One Million and counting..

Der Irakkrieg hat nach Angaben von Dr. Gideon Polya (Australien) bereits zwischen 800.000 und 1.000.000 (in Worten: eine Million!) Menschenleben gekostet. Die Zahlen beruhen auf Hochrechnungen der nach Anfang des Krieges gestiegenen Sterberate im Irak. Vor Anfang des Irakkriegs soll die Durchschnittssterberate im Irak bei 5,5/1000 Toten pro Jahr betragen haben. Danach beträgt sie 13,3/1000 pro Jahr. Das ergibt durch Hochrechnung auf die vier Jahre Invasion eine Summe von 842.400 durch den Krieg erzeugten Sterbefällen.

Eine Million Tote durch den Irakkrieg

Allerdings muss angemerkt werden, dass der Irak selbst vor dem Krieg durch Sanktionen eine auffällig hohe Sterberate besass. Vergleicht man deshalb die jetzige irakische Sterberate mit der durchschnittlichen Sterberate in den benachbarten Ländern Syrien oder Jordanien, die bei 4/1000/Jahr liegt, dann kommt man auf die bedrückende Zahl von etwa 1.000.000 Tode, die durch den Krieg verursacht wurden!

Dr. Polya:

In 1945, ordinary Germans said that “they didn’t know” that the Jewish Holocaust was happening. The same excuse cannot be used by the citizens of the US Alliance, notwithstanding the continuing lying by commission and omission of racist, holocaust-ignoring Mainstream media – the awful truth is only several mouse clicks away.

Bei deutschen Medien: laute Stille!

Beim folgenden Video bin ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob es nicht fabriziert sein könnte. via

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Comments

  • By Muffinman, 25. März 2007 @ 09:49

    1 Mio. ist verdammt heftig. Hier ist übrigens noch interessanter Link zu diesem Thema:
    http://www.iraqbodycount.org/

  • By Maria, 25. März 2007 @ 11:05

    Omar, diese “Hochrechnung” von Dr. Gideon Polya ist doch Schwachsinn…
    Methodisch beruht sie auf Wunschdenken:

    However taking the 2006 Johns Hopkins data but using a Jordan/Syria comparative baseline of 4 deaths per 1,000 per year (as opposed to a baseline of 5.5 deaths per 1,000 per year for pre-invasion Iraq after 12 years of crippling Sanctions).

    Seriösere Berechnungen (und die Lancet Studien 2004 und 2006 sind ja auch keineswegs unumstritten!) gehen hiervon aus:

    Pedersen noted that the Lancet study is based on a pre-invasion mortality rate of 5.5 deaths per thousand people [per year]. The U.N., he said, used the figure of 9 deaths per thousand. Extrapolating from the lower pre-invasion mortality rate would yield a greater increase in post-invasion deaths, he noted.
    ” “Is Iraq’s Civilian Death Toll ‘Horrible’ — Or Worse?”. By Jefferson Morley, Washington Post, October 19, 2006″

    Und hier noch mal die Methode “von Dr. Gideon Polya”

    Avoidable mortality (excess mortality) is the difference between the ACTUAL deaths in a country and the deaths EXPECTED for a peaceful, well-administered country with the same demographics.

    Hm, wenn wir uns schon eine gewünschte/”expected” Todesrate für die Irakis aussuchen können, warum dann nur die 4.0 der Syrer oder Jordanier? Warum gehen wir nicht von den besseren 3.8 in Gaza oder 3.92 in der Westbank aus?
    Und schon haben wir den USA noch mal ein paar zehntausend Tote angehängt!

    Und übrigens, wie Dr. Gideon da in jedem Satz den Holocaust benutzt für seine Propaganda mit Milchmädchenrechnungen, das ist widerlich.

    further reading:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Lancet_survey_of_mortality_before_and_after_the_2003_invasion_of_Iraq
    http://en.wikipedia.org/wiki/Casualties_of_the_conflict_in_Iraq_since_2003
    http://en.wikipedia.org/wiki/Iraq_Body_Count_project

  • By Omar Abo-Namous, 25. März 2007 @ 13:50

    @Maria: dass es einen Unterschied zwischen “gewünscht” und “expected” gibt, das ist dir klar, oder? Ich finde es sinnvoll, mit den umliegenden Ländern zu vergleichen.

  • By Melantrys, 25. März 2007 @ 19:26

    Natürlich sind die Zahlen der Lancet-Studie umstritten; die will ja keiner hören. Sie haben sich die Totenscheine der verstorbenen Familienmitglieder der Befragten zeigen lassen, was sollten sie sonst noch tun? Auf dem Friedhof buddeln gehen?

