Michael Wolffsohn – der Historiker mit Beigeschmack
In einem Kommentar in der Zeitung “Die Welt” mit dem Titel “Deutschland soll bestraft werden”, der morgen erscheinen soll, versucht der Historiker Prof. Michael Wolffsohn, Gründer der “Forschungsstelle Deutsch-Jüdische Zeitgeschichte e. V.”, die gescheiterten Terroranschläge in Deutschland für eine aggressivere Anti-Iran-Politik und eine aggressivere Sicherheitspolitik der deutschen Regierung zu missbrauchen. Er bedient dabei die rechte und neokonservative “politisch inkorrekte”-Argumentation und hat öffentlich Folter als legitimes Mittel zur Terrorismusbekämpfung erklärt. Sein Kommentar in der Welt ist von BILD-Zeitungs-Kaliber und dient ausschliesslich des Agenda-Settings.
Politisch “un”korrekter Professor
So schreibt er gleich im zweiten Absatz:
Um politisch nicht unkorrekt zu handeln, überlegt es sich jeder Beamte zweimal, ob er Sicherheitsüberprüfungen von muslimischen oder anderen Ausländern anordnet. Wer setzt sich schon freiwillig dem Vorwurf aus, “Muslime unter Generalverdacht zu stellen”?
Nicht das Gleichheitsprinzip und das Verbot der Diskriminierung, sondern angeblich die Gefahr “politisch unkorrekt” zu sein, ist dafür verantwortlich, dass muslimische Ausländer nicht allein aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit anders behandelt werden. Das führe – so Herr Wolffsohn – zu einem ineffizienten Sicherheitsdienst. Hinzu komme, dass die “amerika- und israelfeindliche Stoßrichtung des Terrors [...] in bestimmten deutschen Kreisen nicht ganz unpopulär” sei. Und das ist der Anker seines gesamten Kommentars.
Stragiewechsel eines Einzeltäters und die Iran-Connection
Er sieht in der Bedrohung Deutschlands mit Terroranschlägen einen “Strategiewechsel” der Terroristen, die nun Deutschland “zur Aufgabe Israels” zwingen möchten. Dass der Anschlag – genauso wie die Anschläge in London – von wenigen Leuten1 geplant wurde, stört an dieser These des “Strategiewechsels”. Herr Wolffsohn versucht dann eine Verbindung zwischen Youssef Mohamad und dem Iran zu schaffen. Und so geht das:
Youssef Mohamad stammt aus dem Libanon, vermutlich2 aus der “gebildeten, durchaus strategisch handelnden Mittel- oder Oberschicht”. Er ist zwar Sunnit, aber die Verbindung zum Hisbollah3 ist trotzdem herstellbar, denn bekanntlich hätten die letzten Wochen gezeigt, “wie sehr sich auch die libanesischen Sunniten mit der vom Iran und Syrien gesteuerten Schiitenmiliz Hisbollah inzwischen identifizieren”. Dass die letzten Wochen auch gezeigt haben, wie sehr sich die libanesischen Christen mit der Hisbollah identifizieren können, unterschlägt Herr Wolffsohn. Wichtig ist die Hisbollah für ihn nur, um die “Täterspur” zur “Strategie des Iran und Syriens” zu führen!
Auch fatal für einen Historiker: Dass die Hisbollah vom Iran oder von Syrien gesteuert wäre, entbehrt jeder Wahrheit. Tatsächlich wurde auch im letzten Krieg deutlich, dass die Hisbollah eine eigene Entscheidungskraft (zum Guten oder zum Schlechten) hat. Dem Leser wird allerdings suggeriert, dass dem libanesischen, Hisbollah-unterstützenden Youssef Mohamad die Befehle aus dem Doppelstaat Iran-Syrien zugeflossen wären. Das ist nicht nur lächerlich, sondern entbehrt auch jeglicher Beweise oder auch nur “Gründe zur Annahme” – bis auf die komische Herleitung, die Herr Wolffsohn selbst vornimmt.
Iran und Syrien als Drahtzieher in Kiel
Jedenfalls verlässt Herr Wolffsohn damit die “Analyse” des tatsächlichen Versuchs der Anschläge und behandelt im restlichen Text die “Strategie des Iran und Syriens”. Dabei rechtfertigt er jegliche militärische Aufrüstung und Aktion Israels, während er dem syrischen Präsidenten die offene Propagierung von Krieg und dem Iran die Initiierung des Libanonkriegs vorwirft.
