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Verantwortlichkeit in Moscheen

Montag, 16. April 2007, 01:02

Vor nun etwas mehr als einem Monat hatte ich innerhalb des Artikels “Demokratische Moscheen” über eine Moschee in Hannover berichtet, in der die Gruppe der Verantwortlichen einen Exklusivitätsanspruch auf die Entscheidungsfindung eingenommen haben und dieses elitäre Verhalten in meinen Augen dazu geführt hat, dass sich diese relativ kleine Gruppe1 untereinander zerstritten hat. Ich wurde nun mehrfach in den Kommentaren und per Email gefragt, was eigentlich aus dem Verein passiert ist.

Ich möchte die Wiedergabe dessen, was ich persönlich darüber weiß mit einer allgemeinen Kritik an der fehlenden Kontrolle der Verantwortlichen in Moscheen verknüpfen. Wieweit dieser Fall in seiner Extremität auf andere Moscheen übertragbar ist, bleibt dahingestellt - darüber kann ich nicht sehr viel sagen.

Was bisher geschah.

In der Moschee haben inzwischen Vorstandswahlen stattgefunden. Ein Mitglied wurde von den Wahlen ausgeschlossen2 und es wurden im Gegenzug zwei Gründungsmitglieder eingeflogen3, die seit einiger Zeit nicht anwesend sind und in mindestens einer mir bekannten Mitgliederversammlung nicht mitgezählt wurden, als es um die Beschlussfähigkeit ging4.

Mit dieser Machtverschiebung hat der einberufene Notvorstand5 seine Wahl als ersten Vereinsvorsitzenden garantiert. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen6, wenn zumindest der Rest des Vorstands ausgeglichen wäre. Die Zusammensetzung des neuen Vorstands sieht aber neben dem ersten Vorsitzenden einen diesem loyalen zweiten Vorsitzenden7 und einen ebenso loyalen Schriftführer. Die Aufgabe des Kassenwarts übernimmt der ehemalige erste Vorsitzende8. Daneben wurden ein Erster-Vorsitzender-Loyaler, ein charakterlich relativ Schwacher (also nicht durchsetzungsfähig), und ein relativ Neutraler in die drei Beisitzerpositionen gewählt.

Bei dieser Zusammensetzung kann man eigentlich nur von einem autokratischen System sprechen. Der erste Vorsitzende kann notfalls einen Beschluss auf Vertrauensgrundlage durchboxen und wird - wie ich annehme - die Ernennung neuer Mitglieder (sollte es je dazu kommen) zu stark beeinflussen. Die Ergebnisse der Wahlen wurden - wie mir gesagt wurde - am darauffolgenden Freitag in der Moschee den versammelten Besuchern präsentiert. Ein Wahlprogramm gab’s vorher nicht, also gab es auch hinterher kein Versprechen, irgend etwas an der Führung der Moschee zu ändern.

Neuanfang?

Letzten Freitag habe ich mich dann durchgerungen, den neuen Vorsitzenden zu fragen, ob oder wann er für eine Audienz zu haben wäre. Ich hatte das schon länger vor und wollte ihn wieder mit dem bereits einmal mit ihm persönlich besprochenen Plan zur Umstrukturierung9 des Vereinsverständnisses konfrontieren.

Motiviert wurde ich außerdem, da er selbst als Prediger an diesem Freitag von einem verantwortungsbewussten muslimischen Amir (~Gouverneur) gesprochen hatte, der vor langer langer Zeit keine Kontrolle durch seinen Vorgesetzten gescheut hatte und diese stets gemeistert hat. Die Predigt hat etwa eine halbe Stunde gedauert und in dieser wuchs meine Zuversicht, dass es genau der richtig Tag wäre, um ihn darauf anzusprechen und vielleicht an sein Verantwortungsbewußtsein zu appellieren. Ich bin zwar weit davon entfernt, sein Vorgesetzter zu sein, aber Kontrolle bleibt Kontrolle.

Also ging ich nach dem Freitagsgebet ins Büro des Vereinsvorstands. Dort angekommen habe ich den Vorsitzenden gefragt, wann er Zeit für mich hätte, da ich ihn in Vereinsangelegenheiten sprechen möchte. Als er sagte, dass er jetzt gerade keine Zeit hat, fragte ich scherzhaft, ob ich vielleicht in zwei bis drei Monaten wiederkommen sollte. Nein, er hätte aber vor dem 1. oder 10.10 Juni keine Zeit. Ich wiederhole: Juni! Danach will er mich anrufen..

Ich habe nicht den Eindruck gehabt, dass er mir die Frage beantworten würde, was denn solange dauert und keine halbe Stunde Zeit zwischendurch lassen würde. Es kann ja durchaus sein, wie ich vermute, dass es eine private Angelegenheit ist, die mich auch nichts weiter angeht. Ich werde aber nicht das Gefühl los, dass ich zur Persona non grata geworden bin - zumindest beim Vorsitzenden!

