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There is no hunger in Gaza

Montag, 10. April 2006, 11:18

[via Laila El-Haddad] Im Artikel There is no hunger in Gaza in der Haaretz beschreibt Gideon die wahre “humanitäre Katastrophe” im Gaza-Streifen. Der Artikel ist vor allem deshalb so lesenswert, da er ein Reaktionsmuster in der Welt ausmacht: So bald keine toten Kinder mit leeren Mägen auf der Strasse sterben, weil sie nicht genügend zu essen bekamen, macht sich keiner Sorgen.

The use of the term “humanitarian disaster” is actually proof of the dehumanization of the Palestinians. There’s no flour? “Humanitarian disaster.” There is flour? Then there’s no disaster. There’s an assumption that all the Palestinians need is a daily serving of food so they won’t be considered disaster victims. It’s enough that they have water and food in their troughs to conclude that their situation is fine. But human beings, including the Palestinians, have a few other basic needs as well.

But even if they have bags of flour and rice, the living conditions of the Palestinians are chilling. They live in prison. Their daily routine includes humiliation that is no less terrible than malnutrition. Anyone who has to beg for permission to leave his village, to spend hours crowded in line at a checkpoint just to reach his destination, anyone whose bedroom is brutally invaded in the middle of the night by the occupation army, whose time and life is considered valueless, and whose basic human dignity has been trampled into dust, cannot find any consolation in the fact that flour and rice is available. Those who think that all it takes is providing a quota of flour to be free of any responsibility for the fate of the people they occupy, are suffering from a serious case of moral blindness. Does the fact that a Palestinian youth is not hungry in any way blunt the fact that he cannot dream, cannot aspire to a career, an orderly education, a vacation or simple pleasures of life? Does the fact that his belly is not completely empty cover up for the miserable present and the hopeless future?

Deshalb ist es auch für Europäer kein Problem, dass die EU kürzlich beschlossen hat, die Finanzhilfen für den Gazastreifen und das Westjordanland zu stoppen. Auch die USA will (oder hat?) ihre Finanzhilfen für den Gaza-Streifen und das Westjordanland einstellen. Gleichzeitig werden die Finanzhilfen in Form von Militär- und Wirtschaftshilfen an die israelische Regierung aufrechterhalten. Diese Fortzahlungen werden getätigt, ohne von der israelischen Regierung eine offizielle Anerkennung des Existenzrechts Palästinas zu verlangen. Es wird noch nicht einmal von der israelischen Regierung verlangt, “der Gewalt abzuschwören”.

Was wirklich frech ist, ist die Beschlagnahmung von Steuergelder, die der palästinensischen Regierung gehören durch Israel.

Unterdessen hat Israel die den Palästinensern zustehenden Zahlungen aus Steuer- und Zolleinnahmen vorerst eingestellt. Ein Regierungssprecher bestätigte am Montag, daß 200 Millionen Schekel (rund 35,7 Millionen Euro) für den Monat Januar nicht an die Autonomiebehörde weitergeleitet werden.

Travis - Beautiful Occupation

Don’t just stand there watching it happening
I can’t stand it
Don’t feel it
Something’s telling me
Don’t wanna go out this way
But have a nice day

Then read it in the headlines
Watch it on the TV
Put it in the background
Stick it in the bag
Stick it in the bag

For the beautiful occupation
The beautiful occupation
You don’t need an invitation
To drop in upon a nation

Gideon Levy schliesst mit einem Appell:

Those who have been silent until now can remain enveloped in their silence. Those whose conscience doesn’t torture them and whose sleep is uninterrupted by Israel’s behavior in the territories can continue resting in peace. There is no “humanitarian disaster.” Israel will find a solution to the food crisis, and the stores in Gaza won’t lack for flour. But those who regard the Palestinians as only requiring basic food should remember that even in the zoos, where the animals presumably don’t lack for a thing, people are often shocked by the conditions of their imprisonment.

3 Kommentare

Kommentar von Ike

Made Montag, 17 of April , 2006 at 19:18

Hi!

