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Quergefragt - Wird Deutschland vom Islam unterwandert?

Samstag, 7. April 2007, 13:50

Ich hab mir die Sendung Quergefragt vom 4.4. im SWR3 angetan, in der Henryk M. Broder, Seyran Ates, Heribert Prantl und Houaida Taraji über das Thema “Im Namen Allahs: Wird Deutschland vom Islam unterwandert?” diskutiert haben. Insgesamt war die Sendung gar nicht mal so schlecht. Ich versuche im Weiteren ein paar Punkte festzuhalten, die mir bei der Sendung aufgefallen sind:

Anschauen kann man sich die Sendung hier.

Henryk M Broder

Henryk M Broder hat gewohnt polemisch die Fragen beantwortet. Die meisten Argumente und Fallbeispiele (für die Islamisierung Deutschlands), die er gebracht hatte, sind purer Blödsinn, aber er schafft es trotzdem Ansprechpartner zu bleiben und eben nicht als nichtsnutziger Hetzer abqualifiziert zu werden..

So hat er schon wieder die Geschichte um die angeblich wegen Muslimen fehlenden Sparschweinen aufgewärmt. Wie bereits gesagt, Broder interessiert es nicht, dass die Geschichte komplett erlogen ist, sie hört sich eben gut an und passt in sein gesuchtes Muster..

Broder erwähnt weiterhin den Fall eines “bekennenden Islamisten”, dem laut Gerichtsurteil erlaubt wurde, seinen Sohn “Jihad” (oder Dschihad) zu nennen. Dazu Broder:

Nun sind wir wahrscheinlich mitten in der Übersetzungsproblematik.. Ist es “innere Anstrengung”, ist es Krieg - das schöne am Koran ist ja, dass man sich ständig über Übersetzungen streitet und deswegen nie die richtige Formel findet. Wahrscheinlich ist es doch “heiliger Krieg”..

Keiner ist auf die Idee gekommen, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass “Jihad” zunächst einmal ein arabisches Wort ist, das ja genauso von arabischen Christen verwendet wird und deshalb die Übersetzung aus dem Koran für die deutschen Behörden ohne Belang bleiben sollte. Dass weiterhin “Jihad” im Koran an keiner Stelle mit “heiliger Krieg” zu übersetzen ist, bleibt ihm auch erspart. Er schafft es an der Stelle - auch weil er weit vom Hauptthema entfernt ist - seine Überzeugung zur Bedeutung des arabischen Worts durchzusetzen..

Im Übrigen: Das Wort für “Krieg” ist im Arabischen “Harb”. Diesen Namen hat der Prophet Muhammad (sas) an mehreren Stellen unterbunden1:

It is a well-known fact that the Prophet (peace and blessings be upon him) approved the names of people which were given to them by their pagan parents or ancestors; he allowed them to keep them. He only changed such of their names that had un-Islamic bearings or unpalatable connotations. Hence we are told that the Prophet (peace and blessings be upon him) changed the name of `Abd Al-Ka`bah (servant of Ka`bah) to `Abdullah (servant of Allah). He also changed names such as Sa`b (difficult to deal with) to Sahl (easy to deal with); Harb (war) to Salam (peace), etc.

Irgendwann später im Programm erwähnt Broder noch das Frauenschwimmen in Hannover. Folgendes sagt er:

In Hannover gibt es jetzt in einem öffentlichen Schwimmbad einen Frauentag. Der Frauentag gilt nur für muslimische Frauen, weil sonst ist kein Publikum da. (…) Und die Hannoveraner Stadtverwaltung hat das Bad noch umbauen lassen, hat noch so Jalousien angezogen, damit die Frauen innen von den lüsternen Blicken der Männer von draußen geschützt sind. Und was das allerwitzigste ist, es dürfen Jungs mit ins Schwimmbad, aber nur bis zwei Jahre. Von zwei Jahren aufwärts gelten sie so als lüsterner potenzieller Vergewaltiger…

Das hätte wahrscheinlich keiner der Diskutanten wissen können, aber die Frauenbadezeit im Schwimmbad2 beträgt nur vier Stunden - nicht einen ganzen Tag. Diese vier Stunden sind - schaut man sich die Öffnungszeiten der anderen Tage an - nicht innerhalb der normalen öffentlichen Öffnungszeiten angesiedelt. Weiterhin gilt die Frauenschwimmzeit mitnichten nur für muslimische Frauen! Tatsächlich ist sie auch auf den Seiten des Bads als “Frauenbadezeit” bezeichnet.

