The first victim of a riot is the news – London’s burning

author | 10. August 2011

In der letzten Zeit bin ich ja ein wenig beschäftigt und kann mich dementsprechend nicht um Nachrichten kümmern, wie ich es mir wünschen würde1. Natürlich habe ich mitbekommen, dass in England des Nachts Vandale betrieben wird und da ich nicht dumm sterben wollte, habe ich mich an den Nachrichtenlieferanten par excelence in Deutschland gerichtet: die Tagesschau.

Der Aufmacher: “Krawalle in Manchester, Bangen in London”, die Bilder von gerüsteten Polizisten mit Bränden im Hintergrund. Der Artikel selbst ist noch weniger informativ als die üblichen “1000 Worte”. Der Artikel listet penibelst auf, wo protestiert wird, welche und wie viele Geschäfte in Brand gesetzt wurden und was die Regierung alles unternimmt, um zu reagieren.

Was man zunächst nicht als Information bekommt: Warum gehen da diese Menschen auf die Straßen? Mitten im Artikel prangt mir dann ein bekannter Kopf entgegen: Der hannoversche “Kriminologe” Christian Pfeiffer! Auch wenn ich von seiner wissenschaftlichen Vorgehensweise weder im Bereich der “Killerspieledebatte”, noch im Bereich der “Jugendkriminalität” noch in seiner religionsbasierten Auswertung von Kriminalität besonders viel halte, denke ich mir: hören wir einfach mal rein.

Es war doch nur ein Krimineller!

Die erste Frage erschließt mir zumindest einen Auslöser der Aufstände: Ein Mann wurde offenbar von der Polizei erschossen. Auf Wikipedia findet sich natürlich weit mehr zu Mark Duggan finden, als die Tagesschau wohl jemals berichten würde. Auf die Frage des Moderators, wie es daraufhin zu dieser Eskalation kommen konnte antwortet Pfeiffer mit vier Stichpunkten:

  1. Die Polizei habe nicht sofort erklärt, dass der Getötete eben kein “braver Familienvater” ist, sondern “stark kriminalitätsverdächtig” sei.
  2. Die Polizeikräfte sind durch Kürzungen geschwächt.
  3. Unterschicht. “Eine Riesenzahl von sozial nichtintegrierten jungen Migranten, schlecht ausgebildet, mit miserablen Perspektiven für die Zukunft.”
  4. In England ist das elterliche Züchtigungsrecht nicht abgeschafft.

Wow. Heißt das, es ist o.k., wenn Kriminelle oder gar Kriminalitätsverdächtige von der Polizei auf der Straße erschossen werden?? Sollen sich die Menschen nicht darüber aufregen? Auf der anderen Seite: Von welchen Migranten spricht Herr Pfeiffer da schon wieder? Nur weil unter den Demonstranten viele Schwarze sind, heißt das doch nicht, dass das Migranten sind! Oder bleibt man im Sinne des Candidusmus immer Migrant, solange man dunkelhäutig ist? (Der Punkt mit dem Züchtigungsrecht – das muss man verstehen – ist nur ein Wink auf seine Jugendkriminalitäts-”Studie”.) Ansonsten kann man das Video danach getrost abschalten. Viel Interessantes kommt dann nicht mehr.

Im Artikel geht es dann weiter mit einer klitzekleinen Notiz, dass offenbar der Erschossene eben nicht auf die Polizei geschossen hatte. Die frühere Darstellung der Polizei, dass nämlich er das Feuer eröffnet hätte, bleibt unkommentiert stehen.

Berichterstattung am Kern vorbei

Die Art der Berichterstattung erinnerte mich an ein Video, das ich vor einigen Tagen gesehen hatte. In der britischen Sendung analysiert Charlie Brooker die Reportage zum G20-Treffen. Prinzipiell läuft es darauf hinaus, dass Nachrichtensender bei Demonstrationen lediglich die Zahl der Demonstranten, die Ausmaße aus unterschiedlichen Weitwinkel-Perspektiven und natürlich sehr gerne mögliche Gewalt und Randale berichten, aber kaum oder gar nicht den Inhalt der Demonstrationen wiedergeben.

Ein weiterer Beleg für das Desinteresse von Nachrichtensender, das wirklich Relevante zu berichten, mag dieses Interview sein. Das führte das BBC mit einem Autor Darcus Howe, von dem sie offensichtlich andere Aussagen erwartet hatten:

Das Interview wird abrupt abgebrochen, als die Moderatorin erkennt, dass sie den alten Mann nicht für dumm verkaufen kann. Seine Antwort: Have some respect!

Darcus Howe kommt nicht dazu, seine Aussagen auszuformulieren. Im Guardian schreibt allerdings Nina Power den Kontext der Aufstände an:

at least 333 [deaths in police custody] since 1998 and not a single conviction of any police officer for any of them

Soviel zur Aussage Pfeiffers, dass es ja nur ein Krimineller war, der dort erschossen wurde!

To the politicians

Ich schließe für heute mit einem Gedicht von Guy Denning:

you blame the anarchists
and you blame the youth
you blame the immigrants
but ignore the hard truth
it isn’t the muslims
it isn’t the blacks
it’s a world of lost dreams
that fuel the attacks
kids promised everything
they’ll never achieve
at school and on tv
and on estates they can’t leave
you’ll call for more money
to support your rich friends
and it’ll come from the people
who call for your end

London is burning

  1. ich weiss, damit lasse ich meine werten Besucher stets unterinformiert ;-) []

OpenCL und OpenGL

author | 6. August 2011

Für diejenigen, die es interessiert: Ich habe einen Artikel über Interaktionsmöglichkeiten zwischen OpenCL und OpenGL geschrieben.

Gute Revolution – schlechte Revolution

author | 1. Mai 2011

The freedom seeking scream of people of Tunisia ended the tyranny and atrocity and put a smile on the face of the oppressed people of Tunisia,” dies waren die Worte, die iranische Parlamentarier für die tunesische Revolutionäre Anfang des Jahres fanden. Ähnliche Aussagen fanden sich bei Ahmadinedschad und bezüglich der ägyptischen Demonstranten. Und natürlich findet die iranische Regierung die Revolutionsversuche im kleinen Golfstaat Bahrain toll, versprechen sie sich doch größeren Einfluss über die Schiiten im Land. Zu Syriens Revolutionäre finden sich aus Iran keine solchen Worte! Und die eigenen Demonstranten hatte man keine zwei Jahre zuvor noch brutal niedergeschlagen.

Der Iran ist mitnichten der einzige Staat, der scheinheilig und bigott agiert. Die offiziellen Reaktionen der US-Regierung auf die Revolutionen im Iran einerseits und ihre Reaktionen im Falle Bahrains oder Ägyptens sind ebenfalls bigott und zeugen davon, dass sie ihre eigenen Interessen höher werten als die Rechte der Demonstranten. So trivial das klingt, so muss man sich das immer wieder vergegenwärtigen! Nicht zuletzt sind mit den USA, Groß-Britannien und Frankreich gleich drei große Militärmächte dabei, den libyschen Revolutionären die “Transition” zu “erleichtern” und man kann nur mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass die Verträge für die Erdölförderung bereits unterschrieben wurden1.

