VW Polo Werbung bedient Stereotyp
Vor kurzem wurde ein Möchte-Gern-Werbespot im Internet verbreitet, in dem ein Mann mit Palituch in einem Polo sitzend ein kleines Cafe sprengen möchte. Dabei erweist sich die Karosserie des VW Polo als viel härter und die Explosion findet nur im Inneren des Wagens statt. Die Aussenstehenden spüren nichts.
Der Volkswagenkonzern hat sich bereits von dem Werbespot distanziert und will die Macher anklagen [1]. Die Glaubwürdigkeit dieser “Anklage” schwindet dahin, wenn man sieht, wie auch andere Unternehmen mit sogenannten Virals[3] im Internet kostengünstig auf sich aufmerksam machen, ohne die Verantwortung direkt für die Werbeinhalte zu übernehmen zu müssen.
Obwohl sich viele bisher aufgeregt zu Wort gemeldet haben, scheint keiner so recht die Bedienung des Stereotyps “Araber sind Terroristen” zu kritisieren. Vielmehr geht es um die “Gefühle” von Leuten, die “geliebte Menschen durch Selbstmordattentäter verloren haben”.
Im Clip wird der Araber ohne Gesicht an seinem Äusseren kenntlich gemacht. Durch Palituch, schwarzes krauses Haar, Dreitagebart und Sonnenbrille und die Vermischung dessen mit dem Sprengstoffgürtel wird ein existentes Bild vom terroristischen Araber renoviert. “Es braucht keine Phantasie, den Spot als palästinensischen Selbstmordanschlag in einer israelischen Großstadt wie Tel Aviv zu deuten.” [2]. Wieder wird also Kosten von Arabern versucht, Geld zu verdienen.
Die Aussage der Werbung ist zudem wiedersprüchlich: Ein Auto ist dazu da, die Insassen zu schützen, nicht die Aussenstehenden. Deshalb schlage ich dem Volkswagenkonzern folgenden alternativen Clip vor:
Ein orientalische Stadt, die Kamera zeigt einige Kinder, die im Sand spielen; langsam fährt die Kamera weg, auf der Strasse fahren langsam einige alte Autos vorbei. Auf beiden Seiten der Strasse sind dichte Häuser. Auf einmal fällt ein Haus zusammen und ein Panzer fährt um die Ecke (von links kommend). Kindergeschrei, Autoreifen quietschen, der Panzer dreht sein Geschützturm auf die eine und die andere Seite, schiesst ein paar Häuser und ein paar Autos ab. Schliesslich fährt ein grellfarbener Polo unbeirrt vorbei, der Panzer schiesst, das Geschoss prallt am Polo ab und fliegt weg. Der Panzer wird an dieser Stelle personifiziert und “guckt” erstaunt mit seinem Geschützturm dem Polo hinterher. Cut in den Polo hinein, wo leichte Musik gespielt wird, die Klimaanlage macht ein surrendes Geräusch, der Fahrer summt die Melodie mit, schaut nach hinten – auf dem Rücksitz sitzt sein baby und kichert. Fade out in das vw-Zeichen und “Polo. Small but tough.”.
Dieser Werbeclip würde auch sicherlich die richtige Message transportieren: Schutz der Insassen ist garantiert.
Omar
[1] VW to sue Polo bomb ad duo
[2] VW Polo, nichts für Selbstmord-Bomber
[3] Viraler Spot von VW wird die Gemüter erregen
[4] Wer steckt hinter dem Polo-Bomber?
Keine relevanten Beiträge.
Comments
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By Holger, 7. August 2006 @ 07:43
Klugscheißer!
By Tobias, 24. November 2006 @ 18:52
Dito. Klugscheißer. Außerdem wäre die Aussage des Spots – wenn man denn unbedingt eine finden möchte – nicht wie Du sagst “Araber sind Terroristen” sondern “Terroristen sind Araber”.
By Omar Abo-Namous, 24. November 2006 @ 19:09
@Tobias: In beiden Fällen stimmt die Aussage nicht und ist ganz im Gegenteil geeignet, diskriminierend zu wirken.
By Nina, 1. Juni 2007 @ 00:06
Der Werbespot ist zweifellos diskriminierend, aber der Seitenhieb Richtung Israel ist unnötig.
By Tekays, 13. Januar 2010 @ 09:30
der Seitenhieb ist gelungen. was sonst