Too Much Cookies Network

Libanon Tag 20 - Mehr Tote, mehr Zerstörung, mehr Leid..

Freitag, 4. August 2006, 08:45

Vorweg eine Bemerkung: die Kommentare kommen natürlich mit einer Verzögerung an. Schließlich haben die Leute von der NISCVT sehr viel zu tun.

Obwohl Israel einer 48-stündigen Aussetzung der Luftangriffe zugestimmt hatte, sind viele Dörfer im Süden bombardiert worden.

Die Bilder von der Stadt Bint Jbeil zeigen das unvorstellbare Ausmaß der Zerstörung… es ist als hätte es diese Stadt nie gegeben. Wir haben herzzerreißende Bilder gesehen, so schlimm, wie die von Qana, von alten Menschen, die aus dem Gebiet evakuiert wurden, manche von ihnen behindert, manche blind, verwirrt, manche wussten nicht einmal mehr ihren Namen und erkannten niemanden. Sie waren nicht in der Lage, die Ambulanzen auf eigenen Füßen zu verlassen und wurden von den tapferen Helfern des Roten Kreuzes und des zivilen Sicherheitsdienstes herausgetragen. Reporter erklärten, dass viele Dörfer in der Umgebung von Bint Jbeil dem Erdboden gleich gemacht worden sind, dass von streunenden Hunden angefressene Leichen herumliegen und über allem ein unerträglicher Verwesungsgeruch liegt.

Ein Konvoi von 160 Autos erreichte gestern Sidon mit Zivilisten aus christlichen Dörfern, die auch bombardiert wurden und in denen nicht einmal die Kirchen verschont wurden. Sidon (Saida) quillt über von Menschen auf der Flucht. Dies ist ihre erste Station, hier müssen sie bleiben, bis sie wissen, wie und wohin es weitergehen soll. Und die Todesmaschinerie arbeitet weiter mit nicht enden wollendem Appetit nach mehr Toten, mehr Zerstörung mehr Leiden.

Man findet keine angemessenen Worte mehr, Worte sind leer geworden, sie haben keine Bedeutung mehr, sie sind außer Kontrolle, wie von einem anderen Planeten. Denkt man an die 800 Tausend Flüchtlinge und ihre täglich steigende Zahl, dann erkennt man, dass dies eine zweite Nakba ist ( Katastrophe der Vertreibung und Flucht der Palästinenser 1948). Obwohl Hilfsorganisationen alles mögliche versuchen, die Situation zu bewältigen, so ist es doch äußerst schwierig entfernte Regionen zu erreichen, auch wegen der zunehmenden Treibstoffverknappung.

In Zusammenarbeit mit anderen NROs haben wir heute an folgende Familien Lebensmittelrationen verteilt:

  • Rashidiyeh: 200
  • Shatila: 1300
  • Burj el-Barajneh 2000

Die UNRWA wird heute mit der Zuteilung in Burj el-Shemali und El-Buss beginnen. Die Reis- und Zuckervorräte unserer Zentren wurden ausgeteilt, ebenso alle Matratzen, die wir dort hatten.

Bei den oben genannten Familien handelt es sich um die aktuellen Flüchtlinge. Zusätzlich zu ihnen erhalten die von uns gesponserten (palästinensischen) Familien und die Familien unserer ca. 100 Mitarbeiter Lebensmittelrationen. Wir möchten unseren Freunden außerdem noch mitteilen, dass die meisten der Lagerbewohner jetzt arbeitslos sind und ihre Geldreserven zu Ende gehen. Sie können sich daher nicht in sicherere Gebiete zurückziehen, da sie die Transportkosten, die wegen der hohen Nachfrage und der Bezinknappheit ins Unermessliche gestiegen sind, nicht bezahlen können. Es hat sich gezeigt, dass die meisten NROs, genau so wie die UNRWA, den Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Lebensmittelzuteilung sieht. Wir haben daher beschlossen, jeder von uns betreuten Familie zwischen 75 und 100$ auszuhändigen. Mit der Verteilung wollen wir morgen beginnen.

NISCVT via Flüchtlingskinder im Libanon e.V.

Kein Kommentar

Noch kein Kommentar..

Kommentar hinterlassen

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

About

Seit November 2004 berichtet 'Too Much Cookies Network' live und radikal aus der Parallelgesellschaft. Die Themenwahl ist willkürlich, der Sprachstil filigran und der Gegner unklar. Zum Netzwerk gehören weiterhin folgende Seiten: