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Merkelsenf - Pott-Cast

Freitag, 9. Juni 2006, 02:00

Die Nachricht hatte mich gestern im Auto getroffen: Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte uns jede Woche mit einer neuen Ansprache beglücken und benutzt dafür das neue medium Internet (vor allem auch, weil die Fernsehsender keine Zeit für sowas haben). Dass der Podcast Linux-Nutzer diskriminiert, scheint die Bundeskanzlerin nicht zu interessieren - sie wurde von Windows-Nutzern gewählt.. Nun gibt es das erste Video und darin sagt Frau Merkel (nachdem Fotos von ihr mit irgendwelchen Persönlichkeiten ineinander geblendet wurden) - gar nichts, Zipp, Nada, Null!! Das Video ist genauso inhaltsleer wie ihre Neujahrsansprache.

Das zeigt: Deutschland ist ein weltoffenes, ein modernes und ein lebendiges Land.

Während es relativ klar sein sollte, dass Deutschland ein modernes Land ist und das weltoffene Gebahren ausser bei der Behandlung von Muslimen und in den sogenannten No-Go-Areas recht deutlich ist, so habe ich nach dem Betrachten dieses Videos die Befürchtung, dass das “Lebendig” ein wenig übertrieben ist. Mal im Ernst, kann man eine Ansprache noch langweiliger halten? Die Kanzlerin fährt danach fort um das Moderne zu erklären:

Heute wende ich mich zum ersten Mal auf einem ganz neuen Weg an Sie mit einem Video-Pott-Cast. Neue technische Möglichkeiten faszinieren nicht nur junge Menschen, auch ich habe Freunde daran - und deshalb möchte ich Ihnen ziemlich regelmässig auf diesem Wege erläutern, was die Bundesregierung bewegt - im doppelten Wortsinn: Womit wir uns beschäftigen und was wir tun, um Deutschland voranzubringen.

Zunächst einmal ist das nur ein Wortsinn - der doppelte Wortsinn wäre “was die Bundesregierung tut” und “was die Bundesregierung dazu bringt, sich zu bewegen”, denn schliesslich soll (theoretisch) das, was die Bundesregierung tut auch gleichzeitig das sein, was Deutschland voranbringt, oder?

Ausserdem muss klargestellt werden, dass im gesamten Video keine einzige Information enthalten war. Nun schreiben inzwischen sehr viele Menschen Blogs, filmen sich für Videoblogs oder zeichnen eigene Audio-Nachrichten auf und veröffentlichen diese. In den meisten dieser Medien finden sich auch keine Informationen. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass diese Menschen selber für die Kosten dieser Verschwendung aufkommen. Tut das auch Frau Merkel?

“Neue Medien” sind zwar eine schöne Sache, aber die Nutzung selbiger, um der Nutzung willen ist nicht Sinn der Sache - vor allem nicht mit öffentlichen Mittel. Solange unsere Bundeskanzlerin keine neuen Informationen in ihre Videoaufnahmen einbaut, sollte sie das Geschäft den erfahreneren, informativeren, viel lustigeren und lebendigeren Menschen überlassen. Meine Stimme gehört eindeutig der Bundescasterin! Nichtsdestotrotz bekommt Katrin vom Ehrensenf langsam Konkurrenz. Bernd gibt dem Merkelsenf einige Tipps:

Wo “Die Kanzlerin - direkt” draufsteht, sollte auch “direkt” drin sein. Also das nächste Mal das Redaktionsteam in die Kneipe schicken, die Fototapete (resp. die Bluescreen) im Schlafzimmer lassen, den Teleprompter wieder Herrn Köhler zurückgeben und sich mit Laptop und Webcam in den Garten setzen. (Falls keine Webcam vorhanden, kann sicher das Pergamon-Museum aushelfen.) Und dann entspannt drauf los plaudern. (Schließlich ist jemand der sich schneller entspannt, ja besser als jemand, der sich nicht so schnell entspannt…)

Sehr lesenswert!

Update: Interessanter Kommentar von Wolfgang Leytz auf tagesschau.de:

Die Kanzlerin per Video-Podcast - das klingt modern und macht neugierig. Wegweisende Botschaften verkündete Angela Merkel in ihrem ersten Video allerdings nicht - auch ihr Auftritt war nicht innovativ. Aber von jetzt an gilt: Es gibt jede Woche Angela-TV im Internet.

