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“Islam in den Medien” - Samstag

Sonntag, 11. Juni 2006, 02:28

Wieder ein inhaltsbeladener Tag an der Tagung in der evangelischen Akademie Loccum vorbei. Heute waren zum Teil mehr Eingaben aus dem Publikum und ausserdem weitere tiefgreifendere Vorträge zur Verbindung (und dessen Verbesserung) zwischen dem “Islam” und Medien.

Arbeitsgruppen

Anfangs haben wir uns auf Arbeitsgruppen eingeteilt, die verschiedene Aspekte der Berichterstattung über Muslime (oder den Islam) bearbeiten sollten.

Ich habe mich der Arbeitsgruppe mit dem Thema “Immer schneller und sensationeller” angeschlossen, die vom Bildblog-Betreiber Christoph Schultheis und Henner Kirchner moderiert wurde. Aufgabe war es, die Veränderungen in der Medienlandschaft und im Umgang mit Medien herauszustellen und wie sich diese auf die islambezogene Berichterstattung auswirkt.

Die zweite Arbeitsgruppe (Moderation: Khoury, Armbruster und Brunn) hat sich mit der Frage befasst, inwieweit Auslandsberichterstattung von Kriegen und Gewalt geprägt und geleitet wird, während die dritte Arbeitsgruppe (Hempelmann, Azzaoui) sich mit der Frage nach der Einseitigkeit der Inlandsberichterstattung beschäftigt hat und wie Medien aus den Zwängen der Themen “Zwangsehen” und “Ehrenmorde” herauskommen kann. Die vierte Gruppe (Müller-Gerbes, Dr. Schiffer) hat die systematischen Zwänge und Möglichkeiten untersucht, in denen sich Medien wiederfinden, die aber auch zu einer Verbesserung der Qualität der Berichterstattung genutzt werden können.

Alle Gruppen sind - trotz der unterschiedlichen Themenschwerpunkte - mit ähnlichen oder zumindest überlagernden Ergebnissen herausgekommen. Es wurde sowohl die Sensibilisierung der Medienschaffenden für rassistische oder diskriminierende (oder zumindest markierende) Inhalte und Inhaltsverbindungen gefordert, als auch die Erhöhung (oder Neubildung) der Medienkompetenz von islamischen Verbänden, als auch der allgemeinen Öffentlichkeit. D.h. dass die Erkenntnis durchdrang, dass erst durch eine verantwortungsvolle und bewusste Nutzung der Medieninstrumente von allen Seiten vernünftige Informationsübertragung funktioniert.

Weiterhin wurde angeregt, dass muslimische Verbände mit Nachdruck mit eigenen Themen (etwa über den muslimischen Alltag in Deutschland) und in einem professionelleren Bild in der Medienwelt ein Gegenprofil zur aktuellen Wahrnehmung des Islams aufbauen. Dazu kann zwar gehören, Problemfelder (die Muslime in Deutschland betreffen) anzusprechen und zu thematisieren, muss es aber nicht. Die Aufarbeitung der Themen in massenmedienverdauliche Häppchen wird eine der Schwierigkeiten sein, mit denen sich professionelle Pressesprecher und Öffentlichkeitsverantwortliche in muslimischen Verbänden beschäftigen müssten. Es wurde angeregt, eine muslimische Presseagentur zu gründen, die sich ähnlich den evangelischen oder katholischen (u.a.) Presseagenturen darum kümmern muss, die Nachrichten aus der muslimischen Community (sowie Vereinsleben) zu veröffentlichen. Die Einbeziehung von muslimischen Vertretern in Rundfunkräten wäre ausserdem Zeichen einer konsequenten Antidiskriminierungspolitik.

Ein interessanter Punkt bestand meines Erachtens aus der Forderung, dass Wissenschaftler stärker in den Medienschaffung integriert werden. Zum einen erreicht man das durch die Forderung an die Medienverantwortlichen selbst, die ein Eigeninteresse darin finden sollten, dass die Recherchen und Analysen ihrer Redakteure Unterstützung finden und damit qualitativ aufgewertet werden (und in Folge an Glaubwürdigkeit beim Leser zulegen). Auf der anderen Seite muss den Islamwissenschaftlern etwa die Verantwortung klar werden, die sie durch ihr erlangtes Wissen haben. Die Vermittlung dieses angewandten Wissens und die Richtigstellung von Falschinformationen können diese durch ihre Expertise forcieren.

Speziell in unserer Gruppe hatten wir den Gedanken ausgearbeitet, einen Negativpreis für besonders islamophobe “Expertenaussagen” sowie Berichte zu erteilen mit dem Grundgedanken dadurch auf einen Missstand aufmerksam zu machen. Der Preis, der einen ähnlichen Gedanke verfolgen wird wie der Bigbrother-Award, könnte zum Anlass genommen werden, den Diskurs mit Medienvertretern zu suchen, sowie eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Wir konnten uns leider keinen ordentlichen Namen dafür ausdenken. Wenn jemand also einen Vorschlag für einen Negativpreis für besonders Islamophobe Berichterstattung (oder “Expertise”) hat, immer her damit!

Schlafen

Ich muss um 6:30 wieder aufstehen und sollte deshalb an dieser Stelle abbrechen, ich hoffe nach der Veranstaltung weiteren Senf auf die beiden Vorlagen von heute und gestern zu streuen. Bis dahin: gute Nacht. Bei Bedarf kann man sich auch den Bericht von Henner Kirchner durchlesen, der u.a. näher auf die Arbeit in unserer Arbeitsgruppe eingegangen ist (aber scheinbar auch zu müde für die Ausführungen über die nachmittäglichen Vorträge war..).

4 Kommentare

Trackback von M E N A | log

Made Montag, 12 of Juni , 2006 at 15:45

„islam in den Medien“ – Samstag:Ergänzung…

Statt eines weiteren Berichts über den Verlauf der Veranstaltung am Samstag nach den Arbeitsgruppen, möchte nur kurz ich auf das Posting in Toomuchcookies verweisen, in dem Omar den weiteren Verlauf schön aufbröselt.

……

Kommentar von David

Made Dienstag, 13 of Juni , 2006 at 17:44

“Wenn jemand also einen Vorschlag für einen Negativpreis…”

Der Daniel-Pipes-Preis

Pingback von M E N A |log » Blog Archiv » „Islam in den Medien“ – Samstag:Ergänzung

Made Montag, 3 of Juli , 2006 at 15:33

[...] Statt eines weiteren Berichts über den Verlauf der Veranstaltung am Samstag nach den Arbeitsgruppen, möchte nur kurz ich auf das Posting in Toomuchcookies verweisen, in dem Omar den weiteren Verlauf schön aufbröselt. [...]

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