Auf ein Wort: Killerspieledebatte
Die derzeitige Debatte um Killerspiele gibt m.E. einen guten Überblick darüber, was in diesem Land in der politischen Diskussion alles schiefläuft. Generell kann man auf Politiker zählen, wenn es darum geht, dummes Zeug daherzuschwätzen und dabei die Kernpunkte eines Problems weit zu umschiffen. Aber es gehört eben mehr dazu, um die derzeitige Debatte zu charakterisieren.
Welch ein Schreck! Jugendliche spielen auf ihren Computern Spiele, in denen sie virtuelle Gegner umbringen müssen. Bisweilen geschieht das auf recht realistische Art und Weise1. Nun - und nach dem jüngsten Anschlag in Emsdetten - sehen sich Politiker in der Bringschuld einer Erklärung und greifen instinktiv das an, was sie am wenigsten interessiert.
Anschlagsküche
Man schaue sich die Zutaten für einen Amoklauf an. Für einen Amoklauf braucht man folgende Zutaten:
- Einen Amokläufer. Hier vor allem einen Jugendlichen. Über diesen ist bekannt, dass er höchstwahrscheinlich gewaltfixiert ist. Tod und Waffen spielen für ihn eine zentrale Rolle. Vor allem, wenn er anfängt, sich für Details von Handwaffen zu interessieren (oder Explosivwaffen), dann sollte er mehr Aufmerksamkeit geniessen. Wie man das genau macht, ist sicher nicht mit einem Satz zu spezifizieren und sowieso von Person zu Person unterschiedlich - aber irgendwer muss sich in sein Leben einmischen, um mitzubekommen, ob eine Gefahr besteht.
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Ein Motiv. Das Motiv kann von Rache bis hin zum Symptom des “Nichts-anderes-zu-tun”,was im Normalfall als Motivlosigkeit verstanden wird. Wie dem auch sei, etwas muss diesen Menschen dazu bewegen, andere umzubringen. Denkbar ist natürlich neben den einfach verständlichen Motiven (Rache, Eifersucht oder etwa Neid) solche, die anekeln, wie bspw. beim jüngsten Mord in der Strafvollzugsanstalt Siegburg.
Die drei mutmaßlichen Täter, Mithäftlinge aus einer Gemeinschaftszelle im Alter von 17, 19 und 20 Jahren, haben den Angaben zufolge “weitgehende Geständnisse” abgelegt. Zum Motiv habe einer der Beschuldigten gesagt, sie hätten “einen Menschen sterben sehen” wollen.
- Eine Tatwaffe. So trivial das sich anhören mag - wenn jemand in relativer Unbewaffnetheit ausrastet, dann ist das nur marginal schlimm. Zum Vergleich sei der Amokläufer vom Ursache - Vermittler - Wirkung
Ein altes
(f) Möglichkeit zur VerrenkungGesetz in der Elektrotechnik ist die Drei-Finger oder UVW-Regel. Im Fall der Amokläufe ist die Ursache ganz klar sowohl in der Person des Attentäters, als auch in seiner Motivation zu suchen. Die Waffe nimmt die Role des Vermittlers und die Wirkung ist soweit bekannt..Lokalisierungsschwierigkeiten
Und wo bleiben die “Killerspiele”? Sie sind nicht ganz unschuldig. Schliesslich gehört zum Interesse des Täters an Waffen auch der Versuch, den Umgang mit ihnen zu erlernen - und in einer realisitischen Simulation könnte das ja durchaus gelingen.. Allerdings ist fraglich, inwieweit die Realitätsnähe der Spiele gediehen ist. Nicht nur, dass man die physischen Auswirkungen des Schusses und das Gewicht der Waffe nur erahnen kann - die Handhabung der Waffe wird in keinem mir bekannten Spiel thematisiert! Für Leute, die keine Killerspiele spielen2: Für einen Spieler wird sowohl ein Raketenwerfer als auch ein Maschinengewehr meist mittels der Taste “R” geladen! Wie weit das der Realität entspricht, bleibt Ansichtssache.
