Die Bomben-Fantasien des Herrn Rumsfeld
“Es ist falsch und bedient die Bomben-Fantasien des Herrn Rumsfeld, wenn immer nur über Sanktionen geredet wird.” Es sei wichtig, “endlich mit dem Iran zu reden”.
Jürgen Trittin, aussenpolitischer Sprecher der Bündnisgrünen im deutschen Bundestag, über das abgelaufene Ultimatum an den Iran
Zwar haben auch andere Politik in Deutschland ihre Abneigung gegenüber (weiteren) Sanktionen gegen den Iran ausgedrückt, aber so pointiert hat es nur Herr Trittin mit dem schönen Ausdruck “Bomben-Fantasie” betrieben. Etwas ausführlicher gibt es das im Interview mit Deutschlandradio Kultur:
Trittin: Ich glaube, wir können nicht überrascht sein, dass der Iran das ihm nach Völkerrecht zustehende Recht - mir als Grünem graust es dabei, aber nach Völkerrecht hat er dieses - auf Urananreicherung, darauf zu verzichten als Vorbedingung von Verhandlungen zu machen, dass dies nicht gelingen kann, ich glaube, es ist an der Zeit, tatsächlich zu verhandeln, will man, dass der Iran Uran nur unter internationaler Kontrolle anreichert, das heißt, dass sichergestellt ist, dass an dieser Stelle dieses Uran auch nicht für die Produktion von Waffen genutzt wird. Hier muss die internationale Gemeinschaft ihre Strategie überdenken. Es ist so, dass man mit dem Iran verhandeln kann. Und anstatt jetzt auf neue Sanktionen und Eskalationen bis hin zu Militärschlägen, wie sie von Herrn Rumsfeld fantasiert werden, zu setzen, geht es darum, jetzt zu verhandeln.
Bombenfeste Fantasie
Tatsächlich schlägt die Fantasie dem Rumsfeld immer wieder mal durch. Dann sagt er Dinge wie
We know where they [the alleged WMDs] are, they’re in the area around Tikrit and Baghdad and East, West, South and North .. somewhere.
Derselbe Rumsfeld sagt viele Tage später als Antwort auf mehrere überraschende Fragen zu seinen Behauptungen, der Irak hätte Massenvernichtungswaffen besessen und zur Andeutung, zwischen Saddam Hussein und Al-Kaida gäbe es eine Verbindung, nach einer Rede beim “Center for international Studies”:
Well, first of all, i haven’t lied. [...] I did not [say i knew where the wmds were]!
Die Fragen stellte Ray McGovern, ein früherer CIA-Mitarbeiter, der zu Beginn des Irakkriegs den Dienst bei der CIA gekündigt hat. An den Reaktoinen der anderen Zuschauer kann man übrigens erkennen, dass eine Art ‘Screening’ der Anwesenden betrieben werden, damit eben solche peinlichen Vorfälle nicht passieren. Auch interessant: Jon Steward kommentiert die Antworten von Rumsfeld!
Bombiges Feindbild
Daneben versucht die US-Administration derzeit ein verstärktes Feindbild Islam aufzustellen. Während Bush Tage nach dem 11. September verlautbaren liess, dass Muslime in Amerika nicht unter Generalverdacht kommen würden, schlägt er inzwischen andere Saiten auf und gibt bekannt, dass der Gegner im Kampf gegen den “internationalen Terrorismus” der “Islamofaschismus” sei. Was das bedeuten soll, stellen wir erst einmal hintenan. Wichtiger ist, dass zunehmend Politiker aus der rechten Politosphäre der USA gegen Muslime hetzen.
