Death of a President - was wäre wenn?
Samstag, 28. Oktober 2006, 00:04
“Death of a president”1 beschreibt im Rückblick aus dem Jahr 2008 die Umstände um den Tod des US-Präsidenten George Walker Bush. Dieser soll im Oktober 2007 nach einem Vortrag im Sheraton-Hotel zum Thema “A brighter Futur For America”. In bester Dokumentarfilmmanier werden verschiedene Zeitzeugen zum Tathergang und den sich darauf anschliessenden Analysen befragt. Dabei ist der Erzählfluss reibungslos und man gewinnt als Zuschauer schnell den Eindruck, dass hier eine wahre Geschichte wiedergegeben wird.
Die Geschichte
Am 19. Oktober 2007 wird der US-Präsident George W. Bush nach einer Rede in Chicago erschossen. In der Folge übernimmt Dick Cheney die Präsidentschaft und steuert die USA auf Kriegskurs gegen Syrien zu. Unterdessen läuft die Suche nach dem Mörder, die von der Politik zu einem großen Teil ausgenutzt wird.
Der Film beginnt mit der Ankunft George W. Bushs im Chicagoer o’Hare Flughafen. Es wird durch eine unterlagerte Berichterstatter-Stimme angekündigt, dass eine große Anti-Kriegs-Demonstration gegen den Präsidenten geplant ist. Im Verlauf der Handlung werden verschiedene Personen vorgestellt. Dazu gehört der “ehemalige” Secret-Service-Leiter Larry Stafford, der als Experte in der Dokumentation die Sicherheitslage und wie darauf reagiert wurde beschreibt. Er beschreibt, wie er vorhatte, den Aufenthalt des Präsidenten in Chicago so kurz wie möglich zu gestalten.
Dann ist da noch die Bush-Beraterin Eleanor Drake, die beschreibt, wie sie mit dem US-Präsidenten auf dem Weg noch die letzten Änderungen an der Rede vorgenommen hat. Die Wagenkolonne, die den Präsidenten zum Hotel befördert fährt dann zwischen demonstrierenden Mengen, die sich an den Straßenseiten versammelt haben. Es kommt zu einem Durchbruch der Sperren und einige Demonstranten setzen sich auf der Straße vor der Kolonne, wodurch sie zum Stehen kommt, andere versuchen - teilweise mit Erfolg - zum Präsidentenwagen zu gelangen. An der Stelle greift die Polizei hart durch und holen mit den Knüppeln aus, bis der Präsidentenkonvoi weiterfährt und endlich am Hotel ankommt, wo Bush seine letzte Rede halten soll.
Die Aufnahmen wechseln schnell zwischen realen Archivvideos, in denen bspw. Bush, Cheney oder Demonstranten zu sehen sind und gestellten Interviews und Szenen. Das macht den Dokumentarfilmcharakter glaubwürdig. Immer wieder werden die Demonstranten gezeigt und Experten erklären parallel, wie die Sicherheitslage aussah.
Im Vortragssaal fängt Bush seine Rede mit typischen punchlines. Er lobt den Bürgermeister Chicagos (obwohl Demokrat) und geht dann zu Themen wie Terrorismus und die nordkoreanischen Nuklearbestrebungen über. 
Als seine Rede sich dem Ende neigt, werden die zunehmenden Proteste außerhalb der Sicherheitszone eingeblendet und wie die Sicherheitskräfte immer härter vorgingen, um diese Proteste im Zaum zu halten. Die Rede ging zuende und es musste eine Passage für die Kolonne vorgesehen werden, damit der US-Präsident aus der nahezu absoluten Umzingelung (auch wenn in einigen hundert Metern Entfernung) herauskam.
Die Ermordung
George Bush besteht - trotz Abraten des Leiters des Secret Service - auf das traditionelle Treffen mit “Bürgern” aus der Stadt2. Während er dabei ist, die Hände zu schütteln und Menschen Hallo zu sagen, fallen vier Schüsse und zwei treffen den Präsidenten direkt.
