Embedded – Wenn Journalisten zu Soldaten im Medienkrieg werden
Zu Anfang des Irakkriegs hat sich die US-Administration eine neue Art der medialen Kriegsführung ausgedacht, die darin besteht, Journalisten in die Armee einzubetten. Für die Reporter ist das die denkbar beste Möglichkeit zeitnah und vor allem relativ ungefährlich an brisante Informationen heranzukommen und sie dem gierigen Volk zuhause zu präsentieren.
Neben der Berichterstattung über den anhaltenden Krieg ist die Befragung einzelner Soldaten sicherlich ein Element des Medienwirkens gewesen, der Zuschauer angelockt hat – schließlich will sich jeder mit den Soldaten an der Front solidarisieren, wenn nicht gar identifizieren.
Die “eingebettete Berichterstattung” hatte ihre sichtbaren und eigentlich vorhersehbaren Auswirkungen auf die Art, wie der Krieg besonders an die amerikanische Bevölkerung1 getragen wurde und wie dementsprechend die Enttäuschung und teilweise die Wut heftig ausgefallen sind, als die grausame Realität des Krieges durch stückweise unabhängige (oder ausgebettete) Reporter an die Zuschauer und Leser kam. Zu dem Zeitpunkt hatte George W. Bush sich bereits als Sieger deklariert2 und den Krieg für offiziell beendet erklärt.
Derweil soll nicht vergessen bleiben, dass unabhängige Medien im Irakkrieg zu leiden hatten, wie der Fall des arabischen Senders Al-Jazeera deutlich zeigt, die einige Opfer im Irakkrieg zu beklagen hatten.
Tim Robbins – “Embedded”
Ende 2003 hat die Actor’s Gang das Theaterstück “Embedded” in Los Angeles uraufgeführt. Darin werden verschiedene Akteure des Irakkriegs karikiert – nicht zuletzt die eingebetteten Reporter.
Office of Special Plans
Besonders gelungen ist in meinen Augen allerdings die Karikierung des “Office of Special Plans”, dessen Mitglieder mehrmals während des Stücks beim Beraten über den Krieg und der Lobpreisung ihres philosophischen Vorbilds Leo Strauss zu sehen sind. Die Mitglieder des “Office” sind (von oben nach unten und von links nach rechts) Dick, Woof, Pearly White, Cove, Gondola und Rum-Rum.
[Video url="http://static.cookies.xen-host.de/tmc/Embedded-special_plans.flv" /]
Dance of the Media
Daneben geben die folgenden zwei Szenen sehr gut wieder, wie sich die eingebetteten Medien tatsächlich verhalten haben. Zeitgleich zum harmonischen und untergebenen Tanz der Medien haben sich allerdings stets einzelne Stimmen gefunden, die die Maxime der Berichterstattung aufrechtzuerhalten versuchten. Es sind wenige, aber es gibt sie.
In letzter Zeit erscheint es, als ob diese Stimmen mehr werden, allerdings glaube ich eher, dass sich einige Tatsachen nach einem bestimmten Grad der Beweisführung einfach nicht mehr leugnen lassen (von Folter wurde weit vor Abu Ghraib vereinzelt berichtet, von Massenmord auch vor Fallujah). Die meisten Medien (auch deutsche) haben sich beim Irakkrieg einer Seite verschrieben in der trügerischen Hoffnung, den Guten beizustehen und notfalls einen Bericht zu unterdrücken, um der “gemeinsamen Sache” nicht zu schaden. Damit haben sie sich zu Sklaven der Kriegsführer gemacht.
[Video url="http://static.cookies.xen-host.de/tmc/Embedded_short.flv" /]
Hass heilt die Einsamkeit
Zwei Monologen gebührt meines Erachtens besondere Aufmerksamkeit. Den ersten gebe ich unten wieder, der zweite ist ein Zitat aus einem Artikel in der New York Times vom 15. April 2003, der sich hier kaufen lässt.
[Video url="http://static.cookies.xen-host.de/tmc/Embedded-the_morale.flv" /]
Hatred cures loneliness. It will be lonely without the prime-time war. Hopefully there will be some new sensational murder trial with graphic tragedy for us all to unite to oppose – or some new health menace to keep us hostile. Without it loneliness and despair – staring at the dark nights, the magazine shows with blech human interest stories.
War is the friend of the lonely. It unites us with a community, gives us purpose, a clearly defined evil. [It] gives us community in our lonely rooms in the flickering cathode light. War is a noble porno.
And your friends, your confidants, are those that beat the drum – those clearly focused talking-heads. Those that pursue a truth without getting weak-kneed about lying, about bending the truth or changing the rationale for war. Your stalwart hate buddies that value you the ignored. You the waged slave, you the patriot, the forgotten man.
And your hate buddies will stalk your anger and your fear and motivate you to spread the invective, the disquiet, the distrust, that will keep us in war mode – that will keep us in compliance with the ultimate noble divine goal: world dominance.. in a Christian domain – Amen.
Warum hat dieses Theaterstück eigentlich so wenig Aufmerksamkeit bekommen? Inzwischen ist es veraltet, aber die Grundaussage ist gleichbleibend richtig.
- aber darüber hinaus an die Mehrheit der Weltbevölkerung[↩]
- was ja zu einem bestimmten Anteil stimmt[↩]
Andere Beiträge:
Comments
Noch keine Kommentare.
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI
