Neue Artikel: 17. March 2010

authorOmar | 17. März 2010

Neue Artikel für den 17. March 2010:

Muslimischer Imamrat spricht sich für eigene Rechtsprechung aus

authorOmar | 15. März 2010

*** EILMELDUNG ***

Nachdem im Laufe der Woche muslimische Verbände Kritik an der Zusammensetzung der nächsten Islamkonferenz des Innenministeriums geäußert und mit dem Ausstieg gedroht hatten, meldet sich nun der deutsch-muslimische Imamrat (DEMIR) zu Wort und fordert Konsequenzen. Das Scheitern der Islamkonferenz sei als Zeichen zu deuten, dass Muslime ihre eigene Rechtsprechung bräuchten. “Vor allem auch zur Verfolgung diverser ‘Auffälligkeiten’ könnte eine solche Rechtsprechung äußerst sinnvoll sein”, sagte der Ratsvorsitzende Sheikh Semir Ilgar.

Fälle von Zwangsheiraten und Ehrenmorden ebenso wie Prügelstrafen in Koranschulen und Aufruf zum Mord an Ungläubigen würden zu den Hauptfällen gehören, die sich der Imamrat besonders genau anschauen möchte. Sheikh Semir Ilgar betonte, dass der Imamrat selbst die höchste Instanz der Beurteilung von Fehlverhalten sein wird und zugleich in allen ihm vorgetragenen Fällen sehr eng und intensiv mit den Strafverfolgungsbehörden arbeiten wird, wo es angemessen und richtig ist.

Sheikh Semir Ilgar: “Wenn Opfer und Täter sich bei uns melden, muss zusammen mit den Opfern und Tätern entschieden werden, wie die Staatsanwaltschaft mit ins Spiel kommt. Wir raten dringend den Opfern, dass sie die Staatsanwaltschaft hinzuziehen, verpflichten auch die Täter, aber das geht alles nicht automatisch. Das muss klug und je nach den Umständen sorgfältig erwogen werden.”

Muslime brauchen eine eigene Ordnung, die sich vor allem auf die Moscheen erstreckt und eine Rechtsordnung vor allem im Falle von Auseinandersetzungen zwischen den Gemeindemitgliedern beinhält.

Kritiker behaupten, dass ein solcher Schritt die Rechte der Opfer stark untergraben würde. Der Frankfurter Psychologieprofessor Hans-Ulrich Feidsche sagte dazu laut der Muslimischen Nachrichtenagentur (MNA):

“Es ist zu erwarten, dass eine eigene Rechtsordnung dazu führen wird, dass Missbrauchsfälle im Sinne der Umma – also der Gemeinschaft der Muslime – vertuscht werden, da sie ein negatives Licht auf diese werfen. Schaden wird das vor allem den Opfern, die keine Gerechtigkeit erfahren und – wegen mangelnder Erwartung von Gerechtigkeit – früher oder später die Straffälle nicht mehr berichten würden.”

Der Vorstand des deutsch-muslimischen Imamrats ist da ganz anderer Meinung. Auf die Kritik angesprochen antwortete Sheikh Semir Ilgar:

“Wir sind alle Menschen. Ich kann nicht garantieren, dass das nicht stattfinden wird. Aber wir als deutsch-muslimischer Imamrat haben seit geraumer Zeit den Posten der Vertrauensperson eingerichtet, an den sich jedes Missbrauchsopfer wenden kann. Die Dinge werden untersucht, geklärt, dann gehen wir an die Staatsanwaltschaft und so weiter und so fort. Also wir müssen diese Ordnung einhalten, die verpflichtend für alle Moscheen besteht.”

Quelle: Deutschland Radio

Patrik Brinkmann liefert eine Karikatur der Pro-Bewegung…

authorOmar | 12. März 2010

Wollte nicht Patrik Brinkmann der Pro-Bewegung helfen? Sieht so Hilfe aus? Das ist doch lächerlich!

Mehr dazu:

Dank an Meryem.

