Kritik am Krieg? Nein, nicht wirklich!
Montag, 30. April 2007, 23:18
Man wird in letzter Zeit von der fadenscheinigen Kritik am Krieg geradezu verblüfft. Da sterben im Irakkrieg hundert Tausende Menschen und der Hauptverantwortliche für diesen Krieg und damit für ihren Tod wird dafür kritisiert, dass er den Krieg nicht richtig “gemanagt” hat! In den mainstream-Medien wird wenig Kritik daran geäussert, dass die USA so viele unschuldige Menschen umbringt oder auch nur, dass die USA als Besatzungsmacht im Irak per Definition sich keine Freunde machen wird und damit rechnen muss, dass die geschädigten Rache üben wollen! Die Debatte erstreckt sich vielmehr auf die Frage, wieweit der Krieg kostet an Material und US-Soldaten1. Die “Menschen” auf der anderen Seite der Maschinengewehre spielen in dieser Argumentation keine Rolle.
Mismanagement
In meiner Lieblingsshow im US-amerikanischen Sender “Comedy Central” - The daily show - hat Jon Stewart vor einigen Tagen den US-Senator und aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner John McCain eingeladen. Es ging natürlich vor allem um den Irakkrieg und wie McCain diesen einordnet. Jon Stewart ist weiß Gott nicht Pazifist, trotzdem ist ihm eine recht gute Frage - von den Zuschauern scheinbar unbemerkt - über die Lippen gegangen. Bitte genau hinhören:
[Video url="http://static.cookies.xen-host.de/tds/John_McCain-iraq_war.flv" /]
Jon Stewart: Isn’t part of the insurgency - and isn’t this the difficulty -, that we have to win over the Iraqi people and can we win them over, when we seem to almost consistently diminish their suffering? Rumsfeld had said “when you fly over Baghdad, the whole place isn’t on fire.”, Condi Rice said “this is birthing pains”. You know? Think of how we’re grieving for eh.. and rightfully so..
Fast hätte Jon einen Vergleich zwischen irakischen und amerikanischen Menschen angestellt - welch Sünde! Aber die Antwort von John McCain hätte unpassender und irreführender gar nicht sein können:
John McCain: Jon, nobody complained more that me over the last several years about the way the war was mismanaged! It was terribly mismanaged, i was frustrated and the sacrifice we made is so sad!
Hauptlast der Kriege
Mehr noch: In den USA streitet man sich offensichtlich darüber, wer eigentlich die “Last” des Kriegs zu tragen hat. Im Op-Ed “Sharing the burden of war and taxes” beklagen sich die Autoren, dass die US-amerikanischen Familien, die ihre Kinder in den Krieg schicken und damit die “Hauptlast” tragen, meist finanziell minderbemittelt sind und deshalb bei der Besteuerung bevorzugt werden sollten.
Bei allem nötigen Respekt für die Familien, aber tatsächlich tragen die Iraker und die Afghanen die Hauptlast der US-Kriege - bisher! Und sie werden sie solange tragen, wie diese Familien aus den USA aus der anderen Erdhälfte ihre Kinder als Opfer für solche Kriege bereitstellen.
Libanonkrieg
Genau dasselbe spielt sich derzeit auch in Israel ab: Fast ein Jahr nach der Invasion des Gazastreifens und etwas weniger nach der Invasion Libanons und der Tötung von mehr als 1500 (nichtisraelischen) Menschen durch das israelische “Verteidigungsmilitär” hat ein Untersuchungsausschuss dem israelischen Ministerpräsident Ehud Olmert “schwere Fehler” vorgeworfen. Und worin bestehen diese “schweren Fehler”?
Der Regierungschef trage die Verantwortung dafür, dass die Ziele des Waffengangs mit der Hisbollah nicht klar festgelegt worden seien, sagte der Vorsitzende der Kommission, der ehemalige Richter Eliahu Winograd: “Der Ministerpräsident hat seine Entscheidung getroffen, ohne ein zweites Mal nachzudenken, ohne dass ihm ein detaillierter militärischer Plan vorlag und ohne dass er diesen eingefordert hätte und ohne, dass er die komplexen Umstände im Libanon und die Alternativen, die es für Israel gab, in Betracht gezogen hätte.”
Richtig! Keiner hat was dagegen, wenn Libanesen oder Palästinenser sterben, nur sollte vorher bitteschön ein Plan ausgearbeitet werden. Und was für Konsequenzen wird es für den Kriegschef geben? Die radikalsten Kritiker fordern einen Rücktritt! Keine Klage wegen Vergießen unschuldigen Bluts, kein Internieren in Guantanamo - nein, Olmert soll lediglich zurücktreten! Wer sich aber dafür freut, wird eines besseren belehrt: Olmert selbst möchte nicht zurücktreten und es kann ihn keiner rechtlich zwingen2.
Olmert selbst hat angekündigt für die nächste Invasion eines Nachbarlandes aus dem 320 Seiten starken Bericht zu lernen!
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