Europa soll deutscher werden

Bundestagspräsident Norbert Lammert droht der EU mit Nichtbeachtung der Dokumente, die nicht ins Deutsche übersetzt werden. Er hatte gefordert, dass die deutsche Sprache mehr Beachtung als Arbeitssprache im europäischen Parlament findet. Er behauptet, dass “die deutsche Sprache von mehr Menschen gesprochen wird als jede andere Sprache in der Europäischen Union”. Der Grünen-Abgeordnete im Europaparlament Daniel Cohn-Bendit hält dagegen, dass Lammert “einen Bewusstseinsstand von annodazumal” hätte - very pursuasive argument!

Tatsächlich ist die häufigste Muttersprache in Europa die Deutsche, allerdings heisst das nicht, dass sie am weitesten verstanden wird. Laut Statistik der Europäischen Kommission1 geben 24% der Europäer Deutsch als ihre Muttersprache an, während der nächsthöchste Anteil den französischen, englischen und italienischen Sprachen mit jeweils 16% zusteht. Der Anteil der Personen, die deutsch sprechen können ohne Muttersprachler zu sein beträgt dagegen gerade mal 8%. Die englische Sprache wird von 31% der nichtmuttersprachlich-englischen Bevölkerung gesprochen und damit überholt die englische Sprache die deutsche bei der Gesamtwertung.

Demnach sprechen insgesamt 47% der Europäer Englisch gefolgt von 32%, die Deutsch sprechen und 28%, die Französisch sprechen. Interessant ist, dass die Wahrnehmung der Nützlichkeit der deutschen Sprache offensichtlich unterschätzt wird. So wird Deutsch von Befragten zwischen Französisch und Spanisch an dritter Stelle genannt, während Englisch 69% als nützlichste Sprache aufgefasst wird.

Es ist auf der einen Seite nicht falsch, die breitere Übersetzung der wichtigen Dokumente auf deutsch zu fordern, daraus eine diplomatische Krise zu kreieren, ist nicht gerade das weiseste, was man als deutsches Parlament tun kann. Letztendlich ist die Übersetzung stets mit Kosten verbunden, die irgendwer tragen muss und der deutsche Bundestag muss sich nicht sagen lassen, wie es um die Staatskassen in Europa bestellt ist.


  1. Und für Herrn Lammert []

Comments

  • By Elias Schwerdtfeger, 14. April 2006 @ 16:52

    Achtung Ironie (manche merken das ja nicht mehr ohne einen Hinweis):

    Die Sprache, die von den meisten Europäern gesprochen wird, ist (nach meiner bescheidenen Stichprobe an vielen europäischen Orten) ganz eindeutig schlechtes Englisch. Man sollte also, der gleichen Logik folgend, alle Dokumente des Europäischen Parlamentes in schlechtes Englisch übersetzen - das sich ein paar Leute auf einer abgelegenen Insel, die niemals so richtig zu Europa gehören wollte dann über das schlechte Englisch aufregen, ist nicht wirklich ein Problem.

    English isn’t an international language. Broken english is… ;D

  • By Journal für Republikanismus, 26. Juli 2006 @ 12:47

    Was nützt die Forderung Deutschlands, wenn die politische Elite Europas von Deutsch nichts wissen möchte? Siehe hier:
    http://www.tiuz.de/europaische-union-garant-fur-totale-globalisierung/

  • By Eveline, 25. Februar 2007 @ 18:51

    Wie sollen denn deutsche Politiker stolz hinter der eigenen Sprache stehen, wenn wir als Bürger es ihnen nicht vormachen? Ich plädiere für größeres Selbstbewußtsein unserer eigenen Sprache gegenüber!
    http://nordnews.wordpress.com/2007/02/21/auf-gut-deutsch/#more-42

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