb jeglicher vernünftig verantwortbaren Grenze und weitab ihres eigenen Wissenstands predigen. Dass die Konferenzteilnehmer auch noch planen, eine Nachfolgekonferenz zu organisieren, wo die “Theorie der Mittigkeit Mekkas” noch weiter gefördert werden soll, erinnert mich ein wenig an die evangelikalen Gruppierungen in den USA, die um alles die “Theorie des Kreationismus” durchzusetzen versuchen – notfalls mit einer Konferenz und einem Museum.

Die Welt hat meines Erachtens genügend Wichtigtuer und Nichtsnutze. Die Konferenzteilnehmer sollten sich schämen, dass sie solch einfach als Blödsinn zu enttarnenden Theorieblasen aufgesessen sind und nicht noch mehr Menschen in die Irre leiten.

  1. vor allem mit Zaghlul Annajjar (زغلول النجار) []
  2. Anders als andere Längengrade geht der von Mekka genau durch den magnetischen Nordpol der Erde[]
  3. Youssef al-Qaradawy erwähnt zwar, dass dies wissenschaftlich belegt wäre, nennt aber weder Quelle, noch Beleg, noch einen Anhaltspunkt wie das Zentrum der Erde zu definieren sei[]
  4. also mathematisch korrekt[]
  5. auch hier wird nicht gesagt, wie das genau gehen soll[]
  6. Mehr Informationen hierzu hier[]
  7. Der magnetische Süden liegt korrekterweise im Norden, da die Nordpole unserer einfachen Magnete dort hin zeigen[]
  8. von Greenwich aus zunächst einmal..[]
  9. dies scheint mir vor allem mit den unterschiedlichen Gesteinsschichten zu tun zu haben, die die beiden magnetischen Stränge zu durchlaufen haben..[]
  10. da, wo die Längengrade enden[]
  11. 180°-39,8°[]
  12. gemeint ist das “zusammenhängende” Festland Asien, Afrika und Europa[]
  13. nebenbei: in diesem Koordinatensystem ist Greenwich nicht im Nullmeridian[]
  14. 43°23′06″S,19°04′36″O[]
  15. 65°30′51″N,24°29′50″W[]
  16. aber vielleicht reicht ihm ja auch die ungefähre Übereinstimmung der Beträge..[]
  17. er meint wohl die Flächenschwerpunkte, allerdings bezweifle ich, dass er diese sachgerecht berechnet hat[]
  18. komisch, hier kommt wieder Festland vor, wo er davor noch Island dazuzählte..[]
  19. eigentlich sogar einen gedachten Meridian, der sowohl durch Mekka, als auch durch Medina verläuft. Dieser Längengrad würde noch nicht einmal durch die Erdachse gehen![]
  20. actually geht es dabei darum, dass man mit der linken Schulter zur Kaaba kreist..[]
  21. Ahhhhhhhh! Was das heißen soll, wird im Artikel nicht weiter erklärt..[]
  22. bzw. die Moschee darin[]
  23. zumindest auf der Nordhalbebene[]
  24. Zur Anmerkung: Hierbei nimmt man vereinfachend an, dass um 12:00 die Sonne im Zenit, also im Süden steht. Das ist natürlich nicht wirklich der Fall, der Stand der Sonne zu Mittag variiert über das Jahr. Trotzdem ist das eine gute Methode, um schnell und unkompliziert die ungefähre Himmelsrichtung festzustellen![]

Easter and Ramadan

authorOmar | 23. März 2008

It’s interesting to notice, that christians would have the same problems in finding easter. I just read an article about easter calculation and at some point i thought i know the whole problem of having to supply dates for events based on natural (mostly lunar) calendar in a world dominated by a rather artificial calendar.

The FAQ Site explains the date-choosing for easter like this:

The calculation of Easter is complicated because it is linked to (an inaccurate version of) the Hebrew calendar.

Jesus was crucified immediately before the Jewish Passover, which is a celebration of the Exodus from Egypt under Moses. Celebration of Passover started on the 15th day of the (spring) month of Nisan. Jewish months start when the moon is new, therefore the 15th day of the month must be immediately after a full moon.

It was therefore decided to make Easter Sunday the first Sunday after the first full moon after vernal equinox. Or more precisely: Easter Sunday is the first Sunday after the “official” full moon on or after the “official” vernal equinox.

The official vernal equinox is always 21 March.

The official full moon may differ from the real full moon by one or two days.

(Note, however, that historically, some countries have used the real (astronomical) full moon instead of the official one when calculating Easter. This was the case, for example, of the German Protestant states, which used the astronomical full moon in the years 1700-1776. A similar practice was used in Sweden in the years 1740-1844 and in Denmark in the 1700s.)

