Deutsche Muslim Liga
Gestern fand das fünfzigjährige Jubiläum der Deutschen Muslim Liga e.V. in Hamburg statt. Zunächst einmal sollte man sich das auf der Zunge zergehen lassen: fünzigjähriges Jubiläum der Muslime in Deutschland! Wer also noch meint, Islam sei ein Fremdling im deutschen Raum, der weiss sicherlich nicht, wovon er spricht!
Das Treffen war recht gut, es wurden zwei hochwertige Vorträge gehalten - einer von Prof. Dr Udo Steinbach (Direktor des Orient Instituts), der andere von Dr. Tariq Ramadan. In beiden ging es um Muslime in Deutschland/Europa, obwohl jeder seine eigenen Akzente setzte.
Prof. Udo Steinbach hat in seiner externen Sichtweise auf die Muslime von der nichtmuslimischen Mehrheit höhere Akzeptanz gefordert, vor allem (wie er meinte), da der Islam zum “europäischen Schicksal” gehöre. Es müsse vor allem eine klare Trennung (das sollten unsere werten Medienanstalten und Politiker hören) zwischen dem Islam und den Muslimen einerseits und Kriminellen andererseits gemacht werden. Dabei müsse man die Balance sowohl zwischen Freiheit und Sicherheit (Politiker) als auch zwischen Freiheit und Verantwortung (Medien) finden.
Gleichzeitig rief er Muslime auf, einen lebbaren Islam in europäischem Kontext zu entwickeln. Darunter versteht er die radikale Loslösung vom Ausland, die Fussung der eigenen Prinzipien auf das deutsche Grundgesetz und die Öffnung des Ijtihads, um mit neuen Problemstellungen, die auf Muslime zukommen, geeignet umzugehen.
Tariq Ramadan hat seinen Vortrag auf Englisch gehalten, weshalb ihm einige nicht ganz folgen konnten. Er rät Muslimen beim Umgang mit kritischen Fragen (are you a european or a muslim primarily?) zunächst einmal die Frage selbst zu überdenken und notfalls eine alternative Fragestellung samt Antwort anzubieten. Ausserdem sollten sich Muslime nicht dazu hinreissen lassen, auf die sehr wohl emotional geführte Diskussion selbst emotional zu antworten. Stattdessen sollten sie sich von der Minderheiten-Einstellung lösen, indem sie alle möglichen guten Ideen aufnehmen und mittragen (everything good is the aim of every single muslim, regardless of where he found it).
Nach den beiden Vorträgen konnte man sich in gemütlicher Runde an Stehtischen austauschen und kennenlernen. Insgesamt ein gelungener Abend, nach dem ich hoffe, dass die Deutsche Muslim Liga wieder verstärkt in den Vordergrund rückt (sie haben nun einen Link auf meiner Linkseite unter “Islam” verdient ;)). Einzig die kleine feindselige Demo vor der Tür hat das Gesamtbild gestört. Auf Plakaten war zu lesen “Kein Dialog mit Islamisten”. Warum dabei israelische Flaggen getragen wurde, ist mir bis jetzt ein Rätsel..
Omar
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