Es ist nicht ganz klar, ob diese Szene retouchiert wurde oder tatsächlich komplett gestellt ist, denn darin ist George Bush zu sehen, wie er erschossen wird und vorn überkippt.
In der auf die Schüsse folgenden Szene, wird der Präsident von den Sicherheitskräften in den Wagen gebracht der dann abfährt, während die restlichen Menschen in Panik geraten. Ab da fängt die investigative Arbeit des FBI an, der nun ermitteln muss, wer die Schüsse abgefeuert hat.
Motive
Bush had been responsible for over 100.000 deaths - and if he had been tried at a war-crimes tribunal and found guilty, then he would have been a candidate for the death penalty..
Über den ganzen Film - vor allem im Vorspann und zum Ende - ist eine muslimische Frau zu sehen, die anfangs vom 11. September spricht, um nach und nach auch Bezug zur Ermordung des Präsidenten zu nehmen. Ihr Ehemann - Jamal Abu-Zikri - ist einer der Verdächtigen, die vom FBI festgenommen wurden, da er zur Zeit der Ermordung Bushs in einem gegenüber liegenden Gebäude - von dem die Schüsse gekommen sind - sich aufgehalten hat und er ist syrischer Abstammung.
Weiter wird einer der Demonstranten - Frank Molini - verdächtigt, der durch die Blockaden gedrungen ist und sich zur Zeit der Schüsse innerhalb der Sicherheitszone bewegte und ein langes rohrartiges Objekt auf dem Rücken trug, wie einer Sicherheitskamera zu entnehmen war. Molini gibt selbst ein Motiv für seine mögliche Schuld an: Ihm zufolge würde Bush in einem ordentlichen Kriegsverbrechertribunal schuldig gesprochen und möglicherweise zum Tode verurteilt!
Dann wurde ein Irakkriegsveteran - Casey Claybon - festgenommen, von dem angenommen wurde, dass er für die Proteste da war. Ein weiterer Demonstrant, der genau wie Molini durch die Absperrungen dringen konnte - Samir Masri - wurde festgenommen. Im Verhör wurde ihm vorgeworfen, dass sein Vater ein Terrorist sei. Er aber war auf der Demo, da er unter anderem gegen die Deportierung seiner Eltern und seines Bruders protestieren wollte. Ihm wurde gedroht, dass er seine Bürgerrechte verlieren könnte, sollte er nicht kooperieren und dann würde er als “Enemy Combatant” eingestuft.
Schließlich - so der FBI-Agent Robert H Maguire hätten alle 10.000 Demonstranten - die teilweise gefeiert haben, nachdem die Nachricht über die Erschießung des Präsidenten herauskam - ein Motiv und könnten deshalb festgenommen werden. Tatsächlich wird erwähnt, dass eine große Anzahl von Verdächtigen vorübergehend festgenommen werden.
Folgen
Nachdem Dick Cheney automatisch die Präsidentschaft übernimmt, leitet er zwei Dinge ein:
- Die Forcierung einer dritten Version der Patriot Act, die der Exekutiven noch mehr Rechte gibt und noch stärkere und engere Schranken für die Bürgerrechte vorsieht
- Die Konzentration des FBIs auf die Verlinkung des Mords mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad
Letzteres ist auch der Grund dafür, dass der FBI seine Ermittlungen auf den Syrer Abu-Zikri konzentriert. Zeitgleich finden in den Medien heiße Spekulationen statt, was der nächste Schritt der USA sein wird. In einer Fernsehsendung wird ein Kritiker der syrischen Regierung befragt, der dann bereitwillig aussagt, dass er den Namen von George W. Bush genauso wie die von Ariel Sharon und von Dick Cheney auf einer Todesliste des syrischen Geheimdienstes gesehen hatte, die auch den früheren libanesischen Präsidenten Rafiq Al-Hariri enthalten soll. Es wird schnell klar, dass die mediale, ermittlungstechnische und militärische Mobilisierung gegen Syrien zusammenhängt und bei Dick Cheney persönlich mündet.
Parteipolitik und US-Wahlkampf?