Neue Artikel: 11. March 2010

authorOmar | 11. März 2010

Neue Artikel für den 11. March 2010:

Die heute-show zu früh ausgezeichnet

authorOmar |

Die Satiresendung “heute-show” im zdf wurde mit dem Grimme-Preis im Bereich Unterhaltung ausgezeichnet. Das ist meines Erachtens viel zu früh. Die Sendung gibt es erst seit anfang des Jahres im wöchentlichen Rythmus (davor monatlich mit einigen Internet-Specials), der aber von zdf zumindest wegen der Karnevalsübertragung abgesetzt wurde und obwohl ich die Sendung genieße, fehlt ihr noch die Durchgängigkeit und die Seriosität der Satire. Was ich damit meine, erkennt man auch im von der Grimme-Jury gezogenen Vergleich mit der amerikanischen “the daily show” mit dem exzelenten Moderator und früheren MTVler Jon Steward: Seine Kritik ist zwar ab und an nicht von billigen Clownwitzen zu unterscheiden, aber recht häufig sind die Stücke von Jon Steward und seiner “besten News-Crew” sehr pointiert und inhaltsschwanger. Das fehlt der heute-show noch. Dafür ist sie noch zu sehr vom üblichen deutschen Comedy-Gehabe geprägt und versucht sich scheinbar von Flachwitzlern wie Stefan Raab, Harald Schmidt und Pocher zu messen.

Dabei sollte die Messlatte eher an Volker Pispers, “Neues aus der Anstalt” und inhaltlich am Bild-Blog angelegt werden. Letzteres würde auch dabei helfen, die noch stark unterrepräsentierte Medienkritik in den Vordergrund zu stellen. Manche mögen glauben, dass Medienkritik in den USA aufgrund von FOX und NBC stärker gebraucht wird, aber ehrlich gesagt, ist es in Deutschland sowohl im Print- aber vor allem im Fernsehbereich sehr wohl dringend notwendig, starke Kritik zu äußern und vielleicht – vielleicht – dabei zu helfen, diversen Medien einen Spiegel vorzuhalten. “The daily show” macht das fast jedes Mal. Etwa so:

Trotzdem. Ich wünsche dem heute-show-Team viel Erfolg und vielleicht sind sie ja in einem Jahr soweit, dass sie Kabarettisten die Möglichkeit geben, aktuelle Nachrichten zu kommentieren (Volker Pispers oder Marc-Uwe Kling könnte ich mir da sehr gut vorstellen) – und dann kann es ja sein, dass das zdf erkennt, dass eine tägliche Sendung Sinn machen würde..

US-invasion of Iraq .. a success story

authorOmar | 10. März 2010

Yeah, George W. Bush was right… Nice clip by the daily show.

The Question about the Mossad agents…

authorOmar |

The “Muslim Observer” Bendib asks one very important question about the assassination of the Palestinian Hamas official in Duba: How many Mossad agents does it take to assassinate ONE unarmed Palestinian?

Of course we could also ask, why the agents have to be flown in from all those countrys and with all those different passports and so on.. but when an affair stinks, it just stinks. You don’t really know, where the smell is coming from, but actually it doesn’t really matter. There is a rotten fish hidden somewhere and you won’t get the stink out unless you turned the whole location upside down.

Another thought: What would happen if Palestinians targeted an Israeli official in the same way? Say the Israeli education minister was staying at a hotel in a random country and because nobody really knows him internationally and nobody really cares for him, his guards aren’t on their heighest alert. A Palestinian group is able to get to him and kills him. What would that be called? What would not only international media but also all political faction be crying?

Terrorism

And that’s what i call an assassination. And this goes – there’s no question about it – for Germans, Americans and others murdering people in Afghanistan. Assassination has nothing to do with a justifiable war and it’s not even able to stop a war effectively. It’s mostly good to throw the opponent back in their strategy, but eventually more radical and bitter people would take the place of the assassinated one and the violence would continue. And we can’t shut our eyes to the justifiability of their radicality and their bitterness. They would have learnt, that their enemy is ruthless and knows no boundaries to achieving his political means. No more has to be said to this assassination.