Ob andere Vorstandsmitglieder ansprechbarer sind oder vielleicht auch erst den angeblich vollen Kalender zücken, das weiß ich derzeit nicht. Aber ob es überhaupt etwas bringt mit anderen als den ersten Vorsitzenden zu sprechen, das bezweifle ich bei dieser Zusammensetzung stark.

Wat’ nu?

Tja, ich weiß es selber auch nicht.

Mir wurde nach den Wahlen von mehreren Personen gesagt, ich solle erst noch mit einem weiteren Artikel warten bis der neue Vorstand sich organisiert hat. Die Wahlen liegen fast ein Monat zurück und eine Organisationsabsicht ist nicht sichtbar.

Ich war sowieso der Meinung, dass an dieser Stelle - und vor allem nach dem Verhalten bei den ‘Wahlen’ - ein Abwarten nicht weiterhilft. Vielmehr gehe ich davon aus, dass Druck ausgeübt werden muss. Leider haben sich die meisten Moscheebesucher durch die Ankündigung des neuen Vorstands (als eine Art ‘Offenheit’ dessen) beschwichtigen und beruhigen lassen. Viele glauben, dass die Krise bewältigt wurde, dabei wurde nur ein Teildisput beigelegt - das Problem ist immer noch existent. Das Problem ist eben nicht in den jeweiligen Personen zu suchen, sondern im System, das weder eine sinnvolle und Konsens basierte Entscheidungsfindung noch die Kontrolle der Verantwortlichen zulässt!


  1. ~13 Vereinsmitglieder zu etwas mehr als 300 Moscheebesucher zum Freitagsgebet! []
  2. ich hatte bereits erklärt, dass einige der Mitglieder behauptet hatten, dass er mündlich seinen Austritt erklärt hatte. Ich vermute eher machtpolitisches Kalkül, man mag mir diese Unterstellung verzeihen []
  3. korrekt müsste ich sagen, dass einer der beiden aus dem Ausland eingeflogen wurde und der andere aus dem Inland angereist kam []
  4. Die Mitgliederversammlung ist zumindest trotzdem beschlussfähig gewesen! Die obligatorischen Arbeitsnachmittage dürften diese Mitglieder nicht abgearbeitet haben. []
  5. wir erinnern uns: die Person des Notvorstands stellte eine Konfliktpartei dar []
  6. wurde sowieso vermutet []
  7. er hatte mir gegenüber seine uneingeschränkte Loyalität der Person des ersten Vorsitzenden gegenüber bekräftigt []
  8. was hoffentlich ein wenig Licht ins matte Dasein der nicht einsehbaren Kassenbücher bringen wird []
  9. oder überhaupt ‘Strukturierung’, im Übrigen hatte er mir im Gespräch keine Probleme mit dem Problem! []
  10. mein Fehler, dieses Detail konnte ich nicht verstehen []
4 Kommentare

Kommentar von Heiner

Made Mittwoch, 18 of April , 2007 at 22:33

Wenn man Verantwortlichkeit in Moscheen will, sollte man eigentlich KEINE MOSCHEEN MEHR BAUEN;)- ODER aber in jede Moschee dieses Landes Spione einschleusen, die durchgehend beobachten, wo eventuell mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung unvereinbare “Werte” gepredigt werden (z.B. die “gottgewollte Überlegenheit” der neandertalermäßigen Schariastrafen über das deutsche Strachrecht oder die Unterordnung der Frau unter den Mann).

Kommentar von Omar Abo-Namous

Made Mittwoch, 18 of April , 2007 at 22:42

@Heiner: tolle Vorschläge, die du machst. Wenn wir schon dabei sind, sollten wir - zusammen mit der Glaubens- und den allgemeinen persönlichen Freiheiten, die du da Muslimen entziehen möchtest - dir deine Meinungsfreiheit nehmen, denn die wird immer mehr zur Gefahr für den Staat.. Leute wie du mit dieser verqueren Meinung bestärken Innenminister wie Schäuble darin, den Rechtsstaat zu beseitigen. Danke dafür..

Kommentar von Heiner

Made Donnerstag, 19 of April , 2007 at 23:30

Mir die Meinungsfreiheit entziehen? Nur weil sie unbequem für dich als Mohammedaner ist?

P.S.: Schäuble bestärke ich tatsächlich - habe ihm heute eine Brief geschrieben und ihm zu bedenken gegeben, dass er sich nicht von den Vertretern dieser antidemokratischen Importreligion überrumpeln lassen soll, die jetzt bundesweit Propagandaunterricht fordern.

Kommentar von Omar Abo-Namous

Made Donnerstag, 19 of April , 2007 at 23:45

Naja, offensichtlich ist dir die Glaubensfreiheit ein Dorn im Auge. Warum dann nicht mehr Grundrechte entziehen? Da du Herrn Schäuble zu bestärken vorgibst, der sich in letzter Zeit einen Namen als Verfassungsfeind gemacht hat, kann ich nur annehmen, dass du nicht gerade ein Demokrat bist. Ich hoffe nur, dass solche Faschisten nicht Fuß fassen..

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