Gartenzwerge und Zaunstreit

Die neuste Meldung im heraufbeschworenen Kulturkampf: Herr C.K. möchte einen Kleingarten pachten und wird von J.K. - dem Vorsitzenden des Kleingartenvereins - aufgehalten, da dieser meint, der Verein sollte keine Ausländer mehr aufnehmen. Letztere würden bei “geselligen Anlässen” nur selten mitfeiern. Herr C.K. entgegnet, dass er gerne an solchen Feiern teilnehmen würde, wenn er denn eingeladen würde und führt wie zur Rechtfertigung seiner Existenz an: “Ich bin in Deutschland geboren, mein Vater hat hier 35 Jahre in einem Betrieb gearbeitet” - jaund??

Türke wird kein Kleingärtner

Soweit so gut, ein ganz klarer Fall von Missverständnis, Vorurteilen und möglicherweise Fremdenfeindlichkeit. Jetzt kommt aber der Knüller: Herr C.K. - wir erinnern uns: das ist der Typ, der einen Garten pachten möchte und dann mit seinen Kleingarten-Nachbarn mitfeiern will (das sind die, die offensichtlich etwas gegen ihn haben) - möchte aus der Angelegenheit ein Gerichtsprozess machen! Interessant dabei wäre mitanzusehen wie “gesellig” diese Feiern werden, wenn er erst einmal den Prozess gewinnt!

Ich kann es verstehen, wenn man gegen Vorurteile angeht und zeigt, dass es auch anders geht, aber sich selbst anderen aufzudrücken - und vor allem vor Gericht - ist sicher nicht der richtige Weg zum friedlichen Kleingartenmiteinander. Der Zaunstreit ist doch bereits vorprogrammiert! Aber irgendwie sind die Gemüter inzwischen so erhitzt, da hilft rationales Denken nicht mehr.

Hannover wieder Vorbild:

Auch Gartenfreunde in Hannover zeigen, wie es gehen kann: Sie haben den Spieß einfach umgedreht und die internationalen Freunde gebeten, ein Vereinsfest nach deren Traditionen auszurichten. Die Stimmung auf der Party war nach Angaben von Teilnehmern großartig - und seitdem klappt’s noch besser mit den Nachbarn.

Comments

  • By Marian Wirth, 8. März 2006 @ 19:17

    Hm. Ich hatte eigentlich einen Trackback gesetzt. Zur Sicherheit hier nochmal manuell:

    http://www.bissige-liberale.com/2006/03/08/kulturkampf-im-schrebergarten/

    Grüße,
    Marian

  • By Marian Wirth, 8. März 2006 @ 19:18

    Okay, ich war wohl nur zu ungeduldig ;-). Dabei habe ich mindestens zwei (!) Minuten gewartet :-/.

  • By Omar Abo-Namous, 8. März 2006 @ 19:20

    ja, ich moderiere seit einiger Zeit die Kommentare, da Trolle sich meiner Seite angenommen haben..

  • By apollon, 8. März 2006 @ 19:46

    Nun entwickelt die Tatsache, dass sich Menschen gleich vor Gericht treffen, wenn irgendwas nicht nach ihrer Nase geht, bekanntlich inzwischen in Deutschland zum Leidwesen der Gerichte (?) fantastische Steigerungsraten. Leider scheint es mir zudem so zu sein, dass nach der neu aufgeflammten Kulturdebatte auch platte Ressentiments fröhliche Urstände feiern. Ein solcher Einwand wird in einer Diskussion darüber als Gutmenschengequatsche abgetan. So ändern sich innerhalb weniger Monate die Regeln.

  • By Marian Wirth, 8. März 2006 @ 20:58

    Omar,

    meine Ungeduld bezog sich darauf, dass der Trackback bei Dir erst mit Verzögerung angezeigt wurde. Hattest Du eigentlich noch nie Probleme mit Trackback-Trollen?

    Übrigens: Wenn Menschen türkischer Herkunft Mitglied in einem Kleingartenverein werden wollen, ist das dann nicht Assimilation? Wenn ja, dann könnte es keine “Integration” durch Verkleingartung geben, oder?

    apollon,

    so leicht ergebe ich mich den Kulturkämpfern dann doch nicht, sondern verweise lieber zum hundertsten Mal auf solche Passagen wie die letzten Absätze aus dem n-tv-Artikel, als dass ich mich gleich ergebe. Und auf “Gutmensch” und “Multikulti-Fanatiker” reagiere ich kaum noch.

  • By Omar Abo-Namous, 8. März 2006 @ 21:44

    @Marian: Das hatte ich schon verstanden. Eigentlich ist die Moderation für Kommentare gedacht, aber wenn schon denn schon.. ;)

    Ich würde tatsächlich im Streit keinen Kulturkampf sehen, aber so wird er (man nennt mich auf Weissager) wohl umstilisiert.. Dass der Vorsitzende offensichtlich ein Problem mit Ausländern hat, lässt sich herauslesen (immer eingeschlossen, dass er durchaus auch berechtigte Zweifel an der Eignung einer Person haben darf). Für mich war nur erstaunlich, wie weit der Neupachter gehen möchte, um sein Garten-”Glück” zu bekommen..

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  1. B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade — 8. März 2006 @ 19:13

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