Libyen

Der Nato-Angriff auf Libyen ist ein Ergebnis gelebter Bigotterie. Gerechtfertigt wurde der anfänglich zur Etablierung einer No-Fly-Zone propagierte Angriff auf Libyen damit, dass Gaddhafi seine Menschen mit Flugzeugen angriffe und komplette Städte bombardierte, um den Aufstand niederzuschlagen2. Zwei Jahre zuvor hatte man nicht nur tatenlos zugeschaut, wie Israel Menschen im Gaza-Streifen gnadenlos bombardierte, man hat gar Druck auf Ägypten ausgeübt, damit diese eine Flucht besagter Menschen vor dem “gegossenen Blei” verhindert! Nach dem “Einsatz” hat sich die USA immer dann quergestellt, wenn es in der UN darum ging, diesen untersuchen zu lassen. Die Opferzahlen und die Frage, ob es bei den von Gaddhafis Schergen getöteten Menschen sich “wirklich, wirklich” um Zivilisten handelte, brauchen offensichtlich noch nicht einmal untersucht zu werden!

Aus dem selben Grund, weshalb Iran die Revolution im Bahrain unterstützt, würden dieselben Staaten diese Revolution nicht unterstützen. Die US-Regierung hatte gar im Falle Bahrains “Zurückhaltung” von beiden Seiten verlangt. Das würde jede der Regierungen ähnlich sehen, gegen die demonstriert wird: “Geht nach hause, dann schießen wir euch nicht mehr so sehr an.”

Dass Politiker und dementsprechend auch Regierungen bigott sind, das ist man nicht anders gewohnt. Schlimmer wiegt meines Erachtens die Bigotterie “einfacher” Menschen.

Syrien

Syriens Einheitsdiktatur, die zuletzt ohne große Einwände durch die automatisierte Vererbung des “Präsidenten”posten an seinen Sohn praktisch zu einer Monarchie wurde, wird darüber gerechtfertigt, dass der Präsident populär sein soll. Da er populär ist, darf er auch ungezügelt alles niederschlagen, was ihn nicht so sehr bewundert. Übrig bleiben natürlich die Verehrer! Auf Menschenrechtsverletzungen angesprochen, wird schnell abgewägelt. Außerdem seien die Demonstranten Wahhabiten und wollten einen Gottesstaat frei nach Saudi-Arabien errichten. Tolle Erklärung für einen mordenden Einsatz der Regierung!!

Bahrain

Bahrains Vorgehen gegen seine Demonstranten wird bei einigen gerechtfertigt durch die Gefahr, die Schiiten offensichtlich darstellen würden. Diese hätten wohl für die Ausweisung von Sunniten demonstriert! Das wäre sogar ein interessanter Hinweis, wenn er nicht so weit von der Realität wäre, denn mein Gesprächspartner lieferte irgendwann seine Quelle, aber dort stand lediglich, dass sich (schiitische) Demonstranten gegen eine von ihnen als rassistisch empfundene Einbürgerungspolitik demonstriert hatten. Sie mahnen an, dass der Staat absichtlich Sunniten ins Land holt, um die Mehrheitsverhältnisse zu ändern. Ich kann den Vorwurf nicht überprüfen, aber davon unabhängig ist es etwas komplett anderes, als die Behauptung, die Schiiten wollten alle Sunniten ausbürgern lassen. Also darf auch Bahrain zuschlagen, foltern und außergerichtlich hinrichten.

Marokko

Zuletzt habe ich eine Diskussion geführt, in der mein Gegenüber die marokkanische Ausprägung der Diktatur verteidigte: Der marokkanische König und selbsternannter größenwahnsinniger “Amir ul Mu’minin” sei nicht mit den Despoten in Syrien, Ägypten oder Tunesien zu vergleichen!

Schließlich sei der marokkanische König Mohammad der Sechste ein “Glücksfall” für Marokko und er würde eine authentische Autorität besitzen – im Gegenteil zu den anderen arabischen Herrschern! Der halbquasireligiöse Hype, den der absolutistische marokkanische König um sich baut wird damit kritiklos übernommen und die Begründung, die sein Vater vor ihm benutzt hatte, um seine Diktatur zu rechtfertigen nicht weiter hinterfragt: Er besäße qua seiner unüberprüfbaren Abstammung einen Sonderstatus! Tja, was soll man hierauf noch antworten? Glücklicherweise hat dieser König noch nicht hart durchgegriffen, aber ich schätze wenn die Demonstrationen bei ihm größer werden, wird er sich auch dieses Recht nehmen – und seine Huldiger werden es ihm rechtfertigen. Denn: er ist toll!

Andere

Ich suche noch jemanden, der Yemens Präsitator Saleh toll findet und sein Vorgehen gegen seine Demonstranten zu rechtfertigen versucht. Vielleicht fehlt es dem Saleh an dieser speziellen Art Charisma, die das Morden erlaubt? Saudi-Arabien erkauft sich die Huldigung regelmäßig. Außerdem haben sie ein paar “Gelehrte”, die bereits Demonstrationen als haram abgestempelt haben! Vielleicht ließen sich auch welche für Saleh finden? Im Falle der maroden Strukturen der zwei palästinensischen “Regierungen”, die sich geschickt über Wahltermine hinausretten, ist es schwer wirklich Aufstand zu üben, denn die meisten Palästinenser sind damit beschäftigt, ihre Häuser nach der letzten israelischen Selbstverteidigungsaktion wieder aufzubauen – und zwar kontinuierlich. Die verbliebenen Aufständischen, die gegen die Korruption demonstrieren werden mit irgendwelchen dahergelaufenen Polizisten verjagt. Zudem sind beide “Regierungen” über die Zweiteilung zufrieden, da sie eine Polarisierung und damit starke Sympathisanten hervorruft.

Disclaimer zum Schluss: Ich bin natürlich gegenüber allen möglichen Revolutionen sehr kritisch. Man weiß nirgends, wer sich gerade an die Macht bringen möchte. In Libyen scheint es offensichtlich, aber auch in Tunesien und Ägypten wird die Zukunft noch zeigen, wieviel hinter verschlossenen Türen geschah. Schließlich ist es unglaubwürdig, dass das Militär eines diktatorisch regierten Landes mit dem Diktator bricht, allein um den Menschen auf der Straße zu helfen. Vielmehr scheint es mir in beiden Fällen, dass Entscheidungsträger im Militär den Diktator nicht mehr haltbar fanden und sich noch schnell und opportunistisch ins richtige Licht rücken wollten. Dasselbe kann natürlich (nicht unbedingt vom Militär ausgehend) in allen anderen Staaten vorliegen. Nur: Dies rechtfertigt keinesfalls das Töten von Demonstranten, wie es in Syrien, Yemen, Saudi-Arabien, Bahrain, Tunesien, Ägypten, Libyen und anderen Staaten passiert. Selbst wenn jemand auf offener Straße und unmissverständlich für die Annexion des eigenen Landes durch ein feindliches Land aufruft – also Hochverrat verübt – sollte es nicht gerechtfertigt sein, ihn zu massakrieren. Daran müssen sich nicht nur bisherige, sondern auch zukünftige Regierungen messen lassen. Meinungsfreiheit bedeutet dann nicht nur die Erlaubnis zur Kritik an der alten Regierung, sondern vor allem zur Kritik an den aktuellen Verantwortungsträgern.

Disclaimer #2: Jegliche Staaten, die ich hier vergessen hatte, bitte ich zu entschuldigen. Die Liste sollte nicht vollständig sein.