    Und anders als so kommt man an die Zahlen nun einmal nicht heran; die irakische Regierung ist selber nicht sehr interessiert daran, daß die Zahlen öffentlich werden. Immerhin werfen sie ein schlechtes Licht auf ihre Sicherheitsmaßnahmen. Es wäre so einfach, die Krankenhäuser Todesfälle offiziell für solche Zwecke registrieren zu lassen. Ist aber nicht erwünscht…

    Und ob es nun eine Million sind, oder jetzt erst die 650.000 der Lancet-Studie vom letzten Jahr erreicht sind… zuviel ist zuviel.

    Und so langsam habe ich - gelinde gesagt - die Schnauze voll von all diesen Rechtfertigern. Wer nicht auf seinem Blog den Kommentar eines inzwischen Toten hat und nicht schon mal versuchen mußte, einen Freund über hunderte von Kilometern hinweg zu trösten und sich bei einer dieser Gelegenheiten Fotos von jungen Studenten angucken durfte, die leider alle tot sind, sollte vielleicht manchmal einfach mal die Klappe halten.

  • By Maria, 25. März 2007 @ 21:56

    @Melantrys
    nur um das klarzustellen: Mit “Rechtfertiger” fühle ich mich nicht angesprochen. Ich habe an anderer Stelle die Lancet Studie durchaus auch schon verteidigt.
    Und, nein, ich finde nicht, daß andere als ein paar handverlesene Blogger zu dem Thema “einfach mal die Klappe halten” sollten. Ich denke auch nicht, daß das im Sinne der Toten ist.

    Wovon ich - ganz allgemein - die Schnauze voll habe sind Leute, die Fakten verdrehen damit sie ihnen in die Weltanschauung passen (siehe auch “truthiness”), und die unangenehmen Fragen ausweichen, nicht zuletzt indem sie den Frager angreifen (siehe auch “stay on message”). Und das wirklich von allen Seiten.

    Mein Beileid.

  • By Maria, 25. März 2007 @ 21:58

    @Omar
    Dr. Gideon glaubt nicht und behauptet auch nicht, daß die Sterblichkeitsrate vor dem Krieg im Irak 4.0 WAR. Er meint, sie HÄTTE 4.0 SEIN SOLLEN, weil es keine 12 Jahre Sanktionen hätte geben sollen. Und auf diese willkürliche Annahme basiert er seine Hochrechnung.
    Erklär mir mal, warum das für die Berechnung von tatsächlichen Toten sinnvoll ist. Wirklich, versuch es mal.

  • By Omar Abo-Namous, 25. März 2007 @ 23:23

    @Maria: Er versucht ja einen Anhaltswert zu bekommen. Die These geht in die Richtung, dass unter den 5.5/1000/a einige Tote waren, die durch die Sanktionen gestorben sind. Wieviele kann man jetzt wahrscheinlich nicht sagen. Trotzdem ist das ja nicht Wunschdenken, sondern es ist sinnvoll, Nachbarländer als Anhaltswert zu nehmen. Diese Sanktionen sind nun weg - und die Sterbefälle werden mit durch den Krieg hervorgerufene Tode ersetzt und “erweitert”.

  • By David, 25. März 2007 @ 23:37

    Der Vergleich mit dem Holocaust ist vielleicht unfair, denn der Irak befindet sich mitten in einem Buergerkrieg. Aber es stimmt, dass viele Amerikaner die Wahrheit nicht wissen wollen.

  • By Melantrys, 26. März 2007 @ 01:03

    @ Maria: Wie Omar sagt, die Sanktionen sind vorbei, also muß man sich eine Rate suchen, die einem Irak ohne Krieg oder Sanktionen entsprechen würde. Von daher ist es sinnvoll, sich an Nachbarländern zu orientieren.

    Ja, tut mir leid, wer expected verdreht mit gewünscht übersetzt, damit man in dem Zusammenhang besser eine noch niedrigere erwartete Todesrate vorschlagen und den Satz “Und schon haben wir den USA noch mal ein paar zehntausend Tote angehängt!” unterbringen kann, muß sich nicht wundern, wenn er als Rechtfertiger verstanden wird…

    … und daß dann Leute (die sich übrigens nicht als elitäre alleinig des Kommentierens würdige Experten verstehen), die Iraker kennen, einfach irgendwann mal die Schnauze voll haben und extrem reagieren, ist vielleicht auch verständlich…

    @ Omar: Sorry, dude….

  • By Lara, 1. April 2007 @ 21:30

    Die im Lancet veröffentlichte Studie der Johns-Hopkins-Universität war zwar umstritten, allerdings war die Kritik daran fehl am Platze. Daran kann man sehen, wie unehrlich und substanzlos nicht nur die britische Regierung und die vielen Stimmen in Blogs, Foren und Leserbriefen argumentierten, als sie die Glaubwürdigkeit der unangenehm negativen Ergebnisse der Studie komplett in Frage stellten:

    Ministers were told not to rubbish Iraq deaths study | Iraq | Guardian Unlimited
    “[…] The study, by the Johns Hopkins School of Public Health, prompted worldwide alarm when it was published in the Lancet medical journal in October last year.

    It estimated that 655,000 Iraqis had died due to the violence in the country. It has now emerged chief advisers warned ministers not to “rubbish” the report.

    At the time, both the British and US governments were quick to dismiss the peer reviewed study. The Foreign Office said it was based on a “fairly small sample …extrapolated across the country”. Iraqi government data was more likely to be accurate, it added.

    The US was more blunt. President George Bush said: “I don’t consider it a credible report.”

    However, according to papers obtained by the BBC World Service’s Newshour programme under the Freedom of Information Act, senior officials warned the methods used in the survey were “robust” and “close to best practice”. […]”
    http://www.guardian.co.uk/Iraq/Story/0,,2043417,00.html

    Die britische Regierung wurde von ihren eigenen Beamten gewarnt, dass die Studie akkurat ist, auf einer anerkannten Methode zur Ermittlung der Todesopfer in Krisengebieten, die z.B. im Konflikt im Kongo eingesetzt wurde, basiert und dass die Zahlen nicht anzuzweifeln sind. Sie haben trotzdem die Zahlen geleugnet und die Medien haben mal wieder versagt und alles, was diese Lügner von sich geben, kritiklos und unkorrigiert weitergegeben.

    BTW: Die Diskrepanz zu den Zahlen von Iraqbodycount, die von den gleichen Medien dann plötzlich als die alleinige Wahrheit ausgegeben wurden, ergibt sich schon daraus, dass IBC nur solche Fälle zählt, bei denen der Tod aus mehreren, unabhängigen Quellen bestätigt wird. Die Zahlen der Studie und von IBC könnten nur dann gleich oder ähnlich sein, wenn jeder Tote im Irak in mehreren Zeitungen unabhängig voneinander bestätigt wäre. Das ist dann doch recht unwahrscheinlich.

    Ebenfalls zum gleichen Thema:

    A monstrous war crime | Guardian daily comment | Guardian Unlimited
    http://www.guardian.co.uk/comment/story/0,,2044157,00.html

  • By Maria, 11. April 2007 @ 10:56

    @Lara
    Da sind wir ja mal einer Meinung!
    Die Lancet-Studie achtet wissenschaftliche Methoden und Standards und sollte weder so beiläufig diffamiert werden, noch so haarsträubend “nach oben korrigiert” und entstellt werden.
    Man darf und sollte darauf hinweisen, daß die Studie einen 95% confidence interval nur für 392,979 bis 942,636 Tote hat, also in einem breiten Rahmen. Aber einfach Zahlen ignorieren, die einem nicht in die Weltanschauung passen, sei es Bush oder sonstwer: das ist inakzeptabel.

    @Omar

    …Anhaltswert…
    Diese Sanktionen sind nun weg - und die Sterbefälle werden mit durch den Krieg hervorgerufene Tode ersetzt und “erweitert”.

    Hm, wie bitte? (Sanktions)Sterbefälle werden durch (Kriegs-und Bürgerkriegs-) Tode ersetzt und erweitert?
    ???

    Ich habe mir ein anschauliches (stark vereinfachtes!) Beispiel ausgedacht, um Polyas absurde Lancet-Umrechnung zu verdeutlichen:

    Türkenhochrechnung in Deutschland nach der Dr. Polya-Methode….

    Wir wollen die Zuwanderung von Türken zwischen Mitte der 80er Jahre und 2004 in Deutschland berechnen, indem wir -da, wo es uns paßt- Daten wissenschaftlicher Studien zum türkischen Bevölkerungsanteil benutzen und -da, wo die uns nicht passen- eigene “Erwartungswerte” einsetzen.
    Nach dem Anwerbestopp für Türken 1973 und 1983-84 Rückkehrhilfen (bis zu 10.500 Mark pro Erwachsenem und 1.500 Mark pro Kind) erwarten wir in Deutschland Mitte der 80er Jahre nicht mehr türkische Wohnbevölkerung als in einem Land ohne Gastarbeiteranwerbung (expected!). Deshalb nehmen wir für den türkischen Bevölkerungsanteil einfach den des benachbarten Polen (sagen wir mal 0,0001% o.s.ä.), statt des realen türkischen Bevölkerungsanteils in Deutschland.
    Und wenn wir jetzt diesen “Anhaltswert” mit den ca. 2,1 Millionen Türken und 0,65 Millionen eingebürgerte Türken (2004) verrechnen, kommen wir zu einer Zuwanderungsflut von über 2,5 Millionen Türken innerhalb von 20 Jahren.

    Politisieren wir das ganze doch noch nach Polyascher Manier: Die eingewanderten Türken sind 2,5 Millionen Wirtschafts- und PKK-Bürgerkriegsflüchtlinge der Türkei der 80er und 90er Jahre.

    Jetzt verstanden, warum ich Polyas Hochrechnungen für “Propaganda mit Milchmädchenrechnungen” halte?

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