Bag of Bread

Seit nun mehr als 40 Tagen hat Israel die einzige Handelsgrenze zum Gaza-Streifen geschlossen, im Versuch die Bewohner für die Wahl einer politischen Vertretung zu bestrafen. Laila El-Haddad, die Bloggerin hinter “Raising Yousuf: A diary of a mother under occupation”, beschreibt die Situation im Artikel Bread runs out in face of Israeli closure wie folgt:

Walking around Gaza today, one would have thought there was a war looming (well, I guess we are in a perpetual state of low-intensity war, but still). Most bakeries throughout the city were closed by mid-afternoon, with the only remaining ones jam-packed with customers, lines extending out to the streets till late at night.

The reason: flour stocks have officially run out in Gaza due to a 44-day and going-strong Israeli-imposed closure of the only commerical crossing for goods and humanitarian supplies.

Aber es muss Verständnis für die israelische Haltung aufgebracht werden, denn schliesslich wollen sie “nur” die palästinensische Seite zur Anerkennung Israels zwingen. Israel, das sich selbst nicht wirklich definieren möchte. Während auf palästinensischer Seite die Fatah-Partei (und der Präsident Abbas) die neue Hamas-Regierung auffordert, sich auf Verhandlungen einzulassen und einen Teilungsplan anzugehen - und somit Israel ‘anzuerkennen’ - sind auf israelischer Seite nur die Friedensdemos, die einer willkürlichen Landnahme wie sie mit dem Bau der Mauer geschieht wiedersprechen. Tatsächlich gibt es keine israelische Partei, die die israelische Regierung auffordert, einem runden Tisch beizuwohnen, auch wenn das bedeuten sollte, dass Israel Zugeständnisse machen müsste.

Nach dem ‘Abzug’ israelischer Siedlungen aus dem Gaza-Streifen voriges Jahr sind die Grenzen des Gaza-Streifens auch heute noch von israelischem Militär umstellt. So schreibt Patrick O’Connor in der ägyptischen Zeitung Al-Ahram

The media reports that the Gaza Strip is no longer under Israeli control, but two weeks ago I was blocked from entering Gaza from Egypt by Israeli agents. The day before, two French citizens were prevented from entering for a sister city project in Gaza. Israeli authorities invoked “security reasons” and false claims of links to terrorism, a typical strategy used against foreign supporters of Palestinian rights. Despite the fanfare over Israel’s August “Gaza disengagement”, Gaza remains a prison, with no visitors allowed.

Israel scheint das ‘Risiko’ nicht eingehen zu wollen, einen Aufschwung im Gaza-Streifen zu erlauben. Dazu können die Grenzen des Gaza-Streifens schnell abgeriegelt werden, was dazu führt, dass ein wahrer Warenfluss sabotiert wird. Die Palästinenser werden in diesem Fall zu Geiseln, die auf die Hinrichtung warten, wenn die jeweilige palästinensische Regierung nicht nachgibt - in was auch immer..

Diese Lage wird sich bis zu den israelischen Wahlen wohl kaum ändern, offensichtlich glauben die dortigen Wahlexperten, dass die israelische Bevölkerung ein ‘hartes Durchgreifen’ fordert. Ob das stimmt, sei mal dahingestellt, man sollte sich dann aber fragen, warum die Forderung der palästinensischen Bevölkerung nach ‘härteren Verhandlungsgrundlagen’ so sehr von den USA und Europa missbilligt wird? Mit der Wahl der Hamas-Partei haben Palästinenser meines Erachtens klar zum Ausdruck gebracht, dass ihnen das Herumgewedeltwerden der früheren Fatah-Regierung nicht besonders gefallen hat.

Mehr zu den israelischen Wahlen schreibt Uri Avnery unter dem Titel Ein “Vier-Buchstaben-Wort”:

Nun erscheint es so, daß es in der hebräischen Sprache auch ein “Vier-Buchstaben-Wort” gibt, das von anständigen Menschen nicht benutzt wird, insbesondere nicht während einer Wahlkampagne. Eine (politisch) korrekte Person vermeidet um jeden Preis diesen Begriff.

Dieses Wort heißt “Frieden” (das im Hebräischen mit vier Buchstaben geschrieben wird).

Frau Al-Haddad hat ausserdem einen ‘eight-step guide to securing an Israeli election’ veröffentlicht, der möglicherweise in Anlehnung an den Plan, den ‘The Guardian’ veröffentlicht hatte (den ich jetzt nicht finden kann) gedacht ist. Darin finden sich Punkte wie:

1. Say there is no negotiating partner on the Palestinian side, even if the president was Gandhi.

4. Place hungry Palestinians on a forced “diet” and laugh about it.

8. And for the grand finale, stage an Apocalypse-Now type raid on a Palestinian prison to defend the honor of a slain Israeli war criminal..er..minister, complete with helicopters, tanks, and armored bulldozers, and finish off with Israeli general’s and paper’s crowing “We got ‘em!”

Und zum letzten Punkt hatte sie auch schon berichtet. Die halbnackten Männer in den Fotos sind u.a. Sicherheitsoffiziere oder Gefängniswärter, die vom israelischen Militär zum strippen gezwungen wurden. Gründe? - Sicherheit!

Interessant ist die Begründung, warum das israelische Militär das Gefängnis gestürmt hat: Offensichtlich glauben sie, dass der Insasse Sa’adat die Tötung eines israelischen Ministers (Rehavam Zeevi) mitgeplant haben soll. Er selbst hat es bestitten, sitzt aber trotzdem seit mehr als 3 Jahren ohne offizielle Anklage im Gefängnis in Jericho fest. In 2002 hat das ’supreme court’ zwar entschieden, dass seine Inhaftierung unrechtmässig ist. Die damalige palästinensische Regierung hat dieses Urteil ignoriert, nachdem die israelische Regierung ihnen gedroht hatte (noch ein Grund, eine Regierung abzuwählen).

Das interessante an der israelischen Position ist eigentlich, dass sie die offizielle gezielte Tötung von palästinensischen Führungspersönlichkeiten stets rechtfertigen, während die Tötung eines israelischen Ministers in ihren Augen unverzeihlich ist. Ich weiss, was jetzt kommt: Das eine sind Terroristen und das andere gewählte Repräsentanten! Aber zum einen hat Israel bereits gedroht, die gewählten Repräsentanten Palästinas zu töten (, falls diese nicht nachgiebig genug sein sollten), zum anderen muss ein Rechtsstaat - wie Israel einer sein will - einsehen, dass der Unterschied zwischen ’schuldig’ und ‘unschuldig’ nur in einem rechtmässigen Gericht festgestellt werden kann. D.h. während die israelische Regierung Scheich Ahmad Yassin der Mitschuld an der Tötung von israelischen Zivilisten beschuldigt, können palästinensische Gruppierungen (oder eben Regierung) israelische Minister der Mitschuld an der Tötung palästinensischer Zivilisten beschuldigen..

Aber ich schätze, das ist nur halb so schlimm, wenn man sich mal anschaut, was sonst so im heiligen Land passiert: When a Mother Gets Killed Does She Make a Sound?

Before dawn on January 15th, an Israeli special forces unit killed a Palestinian mother and her 24-year-old son in their home. The mother had three bullets in her; the son 15. The Israeli soldiers also shot and wounded the woman’s husband and four other family members: young women were shot in the pelvis and chest, young men in the foot, chest, torso, liver. The firing lasted over an hour. Then the Israeli squad shot at an arriving ambulance and prevented it for 45 minutes from tending to the dying, bleeding family.

It was all the result of a “misunderstanding,” as the Israeli press put it.

And that’s the word..

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