Media circus

Oh one thing yet: The comment by Bendib is nicely placed. It reads: “Cowardice is our number one strength! We don’t do well in a fair fight: remember Lebanon?”. Beside the point of cowardice, i think it’s important to remember that the Israeli army and Israel as a country has suffered significantly in public relation carma due to their more-or-less loss in the Lebanon war 2006. Also the methods used by the Israeli army – bombing civilians and blaiming the opponents, invading without real grounds, etc.. – and the civilian victims due to those methods hasn’t reflected well on Israel and their army as a whole. Maybe the successfull (i use this word of course not meaning that the loss of a life could in any way described as ’success’) assassination is a way for Israel to reestablish its credibility as killing machine??

Griechen – die Menschen, über die man lachen darf!?

authorOmar | 8. März 2010

Wie weit manche Medien sich weit weniger dem Berichten und Informieren und weit mehr der Öffentlichmachung neid- und missgunstgeprägter Einstellungen widmen, sieht man derzeit an diversen Artikeln über die wirtschaftliche Misere Griechenlands. Da erfreut es umso mehr, den Artikel des Journalisten und “Halbgriechen” Michalis Pantelouris zu lesen, der diese Art der Stimmungsmache anprangert und bloßstellt. Leseempfehlung!

So geht es weiter mit jedem Fakt, der da in die Welt geblasen wird, als neu oder sensationell verkauft, als Grund für die Misere. Es wird das Bild gemalt von einer Nation, die in fauler Gier anstatt zu arbeiten lieber die EU ausgenommen hat und jetzt überversorgt und fett am Strand liegt, während in Deutschland hart gearbeitet wird, um ihnen das Geld hinterher zu werfen. Natürlich braucht man keinen Nobelpreis, um zu erkennen, dass es so nicht stimmt. Man braucht gerade mal ein Gehirn.

Mathematische (Zahlen-)Folgen

authorOmar | 5. März 2010

Die Collatz-Vermutung besagt, dass wenn du eine Zahl herauspickst und, wenn sie gerade ist, sie durch zwei teilst und wenn sie ungerade ist, sie mit drei multiplizierst und eins hinzu addierst, und diese Prozedur oft genug wiederholst, dass schlußendlich deine Freunde dich nicht mehr anrufen werden, um dich zu fragen, ob du mit ihnen ausgehen möchtest. via: xkcd

Das Collatz-Problem besagt eigentlich, dass man immer auf die Zahlenfolge 4,2,1 kommt, wenn man eine beliebige natürliche Zahl nimmt und iterativ folgende Bedingungen durchläuft:

  • Wenn Zahl gerade: Zahl = Zahl/2.
  • Wenn Zahl ungerade: Zahl = Zahl*3 + 1.

Meine Frage wäre: müsste nicht sogar die Zahlenfolge 16, 8, 4, 2, 1 zum Schluß stehen (außer in drei Ausnahmefällen)? Die 16 wäre die erste Zahl, auf die man nicht nur durch Division von 32 durch zwei kommt, sondern auch durch Multiplikation von 5 mit 3 mit anschließender Addition von 1. Bei der 8 müsste 7 durch drei teilbar sein, was es nicht ist und auf die Vier käme man außer von der 8 nur durch die 1, was aber hieße, dass die Zahlenfolge 4,2,1 bereits durchlaufen sein müsste. D.h. außer in den Ausnahmefällen 4, 2 und 1 selbst käme man immer auf eine Reihe, die 16, 8, 4, 2, 1.

