Das Kopftuch kommt runter - sind wir noch zu retten? - Teil 3

Ich hatte bereits geschrieben, dass wir uns möglicherweise Sorgen machen sollten, dass der neue deutsche Patriotismus (gegen den ich eigentlich nichts habe!) in einer Zeit kommt, in der wir ganz schön Anti sind. Ein Großteil der Feindlichkeit, die in der deutschen Gesellschaft brodelt richtet sich gegen muslimische Mitbürger. Ob es helfen wird, dass diese auf der selben Wellenlänge sind, was den Stolz auf Deutschland angeht, kann man zumindest bezweifeln. Leider identifizieren wir uns zu oft mit dem, was wir nicht sein wollen, statt auf das, was wir haben, stolz zu sein. Das Kopftuch dürfte eines der herausragendsten “Das-will-ich-nicht”-Zeichen sein:

Als ich die Straße entlanglief, kam mir eine etwa 50-jährige, in ein bayrisches Dirndl gehüllte Dame entgegen. Ich vernahm ein unverständliches Nuscheln aus ihrer Richtung, als sie dann schließlich an mir vorbeizog verkündete sie lauthals und mit einem diktatorischen Unterton: “[...]Und das Kopftuch kommt runter !!”.

Kein Wunder dann, wenn Politiker proklamieren, Religion sei das Problem! Schliesslich müssen sich Politiker im Glanz des neuen Patriotismus profilieren können und Grenzflächen zum “Anderen” finden. Trotzdem lesenswert: eine positive Bilanz zum WM-Patriotimus [via antropologi.info]:

Also die deutsche Fahne wurde in Kreuzberg von türkischen Lieferfahrzeugen zunächst mal hoffähig gemacht, und dann trauten sich die Deutschen natürlich auch allmählich.

Na ja, zunächst mal geht es um Fußball dabei, und wenn ein Torwart hält, gibt es am Dorfsportplatz vielleicht 12 Zuschauer, die stolz auf ihn sind, wenn Bayern München spielt, möglicherweise zehn Millionen und wenn er in der Nationalmannschaft spielt, sind es noch mehr. Also der Kern bleibt aber natürlich zunächst einmal, man identifiziert sich mit einer Mannschaft, die für etwas steht. Diese Nationalmannschaft steht nun für Deutschland, und, na ja, da wir sicherlich in der Vergangenheit Probleme hatten, uns über Ereignisse in diesem Land so richtig ausgelassen zu freuen, ist das sicherlich so etwas.

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