Der Film “Death of a president” wurde am 10. September diesen Jahres das erste Mal im Toronto International Film Festival gezeigt und am 9. und 19. Oktober in britischen Sendern ausgestrahlt. Inzwischen hat Newmarket Films die Rechte für die Veröffentlichung in den USA gekauft. Bei der Nähe zum Datum der US-Midterm-Wahlen am 7.11. und der Nähe der gespielten Reportage zu den Präsidentschaftswahlen in den USA am 4.11.2008 könnte man vermuten, dass der Film partei ergreift und die ein oder andere Partei - sehr viel liesse sich über die Person des Präsidenten selbst machen - in ein schlechtes Licht bringen.
Tatsächlich zeichnet sich “Death of a President” durch eine ungemeine Überparteilichkeit aus - sowohl auf den tatsächlichen Wahlkampf wie auch in Bezug auf das Spannungsfeld Bürgerrechte vs. Sicherheit. So wird George Bush von mehreren befragten Zeitzeugen als tapfer, intelligent und ehrlich bezeichnet, während andere (vor allem die Demonstranten) darauf aufmerksam machen, dass er sich den Protesten nicht stelle und als Kriegsverbrecher, der die Ermordung mehrerer Tausend Menschen zu verantworten hätte, den Tod verdient hätte.
Persönliche Bewertung
Rein vom Filmischen war ich von “Death of a President” sehr positiv überrascht. Der zukünftige fiktional-dokumentarische Rückblick bietet dem Regisseur viele Möglichkeiten der Geschichtserzählung, die er bereitwillig nutzt. Den Interviews der Zeitzeugen wird dabei eine wichtige Rolle zugesprochen - wie eben in einem normalen Dokumentarfilm. Daneben ermöglicht die Benutzung von Archivmaterial eine Authentizität, die den Film umso “wichtiger” erscheinen lässt.
Meines Erachtens hätte mehr auf die beiden von Cheney bewirkten Auswirkungen (Aushöhlung der Bürgerrechte und Mobilisierung gegen Syrien) eingegangen werden können. Es wird bis Ende des Films nicht klar, ob ein Krieg gegen Syrien tatsächlich geplant war. Die Antworten der Weltgemeinschaft auf die Ermordung wird komplett unterschlagen und somit ein Teil sowohl der möglichen Mobilisierungshemmnis, als auch der Mitmobilisierung unterschlagen.
Außerdem werden die obligatorischen Folgen für die muslimische Community in den USA und anderswo ausgeblendet.
Insgesamt macht der Film den Eindruck, dass vieles weggeschnitten werden musste (möglicherweise schon im Skript), damit die Kosten und der Aufwand in Grenzen bleiben. Trotzdem würde ich hier Sterne vergeben, “Death of a President” würde eine knappen Vollausschlag bekommen!
Man sollte anmerken, dass Iran mit keinem Wort genannt wird. Möglicherweise wollte der Autor keine zu schnell überholbaren Zustände - bis dahin könnte bereits ein Krieg mit dem Iran entfacht sein - berücksichtigen müssen. Der Verweis auf Nordkorea ist so dezent und allgemein, dass er keinen zeitlichen Bezug braucht.
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Kommentar von Klaus Öllerer
Made Montag, 30 of Oktober , 2006 at 19:27
Hallo Omar,
bisher hatte ich über diesen Film noch nichts gelesen. Durch Deine Darstellung habe ich den Eindruck einen einigermaßen realistischen Eindruck von der Geschichte zu erhalten. Das ist angenehm.
Andererseits ist natürlich zu merken, dass Du Bush gegenüber eine sehr kritische Einstellung hast.
Dem Argument aus dem Film, dass “Bush had been responsible for over 100.000 deaths …” möchte ich nicht unkommentiert lassen und mal einige etwas andere Sichtweisen hinzufügen.
1. Dieses Argument ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Nach dieser Methode müßte man auch die Staatsführer der Antihitlerkoalition im 2. Weltkrieg der millionenfachen Tötung beschuldigen und eine Bestrafung für gerechtfertigt halten. Das erscheint mir völlig absurd.
