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Holy Christian and United States of America (HCUSA)

Samstag, 2. Dezember 2006, 05:07

Die Trennung zwischen Staat und Kirche ist scheinbar nur wichtig, wenn es darum geht, Muslimen auf die Füsse zu treten. Wenn Christen in den USA für sich beanspruchen, dass die USA ein christliches Land ist und dass jeder Abgeordnete deshalb auf die Bibel schwören muss, dann ist das soweit in Ordnung..

In a column posted Tuesday on the conservative website Townhall.com, Dennis Prager blasted Minnesota Democrat Keith Ellison’s decision to take the oath of office Jan. 4 with his hand on a Quran, the Muslim holy book.

“He should not be allowed to do so,” Prager wrote, “not because of any American hostility to the Koran, but because the act undermines American culture.”

He said Ellison, a convert from Catholicism, should swear on a Christian Bible — which “America holds as its holiest book. … If you are incapable of taking an oath on that book, don’t serve in Congress.”

Keith Ellison - der erste muslimische Kongress-Abgeordnete in den USA - wird von rechtsextremen Medien seit seiner erfolgreichen Wahl schikaniert. So hatte Glenn Beck - TV-Moderator bei CNN - ihn zu Beginn eines Interviews gefragt, ob er beweisen könne, dass er nicht mit “dem Feind” zusammenarbeitet. Glenn - der in der Vergangenheit weder mit islamfeindlichen “politisch inkorrekten” Aussagen noch mit Drohungen, irgendwelche Länder zu “nuken” oder Gruppen zu internieren (aufgrund ihres Glaubens) gespart hat - meinte noch, dass er Muslime kennen würde, sie liebt und nicht glaubt, dass Islam eine Religion des Bösen wäre..

So belustigend die Fragestellung von Glenn Beck sein kann (zumindest, wenn es nicht so traurig gewesen wäre), so dokumentiert er doch einen Trend, Muslime gesondert - und zwar im vollkommen negativen Sinne - wahrzunehmen und zu behandeln. Gerade Keith Ellison hat seine Wahlwerbung aber auch sein politisches Leben im Allgemeinen offensichtlich von seiner Religiosität sehr stark separiert. Seine Themen beim Wahlkampf sind typisch demokratische Themen wie Umweltschutz, Frieden (also auch Gegnerschaft zum Irakkrieg), Soziale Absicherung und ein Bestärken des Engagement des Einzelnen in politischen und sozialen Fragen. Trotzdem wird er vor allem als Muslim wahrgenommen. Das führt bei radikaleren Menschen (bei denen ein Reflex ausgelöst wird, sobald sie “Muslim” hören) dahin, ihn des Verrats zu bezichtigen.

Belehrung Deutschlands?

In letzter Zeit sind mir zwei Vorträge aufgefallen, beide von amerikanischen Muslimen hier in Deutschland. Am 16. November hat das US-Konsulat in München zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, in der Imam Abdul-Rasheed Muhammad - muslimischer Militärgeistlicher in den amerikanischen Streitkräften - mit Abdul Hadi Christian Hoffmann - Stellvertretender Vorsitzender der Muslimischen Akademie in Deutschland - über das Thema “Islam leben, lehren und lernen in nicht-muslimischen Gesellschaften” diskutiert haben. Außerdem wurde zum Vortrag “Symbols of successful Integration: American Mosques” an der Johann Wolfgang Goethe - Universität in Frankfurt eingeladen. Auch hier war das Generalkonsulat in Frankfurt involviert und der Referent - Dr. Omar Khalidi - wurde sicherlich dadurch vermittelt.

Ist es nicht komisch, dass sich die USA offiziell in Deutschland für die Integration von Muslimen einsetzt und ein Bild der Harmonie im eigenen Land vorgibt, während es in Wirklichkeit weit schlimmer aussieht?

Rasterfahndung

Vor einigen Tagen hatte ein Radio-Moderator in Washington - Jerry Klein - darüber gewitzelt, dass die Regierung Muslime zwingen sollte, ein einheitliches Erkennungsmerkmal zu tragen.