Bilder von Bendib.com

  1. nennen sich auch Wiederaufbauhilfe[]
  2. die publizierten Opferzahlen darf man ruhig kritisch betrachten und inzwischen versucht man immer offener den Regierungswechsel voranzutreiben – vom UN-”Mandat” vollkommen unabhängig[]

Aus der Reihe: Qualifizierte Entgegnungen in Diskussionen

author | 30. April 2011

Diesmal ist die Antwort schon ein paar Monate alt. In einer facebook-Diskussion über wichtige Dinge hatte ich in drei längeren Beiträge meine eigene Ansicht aus mehreren Perspektiven versucht zu schildern. Der inhaltsreichste Beitrag meiner Diskussionspartnerin:

Wo nimmst Du das Wissen her, das alles beurteilen zu können? Ich glaube, Du weißt nicht, wovon Du sprichst. Das kannst Du doch nicht wirklich beurteilen. Aber wir leben in einem freien Land. Du hast wie jeder andere Mensch auch die Möglichkeit, Dich einzubringen! Nicht mehr und nicht weniger.

Das ist doch mal ein Diskussionsbeitrag…

P.S. die Antwort ist zur Unkenntlichmachung verändert.

“Ich bin nicht so schrecklich, wie ihr denkt!” ??

author | 1. November 2010

Ich hab was gegen Vorurteile und bin auch nicht der Ansicht, dass man sie durch zur Schau gestelltes Negieren bekämpfen kann. Zum Einen beweist bekanntlich die Ausnahme stets die Regel, sodass das Zurschaustellen per se kontraproduktiv ist. Zum Anderen führt solches Zurschaustellen regelmäßig zur irreführenden Unterscheidung zwischen “gutem” und “bösem” [beliebige Minderheit einfügen]. Das hilft im Endeffekt nicht weiter.

Vor einigen Tagen hatte der Radiomoderator Juan Williams (bei NPR, in den USA) im Fernsehen folgenden Satz von sich gelassen:

Look, Bill, I’m not a bigot. You know the kind of books I’ve written about the civil rights movement in this country. But when I get on the plane, I got to tell you, if I see people who are in Muslim garb and I think, you know, they are identifying themselves first and foremost as Muslims, I get worried. I get nervous.

Schau, Bill1, ich bin keine bigotte Person2. Du kennst ja die Art Bücher, die ich über die Bürgerrechtsbewegung in diesem Staat geschrieben hatte. Aber wenn ich auf ein Flugzeug steige, das muss ich schon sagen, wenn ich Menschen sehe, die sich muslimisch kleiden und ich denke, du weißt, sie identifizieren sich zu allererst und vor allem als Muslime, werde ich verunsichert. Ich werde nervös.

Der Radiosender NPR hat Juan Williams wohl auf Grund dieser Aussagen entlassen. Man darf aber davon ausgehen, dass dem Mann die Mittel nicht ausgehen werden, denn sein Vertrag bei Fox wird nun wohl unkündbar werden. Ich weiß nicht, ob ich genauso gehandelt hätte wie NPR. Über die veröffentlichten Gründe und möglichen Gründe für die Entlassung gibt es bei Wikipedia genügend zu lesen.

Als Muslim fragt man sich allerdings, wie man auf solche Äußerungen reagieren soll. Man kann sie ignorieren – soll er doch Angst haben! Nur: diese Angst von ihm und anderen führt offensichtlich zu Gesetzgebungen, die Einschränkungen der Rechte von Muslimen bedeuten. Man kann Sanktionen fordern, aber dann ist der Vorwurf des Mundtotmachens gleich um die Ecke.

Einige Muslime sind der Meinung, dass es einer PR-Kampagne bedürfe. Also gehen sie in unsinnige Talkshows, lassen sich von jedem interviewen, der mehr als zwei Zuschauer vor den Fernseher locken kann und nutzen ansonsten jede Gelegenheit, um in perfekter und netter Sprache Menschen davon zu überzeugen, dass sie nicht bedrohlich sind. Immerhin gelingt es ihnen nachweisbar besser als denjenigen Muslimen, die glauben mit massenhaften Demonstrationszügen und möglichst lauten, möglichst arabischen und möglichst religiös konnotierten Sprüchen irgendetwas zum Positiven zu bewegen! Aber ist das ein Zeugnis von Erfolg? Wohl kaum.

Eine Gruppe von Muslimen hat sich im aktuellen Fall dazu entschlossen, viele verschiedene Bilder von Muslimen in “muslimischer Kleidung” zu portraitieren. Das Projekt “Pictures of Muslims wearing things” scheint sehr viel von Jon Stewart’s “The Daily Show” beeinflusst zu sein3. Tatsächlich finden sich viele Bilder von der “Rally to restore Sanity” vom 31.10..

Die Aufmachung der Seite und vor allem der Bilder ist ganz lustig und dadurch unterhaltsam, etwa hier:

My Wife is a Muslim and Not a terrorist, but I’m scared of her anyway.

Wie gesagt, lustig. Aber man muss sich fragen, was diese eigenartige peep-show eigentlich bringt?!

  1. Bill O’Reilly ist Moderator einer Fox-Sendung, in der er selbst regelmäßig u.A. Haßtiraden gegen Muslime (aber der Fairness halber auch gegen alle, die ihm nicht zustimmen) loslässt[]
  2. an sich schon eine komische Aussage![]
  3. Cue the more you know rainbow[]

Deutschland lacht sich schlapp

author | 28. Oktober 2010

Es ist nicht bei jedem angekommen: Thilo Sarrazin liegt in seinen sensationellen Aussagen falsch. Damit müsste die sachliche Diskussion beendet sein. Kommen wir zum lustigen Teil:

Und wer von der Integrationsdebatte nicht genug hat, der schaut sich die Regeln eines Integrationskurses an – dann ist er wieder bei der Bildungsmisere Deutschlands!

Hahahaha, Hohohoho, Hihihihi, Hahahahahaha
Deutschland schafft sich nicht ab
Deutschland lacht sich grad schlapp
Aber bitte lieber Thilo sei nicht traurig
ich frag dich nicht ab

Denn laut deinem eigenem Käse
ich mein’ deiner eigenen These
bist du doch selbst ausgestattet
mit gescheiteren Genen

Also nutz sie doch auch denk nach
du musst die Frage deduzieren
darf man Menschen durch Statistiken
auf paar Zahlen reduzieren?

‘Türlich Thilo dachte der Mensch ist nur ne Zahl im System
und du bist die Nummer Eins auf ‘ner Skala bis Zehn

Das Arabergen steckt in mir
trotzdem bin ich kein Gemüsehändler
Selbst wenn es so wär
ist ehrenhafter als du Krisenbanker

Ex-Banker wollte ich sagen
Sechstklässler kommen mich fragen
sag mir mal, wieso riskiert dieser Bettnässer
Kopf und Kragen

Er kann doch nix dafür
ihm fehlen diese Hammergene
denn Herr Sarrazin stammt ja selbst
von den Sarrazenen

Und die Sarrazenen haben dumme Gene – sie sind Araber.
Wenn ich so recht überleg’ sind Thilos krumme Pläne echt makaber.

Denn ginge es nach ihm, wär er zu viel für dieses Land
Also raus von hier Thilo, du muslimischer Migrant!

Und wer immer noch nicht genug zu lachen hat, der schaut sich noch diverse Beiträge der heute show zur Integrationsdebatte an.

Offener Brief an die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

author | 22. Oktober 2010

Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein:
Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.
Johann Wolfgang von Goethe

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

am 03. Oktober 2010 hat der Bundespräsident Deutschlands Herr Christian Wulff aus Anlass des 20. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung, eine wichtige und kluge Rede gehalten. Die Rede des Herrn Bundespräsidenten setzt einen überlegten und intellektuell überlegenen Kontrapunkt zu dem Geschwätz ewig gestriger Freizeitgenetiker, die bedauerlicherweise breite Unterstützung in der deutschen Bevölkerung zu genießen scheinen.