Allerdings kümmern sich die wenigsten Killerspielekiller um die möglichen praktischen Auswirkungen auf einen Spieler. Sie sind der Meinung, dass die Spiele menschenverachtend und abartig seien. Uwe Schünemann wieder:
“Computerspiele, in denen der Spieler aktiv zum Töten aufgefordert wird und dazu noch eine Anleitung erhält, sind abartig und gehören verboten.”
Es mag ja sein, dass Herr Schünemann diese Spiele abartig findet, aber spiegeln sie nicht die Realität wieder? In einer Zeit, in der die Militarisierung Deutschlands als Erfolg gewertet wird und auf kurz oder lang deutsche Soldaten wieder aktiv Menschen töten werden, ist es da nicht abwegig zu verlangen, dass “abartige” Spiele verboten werden? Gewaltherrliche Bilder finden sich nicht nur in Spielen wieder, sondern auch in den Nachrichten oder in Spielfilmen. Wie weit müssen wir dem Innenminister (und seinesgleichen) folgen, um so sicher zu sein, wie wir uns das wünschen?
Den Schuß gehört?
Langsam fangen die werten Herren Innenpolitiker an, den Schuß wahrzunehmen. In einem Schritt, den ich persönlich von ihm nicht erwartet hätte, sagt nun Günther Beckstein «Die Waffengesetze gehören auf den Prüfstand»! In der Hoffnung, dass unser Innenminister hier in Niedersachsen ihm auch das nachmacht, könnten wir demnächst vielleicht eine sinnvolle Debatte mitbekommen - auch wenn man vermuten kann, dass Uwe Schünemann weniger daran interessiert sein wird, die Tatwaffe zu thematisieren
Der Killer-Experte [Schünemann] ist übrigens Mitglied im “Sportschützen-Club Holzminden”. Da weiss man sofort, wieso er populistisch hinter den “Killerspielen” her ist. Die Debatte lenkt prima davon ab, dass (potentielle) Amokläufer in Schützenvereinen an richtigen Waffen ausgebildet und trainiert werden.
Das interessante bleibt nur, dass Beckstein nur nebenbei härtere Auflagen für den Verkauf von Waffen fordert. Dass die Waffen über das Internet verkauft wurden, gibt ihm nämlich die Möglichkeit, eines seiner Lieblingsthemen anzusprechen: Internetüberwachung.
«Bundesweit muss die Zahl der Cybercops deutlich erhöht werden. Das Internet darf kein rechtsfreier Raum werden»
Womit wir wieder bei der allgemeinen Art der Politikdebatten in Deutschland angekommen wären! Die wenigsten suchen nach Lösungen. Die meisten wollen ihre eigene festgefahrene Agenda sturköpfig umgesetzt sehen. “Wie” ist egal!
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“Killerspiele” - wirds jetzt ernst? - ach, übrigens … — 10. Dezember 2006 @ 13:47
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By sanderer, 10. Dezember 2006 @ 15:27
Ja Ja da sieht mann mal wieder das am falschen fleck gehandelt wird.Und nur um Internet und jeweiligen Nutzer besser zu Kontrollieren und noch mehr Einzuschränken will man den Normalverbraucher
als pädofil deklarieren weil er sich für solch ein Spiel interresiert wehe dem der auf diversen Seiten diverses Spiel spielt bei dem mann mit einem Hammer auf virtuelle Kakalaken einschlägt ich fand das Spiel lustig,würde dies bedeuten daß ich jetzt auf meine Umwelt mit dem Hammer los gehe? Oder gar Agressiv bin.Ein Hoch auf die Pollitik warum nehmen sie den Eltern nicht gleich die Erziehung ab?Ich denke mal wenn dann Pannen auftreten würden währe das ja wiederum peinlich für die Politik .