Merkels Krieg

Frau Merkel scheint dieser Tage nichts anderes zu tun zu haben, als einen Krieg gegen den Iran zu schmieden. Dazu kommentiert Knut Mellenthiem in der jungen Welt:

Wenn Angela Merkel schon in den Jahren 2002/2003 Bundeskanzlerin gewesen wäre, würden heute wahrscheinlich deutsche Soldaten im Irak kämpfen und das Chaos vermehren. Jedenfalls hat die CDU-Politikerin bereits damals den »engen Schulterschluß« mit Präsident George W. Bush gesucht und die Ablehnung einer »militärischen Lösung« der Irak-Krise durch die SPD-Grünen-Regierungskoalition scharf kritisiert. Daran muß man denken, wenn Merkel sich jetzt in Washington anschmust, »völlige Übereinstimmung« in Sachen Iran bekundet und dafür Streicheleinheiten vom US-Präsidenten kassiert.

Bitte, fangt keinen Krieg an, während ich weg bin.. Ganz interessant ist der Kommentar von dialoginternational zum Besuch Merkels in Washington.

In Europe Bush watches his friend Tony Blair in a political free-fall, and he faces hostile governments in Spain, Italy, and France; relations with his old pal Vladimir are downright frigid, as Dick Cheney makes Cold War speeches in Europe.

But let’s be clear: the US is perfectly willing again to thumb its nose at Old Europe and pursue a unilateral military option against Iran, which, in the end, could be disasterous for Europe. We are hearing the same music in Washington that we heard four years ago. The Bush administration is certainly pleased to have such a compliant partner in Angela Merkel. But in the end she will have as little influence in Washington as her predecessor.

Nimmt im Endeffekt Merkel nur die Stelle vom scheidenden Blair ein?

Comments

  • By Wilbur Larch, 6. Mai 2006 @ 15:03

    “Wenn Angela Merkel schon in den Jahren 2002/2003 Bundeskanzlerin gewesen wäre, würden heute wahrscheinlich deutsche Soldaten im Irak kämpfen”

    Glaube ich auch.

    Allerdings denke ich, dass Frau M. seitdem einiges dazugelernt hat. Ausserdem ist sie in einer Koaltion mit der SPD. Daher stimme ich Deiner Aussage “Frau Merkel scheint dieser Tage nichts anderes zu tun zu haben, als einen Krieg gegen den Iran zu schmieden.” definitiv nicht zu.

    Bei Gesprächen in Russland und nächste Woche in China geht es doch um eine diplomatische Lösung.

    Ausserdem hat sie George W und der verasammelten Presse auch gesagt:
    “Quite often, attempts have been made to rush matters, and to actually pre-empt what should be at the end of the process.”
    http://atlanticreview.org/archives/310-guide.html

    Mich würde interessieren, wie Du darauf kommst, dass Merkel gerade einen Krieg gegen den Iran schmiedet.

    Ganz abgesehen davon, dass die Bundeswehr gar nicht die Ressourcen dafür hat.

  • By dauni, 8. Mai 2006 @ 12:18

    Merkels Schmusekurs bereit mir zunehmend Kopfschmerzen. Wie kommt sie zu der Annahme, im Namen aller Deutschen sprechen zu können? Meine Gefühle im Augenblick schwanken zwischen Hilflosigkeit, Wut und Angst vor einem Deutschland, dass wieder überall mitmischt. Onkel Jorsche setzt auf die deutsche Karte, und Merkel fühlt sich geschmeichelt und gebauchpinselt. Es ist nicht zum Aushalten.

  • By Omar Abo-Namous, 8. Mai 2006 @ 13:17

    @dauni: Wie sie dazu kommt, im Namen aller Deutschen zu sprechen, kann ich mir erklaeren (die Mehrheit jedenfalls scheint sie gewaehlt zu haben, auch wenn bei weitem nicht die absolute Mehrheit..), aber

    @Wilbur: ich habe das Gefuehl, dass Frau Merkel sich nur selten zu innenpolitischen Themen aeussert und stattdessen sich um die Anheizung der Stimmung gegen den Iran kuemmert. Dabei verstehe ich nicht, warum wir nicht mal vom neu eroeffneten Oelmarkt im Iran profitieren?! Aber glaubst du wirklich, dass sie sich um eine friedliche Loesung bemueht?

    Ausserdem ist die eindeutige Rollenaenderung Deutschlands hin zum ‘iranischen’ Grossbritannien sehr deutlich. Im Flieger hab ich ein wenig in der Guardian geblaettert und es wird schnell klar, warum Blair nicht mehr die Kraft hat, Bush auszuhelfen und warum dieser widerum Merkel braucht. Ich habe gestern auf die Schnelle gesehen, dass dialoginternational einen Kommentar zum BILD-Interview Bushs hat. Muss dort mal weiterlesen, aber erst heute abend..

    Gruss, Omar

  • By Marian Wirth, 8. Mai 2006 @ 18:34

    Also, ich habe ja nun schon die drei Kanzler vor Merkel bewusst miterlebt, und keiner der drei war dermaßen konfliktscheu und so darauf bedacht, Ruhe an der innenpolitischen Front zu haben, wie die Frau Dr. Merkel. Und da der Atomstreit mit dem Iran aus ihrer Sicht viel eher ein innen-, denn ein außenpolitisches Problem ist (Benzinpreise! Große Koalition!), sehe ich auch nicht, dass sie an einer Verschärfung des Konflikts interessiert ist. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich nicht glaube, dass Merkel Truppen in den Irak geschickt hätte. Aber kontrafaktische Geschichtsbetrachtungen sind sowieso so eine Sache.

    Dass die Bush-Regierung jetzt verstärkt um Merkel wirbt und ihr den Bauch pinselt, ist doch logisch: Blair und Chirac sind politisch gesehen klinisch tot und Bush hat zu Hause genug anderen Ärger am Hacken. Da bietet es sich doch an, den Deutschen den Atomstreit ans Bein zu binden. Zumal ja Merkel, wie schon ihr Vorgänger, sich lieber auf Gipfeltreffen im Ausland tummelt, statt zu Hause die Knochenarbeit zu machen.

    (pro forma widerspreche ich selbstredend der Behauptung, Bush plane einen Krieg gegen den Iran. Man muss in der politischen Landschaft der USA schon sehr weit nach rechts außen gehen, um jemanden zu finden, der sich für ein Vorgehen gegen Iran einsetzt, das die Bezeichnung “Krieg” rechtfertigen würde. Und dass sind dann die gleichen Leute, die am liebsten gleich noch China und Nordkorea angreifen wollen. Ernst nehmen kann man die, aber überbewerten sollte man sie auch nicht.

    So. Irgendwann musste ich ja mal meinem Ruf als islamophober Transatlantiker gerecht werden. Was hiermit geschehen ist.)

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