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Muslime mitten drin

Freitag, 7. Januar 2005, 00:19

Herr Khaled Hroub spricht in seinem Beitrag auf qantara.de die “Mangelnde muslimische Unterstützung” an [1]. Dabei meint er aber eigentlich nicht die mangelnde “muslimische”, sondern eher die geringe arabische Hilfestellung! Leider gibt also der Titel nicht unbedingt den Sinngehalt des eigentlichen Textes wieder. Ich weiss nicht, wer dafür zuständig ist, aber das eine sollte man mit dem anderen nicht verwechseln.Muslimische Organisationen waren mitunter an forderster Front, als es um die sofortigen Hilfen ging. Auch jetzt müssten sich muslimische Hilfsorganisationen nicht verstecken, bei all dem Aufwand, den sie betreiben. Freilich sie verlangen keinen Lohn dafür und müssen deshalb auch nicht in aller Öffentlichkeit proklamieren, wieviel sie gesammelt haben, denn hier gilt immer noch das Prinzip, was deine Rechte gibt, davon soll deine Linke nicht wissen!

Wenn man aber die islamischen Organisationen nachschlägt, wird einem schnell klar, dass diese nicht stillsitzen - nicht seit dem Seebeben in Südostasien - nicht davor. Als sehr gutes Beispiel hierfür kann die bekannte islamische Organisation Islamic Relief herhalten. Diese war gleich nach dem Beben vor Ort und konnte Hilfestellung anbieten [2]. Dann gibt es diverse andere Organisationen, die meines Wissens zusammen nochmal an die 2 Millionen Euro zusammengesammelt haben [3,4,5,6]. In Deutschland haben sich viele Muslime, die ihren Beitrag leisten wollten an den eher kleinen Verein Muslime Helfen e.V. gewandt. Dieser hatte relativ früh ein Flugblatt erstellt und damit zum Spenden aufgerufen [7].

In Deutschland sahen diverse islamische Verbände ihre Aufgabe vor allem darin, die Menschen zu ermuntern und aufzurufen, an die Hilfsbedürftigen in Südostasien zu denken. Dafür eignete sich die Freitagspredigt am Silvester-Morgen perfekt. Quer durch Deutschland (und überall auf der Welt) wurden nach dem Freitagsgebet Spenden entgegengenommen, Flyer mit Kontoangaben der diversen Hilfsorganisationen verteilt, in Predigten wurde die Problematik wie auch der Aufruf thematisiert. Die Gemeinde, die nicht selbst darauf gekommen ist, wurde durch einen Dachverband darauf aufmerksam gemacht. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat dabei in seinem Aufrug [8] sich nicht auf islamische Hilfsorganisationen beschränkt. Auch die Schura Niedersachsen hat einen Spendenaufruf gestartet, der in vielen niedersächsischen Moscheen ausgehängt wurde.

Nun ist aber die Hauptaussage des Beitrags von Herrn Hroub die, dass arabische Länder (er meint eigentlich sogar Golfstaaten - oder noch exakter Saudi-Arabien, Qatar und die Vereinigten Emirate) im Verhältnis zum Wohlstand, der in ihnen herrscht, wenig gespendeten haben. Es ist sicherlich nicht richtig, an dieser Stelle anzufangen gegenzurechnen und aufzuwiegeln. Wenn wir dabei sind, müssten wir fragen, wieviel Bill Clinton, George Bush, Bill Gates (ja selbst Steve Ballmer kann da mithalten) und andere populäre und durchaus reiche Menschen im Westen gespendet haben [9]. Das tut keiner - und das ist auch gut so!

Wichtig bleibt am Ende, dass man spendet. Ein Aufruf an jeden! Man spendet nicht, weil ein anderer spendet, man lässt es nicht, weil ein anderer weniger gespendet hat, als er hätte spenden können. Und genauso wie Menschenhändler dieser Tage ihrer Arbeit verstärkt nachgehen, so werden auch einige Organisationen sich auf Kosten von Menschen profilieren wollen; beides sollte man nicht hinnehmen.

Omar
[1] Mangelnde muslimische Unterstützung von Khaled Hroub auf Qantara.de
[2] Islamic Relief mobilizes to aid Tsunami victims - Reuters
[3] Asia Disaster Appeal - Islamic Aid
[4] Muslimhands.org
[5] muslimaid.org
[6] Muslimaid in Australien
[7] Flugblatt - Muslime Helfen (pdf)
[8] Spendenaufruf - Zentralrat der Muslime in Deutschland
[9] Die reichsten Menschen der Welt auf finanzen.de

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