Die Rolle von Moscheen
MPACUK hat eine Umfrage unter den britischen Moscheen durchgeführt, die darauf abzielt, Anstrengungen dieser Moscheen, gegen Extrimismus vorzugehen, zu dokumentieren. Das Ergebnis ist leider ernüchternd. Folgende Fragen wurden den Moscheevorständen oder Predigern (/Vorbetern) gestellt:
- Wurden Sie oder Ihre Gemeinde seit dem 7.7.(2005) mit Islamophobie konfrontiert?
- Sprechen Sie über Extremismus in Ihrer Freitagspredigt?
- Halten Sie Ihre Freitagspredigt auf Englisch?
- Haben Sie etwas unternommen, um Sorgen Ihrer Gemeindemitglieder über Islamophobie entgegenzuwirken? (Vorschläge umfassen die Unterrichtung, über rechtliche Handhabe, der Dialog mit lokalen Polizeivertretern sowie mit politischen Vertretern.)
- Welche Aktivitäten betreiben Sie, um den Islam in der nichtmuslimischen Gesellschaft bekanntzumachen? (z.B. interreligiöser Dialog, offene Tage, Einladungen an Schulen usw..)
- Veranstalten Sie außerschulische Aktivitäten für Jugendliche?
- Bringen Sie Ihrer Gemeinde die politische Partizipation näher?
- Wollen Sie (in Zukunft) Ihrer Gemeinde, politische Partizipation näherbringen?
Das schlimmste Ergebnis der Umfrage ergab sich auf die Frage nach der Ermutigung zu politischer Teilnahme. Nur 13% der befragten Moscheen gaben an, Ihrer Gemeinde, die Teilnahme am politischen Prozess zu empfehlen. Von den übrigen 87% sehen nur knapp 15% die Notwendigkeit einer Änderung!
Genauso beschämend: 35% waren in der Vergangenheit islamophoben Aktionen ausgesetzt, von diesen haben aber nur ein Viertel ihre Verantwortung darin gesehen, ihre Gemeindemitglieder rückzuversichern und ihnen beim Umgang mit Islamophobie zu helfen. Wenn aber die Jugend bemerkt, dass die Politik der älteren Generation (die zumeist über die Moscheen waltet) auf “duck and cover” hinausläuft (oder alternativ: sture Ignoranz), werden sie einfacher radikalisierbar. Die politische Beteiligung auf der anderen Seite könnte diesen Jugendlichen Tore zum Verständnis, aber auch zur Veränderung ihrer Umwelt öffnen.
Auf der Tagung “Islam in den Medien” haben zwei Vertreter (Heyrettin und Spielhaus) der muslimischen Akademie die Ziele dieser Organisation vorgetragen. Ich war erstaunt zu erfahren, dass die Akademie mediale und politische Fortbildung für Muslime anbieten möchte. Ich bleibe gespannt, gleichzeitig hege ich keine grossen Hoffnungen, denn ihr Veranstaltungsliste liest sich in meinen Augen nicht wie ein outreach-Programm für Muslime. Auch scheint Aktionismus nicht gerade die Hauptplage dieses Vereins zu sein (der auf 21 “unabhängige” Muslime beschränkt bleiben wird, “die zur Wahrnehmung, Reflexion und Vertretung der Pluralität des Islam als Religion und Zivilisation bereit sind”, was auch immer das heissen soll…). Jedenfalls glaube ich, dass Muslime vor Ort mehr Angebote für Jugendliche (aber nicht nur) schaffen müssen.
Die weiteren Ergebnisse gibt es auf MPACUK.org. Diese kommen zum Schluß:
In summary, we found that Mosques have not fully realised their full role in the Muslim community. In particular they are letting down the youth within the communities who then turn in frustration to a fringe group of extremists.
…
17% percent of the Mosques were simply unwilling to participate in the survey as they were uncomfortable talking about 7/7.
Ich fürchte, in Deutschland sieht es noch schlimmer aus. Die meisten Moscheevereine sehen ihre alleinige Aufgabe darin, einen Gebetsraum bereitzustellen und im Ramadan eine warme Mahlzeit anzubieten. Kulturelle und soziale Angebote gibt es ab und zu, aber sie finden sich nur begrenzt, wo persönliches Engagement ins Spiel kommt. Ich würde auch in Deutschland gerne eine solche Umfrage durchführen. Nicht nur, um möglicherweise meinen Pessimismus zu widerlegen, sondern vielmehr, um den Moscheevereinen auf ihre Verantwortungsfelder aufmerksam zu machen.. mal sehen.
Übrigens: Ich bin der Meinung, dass eine Politisierung der ganzen Gesellschaft – aber speziell Jugendliche – dringend notwendig ist, sonst können wir das Demokratieverständnis in die Tonne schmeissen.. Blogs tun ihren Job dazu, wenn auch dort die Tendenz beobachtbar ist, zu kopieren und sich aufzuregen, wenn sich andere aufregen. Hand aufs Herz: wer hat die Gesundheitsreform verstanden?? Aber die meisten beschweren sich über “die schlechte Situation”..
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By Laoukili Mimoun, 19. Januar 2007 @ 00:00
Assalamou Alaikoum
Es ist notwendig das diese Problemtatik in Moscheen erläutern wird, jedoch scheitert es meisten daran konzepte einzubringen. Oft mangelt es auch an “Kompetenz oder Überforderung” auf seitens der verantortlichen Muslime (um es auf die Gemeinde in meiner Stadt zu beziehen).
Die meisten Verantortlichen wissen nicht wie “politische Partizipation” umgesetzt werden kann, geschweige denn den muslimen erster generation Öffentlichkeitsarbeit näher zu bringen. Ich denke hier ist die 2.Generation gefragt, die beide seiten kennen und zur Problemlösung beitragen können.
Die andere Sache ist wiederum eine sache der Möglichkeiten, bei uns in der Stadt wird zum Beispiel sobald es über den Islam oder Moscheen geht, weggehört. Als ersten Schritt wären die Interessenkonflickte zu bewältigen, die ich als größtes hinderniss sehe.
Laoukili Mimoun