Neue Artikel: 3. March 2010

authorOmar | 3. März 2010

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John Yoo – proud torture advocate – is still a law professor

authorOmar |

John Yoo has provided legal justification for enhanced interrogation technique torture. He is an advocate of the dictatorship-like “commander-in-chief”-understanding of president’s powers in “war times”. Yoo was a part and has been questioned in a legal investigation concerning the torture practice of the CIA. The so-called “ethics investigation” seems to have been stopped without really pursuing and prosecuting the bad guys, or even setting clear limits to such legal council as they delivered it. To read the morbid and horrifying logic that Yoo uses to justify dicatatorship and the abolishment of human rights, you can read his self-rightous article “My gift to the Obama presidency”:

In 2005, a Navy Seal team dropped into Afghanistan encountered goat herders who clearly intended to inform the Taliban of their whereabouts. The team leader ordered them released, against his better military judgment, because of his worries about the media and political attacks that would follow.

In less than an hour, more than 80 Taliban fighters attacked and killed all but one member of the Seal team and 16 Americans on a helicopter rescue mission. If a president cannot, or will not, protect the men and women who fight our nation’s wars, they will follow the same risk-averse attitudes that invited the 9/11 attacks in the first place.

So, to defend an army unit which is infiltrating and thereby occupying a foreign country, it should be considered good practice to kill any goat herders lurking around. After all, what are they doing in a military area? Yeah, this is the real power, that Obama will ultimately need.. At least if he wants to further the anger at the US strategies around the world and get more people to fight against the US and eventually bring the war to the American Citizens.

Instead of sending Yoo to a Guantanamoesque prison facility he got back to his old job of being professor of law at UC Berkeley, where surely he will be able to pass on his great wisdom. This cartoon depicts the irony of the whole thing:

John Yoo - the torture advocate

Neue Artikel: 1. March 2010

authorOmar | 1. März 2010

Neue Artikel für den 1. March 2010:

Neue Artikel: 1. March 2010

authorOmar |

Neue Artikel für den 1. March 2010:

Wenn Medien Nachrichten ’schaffen’; BILD und Margot Käßmann

authorOmar |

Im Bildblog findet sich ein sehr interessanter Artikel, der aufzeigt, wie ein BILD-’Journalist’ aktiv Agenda-setting betreibt.

Auf unsere Anfrage berichtet Kelber, er sei von einem “Bild”-Mitarbeiter (bzw. einem Mann, der sich als “Bild”-Mitarbeiter ausgegeben hatte) angerufen worden, der ihn fragte, “ob ich nicht etwas zu der Forderung erzählen wolle, Frau Käßmann in die Politik, in die SPD zu holen.” Als Kelber den Anrufer gefragt habe, wer diese Forderung denn erhoben habe, habe er zur Antwort erhalten: “Bisher noch niemand.” Nachdem Kelber abgelehnt hatte, diese Forderung zu erheben, habe er sie kurz darauf wortgleich als Vorschlag der Grünen in “Bild” gelesen.

Die gesuchte ‘Forderung’ hat der BILD-Mitarbeiter in einer Aussage der Grünen-Abgeordnetin Agnes Krumwiede hineininterpretiert. Laut Bildblog hat die Abgeordnete daraufhin eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie die Aussage von sich weist. (Leider lässt sich die verlinkte Pressemitteilung nicht mehr auf den Seiten von Frau Krumwiede finden)

Dass ich Frau Käßmann zu “den Grünen holen will” ist eine reine Erfindung der BILD-Zeitung.
Ebenso die Behauptung, dass Frau Käßmann von “den Grünen umworben wird”.

Ein wenig erinnert mich das an das Agenda-setting, das u.a. Jon Steward in den USA dem Sender Fox News im Zusammenhang mit den Tea Parties nachgewiesen hatte. Ich finde derzeit das Video nicht, aber hier eine Seite, die mediamatters zitiert und ein ähnlich gelagerter Fall von Fälschung um der Agenda-setting willen.

Neue Artikel: 26. February 2010

authorOmar | 26. Februar 2010

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Ein mörderischer Freitagmorgen in Kabul

authorOmar |

Dieser Bericht ging heute morgen von Belal El-Mogaddedi aus Kabul, Afghanistan ein.

Wie weit können sich einige Menschen von der grossartigen Botschaft des Islam entfernen und dennoch behaupten für seine Botschaft einzutreten?