Die Reaktionen auf Bundespräsident Wulffs Feststellungen über Muslimisches Leben und Islam in Deutschland sind insbesondere in den christlich-konservativ geprägten politischen Kreisen verhalten, ablehnend und im besten Fall qualifizierend. Auch Sie haben sich ganz offensichtlich von Ihrem Wunschkandidaten für das Präsidialamt in bedenkenswerter Weise distanziert.

Die Medien zitieren Sie mit der Aussage, dass das Bild des Islam in Deutschland stark durch die Scharia, fehlende Gleichberechtigung von Mann und Frau bis hin zum Ehrenmord geprägt sei. Darüber müsse gesprochen werden, denn ansonsten würden Ängste zunehmen und das kann nicht unser Anliegen sein.

Ich kann mich angesichts Ihrer Aussagen nicht des Eindruckes erwehren, dass Sie die positive Ausstrahlung der Rede des Bundespräsidenten in die deutsche Gesellschaft direkt und ohne Umschweife zu kontern versuchen, indem Sie die mittlerweile drei klassischen Schreckgespenster über Islam und Muslime in Deutschland schnell noch einmal unter das Volk streuen. Eigentlich fehlte nur noch der Begriff Terrorismus in Ihrer Aufzählung, um Ihr Gruselquartett vom Islam zu vervollständigen. Ihre Feststellungen verraten viel über Ihre Einstellung zu den Muslimen in diesem Land und offenbaren erschreckende Wissenslücken über den Islam.

Ihre selektive Wahrnehmung von Islam und Muslimen ist stigmatisierend und führt Ihr vermeintliches Anliegen, Ängste in der Bevölkerung zu reduzieren ad absurdum. Herrn Bundespräsident Wulff ist es mit seiner Rede in beeindruckender Weise gelungen einen hellen Lichtstrahl auf das immense Potential, das dem friedlichen und respektvollen Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen in diesem Land inne wohnt, selbstverständlich auf der Basis des Grundgesetzes – worauf denn sonst? – zu lenken. Ihnen ist bedauerlicherweise nichts Besseres dazu eingefallen, als den präsidialen Lichtschalter auszuschalten, um im Bild zu bleiben. In der Tat, es ist einfacher ein Atom zu spalten als ein bestehendes Vorurteil!

Ich muss annehmen, dass Ihre Haltung Ausdruck von zwingenden innenpolitischen bzw. wahltaktischen Abwägungsprozessen ist, Prozesse auf die Politiker immer gerne dann verweisen, wenn ihre Positionen ins Wanken gebracht werden. Ihre Haltung zur Rede ihres Parteikollegen wird dadurch nicht besser, im Gegenteil sie erscheint opportunistisch, dem mächtigen Zeitgeist unterworfen und offensichtlich der Tyrannei der herrschenden Fehlmeinung über Islam und Muslime geschuldet.

Ihr vorurteilsbehafteter und engstirniger Blick auf Islam und Muslime trägt nach meinem Empfinden fundamentalistische Züge, der die Welt in Gut und Böse, aufgeklärt und unaufgeklärt, rückständig und fortschrittlich aufteilen will.

Ihr eingeschränktes Wahrnehmungsmuster von Islam und Muslimen lädt geradezu dazu ein, den Spieß einmal umzudrehen und unter Zuhilfenahme Ihres selektiven Sichtfeldes einen Blick auf den Westen, auf Europa und Deutschland zu richten.

Dann ließe sich der Westen sehr einfach als expansives Monster karikieren, der sich nicht scheut in Muslimische Länder einzufallen, hundert Tausende von Muslimen ums Leben zu bringen und Millionen von Menschen jeglicher Lebensperspektive zu berauben, der Hochzeitsgesellschaften und Trauerzüge bombardiert oder auch ganz im Geiste der uneingeschränkten Solidarität Menschenansammlungen, die sich um Freibenzin bemühen zu Staub pulverisiert, der mit Waffen, in die Bibelstellen eingraviert sind, seine angeblichen Befreiungskriege/-kreuzzüge durchführt, um die ihn niemand gebeten hat, und der Unschuldige in Gefangenenlager jenseits jeder Rechtskonvention auf Jahre festhält, foltert und in nicht wenigen Fällen tötet.

Dann ließe sich sehr einfach Europa als ein verabscheuungswürdiger Hort des islamfeindlichen Rechtsradikalismus karikieren, in dem nationalistische und anti-demokratische Parteien wie die britische „British National Party“, die französische „Front National“, die niederländische „Partij Voor De Vrijheid“, die dänische „Dansk Folkeparti“ und die deutsche „NPD“ frei und offen agieren und den Rechtsstaat missbrauchen können, so lange sie nur ihren Hass auf Muslime und Islam konzentrieren. Und Deutschland? Mit einem auf Solingen, Mölln und Hoyerswerda verengten Blick, wo Menschen verbrannten und von einem deutschen Mob terrorisiert wurden, nur weil sie keine gebürtigen Deutschen waren, mit einem Blick in einen Dresdner Gerichtssaal, wo eine junge muslimische Frau aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit ermordet wurde, mit einem Blick auf die hasserfüllten Aussagen der Schwarzers, Giordanos, Ulfkottes und Broders über Muslime und Islam, mit einem Blick in die dezidiert islamfeindlichen Internetforen „Grüne Pest“ und „Politically Incorrect“, mit einem Blick auf eine Pfarrerstochter und einen Pfarrer, die einen Karikaturisten auszeichnen, dessen einziger Verdienst um die Meinungsfreiheit in einem demokratischen Gemeinwesen in der Verunglimpfung eines Propheten liegt, ja mit diesem Blick könnte man wahrhaftig ein sehr aufschlussreiches Bild von diesem sich selbst als rein christlich-jüdisch geprägten und aufgeklärten Land zeichnen!

Der Gefahr dieser selektiven und verengten Wahrnehmung erliege ich wie Hunderte von tausenden von Muslimen in dieser Bunten Republik Deutschland nicht. Die ideologisierten Bedenkenträger aus Kirche und Politik, die mit ihren Kommentaren zu der Rede des Bundespräsidenten in den üblichen religiösen Ausgrenzungsreflex verfallen, und ihr kulturelles Überlegenheitsgefühl pflegen, hat der Bundespräsident mit seiner Rede nicht nur aufgeschreckt, er hat sie in ihrer Lebenslüge bloß gestellt. Ich als muslimischer und europäischer Staatsbürger habe mich nie damit begnügen wollen, von der Mehrheitsgesellschaft toleriert zu werden, das war und ist mir eindeutig zu wenig!

Bundespräsident Wulff hat sich in seiner Rede auf Johann Wolfgang von Goethe berufen, darum möchte ich mein Schreiben mit dem folgendem Zitat von Goethe beenden:

„Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein:
Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“

Der Bundespräsident Wulff hat die Muslime Deutschlands akzeptiert (!), dafür danke ich ihm ausdrücklich. Wann, Frau Bundeskanzlerin, werden Sie endlich aufhören Muslime zu beleidigen und ihre unerträglichen Schreckgespenster über Islam und Muslime begraben?

