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Gleichmässiger Stellenabbau ein voller Erfolg!

Donnerstag, 1. März 2007, 03:25

Dass der Stellenabbau vor allem zwischen den weniger (aus)gebildeten Menschen kommen wird sollte jedem inzwischen klar sein. Teilweise braucht man inzwischen tatsächlich nicht so viele Arbeiter, da sie sehr einfach durch Maschinen und zunehmende Automatisierung ersetzt werden können, andererseits muss auch dem letzten Schwachkopf aufgehen, dass das moderne Management eines großen Unternehmens im Notfall nicht im Mindesten daran interessiert ist, wie es dem einzelnen Ex-Mitarbeiter geht. Wieso sollte er auch? Schließlich ist der Manager auch nur daran interessiert, sein persönliches Vermögen zu maximieren1.

Umso unverständlicher ist in meinen Augen die Reaktion von Politikern zur Entscheidung des EADS-Konzerns, etwa 10.000 Stellen abzubauen, was gemeinhin als Sanierungsprogramm verkauft wird. Dazu Christian Wulff:

“Die Niedersächsische Landesregierung begrüßt die Standortsicherung der zivilen Luftfahrt in Norddeutschland. Es ist eine gute Nachricht, dass die norddeutschen Werke die Federführung für den Kurzstreckenflieger A 320 neu sowie die Rumpfproduktion und Kabinenausstattung des Langstreckenfliegers A 350 erhalten – und das Werk in Stade zu einem Kompetenzzentrum für Kohlefasertechnologie ausgebaut wird. Das ist ein großer Erfolg der gemeinsamen Bemühungen der norddeutschen Länder und der Bundesregierung. Wir haben aktiv dazu beigetragen, das deutsch-französische Gleichgewicht bei EADS zu erhalten und Fairness bei Überwindung der Krise durchzusetzen”, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff heute in Hannover.

Herr Wulff war nicht der einzige, der die Verhandlungsweisheit der “deutschen Seite” hochgelobt hat -

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat das Airbus-Sanierungskonzept als ausgewogen begrüßt. Die deutschen Interessen bei der Verteilung der Lasten als auch der Zukunftstechnologien seien berücksichtigt worden, sagte Glos am Mittwoch in Berlin. Wichtig sei jetzt, dass die Beschlüsse zusammen mit den Arbeitnehmervertretern zügig und einvernehmlich umgesetzt werden. Die Bundesregierung werde die Umsetzung genau verfolgen. Er vertraue aber auf die Zusagen des Managements bezüglich des Arbeitsplatzabbaus sowie der Arbeitsteilung für die unterschiedlichen Airbus-Standorte.

Die Zusagen, von denen Herr Glos spricht, betreffen einen “sozialverträglichen” Stellenabbau in den ersten drei bis vier Jahren. Aber am wichtigsten scheint ihm tatsächlich zu sein, dass Deutschland gegenüber Frankreich nicht “über den Tisch” gezogen wurde..

Katastrophe von allen Seiten!

Der Verlauf der Entscheidungsfindung könnte in meinen Augen schlimmer gar nicht sein und ich kann mir nicht vorstellen, wie die politischen Parteien eine solche Abfindung überhaupt gut finden können - es sei denn, um ihre eigene Arbeit in ein besseres Licht zu setzen..

Zunächst einmal ist aus marktwirtschaftlicher Sicht festzustellen, dass der Staat niemanden2 zwingen kann, die Politik seiner Firma oder der von ihm betreuten Firma zu ändern. Jeder wird versucht sein, das beste für sich selbst zu erwirtschaften. Auf lange Sicht spielt es keine Rolle, wie wir “soziale Verträglichkeit” definieren, denn eines Tages wird sich keiner mehr schämen zu sagen, dass es ihn nichts angeht, dass andere Leute keine Arbeit finden.

Dessen müssen wir uns bewusst sein, wenn es darum geht, zukünftige Stellenabbauten zu konfrontieren. Die Politik hat in der Vergangenheit mit mehr oder minder Erfolg versucht, Subventionen in Aussicht zu stellen, um Verhandlungen mit Arbeitgebern die Würze zu verleihen. Diese Möglichkeit wird zunehmend nicht mehr gegeben sein, denn

  1. Der Staat hat immer weniger Geld, das er zur Bestechung ausgeben könnte3
  2. Die Subventionierung nationaler Industrien wird immer schwerer, wenn sich globale Wirtschaftsinteressen einschalten.

