Patriotische Muslime

Submitted to Carnival of German-American Relations

Noch immer werden Muslime sowohl in Europa als auch in den USA als Fremde gesehen. Der Status der Migrantenreligion haftet dem Islam etwa in Deutschland an, wo die Mehrheit der Muslime türkischer Herkunft sind, aber eben nicht unbedingt im Ausland geboren und aufgewachsen sind. Erst letztens hat die hannoversche Landesbischöfin Frau Margot Käßmann im FR-Interview folgenden markanten Satz gebracht:

Wir sagen immer, bei uns ist Christus zu Hause und Allah zu Gast.

Man sollte anfügen, dass sie diese Aussage auf den Unterricht in evangelischen Kindergärten bezog, nicht auf die Gesamtgesellschaft, allerdings findet sich in ihrer Haltung etwa zum Verbot des muslimischen Kopftuchs (im Gegensatz zum Kreuz oder der Kippa) oder der (Nicht-)Einbindung von muslimischen Verbänden in das “Bündnis Erziehung” eine klare Linie, die den obigen Satz verallgemeinern lässt.

Als Randnotiz: Während Jesus Christus in Palästina unterwegs war (und eben nicht in Deutschland), ist Gott auch in der christlichen Überzeugung überall – aber das eben nur nebenbei..

Gäste, Deutsch-Türken, Migranten

Die Wahrnehmung von Muslimen hängt allerdings – bei allen Vorurteilen, die tatsächlich existieren – stark damit zusammen, wie sich Muslime selbst wahrnehmen und darstellen. Die erste größere Anzahl von Muslimen in Deutschland waren die aus der Türkei angeworbenen Gastarbeiter, die nach einiger Zeit und mithilfe der türkischen Regierung Moscheen errichten liessen. Die in den Moscheen benutzte Sprache war durchweg das Türkische. Wieso auch nicht, denn die darin betenden waren Gastarbeiter, die nach einigen Jahren nach hause geschickt werden würden. Die “erste Generation” war selbst auch davon überzeugt, dass sie in die Türkei zurückreisen würden, deshalb brauchten sie nicht mehr Deutsch als das, was sie für den Alltag gebrauchen würden.

Schwierig wurde es, als dann mehr und mehr arabische oder albanische Muslime etwa nach Deutschland kamen, die zwar erfreut waren, überhaupt auf Hinterhofmoscheen in grösseren Städten zu treffen, allerdings wenig mit der Predigt anfangen konnten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie auf den Augenblick warteten, da ihre jeweiligen Communities groß genug waren, um dann “umzuziehen” und Moscheen in eigener Sprache zu betreiben. Einige bauten Moscheen, die noch heute als marokkanische, tunesische oder iranische Moschee bekannt sind. Sie werden nicht so genannt, aber jeder weiss, dass sie von den jeweiligen Gruppen bevorzugt werden.

Inzwischen ist die zweite oder dritte Generation herangewachsen und nimmt ihren Platz in muslimischen Verbänden ein. Sie sind in Deutschland geboren oder zumindest aufgewachsen, sprechen gut Deutsch und gehen zu einem nicht unerheblichen Teil einen akademischen Weg. Sie fühlen sich Deutschland verpflichtet und können sich nur in seltenen Fällen ein Leben in ihren Ursprungsländern vorstellen. Allerdings sind sie in die bestehenden Strukturen hineingewachsen und können nur wenig an der Differenz zwischen den verschiedenen Moscheen ändern.

Deutsche Muslime (die einigerorts ein nicht zu vernachlässigender Anteil der Muslime darstellen) haben sich aber aus dem Moscheebau größtenteils herausgehalten oder sich in die bestehenden Vereine integriert. Wenn es also “deutsche Moscheen” gibt, dann nicht sehr viele! Dadurch bleibt die Ausländer-Implikation bestehen, obwohl deutsche Muslime im öffentlichen Leben stärker in den Vordergrund rücken, etwa indem es Vereine wie die Deutsche Muslim Liga gibt, die fast nur aus deutschen besteht oder etwa indem seit einiger Zeit ein deutscher Muslim an der Spitze eines Dachverbands (ZMD) steht.

Amerikanische und deutsche Muslime

Joerg vom atlanticreview hat mich auf den Artikel “Mosques with foreign flags: Islam in America and Germany” in der Daily Times aufmerksam gemacht, in dem Muqtedar Khan Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Muslimen herausarbeitet.

Muslim immigrants bring three significant challenges to Western societies — cultural differences, religious differences and political differences. In the US the first two challenges are easily manageable. Most Americans believe in the United States as a multicultural society and deeply value religious pluralism. Unlike Europe where the elite talk a lot about secularism but the state actually incorporates religion, America does practice separation of church and state.

Während die US-amerikanische Gesellschaft keine Probleme mit der kulturellen und religiösen Diversität hat, da es sich selbst als Einwanderungsgesellschaft versteht, stellt die US-Aussenpolitik – speziell im nahen und mittleren Osten – eine große Hürde für die Harmonisierung der Beziehungen zwischen Regierung und islamischen Organisationen. Dieses Problem hat Deutschland nicht, trotzdem herrschen hier grössere Probleme bei der Integration des Islams.

The key hurdle to the mainstreaming of Islam in America today is the relation between the US and the Islamic world.

Germany has a long way to go. Even though it does not have foreign policy problems like the US, it has several domestic policy issues. First, Germany must recognise Islam. It has been for decades a multi-ethnic society but very few Germans imagine Germany as a multicultural society. German intellectuals brag a lot about being secular. Well, how about secularising the German state and dumping Christianity and Judaism from the national budget?