Ein Nachfragen beim Schwimmbad ergibt genau dieselbe Antwort, also habe ich telefonisch noch genauer nachgehakt und wollte wissen, ob denn zufällig nur muslimische Frauen teilnehmen würden - das ist aber nicht der Fall! Die Gesprächspartnerin meinte nur “Das ist bunt gemischt..” Ich habe sicherheitshalber noch beim Stöckener Bad angefragt, da dieses auch eine Frauenbadezeit anbietet. Aber auch da war die Antwort dieselbe. Es gibt eben keine solche Sonderbehandlung von Muslimen, wie Herr Broder sie darzustellen versucht. Ob er demnächst die nach Geschlechtern getrennten Saunazeiten den Muslimen in die Schuhe schieben wird?

Noch eine Kleinigkeit zu Broder:

Henryk M Broder: Die Debatte läuft deswegen schief, weil es nicht um Religion geht. Religion ist nicht das Problem. Religion ist Privatsache (…) es ist irrelevant. (…) Wir haben es mit einer politischen Bewegung zu tun, die religiös motiviert wird. Daher kommen die Schwierigkeiten mit dem Islam oder mit dem Islamismus - was ich für eine ziemlich virtuelle und sinnlose Unterscheidung halte..

An der Stelle unterbricht ihn die Moderatorin, aber ich denke diesen Punkt hätte er weiter ausführen müssen, denn hieran zeigt sich die wahre Denke vom Herrn Broder: Er sieht offensichtlich den Islam nicht als Religion, sondern als politische Bewegung. Darüber möchte er erreichen, dass Muslime eben nicht dieselben Rechte sich erkämpfen können wie Christen, Juden und anderen!

Henryk Broder erwähnte noch, dass nur 30% der Muslime organisiert wären. Von den Zahlen mal abgesehen, glaube ich persönlich tatsächlich, dass eine stärkere Mitgliederzahl vonnöten ist. Auf der anderen Seite kann man erwähnen, dass viele Muslime Angst haben, sich einer Organisation anzuschließen, wenn sie dadurch zum Beobachtungsgegenstand deklariert werden - oder gar mit Konsequenzen bei der Einbürgerung oder beim Aufenthaltsstatus rechnen müssen. Broder glaubt auf der anderen Seite, dass diese 70% Nichtorganisierter “vermutlich integrierte Leute” sind - also die 30% eben nicht!

Man muss sich natürlich fragen, ob die Schüler in der Rütli-Schule oder alle anderen “auffälligen” Muslime irgendeiner Organisation angehören oder ob es nicht (wie ich eher vermute) eher diejenigen sind, die eben nicht organisiert sind, die die Probleme bereiten!

Seyran Ates

Seyran Ates verhält sich während der Sendung wie das unschuldige kleine Kind, das ja nur darauf bedacht ist, sich und ihre Mandantin zu schützen. Sie übt sich in Doppelzüngigkeit, wie etwa hier:

Seyran Ates: Ich bin ja mit Ihnen (Houaida Taraji) absolut einer Meinung, dass das nicht richtig ist, dass man alles auf den Islam schiebt…

Auf der anderen Seite tut Frau Ates genau das! Der Aussage von Alice Schwarzer hatte sie im Deutschland Radio Interview vorbehaltlos britische Version! Einfach mal anschauen, denn die ‘Fälle’, die die Moderatorin nennt sind nicht minder lustig..:

[Video url="http://static.cookies.xen-host.de/tmc/Quergefragt-Seyran_Ates.flv" /]

Seyran Ates: In England haben sie sie abgeschafft - die Sparschweine!

