Necla Kelek schliesst von sich auf andere

… ohne zu zögern! Ohne Frage (zumindest wenn ihre Geschichte ungelogen ist), hat sie eine schwere Vergangenheit, diese bringt sie aber den Tatsachen keinen Schritt näher. Sie versucht sich in einem Interview in der FAZ in der Verknüpfung diverser Thematiken - und scheitert kläglich.

Sie listet die üblichen und ewig alten Formeln auf, die es so gibt: Muslime betrachten offenbar Nichtmuslime als Unrein und verachten sie deshalb, Frauen hätten keinen Wert im Islam, Parallelgesellschaften und der resliche Blah. Interessant fand ich nur, dass sie offensichtlich den blossen friedlichen Protest gegen hassverbreitende ‘Karikaturen’ als faschistisch bezeichnet! Das ist deshalb so interessant, da hier das einseitige Recht auf freie Meinungsäusserung noch weiter überspitzt wird in eine Verleumdung jedweder Person, die eine bestimmte Meinung anfechten möchte. Aber an die eigene Nase fassen, scheint sie auch nicht zu können.

Dann kommt Necla Kelek auf den Artikel der 60 Sozialwissenschaftler zu sprechen, der anfang Februar in der Zeit veröffentlicht wurde (Gerechtigkeit für die Muslime!). Darin greifen Sozialwissenschaftler (u.a. die Autoren Dr. Mark Terkessidis und Prof. Dr. Yasemin Karakasoglu (“Viele Welten leben”)) die Tatsache an, dass politische Interessen im Bezug auf Muslime in letzter Zeit über solche Berichte gerechtfertigt werden, wie sie Necla Kelek, Hirsi Ali und Seyran Ates liefern. Dabei erfüllen diese keinen wissenschaftlichen Standard. Wenn sie also der deutschen Integrationspolitik als Grundlage dienen, wird sich die Lage verschlimmern.

Diese Literatur ist unwissenschaftlich und arbeitet ganz offensichtlich mit unseriösen Mitteln. Necla Kelek beispielsweise hat vor etwa drei Jahren ihre Dissertation zum Thema „Islam und Alltag“ vorgelegt, in der sie zu ganz anderen Ergebnissen kommt als in „Die fremde Braut“. Sie stellte damals fest, dass der Islam für die jungen Leute türkischer Herkunft vor allem ein Mittel der sozialen Identifikation sei – und weniger eine unhinterfragte religiöse Tradition. In den Islamvorstellungen der von ihr interviewten jungen Leute zeige sich eine Modernisierung des Islam – eine Anpassung an die hiesigen Lebensumstände und eine Subjektivierung des Hergebrachten. Dass sie in „Die fremde Braut“ das genaue Gegenteil behauptet, scheint für Necla Kelek kein Problem zu sein. Sie verwendet sogar Interviewmaterial aus ihrer frühren Untersuchung – allerdings wird es nun neu gedeutet.

2002 schrieb sie: „Das Bekenntnis zum Muslim-Sein darf im Regelfall nicht als traditionelle Selbstverortung missverstanden werden“. 2003 werden Interviewaussagen von „Mete“ und „Emil“, die aus der Untersuchung „Islam im Alltag“ stammen, völlig anders interpretiert. Das Menschen- und Weltbild des Islam, das den einzelnen der Gemeinschaft und dem Willen Gottes unterwerfe, werde von den Jugendlichen überhaupt nicht hinterfragt, schreibt sie. Und weiter: „Es kann auch gar nicht infrage gestellt werden, weil der Islam als Gesetzesreligion gottgegeben ist. Dieses Kulturmuster prägt das Handeln der muslimischen Migranten in Deutschland bis in den letzten Winkel ihres Alltags – ihr Leben ihr Verhalten, die Erziehung der Kinder.

Und diese Werte haben mit den Werten und Normen der deutschen Mehrheitsgesellschaft nicht viel gemein.“ Offenbar wurden hier die eigenen – und zwar wissenschaftlich abgesicherten - Erkenntnisse mutwillig verbogen, um am Buchmarkt einen Erfolg zu landen und sich dabei selbst als authentische und vorgeblich wissenschaftlich legitimierte Ansprechpartner zu allem, was mit „den Türken“ oder „dem Islam“ zutun hat, in Szene zu setzten. Das Kalkül geht auf, von der taz bis zur ZEIT wird Kelek gerne konsultiert, wenn es darum geht, „türkische“ oder „islamische“ Verhaltensweisen zu deuten. Sie darf gewalttätige Übergriffe türkischer Fussballnationalspieler gegen die Schweizer Mannschaft unreflektiert auf die islamische Religionszugehörigkeit der türkischen Spieler zurückführen oder Vandalismus von jungen Migranten nach französischem Vorbild mit Hinweis auf das Unvermeidliche der „türkisch-islamischen Kultur“ auch für Deutschland prognostizieren. Dabei sind die „Analysen“ nichts mehr als die Verbreitung billiger Klischees über „den Islam“ und „die Türken“, angereichert durch schwülstige Episoden aus Keleks Familiengeschichte.

Frau Kelek:

Meine Kritiker blenden die soziale Wirklichkeit aus, und aus politischen Gründen lassen sie den Islam und seine Wirkungsmacht außer acht. Aber es gibt andere Forschungsansätze, die durchaus den Nachweis erbringen, warum es einen auffälligen Zusammenhang zwischen islamischer Religiosität und Gewaltbereitschaft bei jungen Türken gibt.

Die politisierung, die sie den Wissenschaftlern unterstellt, ist eigentlich genau das, was sie betreibt. Tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen Religiosität und Gewaltbereitschaft nur in der Berichterstattung zu suchen, nicht in der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen. Dafür werde ich im nächsten Artikel einige Beispiele nennen. Übrig bleibt, dass sich Frau Kelek spätestens mit diesem Interview disqualifiziert und klar macht, dass sie weder ihre Vergangenheit noch den Stoff, von dem sie spricht aufgearbeitet hat.

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Comments

  • By Marian Wirth, 24. Februar 2006 @ 13:19

    Hier ist der Link zu dem Interview:

    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EA41F05B48B8D489FB7611FD6A99A1F78~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Das mit dem “Ausblenden der sozialen Wirklichkeit” und dem “Ausserachtlassen des (…) Islam” ist wirklich gut ;-). Stimmt wirklich für beide Pole der Debatte.

  • By Heise, 17. März 2006 @ 15:55

    Es war ein denkwürdiger Abend bei den WDR Funkhausgesprächen. Anfangs hatte man vieleicht falsche Vorstellungen von den Arbeiten und Ansichten von Frau Dr. Kelek. Aber letztendlich fand ich es sehr überzeugend, wie sich diese Autorin auf ungeahnte und überraschende Weise für ihre türkischen Mitbürger/innen und besondérs uns Deutsche (was immer man heute darunter zu verstehen vorgibt) eingesetzt hat. Jetzt ist erst recht Bescheidenheit angesagt.

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