Sind grosszügige Kredite wirklich hilfreich?
Freitag, 7. Januar 2005, 20:44
Während die vom Seebeben im indischen Ozean betroffenen Menschen noch ihre Toten bergen, müssten ihre Regierungen bereits Rückfinanzierungspläne für die grosszügigen “Spenden” erstellen. Ein Vergleich mit dem Erdbeben im Iran kann Licht in die dunklen Ecken der Staatskredite bringen.“Open purses with strings attached” (’Offene aber angekettete Fonds’) ist der Titel eines sehr interessanten Artikels der AsiaTimes, der sich mit den staatlichen Spenden beschäftigt. Es scheint nicht makaber zu sein, einem hilflosen Kind einen Vertrag unter die Nase zu halten, bevor man ihm ein Stück Brot gibt - oder die Medizin, die er zum Überleben braucht! Dass diese Verträge die Staaten jahrzehntelang auf diversen Sektoren binden werden müssen ihre jetzigen Regierungen abwägen - freilich gegen das Leben ihres Volkes.
Eigentlich sollten die genannten Beträge ausreichend sein, damit alle betroffenen Staaten sich selbstständig wieder aufbauen - freie Marktwirtschaft vorausgesetzt! Wenn aber beispielsweise die USA voraussetzt, dass ab jetzt alle Militär-Produkte bei ihnen gekauft werden und sich die Südostasiatischen Länder nicht mehr frei für das preiswerteste Produkt entscheiden können, dann werden ihnen die “Spenden” nichts gebracht haben. Da steht die USA aber nicht alleine da: Auch europäische Länder setzen solche Bedingungen voraus. Etwa 75% der genannten Beträge werden im Nachhinein nur unter bestimmten Bedingungen (sprich: wenn die Produkte im Inland des Geberlandes gekauft werden) abgegeben. Dadurch würden alle Spenden den Wert von 30-40% ihres eigentlich angegeben Wertes haben! “Relief organizations have calculated that as much as 75% of foreign aid is directly tied to trade access or other economic and political strategies. Some comes with so many strings attached, including preferential tendering on contracts and the hiring of consultants, that only 30-40% of dollar value is ever realized.”
Problematisch ist doch vor allem aber, dass diese Staaten sich in den Medien gegenseitig überbieten, und dafür in ihrer Wählerschaft und auf dem internationalen diplomatischen Parkett gestärkt werden. Der Komissar für den Ressort “Entwicklung und humanitäre Hilfe” Louis Michel sagte in einer Pressekonferenz: “Wir müssen vorsichtig sein und nicht an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen, in dem wir konkurrieren, wer die höhere Zahl erreichen kann.”. Dass sie sich eigentlich überbieten, um die besten Sektoren in den betroffenen Ländern zu ergattern, wird fordergründig nicht wahrgenommen.
Der Vergleich mit dem Iran ist hier naheliegend. Die VDI-Nachrichten schreibt dazu:
Nach dem Erdbeben im Iran: Politiker bezweifeln, dass zugesagte Gelder überwiesen werden
VDI Nachrichten, Teheran, 7.1.05 - [...] Unmittelbar nach dem Beben wurden Gelder in Millionenhöhe versprochen. Laut dem iranischen Präsidenten Mohammed Chatami ist jedoch nur ein kleiner Teil der international zugesagten Hilfe gezahlt worden. Zudem entpuppen sich viele Spenden auf den zweiten Blick als Kredite.[...]
Die Frage wäre nun: was sollte sich von damals (vor einem Jahr..) geändert haben? Auf freace.de gibt es einen interessanten (und provokativen) Artikel zu “Medienmumpitz”. Darin heisst es u.a.:
“Wie AP am 30. Dezember berichtete, hat der Iran von den aufgrund des verheerenden Erdbebens, das die Stadt Bam auf den Tag genau ein Jahr vor der von dem Tsunami ausgelösten Katastrophe traf, zugesagten Hilfen nur einen verschwindend geringen Bruchteil erhalten. Demnach sind von den von Staaten und Organisationen zugesagten 1,1 Milliarden US-Dollar bisher erst 17,5 Millionen US-Dollar tatsächlich im Iran angekommen. Der Großteil der bisher für den Wiederaufbau aufgewendeten 415 Millionen US-Dollar wurde vom Iran selbst finanziert.”
Omar
Category: Ausland, Persönlich
Tags: Ausland, Persönlich, spenden
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