2. Stimmen dürfte wohl, dass Bush die Afghanen von der Diktatur der Taliban befreit hat. Die Afghanen haben jetzt Freiheiten wie sie sie noch nie hatten. Besonders die Frauen sind Gewinner des Wandels. Die uns alle bedrohende Terrorzentrale Al Kaida wurde drastisch dezimiert. Mir ist nicht bekannt, dass auch nur irgendein muslimisch geprägtes Land etwas für die unterdrückten Afghanen getan hätte. In der Regel sind es Muslime, die andere Muslime unterdrücken und massakrieren.
Beim Irak sehe ich das ähnlich.
3. Das der Westen, speziell Bush, einen Kreuzzug gegen den Islam führen würde ist ein Mythos, der eigentlich nur mit islamistischer Sichtweise in Einklang zu bringen ist. Freiheitsliebende Muslime sollten entsprechend auch Freiheitsbestrebungen unterstützen.
Es gibt für freiheitsliebende Muslime allen Grund mit den westlichen Staaten zusammenzuarbeiten.
Ich freue mich darauf mal wieder mit Dir zu diskutieren.
Viele Grüße
Klaus
Kommentar von Fabian
Made Dienstag, 31 of Oktober , 2006 at 01:19
Hi,
ich habe den Film vor zwei Tagen sehen können und war tief beeindruckt. Zwar kannte ich die grobe Story, aber ich hab mir nicht vorstellen können, dass der Film so authentisch wirkt. Würde man nicht wissen dass es eine fiktionale Dokumentation ist, dann wär man bereit das ganze zu glauben.
Gerade dies macht den Film aber so erschreckend. Man traut den Amerikanern zu, dass sie einen Lee Harway Oswald für den Tod Bushs zu finden ungeachtet, wer ihn wirklich umgebracht hat. Diese Tatsache führt dazu, dass man sich fragt, gibt es wirklich eine Nation, die moralisch zu recht von sich behaupten kann, bei ihnen gehe alles mit rechten Dingen zu.
Nun hat sich die USA in den vergangenen Jahren selbst in Misskredit gebracht, aber wenn wir das ganze auf Deutschland, UK, Frankreich oder andere “westliche” Demokratien adaptieren, wo dort etwas viel besseres bei rauskommen? Ich glaube es nicht wirklich.
Die Frage die dieser Film dann in letzter Konsequenz aufwirft ist die Frage, gibt es den gerechten Staat? Den Staat, der sich an Fakten und nicht an Politik orientiert?
Jeder sollte sich hierauf ein eigenes Urteil bilden, doch wenn ich ehrlich bin, so ist mein Urteil ein pessimistisches.
Zum Abschluss aber noch ein Apell: Schaut euch diesen Film an und nehmt euch Zeit darüber nachzudenken.
Grüße aus Estland,
Fabian
Kommentar von Omar Abo-Namous
Made Dienstag, 31 of Oktober , 2006 at 01:59
@Klaus, Grüss dich.
Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass die Aussage vom Film stammt (genauer vom Demonstranten im Film). Trotzdem ist richtig, dass ich Bush nicht gerade lieb gewonnen habe in der Zeit, die ich ihn erlebt habe..
@1.: Der Vergleich von Nazi-Deutschland und Afghanistan/Irak ist ein wenig übertrieben, wenn nicht vollkommen deplatziert. Weder der Irak noch Afghanistan hatten grössere expansive Vorhaben (im Falle Iraks mal von den Flecken Kuwait und den Emiraten mal abgesehen). Deutschland hatte nicht nur ein Vorhaben, es hat es zu einem grossen Teil sogar schon umgesetzt gehabt, bevor sich die Koalition einig war und bevor die USA in den Krieg gezogen sind.
Zudem hat keiner der Staaten KZs oder Vergasungsräume betrieben (auch wenn ich nicht glaube, dass die Koalition sich grossartig darum gekümmert hat). Das sind die schnellsten zwei Gründe, die mir einfallen, warum der Vergleich daneben ist.
