Israel muss verhandeln

Israel muss verhandeln - KOMMENTAR VON URI AVNERY:

Ohne zu wissen, dass er aufgezeichnet wurde, meinte George W. Bush zu Tony Blair: “Siehst du, die Ironie ist, dass man die Syrer veranlassen muss, die Hisbollah zu veranlassen, mit der Sc***ße aufzuhören. Dann wird das Ganze vorbei sein.” Wie ironisch! Denn erst vor ein paar Monaten ist es den Amerikanern gelungen, die Syrer aus dem Libanon hinauszuwerfen. Jetzt sehnen sie sich nach ihnen. Wie also wird dieser Krieg enden?

Am Ende kann eine Lösung nur im Einvernehmen mit den Schiiten und indirekt mit Syrien und Iran zustande kommen. Also muss Israel verhandeln. Aber das kann nicht auf den Libanon beschränkt werden. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hat mit der Eskalation hauptsächlich begonnen, um in der arabischen Welt als eine Art Erlöser der Palästinenser gefeiert zu werden. In Gaza tobt ein Krieg, der noch schlimmer ist als der im Libanon. Es wird keine Ruhe geben, bis Israel auch hier mit Gesprächen beginnt - und zwar mit der demokratisch gewählten palästinensischen Regierung, also mit der Hamas.

Das ist möglich, das ist nötig, wir kommen nicht daran vorbei. Bis dann wird “die S***iße” , wie Bush das so schön ausgedrückt hat, nicht vorbei sein.

Weiterer Lesetip: Generäle übernehmen das Kommando.

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Comments

  • By christian, 20. Juli 2006 @ 09:22

    ah der lieblingszeuge der deutschen.

    sucht mal bei google nach “störtebeker avnery” und freut euch über die anderen, die den uri gerne zu wort kommen lassen.

  • By fantastix, 20. Juli 2006 @ 14:20

    Den Schuld allein Israel zu zuweisen ist falsch. Wir wissen alle (auch am Beispiel des Israel-Palästina-Konfliktes), dass Gewalt mit Gewalt nicht zu bekämpfen ist. Und genau diesen Fehler machte Herr Nasrallah, indem er Israel angriff. Dabei sehe ich das größte Verbrechen von Hamas und Hisbollah nicht darin, dass sie Israel angreifen, sondern darin, dass sie eigene Bevöllkerung in diesen Krieg miteinziehen.

  • By Omar Abo-Namous, 20. Juli 2006 @ 15:14

    @fantastix: aus welchen Gründen auch immer die Hisbollah die Soldaten entführte (ich hoffe ja noch, dass es aus Solidarität mit den Palästinensern geschah), die Antwort Israel war mehr als nur eine ausufernde Reaktion auf eine Entführung. Einige Historiker und Journalisten behaupten, dass der Angriff lange geplant war und nur Scheingründe abgewartet wurden. Dem stimme ich weitestgehend zu. Wenn man sich anschaut, wie die israelische Luftwaffe Syrien gedroht hat, dann spricht alles für eine gezielte Provokation.

    Warum ein solcher Angriff jetzt kommt, kann ich mir derzeit nicht erklären. Ich versuche aber gerade die Verhältnisse zwischen Regierung und Militärführung näher zu betrachten, denn ich glaube genau da ist das Problem auf israelischer Seite zu suchen. Die Militärs hatten schon lange eine solche Chance abgewartet und die Regierung will nicht als schwach dastehen.

  • By Omar Abo-Namous, 20. Juli 2006 @ 15:16

    @christian: toller Seitenhieb. Dass rechtsradikale ebenso gegen Israel wettern und berechtigte Kritik missbrauchen, deskritiert die Kritik überhaupt nicht. Ich halte es da mit islam.de: Warnung vor falschen Freunden - Von Irmgard Pinn und Aiman A. Mazyek

  • By Nemesis, 20. Juli 2006 @ 17:22

    @christian: Man kann die Leute nicht daran hindern, aus falschen Gründen der gleichen Meinung zu sein.

    Es meckert ja auch keiner wenn fundamentalistische Christen in Amerika und Frankreich und sogar Le Pen-Anhänger für Israel sind. Solange es einen “höheren” Ziel dient, macht man gerne Querfront.

