In Guantanamo gefangen - fünf Jahre sind genug!
Melissa Hoffer erklärt in “Trapped at Guantanamo” den Lebensalltag ihres Mandanten Saber Lahmar1, der seit 2002 in Guantanamo einsitzt, ohne vor ein Gericht treten zu dürfen - ausser der Farce von einem Tribunal, das bereits anfang 2005 von einem US-Bundesgericht als illegal deklariert wurde.
Bei der Verlesung der Gerichtsentscheidung soll Richter Clarence Thomas ungewöhnlicherweise aufgestanden sein und seine von der Mehrheitsmeinung der Richter abweichende Meinung verlesen haben. Die Entscheidung würde die Fähigkeit des Präsidenten beeinträchtigen, einen “neuen und tödlichen Feind” zu konfrontieren und zu besiegen. Seit der Entscheidung war der Kongress bestrebt, dem Gericht die Zuständigkeit abzusprechen und in all dieser Zeit wurden die Gefangenen weiter gefangengehalten - ohne Aussicht auf Besserung.
Not one of these men has been charged with a crime. All they seek is a fair hearing before a judge in a court of law to prove they are not so-called “enemy combatants.” Yet the Bush administration insists that they have no rights under any source of law and maintains that it may hold them indefinitely — a potential life sentence — without charge, until the war on terror ends. And no one in the administration has been able to answer the question of how and when we will know if the war on terror is over.
Die sechs Bosnier, von denen die Rede ist, wurden im Herbst 2001 (!) von bosnischen Sicherheitskräften auf “Empfehlung” von US-Sicherheitskräften festgenommen. Als der bosnische Staatsanwalt nach drei Monaten keinen Anhaltspunkt für ihre Beteiligung an Terroraktivitäten feststellen konnte, hat er dem Gericht empfohlen, sie wieder freizulassen. Nach Ausübung von Druck durch die US-Regierung hat man bei Freilassung der sechs Gefangenen, sie US-Kräften übergeben. Seitdem sitzen sie in Guantanamo ein!
Fünf Jahre Guantánamo sind genug
Heute sind es inzwischen genau fünf Jahre her, seitdem die ersten Gefangenen und Entführten in Guantanamo angekommen sind und ihnen verlesen wurde, dass sie ab diesem Zeitpunkt keine Rechte mehr hätten und dass sie nun Eigentum der US-Regierung seien. Amnesty International ruft deshalb zum “Aktionstag gegen Guantánamo” auf:
Seit dem 11. Januar 2002 haben die USA rund 775 Menschen auf Guantánamo inhaftiert. Ohne Anklage, ohne Aussicht auf einen fairen Prozess – und ohne Schutz vor Folter oder unmenschlicher Behandlung. Heute sind noch etwa 430 Menschen gefangen.
Dabei ist Guantánamo nur die Spitze des Eisberges. Im Namen des „Krieges gegen den Terror“ hält die US-Regierung in weiteren Haftzentren im Irak, in Afghanistan und anderswo eine unbekannte Zahl von Menschen fest. Auch sie sitzen ohne Anklage oder Aussicht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren fest. Damit verstoßen die USA gegen die Genfer Konventionen und andere von ihnen ratifizierte völkerrechtliche Verträge.
Dazu hat ai acht Kurzdossiers erstellt, die auf der selben Seite einsehbar sind. Ich kann zwar nicht sagen, dass der US-Botschafter uns anhören wird, aber wenigstens hätten wir es dann versucht. Und wenn wir seine Arbeit damit ein wenig beeinträchtigt haben - sei’s drum!
Eigentlich müsste aber die Forderung auch an die Demokraten in den USA gerichtet werden, die nun in beiden Häusern in der Mehrheit sind und somit vieles durchsetzen könnten, wenn sie denn wollten. Ich hoffe, dass die moralischen Reden von “vor den Wahlen” nicht Opfer eines pragmatischen Machtbestrebens werden!
Für den Aktionstag möchte ich noch auf ein Video aufmerksam machen, das ein Anwalt von einem Guantanamo-Häftling gemacht hat, um die Unschuld seines Mandanten zu beweisen. Natürlich zählen derzeit Beweise in Guantanamo nichts, aber immerhin bekommt man als “Dritter” einen Einblick in die Methoden, die angewandt wurden, um die Häftlinge gefangenzunehmen. [via Eckpfeiler]
Tierisches Gefängnis
Saber erzählt seiner Anwältin bei ihrer Ankunft folgendes kurzes Ereignis:
When I last saw my client, Saber Lahmar, in his cell at Guantanamo Bay, he told me a story. He said that a soldier entered his cell one day and inadvertently left the door ajar a few inches. An iguana darted in and went behind the door. The soldier left, leaving the iguana inside.
At first, Saber said, the iguana appeared relaxed. It tried to crawl through a hole under a partition, but it could not squeeze through. After realizing it was trapped, it panicked and flew to the narrow opaque window next to the door, banging its head against the glass. “This,” Saber said, “is an animal after five minutes. I have been here five years.”
Einen Dank noch an Herm’s Farm.
- Saber heisst im Arabischen soviel wie “der Geduldige”[↩]
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