Mit freundlichen Grüßen

Mohammad Al-Faruqi

Konjunkturprognose aktuell – Sonnig mit der Aussicht auf Schwachsinn

author | 21. Oktober 2010

Es ist wieder die Zeit des Jahres, an der Wirtschaftsprognosen von Waisen1 veröffentlicht oder zumindest vorhergesagt oder deren Vorhersagen approximiert werden. Gefühlt findet das ja ständig statt. Ständig werden Prognosen mit unterschiedlichen Indikatoren aufgestellt und man fragt sich zwangsläufig – vor allem, da die Prognosen rückblickend selten einen tatsächlichen Rückhalt in der Wirklichkeit finden – wozu das Ganze. Die Bundesregierung etwa schätzt nun, dass die Vorhersagen für die Prognosen der Stimmungsumfragen bei Wirtschaftsanalysten über die von ihnen vorhergesehenen Wirtschaftstendenzen positiv sind. Wahrscheinlich müsste man hinzufügen, dass sie positiver geschätzt werden, als man sie noch vor ein paar Tagen geschätzt hätte. Sie heben ihren Index von 1,5 (Richterskala? oder für Physiker a.u.) auf beachtliche 3,5 angehoben. Yoohoo!

Es ist mir unverständlich, wie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle auf dieser Grundlage sagen kann:

Ein Wachstum wie dieses Jahr hat es seit dem Wiedervereinigungsboom bisher nur einmal gegeben.

Wäre er ehrlich, hätte er sagen müssen:

Eine solche Vorhersage, wie wir sie selbst in Auftrag gegeben haben, gab es seit den euphorischen Prognosen in den ersten zwei Jahren nach der Wiedervereinigung – die sich ja nicht bewahrheitet hatten – nur zur Jahrtausendwende gegeben – und auch diese hatte sich genauso wie die Prognosen für die Besucherzahlen der Expo2000 nicht bewahrheitet. Wenn Sie mich fragen, ich glaube nicht, dass diese Prognose einen Effekt haben wird.

Zusammengefasst ausgedrückt: Der Aufschwung ist da! Jetzt können wir uns bestimmt mal eine richtige Hartz4-Anhebung leisten, oder?

  1. jaja, ich weiß, falsch geschrieben[]

Widerstandsrecht gibt es nicht.

author | 3. Oktober 2010

Dass Menschen auf die Straße gehen, um gegen ein Bauprojekt wie “Stuttgart 21″ vorzugehen, das nicht nur von einem privaten Bauträger (wieweit die Bahn nun wirklich “privat” ist, ist eine andere Frage) getragen und finanziert wird, sondern offensichtlich auch aus eigenen Steuergeldern bezahlt wird, ist ja weder eine Seltenheit und bei weitem nichts Illegitimes. Ich fand es dagegen erschreckend, dass Polizisten mit der gezeigten Härte gegen diese Demonstranten vorgingen.

Die Protestierer sprachen von rund 300 Menschen, die hauptsächlich Augenverletzungen erlitten hätten, überwiegend durch den Einsatz von Pfefferspray. Hinzu kämen 40 bis 50 Demonstranten mit anderen Verletzungen, etwa Prellungen, Platzwunden am Kopf, oder blutige und gebrochene Nasen. Ein 22-Jähriger erlitt eine schwere Augenverletzung, als er einen frontalen Wasserwerferstrahl auf das rechte Auge abbekam. Er wird eventuell nie wieder sehen können, so der behandelnde Chefarzt. Auch ein älterer Mann wurde schwer verletzt. Mehrere Personen wurden in Krankenhäuser eingeliefert.

Noch weitaus skuriller finde ich nun die Aussagen des Bahnchefs Rüdiger Grube, der der “Bild am Sonntag” gesagt haben soll:

“Ein Widerstandsrecht gegen einen Bahnhofsbau gibt es nicht”, sagte er der “Bild am Sonntag”. Entscheidungen träfen in Deutschland die Parlamente und “niemand sonst”. Das Projekt sei demokratisch ausreichend legitimiert.

“Es gehört zum Kern einer Demokratie, dass solche Beschlüsse akzeptiert und dann auch umgesetzt werden”, so Grube weiter: “Sonst werden bei uns keine Brücke, keine Autobahn und kein Windkraftpark mehr gebaut.” Die Bahn sei daher nach wie vor entschlossen, Bahnhof und Neubaustrecke zu bauen.

Ja, genau! Demonstrationsrecht ist sowieso überbewertet. Die Leute sollen schweigen und fressen, wie sich das halt in einer guten alten Demokratie eben zutragen muss.

Netzwerk Zahnräder

author | 25. September 2010

Derzeit ist das erste “Netzwerk Zahnräder” im Gange (und zwar bis Sonntag) und einige hatten sich noch einmal zum Schlafen Hinlegen hingelegt. Das Treffen ist entsprechend eines barcamps ausgelegt, nur dass hier jeder Teilnehmer einen Vortragsvorschlag eingereicht hatte. Es werden im Verlauf des heutigen Tages etwa 24 Vorträge/Workshops zu unterschiedlichen Themen, die wir gestern (und bis heute 9:00) abstimmen durften. Ich bin in der glücklichen Situation, dass mein Thema (verrat ich nicht) nicht sehr verständlich1 war und dementsprechend mich auf die faule Haut legen und diskutieren2 kann.

Gestern wurde es ziemlich spät, es war aber eine sehr anregende Diskussion. Es ist interessant, was man alles an einem Abend alles lernen kann. In dieser Hinsicht ist die Veranstaltung schon jetzt ein Erfolg. Heute ist der Haupttag und da wird es interessant, wie organisiert die Vortragenden jeweils sein werden und wie engagiert die Diskussion geführt werden kann.

Das Orgateam hat ihre Arbeit scheinbar gut gemacht, da ich bislang die Kennzeichen von Hektik nicht übermäßig gesehen habe. Einen ersten Bericht gibt es hier: Jung, kreativ, Muslim – Netzwerk “Zahnräder” tagt in Wuppertal.

  1. codewort für langweilig[]
  2. codewort für stressmachen[]

Depub.org – Archive der Tagesschau wieder online

author | 23. September 2010

Also: Öffentlich-Rechtliche Sender sind (zurecht) erbost, dass sie ihre Archive offline stellen müssen, dann taucht die Seite depub.org auf, die die ‘geleakten’ Archive veröffentlicht. Das ist schon verdächtig, da die Inhalte sogar lückenlos erscheinen. Aber jetzt machen die Öffentlich-Rechtlichen auch noch mehrfach für die Seite Werbung, die eigentlich ja deren Urheberrechte verletzen!! Wenn da mal nicht jemand das Recht selbst in die Hand nimmt…

Trotzdem gute Aktion: http://depub.org/

Ich vermute ja immer noch, dass Politikern nicht gerade am öffentlichen ‘Gedächtnis’ gelegen ist. Es ist viel leichter, wenn der Pöbel auf sein Kurzzeitgedächtnis reduziert werden kann. Ein periodisches Löschen von ‘Inhalten’ jede 24 Stunden würde uns ja so einige Peinlichkeiten ersparen..

In eigener Sache (taz, iz)

author | 16. September 2010

Vor Kurzem wurde auf taz ein Artikel zu muslimischen Blogs veröffentlicht, in dem die Autorin Julia Herrnböck auch mein Blog kurz vorstellt und mich zitiert (das Interview ist schon ein Weilchen her):

Toomuchcookies-Betreiber Omar Abo-Namous schätzt beim Bloggen die Freiheit, seine Gedanken “einfach runterschreiben” zu können. Er stellt das Selbstverständnis von Muslimen, muslimischen Verbänden und deren interne Debatten in den virtuellen Raum. Die so selbstbewusst wie auch selbstverständlich vorgetragene Botschaft, sehr wohl mit seiner Herkunft, Religion und der modernen Lebenswelt in Deutschland im Einklang leben zu können, füllt eine lang ignorierte Lücke in der Diskussion über Integration, Fremd- und Selbstbild.

Auch Kübras Weblog “ein fremdwörterbuch”1, die Plattform myumma.de, sowie das kürzlich stattfindende erste Treffen der “Zahnräder” werden vorgestellt.