  • By David, 20. Juli 2006 @ 23:03

    Verhandeln ist ja immer gut. Aber was ist denn die Verhandlungsbasis? Wieviele Attentate und Entführungen im Jahr muß Israel denn hinnehmen, bevor es zurückschlagen darf? Kann man da konkrete Zahlen bekommen?

  • By Omar Abo-Namous, 20. Juli 2006 @ 23:29

    “Wieviele Attentate und Entführungen im Jahr muß Israel denn hinnehmen, bevor es zurückschlagen darf?”

    Genauso können (und tun sie ja auch) Palästinenser argumentieren. Wieviele Tote, Verwaiste und “Gefangene” müssen sie hinnehmen, bevor sie zurückschlagen dürfen?? Wenn jeder so denken würde, hätten wir ja nie Frieden gehabt (auch in Europa nicht). Da die meisten im nahen Osten derzeit so denken, schlage ich weiterhin einen offenen Waffenstillstand vor, der meinetwegen international beobachtet wird. Nach einer Weile kann man darüber nachdenken, wie Friedensverhandlungen aussehen können.

    Mir ist jedenfalls ein Waffenstillstand lieber als die tägliche Bombardierung..

    Beim Abzug der israelischen Armee aus dem Gaza-Streifen haben alle palästinensischen Gruppierungen einen Waffenstillstand eingehalten. Nach dem Abzug hat Israel mit “aussergerichtlichen Hinrichtungen” angefangen (dabei einige Zivilisten umgebracht) und damit natürlich dafür gesorgt, dass zwei Gruppen darauf reagiert haben - mit Beschuss von Sderot! Nach dem Beschuss musste natürlich Israel “antworten” und hat mit der Operation “First Rain” angefangen. Eine Operation, die andauerte, auch als die palästinensischen Gruppierungen wieder einen Waffenstillstand ausgerufen hatten.

    In 2006 wurden bis vor der Entführung des israelischen Soldaten um die 100 Zivilisten durch israelische Bombardierung getötet. In den zwei Wochen vor der Invasion (während der Fussball-WM) hat die IDF mindestens 17 palästinensische Zivilisten getötet (davon 10 Kinder) und 19 weitere Menschen in “aussergerichtlichen Hinrichtungen”. Die Entführung kam also nicht ganz ohne Grund!

    Dazu muss ich hinzufügen: Ich habe zwar zwischen den offensichtlichen Zivilisten und den von Israel als Terroristen bezeichneten Hingerichteten unterschieden, obwohl ich nicht zu dieser Unterscheidung stehe. Die aussergerichtlichen Hinrichtungen sind nicht nur deshalb abzulehnen, da sie umliegende Zivilisten mit in den Tod ziehen, sondern auch weil jegliche rechtstaatliche Kontrolle nicht gegeben ist. Wenn das israelische Militär behauptet, das wären alles Terroristen, muss ich ihnen das nicht glauben..

  • By David, 21. Juli 2006 @ 00:15

    “Beim Abzug der israelischen Armee aus dem Gaza-Streifen haben alle palästinensischen Gruppierungen einen Waffenstillstand eingehalten. Nach dem Abzug hat Israel mit “aussergerichtlichen Hinrichtungen” angefangen”

    Einfach so?

  • By Omar Abo-Namous, 21. Juli 2006 @ 02:15

    @David: Was heisst einfach so? Folgendes heisst es genau:

    Am 23. September 2005 hat die israelische Armee drei Mitglieder der “Islamic Jihad” in der Nähe von Tul Karem getötet. Israel hat behauptet, dass diese einen Anschlag geplant hatten. Nur einen Tag zuvor hatten palästinensische Gruppen sich darauf geeinigt, ihre Waffen nicht öffentlich zu tragen. Ein Schritt, der durchaus zur Stabilisierung beigetragen haben könnte.

    Jedenfalls hat die “Islamic Jihad” mit dem Beschuss von Sderot geantwortet. Wieder einen Tag später hat die israelische Armee einen Wagen angegriffen, in dem sich Hamas-Mitglieder aufhalten sollten. Bei dem Anschlag sind vier Zivilisten getötet. Die Hamas hat auch mit dem Beschuss von Sderot begonnen.