Heute morgen bin ich gegen 06 Uhr 30 durch eine gewaltige Explosion, deren Druckwelle die Fensterscheiben meines Schlafzimmers in Tausend Stücke zerbrechen liess, aus dem Schlaf gerissen worden. Wie sich kurze Zeit später bestätigt, handelt es sich bei der Explosion nicht, wie zunächst von mir vermutet, um eine Boden-Boden Rakete, sondern um eine Autobombe, die 200 Meter von meinem Aufenthaltsort im Kabuler Stadtteil Schar-i-Nau gezündet worden ist. Anschlagsziel ist das beliebte Kabuler Einkaufszentrum “Safi Landmark” gewesen, in dem sich neben zahlreichen Boutiquen und Restaurants, im obersten Stockwerk ein, auch von Ausländern gern aufgesuchtes Hotel befindet, das dem Besucher eine wundervolle Aussicht auf die Hauptstadt Afghanistans bietet.

Die grüne Glasfassade des Gebäudes ist massiv beschädigt, und die vielen kleinen Läden im näheren Umkreis sind in starke Mitleidenschaft gezogen worden.

Nach ersten Informationen sind heute morgen zwei Fahrzeuge in die Kreuzung vor dem “Safi Landmark” eingefahren. Die Insassen der Fahrzeuge tragen Polizeiuniformen und geben vor, auf Patrouille zu sein. Aus diesem Grund lassen die an jeder großen Kabuler Kreuzung positionierten Beamte, sie bis vor den Haupteingang des Gebäudes vorfahren. Dort steigen mehrere Personen aus und erschiessen die vor dem Gebäudeeingang stehenden, vollkommen überraschten, privaten Wachmänner. Während die Polizei an der Kreuzung das Feuer auf die Angreifer eröffnet, wird das zweite Fahrzeug vor einem weiteren Eingang des Gebäudes zur Explosion gebracht. Die wuchtige Explosion lenkt die Aufmerksamkeit der Sicherheitskraefte für wenige Momente von den Angreifern ab, so dass die Bewaffneten in das Gebäudeinnere eindringen könenn, und ihr mörderisches Treiben fortsetzen. Nach ersten Angaben hat es mindestens zehn Tote gegeben, aber es ist anzunehmen, dass dieser Angriff mehr Menschen das Leben gekostet hat. Der ersten Explosion folgen mehrere kleine Explosionen und heftige Feuergefechte mit schweren und leichten Feuerwaffen in den Seitenstraßen, Auseinandersetzungen, die sich zum Teil direkt vor meiner Haustür abspielen.

Gegen 08 Uhr 30 ereignet sich noch einmal eine schwere Explosion, ob es sich dabei um eine weitere Autobombe handelt, ist immer noch nicht bekannt. Seit 10 Uhr 00 herrscht Ruhe, die Schüsse sind verstummt, wie auch die Sirenen der Rettungswagen; jetzt, nach über zwei Stunden können keine Menschen mehr gerettet werden, die Zeit der Leichenwagen is gekommen. Kabul ist still, totenstill.

Der Stadtbezirk ist abgeriegelt, fuer den privaten Verkehr blockiert, die afghanischen und internationalen Fernsehsender zeigen die ersten Bilder vom Anschlagsort. Menschen stehen auf den Strassen vor dem Anschlagsort, ihre Verzweiflung steht ihnen ins Gesicht geschrieben, einige weinen. An Gewalt, Mord und Tod kann sich niemand gewöhnen, will sich niemand gewöhnen.

Ich höre wie in den umliegenden Gebäuden die Glassplitter zusammengekehrt werden, und wie sie klirrend in Metalleimer fallen; die ersten Aufräumarbeiten haben begonnen. Die Sachschäden können behoben warden, aber heute werden aus vielen afghanischen Haushalten Klagegesänge ertönen, tränenerstickte Stimmen zu hören sein, Kinder um ihre Väter, Frauen um ihre Ehemänner, Eltern um ihre Söhne trauern, und Angehörige in den kärglich ausgestatteten Krankenhäusern am Krankenbett um das Leben ihrer Lieben bangen.

