Necla Kelek - weil alle anderen keine Ahnung haben?
Sonntag, 11. März 2007, 00:39
Durch den Beitrag bei David “how wrong they were” bin ich auf die Debatte auf perlentaucher.de (englisch) gestossen, in der es darum geht, wen der Westen in der islamischen Welt unterstützen sollte..
Wen soll der Westen unterstützen: Gemäßigte Islamisten wie Tariq Ramadan oder islamische Dissidenten wie Ayaan Hirsi Ali? Hat die Gruppe höhere Rechte als das Individuum? Pascal Bruckner hat mit seiner Polemik gegen Ian Burumas Buch “Murder in Amsterdam” und gegen Timothy Garton Ashs Artikel zu diesem Buch in der New York Review of Books eine internationale Debatte ausgelöst. Auf Bruckners Artikel haben Ian Buruma und Timothy Garton Ash inzwischen geantwortet. Necla Kelek schreibt: Der Islam ist nicht so stark in sich differenziert, wie es Ian Buruma gerne hätte. Und Paul Cliteur meint: Religiöser Terrorismus ist keine Reaktion auf zu heftige Kritik am Islam. Auch Lars Gustafsson, Stuart Sim und Ulrike Ackermann haben eingegriffen. Weitere Artikel folgen.
Dass die Frage in höchstem Masse kolonialistisch ist, brauche ich wohl nicht herauszuarbeiten - auch wenn hier weniger von Staaten die Rede ist. Die Idee ist offensichtlich die, dass man interne Auseinandersetzungen zwischen Muslimen von außen leiten möchte - etwas, was man aber andersherum nie hinnehmen würde..
Vielmehr geht es mir um Necla Keleks Antwort auf Ian Buruma, in der sie sich selbst als Autorität darstellt, wenn es um islamische Themen geht.
Offensichtlich weiß Mr. Buruma nicht, wovon er spricht, wenn er vom Islam spricht.
Gleichzeitig sprechen ihre Worte eine deutlich andere Sprache.
Islam ist anders
So behauptet Frau Kelek, dass die Prämisse “Islam ist anders” eine Stereotype wäre, die so nicht haltbar sei. Tatsächlich werden die islamischen Glaubensriten überall gleich praktiziert, genauso wie das Glaubensbekenntnis überall dasselbe ist. Das heißt, dass Muslime überall auf der Welt an einen Gott glauben und an seinen Propheten Mohammad, und das fünfmalige Gebet am Tag, das Geben der Almosen, das Fasten des Ramadanmonats, sowie die Pilgerfahrt zu den Grundsäulen des Islams zählen1. In allen anderen Bereichen gibt es durchaus Unterschiede - und das nicht nur über große Distanzen!
Blutrache
Frau Kelek bedient sich der von 45 Außenministern unterzeichneten “Kairoer Erklärung der Menschenrechte”, um eine offensichtlich gefährliche soziale Realität des Islams darzustellen. Dazu gehört ihrer Meinung nach eine aus dem Art. 2 d) der Erklärung sowie dem 33. Vers in der Sure Al-Isra’ (17) hergeleitete Blutrache. In der Kairoer Erklärung heißt es dazu:
2 d) Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird garantiert. Jeder Staat ist verpflichtet, dieses Recht zu schützen, und es ist verboten, dieses Recht zu verletzen, außer wenn ein von der Scharia vorgeschriebener Grund vorliegt.