For muslims, the same applies when searching for a date for Ramadan beginning and end. Many muslims would never dream of calculating these dates based on an “official” full moon1. Others think it’s high time to adopt a practical solution that would enable one to plan his vacation times.. Some predominantly muslim countries already adopted the calculated calendar, while others are rather flexible in their official vacations.

via

  1. actually they would have to be based on the newmoon rather than the full moon..[]

FAZ: Die türkischen Bildungsbürger

authorOmar | 18. Februar 2008

Der Artikel “Die türkischen Bildungsbürger in der FAZ stellt – wahrscheinlich eher unbeabsichtigt dar – wie dämlich die Diskussion und die Berichterstattung in Deutschland ist. Die Forderung des türkischen Premiers Erdogan beim Besuch in Deutschland nach mehr (?) ‘türkischen’ Schulen wird zum Anlass genommen, den Augenschein auf von türkischen Migranten betriebene Bildungseinrichtung zu richten. Der offensichtliche Zweck der Einrichtungen (Nachhilfeunterricht oder Privatschulen) rückt aber weit in den Hintergrund, wenn Medien die Chance haben, über Islamismus und Unterwanderung zu sprechen. Gerne nehmen sie dazu den Dienst von “selbst ausweisbaren Islamkennern” in Anspruch.

Im Besagten Artikel spielen diese Rolle der libanesisch-christliche Islamwissenschaftler Ralph Ghadban und die ewig nach der Islamisierung suchende Journalistin Claudia Dantschke. Ralph Ghadban sieht in wahrer “schuldig auch wenn unschuldig”-Manier in der Denunziation des Terrorismus durch den Begründer des Bildungsnetzwerks Fethullah Gülen einen klaren und unmisverständlichen Versuch der Unterwanderung – nein, sogar der Eroberung:

Auch in Deutschland hat die Gülen-Bewegung Kritiker. Zu ihnen zählt der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban von der Evangelischen Fachhochschule in Berlin. Er hält sie für gefährlich, weil sie „unfassbar“ sei. „Unter dem pseudo-modernistischen Lack steckt eine islamistische Auffassung“, sagt Ghadban und zitiert eine Passage aus Gülens Buch „Fragen an den Islam“. Darin werde dem Koran bescheinigt, dass er die Verfassung und Grundlage sei, auf dem sich das individuelle und gesellschaftliche Leben gründen solle. Alle Islamisten kämen aus dieser Tradition. Ghadban lässt auch nicht gelten, dass sich Gülen gegen den Terrorismus des 11. September ausspricht. Wer „uns“ friedlich erobern wolle, verurteile den Terror, denn Bomben passten nicht in die Strategie.

Um zusammenzufassen: Ghadban1 sieht eine Gefahr darin, wenn Muslime Terror verurteilen. Was sagt er dazu, wenn irgend welche Muslime Terroristen anspornen eigentlich?

Dantschke auf der anderen Seite ist – erstaunlicher weise – ein wenig ruhiger. Sie sähe “zu wenig Belege” für eine religiöse Unterwanderung durch Fethullah Gülen, fordert daher mehr Nachforschungen, da ja nicht sein kann, was nicht sein darf:

Ob die Gülen-Bewegung eine islamistische Agenda hat oder nicht – dieser Frage müsste nach Ansicht der Islamismus-Kennerin Claudia Dantschke vom Zentrum Demokratische Kultur in Berlin weiter nachgegangen werden. Für sie ist Gülen kein Reformer, sondern ein orthodoxer Gelehrter, der den Islam mit moderner Technik und Wissenschaft verbindet, so für die Globalisierung „fit machen“ und Defizite etwa im Bildungssystem aufgreifen will.

Für alles andere, etwa eine religiöse Unterwanderung, gebe es zu wenig Belege. Um diese Belege zu finden, fordert Frau Dantschke, den Blick weg von den Schulen, hin auf das Netzwerk zu richten. Das gelte vor allem für die Studentenwohnheime und die Wohngemeinschaften, in denen sich die „Kerngemeinschaft“ treffe. Keiner wisse, was da besprochen werde.

Wie in einem neo-faschistischen Staat wird nun gefordert, man müsse wissen, “was da besprochen” wird. Es darf keine geschlossenen Räume geben, denn jeder (derzeit zumindest Muslime) verdächtig ist, konspirativ vorgehen zu wollen.. Dass Medien solch einem Unsinn auch noch Raum bieten ist sehr beschämend. Bei der FAZ muss man sich fragen, ob nicht der ganzen Geschichte auch eine gewollte Perspektive aufgesetzt wird:

Die guten Erfahrungen mit den Schulen und die Erkenntnis, dass Bildung die Integration fördere, lassen ein anderes Thema in den Hintergrund rücken: dass den Schulen nachgesagt wird, sie seien einer undurchsichtigen Bewegung zuzurechnen: der des türkischen Predigers Fethullah Gülen.

