Von Kronzeugen, Halbwahrheiten und Tunnelblick
Dr. Sabine Schiffer schreibt über die anhaltende Mode, “Kronzeugen” aus ‘muslimischen’ Umfeldern als Rechtfertigung für fremdenfeindliche und rechtspopulistische Politik zu nehmen. So wie die Unterzeichner des Aufrufs “Gerechtigkeit für die Muslime” hebt Dr. Schiffer die Notwendigkeit hervor, die “Innenperspektive” dieser besagten Kronzeugen nicht überzubewerten.
Die deutschsprachige Seyran Ates ist seit einiger Zeit Lieblingsgast bei beim TV-Sender “arte”. Sie zeichnet sich durch eigene Betroffenheit aus, was ja zunächst niemanden disqualifiziert – eine “Innenperspektive” ist eigentlich eine wertvolle Bereicherung, aber eben auch nur eine von vielen verschiedenen solcher Blickwinkel.
Autoren wie Necla Kelek oder Seyran Ates (ich füge Hirsi Ali hinzu) lassen sich gerne dazu hinreissen, die komplexen Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen Arbeiten auf einzelne Faktoren zu reduzieren. Es ist eben wichtiger, Bücher zu verkaufen, als Problemlösungen - zumal man auch gleich Politik mit einfachen Schuldzuweisungen verkaufen kann.
So weit so gut und differenziert. Undifferenziert wird die Arbeit jedoch dann, wenn man versucht, die gemachten Beobachtungen nur einem einzigen Faktor zuzuordnen. Alles ist multikausal – und oft müssen Erklärungsmodelle korrigiert werden, wenn man etwa die erste Faktensammlung um weitere relevante Beobachtungen ergänzt.
Doch so viel Komplexität ist für den “sensationslüsternen” Buch- und Medienmarkt kaum dienlich. Wenn Necla Kelek sich mit ihrer reduzierten und zugespitzten Publikation für diesen Wirkungskreis entschieden hat, dann sollte sie auch als Meinungsmacherin und nicht als wissenschaftliche Analytikerin und soziologische Beraterin behandelt werden.
Dass sie überdies für die offensichtlich reißerische Veröffentlichung von “Die fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland” noch Preise, wie den “Geschwister-Scholl-Preis” erhielt, zeugt nicht von einer vielfach vermuteten Brillianz ihrer Arbeit, sondern vielmehr von einem Zeugnis mangelnder Kritikfähigkeit des Publikums, vor allem bei Aussagen, die der antiislamischen Lesererwartung entsprechen.
Necla Kelek als Vorbild??
Dialoginternational schreibt, dass Necla Kelek nächste Woche bei einem Forum in New York zu “Multikulti” sein wird. Sie soll scheinbar Amerikanern sagen, wie sie mit ihren Muslimen umzugehen haben.
But Americans will have a chance to learn first hand from an “expert” in German immigration issues. The Web site Sign and SIght is sponsoring a forum next week in New York City which will include the Turkish-German writer Necla Kelek. She -along with Hans-Peter Raddatz - is the darling of the right-wing talk show circuit since she is more than willing to share her vast knowledge concerning the evils of Islam.
Stadtgespräch mit Cileli
Habe gerade eine Aufzeichnung der Sendung Stadtgespräch gesehen. Darin verteidigen Serap Cileli und Hans-Peter Raddatz (Nicht Islamwissenschaftler!!) die Idee, dass der Islam oder “die Muslime” (aber ‘ohne Generalverdacht’..) das eigentliche Problem sind, wenn es um Gewalt an Schulen geht. Davon kommen sie auch nicht ab, als Michael Köditz (Lehrer an einer Berufsschule in Offenbach) äussert, dass dieselben Gewaltmuster auch bei deutschen Schlern zu beobachten sind. Auch scheint ihr Tunnelblick nicht erweitert zu werden, wenn dieser ihnen erzählt, dass Schüler, die frisch aus muslimischen Ländern kommen, sehr aufmerksam sind und einen hohen Respekt vor dem Amt des Lehrers haben und dadurch automatisch ruhig sind.
Ich will versuchen, einige Ausschnitte aus der Sendung zu zeigen, damit mein Anliegen deutlich wird. An einer Stelle möchte Raddatz sogar die “islamische Verschwörung zur Übernahme Europas heraufbeschwören”, bringt aber den Satz nicht ordentlich zuende..
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Waffe der Wahl gegen Muslime: Schweine! » Too Much Cookies Network — 4. März 2007 @ 03:48
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