Mir missfällt allerdings am Artikel, dass Götz Nordbruch – der frühere Mitarbeiter des stark einseitigen “Memri” – als “Experte für das Medienverhalten von jugendlichen Migranten in Deutschland” interviewt wird. Er betreibt derzeit mit seinem früheren Kollegen und part-time Missionaren bei memri Jochen Müller den Verein ufuq, mit dem sie sich street-cred aneignen und über eine Art Blogwatch ihre “Expertise” ausbauen.

Ein wenig älter, aber natürlich ausführlicher ist die Bachelorarbeit einiger Studenten im Fachbereich Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt. Dort werden auch viel mehr muslimische Blogs vorgestellt und teilweise untersucht. Ich musste ein wenig schmunzeln, als ich den folgenden Absatz in der Studie las:

Ebenso lässt sich auch lediglich der Betreiber von Islamkritiker.com anhand seiner Äußerungen explizit als Muslim identifizieren – die Betreiber von Jurblog und TMC [das bin ich] distanzieren sich auf den ersten Blick von der Ummah. Eine eindeutige Erklärung hierfür ist schwer zu finden. So stellt der Autor des Blogs TMC seine Religiosität häufig in den Hintergrund, da sie für die Verhandlung seiner Themenagenda – im Untersuchungszeitraum am häufigsten die Themen Sicherheitspolitik, USA und Moschee – mitunter nicht immer von Relevanz ist.

Insgesamt war es für mich eine interessante Lektüre (auch wenn ich die Studie nicht vollständig gelesen habe), da es mir erlaubte, mich von außen zu betrachten. Die Studie “Muslimische Weblogs: Der Islam im deutschsprachigen Internet” ist auf jeden Fall sehr interessant und es gibt sie bei Amazon zu kaufen!

Aber die muslimische Bloggosphäre ist natürlich stetig am Wachsen und ich wollte einige weitere Blogs würdigen, die ich in der letzten Zeit häufig lese (und natürlich nicht unbedingt immer zustimme):

  • Aggromigrant – zum Abreagieren. Die Sprache ist mir meist zu deftig, sonst würde ich öfter Artikel verlinken.
  • Moslaemm – nicht immer klar, ob es wirklich ein Muslim ist, der sich da lustig macht oder ein Nichtmuslim, der das emuliert. Von ihm auch wahrscheinlich das Weblog von Thilo Sarrazin, auf das viele Sarrazin-Fans scheinbar hereinfallen..
  • Habseligkeiten – sehr persönlich, aber trotzdem gut
  • Lamya-Kaddor-Blog – hier geht es um Lamya Kaddor .. von Lamya Kaddor
  • Meryems Welt – sehr Grafiklastig, interessante Artikel und Nachrichten
  • Nafisa – in der Hoffnung, dass die Postingfrequenz eines Tages steigt..
  • und das meint Lieselotte – teils lustige Alltagserfahrungen.
  • Gedankensplitter – eines der ältesten Blogs in der Liste, auch wenn es lediglich aus Links besteht..
  • Ich muss natürlich auch ab und zu bei den Seiten “dawa-news” und Pierre Vogels “ezp-news vorbeischauen, wenn auch nur, um sie daran zu hindern wieder einmal einer falschen Geschichte wie die von der Frau Bracht aufzusitzen.. Ich lass mich im Gegenzug auch gerne beschimpfen ;-)2

Zuletzt möchte ich noch auf einen Artikel hinweisen, den ich vor einiger Zeit für die “Islamische Zeitung” schrieb. Ich hatte mich mit der “Fatwa” des Zentralrats der Muslime auseinandergesetzt. Diese behauptete, dass ein Profi-Fußballer sein Fasten brechen dürfe, um seinen Vertrag ordnungsgemäß auszuführen. Der Artikel “Der Ramadan und die Fußballer: Eine kritische Antwort an den ZMD” ist in der letzten Ausgabe der “Islamischen Zeitung” erschienen3 und auch online erhältlich. Vielleicht veröffentliche ich ihn noch nachträglich hier..

  1. nicht, wie im Artikel behauptet, “das fremdwörterbuch” ;-) []
  2. nein, nicht wirklich. Ich steh wirklich nicht drauf..[]
  3. ich war geschockt, dass der Artikel eine ganze Seite einnahm!![]

Integrationsverweigerer, Islamfeindlichkeit und Muslime (15.09.2010)

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Wer Zugang zur FAZ hat, dem würde ich den Artikel “Die Berechnungen sind demagogisch” von Naika Foroutan empfehlen, in dem sie auf eine Kritik des Vorzeigewissenschaftler der Sozialdarwinisten Gunnar Heinsohn eingeht. Hier ein Abschnitt:

Wenn jedoch behauptet wird, Muslime würden aufgrund ihrer kulturellen Unzulänglichkeiten keine Generationenerfolge vorweisen, muss der Hinweis auf solche Zahlen erlaubt sein. Ebenso wie der Verweis auf die Gruppe der Outperformer iranischer, irakischer und afghanischer Herkunft, deren derzeitige (Fach-)Abiturquote mit fünfzig Prozent signifikant über derjenigen der Gesamtbevölkerung liegt. Das soll nicht diese Herkunftsgruppen nun umgekehrt als genetisch intelligenter darstellen. Vielmehr sollte dies als ein schlagender Gegenbeweis zur verallgemeinernden Abwertung der muslimischen Grundgesamtheit gelten.

Zur angeblichen Zahl der “Integrationsverweigerer”, die das Innenministerium veröffentlicht hat, gibt es heute noch einen sehr guten Artikel vom Migrationsforscher Prof. Dr. Klaus J. Bade bei Migazin: Wer sind die eigentlichen Integrationsverweigerer?

Medien und Islamfeindlichkeit

Muslime

Wissenschaft und Humor

Und zum Schluß

Rob Savelberg: Herr Wolfgang Schäuble, war die Kohl-Regierung käuflich?

author | 14. September 2010

Der Reporter Rob Savelberg hatte bereits letztes Jahr zur Vorstellung der neuen schwarz-gelben Regierung Merkel eine offensichtlich unangenehme Frage gestellt, die ich bereits hier dokumentiert hatte:

“Frau Merkel, [...] Sie reden heute ziemlich viel über Geld, über Finanzen auch, der Bundesrepublik Deutschland und wollen Sie das Finanzministerium besetzen mit einer Person, der öffentlich beteuert hat im deutschen Bundestag, dass er einen Waffenhändler ‘nur’ einmal getroffen hat und dabei vergessen hat, dass auch noch 100.000 DM von ihm angenommen hat. Also, wie können Sie so eine Person als sehr kompetent schätzen, um [ihm] sozusagen die Finanzen dieses Landes [anzuvertrauen]?”

Damals schon hatte Angela Merkel nicht geantwortet. Leider hat sich danach die Vergesslichkeit nicht nur bei mir, sondern auch bei deutschen Medien eingestellt und so kam es, dass es seitdem nur wenig Nachhaken kam. Ende letzten Jahres hatte etwa die Moderatorin Maybrit Illner das Thema mit Schäuble auf dem Podium angeschnitten, aber wirklich nur angeschnitten, denn sie ging nicht ins Detail.

Nun hat es Rob Savelberg wieder getan. Er schrieb mir heute:

Hallo Omar,

ich hatte neulich ein Gespräch mit BM Schäuble. Ich fragte ihn, ob er immer noch glaubt, wie er vor zehn Jahren sagte, dass kein Mitglied der Regierung-Kohl käuflich gewesen ist. Es gab ja die Verurteilungen von Herrn Kanther, von Herrn Pfahls, und auch von Herrn Weyrauch, von Herrn Leisler Kiep, von Herrn Schreiber usw. Herr Kohl ließ gegen Bezahlung von 300.000 D-Mark das Verfahren einstellen. Das Verfahren gegen Herrn Sayn-Wittgenstein wurde aus gesundheitlichen Gründen eingestellt.