Der Author kritisiert, dass sich Deutschland nicht dazu durchringen will, sich selbst als multikulturelles oder multireligiöses Land zu sehen. Dies wäre aber aufgrund der fortschreitenden Globalisierung unabdingbar:

German intellectuals must begin to imagine a Germany as a political community that is a composite of values, rather than a nation-state based on a specific ethnicity. In the age of globalisation, narrowly defined identities are untenable. Germany as an integral part of the emerging global society must define itself in terms of global values that are sensitive to cultural, racial and religious differences and become a role model for other European nations like Ireland and Portugal that will soon face similar problems.

Flaggenfrage

Herr Khan beginnt seinen Aufsatz mit einer Beobachtung, die er in Berlin am Rand einer Konferenz machen durfte. Ein berliner Parlamentarier führt ihn durch Berlin und zeigt ihm auf dem Weg eine Moschee. Als sie der Moschee nahekamen, machte ihn der Parlamentarier darauf aufmerksam, dass die Moschee eine Türkische Flagge hängen liess, eine deutsche aber nicht zu sehen war.

As I looked at the mosque with its Turkish flag flying proudly, the high walls, the iron gates and the stoic faces, I suddenly realised that this was not a mosque, this was a sort of embassy, a foreign enclave, an extension of Turkish sovereignty in the heart of Germany. In the US one may occasionally find a US flag in a mosque, but never a flag of a foreign country. The only mosque that has foreign flags is the Islamic Centre in Washington DC which was established by diplomats from Muslim countries.

Es kann durchaus sein, dass die von ihm besuchte Moschee in Berlin tatsächlich der türkischen Botschaft unterliegt und somit faktisch auf türkischem Boden ist. In Berlin soll es eine solche Moschee geben. So gesehen wäre es Unwissen von Seiten seines Reiseführers. Man muss feststellen, dass die meisten Moscheen in Deutschland keine Flagge hängen haben, da – wie er auch feststellt – der Islam stark monotheistisch ist und ein zu starker Nationalismus damit in Konflikt geraten kann. Zumindest wird vermieden in Gebetsstätten nationale oder parteiliche Symbole aufzuhängen.

Eine Ausnahme stellen die Vereinsräumlichkeiten der DITIB dar, in denen sich öfters türkische Moscheen finden lassen. Aber auch da kann man inzwischen zusätzlich auf die deutsche Flagge stossen. Die DITIB ist allerdings so stark nicht-deutsch, dass die Abkürzung sich nur aus dem türkischen Namen “DİYANET İŞLERİ TÜRK İSLAM BİRLİĞİ” ableiten lässt, nicht aus der deutschen Version!

Ablehnung der Flagge?

Heinrich vom wer-weiss-was-Forum stellt folgende Frage:

In Großbritannien läuft derzeit eine Diskussion, ob die Kreuz-Symbolik der britischen (und stärker noch: der englischen) Flagge eine Beleidigung der in GB lebenden Muslime darstellt. Entsprechende Aussagen muslimischer Führer in GB gibt es, mit den Folgen, dass britische Unternehmen ihren Mitarbeitern das Zeigen der englischen Flagge aus religiösen Pietätsgründen untersagt haben.

Meine Frage ans Forum:

Soll ein Land wie Großbritannien aus religiöser Pietät auf bestimmte Staatssymbole, insbesondere das Kreuz-Symbol, verzichten? Und wie weit darf eine solche Pietät gehen?

Tatsächlich findet sich ein Artikel in der israelischen YNet, in dem es heisst:

England afraid to fly its own flag

Following threats by extremist Islamic group, several corporations, chain of pubs ban England flag

Der Artikel zitiert einen Sun-Artikel, in dem es heisst, dass Anjem Choudary (früherer Mitanführer der Al-Muhajiroun), der nicht wirklich als mainstream-Muslim bezeichnet werden kann, ausgesagt haben soll, dass das Kreuz auf der englischen Flagge eine blutige Vergangenheit symbolisiere. Vom Vertretungsanspruch dieser Person abgesehen, so geht es im Artikel eben nicht darum, dass das Verbot der Flagge als Appeasement an Muslime verstanden wird und von Gewaltandrohung ist keine Rede! Weiteres auf Islamophobia-Watch..

Herr Mutedar Khan schliesst seinen Artikel mit einem Aufruf an Muslime in Europa:

Muslims who live as minorities in the West or anywhere else, must understand that their demand for tolerance for religious and cultural differences is a just cause. But they must align their political and economic interests with those of their neighbours (whose acceptance they seek) and not with those who live in foreign lands.

There is room for Islam in America and Germany. We can and we will build bigger and more spectacular mosques in the West, but there is no place for Saudi flags, or Turkish or Pakistani flags in Western mosques. They have their embassies and that is enough. They should not be allowed to use our mosques.

Es wäre zusätzlich wünschenswert, wenn das Selbstverständnis des Deutschen muslimischen Glaubens sich endlich einnisten könnte. Es wird Zeit brauchen.

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Comments

  • By hasan, 1. Oktober 2006 @ 22:34

    amerika,finde ich,ist der neue hitler staat,amerika verucht seine interesen durch zu bringen und das wird in naher zukunft sehr gefährlich.amerika kann und wird nicht überleben können,weill sie sich den krieg gegen den terror nicht leisten kann.jede nation,von römer bis hin zu den hitler,konnte nicht auf langer zeit überleben.leider amerika,denn sie schützt auch unsere und meine welt,von undemokratie,aber ich finde diese unsere westliche welt wird untergehen.darum sage ich lasst uns mit islam ein frieden schliesen,und beenden den krieg gegen terror.

Other Links to this Post

  1. Atlantic Review — 19. Juni 2006 @ 09:35

  2. Liberale Stimme Online : Zusammenfassung: Carnival of German-American Relations — 25. September 2006 @ 11:53

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