6 Kommentare

Kommentar von Tugba

Made Freitag, 9 of Juni , 2006 at 11:08

Selam Omar,

Ich habe das beim Altbundeskanzler Schröder auch bemerkt: Er trug einmal Brille bei einer Ansprache. Sonst trägt er doch keine. Wieso jetzt? Um intelligenter, ernster, vertrauenswürdiger zu scheinen.
Dieser PR-Trick ist zu auffällig.

Zu Merkel: ich sitze grade an einem Linux. Schade, kann mir es noch nicht ansehen.
Ich warte mal bis ein paar weitere veröffentlicht werden. Sonst lohnt sich das Schleppen meines 4-5 kg Laptop samt Zubehör nicht(W-Lan an Uni).

Macht sie es somit dem amerkianischem Bruder nicht nach?

Übrigens lässt ihre Entdeckung des Stylens und Make-ups (könnt ihr auch noch an die Wahlkampfplakate erinnern?!) langsam nach.

Trackback von B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

Made Samstag, 10 of Juni , 2006 at 08:16

Die Kanzlerin und “neue technische Möglichkeiten”…

Heute wende ich mich zum ersten Mal auf einem ganz neuen Weg an Sie: mit einem Video-Podcast. Neue technische Möglichkeiten faszinieren nicht nur junge Menschen. Auch ich habe Freude daran.
Sagt die Bundeskanzlerin. Von dieser Freude war im ersten…

Kommentar von stefanolix

Made Samstag, 10 of Juni , 2006 at 08:40

Das Angebot diskriminiert keine Linux-Nutzer. Man kann die Datei Die_Kanzlerin_direkt_01.m4v herunterladen und abspielen. Das Angebot “diskriminiert”(?) höchstens Nutzer ohne Breitbandanschluss. Die überlegen sich nämlich, ob sie (a) lange auf die Datei warten und (b) Geld für diese Propaganda ausgeben wollen.

Pingback von Lapidarium42 » Blog Archiv » Merkelsenf

Made Samstag, 10 of Juni , 2006 at 09:14

[...] Too Much Cookies Network » Merkelsenf - Pott-Cast: sie wurde von Windows-Nutzern gewählt [...]

Pingback von Kraxler 365+ | Der Sommer im Basislager

Made Samstag, 10 of Juni , 2006 at 22:16

[...] Unsere Frau Bundeskanzelerin ist eine erstaunlich moderne Frau. Sie kümmert sich um ihre modische Erscheinung und hält flotte Ansprachen zur Fußball-WM. Sie macht süffisante Bemerkungen über Männer- und Frauenfußball, hat eine eigene Internetseite und – nun auch einen eigenen Podcast. Kapitel 1 stellt dabei die Grußbotschaft zur WM dar, weitere sollen folgen. »Politik anschaulich machen und erklären«, will Angela Merkel mit ihren Videos und sagt auch gleich etwas zu deren Inhalt: »In dem Podcast erläutert die Kanzlerin ab sofort, was die Bundesregierung unternimmt, um Deutschland voran zu bringen«. Viel mehr erläutert sie dann aber auch nicht. Die neuen Medien als Instrument der Politik scheinen endlich auch in Deutschland angekommen zu sein. Dabei ist Angela Merkel die erste deutsche Politikerin mit eigenem Podcast. Es wird aber wohl nicht lange dauern, bis andere es ihr gleichtun. Fraglich ist nur, ob Merkel mit ihrer Vermutung recht gehabt hat, Millionen hätten auf diesen Augenblick gewartet. Und auch ihre Aussage, das Podcasten würde ja nicht nur junge Menschen interessieren, sondern auch ihr selbst viel Spaß machen, klingt in etwa so glaubwürdig, wie ein gutes Wahlversprechen. Darüber, dass ihr Podcast nur für Windows- und Apple-Nutzer zugänglich ist (und als echter Podcast auch nur mit Quicktime), darf man sich wohl nicht wundern. Denn wie schreibt Omar auf seinem »Too Much Cookies Network« so schön: »Sie wurde von Windows-Nutzern gewählt.« [...]

Pingback von Too Much Cookies Network » Wir sind sicher, aber bitte habt Angst!

Made Donnerstag, 16 of November , 2006 at 02:24

[...] Nach der ersten Ausstrahlung des Merkel-Senfs habe ich mir den Pott-Cast nicht mehr angetan, aber wie ich auf netzpolitik herausfinden konnte, sind die Clips nicht ganz so uninteressant, wie ich anfangs dachte - und sie sind in Textform erhältlich, für alle die, die sich die Videos trotzdem nicht antun wollen. Jedenfalls gibt die Bundeskanzlerin gleich zu Anfang der letzten Ansprache Wir leben in Deutschland in einem der sichersten Länder der Welt. [...]

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