Im Entsprechenden Vers heißt es in einer ungefähren Übersetzung:
Und tötet keinen Menschen - Allah hat Leben unverletzlich gemacht -, es sei denn mit Berechtigung. Wurde aber jemand rechtswidrig getötet, so geben Wir seinem nächsten Verwandten Vollmacht (zur Vergeltung). Doch er sei im Töten (der Mörder) nicht maßlos. (Unsere) Hilfe ist ihm gewiß. (Koran, 17, 33)
Necla Kelek zitiert den Vers zunächst einmal nicht komplett (das Verbot der Maßlosigkeit wird schnell mal versteckt). Dann macht sie aus der “Vollmacht zur Vergeltung” eine “Vollmacht zur Rache”. Während also sowohl Vers, als auch Artikel eine Todesstrafe nicht ausschließen, geht Frau Kelek davon aus, dass hier der Verwandte des Getöteten sich auf den Weg zu machen hat, um den Mörder selbst zu lynchen.. Nicht nur, dass muslimische Gelehrte schon seit langem festgelegt haben, dass eine solche Justiz nur von einer Staatsgewalt auszugehen hat und eben nicht von der Einzelperson, gerade gegenteilig fordert der Islam auf, zu vergeben:
Vergeltung werde aber nur im gleichen Ausmaße geübt. Wer jedoch vergibt und Frieden schließt, dessen Lohn ist bei Allah. Er liebt fürwahr die Ungerechten nicht. (Koran, 42:40)
Frauenrechte
Dann begibt sich Frau Kelek auf eine (Ver-)Irrfahrt, um zu beweisen, dass der Islam eine Gleichberechtigung der Geschlechter nicht vorsieht. Wieder zitiert sie zunächst einen Artikel aus der Kairoer Erklärung, “vergisst” aber diesen komplett wiederzugeben. So heißt es in Artikel 6:
Die Frau ist dem Mann an Würde gleich, sie hat Rechte und auch Pflichten, sie ist rechtsfähig und finanziell unabhängig, und sie hat das Recht, ihren Namen und ihre Abstammung beizubehalten.
Frau Kelek zitiert nur den ersten Teil dieses Satzes und weist darauf hin, dass darin nur von Würde, nicht aber von Rechten die Sprache ist!
Gleichberechtigung ist in dieser Erklärung nicht vorgesehen, sondern es heißt in Art. 6: “Die Frau ist dem Mann an Würde gleich” - an “Würde”, nicht an Rechten, denn so der Koran, Sure 4, Vers 34: “Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott sie von Natur vor diesen ausgezeichnet hat” und damit sind sie zu sozialer Kontrolle und Denunziation legitimiert… (Kelek)
Der Vers, den Frau Kelek erwähnt wird von ihr offensichtlich dermaßen verstellt, dass der Leser ihr bei der Schlussfolgerung zwangsläufig zustimmen muss. Tatsächlich wird dieser allerdings bspw. bei Amir Zaidans hervorragendem “At-Tafsir”2 folgendermaßen übersetzt:
Die Ehemänner tragen Verantwortung den Ehefrauen gegenüber wegen dem, womit ALLAH die einen vor den anderen ausgezeichnet hat, und wegen dem, was sie von ihrem Vermögen ausgegeben haben. (Koran, 4:34)
Wie sie hieraus eine Legitimation zu “sozialer Kontrolle und Denunziation” versteht, bleibt unverständlich. Auch ihr Verweis auf den 22. Artikel der Kairoer Erklärung schafft darin keine Klarheit:
…wie Artikel 22 der Kairoer Erklärung deutlich macht: “Jeder Mensch hat das Recht, in Einklang mit den Normen der Scharia für das Recht einzutreten, das Gute zu verfechten und vor dem Unrecht und dem Bösen zu warnen.” Das ist der Koran, verkündet im siebten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung und heute noch für Muslime verbindlich.
Wie man von “das Gute verfechten und vor dem Unrecht und dem Bösen warnen” zu pauschaler Denunziation kommt, kann wahrscheinlich nur ein Mensch erklären, der es für schick hält, eine ganze Gruppe von Menschen (z.B. Muslime) zu denunzieren..
Nächstenliebe
Den größten Patzer erlaubt sich Frau Kelek bei der Aussage
Die Nächstenliebe ist der islamischen Religion genauso fremd wie die Seelsorge.
Ich weiß nicht, wie man zu dieser Auffassung kommen kann, wenn man im Koran liest oder muslimische Gelehrte anhört. Tatsächlich gehört die Nächstenliebe in Form der Fürsorge zu den Grundlagen des islamischen Gesellschaftsverständnisses:
In the Qur’an there are five words used for charity: Zakah (obligatory charity), sadaqah (charity), khairat (good deeds), ihsan (kindness and consideration), infaq fi sabil Allah (spending for the sake of Allah).
Why is there so much emphasis on charity and generosity? Because charity elevates the human personality by removing selfishness, greed and materialism. It creates compassion, care, love and kindness. It makes a person more thankful to Allah. It helps those who are in need and it provides funds for good causes and for community projects.
In der Sure Aali-Imran (3) Vers 92 heißt es:
Ihr werdet (die Belohnung für) das gottgefällige Handeln nicht erhalten, bis ihr von dem spendet, was ihr liebt. Und egal was ihr spendet, darüber ist Allah gewiß allwissend.