Ja, es ist inbesondere für die Bevölkerung problematisch, wenn finanzielle Unterstützung ausbleibt. Allerdings verhält sich die neue Regierung auch nicht im Entferntesten kooperativ. Dadurch, dass die Regierung jetzt den heutigen Anschlag als legitime Selbstverteidigung sehen, macht es den anderen Ländern nicht leicht, mit dieser Regierung in Verhandlungen zu treten.

Dies provoziert die israelische Entscheidung einer einseitigen Festlegung der Grenzen. Ich hoffe, dass zumindest die israelische Regierung in Zukunft davon absehen wird, staatlich sanktionierte (Terror-/Raketen-)angriffe auf palästinensische Führer durchzuführen, denn kein Staat darf ohne Gerichtsurteil jemand Anderen bestrafen. Aber genauso wie die Israelis keine Raketenangriffe auf Palästinenser durchführen dürfen, dürfen auch die Palästinenser keine Attentate ausüben.

Und jede Seite muss anerkennen, dass sie sich in der Mitte treffen müssen. Jede Seite muss das Existenzrecht der anderen Seite anerkennen. Von den Israelis (insbesondere von der aktuellen Regierung) sehe ich durchaus Bestrebungen in dieser Richtung, leider sehe ich sie jedoch nicht (mehr) bei den Palästinensern. Es ist schon erschreckend, wenn man den Unterschied der Reaktion des Sprechers der Hamas-Regierung und des palästinensischen Präsidents sieht.

Michael

Kommentar von Omar Abo-Namous

Made Dienstag, 18 of April , 2006 at 01:24

In deiner Einschätzung stimme ich dir nicht zu. Die Entscheidung Israels “notfalls” (soll heissen, wenn nicht passende “Gesprächspartner” zur Verfügung stehen) einseitg die Grenzen festzulegen ist nicht neu und hat mit einer Rechtfertigung des Selbstmordanschlags durch die palästinensische Regierung nichts zu tun und ist deshalb bestimmt nicht dadurch provoziert worden.

Ausserdem ist fraglich, ob Hamas den Anschlag rechtfertigt hat, ihre Aussage war lediglich, dass der Anschlag als Antwort auf die Besatzung sei:

“a direct result of the policy of the occupation and the brutal aggression and siege committed against our people”.

Und damit liegen sie noch nicht einmal so falsch. Auch wenn ich den Selbstmord und die (in diesem Fall) damit verbundene Ermordung von Zivilisten nicht gutheissen kann, so kann man nicht darüber hinwegsehen, dass sich keiner sonderlich darüber aufregt, dass seit nun einigen Tagen einige palästinensische Städte bombardiert werden. Keine Selbstmord-Attentate, damit fällt der Selbstmord weg, aber die Mord-Komponente ist trotzdem da!

Wenn tatsächlich ein gerechter Frieden erzielt werden sollte, muss die Doppelmoralstrategie aufhören. Angriffe auf beiden Seiten müssen eingestellt werden, beide Seiten müssen sich gegenseitig anerkennen. Aber viel wichtiger ist, dass Europa und die USA (die Träger der Roadmap!) die bisherige Strategie des With-Israel-we-stand aufgeben, denn mit ihr können wir nicht wirklich glaubwürdig sein.

Wenn ich mich also darüber beschwere, dass Finanzhilfen eingestellt werden, ist für mich vor allem massgeblich, dass die Finanzhilfen an Israel weitergezahlt werden, von denen ein nicht kleiner Teil für Waffen bestimmt ist! Wie kann man dann von den Palästinensern fordern, dass sie entmilitarisieren??

So, jetzt wurde der Kommentar sehr lang und hätte noch einiges zu schreiben. Vielleicht in einem anderen Beitrag??.. ;)

Pingback von Wieder Interesse an Palästinensern? » Too Much Cookies Network

Made Freitag, 15 of Juni , 2007 at 10:53

[...] “aggressive negotiations” (1) entschieden, indem man die Palästinenser für ihre Wahl aushungern liess. Europa und die USA folgten prompt und erklärten nicht lange danach, dass die Hamas-Regierung [...]

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