Herausforderung an die Wissensgesellschaft
Dienstag, 16. Januar 2007, 13:57
Es ist keine fünf Stunden, da sass ich am Artikel “Konsum und Magie - Warum Rechner nie sicher sein werden!” in dem es um die Wissensgesellschaft ging und ob wir uns überhaupt noch als solche bezeichnen können. Zufällig höre ich dann im Deutschlandfunk folgenden Beitrag: Mehr Wissen, mehr Handlungsfreiheit?
Ja, nein, weiß nicht oder ist mir egal - diese Möglichkeiten stehen zur Wahl. Was einer glaubt, für wichtig und richtig hält, wird allmählich zusehends beliebig. Dabei war es nie einfacher sich kundig zu machen, Informationen einzuholen und alle Aspekte in Rechnung zu stellen. Experten rufen die Wissensgesellschaft aus. Wissen - der neue Rohstoff, der sich selbst vermehrt, eine nie versiegende, stattdessen immer stärker sprudelnde Quelle.
Der Kommentar von Dr. Reinhard Kreissl geht zwar in eine andere Richtung, als die, die ich angegangen bin, aber grundsätzlich geht es um die Hinterfragung der Wissensgesellschaft. Ganz interessant finde ich, dass seine Aussagen sowohl Implikationen für die Demokratie als tragbares politisches System, als auch für die Urheberrechtsfragen haben kann.
Er erwähnt bspw., dass Wissen gemeinhin als Macht interpretiert wird, dies aber nur stimmen dürfte, solange das Wissen einem gehört und nicht Allgemeingut ist. Das ist sicherlich für das eigennützige Individuum richtig, aber in der von opensource-Projekten wimmelnden Welt kann man das nicht mehr sagen. Viele Menschen denken ganz offensichtlich im Kollektiv und versuchen für ein gemeinsames Gut (mehr Allgemeinwissen) zu sorgen.
Tatsächlich zeigen gerade die Opensource-Erfahrungen der letzten Jahre, dass Wissen sehr wohl eine Quelle ist, die nie versiegt und durch Weiterreichen immer reicher wird. Die Rechnung der ersten Pioniere im Bereich der offenen Quelltexte sind aufgegangen und es haben sich immer mehr Menschen mit ihren verschiedensten Erfahrungshorizonten und Ideen eingebracht und haben somit ihren Wissensvorsprung für das Kollektiv aufgegeben.
Die Frage allerdings, ob Wissen gleichzeitig Handlungsspielraum eröffnet, sei noch in den Raum gestellt:
Aber Wissen wozu? Führt mehr Wissen auch zu mehr Handlungsfreiheit? Wissen sei Macht, hieß es, aber nur solange ich etwas weiß, was du nicht weißt. In der Gesellschaft des inflationären Wissens stiftet jede zusätzliche Information eher Verwirrung und jede weitere Dramatisierung fördert die Empfindungslosigkeit. Was hilft es da, sich über das Weltgeschehen kundig zu machen - hat jemand eine Idee, wie die täglichen Katastrophen aus den Abendnachrichten verhindert werden können? Hunger, Bürgerkriege, Umweltzerstörung, Flüchtlingsströme, Gemetzel am anderen Ende der Welt rauschen täglich an jedem, der es sehen und hören will, folgenlos vorbei.
Weiterhin prangert Herr Kreissl die inzwischen fehlende oder aber auf sehr niedrigem Niveau geführte politische Debatte. “macht die Große Koalition ihre Arbeit gut - ja, nein. Kein Argument, nur mehr addierte Reflexe.” Der Artikel wird zum Ende noch besser!
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