Die Antwort Schäubles kann man sich im folgenden Audio anhören:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Eine Transkription der Antwort habe ich noch nicht fertig. Aber sagt ruhig bescheid, wenn Interesse besteht. Interessant ist vor allem, dass Schäuble sagt, es wäre keine deutsche Regierung seit 1949 käuflich gewesen, obwohl man an der Hotel-Partei FDP klar sehen kann, dass diese Aussage falsch ist. Zudem belegt er die “Unschuld” der Kohl-Regierung dadurch, dass er sagt, das Verfahren sei eingestellt worden. Ja, Herr Schäuble, Helmut Kohl musste nicht weiter aussagen, obwohl er eigentlich dazu verpflichtet gewesen wäre, da er stattdessen 300.000 DM gezahlt hat! Das nennt man gekaufte Unschuld! Unsereins, übrigens, würde wahrscheinlich einer Beugehaft unterzogen werden, um das Verfahren nicht weiter behindern zu können! Mehr Information zum Korruptionsvorwurf an die Kohl-Regierung findet sich etwa hier.

Das Erstaunliche ist doch nicht, dass es Korruption in Deutschland gibt. Das würde keiner – außer vielleicht Wolfgang Schäuble – bestreiten. Das Erstaunliche ist doch, wie wenig kritisch deutsche Medien mit dieser Korruption anscheinend umgehen. In den USA etwa werden korrupte Offizielle nicht unbedingt eingesackt, aber zumindest übernehmen sie nicht später wieder so hohe Ämter wie das Innen- oder gar Finanzministerium! Auf jeden Fall werden sie aber von kritischen Fragen begleitet. So etwa der frühere Generalstaatsanwalt Alberto Gonzales, der bei den Anhörungen zur angeblichen politisch motivierten Entlassung mehrerer Anwälte stets den Fragen ausgewichen ist. Seine “performance” wird aber von Jon Stewart etwa sehr kritisch begleitet. Diese kritische Begleitung vermisst man in Deutschland.

Johannes Gerloff und der absolute Frieden bei gleichzeitiger Unterdrückung

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Auf israelnet hatte Johannes Gerloff einen höchst zynischen Artikel unter der Überschrift “Das Ende der Ruhe vor dem Sturm?” veröffentlicht. Anlass war die Ermordung vier israelischer Siedler im Westjordanland durch einen Palästinenser1. Darin drückt er in vielen Worten aus, dass nun mit den vier toten Israelis das “Schweigen” der Waffen gebrochen wäre. Mehr noch: Er gibt dem “Verhandlungswut der Politikergutmenschen” die Schuld für die Getöteten, denn – so scheint die Argumentation – ohne Verhandlungen gab es keine Toten und nun sei diese “Ruhe” gestört. Als Quintessenz des Artikels kann dieser Satz gelten:

Warum kommt kein Denker im Westen auf die Idee, auf den Nahen Osten anzuwenden, was in Europa gar nicht so schlecht funktioniert hat: An erster Stelle für das Wohl der Menschen zu sorgen und derweil politische Fragen auf Eis zu legen?!

Interessante Sicht! Nicht zuletzt hatte ja die Hamas einen langfristigen Waffenstillstand als Alternative zu den anhaltenden Friedensgesprächen vorgeschlagen. Würde Herr Gerloff dem also zustimmen? Nein, denn gleich einen Absatz später zeigt er, welche politischen Fragen er nicht unbeantwortet lassen möchte:

Ist das wirklich so schlecht, dass um Deutschland herum so manche Grenzfrage ungelöst blieb? Sollten wir Deutschen den Palästinensern nicht sagen können, dass auch der Aufbau eines demilitarisierten Staates eine vielversprechende Zukunftsperspektive hat? Und warum kann Herr Westerwelle nur den Serben die Anerkennung des Kosovo nahelegen? Warum nicht auch seinen arabischen und moslemischen Freunden die längst überfällige, grundsätzliche und bedingungslose Anerkennung eines Rechts auf Existenz für den jüdischen Staat Israel?

Genau! Die “bedingungslose Anerkennung” Israels als “jüdischen Staat” – also die Aberkennung der historischen Rechte der Urbevölkerung Palästinas gepaart mit der Anerkennung der streng nach Apartheid riechenden Gesetze Israels – ist offensichtlich nicht verhandelbar. Und die Palästinenser könnten doch so gut neben einem derart massiv militarisierten Israel ihren Platz als entmilitarisiertes Angriffsziel einnehmen!2

Aber der studierte (christliche) Theologe Johannes Gerloff geht noch einen Schritt weiter: Hauptsächlich geht es nämlich im Artikel um die Aberkennung jeglicher Menschlichkeit der Palästinenser. In keinem Satz erwähnt Herr Gerloff nämlich, dass in der von ihm so bezeichneten “Ruhe” (also innerhalb 2009 und bis zum 31.7.2010) 100 (!!) Palästinenser bereits von israelischem Militär und israelischen Zivilpersonen ermordet wurden! Diese Zahl verzeichnet die Menschenrechtsorganisation B’tselem in einer Statistik aller Toten seit dem letzten Großangriff Israels auf den Gazastreifen, bei dem bereits mehr als 1400 Menschen starben. Seit Anfang 2010 wurden zudem mehr als 800 Palästinenser allein im Westjordanland verletzt – die meisten bei friedlichen Demonstrationen im Westjordanland, woran sie durch israelisches Militär gehindert wurden, oder bei militärischen Angriffen, aber eben auch durch Angriffe israelischer Siedler (dies sind Zahlen der Vereinten Nationen)! In Ostjerusalem sind in der gleichen Zeit inzwischen mehr als 220 Gebäude zerstört worden, um die dortigen Palästinenser weiter zu vertreiben und Fakten zu schaffen, bevor die Verhandlungen das Thema “Jerusalem” auch nur annähernd erreichen. Das ist die “Ruhe”, die sich mit Händen greifen lässt!

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass diese Taktik der Hervorhebung israelischer Opfer (auch immer schön mit Namen und humaner Geschichte, ganz im Unterschied zu den namenlosen und nur als zwei-, drei- oder vierstellige Zahlen in Statistiken vergessenen Palästinensern) und der Missachtung jeglicher Opfer auf palästinensischer Seite nichts Neues ist. Selbst die relativ weltoffene israelische Haaretz-Zeitung betitelte: 4 Israelis killed in shooting attack shattering years of relative West Bank calm, was sehr zynisch ist, schaut man sich die Zahl der palästinensischen Opfer an!

Steve Feldman hat auf Palestine Note eine sehr prägnante Antwort geschrieben, die ich hier versuche zu übersetzen:

Laut der israelischen Zeitung Haaretz hat die kürzliche Tötung der vier Israelis Jahre der “relativen Ruhe” erschüttert. Relative Ruhe? Für wen? In den Wochen vor dem schrecklichen Ermordung hat das “Palestine News Network” über 14 palästinensische Zivilisten berichtet, die durch israelische Siedler und bei militärischen Angriffen seit dem 2. Mai getötet wurden. Nur zwei Wochen zuvor hat das Tikkun Magazin einen Artikel mit dem Titel “Israelische Siedlergewalt eine tägliche Realität” veröffentlicht, der die täglichen Emails wiederspiegelt, die ich von Friedensorganisationen bekam, welche Angriffe auf palästinensische Westbank-Familien beschreiben.