    Danach hat praktisch die “Operation Erster Regen” angefangen. Noch in der selben Nacht (24./25. September) hat die israelische Armee u.a. eine Schule bombardiert. Bei dieser Angriffswelle sind 17 Menschen gestorben. Der Rest hört sich eigentlich genauso an, wie die derzeitigen Angriffe:

    Operation First Rain, continuous assaults

    Qurei: ‘Israel is escalating the situation, striking peace’

    400 Palestinians arrested since Saturday

    Mofaz: ‘we will strike Gaza, create a new reality’

    Army spokesperson: ‘We will not hesitate in shelling civilian areas’

    P.A: ‘Israel continues its shelling, factions committed to calm’

    … ist das nun “einfach so”??

  • By Omar Abo-Namous, 21. Juli 2006 @ 02:24

    Hier noch ein Artikel, der ein wenig drumherum erzählt:

    What Israeli Disengagement Sounds Like - Dr. EYAD SERRAJ

    Jetzt hast du erst einmal genügend Lesematerial.. ich muss schlafen. Good night.

  • By fantastix, 21. Juli 2006 @ 07:29

    Omar Abo-Namous

    Sie verwenden mehrere Links aus einer einzigen Webseite, um Ihre Meinung zu begründen. Wenn man den Bereich “About” dieser Seite anschaut, bekommt man einen Eindruck, dass der Stoff der Seite nur aus einer Perspektive betrachtet wird und zwar aus der Perspektive der Palästinenser. Um sich eine objektive Meinung zu bilden, musste man schon mehrere Quellen in Betracht nehmen. Wenn ich Ihnen mehrere Links aus Haaretz und Zitaten des israelischen Rundfunkes als Begründung meiner Meinung angeben würde, würden Sie mir genau diese Einseitigkeit auch vorwerfen.

    Was die Schulen und weitere zivile Einrichtungen eingeht, die Israelische Armee eingrieft. Sagen Sie Omar, ist Ihnen bekannt, dass palästinensiche Gruppierungen wie Hamas u. a. diese Einrichtungen ganz bewusst als Versteck ausnutzen und zivile Bevölkerung in Gefahr bringen? Oder ist das Ihrer Meinung nach nur Propaganda?

  • By Omar Abo-Namous, 21. Juli 2006 @ 09:21

    @fantastix: ich hoffe, wir können uns alle dutzen.. Tatsächlich habe ich auf der Seite die Informationen, da sie recht einfach zu recherchieren ist. Genau dasselbe kann man natürlich auch bei bbc tun, aber es wird umso schwieriger, je mehr Nachrichtenseiten miteinbeziehen möchte (logisch):

    Militants shot dead in West Bank - 23. September 2005 (die drei toten Mitglieder der “Islamic Jihad” und die Antwort dieser Gruppe..

    Israel raid kills Hamas militants - 24. September 2005 (vorangegangen war eine Explosion bei einer “Parade” (15 Tote), Hamas hat Israel dafür verantwortlich gemacht, Israel bestreitet jegliche Beteiligung.. Jedenfalls hat die Hamas auch mit dem Beschuss von Sderot angefangen (5 Verwundete))

    In der BBC wird nicht vom Namen der darauffolgenden Offensive gesprochen, deshalb ist schwer nach genauen Informationen dazu zu suchen. Hier ist aber der Waffenstillstand der Hamas. Vielleicht eine kurze Abhandlung:

    “On Sunday, an Israeli air strike killed two Islamic Jihad militants, including a commander, Mohammed Khalil.

    They were the latest fatalities in a long weekend of violence, just a fortnight after Israeli troops withdrew from the Gaza Strip after 38 years.

    Palestinian militants launched rockets at Israeli territory around the town of Sderot, injuring five people.

    They were responding to the shooting of three Islamic Jihad militants in the West Bank and a blast which killed 15 at a rally in Gaza - an explosion blamed on Israel by Hamas but disowned by the Israelis.

    The rocket attacks, in turn, brought a wave of Israeli air strikes. ”

    Israel hat auf der anderen Seite hat weiter am Beschuss des Gaza-Streifens festgehalten (die runups zu den israelischen und palästinensischen Wahlen hatten schon angefangen und das merkt man - auch wenn in verschiedenen Konnotationen - an den Aktionen der Protagonisten..) Auch damals hat Israel nicht Halt gemacht vor zivilen Einrichtungen, wie Brücken und E-Werke.

    Viel Spass..