Ich glaube schon, dass die Führer der “Koalition der Willigen” sich für das Unheil zu verantworten haben, das sie bislang angerichtet haben. Bush ist der oberste Vorgesetzte und somit eigentlich direkt für die Taten der US-Soldaten verantwortlich, sei es das Abmetzeln, die Inhaftierung oder der Missbrauch von Zivilisten oder die Unterdrückung. Da hilft auch kein relativierendes “wir haben aber soviel gutes getan..”
@2.: “Mir ist nicht bekannt, dass auch nur irgendein muslimisch geprägtes Land etwas für die unterdrückten Afghanen getan hätte.”
Es waren muslimische Kämpfer, die auf Seiten der Afghanen die russischen Truppen aus dem Land gezwungen haben. Dass das Land danach in einen Zustand gerutscht ist, der die Freiheiten des Einzelnen dermassen eingeschränkt hat, sollte ja nicht heissen, dass es den Afghanen nicht besser ging (alleine dadurch, dass ihr Land nicht mehr besetzt war..)
“In der Regel sind es Muslime, die andere Muslime unterdrücken und massakrieren.”
Dass es die Regel ist, würde ich nicht sagen (Irak, Afghanistan, Bosnien, Israel (und Libanon), Tschetschenien, Kaschmir usw. belegen das Gegenteil). Dass in Afghanistan mindestens bürgerkriegsähnlicher Zustand für eine längere Zeit vor der Invasion geherrscht hat und dass im Irak nun ein Bürgerkrieg auszubrechen droht, ist eben die andere Seite..
@3.: Komisch, nirgendwo in diesem Artikel ist die Rede von einem Kreuzzug, oder? Ich habe dich bisher nicht als jemanden wahrgenommen, der fremde Sprechblasen ausfüllt. Davon abgesehen: “nur mit islamistischer Sichtweise”, welche wäre das denn?
“Es gibt für freiheitsliebende Muslime allen Grund mit den westlichen Staaten zusammenzuarbeiten”
Ich denke, muslimische Staaten müssen interessenorientiert Bündnisse schliessen, sei es nun mit “westlichen” Staat oder “östlichen”, das spielt nur marginal eine Rolle. Freiheitsliebende Menschen sind eigenständig und binden sich bestimmt nicht an eine “Seite”. Oder würdest du sagen, dass freiheitsliebende “Westler” allen Grund hätten, mit muslimischen Staaten zusammenzuarbeiten?
@Fabian: Dass politische (oder wirtschaftliche, wenn wir schon dabei sind) Kräfte Ereignisse zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen versuchen - darauf kann man schon fest zählen! Wieweit wir als Bürger mitmachen, das ist m.E. das Entscheidende.
Aber ich habe es nicht so empfunden, dass der Film die moralische Frage stellt. Am Ende kommt ein wenig Tadel (ein Jahr Haft für einen Unschuldigen und noch kein Ende), aber im Allgemeinen finde ich den Film relativ sachlich und nicht bewertend.
Gibt es den gerechten Staat? Im Absoluten Sinne bestimmt nicht; ich frage mich da eher: Steuern wir einen solchen überhaupt an? Oder geht die Tendenz nicht doch eindeutig in die andere Richtung?
Gruss, Omar
Kommentar von Klaus Öllerer
Made Donnerstag, 2 of November , 2006 at 22:06
Hallo Omar,
der Einfachheit halber möchte ich mich erst einmal auf das Afghanistan der Talibanzeit und danach beschränken.
Die Ereignisse dort habe ich wie folgt in Erinnerung:
Afghanistan wurde durch US-Truppen und den Verbündeten von der Nordallianz erobert, weil von dort Angriffshandlungen ausgegangen waren: 11.9 und etliche andere. Die Al Kaida hat dort systematisch über viele Jahre hinweg Terrorkämpfer ausgebildet und in der ganzen Welt verteilt. Sie hatten noch viel vor.
Die Taliban hatten sich bis zum Schluß geweigert die Terroristen auszuliefern. Daher war die Eroberung gerechtfertigt und wurde auch faktisch von der Weltgemeinschaft gebilligt. Das war in unser aller Interesse. Auch in Deinem Omar, denke ich.
