Frauen aus der Kaaba-Moschee!?

Heute morgen lese ich im Spiegel-Online: Heiliger Schrein in Mekka für Frauen verboten:

Die Kaaba, die heiligste Stätte des Islam, darf nur noch von Männer betreten werden. Die gläubigen Frauen sollen in einen abgelegenen Teil der Großen Moschee in Mekka umziehen.

Als Quelle der Nachricht ist fho/agö/Reuters. Während mir Reuters ein Begriff ist, kann ich mit den ersten beiden Abkürzungen nichts anfangen. Wie dem auch sei, um sicherzugehen, gehe also schnell auf die Al-Jazeera-Seite und siehe da, tatsächlich gibt es eine Nachricht, die in dieselbe Richtung schlägt:

Debatte in Saudi-Arabien über Frauengebet im Hof der Kaaba-Moschee

So hat der für religiöse Standorte in Saudi-Arabien zuständige Ausschuss einen Plan vorgelegt, der vorsieht, Frauen einen speziellen Bereich zum Beten zuzuteilen, der ausserhalb des Umrundungsbereichs liegt, wohingegen Männer [weiterhin] darin beten dürfen.

Der Direktor des Instituts für Pilgerreisenforschung Ussama Albar sagte, dass der Bereich zu klein und zu voll wäre, deshalb hätten die Verantwortlichen beschlossen, das Gebet der Frauen ausserhalb des Umrundungsbereichs zu verschieben - “an einen besseren Ort, wo sie [weiterhin] die Kaaba sehen können und wo ihnen [zusätzlich] mehr Platz zur Verfügung steht”. Albar fügte hinzu, dass einige Frauen die Entscheidung schlecht finden würden, aber aus der Sicht der religiösen Behörden wird [der Plan] besser für sie sein. Weiterhin seien die Verantwortlichen bereit, sich mit diesen Frauen hinzusetzen, um ihnen den Geist des Plans, der derzeit nur ein Vorschlag ist, zu erklären.

Albar führte aus, dass der Beschluss nicht feststünde und dass er noch zurückgezogen werden könne - besonders, da erwartet werden kann, dass dieser muslimische Frauen in anderen Ländern verärgern könne.

Die andere Meinung

Auf der Gegenseite zur Position des Ausschusses lehnt Sahila Hammad - saudische Bürgerin und Mitglied in der weltweiten Union muslimischer Gelehrten - diesen Vorschlag und erklärt, dass es das Recht der Frauen sei, innerhalb der Moschee zu beten. Und in einem Telefongespräch mit Al-Jazeera.net hat Frau Hammad gesagt, dass Männer und Frauen das Recht hätten, im Gotteshaus zu beten, da sie auf die religiösen Pflichten1 bezogen gleichwertig seien und hat religiöse islamische Belege für ihre Meinung vorgelegt. Frau Hammad fügte hinzu, dass Männer und Frauen auch während der Umrundung [der Kaaba] vermischt seien - und fragte sich, ob die Verantwortlichen von den Frauen auch fordern werden, an einem anderen Ort die Umrundung zu verrichten.. Sie fasst den Vorschlag als Diskriminierung von Frauen auf. [...]

Zunächst einmal muss man festhalten, dass der Reuters/Spiegel-Artikel fälschlicherweise davon ausgeht, dass der Beschluss bereits gefallen ist. Das ist eine nicht geringe Irreführung. Im Vergleich dazu wiegt es nicht sehr schwer, dass Reuters oder Spiegel Online Hatun al-Fassi für einen Mann hält - es ist eine Frau!

Wie dem auch sei, ist es m.M.n. eine Frechheit, überhaupt einen solchen Vorschlag zu machen. Wenn die Moschee tatsächlich überfüllt ist2, kann man gerne darüber nachdenken, eine allgemeine Zugangsbeschränkung vorzusehen, aber wenn man sich für die Zugangsbeschränkung aufgrund des Geschlechts entscheiden möchte, dann müsste man sich fragen, warum nicht Männer (die zahlenmässig immer noch grössere “Gruppe”) nach aussen verlegt werden?

Schliesslich können sie viel einfacher - so das Stereotyp - als das zarte Geschlecht grössere Strecken (die grösseren Umrundungen) zurücklegen und ihre grössere Anzahl kann sich leichter auf einen grösseren Durchmesser verteilen.

Leider habe ich nicht die Zeit, aber einige der Kommentare auf der Al-Jazeera-Seite sind es wert, übersetzt zu werden. Wenn sich wer findet, bitte in die Kommentare damit!

Zur Information

Bereits jetzt gibt es einen speziellen Frauenbereich in der Kaaba-Moschee, der etwa ein Achtel der Gesamtfläche des Hofs ausmacht. Allerdings müssen Frauen nicht dort beten, wenn sie nicht wollen, sondern können, wenn sie denn wollen, dort unter sich beten. Die restlichen Frauen beten Seite an Seite mit den Männern.

Update

Der Vorschlag wurde abgelehnt.

“No change has taken place in the prayer area for women in the mataaf. In fact, we have allocated two more wider spaces overlooking the Kaaba for women to pray,” the official said emphasizing that women were equally entitled to the prayer complex as men.

“The presidency has arranged special prayer areas for women during Ramadan and it covers 53 percent of the whole Haram, including the mataaf and three floors,” explained Al-Khozaim, adding that media reports on shifting the prayer place of women from the mataaf to a different area were based on a misunderstanding.

  1. schwierig: Ibadat umfasst die Gebete, aber auch die anderen vier der fünf Säulen und einiges mehr[]
  2. ja, bisweilen ist sie das (vor allem zur Pilgerreise, dem Hadj), obwohl sie immer wieder mal vergrössert wird..[]

Verwandte Beiträge

Comments

  • By Tugba, 30. August 2006 @ 10:04

    Salam,

    ist ja unfassbar:

    a)schlampige Nachrichternerstattung des Spiegels
    “…darf nur noch von Männer betreten werden…”
    Die Rede ist vom Beten nicht vom Betreten!
    Die Wortwahl ist geschickt gewählt: Saudis sind Frauenunterdrücker.

    b)Vorschlag der saudischen Behörden
    Die Behörden wollen ja “nur die Frauen schützen”. Wieso nicht umgekehrt?! Alle Frauen rein, Männer raus.

    a) & b) unakzeptabel!

    Gruß.

Other Links to this Post

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI

Einen Kommentar schreiben