  • By David, 21. Juli 2006 @ 09:25

    1. Gezielte Tötungen sind dann ein Skandal, wenn eine Ordnungsgemäße polizeiliche Vehaftung und ein Prozeß möglich sind. Ist dies nicht der Fall, und das halte ich im (inzwischen nicht mal mehr besetzten) Gaza für wahrscheinlich, so kommen gezielte Tötungen durchaus als Mittel der Selbstverteidigung infrage, und das m.E. auch präventiv. Wenn Terroristen meinen, Krieg führen zu müssen, dann lassen sie sich damit auch auf die Spielregeln ein.

    2. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob die “gezielt Getöteten”, z.B. im konkreten Fall der drei Mitglieder des I.J., tatsächlich einen Anschlag geplant hatten. Da ist dann letztlich entscheidend, wem man glauben will. Aber wenn ich vor der Wahl stehe, Hamas oder dem I.J. zu glauben, oder aber Zahal, dann ist die Entscheidung für mich klar, sorry. Nicht, weil ich unbegrenztes Vertrauen in Zahal hätte, sondern weil ich Prioritäten setze.

    3. Was die oben genannten Spielregeln und die getöteten Zivilisten betrifft: Ich sehe nicht den geringsten Anhaltspunkt, um davon auszugehen, das Zahal sich irgendwelche Zivilisten bewußt und unmotiviert als Ziele aussucht, habe also auch keinen Grund das zu glauben. Ansonsten aber stehen sie natürlich vor dem Problem, daß (fantastix hat es schon angedeutet) die Terroristen keine Skrupel haben, sich unter die Zivilbevölkerung zu mischen, auf zivilen Grundstücken Raketen abzufeuern, Krankenwagen, Krankenhäuser und Schulen als Waffenlager zu verwenden, und, und, und. Man sollte bedenken, daß Kriegskonventionen unter solchen Umständen keinen besonderen Schutz für zivile Gebäude und Zivilisten vorsehen. Wenn z.B. Krankenwagen militärisch genutzt werden, dann sind sie auch ein militärisches Ziel.
    Aber die ganze Scheiße wird von den Terroristen ja so beabsichtigt. Wenn Israel zuschlägt, dann sterben Zivilisten und die armen unterdrückten Palis sind weltweit Sieger der Herzen. Wenn Israel nicht zuschlägt, dann haben die Terroristen freie Hand.

  • By Omar Abo-Namous, 21. Juli 2006 @ 09:53

    @David:
    1. Du bist also auch der Meinung, dass die P.A. behaupten darf, welcher Israeli ein Terrorist ist und ihn beschiessen sollten?? Schliesslich gibt es genügend Vorwürfe nicht nur gegen Minister und angehörige der Regierung, sondern auch gegen Siedler und dergleichen. Soll die P.A. (und natürlich ganz im Sinne einer friedlichen Lösung) diese Menschen bombardieren (und dabei ein paar unschuldige mit in den Tod ziehen)?

    2. Bei der Glaubwürdigkeitsbewertung kann ich dir nicht zustimmen. Wie bei jeder Kriegssituation wird man von beiden Seiten mit Fehlinformationen rechnen müssen, allerdings habe ich schon seit einiger Zeit kein Vertrauen mehr in die israelische Regierung, dass sie die Wahrheit sagt. Das liegt nicht nur an den Pressemitteilungen bezüglich der Demonstrationen gegen die Mauer (dort werden immer wieder mal friedliche Demonstranten verletzt und getötet und hinterher behauptet die israelische Regierung, diese hätten das Feuer (sie meinen Steine, aber selbst die sollen nicht geflogen sein, wie internationale Mitdemonstranten mehrmals bestätigt haben) eröffnet. Die israelische Regierung sieht jeden durch ihre Angriffe getöteten als Terroristen. “Er ist tot? Ja, dann muss er ein Terrorist gewesen sein”.
    Letztens hat man mitbeobachten dürfen (wenn man nicht gerade mit der WM beschäftigt war), wie sich Israel von der Ermordung einer Familie reinwaschen wollte (nachdem ihre Geschichte weltweit Aufmerksamkeit erregt hat). The battle of Huda Ghalia - who really killed girl’s family on Gaza beach?

