No Talking Zone - Trauma als Friedensblocker

H.D.S. Greenway beschreibt in “Unwilling to forgive or forget” meiner Meinung treffend, warum manche Friedensbemühungen keine Aussicht auf Erfolg haben: Durch teils selbst gewählte, teils reale Traumata ganzer Gruppen (meist Nationen) werden Blockaden des Denkens aufgebaut, die der Gruppe den Weg zur Diskussion mit einer anderen Gruppe versperren.

Nations, ethnic groups, and individuals can find the road to compromise and accommodation blocked by “a chosen trauma” — a fixation on particular grievances that makes it impossible to see another point of view. Groups can “seize upon a wrong to the exclusion of any wrongs committed by themselves,” is the way Vamik Volkan, political psychiatrist at the University of Virginia, explains it.

“We don’t negotiate with terrorists!” - ein - vor allem und zu aller erst durch Filme - bekannter Ausspruch, der eigentlich Stärke zeigen soll. Die Frage an dieser Stelle ist nicht nur nach der Definition des Terroristen, sondern vielmehr nach der Eigendefinition. Bevor mich alle überfallen, bitte weiterlesen.

The United States and Iran have their chosen traumas that makes it difficult, perhaps impossible, for them to find common ground. For Iran it started in the 1950s with the CIA-engineered coup against Mohammed Mossadegh, Iran’s elected leader. Mossadegh had nationalized Iran’s oil industry, antagonizing the British and the Americans, and so the CIA, along with British intelligence, got rid of him and restored the shah to his throne. The shah would protect Western interests, it was believed.

Those Iranians who hated the shah never forgave the United States, and this led to America’s chosen trauma in 1979: the 444-day hostage crisis, which began when Iranians took over the American embassy in Tehran after overthrowing the shah. American diplomats were kidnapped and threatened with death in a crisis that mesmerized the American public. A failed rescue attempt in the Iranian desert effectively ended Jimmy Carter’s chances of re election. These two traumas stand in the way of any meeting of minds between Iran and the West.

Wenn das Töten von Zivilisten Terrorismus konstituiert1, dann hat fast keine Nation und fast kein Staat saubere Hände2. Bei den USA ist die Zuordnung einfach und die Bezeichnung der Taten früherer oder jetziger US-Administrationen als Staatsterror habe ich selbst nicht erfunden. Die Etablierung und Unterstützung von Militärdiktaturen durch die USA sind ein Vergehen, das man als darunter leidender wohl nicht so leicht vergessen kann. Davon können die Iraner ein Lied singen und werden schnell begleitet von den Irakern, den Ägyptern3 und den Chilenern4. Sind das alles nicht Terroristen, die die USA unterstützt hat? Ist die USA damit nicht auch ein Staat in der “Achse des Bösen”??

Weiterhin lässt sich auch durch die neuere Geschichte zeigen, dass sich die USA nicht gänzlich anders verhalten hat, als ihre deklarierten Gegner. Zu nennen sind neben Guantanamo und Abu Ghraib weniger Beachtung findende Attentate wie Fallujah oder Haditha, die sich die USA gänzlich anrechnen lassen muss! Ist es dann gänzlich unverständlich, wenn Iraker sich entschliessen, nicht mehr mit den USA verhandeln zu wollen?

Trotzdem: eigene Fehler zu sehen scheint nicht die Stärke des Menschen zu sein und letztlich ist jeder Opfer. Deshalb wird jeder weiterhin seine Traumata vor sich herschleppen und um Verständnis bitten, wenn er selbst kein Verständnis an den Tag legt. Die Worte “Never forget” werden sehr oft als sehr pauschalisierte und auf breitere Gruppen verallgemeinerte “Never forgive” verstanden. Letztlich ist die Entscheidung mit jemandem nicht zu verhandeln stets eine aktive Entscheidung für den Krieg - eine Deeskalation rückt mit fehlender Kommunikation weiter weg.

Das wird in der Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran (aber auch in der Auseinandersetzung zwischen Palästina und Israel, zwischen Israel und dem Iran, zwischen Irakern, Libanesen, Palästinensern5 und in den meisten anderen Konflikten) von tragender Wichtigkeit sein!

Mehr Pragmatismus aber auch Gerechtigkeitssinn ist gefragt! Gerechtigkeit braucht man für eine ehrliche Aufarbeitung von Geschichte. Pragmatismus, um notfalls zu vergeben, bzw. zumindest auf eine Gerechtigkeit nach dem Tod zu setzen!

  1. und genau so würde ich das sehen[]
  2. vor allem, da die Verjährung von Terroranschlägen absurd, wenn nicht zynisch erscheint[]
  3. auch wenn man sie viel weniger hört, aber das kann immer noch kommen[]
  4. deren Ex-Diktator nun vor einigen Tagen verstorben ist[]
  5. ja, auch die palästinensischen Gruppierungen haben sich auf Traumata festgestampft, die nicht mehr heilbar zu sein scheinen..[]

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