Meine Antwort an Herrn Pofalla

Sehr geehrter Herr Pofalla,

ich möchte mich zunächst einmal für Ihre Antwort bedanken, vor allem da ich mir vorstellen kann, wie wenig Zeit Sie als Abgeordneter im Bundestag haben, um nebenher Emails zu beantworten.

Weiterhin unterstütze ich den Gedanken - den eigenen Standpunkt zu vertreten - und glaube, dass nur so ein ernsthafter und fruchtbarer Dialog stattfinden kann. Wenn Sie als gläubiger Christ einen bestimmten Standpunkt aus dem Christentum (und aus der deutschen Kultur) ableiten, dann ist das nicht nur Ihr gutes Recht, sondern meines Erachtens auch eine gute Grundlage für ein Gespräch.

Gleichzeitig glaube ich, dass eine Lagerhaltung, wie sie in Ihren Aussagen erkennbar wird - hier die deutsch-christliche Leitkultur, dort die islamische Einwandererkultur - weder realistisch noch dialogfördernd ist. Das hängt einerseits damit zusammen, dass ein großer Teil der eingeborenen (oder abstämmigen) Deutschen eine Leitkultur, wie sie von der CDU im Allgemeinen vorgeschlagen wird, für sich ablehnen und viele eine Rückbesinnung auf christliche Werte nicht wollen (ganz ohne Bewertung meinerseits). Andererseits werden Sie teilweise mehr Übereinstimmungspunkte zwischen konservativen Christen und gläubigen Muslimen finden, als zwischen Ersteren und attheistischen Deutschen. Deshalb lassen Sie uns von Person zu Person, von Interessengemeinschaft zu Interessengemeinschaft diskutieren - und zwar in einem pluralisitischen Deutschland, das keine so klare Werte-Abgrenzung entlang erdachter Trennlinien vorsieht. Wenn Sie Werte verteidigen wollen, dann tun Sie das gerne, aber bitte schön nicht um jemanden (oder eine Gruppe) abzugrenzen, sondern um der Werte selbst Willen.

Gleichzeitig erkenne ich auch an, dass im historischen Ablauf ein Einfluss christlicher Kirchen und des Christentums auf die deutsche Gesellschaft, Kultur und Politik vorgelegen hat (und weiterhin vorliegt). Ich möchte Ihnen auch nicht Ihre angestammten Traditionen streitig machen oder Sie überfremden. Ich glaube auch nicht, dass das von Muslimen im Allgemeinen gefordert wird. Gleichzeitig heisst Religionsfreiheit, dass mir die Freiheiten eingeräumt werden, meine Religion auszuüben - dabei fordere ich auch, dass meine “ungestörte Religionsausübung” nicht nur toleriert, sondern als verbrieftes Recht akzeptiert wird! Im Übrigen trete ich für diese Rechte - auch als Muslim - ein und versuche sie - genauso wie andere Bürger- und Menschenrechte - nicht nur meinetwegen zu verteidigen.

Gleichzeitig habe ich an Ihrer Email eine Antwort auf die von mir vorgetragene Kritik vermisst. Es ging vor allem um Ihre Aussage gegenüber der “Bild am Sonntag”, dass “Das Problem religiös motivierter Gewalt [] heute fast ausschließlich ein Problem des Islam” sei. Ich glaube schon, dass Sie es nicht nur bei dieser sehr pauschalen und bei ernster Betrachtung diffamierenden Aussage belassen sollten. Ich hatte Ihnen in meiner Email einige christliche Terrororganisationen genannt (es gibt mehr) und hatte eigentlich gehofft, dass Sie darauf eingehen und erklären, ob Sie immer noch zu Ihrer Aussage stehen oder inwieweit es einen Unterschied zu islamischen Terrororganisationen in Ihren Augen gibt.

Denn auch das muss Bestandteil eines ernsthaften Dialogs sein: Aussagen müssen belegbar und in einer offenen Diskussion anfechtbar sein!

Weiterhin wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei Ihrer täglichen Arbeit und nicht allzu wenig Spaß und freue mich auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüssen,

Omar Abo-Namous, Hannover

PS: Auch diesen Briefwechsel werde ich auf meiner privaten Seite veröffentlichen und erkläre mich wieder bereit, eine Antwort-Email von Ihnen gleichberechtigt zu veröffentlichen.

Comments

  • By Tugba, 20. Oktober 2006 @ 07:03

    Salam,

    tse tse tse

    also doch keine Antwort (wie ich erwartet habe).
    Ich bin nicht enttäuscht:
    Es gibt manchmal Dinge, auf die man sich verlassen kann.

    Gruß, Tugba.

  • By unionsbuerger, 21. Oktober 2006 @ 13:41

    “wir sind Papst” …”Gott mit uns ?”

    wir brauchen einen laizistischen Staat. Der Einfluss der Religionen ist nicht mehr zu verantworten.

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  1. Too Much Cookies Network » Ronald Pofalla in denial — 20. November 2006 @ 18:06

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