Ahja! Das Thema “‘undurchsichtige’ türkische (Bildungs-)Bewegung, der die Schule ‘zuzurechnen’2 sei” scheint selbst in Pisa-Zeiten für die FAZ wichtiger zu sein als “die guten Erfahrungen mit den Schulen” und Bildung an sich.. Dementsprechend ist das Schlußwort eines Ali Yildirim “vom Bildungsverein”3:

In der „Sema“-Schule in Mannheim gibt es keinen Religions-, sondern Ethikunterricht. Ali Yildirim vom „Bildungsverein“ gibt zwar zu, offen für die Gülen-Thesen zu sein. Das sei aber seine Privatsache und habe nichts mit der Schule zu tun. Und für die will er gelobt werden. Den Gülen-Gegnern, ob in der Türkei oder hier, wirft er vor, immer nur zu kritisieren: „Die sollten erst einmal bessere Einrichtungen machen als unsere.“

Und ewig schreitet der Medienschwachsinn daher..

  1. übrigens: aus dem Arabischen ließe sich sein Nachname mit “verärgert” oder “wütend” übersetzen[]
  2. wer auch immer diese Zurechnung genau anstellt..[]
  3. ob er eine bestimmte Position innerhalb des Vereins einnimmt, wird nicht weiter ausgeführt..[]

Kelek: Das Geld wird kulturell ausgegeben.

authorOmar | 25. Januar 2008

Wieder ein Interview mit Necla Kelek, die um jeden Preis die einzige Tabubrecherin im Lande sein will:

Welche Art von Erziehungskonzepten, Lebensmodellen und -weisen wird dort befolgt? Oft heißt es nur: Migranten sind arm, Armut bringt Gewalt und Ungerechtigkeit innerhalb der Familien. Diese Argumentation ist viel zu einfach.

Stimmt das denn nicht? In deutschen Unterschichtfamilien ist Gewalt ebenso verbreitet.

Aber die Migrantenfamilien sind für mich nicht arm.

Sondern?

Wenn man in diese Familien schaut und fragt, wie das Geld verdient wird und wofür es ausgegeben wird, dann sieht man, dass diese Familien sich plötzlich eine Hochzeit für zwanzigtausend Euro leisten können. Sie unterstützen ihre Familien in der Türkei mit Geld und mit Gold. Ein Vater lässt seine vier Kinder arbeiten und kassiert ihren Lohn. Das Kindergeld kommt nicht den Kindern zugute, der Vater verzockt es beim Kartenspiel. Und die Mütter verdienen mit Putzstellen Geld, das sie dann für Hochzeitskleider ausgeben. Das Geld wird kulturell ausgegeben.

Speak for yourself!

Ich finde es interessant, wie Necla Kelek verschiedene tatsächlich existierende und “weniger tatsächlich” existierende Dinge miteinander verwebt: Der Vater lässt seine Kinder für ihn arbeiten, während er das Geld in die Türkei verfrachtet, Karten spielt und ansonsten Hochzeiten organisiert (offensichtlich nicht für die überarbeiteten Kinder..). Die ganze Zeit über geht die Mutter putzen, um sich Hochzeitskleider zu kaufen. Da frage ich mich wirklich, warum noch jemand diese Frau ernst nimmt.. Es ist offensichtlich, dass sie einen persönlichen Frust hier loswird.

Nebenbei behauptet sie ja, dass Migranten per se schlechter mit Geld umgehen können, denn offensichtlich haben deutsche “Unterschichtler” tatsächlich kein Geld, während Migranten-”Unterschichtler” ihr Geld für alle möglichen Belanglosigkeiten ausgeben und sich einen Dreck um ihre Kinder kümmern.. Das gehört zur Kultur des Türken halt..

Technikbegeisterte Superhirne unterm Schleier

authorOmar | 11. Mai 2007

Die Dokumentation ist zwar sehr interessant, aber ich muss mich manchmal fragen, ob (deutsche) Medien überhaupt jemals etwas von Graustufen oder Differenzierung gehört haben. Scheinbar kann es nur entweder die Möglichkeit geben, dass das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung der Frau ist oder eben grundsätzlich sie dazu befähigt, besser zu sein.. Werdet endlich erwachsen!