Weiterhin in den Versen 133 und 134 derselben Sure:
(133) Und wetteifert um die Verzeihung eueres Herrn und einen Garten, der weit ist wie die Himmel und die Erde, bereitet für die Gottesfürchtigen, (134) Die da spenden in Freud und Leid und den Zorn unterdrücken und den Menschen vergeben und Allah liebt die Gutes Tuenden (Koran, 3:133-134)
Der Islam hat sogar die Fürsorge gegenüber Armen, Waisen und sogar Durchreisenden u.a. als Verpflichtung etabliert. Das Geben wird dadurch zur Grundvoraussetzung für eine heile Gesellschaft.
[Der Prophet Mohammad sas sagte] “Jedem Muslim obliegt die sadaqa.” Die Leute fragten: “Und wenn er nichts findet (was er geben könnte)?” Er antwortete: “Dann soll er von der Arbeit seiner Hände leben und (davon) Almosen geben.” Sie sagten: “Wenn er dazu nicht imstande ist oder es nicht getan hat?” Er antwortete: “Dann hilft er einem verzweifelten Bedürftigen.” Sie fragten: “Und wenn er das auch nicht getan hat?” Er antwortete:” Dann fordert er (andere) zum Guten auf.” Sie fragten: “Und wenn er das (auch) nicht getan hat?” Dann enthält er sich des Bösen. Denn das ist sadaqa.”
Die “Initiative muslemischer ÖsterreicherInnen” hat dieser Thematik einen Artikel gewidmet, dem ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Weiterhin kann der geneigte Leser einen Aufsatz von Peter Heine nachlesen, in dem er über “Solidarität und Nächstenliebe im Islam” mit heutigem Praxisbezug berichtet.
Denunziantin von Beruf
Frau Necla Kelek versucht auf Gedeih und Verderb eine grundsätzliche Schlechtheit des Islams herauszuarbeiten und verteidigt dabei Frau Ayaan Hirsi Ali (Magaan), die ihrerseits Muslime mit Nazis vergleicht. Frau Kelek selbst ist nicht weit davon entfernt, Muslimen im Kollektiv das “Verschwören zur Weltherrschaft” zu unterstellen. Muslime scheinen in ihrer Vorstellung nichts anderes zu tun zu haben, als das Leben anderer verändern zu wollen..
Es geht den islamischen Betreibern von Stränden, von Krankenhäusern oder Moscheen nicht um humane Anliegen, es geht auch nicht um religiöse Kategorien, sondern es geht darum, die vertikale Trennung von Männern und Frauen in den demokratischen Gesellschaften zu etablieren.
Wie verzweifelt Frau Kelek dabei vorgeht, erkennt man an der folgenden Aussage, mit Hilfe derer sie eine grundsätzliche Inkompatibilität zwischen Menschenrechten und islamischem Menschenbild zu konstruieren versucht:
Und schon in der Präambel heißt es, im Gegensatz zur Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte der Vereinten Nationen: “Die Mitglieder der Organisation der Islamischen Konferenz betonen die kulturelle Rolle der islamischen Umma, …
Anders als in demokratischen Verfassungen ist hier nicht vom Individuum die Rede, sondern von der Umma, der Gemeinschaft der Gläubigen, vom Kollektiv.
Frau Kelek: Die US-amerikanische Verfassung fängt auch mit “We, the people” an. Steht diese denn damit im Widerspruch zur Menschenrechtserklärung?
Hätte sie nur geschwiegen…
Category: Islam, Politik, medien
Tags: frauen, Islam, Koran, medien, Menschenrechte, muslime, Naechstenliebe, Necla_Kelek, perlentaucher, Politik
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Kommentar von Melantrys
Made Sonntag, 11 of März , 2007 at 02:08
*seufz*
Solche Leute regen mich immer doppelt auf. Nicht nur, daß sie sich mit ihren Äußerungen als Faschisten outen, so schaden sie doch eher “ihrer Sache”, als daß sie ihr nützen.
Es ist ja nun einmal tatsächlich so, daß in einigen muslimischen Ländern einiges an Ungerechtigkeiten geschieht, was angeblich so im Islam vorgeschrieben ist (nur mal das Beispiel Beschneidungen - oder besser Verstümmelungen - von Frauen). Das sind Dinge, die in der Tat dringend geändert werden müssen - allerdings sinnvollerwiese von innen heraus, als daß sich da jemand als großer westlicher Besserwisser aufspielt.