Außerdem hatten die Taliban ein extrem unterdrückerisches Regime errichtet - gegen Muslime und Nichtmuslime. Mir ist kein islamisches Land bekannt, welches den afghanischen Menschen gegen diese Unterdrückung geholfen hat. Anscheinend versuchten nur westliche Hilfsorganisationen im Lande das Leid zu mildern. Der Iran immerhin nahm wenigstens Flüchtlinge auf.
Auch unsere deutschen Soldaten versuchen derzeit dort zu helfen. Es hat Opfer gegeben. Meine Gedanken sind bei ihnen.
Gerade sehe ich im Länderspiegel des ZDF wie die Taliban eine Schule im Süden Afghanistans niederbrennen.
Es ist ekelig.
Omar, was bedeutet es für Dich als Muslim, was dort von diesen Muslimen getan wird ?
Viele Grüße
Klaus
Kommentar von Omar Abo-Namous
Made Samstag, 4 of November , 2006 at 20:06
@Klaus:
Davon abgesehen, dass die Handlungen um den Angriff auf das wtc vom 11.9.2006 bis heute unklar sind und dass die damit verbundenen Forderungen der Auslieferung der Attentäter dementsprechend nur wage berechtigt sind, ist gerade einmal knapp ein Monat zwischen den Anschlägen auf den wtc und der Bombardierung Afghanistans vergangen, was nicht gerade eine angemessene Frist ist (Die USA hat m.W. nie den mutmasslichen Terroristen Luis Posada Carriles ausgeliefert - was hältst du denn davon, wenn Kuba nun Hunderte Amerikaner umbringt?).
Die Al-Kaida in Afghanistan ist aus einer Befreiungsbewegung (die die USA ja selbst unterstützt hatte) und einem Bürgerkrieg hervorgegangen. Erst in den letzten Jahren vor 2001 hat sie damit angefangen, Terrorangriffe als Mittel der Wahl zu benutzen, um die eigenen politischen Ziele zu erreichen.
Was die internen Konflikte angeht, so kann man heute nur noch wenig sagen. Abseits der Verurteilung oder Beschönigung muss nur klar sein, dass man einem Volk nicht hilft, indem man ihn bombardiert. Ich bezweifle, dass die Afghanen (oder Iraker oder demnächst Iraner oder Syrer…), die bisher gestorben sind sich befreit gefühlt haben.
Wie dem auch sei, ein Grossteil deiner Argumentation rührt vom Gefühl her, dass die USA (oder der “Westen”?) ein höheres Recht für sich in Anspruch nehmen darf; dass in irgendeiner Weise zwar Afghanistan und der Irak den USA Rechenschaft schuldig sind, nicht aber umgekehrt; dass die Opfer, die von den USA verursacht werden gerechtfertigt sind, während jedes Opfer “islamister” Anschläge ein Grund ist, einem kompletten Land das Recht auf Souveränität abzuerkennen. Letztlich hat die USA durch die zwei letzten Kriege, aber auch durch ihre Unterstützung des Angriffskriegs auf den Libanon sehr viel mehr Unheil angerichtet, als die Al-Kaida jemals könnte. Wer bestraft sie denn (deiner Logik folgend) dafür? Wer befreit die Amis von ihrer eigenen Regierung, die langsam aber sicher, ihre Bürgerrechte und mancher Menschenrechte aberkennt?
Randbemerkung: Natürlich haben islamische Hilfsorganisationen auch zu Zeiten des Taliban-Regimes den Afghanen geholfen. Als grosse Organisation sei hier islamic relief genannt, aber auch andere kleinere Organisationen haben ihren Teil getan. Was Länder angeht, so wüsste ich von keinem Land. Aber da du hier das Bombardieren des Landes als “Hilfe” ansiehst, bin ich froh, dass kein islamisches Land “geholfen” hat..
Du bist angeekelt, dass sie eine Schule niedergebrannt haben; wieviele Kinder sind denn durch den Krieg erst gestorben?
Deine letzte Frage versteh ich nicht. Offensichtlich bist du stolz auf deine mordenden Mitwestler?!
Bedrückte Grüsse,
Omar
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Made Mittwoch, 20 of Dezember , 2006 at 13:02
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