Merkelsenf - Pott-Cast
Die Nachricht hatte mich gestern im Auto getroffen: Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte uns jede Woche mit einer neuen Ansprache beglücken und benutzt dafür das neue medium Internet (vor allem auch, weil die Fernsehsender keine Zeit für sowas haben). Dass der Podcast Linux-Nutzer diskriminiert, scheint die Bundeskanzlerin nicht zu interessieren - sie wurde von Windows-Nutzern gewählt.. Nun gibt es das erste Video und darin sagt Frau Merkel (nachdem Fotos von ihr mit irgendwelchen Persönlichkeiten ineinander geblendet wurden) - gar nichts, Zipp, Nada, Null!! Das Video ist genauso inhaltsleer wie ihre Neujahrsansprache.
Das zeigt: Deutschland ist ein weltoffenes, ein modernes und ein lebendiges Land.
Während es relativ klar sein sollte, dass Deutschland ein modernes Land ist und das weltoffene Gebahren ausser bei der Behandlung von Muslimen und in den sogenannten No-Go-Areas recht deutlich ist, so habe ich nach dem Betrachten dieses Videos die Befürchtung, dass das “Lebendig” ein wenig übertrieben ist. Mal im Ernst, kann man eine Ansprache noch langweiliger halten? Die Kanzlerin fährt danach fort um das Moderne zu erklären:
Heute wende ich mich zum ersten Mal auf einem ganz neuen Weg an Sie mit einem Video-Pott-Cast. Neue technische Möglichkeiten faszinieren nicht nur junge Menschen, auch ich habe Freunde daran - und deshalb möchte ich Ihnen ziemlich regelmässig auf diesem Wege erläutern, was die Bundesregierung bewegt - im doppelten Wortsinn: Womit wir uns beschäftigen und was wir tun, um Deutschland voranzubringen.
Zunächst einmal ist das nur ein Wortsinn - der doppelte Wortsinn wäre “was die Bundesregierung tut” und “was die Bundesregierung dazu bringt, sich zu bewegen”, denn schliesslich soll (theoretisch) das, was die Bundesregierung tut auch gleichzeitig das sein, was Deutschland voranbringt, oder?
Ausserdem muss klargestellt werden, dass im gesamten Video keine einzige Information enthalten war. Nun schreiben inzwischen sehr viele Menschen Blogs, filmen sich für Videoblogs oder zeichnen eigene Audio-Nachrichten auf und veröffentlichen diese. In den meisten dieser Medien finden sich auch keine Informationen. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass diese Menschen selber für die Kosten dieser Verschwendung aufkommen. Tut das auch Frau Merkel?
“Neue Medien” sind zwar eine schöne Sache, aber die Nutzung selbiger, um der Nutzung willen ist nicht Sinn der Sache - vor allem nicht mit öffentlichen Mittel. Solange unsere Bundeskanzlerin keine neuen Informationen in ihre Videoaufnahmen einbaut, sollte sie das Geschäft den erfahreneren, informativeren, viel lustigeren und lebendigeren Menschen überlassen. Meine Stimme gehört eindeutig der Bundescasterin! Nichtsdestotrotz bekommt Katrin vom Ehrensenf langsam Konkurrenz. Bernd gibt dem Merkelsenf einige Tipps:
Wo “Die Kanzlerin - direkt” draufsteht, sollte auch “direkt” drin sein. Also das nächste Mal das Redaktionsteam in die Kneipe schicken, die Fototapete (resp. die Bluescreen) im Schlafzimmer lassen, den Teleprompter wieder Herrn Köhler zurückgeben und sich mit Laptop und Webcam in den Garten setzen. (Falls keine Webcam vorhanden, kann sicher das Pergamon-Museum aushelfen.) Und dann entspannt drauf los plaudern. (Schließlich ist jemand der sich schneller entspannt, ja besser als jemand, der sich nicht so schnell entspannt…)
Sehr lesenswert!
Update: Interessanter Kommentar von Wolfgang Leytz auf tagesschau.de:
Die Kanzlerin per Video-Podcast - das klingt modern und macht neugierig. Wegweisende Botschaften verkündete Angela Merkel in ihrem ersten Video allerdings nicht - auch ihr Auftritt war nicht innovativ. Aber von jetzt an gilt: Es gibt jede Woche Angela-TV im Internet.
Verwandte Beiträge
Comments
Other Links to this Post
-
B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade — 10. Juni 2006 @ 08:16
-
Lapidarium42 » Blog Archiv » Merkelsenf — 10. Juni 2006 @ 09:14
-
Kraxler 365+ | Der Sommer im Basislager — 10. Juni 2006 @ 22:16
-
Too Much Cookies Network » Wir sind sicher, aber bitte habt Angst! — 16. November 2006 @ 02:24
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI
By Tugba, 9. Juni 2006 @ 11:08
Selam Omar,
Ich habe das beim Altbundeskanzler Schröder auch bemerkt: Er trug einmal Brille bei einer Ansprache. Sonst trägt er doch keine. Wieso jetzt? Um intelligenter, ernster, vertrauenswürdiger zu scheinen.
Dieser PR-Trick ist zu auffällig.
Zu Merkel: ich sitze grade an einem Linux. Schade, kann mir es noch nicht ansehen.
Ich warte mal bis ein paar weitere veröffentlicht werden. Sonst lohnt sich das Schleppen meines 4-5 kg Laptop samt Zubehör nicht(W-Lan an Uni).
Macht sie es somit dem amerkianischem Bruder nicht nach?
Übrigens lässt ihre Entdeckung des Stylens und Make-ups (könnt ihr auch noch an die Wahlkampfplakate erinnern?!) langsam nach.
By stefanolix, 10. Juni 2006 @ 08:40
Das Angebot diskriminiert keine Linux-Nutzer. Man kann die Datei Die_Kanzlerin_direkt_01.m4v herunterladen und abspielen. Das Angebot “diskriminiert”(?) höchstens Nutzer ohne Breitbandanschluss. Die überlegen sich nämlich, ob sie (a) lange auf die Datei warten und (b) Geld für diese Propaganda ausgeben wollen.