Kommentar zum 11.September
Gerade bin ich auf den Artikel Nachtrag zum ‘September Elf’ bei Blog-Ha.us gestossen.
Sicherlich, die Anschläge sind verabscheunungswürdig und durch nichts zu rechtfertigen. Jedes der Opfer ist ein Opfer zuviel. [...] Irgendwie fehlt mir hier aber das Maß, wenn ich daran denke, dass z.B. 1994 in Ruanda gut 800.000 Tutsi abgeschlachtet wurden. Oder was ist mit den Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien? Für die gibt es keine Lobby, weil sie eben nicht “wichtig” waren um im WTC gearbeitet haben.
Er hat es bestimmt nicht so gemeint, aber die Aufrechnung von Toten ist nicht gerade förderlich! Tatsächlich versucht fast jede Gruppe “ihre” Opfer hochzustilisieren. Das ist nicht immer nur ein politisches Mittel, manchmal ist es auch nur ein Schrei wie “und was ist mit uns?”. Dabei sind natürlich manche einfach ein wenig erfolgreicher als andere.
Leider ist es so, dass wir immer noch nicht von uns sagen können, dass wir das menschliche Leben stets gleich schätzen. So hört man jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt ein Unglück passiert, dass soundsoviele Deutsche dabei gestorben wären (man denke nur an den Tsunami letztes (?) Jahr). Wenn es keine Deutschen gab, dann werden Europäer genannt usw.. Der “Rest” wird zwar nicht gänzlich ignoriert, aber er spielt eine weitaus geringere Rolle. In Darfur sollen weit mehr Menschen als in New York gestorben sein, aber ausser gelegntlichen “Hey da war mal was.” rufen sie nicht hervor.
Die selbe Einstellung der Bewertung des Menschenlebens sieht man bei der Diskussion um den Einsatz deutscher Soldaten im Libanon.
Die deutsche Geschichte verbiete auch nur daran zu denken, dass Bundeswehrsoldaten auf Israelis schießen könnten, war die verbreitete Meinung in den Parteien.
Verbietet denn die deutsche Geschichte nicht auch daran zu denken, dass Bundeswehrsoldaten auf Libanesen schießen könnten?
Aus diesem Grund kann ich seiner Schlussfolgerung nur zustimmen:
Wir sind gerne auf einem Auge blind. Meist auf dem, das in den Spiegel schaut.
Verwandte Beiträge
Comments
Other Links to this Post
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI
By Daniela, 14. September 2006 @ 05:27
Es geht im Blog-Ha.us nicht um die Aufrechnung von Toten!!! Sondern man muss sich wundern und aufregen dürfen, über die so unterschiedliche Behandlung und Bewertung der Öffentlichkeit und Politik von grausamen Ereignissen… und toten Menschen.
By Andreas, 14. September 2006 @ 06:29
Sicherlich ist eine wirkliche “Aufrechnung” der Toten nicht beabsichtigt gewesen. Es ging vielmehr darum, dass viele Opfer ein zweites Mal zum Opfer werden, nämlich dann wenn ihr Tod als Rechtfertigung für politische Aktionen diverser Art herangezogen wird. Sei es als Rechtfertigung für einen Krieg oder um mal ganz lapidar damit einen Anstieg der Spritkosten zu erklären.
Wer übrigens mal einen wirklich guten Film sehen will, in dem - natürlich aus purer Sozialkritik und Sarkasmus - Tote gegeneinander aufgerechnet werden, der möge sich den aktuellen Kinofilm “Thank You For Smoking” ansehen. Auch wenn der Film vieles auf eine unrealistische Spitze treibt: wenn dort die Lobbyisten der Alkohol-, Schusswaffen- und Zigaretten-Industrie sich mit den jeweilgen Opfern ihrer Produkte übertrumpfen wollen, bleibt doch ein fader Nachgeschmack…
By Omar Abo-Namous, 14. September 2006 @ 08:13
Ja. Natürlich darf die unterschiedliche Behandlung nicht sein. Das sage ich ja auch in meinem Kommentar - auch wenn das gerade menschlich zu sein scheint.. Die Gefahr ist aber gross, dass man in eine Aufrechnung hineinschlittert.. Gleichzeitig habe ich keinen Augenblick angenommen, dass Andreas eine Auf- oder Gegenrechnung beabsichtigt hat!
Was Tote durch Alkohol, Zigaretten etc. angeht: In “Yes Prime Minister” handelt eine komplette Episode von der Zigarettenindustrie. Der Gesundheitsminister (in GB) schlägt vor, Rauchen komplett zu verbieten. Die Argumente, die die Z-Industrie liefert, sind berauschend:
Ausserdem würden die Zigarettenraucher - sollten sie ein reifes Alter erreichen - die Gesundheitsvorsorge stark belasten. Es sei also im Interesse des Landes, wenn sie mit derselben Rate weitersterben würden… Link