Den Islam (der soche Dinge ja nun eben nicht vorschreibt), als Religion der durchgeknallten frauenverachtenden Terroristen darzustellen und pauschal zu verteufeln, ist da doch eher kontraproduktiv.
Davon mal ganz abgesehen, halte ich es auch für ziemlich absurd, blutrünstige Koran-Zitate anzuführen (meines bescheidenen Wissens gibt es da ja durchaus welche), da der Koran vor langer, langer Zeit niedergeschrieben wurde, und auch andere Bücher vergleichbaren Datums ähnliche Grausamkeiten enthalten. Ich denke da zum Beispiel an das Alte Testament der Bibel…. ![]()
Kommentar von Özlem
Made Montag, 12 of März , 2007 at 15:08
Salaam miteinander,
ich googelte gerade etwas über den Islam, da fiel mir unter den Ergebnissen die Seite http://www.akte-islam.de auf – dort musste ich dann lesen:
„Etwa 15.000 der in Frankreich lebenden Muslime konvertieren pro Jahr zum Christentum. Vor ihren Familienangehörigen müssen sie diese Gewissensentscheidung geheim halten. Rund 10.000 von ihnen werden Katholiken, etwa 5000 Protestanten. Weltweit konvertieren järhlich etwa sechs Millionen Muslime zum Christentum. (Quelle s0000293@owl-online.de )“
Warum nur verlassen soviele unsere schöne Umma? Ich verstehe es einfach nicht!
Und wie sollen wir darauf reagieren?
Wassalaam
Özlem
Kommentar von ibo
Made Montag, 12 of März , 2007 at 21:45
@Özlem:
unsere nette Schwester hier scheint ein ernsthaftes Problem zu haben… Denselben Kommentar hat sie auch in meinem Blog hinterlassen
Bei mir hatte sie allerdings (aus versehen?) die Adresse zu ihrem Blog gepostet. Aufgrund dieser Adresse bin ich am zweifeln, ob Özlem tatsäch schlaflose Nächte hat, oder ob dies nicht doch nur ein Versuch ist, Traffic auf den genannten Sites zu erzeugen…
Grüss bitte Adnan von mir. Seine Kommentare werde ich inschaALLAH bald mit einem eigenen Blog-Eintrag würdigen ![]()
Kommentar von reem
Made Dienstag, 13 of März , 2007 at 16:31
ich fand die zahlen so recht interessant zusammengestellt.. passt nur der nebensatz nicht, die betreffenden verheimlichen ihre abkehr vom islam.. (oder tun sie dies NUR vor ihren angehörigen, gehen aber zu den behörden und melden den umstand??!)
nicht schlechter zug ibo!
Kommentar von ibo
Made Mittwoch, 14 of März , 2007 at 01:06
@reem: welcher Zug?
Kommentar von ibo
Made Mittwoch, 14 of März , 2007 at 01:27
Sorry, wenn das jetzt wie Spam aussieht. War von Özlems Eintrag so überwältigt, dass ich Melantrys Kommentar erst jetzt zur Kenntnis genommen habe
@Melantrys:
Zum Thema Frauenverstümmelung… Es ist nicht nur so, dass der Islam das nicht vorschreibt! Es ist vielmehr so, dass sich gerade erst im Februar mehrere Islamische Gelehrte und internationale Mediziner zu einer Konferenz zusammengefunden haben, deren Ergebnis eine Ächtung dieser Grausamkeit war.
Somit ist endlich offiziell, was vielen schon lange klar war: diese Praxis widerspricht dem Islam.
Kommentar von Melantrys
Made Mittwoch, 14 of März , 2007 at 08:16
@ ibo: Mich erst jetzt zur Kenntnis genommen…? *heul*
Yup, hatte darüber gelesen, daß das “amtlich” werden sollte, daß das nicht vom Islam so gedacht ist. ![]()
Kommentar von Melantrys
Made Donnerstag, 15 of März , 2007 at 22:29
Mir fiel dann gestern noch die einzig wahre Antwort ein (vor allem in Anbetracht des Themas), die wurde dann aber leider vom Umzug des Blogs verspeist. Was ja irgendwie passend ist, lol.