    3. Die Behauptung, dass sich Terroristen gezielt unters Volk mischen, um danach tote Zivilisten vor die Kamera zu halten, kann perverser nicht sein. Denn damit sollen Palästinenser als Unmenschen dargestellt werden.. Davon abgesehen kann man das im Gaza-Streifen ja noch halbwegs verstehen (hohe Bevölkerungsdichte), aber im Libanon ist die gleiche Aussage Israels nicht gerade logisch. Es wird Beirut bombardiert, aber keiner vermutet militante Hisbollah-Angehörige in Beirut. Trotzdem entsteht beim Zuschauer (, der sich die israelischen Mitteilungen anschaut), dass sich die Hisbollah mit ihren Raketen auf die Dächer der Wohnblöcke stellt und von da aus schiesst - was (vielleicht sollte ich das hinzufügen ;) ) nicht der Fall ist.

    Wieder: das Argument wird nur vorgeschoben, um das Töten von Zivilisten zu rechtfertigen.

    Übrigens: Das macht die Hamas ja auch nicht anders, wenn auch mit einer anderen Konnotation: Diese gehen oftmals davon aus, dass Israelis allesamt Soldaten sind (die meisten haben den Wehrdienst geleistet und sind als Reservisten jederzeit mobilisierbar) und damit legitime Ziele sind. Die Kinder werden einfach als Kollateralschaden betrachtet.

    Beides ist Quatsch.

  • By David, 21. Juli 2006 @ 10:26

    “Die israelische Regierung sieht jeden durch ihre Angriffe getöteten als Terroristen. ‘Er ist tot? Ja, dann muss er ein Terrorist gewesen sein’.”

    Wo führt das hin? Eigentlich gibt es keine Terroristen und darum ist alles, das Israel tut um sie zu bekämpfen, überflüssiger, menschenverachtender Unsinn? Was Familie Ghalija und die ziemlich haltlosen Behauptungen, sie seien durch Zahal ums Leben gekommen betrifft: Da kam sogar die Süddeutsche ins Grübeln, und das heißt schon was. In dem Artikel findet sich auch folgende interessante Passage:

    “Jüngstes Beispiel für den Versuch von Palästinensern, die Weltöffentlichkeit an der Nase herumzuführen, ist der Angriff der israelischen Luftwaffe am vergangenen Dienstag auf drei Mitglieder des „Islamischen Heiligen Kriegs“, bei dem acht Zivilisten, unter ihnen zwei Kinder, getötet wurden. Kurz nach dem Angriff auf das Auto, in dem die Mitglieder der Terrorgruppe saßen, sieht man drei Männer, wie sie in Windeseile eine Kurzstreckenrakete aus dem Auto entfernen.”

    Süddeutsche, wohlgemerkt.

    Aber selbst wenn es sich tatsächlich um eine israelische Granate gehandelt hätte, müßte man immer noch fragen: Wie zum Teufel kann es sein, daß ein Badestrand und Abschußrampen für Kassam-Raketen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen?

    “Die Behauptung, dass sich Terroristen gezielt unters Volk mischen, um danach tote Zivilisten vor die Kamera zu halten, kann perverser nicht sein. Denn damit sollen Palästinenser als Unmenschen dargestellt werden.”

    Nein. Aber die Terroristen. Ich versuche da zu unterscheiden. Wenn es den Unterschied nicht gäbe wäre ein wirklicher Krieg gegen das palästinensische Volk gerechtfertigt, und das kann ich mir nicht vorstellen.

    “das Argument wird nur vorgeschoben, um das Töten von Zivilisten zu rechtfertigen.”

    Mir ist schon manches begegnet, aber nicht, daß irgendjemand das Töten von Zivilisten rechtfertigen wollte. Welchen Sinn hätte das auch? Mit dem Vorwurf der Unmenschlichkeit bist Du offenbar auch nicht sparsam.

    “Das macht die Hamas ja auch nicht anders”
    Um ganz ehrlich zu sein bin ich da etwas verstockt und interessiere mich nicht besonders für die Argumente von Terroristen wie Hamas. Aber dennoch: Einer von vielen Unterschieden zwischen Hamas und Zahal besteht sicherlich auch darin, daß Zahal vor Angriffen Flugblätter abwirft, um die Zivilisten zum Verlassen der Angegriffenen Gebiete aufzufordern. Würde Hamas das tun, dann könnte sie sich ihre Attentate auch gleich sparen.