Heribert Prantl

Herr Prantl hat eigentlich geglänzt. Seine Art, Dinge auf den Punkt zu bringen - etwa seine nüchterne Darstellung der Frankfurter Richterin oder des Ehrenmordprozesses in Berlin - war während der gesamten Sendung sehr erfrischend. Bisweilen hat er aber brodersche Lügen dadurch vernachlässigt. Vielleicht ist es trotzdem schlau, so vorzugehen, da man sich mit Broder, der alle möglichen ‘Horrorgeschichte’ aus dem Ärmel zaubern kann (ohne jemals eine Quelle nennen zu müssen) nur so verständigen kann..

Ein Beispiel soll hier nur seine Antwort gelten, nachdem Broder die Namensgebung “Jihad”, den Berliner “Hassprediger” und den Ehrenmord in einem Rutsch genannt hatte:

[Video url="http://static.cookies.xen-host.de/tmc/Quergefragt-Heribert_Prantl.flv" /]

Houaida Taraji

An einer Stelle konnte Houaida Taraji Broder paroli bieten und ihn zum Schweigen bringen. Die möchte ich gerne hervorheben, denn sie ist untergegangen durch ein Ablenkungsmanöver von Frau Ates, die wieder auf die Sexualisierung junger Leute zu sprechen kam..

[Video url="http://static.cookies.xen-host.de/tmc/Quergefragt-Houaida_Taraji.flv" /]

Schwach fand ich auf der anderen Seite die Antwort darauf, inwiefern Deutschland bei der Integration von Muslimen Entgegenkommen zeigen könnte. Frau Taraji hatte die Kopftuchverbote angesprochen, die durchaus für Muslime als Türzuschlagen verstanden wurden und werden. Auf der anderen Seite macht die ständige Nennung den Eindruck, dass es keine anderen Themen gibt, durch die Muslime an dem Integrationswillen der deutschen Politik zweifeln.

Tatsächlich ist aber die öffentliche Debatte um alle Themen, in denen ‘Islam’ vorkommt dermaßen miserabel und die Diskussionsköpfe sind fast durchweg hysterische bis paranoide Menschen vom Schlage Broder, dass eine sachliche und unaufgeregte Diskussion nicht möglich ist. Wenn dann doch jemand sachlich argumentiert, dann wird er schnell als ‘liberaler Gutmensch’ oder - immer beliebter - “Dhimmi” disqualifiziert.


  1. Trotzdem: der Name Harbi beispielsweise ist fast schon wieder Normalität bei Arabern!! []
  2. genügend Diskussion gab es hier in Hannover ja dazu []
4 Kommentare

Pingback von Dirk Olbertz » Es reicht, Herr Broder! : The Blog that never sleeps

Made Samstag, 7 of April , 2007 at 14:54

[...] Einen sehr aufschlußreichen Artikel hat Omar da verfasst. Er hinterfragt dabei ein paar Aussagen von Herrn Broder aus der Fernsehsendung [...]

Pingback von 3. Blogkarneval deutschsprachiger Muslime » Too Much Cookies Network

Made Freitag, 1 of Juni , 2007 at 05:13

[...] dieser Stelle ist ein Blick in meine eigene Zusammenfassung der Sendung “Quergefragt - Wird Deutschland vom Islam unterwandert?” sinnvoll. Dort versuche ich darzustellen, mit welch verqueren Argumenten Henryk M Broder und Seyran [...]

Kommentar von Thomas Schweizer

Made Samstag, 29 of März , 2008 at 08:37

Ist es etwa ein Beitrag zu einer “sachlichen und unaufgeregten” Diskussion, Andersdenkende als “hysterisch und paranoid” zu bezeichnen?

Kommentar von Omar

Made Samstag, 29 of März , 2008 at 08:50

@Thomas Schweizer: es sind eben nicht “Andersdenkende”, sondern eben Hysterie und Paranoia ausstrahlende Menschen. Dass zu einer Diskussion sinnvoller weise zwei unterschiedliche Positionen gehören, ist selbstverständlich, aber meist geht es nicht um eine sachliche Position, sondern um Polemik - und darauf kann man - bzw. wollte ich an dieser Stelle - nicht sachlich reagieren..

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