Heute ist der Geburtstag des Propheten des Islam, Mohammad. In einigen Ländern der muslimischen Welt wird dieser Tag, der keinem religiösen Ritus entspricht, aber sich als eine Tradition in die Lokalkultur eingebürgert hat, mit Rezitationen aus dem Quran und besonderen Armenspeisungen gefeiert. Gestern hat die private afghanische Fernsehstation “Ariana” den bekannten Film “The Message” gezeigt, in dem in wunderbarer Weise der Beginn und die befreiende Entfaltung des Islam nachgezeichnet wird, ein filmisches Kunstwerk, ein Plädoyer für den Islam, produziert in den 1970iger Jahren von Moustapha Akkad, der vor wenigen Jahren selbst bei einem Terroranschlag in Jordanien gestorben ist. Dieser Film bewegt mich immer wieder, auch wenn ich ihn schon unzählige Male gesehen habe, zeigt er doch die vom Propheten gelebte beispielhafte Praxis des Islam auf, geprägt von Barmherzigkeit, Vergebung, Edelmut, Tugendhaftigkeit, Aufrichtigkeit und vor allem Gerechtigkeit. Die Nachrichtensender lassen verlauten, dass der Sprecher der Taliban Zabiullah Mujahid die Verantwortung für den morgendlichen mörderischen Anschlag übernommen hat. Wie weit können sich einige Menschen von der grossartigen Botschaft des Islam entfernen und dennoch behaupten für seine Botschaft einzutreten?

Durch mein glasloses Fenster überhöre ich ein kurzes Gespräch zwischen zwei Sicherheitsbeamten, die gemeinsam die Scherben der Fensterscheiben ihres kleinen Zimmers, unweit von meiner Wohnung gelegen, aufsammeln:” Gott sei es gedankt, dass wir zum Morgengebet wach geworden sind und nicht im Zimmer waren, als die Scheiben zerbarsten, sonst wären wir wohl nicht heil davon gekommen. Alhamdulillah!” Die Menschen halten unbeirrbar an ihrer Religion fest; sie wissen, dass Terrorismus von den Lehren des Islam nicht abgeleitet werden kann. Ihre Religion hat nichts mit der Überzeugung einiger weniger Verblendeter zu tun; dies gibt Hoffnung auf ein bessere Zukunft, wie auch der Ruf des Muezzin in der Moschee nebenan, der die gläubigen Muslime gerade zur Teilnahme am Freitagsgebet aufruft. Viele werden auch heute dem Ruf folgen, trotz der nassen Kälte, trotz der aufgweichten Zufahrtswege, trotz eines mördersichen Fanatismus, der heute morgen wieder einmal seine hässliche Fratze gezeigt hat. Die Menschen dieser Stadt, dieses seit 30 Jahren von Invasion, Krieg und Besatzung geschundenen Landes geben ihre Hoffung auf eine bessere Zukunft nicht auf.

P.S.: Ich gehe in den Garten meines Hauses und entdecke in einem Blumenbeet ein fast künstlerisch anmutendes Stück Metall. Bei näherer Betrachtung stelle ich fest, dass es sich um ein Stück des Autos handelt, das heute Morgen unweit von meiner Wohnung explodiert ist. Ausdruck der Kunst des sinnlosen Töten!

Vor zwei Tagen sind 29 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder bei einem Angriff durch Natoflugzeuge in der Provinz Uruzgan ermordet worden, von diesem Anschlagsort habe ich keine Bilder gesehen. Dort hat die hochmoderne Technik feige gewütet. Sinnlos ist auch diese Kriegskunst gewesen, wie so vieles in diesem schmutzigen und unehrlichen Krieg am Hindukusch.

M.Belal El-Mogaddedi, Kabul-Afghanistan

Neue Artikel: 24. February 2010

authorOmar | 24. Februar 2010

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