Enemy Combatant - A British Muslim’s Journey To Guantanamo And Back
openDemocracy.net führte ein Interview mit Moazzam Begg, der seit drei Jahren ohne Prozess in US-Gefangenschaft verweilt, die meiste Zeit davon auf Guantanamo. Er hat nun ein Buch geschrieben “Enemy Combatant - A British Muslim’s Journey To Guantanamo And Back”. Darin beschreibt Begg nicht nur seine Zeit in Gefangenschaft angefangen bei der Gefangennahme in Pakistan Januar 2002 und die anschliessende Überweisung nach Bagram bis hin zu seinem Aufenthalt in Guantanamo Bay, den er zum grössten Teil in Einzelhaft verbringen musste, sondern auch seine Erlebnisse im multikulturellen England, das er kennt.
Wenn das Buch nur halb so interessant ist, wie das Interview mit Herrn Beggs, dann verspricht es, einen Einblick in einen Teil der Epoche, in der wir leben, den wir aber nicht wahrzunehmen bereit sind. Guantanamo steht nun lange genug und der Widerstand gegen diese Art der zufälligen Inhaftierung, der Praxis der Nichtanklage für eine so lange Zeit und natürlich der Folter, die sehr viele der Inhaftierten über sich ergehen lassen mussten, kann nur als milde bezeichnet werden. Wir schulden den Insassen solcher Gefängnisse mehr, als wir je hergeben könnten.
Interessant finde ich die Art, mit der Moazzam Begg versucht, fair zu bleiben und nicht - wie er betont - alle Amerikaner über einen Kamm zu scheren - trotz des Unrechts das ihm im Namen der amerikanischen Bürger angerichtet wurde! Eine klare Absage erteilt er damit in meinen Augen den Kulturkampf-Verfächtern. Bezüglich der in der rechtspopulistischen Zeitung Jyllands-Posten erschienen Karikaturen führt er an:
“Caricatures can do a great deal. In Bagram, the guards made orange t-shirts depicting the prisoners as slaves in chains. In Guantánamo, they drew pictures of us as rats. That’s all fine and dandy until someone dies. I saw two prisoners beaten to death at Bagram, and the caricatures were all part of the dehumanisation process.”
Gleichzeitig lobt er die britische Presse für ihre Haltung. Britische Medien haben mehrheitlich den direkten Abdruck der Hasskarikaturen verweigert.
“Actually, the press response has been a credit to this country. Apart from the initial protests, where there were certainly overreactions by some Muslims, there has been a great deal of respect between the Muslim community and the press.”
Oft genug wurde die Frage gestellt “warum hassen sie uns?”, wenn sich mal wieder ein Anschlag irgendwo ereignete. Orientalisten und Islamophoben wie Rolf Stolz und Hans-Peter Raddatz (nur um zwei Beispiel zu nennen) haben uns stets die Antwort gegeben, es läge am Islam. Hassprediger seien es, die die Menschen in Moscheen und mit uns fremden Sprachen anstachelten und ihnen vermittelten, dass ‘der Westen’ ihr Feind wäre. Die Aussage war selbst vor den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 nicht anders. Unterschlagen werden Ausbeutung oder nicht rechtfertigbare Angriffskriege - wie der, den wir demnächst führen werden - und menschenverachtende Massnahmen wie Guantanamo oder Abu Ghraib und andere. Herr Begg hat eine andere Antwort, die sicherlich durch Lesen seines Buchs ersichtlich wird.
What does he hope the book will achieve? “I want to give people an idea about why some people feel strongly about certain things” – a rather diplomatic answer by which he seems to mean, why many Muslims are angry with western policies – “but not to tar everyone with the same brush, as the US is doing, which just incurs more animosity.”
Das Buch “Enemy Combatant”, Moazzam Begg wird es in Kürze sowohl als Taschenbuch, als auch als gebundenes Buch geben.
Tip of the hat an polis.
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Too Much Cookies Network » Rechtsbeugestaat — 27. April 2006 @ 00:06
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