  • By David, 21. Juli 2006 @ 10:33

    Korrektur:

    “Mir ist schon manches begegnet, aber nicht, daß irgendjemand das Töten von Zivilisten rechtfertigen wollte. Welchen Sinn hätte das auch? Mit dem Vorwurf der Unmenschlichkeit bist Du offenbar auch nicht sparsam.”

    Das ist falsch, sowas begegnet einem schon.

  • By Omar Abo-Namous, 21. Juli 2006 @ 11:16

    @David: Ich hatte bereits in einem früheren Artikel geschrieben, dass die Argumentation, die dazu führt, dass jemand behauptet, Palästinenser würden ihren eigenen Tod inszenieren (Palywool??) dieselbe ist, die einen dazu verführen würde, den Selbstmord der drei Guantanamo-Häftlinge als asymmetrisch Kriegsführung zu bezeichnen. Tatsächlich scheint mir das Dementi der israelischen Regierung vor allem deshalb vorgeschoben zu sein, da es bei anderen Angriffen auf Zivilisten, die nicht ganz so viel Weltöffentlichkeit geniessen konnten, sich nicht bemüht diese zu dementieren:

    Maryams Tragödie

    (Beispiele gibt es leider zur Genüge, ich hoffe, ich muss sie jetzt nicht raussuchen..)

    Die Thesen von Thorsten Schmitz haben picklings.de und Henner Kirchner bereits besprochen.

    In seinem [Herrn Schmitz] Artikel “Der Krieg der Bilder” (SZ vom 16.06.06) stellt er lakonisch fest, Bilder von der hoffnungslosen Welt im Gaza-Streifen (s. hierzu Noam Chomsky, “Wenn die falschen Menschen Opfer von Verbrechen werden”) würden als “lukrative Jobs” in erster Linie von Palästinensern gemacht. Er vergisst hinzuzufügen, dass die Jobs deshalb so lukrativ sind, weil sie lebensgefährlich sind.

    In einem Beitrag mit dem bezeichnenden Untertitel „Ein Beispiel, wie Palästinenser manchmal die Wahrheit verbiegen“ wird zugleich der Werdegang der Nahostberichterstattung und die Arbeitsweise eines Israel/Palästina-Korrespondenten deutlich. Statt sich an den Ort des Geschehens zu begeben – welchen Sinn hat ein Korrespondent vor Ort sonst – , der sich nur wenige Kilometer von seinem Schreibtisch entfernt befindet, verweist Schmitz auf die Pallywood-Legende, die ihren Weg aus Israel über diverse Lobbyorganisationen in eine US-Fernsehsendung und dann wieder nach Israel und zu ihm gefunden hat. Im Ergebnis berichtet hier ein Journalist über seine Arbeitsweise, die – vorsichtig formuliert – bedenklich ist, wenn man den Standard professionellen Arbeitens anlegt. Herr Schmitz scheint – so mein Eindruck, ein Irren meinerseits wäre erfreulich – von der Berufskrankheit deutscher Korrespondenten vor Ort befallen zu sein, nicht oder nur zu wenig mit palästinensischen Quellen zu tun zu haben. Fast schon legendär ist hier die Bemerkung einer palästinensischen Pressesprecherin zu dem Korrespondenten eines öffentlich-rechtlichen deutschen Senders bei seinem ersten Besuch nach mehreren Jahren: „Schön, dass Sie auch uns Palästinenser entdeckt haben“.

    “Aber selbst wenn es sich tatsächlich um eine israelische Granate gehandelt hätte, müßte man immer noch fragen: Wie zum Teufel kann es sein, daß ein Badestrand und Abschußrampen für Kassam-Raketen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen?”

    Diese Frage stellt sich nur jemandem, der annimmt, dass Israel nur auf “militärische” Stellungen schiesst. Israel hat nie vermeldet, dass irgendwer sonst bei den Anschlägen ums Leben kam (also die besagten Terroristen, die Qassam-Raketen vom Strand geschossen haben sollen). Aber genauso hatte cih auch schon eine Frage in einem Forum, was denn die toten Deutschen im Libanon machen würden. Die Fragestellerin hat sich nach dieser komischen Frage nicht wieder gemeldet, aber Tatsache ist, dass Israel die Menschen im Gaza-Streifen terrorisiert. Das schliesst nächtliche (Überschall-)Überflüge, sowie sogenannte Sonic-Booms und eben Artilleriebeschuss ein. Das wurde in der Zeit der Weltmeisterschaft verstärkt. Das Ziel ist offensichtlich (zusammen mit der Aushunger-Taktik), dass die Palästinenser resignieren und ihre Wahlentscheidung rückgängig machen. Das sind allesamt Angriffe auf Zivilisten!

