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Libanon Tag 17 - Wahnsinn!

Montag, 31. Juli 2006, 16:22

Die heftigen Kämpfe gehen weiter, insbesondere im Süden, wo jedes Dorf zum Bombenziel geworden ist, und in der Bekaa Ebene. Das Gesundheitsministerium beziffert die Zahl der Toten mit 600, von denen ein Drittel Kinder sind. Zwischen 88 und 100 Tote sind unter Häusertrümmern begraben und können nicht geborgen werden. Der Zustrom von Menschen, die versuchen, sichere Gebiete zu erreichen, reißt nicht ab.

Gestern konnte die UNIFIL 250 Personen, überwiegend Frauen und Kinder evakuieren. Die christlichen Dörfer im Süden nehmen viele Flüchtlinge bei sich auf, so dass sich deren Einwohnerzahl verdreifacht hat, während die zur Verfügung stehenden Lebensmittel drastisch abnehmen. Ein Hauptproblem ist die Versorgung mit Trinkwasser. So haben z. B. Leute angefangen, Wasser aus einem Bassin zu trinken, in dem Farmer normalerweise ihre Tabakernte waschen. Obwohl die Israelis behaupten, sie würden den Menschen genau definierte Fristen einräumen, während der sie ihre Dörfer räumen könnten, attackieren sie weiterhin die Straßen, die in die Sicherheit führen sollen.

Humanitäre Hilfe fast unmöglich

In 600 Schulen sind Flüchtlinge untergebracht worden, viele sind bei Freunden und Verwandten untergekommen. Obwohl gestern zwei Flugzeuge mit medizinischen Hilfsgütern aus Ägypten und Jordanien auf dem Beiruter Flugplatz gelandet sind, ist er immer noch geschlossen. Die Sicherheits-korridore für den Transport humanitärer Hilfe sind eine Illusion, wie es der Direktor der belgischen Sektion von Médecins sans Frontières ausdrückte. Der WHO Sprecher in Genf sagte: “Viele Menschen sind von der Versorgung abgeschnitten und mit dem Ausbruch von Seuchen muss gerechnet werden.”

Eine Nation

Die palästinensischen Lager haben 2000 Familien aufgenommen, allein in den Lagern im Süden sind es zwischen 8 und 10 Tausend Personen. Die meisten sind im Lager Ein el-Helwe in Sidon untergekommen. Im Norden haben die beiden Lager Naher el-Bared und Beddawi 520 Familien aufgenommen, und während ich dies hier schreibe sind weitere dreißig Familien in Beddawi angekommen. Die palästinensischen Flüchtlinge teilen ihre Zimmer, ihre Schulen, ihre Moscheen und ihr Essen mit den libanesischen Familien. Dies führt zu einer Verknappung von Matratzen, Trinkwasser und Medikamenten. “Bisher haben wir untereinander eine halbe Kartoffel geteilt. Als die Flüchtlinge kamen, mussten wir sie noch einmal teilen. Wir haben fast keine Kartoffeln mehr. Menschen, die nichts besitzen, helfen Menschen, die nichts besitzen. Das ist die Ironie des Krieges,” sagte ein Mann aus dem Lager al-Buss. Ein anderer sagte: “Wir sind jetzt eine Nation, die der Schmerz und die Not geeinigt haben.”

Einige Familien aus den Lagern in Beirut sind auch Richtung Norden gezogen, obwohl keines der Lager dort beschossen worden ist, aber die Erinnerung an frühre furchtbare Erlebnisse versetzen die Menschen in Panik.

Unsere Mitarbeiter kooperieren mit anderen NROs. Auf speziellen Formularen werden Informationen über jede Familie festgehalten, um die Zuteilung der benötigten Hilfe zu erleichtern. Eine Jugendgruppe hat damit begonnen, den Müll, der sich im Lager angesammelt hat, zu entsorgen. Andere Gruppen sind dabei, die Schutzräume im Lager für den Notfall vorzubereiten. Sie müssen gesäubert werden, Belüftungsvorrichtungen und Licht müssen installiert, Wasser und Feuerlöscher bereitgestellt werden. Einige Jugendliche wurden in erster Hilfe ausgebildet, damit sie im Falle eines Angriffs auf die Lager einspringen können.

Wir nehmen an, dass es noch längere Zeit dauern wird, bevor die Kämpfe aufhören. Neue Wunden werden in diesem müden Land aufgerissen, bevor die alten verheilt sind. Wer sagte, in Krieg stecke Logik?

Eure Solidarität ist die einzige Logik, die in diesem Wahnsinn übrig geblieben ist.

NISCVT via Flüchtlingskinder im Libanon e.V.

1 Kommentar

Kommentar von Tugba

Made Montag, 31 of Juli , 2006 at 19:21

Selam Omar,

Danke für die Veröffentlichung der Berichte!
Aus dem deutschen Fernsehprgramm höre ich sowas nicht.
Die Tagesthemen haben keine Zeit für solch ausführliche Berichterstattungen.

Schlimm, schlimm, schlimm.
Ich wage mich zu einer Aussage:
Israel ist unvernünftig und blind.
Terror wird damit nicht beendet, sondern nur gefördert.

Mit dieser Aktion verlängert die politische Führung Israels den Nahost-Konflikt.
Und später fragen sie sich,

“huch, wo kommen denn nur die neuen Selbstmordattentäter und Angriffe auf Israel her?”

Das ist die Ernte vom letztem Jahr!

schlimm. schlimm. schlimm.

(Es soll bitte keiner glauben, ich wäre für die Hizbollah/Hamas…, nur weil ich nur eine Seite kritisiere)

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