Offensichtlich malt man sich in der republikanischen Partei keine Chancen mehr, muslimische Stimmen zu gewinnen. Interessanterweise waren in den 2000-Wahlen eine Mehrheit der Muslime für Bush! Er repräsentierte mit seinen konservativen Sichten eine der “Dekadenz” entgegenwirkende Richtung - und eine, der viele konservative Muslime zustimmen würden. Diese Motive, Bush zu wählen waren vergessen in 2004 und man geht davon aus, dass 70% der amerikanischen Muslime John Kerry gewählt haben. Und nun zur Erklärung des Begriffs “Islamofascism”, Pat Robertson:
And according to the Quran, the world is divided into two parts. It’s dar al Islam and dar al harb. The part that is Islam is submitted to Islam. The other part is at war. That’s what the Quran teaches. [...] So are these extremists something aberrational from the Quran? I’m not sure they are. I would think Osama bin Laden may be one of the true disciples of the teaching of the Quran but you know because he’s following through literally word-for-word what it says. Others have taken it and said, “Well, look, this just doesn’t square with the modern world and so we must live in peace, and so we don’t want to do that kind of thing.” But if you go back to the Wahhabi, understanding, and seeing what the mullahs are preaching in the various mosques, it is hate, hate, hate, hate. You know, kill the infidels. I’m sorry, that’s just the way it is. But Islam is not a religion of peace. No way.
Zuerst muss man festhalten: Im Quran steht gar nichts von einer Aufteilung der Welt in Dar al-Harb und Dar al-Islam. Dies sind Begriffe und Zuordnungen, die Menschen geprägt haben, um tatsächliche politische Zustände zu beschreiben. Tatsächlich gab und gibt es viel mehr dieser Begriffe wie Dar al-Ahd (Vertragsländer), Dar al-Silm (Friedensländer) usw.. Aber nochmal: wenn Pat Robertson behauptet, “That’s what the Quran teaches.” dann lügt er einfach nur.
Weiter muss man festhalten, dass sich Robertson mit Hasspredigten bestens auskennt, schliesslich hält er die schlimmsten selbst. Media-Matters hat einige seiner Hasstiraden festgehalten. Gleichzeitig ist Pat Robertson der Meinung, dass gerade Bin-Laden et al die wahre Muslime wären - wahrscheinlich so wie er der “wahre Christ” ist..
Anlage
Anbei der volle Text der kurzen “Unterhaltung” zwischen McGovern und Donald Rumsfeld:
Ray McGovern: Sir, i would like to ask you to be upfront with the american people: Why did you lie to get us into a war, that was not necessary and that has caused these kinds of casualties? Why?
Donald Rumsfeld: Well, first of all, i haven’t lied. I did not lie then Colin Powell didn’t lie. He spent weeks and weeks with the central intelligence agency people and prepared a presentation, that i know, he believed was accurate. And he presented that to the United Nations. The president spent weeks and weeks with the central intelligence people and he went to the american people and made a presentation. I’m not in the intelligence business! They gave the world their honest opinion. It appears that there were not weapons of mass destruction.
Ray McGovern: You said you knew where they were!
Donald Rumsfeld: I did not. I said i knew where suspect sites were and we were …
Ray McGovern: You said you knew where they were, near Tikrit, near Baghdad and North, East, South and West of there. Those are your words.
Donald Rumsfeld: My words .. my words were that .. [it appears they were trying to escort McGovern out of the room] nono, wait a minute, wait a minute. Let him stay one second. Just a second.
Ray McGovern: America, huh?
Donald Rumsfeld: You’re getting plenty of play, sir!
Ray McGovern: I’d just like an honest answer.
Donald Rumsfeld: I’m giving it to you.
Ray McGovern: We’re talking about lies, your allegation, that there were bullet-proof evidence of ties between Al-Kaida and Iraq. Was that a lie or were you misled?
Donald Rumsfeld: Sarkawi was in Baghdad during the pre-war period. That is a fact.
Ray McGovern: Sarkawi? He was in the north of Iraq in a place where Saddam Hussein had no rule. That’s where he was!
Donald Rumsfeld: He was also in Baghdad.
Ray McGovern: Yeah, when he needed to go to the hospital! Come on, these people aren’t idiots, they know the story.
Donald Rumsfeld: You are .. Let me, let me give you an example: It’s easy for you to make a charge - uhm - but why do you think that the men and women in uniform every day, when they came out of Kuwait and went into Iraq put on chemical weapon protective suits? Because they liked the style? They honestly believed that there were chemical weapons! Saddam Hussein did use chemical weapons on his own people previously, he’d used them on his neighbour the Iranians, and they believed, he had those weapons! We believed he had those weapons.
Ray McGovern: That’s what we call a []. It does not matter, what the truth believes, it matters what you believe…
Ray McGovern wurde daraufhin von einem Moderator (nehme ich mal an) unterbrochen und das Mikro wurde weitergereicht.
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