Was dem Staat noch an Hebelkraft bleibt sind Zugeständnisse bei Gesetzen, bei Kontrollfunktionen4 oder bei außenpolitischen Entscheidungen. Der von Wirtschaftsinteressen Einzelner regierte Staat wird dann aber zunehmend Wirklichkeit. Bei genauerem Hinblicken, entpuppt sich ein solches Vorgehen als Anfang eines Teufelskreises, denn die Entscheidungsträger im Staat werden immer abhängiger von den Großunternehmern, die immer weiter die Daumenschraube anziehen können!

Von Fehlern keine Rede

Die aktuelle Debatte hat sich von einer tatsächlichen Lösung des Problems weit gelöst. Die von Politikern gefeierte “Lastverteilung” ist möglicherweise nicht das Beste, was Airbus passieren konnte. Insofern war das ein unnötiger politischer Eingriff, der nur dazu dient, einige der Beteiligten in die Schlagzeilen zu bringen.

Was führt eigentlich zur aktuellen Frage über Stellenabbau? EADS selbst:

„Bezogen auf die Auslieferungszahlen und Absatzleistung war 2006 für uns ein hervorragendes Jahr. Doch wenn wir jetzt nicht handeln, steht unsere langfristige Zukunft auf dem Spiel“, sagte Louis Gallois, der auch als President und CEO von Airbus fungiert, um anzufügen, „dass wir uns voll über die Notwendigkeit im Klaren sind, diese Veränderung gemeinsam und in enger Abstimmung mit unseren Sozialpartnern zu realisieren.“

Airbus wird für 2006 ein negatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ausweisen. Nach den Verzögerungen beim A380-Programm mit einem erheblichen Cash-Bedarf und rückläufiger Gewinnentwicklung bei gleichzeitig beträchtlichem Investitionsbedarf für laufende und künftige Programme, insbesondere für die A350 XWB, konfrontiert. Auf grundlegender Ebene hat zudem allein die Dollarschwäche in nur sechs Jahren zu einer Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Airbus-Mitbewerber um 20 Prozent geführt. „Wir können es uns auf Dauer nicht leisten, zu unseren derzeitigen Euro-Kosten zu produzieren und zu Boeings Dollar-Preisen zu verkaufen“, sagte Louis Gallois.

Natürlich wird gleichzeitig zugegeben, dass die aktuelle Krise hauptsächlich am mangelhaften Management des multinationalen Unternehmens liegt.

Er [Co-Chefs der Muttergesellschaft EADS, Tom Enders] räumte ein, dass im wesentlichen Managementfehler zu der Krise von Airbus geführt hätten. Dass die Verantwortlichen das Unternehmen im letzten Jahr verlassen hätten, habe aber die Krise nicht beendet. “Louis (Gallois) und sein Airbus-Team haben meine volle Unterstützung”, sagte Enders.

Gelöst soll das Problem derzeit darüber, dass Stellen im unteren Managementbereich abgebaut werden. Diese können aber bei aller Ehrlichkeit nicht das Problem sein!

Auslagern der Kostenfaktoren

Aus diesem Grund schlage ich vor, dass das Management in das kostengünstige Ausland ausgelagert wird. Ich bin mir sicher, dass ein ebenso hoch qualifizierter Manager aus Indien, Brasilien oder Ägypten weit weniger kosten würde als sein Pendant aus Deutschland. Und bei Bedarf sind die Ersteren leichter wieder zu entlassen..

Weiterhin5 schlage ich vor, dass der Staat langsam einer Änderung der Arbeitslandschaft nicht durch Beschwichtigung der Massenarbeitgeber entgegenzuwirken versucht, sondern vielmehr darauf setzt, Selbstständige und Neuarbeitgeber zu unterstützen. Bei allen Vorteilen, die große Firmen mit sich bringen, so können sie für die Zukunft immer weniger gesicherte Arbeitsplätze bieten. Alternativen müssen her!


  1. wozu auch immer! []
  2. und ganz besonders keine so einflussreichen Manager, bzw. Anteilseigner []
  3. es sei denn das ganze lässt sich über weiter ansteigende Studiengebühren finanzieren.. []
  4. etwa bei der Monopolaufsicht []
  5. und weil wie oben bereits ausgeführt, niemand einem Manager seinen eigenen Ersatz nahebringen können wird, auch wenn das zur Steigerung der Effektivität führen könnte []
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