In his 630 WMAL program on Sunday, November 26, talk show host Jerry Klein seemed to advocate a government program to force all Muslims to wear “identifying markers.” He stated: “I’m thinking either it should be an arm band, a crescent moon arm band, or it should be a crescent moon tattoo.” (4:00) Klein said: “If it means that we have to round them up and do a tattoo in a place where everybody knows where to find it, then that’s what we’ll have to do.” (11:38)

Während Jerrys Anmerkung sarkastisch gemeint war, waren die Antworten auf seine Sendung für ihn so erstaunlich, dass er sich vom Vorschlag explizit distanzierte und klarmachte, dass er die erste Hälfte seiner Show vorgegeben hatte, diesen Vorschlag zu unterstützen, nur um zu sehen, wie “krank Amerika geworden ist”.

Some callers to the program rejected discriminatory treatment of Muslims, but others supported Klein’s statements and even suggested that even more severe measures be taken against American Muslims. “Richard” in Gaithersburg, Md., said: “Not only do you tattoo them in the middle of their foreheads; you round them up and then ship them out of this country, period.” (15:58)

“Heath” in Upper Marlboro, Md., said: “I don’t think you go far enough … you have to set up encampments like they did during World War II like with the Japanese and Germans.” (23:50)

Later in the program, Klein revealed that his call for discriminatory actions against Muslims was “baloney.” Klein said: “I can’t believe any of you, any of you, are sick enough to have agreed for one second with anything that I have said in the last half hour.” (25:15)

Thema der Sendung von Jerry Klein waren sechs Imame, die aus einem Flug eskortiert wurden, da ihr Verhalten angeblich verdächtig war. Nach Lesen mehrerer Erläuterungen zum Tathergang und vor allem der Darstellung der Imame selbst habe ich nicht das Gefühl, dass sie sich verdächtig verhalten haben.

Jeder kann sich die Sendung hier anhören: The Jerry Klein Show oder direkt .

Ich finde es ja schön, dass sich die USA offiziell und im Ausland (vor allem in Deutschland) für Religionsfreiheit und gegen Diskriminierung einsetzt und ich finde es noch schöner, dass sich muslimische Amerikaner der Aufgabe annehmen, das Bild der USA - auch unter Muslimen - in Europa und auf der ganzen Welt zu verbessern, aber wäre es nicht wichtiger, erst einmal im eigenen Haus für die richtige Atmosphäre zu sorgen, um solche Werte nach außen zu transportieren? Zumindest wird in Deutschland das Grundgesetz zur Grundlage des Einschwörens in ein Amt benutzt - nicht irgendeine religionsspezifische Schrift! Ist das nicht etwas, das die USA von Deutschland lernen könnte?1

Submitted to Carnival of German-American Relations


  1. Islamisch richtig wäre sowieso nur das Schwören bei Gott (also auch nicht auf den Koran..), aber das ist nochmal was anderes.. []
3 Kommentare

Kommentar von David

Made Sonntag, 3 of Dezember , 2006 at 02:06

Sehr traurig, Omar. Aber was wichtig ist: Keith Ellison hat seine Wahl gewonnen - d.h. die Rassisten bei uns sind immer noch eine (immerhin gefaehrliche) Minderheit….

Kommentar von 2020

Made Sonntag, 10 of Dezember , 2006 at 01:28

Zu Zitat:”Ist es nicht komisch, dass sich die USA offiziell in Deutschland für die Integration von Muslimen einsetzt und ein Bild der Harmonie im eigenen Land vorgibt, während es in Wirklichkeit weit schlimmer aussieht?”

Der Einsatz ist nicht komisch, weil er zu unauffällig ist. Und vielleicht findet er hier in Deutschland und nicht in den USA deswegen statt, weil die Verfassung der USA ein derartiges soziales ‘Hineinbefehlen’ nicht zulässt, unsere aber sehr wohl? (Keine Ahnung, ehrlich gesagt.)

Pingback von Too Much Cookies Network » 5. Carnival of German-American Relations

Made Montag, 11 of Dezember , 2006 at 16:02

[...] Vielleicht wird das ja als Teil des Kampfs gegen den auf den Westen vorrückenden Islam wahrgenommen, sonst kann ich mir die Reaktion einiger Rechtsradikaler auf den ersten muslimischen Abgeordneten in den USA nicht erklären. Schlimmer wiegt die scheinbar verbreitete Bereitschaft, Muslime im Kollektiv einzusperren oder anderweitig zu “bestrafen”.. Meine Gedanken dazu habe ich in Holy Christian and United States of America (HCUSA) zusammengefasst. [...]

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