Langer Rede kurzer Sinn:
@ ibo: Das ist ja auch wieder typisch für den Islam, daß Frauen einfach übersehen werden. ![]()
Kommentar von ibo
Made Freitag, 16 of März , 2007 at 00:37
zurück!
Weil nämlich: ich hab ja den Eintrag übersehen / ignoriert, bevor ich überhaupt Dein Geschlecht kannte. Und Özlem ist auch eine Dame
Ich hab also die eine Dame aufgrund einer anderen übersehen. Und das ist ja bitte mal einfach nur menschlich.
So!
Zum Thema: um’s nochmal zu unterstreichen: der Beschluss unterstreicht erneut, dass der Islam zum Thema keine neutrale Haltung einnimmt, sondern vielmehr eine oppositionelle!
Kommentar von Melantrys
Made Freitag, 16 of März , 2007 at 10:39
Hah! Alles faule Ausreden.
Zum Thema: Mir mußte das nicht sagen.
Allerdings fürchte ich, daß man das in den Ländern, in denen so etwas gemacht wird, immer wieder und wieder wird sagen müssen. Wenn sich “religiöse” Traditionen erst einmal über eine so lange Zeit in den Köpfen der Menschen festgefressen haben, wird es schwer sein, das zu ändern.
Ahhhh, aber lassen wir das…
Kommentar von 2020
Made Montag, 19 of März , 2007 at 06:25
Das Bild, das man sich in den nicht-muslimischen, westlichen Gesellschaften vom Islam macht, ist vorwiegend von Extremen gekennzeichnet, die ich hier nicht im Einzelnen darlegen muss. Das grösste Problem bei einer derart geführten Diskussion ist also selbst fundamentaler Natur: Mit extremen Beispielen kann man eben für und gegen alles argumentieren, und sogar die Einlassung, dass es auch ‘moderate Muslime’ gibt, ist in Wahrheit nur ein polemischer Trick, die Konturen der ‘Fundamentalisten’ um so stärker hervortreten zu lassen.
Ich habe den Eindruck, dass sowohl ‘unsere’ Hardliner als auch ‘deren’ sich eher in einer Symbiose als im Widerstreit befinden, die eine Seite legitimiert sich stets mit der anderen.
Der Islam ist bekanntlich keine hierarchisch strukturierte, quasi monolithische Religion wie z.B. das Christentum, im Gegenteil. Je weiter entfernt von den geographischen Wurzeln des Islam, um so freier, kulturell eigenständiger dessen Adaption. Das islamische Spektrum zwischen Marokko, Saudi-Arabien und Indonesien ist überaus breit und vielfältig. Jede einzelne muslimische Nation, jede Region, muss gesondert für sich untersucht werden. Statt Pauschalvorwürfe zu erheben, darf und muss Kritik zwar dort angebracht werden, wo sie berechtigt ist, aber sehr viel wichtiger ist es noch, auch mit Lob nicht zu sparen, um ermutigende Entwicklungen zu fördern.
Wie zum Beispiel in Marokko, wo unter dem Einfluss der malikitischen Rechtsschule eine moderne, islamische Gesellschaft entsteht. Marokko ist wohl nicht nur geographisch die westlichste aller muslimischen Nationen.
Wir sehen scharf und überlebensgross über weiteste Entfernungen jeden Fanatiker in Peshawar und Teheran, aber das, was sich vor Europas Haustür abspielt, sehen wir nicht. Am Fusse des Leuchtturms ist es eben am dunkelsten.
Kommentar von Tugba
Made Montag, 19 of März , 2007 at 11:39
Salam, Grüß Gott,
und dann wird diese Frau noch zur Islam-Konferenz eingeladen…
http://www.toomuchcookies.net/archives/810/was-ist-eine-islam-konferenz.htm
Wahrlich verrückte Zeit, in der wir leben.
Kommentar von Tugba
Made Montag, 19 of März , 2007 at 11:45
übrigens:
Tariq Ramadan ist gemäßigter “Islamist”???
Frau Hirsi ist “islamische” Dissidenten???
Sie ist eine Andersdenkende UND Andersgläubige.
Kommentar von Rainer
Made Donnerstag, 22 of März , 2007 at 22:37
“Wahrlich verrückte Zeit, in der wir leben”, meint Tugba.
