Muslimischer Militärprediger James Yusuf Yee - Was Guantanamo aus den USA macht
Dienstag, 24. April 2007, 07:12
Die Geschichte von James Yusuf Yee führt ihn aus den USA in den Irak über Syrien bis hin nach Guantanamo und später (!) in ein Hochsicherheitsgefängnis: Zuerst als US-Soldat, Abkömmling einer US-chinesischen Familie mit militärischer Tradition, im ersten Golfkrieg kommt er in Kontakt mit Muslimen und beginnt sich für den Islam zu interessieren. Wird kurz darauf selbst zum Muslim und nimmt eine Auszeit von seiner militärischen Laufbahn, um seine islamischen Kenntnisse aufzubessern. Er reist nach Syrien, um dort mehr zu lernen und als er Anfang 2000 in die USA zurückkehrt, lässt er sich als Militärprediger wieder einstellen. Er wird nach Eröffnung des Gefangenenlagers auf Guantanamo dort als Prediger eingestellt.
Auf Guantanamo erlebt James Yee in seiner Rolle als Vermittler für die er zweimal von der US-Regierung ausgezeichnet wurde, wie Religion missbraucht wird, um die Gefangenen zu degradieren bzw. ihnen Informationen zu entlocken. Daneben sieht er wie Wächter auf Guantanamo Gefangene physisch misshandeln - auch wenn ihm das weite Feld der Verhörmethoden erspart bleibt.
Als er 2003 einen kurzen Urlaub von seiner Tätigkeit in Guantanamo antritt, wird er im Flughafen verhaftet und für 76 Tage im Hochsicherheitsgefängnis ‘U.S. Navy brig Charleston’ festgehalten, wo im Allgemeinen US-amerikanische ‘Enemy Combatants’ festgehalten und ihrer Grundrechte entledigt werden. Erst nach 10 Tagen haben seine Eltern und seine Frau durch Nachrichtenmeldungen herausbekommen, wo er war. Er wurde nach 30 Tagen offiziell angeklagt und zwar mit diversen Anklagen, die von Spionage1 bis Befehlsverweigerung. Zeitweise wurde Hochverrat hinzugefügt und ihm wurde mit der Todesstrafe gedroht.
Die Anschuldigungen wurden später auf ‘falschen Umgang mit geheimen Dokumenten’ reduziert und in Verbindung mit niederen Anklagen wie Aufbewahrung von pornographischen Materials auf offiziellen Rechnern im März 2004 komplett aufgehoben. James Yee wurde sogar sein alter Job als Militärprediger angeboten! Das ist vor allem deshalb so interessant, da die Anklage offenbar nur fallengelassen wurde, da man die “Beweise” nicht veröffentlichen wollte:
Citing national security concerns that would arise from the release of the evidence, Miller decided to drop these charges.
Video
Die Schilderungen von James Yusuf Yee sind in seinem Buch ‘For God and Country: Faith and Patriotism Under Fire‘ festgehalten. Daneben gibt es ein sehr gutes Referat, das er kürzlich in Indianapolis gehalten hat, in dem er seine Erlebnisse darstellt. Hier sind die zwei Teile des Referats.
Der erste Teil handelt von seiner Konversion und sein Leben im Allgemeinen vor Guantanamo.
Chaplain James Yee on becoming a Muslim
Der zweite Teil handelt maßgeblich von Guantanamo und später von seiner eigenen Festnahme und die Vorwürfe, die ihm gemacht wurden.
James Yee on Guantanamo and his solitary confinement
Beide Videos gibt es außerdem auf googleVideo. [via]
- ein Land, für das er Spionage betrieben haben soll, wurde nie genannt, aber die Befrager haben sich über Dokumente über Syrien erkundigt, die sie in seinen Unterlagen gefunden hatten.. [↩]
Category: Ausland, Islam, Sicherheit
Tags: Ausland, Islam, Sicherheit
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Kommentar von Chris
Made Mittwoch, 25 of April , 2007 at 11:28
Guantanamo ist das Fanal der USA, der sichtbar gewordene Verlierer des “Krieges gegen den Terror”. Die USA haben dort, für alle sichtbar, aufgegeben, was sie ausgemacht hat, vom Rest der Welt abhob - Freiheit, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit. Schade eigentlich…