Bemerkenswert ehrlich spricht er die U-Boote an, die Deutschland teilweise an Israel verschenken will. Jedermann kenne den Zweck dieser U-Boote:
Sie verschaffen Israel die Möglichkeit eines nuklearen Zweitschlages im Falle eines erlittenen Erstschlages. Von wem und woher wäre mit einem solchen Erstschlag zu rechnen? Er käme aus dem Iran. Für die nukleare Aufrüstung des Iran ist demnach Deutschland ein Störfaktor.
Zweitschlag kommt vor Erstschlag
Tatsächlich erlauben die U-Boote Israel, einen Erstschlag auszuführen; ein Erstschlag, wie er von NeoCon-Politikern nicht nur in den USA – deren Regierung heute politisch so eng mit Israel verbunden ist wie selten zuvor -, sondern auch direkt in Israel vertreten wird.
Deutschlands U-Boot-Lieferung stört das normale Leben der Menschen im nahen Osten, nicht so sehr irgendwelche nuklearen Bestrebungen Irans, denn die Regierung des Irans wird nicht so dumm sein, zu glauben, dass Israel nicht auch so zu einem “Zweitschlag” ausgerüstet wäre. Und auch wenn Israel selbst nicht den Zweitschlag ausführen kann, so wird ihn sicherlich die USA als Vergeltung für Israel ausführen. Alles das vorausgesetzt, der Iran würde überhaupt die Absicht haben, Israel mit Nuklearwaffen anzugreifen und dabei den gesamten nahen Osten zu kontaminieren – was zumindest bezweifelt werden sollte!
Der iranische Präsident Ahmadi-Nedschad sagt offen: “Israel muss zerstört werden.” Er rühmt Hitlers Ziel der Judenvernichtung und wollte Deutschland sogar als Partner seines Nahost-Holocausts gewinnen. Das misslang. “Strafe muss sein.”
Zunächst einmal ist es für einen Historiker unverschämt weiterhin zu behaupten (und dann noch als würde er zitieren), dass der iranische Präsident die Zerstörung Israels gefordert hätte. Aber dann setzt Herr Wolffsohn Israel mit der Allgemeinheit der Juden gleich, was eine irreführende Verallgemeinerung ist, nicht nur, da nicht alle Juden Israelis sind oder Israel unterstützen, sondern auch, weil die Zerstörung eines Staates4 nicht zwangsläufig die Vernichtung dessen Bürger bedeutet. Der Hitler-Vergleich und die Bezeichnung des Nahost-Konflikts als “Nahost-Holocaust” sind dementsprechend die konsequente Irreführung und Hetze gegen den Iran und gegen jeden, der es sich erlauben sollte, Israel zu kritisieren.
Strafe muss sein..
Das misslang. “Strafe muss ein.”
Wieder suggeriert Herr Wolffsohn – ohne jeglichen Beweis -, dass Iran hinter den vereitelten Terroranschlägen in Deutschland steckt! Und sowas nennt sich Historiker!
Insgesamt ist es ein stark unterinformierter und manipulativer Kommentar, der beim aufmerksamen Leser einen Geschmack hinterlässt, den man nicht so gerne im Mund hat..
Übrigens: Herr Wolffsohn vergisst zu erwähnen, woher die Motivation des mutmasslichen Attentäters kommen könnte: Sein Bruder soll im Libanon israelischem Beschuss zum Opfer gefallen sein und die europäische Reaktion auf die Tötung weiterer Tausend Libanesen war nicht viel mehr als ein Achselzucken – keine kollektive und unmissverständliche Distanzierung von der Tötung von Zivilisten – und seinem Bruder..
- derzeit wird von 2 ausgegangen[↩]
- Durch einen absurden Vergleich mit Mohamad Atta, der 1. auch studiert hat und 2. aus Ägypten kommt (das ist doch dort in der Nähe, oder?) [↩]
- zumindest schliesst sich Herr Wolffsohn meiner Schreibweise an..[↩]
- wenn wir diskussionshalber annehmen, dass es das war, was der iranische Präsident gefordert hatte[↩]
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