Die vertrackte Wahrnehmung davon, dass die Tötung von Israelis stets ein Brechen der Ruhe darstellt, ist Beleg einer Ungerechtigkeit und Gefühllosigkeit einiger Menschen gegenüber christlichen und muslimischen palästinensischen Familien. Das ist kein neues Phänomen; Ali Abunimah hat dies vor Jahren hervorgehoben. Voreingenommene Wahrnehmung ist Schuld an einem großen Teil des Problems im israelisch-palästinensischen Konflikt. Dieser Konflikt wird enden, und ich würde sogar vorhersagen bald, wenn wir anfangen, Juden, Christen und Muslime in Israel und Palästina gleichermaßen zu lieben. Wenn wir das nämlich tun, werden wir feststellen, dass wir für Sicherheit und Frieden für jedermann hinarbeiten müssen, nicht nur für die Menschen auf einer Seite des Konflikts.

Johannes Gerloff auf der anderen Seite scheint dieser Sinn für Gerechtigkeit abhanden gekommen zu sein. Wenn Palästinenser aufhören würden sich zu wehren, dann wäre in seinem Sinne für Frieden gesorgt, denn ihre Toten zählen nicht. Sie zählen nicht, wenn es um die Einschätzung der Situation geht und sie zählen noch lange nicht, wenn es um die Etablierung eines Friedens im Nahen Osten geht. In diesem Sinne sind auch in seinem gesamten Artikel von keinem einzigen palästinensischen Opfer der “Ruhe” und von keiner Rechtsverletzung eines Palästinensers zu lesen!

Ich habe Herrn Gerloff meine Kritik als Email geschrieben und ich möchte seine ausweichlerische Nichtantwort nicht vorenthalten (In Kursiv habe ich die Antwort kommentiert).

Zuerst einmal vielen Dank dafür, dass Sie Israelnetz so aufmerksam lesen. Das ehrt uns!

Sie haben bestimmt übersehen, dass sich mein Artikel auf das Westjordanland und die Fatah bezieht (Nein, habe ich nicht, aber 1. muss man sich fragen, warum die Gaza-Bewohner keine Rolle spielen und 2. habe ich ja dargestellt, dass die Palästinenser im Westjordanland weiterhin Angriffen ausgesetzt waren!) – nicht aber auf den Gazastreifen und die dort herrschende Hamas. Das ergäbe in der Tat eine völlig andere Perspektive. Aber wird die Lage in Gaza von Obama-Abu Mazen-Netanjahu & Co. nicht vollkommen ausgeblendet? Müsste sich nicht vor allem Abu Mazen zuerst um die innere Einheit, die Einheit mit dem Gazastreifen und die Legitimität seines Amtes kümmern, wenn ihm tatsächlich am Wohl seines Volkes liegen würde? (Ausweichstrategie: SIE waren es, der die Situation als Ruhe beschrieb. Die Palästinenser leben die tödliche Unruhe und Ungerechtigkeit jeden Tag und versuchen diese zu kommunizieren.)

Dass im Westjordanland ein Dauerkrieg zwischen Israel und dem Fatah-Regime einerseits und der Hamas und ihren Gesinnungsgenossen andererseits geführt wird, habe ich nie bezweifelt. Dass die Sicherheitskooperation zwischen Israelis und Fatah funktioniert, stellt niemand in Frage – dass sie Opfer fordert, ebenso wenig. (Interessante Rechtfertigung für die Morde!) Auch der Siedlungsstreit Siedlungsstreit?? Hört sich schon fast wie eine altrömische Senatsdebatte an. Das ist ein militarisierter Angriffskrieg, der da einseitig geführt wird und den Palästinensern nicht nur ihre Länder wegnimmt, sondern sie immer weiter in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkt. Für Sicherheit wird dabei nur für die Siedler gesorgt.) wird mit unverminderter Härte von allen Beteiligten fortgeführt. Da haben Sie vollkommen Recht. Vielleicht haben Sie auch übersehen, dass ich vom „terrorärmsten“ und nicht vom „terrorlosen“ Jahr geschrieben habe.

Und natürlich gehört es auch nicht zum Schweigen der Waffen, dass täglich aus Gaza Raketen auf Südisrael fallen. Wie viele waren das noch einmal? Haben Sie die vielleicht vergessen zu erwähnen? Oder zählen Sie die nicht? (Nein, zähle ich aus Prinzip nicht, denn dann müsste ich auch die Raketen aus Israel auf den Gaza-Streifen zählen und da käme ich nicht mit! Haben Sie diese vielleicht gezählt?)

Ich finde übrigens gut, dass Sie nicht nur die palästinensischen Opfer anmahnen, sondern gleichzeitig auch die israelischen – obwohl das so ziemlich ausnahmslos Soldaten waren. Soldaten sind tatsächlich auch Menschen, Familienväter, Söhne und oft noch Kinder. (Ja, das sind sogenannte oder tatsächliche “Terroristen” auch! Behalten Sie das auch im Hinterkopf.) Sie haben auch Recht, Ihren Ekel darüber zum Ausdruck zu bringen, dass selektiv berichtet wird. Wir konzentrieren uns auf den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, rechnen einzelne Toten- und Demonstrationsverletztenzahlen auf, während sich das arabische Volk im Besonderen und die Moslems im Allgemeinen gegenseitig zu Tausenden, wenn nicht Zigtausenden im Irak, im Jemen, im Libanon und an vielen anderen Orten abschlachten. Haben Sie schon einmal einander gegenübergestellt, wie viele Juden und wie viele Moslems durch sunnitische Märtyreraktionen ums Leben gekommen sind? Wahrscheinlich unterliegen wir tatsächlich einer massiven Verführung, wenn wir uns lediglich auf den Konflikt zwischen der islamischen Welt und dem Westen konzentrieren, anstatt einmal die innerarabischen und innermoslemischen Probleme und deren Ursachen zu betrachten. Ekel! (Den wahren Ekel verspüre ich eher, wenn ich Ihre Art mitbekomme, mit Argumenten zu spielen. Sie sind offensichtlich weder an Gerechtigkeit noch an einen damit verbundenen Frieden interessiert. Ich hoffe für uns beide, dass Verantwortliche in Politik und Wirtschaft sowohl in Deutschland, als auch in Israel nicht auf Extremisten wie Sie hören, denn mit Ihrem zynischen Umgang mit Menschen und deren Leben ist keiner gut beraten.)

Grüße, Johannes Gerloff

Jerusalem, Israel

Eine interessante Sache möchte ich anmerken: In Ermangelung vorzeigbarer Zahlen, was die Opfer palästinensischer Angriffe angeht, geht man – ja, auch Herr Gerloff – immer wieder dazu über nach der Anzahl der “Raketen” zu fragen. Es gibt keine mir bekannte Zahl israelischer Geschosse – irgendeiner Größe – auf Palästinenser. Das hat aber auch einen Grund: Die Opferzahlen sprechen bereits Bände! Und sein letzter Absatz? Was muss man dazu noch sagen? Wie gesagt: Ausweichstrategie!

Übrigens: Mondoweiss hat eine grobe Liste von Angriffen auf Palästinenser im Westjordanland durch israelische Siedler veröffentlicht, die auf die Schnelle die Tragweite deutlich macht.

  1. offebar durch die Hamas gestützt[]
  2. Grundsätzlich gilt: Palästinenser dürfen – innerhalb des Weltbilds vieler Israel-Liebhaber – keine Sicherheit verlangen![]

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