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German-American Blog Carnival

Sonntag, 2. Juli 2006, 12:28

German American Blog CarnivalDer Deutsch-amerikanische Blog-Karneval ist online und die beiden Gastgeber Extrablog (für die deutschsprachigen) und David’s Medienkritik (für die englischsprachigen Beiträge) haben aus den 31 Beiträgen, die eingegangen sind einige vorgestellt. In der Einleitung schreibt Extrablog:

Die deutschsprachigen Beiträge gefallen mir diesmal sehr gut, weil sie durch wohltuende Ausgeglichenheit und Objektivität gekennzeichnet sind. Plump pro- oder antiamerikanische Blogger fehlen auf deutscher Seite vollständig.

Während das für diesen Karneval stimmen mag, so ist die Stimmung in der deutschen politischen Bloggosphäre, die sich mit amerikanischer Politik beschäftigt weit mehr polarisiert (m.M.n.). Das wird nur geringfügig dadurch gedämpft, dass die politischen Lager in den USA und in Deutschland nicht übereinstimmend eingeteilt sind, wie die meisten pro- oder antiamerikanischen Weblogs es sich wünschen.

So müssen sich die politischen Lager Konservativ, Liberal , Links (SPD), Grün und Ultra-Links (PDS) in der einfachen - aber sehr ausgeprägten - Spaltung zwischen Konservativ und Liberal in der US-Politlandschaft wiederfinden. Auch die Religiosität und Areligiosität muss sich über Parteigrenzen hinweg neu definieren. Es entstehen neue Zusammenschlüsse, die vor allem auf Einzelthemen aufbauen, aber in Langzeitallianzen münden können! Und natürlich gibt es Linke, die - in Ermangelung eines amerikanischen Allianzpartners - in plumpen Antiamerikanismus abdriften. Ihre Begründung finden sie nicht nur in der amerikanischen Aussenpolitik. Deshalb finde ich den kurzen Artikel “Wer solche Feinde hat …” von Thomas Matterne sehr gelungen:

Die USA hatten es schon immer schwer, für die Linke waren sie stets Feindbild Nummer 1 und seit George W. Bush im Weißen Haus sitzt, hat sich dieses Bild scheinbar auf die überwiegende Mehrheit der Deutschen übertragen. Eine objektive Diskussion ist längst nicht mehr möglich, zu festgefahren sind die Positionen.

Die pro-amerikanischen Blogs schoßen wie Pilze aus dem Boden, zum größten Teil bieten sie tatsächlich ein Gegengewicht, schon allein ihrer Anzahl nach. Ich kenne jetzt, um ehrlich zu sein, keine Statistik, aber ich gehe mal davon aus, dass sie rein zahlenmäßig den linken Anit-Amerika-Blogs weit überlegen sind.

Dass die Lager sich nicht wirklich einig sind, zeigt sich allerdings am sog. Karikaturenstreit: Während generell proamerikanische Weblogs in Europa den Abdruck der Karikaturen als Zeichen der Solidarität mit der Presse- und Meinungsfreiheit allen Zeitungen quasi aufzwingen wollten, hat die US-Regierung den Abdruck selbiger verurteilt. Dazu der Spindoktor:

Besonders interessant natürlich, dass just das US-Außenministerium auf einmal für die Moslems Partei ergreift und den rechten Liebhabern der Bush-Regierung, welche die Karikaturen gespiegelt und nachgedruckt haben, in Europa damit einen Dämpfer versetzt.

Vielleicht sollte es uns Sorge bereiten, dass der Anti-Ismus in Deutschland (laut den inzwischen berühmten zwei Studien) gestiegen ist. Islamfeindschaft und Antiamerikanismus:

Die Resultate widersprechen der Auffassung, der Antiamerikanismus in Westeuropa sei auf Verständnis und Zuneigung für Muslime zurückzuführen. Just in jenen Ländern, in denen der Antiamerikanismus grassiert, sind zugleich negative Einstellungen zu Muslimen besonders verbreitet: Spanien, Frankreich, Deutschland..

Verbunden mit dem neu gefundenen Patriotismus (dessen Folgen noch nicht wirklich absehbar sind), könnte das eine explosive Mischung geben…

3 Kommentare

Kommentar von Joerg - Atlantic Review

Made Sonntag, 2 of Juli , 2006 at 14:13

Selbsternannte pro-amerikanische Blogs, die sich über die US Stereotypen und Anti-Amerikanismus in Dland beschweren, aber selber islmaische Stereotypen und Islamophobia verbreiten, sind unglaubwürdig und schaden dem US Ruf sogar statt ihn — wie sie glauben — zu verbessern.
Aber zum Glück werden solche Blogs zunehmend marginalisiert.

Kommentar von David

Made Sonntag, 2 of Juli , 2006 at 20:29

Die sogenannten pro-amerikanische Blogs sind meistens nur pro-Bush. Da Bush mittlerweile der unpopulaerste Praesident in Amerika seit Nixon ist, muessen diese Blogs jetzt ihre Amerika-Vorstellung wohl umdenken.

[...] Ich hatte bereits geschrieben, dass wir uns möglicherweise Sorgen machen sollten, dass der neue deutsche Patriotismus (gegen den ich eigentlich nichts habe!) in einer Zeit kommt, in der wir ganz schön Anti sind. Ein Großteil der Feindlichkeit, die in der deutschen Gesellschaft brodelt richtet sich gegen muslimische Mitbürger. Ob es helfen wird, dass diese auf der selben Wellenlänge sind, was den Stolz auf Deutschland angeht, kann man zumindest bezweifeln. Leider identifizieren wir uns zu oft mit dem, was wir nicht sein wollen, statt auf das, was wir haben, stolz zu sein. Das Kopftuch dürfte eines der herausragendsten “Das-will-ich-nicht”-Zeichen sein: Als ich die Straße entlanglief, kam mir eine etwa 50-jährige, in ein bayrisches Dirndl gehüllte Dame entgegen. Ich vernahm ein unverständliches Nuscheln aus ihrer Richtung, als sie dann schließlich an mir vorbeizog verkündete sie lauthals und mit einem diktatorischen Unterton: “[…]Und das Kopftuch kommt runter !!”. [...]

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