Am verrücktesten finde ich allerdings noch, dass eine in entscheidenden Punkten ANTIdemokratische Religion wie der Islam (die ihre Anhänger ggf. unter Androhung der Todesstrafe gleichsam in Geiselhaft hält - siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Apostasie_im_Islam) weiterhin den Schutz der Religionsfreiheit genießt, anstatt VERBOTEN zu werden!
Kommentar von Omar Abo-Namous
Made Mittwoch, 28 of März , 2007 at 13:31
@Rainer: gehe ich richtig in der Annahme, dass du dich auch als freiheitsliebender Mensch verstehst?
Wahrscheinlich ist darunter aber deine eigene Freiheit gemeint, anderen Menschen Vorgaben zu machen, wie sie ihr Leben zu leben haben und wie sie ihre Religion zu verstehen haben..
Kommentar von Ch.H
Made Montag, 23 of Juli , 2007 at 12:18
Es ist doch bezeichnend für die Arroganz und Überheblichkeit von Euch Muslimen, wenn ein Herr aus Andernach einem ehemaligen Auschwitzopfer mangelndes Demokratieverständnis vorwirft.1954 wurde in Saudi Arabien die letzte kleine Holzkirche niedergebrannt und die letzten Gemeindeglieder im Auftrag Eures Gottes getötet.Ihr zerstört im Irak christliche Kirchen, in Thailand brennt Ihr Pagoden nieder, schändet in Pakistan christliche Mädchen, zerstört in Indien Hindutempel,sprengt in Tunesien Synagogen in die Luft, ermordet in der demokratischen Türkei christliche Mitbürger. Im Kosevo, wo ihr jetzt die Mehrheit besitz, zerstört Ihr 1000 Jahre altes christliches Kulturgut. Und ausgerechnet Leute wie Ihr gebt Euch unschuldig und vordert Tolleranz ein. In Eurem Sinne war sicherlich auch Eichman ein Opfer zionistischer Justiz, sind doch Juden für Euch,wie man in arabisch-islamischen Kindersendungen sehen kann, schlimmer als Schweine und Affen. Was hat der Islam der Menschheit an Positivem gebracht? Ich habe Augen und kann sehen.Ich habe Ohren und kann hören.Betrug ist Euch von Eurem Gott geboten. Meiner fordert von mir die Wahrheit. Mein Gott ist die Liebe. Für Euren Gott gibt es 99 Namen ,nur fehlt die Liebe.Bei uns steht Sexualität im Zeichen der Liebe, bei uns kennt man weder misja-Ehen noch mut`a Ehen.Mein Glaube verspricht mir keinen Sex im Himmel mit 72 Jungfrauen, wenn ich einen Andersgläubigen umbringe. Im Hamasfernsehen beruft man sich auf die Suren42,44,52,56. Was für ein Unterschied. An ihren Taten sollt Ihr Sie erkennen. Nun die Welt weiss von Afghanistan, von Pakistan, von Nigeria,Kenia,Tansania London ,Madrid,Gaza,Libanon,Irak.Mord ,Terror und Gewalt ,alles für Euren Gott. Und da sollen sehende und hörende, achtsame Menschen Euren Demokratiebeteuerungen trauen? Ihr besteht doch schon jetzt unverholen auf der Rechtsgültigkeit Eurer Scharia, die in keinster Weise mit dem Grundgesetz konform geht. Unser Grundgesetz sieht es nicht vor, dass scheidungswillige Frauen bis zur Hälfte eingegraben und dann gesteinigt werden sollen. Es sieht auch kein Strafgesetzbuch vor, einem Dieb die Hände abzuhacken.Das sind Eure Rechts-und Moralvorstellungen.Das ist der wahre Islam.Nur die Wirklichkeit sagt etwas aus. Und kommt nicht mit dem alten Schmarrn vom Kolonialismus oder dem Unsinn von den bösen Kreuzrittern. Wer die Heiligtümer anderer schändet, darf keinen Danke erwarten. Bei allem was gesagt ist, zählt für eine Mehrheit der Bevölkerung Eure Integrationsfähigkeit hier im Lande. Da muss ich mir nur Berlin oder NRW betrachten. Da sieht dann jeder, welch demokratische und kulturelle Bereicherung Ihr für dieses Land seid.Natürlich gilt auch für Euch die Meinungsfreiheit, das ist euer verfassungsmäßiges Recht. Aber kein Muslim hat das moralische Recht, einen Mann wie Ralph Giordano zu kritisieren.