    Keine Antwort auf die Anschläge auf Beirut? Ist bei dir der Eindruck entstanden, dass Hisbollah aus Beiruter Hinterhöfen Raketen nach Israel schicken??

    Naja, ich erlebe es derzeit, dass das Töten von palästinensischen und libanesischen Zivilisten oftmals verharmlost wird mit der Aussage, “eigentlich will sich Israel nur selbstverteidigen”. Ich hatte bereits Aussagen von Menschen, die sinngemäss sagten, sie [die Israelis] sollen alles dem Erdboden gleichmachen, dann würde Frieden herrschen..

  • By David, 21. Juli 2006 @ 11:32

    “Keine Antwort auf die Anschläge auf Beirut? Ist bei dir der Eindruck entstanden, dass Hisbollah aus Beiruter Hinterhöfen Raketen nach Israel schicken??”

    Ich weiß nicht, wieviel von der Hisbollah sich in Beirut befindet, gehe aber davon aus, daß über diese Stadt Nachschub zu ihren anderen Stellungen fließt.

    Und was willst Du mir ansonsten mitteilen? Daß Israel beim absichtlichen und böswilligen Bombardement Unschuldiger einen hochkriegt?

  • By Omar Abo-Namous, 21. Juli 2006 @ 11:58

    “Ich weiß nicht, wieviel von der Hisbollah sich in Beirut befindet, gehe aber davon aus, daß über diese Stadt Nachschub zu ihren anderen Stellungen fließt.”

    Hast du irgendeine Quelle? Merkst du nicht, dass du im Sinne der folgenden Reihe argumentierst:
    1. Israel schiesst nicht auf Zivilisten.
    2. Israel hat Leute getroffen, folglich sind das keine Zivilisten oder in ihrer Nähe war ein militärisches Ziel!

    “Und was willst Du mir ansonsten mitteilen? Daß Israel beim absichtlichen und böswilligen Bombardement Unschuldiger einen hochkriegt?”

    Schau dir nochmal an, was ich geschrieben habe. Israel versucht mit der Bombardierung des Gaza-Streifens und Libanons die Bevölkerung zu bestrafen, da sie sich ausrechnen, dass die Menschen irgendwann zur Hisbollah laufen werden und diese lynchen oder dergleichen. Von ihrer Vorstellung mal abgesehen (die ich für höchst gefährlich halte) begehen sie damit Morde, die nicht rechtfertigbar sind!

  • By David, 21. Juli 2006 @ 12:03

    “Schau dir nochmal an, was ich geschrieben habe. Israel versucht mit der Bombardierung des Gaza-Streifens und Libanons die Bevölkerung zu bestrafen, da sie sich ausrechnen, dass die Menschen irgendwann zur Hisbollah laufen werden und diese lynchen oder dergleichen.”

    Belegt hast Du das auch nicht.

  • By manal, 7. August 2006 @ 16:40

    kompliment an omar abo-namous…sehr schöne argumen tation!

  • By crazy, 11. August 2006 @ 22:30

    als am 11. september die beiden Zwillingstürme in brand standen, habe ich mich gefragt welche kräfte wohl wirklich hinter diesem attentat standen. damals bin ich zu dem schluss gekommen, dass ich das später sehen würde, denn bestimmte kräfte mussten davon profitieren und bestimmte darunter leiden.(öl preise, bush und die öl lobby usw.) ich überlasse euch die antwort auf die frage wem der 11. september genützt hat. heute: die antwort auf die frage wer hat interesse an dem krieg und wie wird er weitergehen. schauen wir doch zu (ändern können wir äh nichts) und lernen. ist israel hinterher ( in einigen jahren )auf einigen landkarten etwa grösser als heute oder hat die hamas israel ausgelöscht mit modernen atomwaffen? wer weiss eigentlich wie gross israel ist und wo sind eigentlich seine grenzen; werden die amis ihre präsenz im nahen osten etwa noch ausbauen um den israelis zu helfen weil syrien und iran sich einmischen und um wie in irak frieden zu bringen….liebe leute lasst euch nicht verarschen. hier wiederholt sich die berühmte geschichte david gegen goliath allerdings mit anderen aktören als damals. die armagedon gläubigen evangelisten sind ihrem ziel ein ganzes stück näher gekommen.

  • By ivano, 28. August 2006 @ 22:37

    Interessanter Link und Beweis dafür,dass die Hisbollah und der Libanon einen Propagandakrieg führen…
    http://www.zombietime.com/fraud/ambulance/

    Das ist nicht die erste gestellte Szene,die aufgeflogen ist.
    Das im Krieg Zivilisten sterben ist traurig,aber schwer zu vermeiden.
    Im Gegensatz zu Israel,hat es die Hisbollah jedoch nur auf zivile Ziele abgesehen.

    Ein Tip für die planlosen Moralapostel hier,setzt euch doch mal in ein Flugzeug und verfolgt über mehrere Monate bzw. Jahre den Alltag in Israel.(auch ausserhalb des Krieges)

    Ich kann euch versichern,es ist der Horror,wenn man die ständige Paranoia nicht gewöhnt ist.

    Im pal. Flüchtlingslagern,möchte ich auch nicht gerne wohnen.(besonders nicht als Homosexueller)
    Mein Lösungsvorschlag:

    Syrien,Libanon oder ein anderer arabischer Staat, sollte doch einfach seinen \”Glaubensbrüdern\” ein Stück Land,Geld und sonstige Unterstützung geben.
    Denn pal.Flüchtlingslager gibt es nicht nur in Gaza oder der Westbank,aber das scheint latente Antisemiten auch nicht zu interessieren.

    Hauptsache gegen Israel…

  • By Omar Abo-Namous, 28. August 2006 @ 23:04

    @ivano: die Argumentation des Authors ist ja schlechter als die der 9/11-”Verschwörungstheorie”-Befürworter.

    Davon abgesehen: der ständige Horror ist sicherlich eine gute Beschreibung der Lage in den palästinensischen Gebieten, wo israelische Kampfjets auch vor der letzten Invasion immer wieder mal die Schallmauer durchbrochen haben und wo bei Artillerie- und Luftwaffenbeschuss des Gaza-Streifens bspw. über 100 Menschen allein in diesem Jahr und bis Anfang Juni getötet wurden. Im Westjordanland müssen die Menschen damit rechnen, dass ihre Häuser entweder dem Erdboden gleichgemacht werden oder “für militärische Zwecke” von der IDF besetzt werden (teilweise während die Bewohner als menschliche Schutzschilde weiterhin darin leben!).

    Was die Glaubensbrüder angeht, so spricht purer Rassismus aus deinen Vorschlägen, denn während ein Grossteil der libanesischen oder der syrischen Bevölkerung Muslime sind (und der Grossteil der palästinensischen Flüchtlinge ebenfalls), so definieren sich alle diese Entitäten über ihre Nationalität als Gruppe. Trotzdem: natürlich schicken auch arabische und islamische Staaten Hilfe in die Krisenregion. Leider wurden emiratische oder qatarische Krankenwagen, die als Teil einer Hilfslieferung kamen, während des Angriffs Israels zerstört. Trotzdem, auch ich bin dafür, dass man den Menschen hilft..

    “Hauptsache gegen Israel…”

    Es hat sich in dem letzten Krieg gezeigt, dass es genügend Menschen gibt, die bereit sind “hauptsache für Israel”, jegliche Moral dahinzuschmeissen. Sei es das lapidare Ablehnen eines schnellen Waffenstillstands (sind ja nicht ganz so viele Menschen gestorben) oder der Versuch der Rechtfertigung der Flächenbombardierung durch die Hinterfragung der Schuldigkeit der betroffenene Zivilisten! Wenn man dasselbe auf andere Konflikte anwendet - “lass die Leute im Kongo sich doch weiter töten - wir wollen keine schnelle Lösung” oder “sind die toten in Darfur wirklich alle ‘unschuldig’?” - dann wird schnell klar, wie amoralisch diese Haltung war und ist.

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